Die Mönchguter Bauernhochzeit

Ich freue mich immer nöch über die "Mönchguter Bauernhochzeit", die von zahlreichen Mönchguter Vereinen gemeinsam erarbeitet und im Rahmen des Mönchguter Heimatabends im Haus des Gastes in Baabe auf Rügen  als Nummernrevue präsentiert wurde.
Mit viel Liebe und Freude nahmen Jung und Alt teil, ein Kinderchor sang und tanzte bevor die Hochzeit begann, eine Hochzeit wie sie um 1860 auf der Halbinsel Mönchgut wohl gefeiert wurde,  9 Tage lang dauerten die Vorbereitungen und die Feier selbst, das ganze Dorf war eingeladen. Es wurde getanzt, gescherzt, getrunken und geschmaust. All dies in Szene gesetzt von der Mönchguter Trachtengruppe, Schulkindern, Gesangsvereinen und Freunden.
Wer alles mitmachte und Eindrücke von den Proben kann man auf der Seite der Ostseezeitung nachlesen.

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Da wir recht früh im Mönchgut ankamen, konnten wir noch einen kurzen Abstecher nach Göhren unternehmen und einen Blick auf das Göhrener Heimatmuseum werfen. Daher stammt die von mir rekonstruierte Pottmütze!

Ich war vom Heimatverband MV eingeladen worden mitzukommen und also hatte ich auch meine Pottmützen geschnappt; diese stammen ja aus Mönchgut. Und  ein echter Mönchguter erklärte sich bereit Modell zu stehen.

Die Braut trug bis zur Hochzeit einen Blumenkranz (Jungfernkranz), nach der Trauung über einer weißen Mütze eine schwarze Haube.

Bewegen Sie den Schieberegler zum Vergleich ;=)

Die Galerie gibt einen kleinen Eindruck von der Spielfreude und der Farbentracht.

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Ganz besonders gefallen hat mir der Zusammenhalt und die Freude der Beteiligten und der Zuschauer, denn dieser Heimatabend war keine touristische Schau-Veranstaltung, sondern ein Heimatabend der Mönchguter für die Mönchguter.

Mönchguter Bauernhochzeit +Wolle for Future

Poken nennt man die Bewohner der Halbinsel Mönchgut auf der Insel Rügen. Mönchgut - das ist auch eine der verbliebenen pommerschen Trachtengebiete und so freue ich mich ganz besonders auf die heutige Veranstaltung, eine Aufführung der historischen Mönchguter Hochzeit im Haus des Gastes in Baabe auf Rügen.

Ich beschäftige mich ja nun schon eine ganze Weile mit der alten Kopfbedeckung der Poken, der Mönchguter Pottmütze, und so bin ich natürlich auch gespannt ob ich heute auch eine Pottmütze zu sehen bekomme.

Vor drei Tagen lief abends im NDR eine Sendung mit dem Titel "Wolle for Future", ein Bericht über das Unternehmen "Nordwolle" des umtriebigen und unternehmungslustigen Marco Scheel, der die Wolle des pommerschen Rauhwollschafes für wärmende und kleidsame Bekleidung verwendet, dabei auch seinen Teil zur Rettung der gefährdeten Schafsrasse beiträgt und auf sehr unkonventionelle Weise sein Unternehmen voranbringt. Die Schafe werden inzwischen nicht nur auf der Halbinsel Mönchgut, sondern auf der ganzen Insel Rügen und auf Hiddensee (und auch anderswo) gehalten und tragen wesentlich zur Landschaftspflege bei.

 Wikimedia: User:Klaaschwotzer - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=84108581

Marco Scheel war in diesem Bericht mit einer dicken Wollmütze zu sehen, aber leider keine Pottmütze. Da muß ich noch ein wenig Marketing betreiben...
Seine Webseite ist hier zu finden: https://nordwolle.shop/ und seine Kreationen habe ich schon beim Schaproder Fisch- und Wollmarkt im letzten Herbst bewundert.

Die Sendung ist in der Mediathek des NDR online, aber wie so oft ist ungewiß wie lange noch. Wer also die Nordstory  "Wolle for Future" noch nicht gesehen hat, sollte das jetzt tun! Und ich fahre jetzt nach Rügen zur Mönchguter Bauernhochzeit... ich werde berichten.

