Atem – (Schutz) – Masken ?

Wir alle wissen, daß es gerade nicht so gut läuft. Alle sollen sich schützen, Kontakt wird gesperrt, Ausgehen wird eingeschränkt und vor der Nase sollte man, wann immer man unter Menschen geht, eine Schutzmaske tragen.

Und zwar eine, welche die oder den Gegenüber vor Tröpfchenübertragung schützt und das Einatmen von Tröpfchen auch etwas verhindert; eine die zudem allein durch das Tragen signalisiert, daß man vorsichtig ist oder sein sollte.

Wie das aber in den Zeiten des real existierenden Kapitalismus so ist, ist zum einen die Produktion oder der Vertrieb von Masken schwierig, man war ja nicht vorbereitet und im priviatisierten Gesundheitsbereich geht es ja auch nicht um Gesundheit, sondern um Profit. Also fehlen jetzt Masken und wer sich bereits mit Klopapier eingedeckt hat, sucht jetzt eben panisch nach Gesichtsmasken.

Das ruft die Profiteure auf die Bühne - die SPAM-Ordner quellen über von Super-Teuer-Angeboten und betrügerischen Offerten, Preise steigen um das DreiTausendFache und die Krankenhäuser schlagen Alarm daß die Vorräte nicht zu Ende gehen.Wie sagt aber Hölderlin in seinem Gedicht Patmos?

Nah ist
Und schwer zu fassen der Gott.
Wo aber Gefahr ist, wächst
Das Rettende auch.

Und überall werden Masken genäht, wohl gemerkt Schutzmasken, keine Masken für den klinischen Gebrauch. Im Netz werden Nähanleitungen veröffentlicht, wie z.B. vom Nähfrosch, und viele Menschen tragen so ihr Scherflein bei.
Freiwillige holen die Nähmaschinen aus der Schachtel und rattern los. Das ist wunderbar.

Aber wieder finden Profiteure und Geier einen Weg, aus der Not Profit zu schlagen. Die widerlichste Anwaltsgattung, die Abmahnanwälte, meinen nun einen neuen Gold-Esel gefunden zu haben: Sie mahnen Rechtsverstöße ab, Rechtsverstöße wegen Irreführung, die Benennung einer Schutzmaske als Atemschutzmaske sei ein Verstoß gegen das Medizinproduktegesetz (MPG), denn diese Masken seien eben keine Schutzmaske und der Begriff  “Schutzmaske” weise für den flüchtigen Verbraucher auf die medizinischen Masken hin.

Was also tun?
Die Rechtsanwaltspraxis JUN - Kanzlei für IT und Wirtschaftsrecht wies bei Facebook auf diese Abmahnungen hin und bietet Unterstützung bei solchen Abmahnungen an.
Vorschläge. wie man die Masken rechtssicher (und nicht nur tröpfchensicher) benennen kann und was das alles auf sich hat, findet man bei der löblichen Seite "Der Volksverpetzer".
Also: Solange der Begriff "Atemschutzmaske " für die Masken nicht verwendet wird und nicht der Eindruck erweckt, es handele sich um ein offizielles Medizinprodukt, geht alles rechtlich in Ordnung.

Man kann also guten Gewissens schützende Masken herstellen und auch in Kleinserie vertreiben, wenn man bei Benennung kreativ ist und eine Bezeichnung findet, die den Zweck der Maske deutlich macht und keine Abmahner anlockt.

Viel Glück dabei! Ich freue mich darauf, bald viele bunte Mundmasken zu sehen - auch wenn ich hier in Gribow in einer ziemlich menschenleeren Ecke lebe.

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Protection Mask icon icon by Icons8
Das Frage-Icon stammt von Freepik auf der Seite www.flaticon.com
Teddybär-Foto by shixart1985 on Foter.com / CC BY

