wie kommt’s?

Ich habe ein Faible für Mustersampler und habe schon so manche Muster-Streifen gestrickt. Vormsi Travelling Stitches oder die Kopie eines estnischen Mustersamplers aus dem Nationalmuseum, ich habe Spaß daran.
Eine gute Möglichkeit, Muster oder Farbkombinationen auszuprobieren oder zu lernen. Ich vertiefe mich dann immer in die Charts, zähle die Maschen, zeichne die Charts oft auch selbst noch einmal um einem Repeat auf die Schliche zu kommen.

Zur Zeit mag ich die Muster aus dem russischen Nordwesten, der Region Arkhangelsk am Weißen Meer und der Autonomen Komi Republik, sehr. Einige habe ich ja beim Nordic Knitting Symposium lernen können und einige Muster finden sich auch in diversen Strickbüchern. Ich stromere durch die Seiten verschiedener Handarbeitsklubs im russischen VKontakte, dem russischen Gegenpol zu Facebook, oder durch die Veröffentlichungen verschiedener Ethnographie-Museen.

Inzwischen habe ich verschiedene sogenannte "Siebener Muster" aus der Region Arkhangelsk und dem Ort Leshukonsk gestrickt. Sie heißen so weil sie fast immer 7 Reihen hoch sind; die Maschenzahl ist durch 6 teilbar und immer wieder kommen Runden mit immer 3 Maschen pro Farbe im Wechsel.

Langer Streifen

Und so sitze ich jetzt schon eine Weile und zeichne mir Strickschriften auf und stricke, probiere die Muster. Und passe anscheinend manchmal nicht wirklich auf. Sonst käme so etwas doch wohl nicht von den Nadeln?

Ich habe 60 Maschen auf den Nadeln und das Muster nimmt 30 Maschen ein. Also stricke ich 2x das Gleiche, es kommt aber was Unterschiedliches raus. Woran liegt es? Hat sich das Muster verselbstständigt?

Ich wundere mich.

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Vorderseite

Rückseite

Am Sonntag

Ich habe schon oft Video-Beiträge als "Sonntags-Video" hier vorgestellt und auf der Seite auch eingebunden. Bei den Videos, die ich heute vorstellen möchte, geht das aber nicht, denn ich verlinke auf Seiten in der Mediathek des Senders 3sat, die einerseits einen interessanten einführenden Text und bis zum 4. Mai auch die entsprechende TV-Sendung enthalten.
Ich habe mich dieser Tage sehr über diese Sendungen gefreut, vor allem natürlich über den Beitrag "Aus Liebe zur Tracht"

© 3sat 2020ff

Mit viel Detailwissen wird aufgezeigt, wie sehr im Vorarlberg in Österreich die Trachten inzwischen wieder getragen und geliebt werden, wie wichtig sie den Trägerinnen sind, was sie für sie bedeuten. Und auch mit wieviel Geduld und Kunstfertigkeit die Trachten hergestellt werden.

Es stimmt nun mal: Trachten verschönern!

Aus Liebe zur Tracht

Marion Flatz-Mäser porträtiert Frauen und Kunsthandwerkerinnen, die Tracht mit Begeisterung tragen und sich darum kümmern, dass die traditionelle Tracht auch weiterhin hergestellt werden kann.

Traditionsreiches Österreich

Welterbe und UNESCO ist jedermann ein Begriff, in Österreich zählt u.a. die Wachau und Schloss Schönbrunn zum Welterbe. Weit weniger bekannt ist der Begriff "Immaterielles Kulturerbe".

Alt bewährt, von Hand gemacht - Traditionelle Handwerksberufe

Ob Küfer, Orgelbauer, Lehmbaupionier, Maßschuhmacherin, Keramikerin oder Restauratorin. Geschickte Handwerkerinnen und Handwerker erzeugen nicht nur formschöne, sondern auch solide Produkte, die lange leben.