Craft Conference in Viljandi

Netzwerktreffen, Tag der Tracht, Konferenzen - ich komme mit vielen interessanten Menschen und deren Themen zusammen. Letztes Jahr nahm ich am "Nordic Knitting Symposium" der Kulturakademie Viljandi teil, und dieses Jahr veranstaltete die Akademie neben dem alljährlichen CraftCamp die Konferenz Studying Traditional Crafts: Goals and Methods in Higher Education.

Die Ankündigung der Konferenz ließ mich aufhorchen, obwohl ich ja selbst nicht in "Higher Education", also an einer Hochschule oder ähnlich gearteten Institution, arbeite.
Ich zähle mich aber zum avisierten Teilnehmerkreis der Veranstaltung:

"We invite to participate scholars, teachers, students, and practitioners. Cultural workers such as artists, craftsmen, and designers interested in developing knowledge in native crafts and its position in today’s society will find models and inspiration at this conference."

Also hatte ich mich angemeldet, denn mich interessieren die Ergebnisse, Methoden und Curricula eines solchen Themas.

  • Wie unterrichtet man traditionelles Handwerk mit welchen Lernzielen in den verschiedensten Institionen?
  • Wo wird immaterielles Kulturgut unterrichtet, wo nicht, wo ist es vergessen?

So wie es den Begriff  "endangered breeds" in der Tierwelt gibt, gibt es auch den Begriff "endangered craft" . Während die gefährdeten Tierrassen aber immer mehr wahrgenommen werden, steht es um die gefährdeten Handwerke und -techniken wahrscheinlich schlechter aus, mir ist keine Liste der endangered crafts bekannt.

Zwei interessante Tage mit Vorträgen, Gesprächen, einem abendlichen Diner und am letzten Abend ein Abendessen im "Felin"-Restaurant (sehr zu empfehlen) mit fröhlichen und animierten Unterhaltungen, ich genieße den Austausch mit interessanten und engagierten Menschen und höre ihnen gerne zu wenn sie über ihr Spezialgebiet sprechen. Mir wird dann oft deutlich, daß gerade dieses Thema gar nicht so randständig ist wie gedacht sondern durchaus mit mir zu tun hat.

Die Konferenz fand im Zentrum für traditionelle Musik auf dem Burgberg statt und es war nur ein kurzer Spaziergang durch die gemütlichen kleinen Straßen Viljandis von der Unterkunft zum Tagungsort.

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Strahlendes Wetter, klare Luft, blauer Himmel und wunderbar gefärbte Bäume - fast noch Oktober und noch nicht November - so kam es mir vor. Direkt am Burgberg liegt auch die schöne St. Johannis-Kirche, deren Glockenspiel am Abend nach dem 18:00-Uhr Läuten die Seele wärmen kann (Guten Abend, gut Nacht...)

Tacit Knowledge - Implizites Wissen - dieser von Michael Polyani geprägte Begriff umschreibt ein Wissen, das man nicht ausdrücken kann - für das man keine Worte hat, das aber trotzdem zur Verfügung steht und zwar nicht kognitiv sondern mental.

Und daraus ergibt sich die Frage wie man dieses Wissen im Bildungsprozeß wecken, nutzen und ausbilden kann.

Hochinteressant.

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In der Wikipedia:

Empirisch wird implizites Wissen ...  in der Regel als Differenzgröße zwischen Können und explizitem Wissen aufgefasst und auch entsprechend gemessen. Es wird einerseits erfasst, was eine Person kann, und andererseits gemessen, was sie berichtbar weiß; gleichsam als Differenz ergibt sich dann, was (nur) implizit „gewusst“ wird. Das artikulierte Wissen muss freilich noch daraufhin geprüft werden, ob es auch tatsächlich handlungssteuernd wirkt oder aber nur in der Befragungssituation geäußert wird.