Ganz besonders interessant finde ich die Vorstellung der Blaudruck-Technik

Die Mönchguter Bauernhochzeit

Ich freue mich immer nöch über die "Mönchguter Bauernhochzeit", die von zahlreichen Mönchguter Vereinen gemeinsam erarbeitet und im Rahmen des Mönchguter Heimatabends im Haus des Gastes in Baabe auf Rügen  als Nummernrevue präsentiert wurde.
Mit viel Liebe und Freude nahmen Jung und Alt teil, ein Kinderchor sang und tanzte bevor die Hochzeit begann, eine Hochzeit wie sie um 1860 auf der Halbinsel Mönchgut wohl gefeiert wurde,  9 Tage lang dauerten die Vorbereitungen und die Feier selbst, das ganze Dorf war eingeladen. Es wurde getanzt, gescherzt, getrunken und geschmaust. All dies in Szene gesetzt von der Mönchguter Trachtengruppe, Schulkindern, Gesangsvereinen und Freunden.
Wer alles mitmachte und Eindrücke von den Proben kann man auf der Seite der Ostseezeitung nachlesen.

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Da wir recht früh im Mönchgut ankamen, konnten wir noch einen kurzen Abstecher nach Göhren unternehmen und einen Blick auf das Göhrener Heimatmuseum werfen. Daher stammt die von mir rekonstruierte Pottmütze!

Ich war vom Heimatverband MV eingeladen worden mitzukommen und also hatte ich auch meine Pottmützen geschnappt; diese stammen ja aus Mönchgut. Und  ein echter Mönchguter erklärte sich bereit Modell zu stehen.

Die Braut trug bis zur Hochzeit einen Blumenkranz (Jungfernkranz), nach der Trauung über einer weißen Mütze eine schwarze Haube.

Bewegen Sie den Schieberegler zum Vergleich ;=)

Die Galerie gibt einen kleinen Eindruck von der Spielfreude und der Farbentracht.

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Ganz besonders gefallen hat mir der Zusammenhalt und die Freude der Beteiligten und der Zuschauer, denn dieser Heimatabend war keine touristische Schau-Veranstaltung, sondern ein Heimatabend der Mönchguter für die Mönchguter.

Mönchguter Bauernhochzeit +Wolle for Future

Poken nennt man die Bewohner der Halbinsel Mönchgut auf der Insel Rügen. Mönchgut - das ist auch eine der verbliebenen pommerschen Trachtengebiete und so freue ich mich ganz besonders auf die heutige Veranstaltung, eine Aufführung der historischen Mönchguter Hochzeit im Haus des Gastes in Baabe auf Rügen.

Ich beschäftige mich ja nun schon eine ganze Weile mit der alten Kopfbedeckung der Poken, der Mönchguter Pottmütze, und so bin ich natürlich auch gespannt ob ich heute auch eine Pottmütze zu sehen bekomme.

Vor drei Tagen lief abends im NDR eine Sendung mit dem Titel "Wolle for Future", ein Bericht über das Unternehmen "Nordwolle" des umtriebigen und unternehmungslustigen Marco Scheel, der die Wolle des pommerschen Rauhwollschafes für wärmende und kleidsame Bekleidung verwendet, dabei auch seinen Teil zur Rettung der gefährdeten Schafsrasse beiträgt und auf sehr unkonventionelle Weise sein Unternehmen voranbringt. Die Schafe werden inzwischen nicht nur auf der Halbinsel Mönchgut, sondern auf der ganzen Insel Rügen und auf Hiddensee (und auch anderswo) gehalten und tragen wesentlich zur Landschaftspflege bei.

 Wikimedia: User:Klaaschwotzer - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=84108581

Marco Scheel war in diesem Bericht mit einer dicken Wollmütze zu sehen, aber leider keine Pottmütze. Da muß ich noch ein wenig Marketing betreiben...
Seine Webseite ist hier zu finden: https://nordwolle.shop/ und seine Kreationen habe ich schon beim Schaproder Fisch- und Wollmarkt im letzten Herbst bewundert.

Die Sendung ist in der Mediathek des NDR online, aber wie so oft ist ungewiß wie lange noch. Wer also die Nordstory  "Wolle for Future" noch nicht gesehen hat, sollte das jetzt tun! Und ich fahre jetzt nach Rügen zur Mönchguter Bauernhochzeit... ich werde berichten.

Craft Conference in Viljandi

Netzwerktreffen, Tag der Tracht, Konferenzen - ich komme mit vielen interessanten Menschen und deren Themen zusammen. Letztes Jahr nahm ich am "Nordic Knitting Symposium" der Kulturakademie Viljandi teil, und dieses Jahr veranstaltete die Akademie neben dem alljährlichen CraftCamp die Konferenz Studying Traditional Crafts: Goals and Methods in Higher Education.

Die Ankündigung der Konferenz ließ mich aufhorchen, obwohl ich ja selbst nicht in "Higher Education", also an einer Hochschule oder ähnlich gearteten Institution, arbeite.
Ich zähle mich aber zum avisierten Teilnehmerkreis der Veranstaltung:

"We invite to participate scholars, teachers, students, and practitioners. Cultural workers such as artists, craftsmen, and designers interested in developing knowledge in native crafts and its position in today’s society will find models and inspiration at this conference."

Also hatte ich mich angemeldet, denn mich interessieren die Ergebnisse, Methoden und Curricula eines solchen Themas.

  • Wie unterrichtet man traditionelles Handwerk mit welchen Lernzielen in den verschiedensten Institionen?
  • Wo wird immaterielles Kulturgut unterrichtet, wo nicht, wo ist es vergessen?

So wie es den Begriff  "endangered breeds" in der Tierwelt gibt, gibt es auch den Begriff "endangered craft" . Während die gefährdeten Tierrassen aber immer mehr wahrgenommen werden, steht es um die gefährdeten Handwerke und -techniken wahrscheinlich schlechter aus, mir ist keine Liste der endangered crafts bekannt.

Zwei interessante Tage mit Vorträgen, Gesprächen, einem abendlichen Diner und am letzten Abend ein Abendessen im "Felin"-Restaurant (sehr zu empfehlen) mit fröhlichen und animierten Unterhaltungen, ich genieße den Austausch mit interessanten und engagierten Menschen und höre ihnen gerne zu wenn sie über ihr Spezialgebiet sprechen. Mir wird dann oft deutlich, daß gerade dieses Thema gar nicht so randständig ist wie gedacht sondern durchaus mit mir zu tun hat.

Die Konferenz fand im Zentrum für traditionelle Musik auf dem Burgberg statt und es war nur ein kurzer Spaziergang durch die gemütlichen kleinen Straßen Viljandis von der Unterkunft zum Tagungsort.

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Strahlendes Wetter, klare Luft, blauer Himmel und wunderbar gefärbte Bäume - fast noch Oktober und noch nicht November - so kam es mir vor. Direkt am Burgberg liegt auch die schöne St. Johannis-Kirche, deren Glockenspiel am Abend nach dem 18:00-Uhr Läuten die Seele wärmen kann (Guten Abend, gut Nacht...)

Tacit Knowledge - Implizites Wissen - dieser von Michael Polyani geprägte Begriff umschreibt ein Wissen, das man nicht ausdrücken kann - für das man keine Worte hat, das aber trotzdem zur Verfügung steht und zwar nicht kognitiv sondern mental.

Und daraus ergibt sich die Frage wie man dieses Wissen im Bildungsprozeß wecken, nutzen und ausbilden kann.

Hochinteressant.

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In der Wikipedia:

Empirisch wird implizites Wissen ...  in der Regel als Differenzgröße zwischen Können und explizitem Wissen aufgefasst und auch entsprechend gemessen. Es wird einerseits erfasst, was eine Person kann, und andererseits gemessen, was sie berichtbar weiß; gleichsam als Differenz ergibt sich dann, was (nur) implizit „gewusst“ wird. Das artikulierte Wissen muss freilich noch daraufhin geprüft werden, ob es auch tatsächlich handlungssteuernd wirkt oder aber nur in der Befragungssituation geäußert wird.