Alle Vorträge waren sehr "nah an der Praxis" und zeigten Fragestellungen und Herangehensweisen auf. Sollen im Curriculum für die allgemeine Schule weiterhin "Werken" und "Textilunterricht" als Einzelfächer oder als synthetisches Fach festgeschrieben werden, wie vermittelt man Kenntnisse über die verwendeten Handarbeitstechniken an angehende Kulturhistorikern Kuratoren o.ä., die selbst nicht handarbeiten können? Und auf was müssen Schatzsucher auf Shetland über die Funde, die sie mittels ihrer Metalldetektoren aufspüren, wissen, auf was sollten sie achten? Wieviel tacit knowledge findet sich in den Arbeiten lettischer Kunststudenten, obwohl an der Akademie die traditionellen Handwerke gar nicht unterrichtet werden?

Solchen Vorträgen könnte ich ewig zuhören, nur auf einen Vortrag hätte ich gerne verzichtet, den Vortrag über Fischleder und seine Verwendung in der Modebranche, manisch schnell und laut vorgetragen von Elisa Palomino, (Central Saint Martins, University of the Arts, UK), deren Wortschatz zu 25% aus important oder interesting bestand. Mir taten die Ohren weh und die Mode-Industrie ist sowieso nicht mein Ding.
Sehr zugesagt hat mir der Vortrag The specialized vocabulary of craftsvon Marja-Leena Jaanus (University of Tartu, Estonia), die die Ergebnisse Archaeo-linguistischer Forschung auf dem Feld der Handwerks-Termini vorstellte. Mehr zu ihrer Arbeit fand ich auf den Seiten der Kulturakademie, das werde ich noch weiter studieren.

Erstaunlich, daß ich in Estland dieses Jahr mehrfach mit Sprachforschung in Berührung kam, im Jui in Töstamaa und jetzt hier auf der Konferenz.

Ach ja, fast hätte ich es vergessen: Hier noch das komplette Programm der Konferenz.

Und zum Schluß noch ein Schmankerl: Am zweiten Abend wurde im Kondas-Zentrum für Naive Kunst die Ausstellung "In search of National" der Kulturakademie eröffnet und im Eingangsbereich auf einem Tisch lagen zu meiner Freude zwei estnische Hüte und zwei Strickmützen von der Insel Saaremaa zur Anprobe und als Selfie-Kostümierung aus!

Die Strickmütze von der Insel Saaremaa

Kondas Centre for Naive Art

Netzwerktreffen 2019 „Brauchtum in Pommern“ in Stettin (Szczecin)

Ich bin unteregs zu einer zweitägigen Veranstaltung in Stettin, einem Netzwerktreffen zum Thema "Brauchtum in Pommern“.

Ein weiterführender Austausch der Teilnehmenden soll dieses Jahr durch ein vielfältiges Konferenzprogramm fortgesetzt werden. Ein besonderes Schwerpunktsthema dieses Jahr sind die pommersche Sagen und Legenden. Das Programm besteht aus Kennenlernrunden, Vorträgen, Führungen, Gesprächen und Workshops, der gemeinsamen Planung von Maßnahmen im Netzwerk und aus einem Konzert. Das Thema der Musiktraditionen vertiefen wir unter anderem im Rahmen eines Konferenzbegleitenden „Musiklabors“, welches an professionelle MusikerInnen gerichtet ist.

Die Mönchguter Tracht wird Thema eines der Gespräche sein, das paßt ja zu meinem aktuellen Thema sehr gut, die Mützen sind schon eingepackt.
Mehr Informationen zu der Tagung findet man auf den Seiten des "Kulturreferates für Pommern" beim Vorpommerschen Landesmuseum Greifswald.

Nachbericht vom Tag der Tracht

Auch heute wieder stundenlang kein Netz hier in der Vorpommern-Pampa, das schmeißt alle Zeitpläne über den Haufen und ist einfach nur ärgerlich.
Aber ich wollte ja Schönes berichten und dann fange ich mal damit an.

Ich stellte ja meine Pottmützen vor und dabei ergaben sich viele interessante Gespräche. Die Mütze fand viel Anklang und Begehr, aber die verwendete Wolle oft nicht. Viele meinten, sie kratze zu sehr und das ginge gar nicht. Dagegen kann man aber etwas tun: Einfach das Innenfutter aus einer nichtkratzenden Wolle stricken und dann sollte es gut sein!
Viele Flyer wurden mitgenommen und hier auf der Seite kann man ihn ja auch herunterladen!