Alle Vorträge waren sehr "nah an der Praxis" und zeigten Fragestellungen und Herangehensweisen auf. Sollen im Curriculum für die allgemeine Schule weiterhin "Werken" und "Textilunterricht" als Einzelfächer oder als synthetisches Fach festgeschrieben werden, wie vermittelt man Kenntnisse über die verwendeten Handarbeitstechniken an angehende Kulturhistorikern Kuratoren o.ä., die selbst nicht handarbeiten können? Und auf was müssen Schatzsucher auf Shetland über die Funde, die sie mittels ihrer Metalldetektoren aufspüren, wissen, auf was sollten sie achten? Wieviel tacit knowledge findet sich in den Arbeiten lettischer Kunststudenten, obwohl an der Akademie die traditionellen Handwerke gar nicht unterrichtet werden?

Solchen Vorträgen könnte ich ewig zuhören, nur auf einen Vortrag hätte ich gerne verzichtet, den Vortrag über Fischleder und seine Verwendung in der Modebranche, manisch schnell und laut vorgetragen von Elisa Palomino, (Central Saint Martins, University of the Arts, UK), deren Wortschatz zu 25% aus important oder interesting bestand. Mir taten die Ohren weh und die Mode-Industrie ist sowieso nicht mein Ding.
Sehr zugesagt hat mir der Vortrag The specialized vocabulary of craftsvon Marja-Leena Jaanus (University of Tartu, Estonia), die die Ergebnisse Archaeo-linguistischer Forschung auf dem Feld der Handwerks-Termini vorstellte. Mehr zu ihrer Arbeit fand ich auf den Seiten der Kulturakademie, das werde ich noch weiter studieren.

Erstaunlich, daß ich in Estland dieses Jahr mehrfach mit Sprachforschung in Berührung kam, im Jui in Töstamaa und jetzt hier auf der Konferenz.

Ach ja, fast hätte ich es vergessen: Hier noch das komplette Programm der Konferenz.

Und zum Schluß noch ein Schmankerl: Am zweiten Abend wurde im Kondas-Zentrum für Naive Kunst die Ausstellung "In search of National" der Kulturakademie eröffnet und im Eingangsbereich auf einem Tisch lagen zu meiner Freude zwei estnische Hüte und zwei Strickmützen von der Insel Saaremaa zur Anprobe und als Selfie-Kostümierung aus!

Die Strickmütze von der Insel Saaremaa

Kondas Centre for Naive Art

Netzwerktreffen 2019 „Brauchtum in Pommern“ in Stettin (Szczecin)

Ich bin unteregs zu einer zweitägigen Veranstaltung in Stettin, einem Netzwerktreffen zum Thema "Brauchtum in Pommern“.

Ein weiterführender Austausch der Teilnehmenden soll dieses Jahr durch ein vielfältiges Konferenzprogramm fortgesetzt werden. Ein besonderes Schwerpunktsthema dieses Jahr sind die pommersche Sagen und Legenden. Das Programm besteht aus Kennenlernrunden, Vorträgen, Führungen, Gesprächen und Workshops, der gemeinsamen Planung von Maßnahmen im Netzwerk und aus einem Konzert. Das Thema der Musiktraditionen vertiefen wir unter anderem im Rahmen eines Konferenzbegleitenden „Musiklabors“, welches an professionelle MusikerInnen gerichtet ist.

Die Mönchguter Tracht wird Thema eines der Gespräche sein, das paßt ja zu meinem aktuellen Thema sehr gut, die Mützen sind schon eingepackt.
Mehr Informationen zu der Tagung findet man auf den Seiten des "Kulturreferates für Pommern" beim Vorpommerschen Landesmuseum Greifswald.