PDFDie vorpommersche Pottmütze - Flyer

Auch die Ostseezeitung berichtete über mich und mein Thema, wenn auch mit einigen kleinen Ungenauigkeiten (Museum Stralsund - nicht Greifswald)... aber es tut gut, wenn diese alten Dinge wahrgenommen werden.

Besonders gefreut hat mich die Bekanntschaft mit Frau Hildegund Hergenhan, die mit ihrem Gatten zusammen unermüdlich alte Techniken lehrt und schöne Dinge herstellt, ihre Webseite bandweben.info zeigt das breite Spektrum ihres Schaffens.

Viele der Bänder zeigen ihre Nähe zu den lettischen Bändern, viele Motive sind gleich oder auch die Farbkombinationen. Es gibt aber auch Bänder wie ich sie dort noch nie gesehen hatte: die Hochzeitsbänder zum Beispiel oder die Spruchbänder.

In den Tanzpausen fand sich Gelegenheit miteinander zu plaudern und ich werde auf jeden Fall bei ihr einen Kurs belegen.

Die Musik der Band Saitenspinner war unterhaltsam und tanzbar, Polonaisen, Polkas und auch Caféhaus-Musik im Repertoire, zu dem unermüdlich und fröhlich getanzt wurde.

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Zwei der Teilnehmerinnen waren gerade erstmal neun und zehn Jahre alt und voller Freude und Interesse bei der Sache. Aber sie tanzten nicht nur, sie tundelten auch.

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Was Tundeln ist? Eine uralte Flechttechnik, die schon seit der Eisen- und Bronzezeit im nordeuropäischen Raum zum Einsatz kam. Vier Bänder werden verschränkt und zwar auf sehr spielerische Weise.
Die so geschaffenen Bänder kann man statt eines I-Cords an Stricksachen verwenden, oder als Hutschnur, es gibt viele Einsatzmöglichkeiten,

Herr Hergenhan hatte ein Gestell mitgebracht und die notwendigen Tundeln und er übte bereitwillig mit jedem, der wollte, diese Technik. Ich kann jetzt auch tundeln! Und besitze einen Satz Tundeln - ich bin gespannt was ich damit fertigen werde.

Wie unschwer zu sehen ist, sind die Schnüre, die ungefähr einem Meter über Armhöhe mit einer Schlaufe an dem Gestell befestigt sind, mit den Tundelhölzern beschwert und dann werfen zwei Tundler sich diese Tundeln überkreuz zu, rechts auf rechts und links auf links, immer abwechselnd. Und so entsteht ein wunderschönes Band!
Das Video zeigt, wie Jasmin Tresp und Josephine Springer unter Anleitung von Herrn Hergenhan sich  sehr schnell in die Technik einfinden und lostundeln.

Ein toller Tag war das, eine schöne gelungene Veranstaltung des Heimatverbandes M-V. Danke dafür!

Tanzen – Sticken – Tundeln

Der Tag der Tracht MV gestern, am 20. Oktober, war ein toller Tag! Veranstaltet vom Volkskundemuseum Schönberg (Nordwestmecklenburg) und dem Mecklenburg-Vorpommerschen Heimatverband, wurde getanzt, gestickt, getundelt - und das in einer fröhlichen Stimmung, die gut tut.

Das Schöne an der Veranstaltung war, daß es hier nicht um ein "Schaulaufen der Trachtenvereine" vor Publikum ging, sondern daß die Mitglieder der Trachtenvereine gemeinsam tanzten, sich austauschten und Freude hatten.
Und meine Pottmütze, die ja hier Premiere hatte, wurde bewundert und interessiert studiert.

Mich freute auch, daß mehrere der Damen, mit denen ich ins Gespräch kam, unser Handschuhbuch "Handschuhe aus Lettland" kannten oder besaßen!

Auch die Ostseezeitung war anwesend und berichtete über das Treffen.

Wie gesagt wenn die Götter des Netzes (Telekom et al) es erlauben, gibt es morgen viele schöne Bilder und weitere Video-Ausschnitte zu sehen!