Corona-Pause

man sagt ja daß Stricken beruhigt, aber wenn man wie ich dabei gerne Fernsehen schaut, dann hebt sich dieser Effekt wieder auf.
Ich weiß nicht wie ernst die Gefahr tatsächlich ist, ich kann das nicht einschätzen, aber gerade deshalb halte ich mich an die Aufforderungen der Behörden und bleibe zuhause.
Und zudem bin ich froh, daß ich auf dem Dorf wohne und nicht mehr in der Stadt. Denn ich kann nicht verstehen daß sich soviele Menschen über die Aufforderungen hinwegsetzen und immer noch durch die Stadt latschen, in den Parks zusammenhocken, Gruppen bilden und meinen sie seien unverletzlich.
Viele dieser meist jungen Menschen halten sich für selbstverantwortlich und verwechseln dabei "selbstverantwortlich" mit "verantwortungslos". Verantwortungslos anderen Menschen gegenüber, die, wie ich auch, zu den "Risikogruppen" gehören, die krank sind oder alt. Viele halten mich mit meinen 67 Jahren für "alt", ich hingegen sehe mich nur als "chronisch kränkelnd (Asthma)", aber das reicht ja schon.
Ich bitte alle jungen selbstbestimmten Menschen, ihren Verstand einzuschalten und sich zu vereinzeln, nicht mehr in Gruppen rumzuhocken, unnötiges Shopping zu unterlassen und einfach mal nachzudenken. Das tut jedem gut!

Und was das mit Stricken zu tun hat? Nun, bei Ravelry gibt es gerade in der Gruppe "Loving the Freebies" im Thread "Free for a Limited Time" viele Anleitungen kostenlos, viele Designerinnen und Designer verschenken alle, einige oder auch nur eine Anleitung. Da sind wunderhübsche Modelle dabei - es lohnt sich mal dort vorbeizuschauen.

Wer dort nicht fündig wird, findet mit der Suche nach freien Mustern jede Menge Anleitungen

So gut gemeint diese Angebot aber auch sind, und so sehr die Anleitungen uns helfen sollen, mal abzuschalten, etwas "herunterzukommen", ich denke wir sollten gerade jetzt auch Anleitungen kaufen, die wir schon lange auf der Wunschliste haben, denn gerade den Selbständigen, Freischaffenden geht es im Moment um die Existenz - da wäre doch jeder kleine Betrag eine Hilfe, oder?

Ansonsten halten Sie es wie meine Katzen:

Entspannen Sie!

Es bietet sich doch geradezu an, viel zu stricken, endlich die Garne zu verarbeiten, die da schon immer herumliegen und mit denen man einen schönen Schal stricken könnte - zum Beispiel als Geschenk für liebe Menschen.

Ich fühle mich irre…

vor einem haufen kleiner miseren

So übersetzt Felix Philipp Ingold einen von Georges Schéhadé memorierten Vers von Jules Laforgue. Also eine Art Stille Post.

Und so geht es mir gerade auch. Kleine Miseren wachsen sich zu großen Einschränkungen aus, Grenzen werden geschlossen, Bildung abgesagt, wir sollen zuhause bleiben, nicht hysterisch werden - die Welt um uns herum jedoch zieht gerade alle Register der Hysterie.

Privat? Ich bin traurig, denn der Verlust meiner liebsten Freundin hat mich sehr getroffen. Die Fahrt zur Trauerfeier hat aber auch viele Freundschaften wieder bekräftigt oder wieder-aufleben lassen. Ich habe mich auf die bevorstehende Reise nach Estland gefreut, auf Treffen mit Freundinnen, Besuch im Nationalmuseum, Studieren alter Strickarbeiten, eine Ausstellungseröffnung, den Besuch des Arvo-Pärt-Zentrums... ich erhoffte mir davon eine Aufhellung meiner Stimmung. 
Und diese Reise findet nun nicht statt. In Estland ist der nationale Notstand ausgerufen, alle Veranstaltungen sind abgesagt, Museum sind geschlossen - ich habe so gut es ging alle Buchungen storniert und bleibe nun zuhause. Und arbeite an meinem Projekt, der Rekonstruktion alter estnischer Strickmuster aus der Mulgi-Region und dem Schaffen neuer, zeitgemäßer Anleitungen mit diesen schönen Mustern, und zu meiner Freude stelle ich fest, daß "meine" Pottmütze wieder auflebt.

MönchguterIch habe einen Brief mit einer Fotografie einer fertiggestellten Mütze erhalten (danke!), der Spinnkreis "Wittower Spinnradl" hat ein Pottmützenprojekt gestartet, es ist schön wie diese Idee Kreise zieht, wie ein vergessenes Kleidungsstück wieder ans Tageslicht und auf die Köpfe kommt.

Letzte Woche habe ich dann auch meinen Artikel über die pommersche Pottmütze für die amerikanische Zeitschrift Piecework fertiggestellt und abgegeben, das tut mir gut, ich habe jetzt wieder einen freien Kopf.

Aber wie geht alles weiter? Kann ich die abgesagte Reise nachholen, findet der geplante Workshop beim Projekt "Stettin - Mikrozentrum Europas" im Mai 2020 statt, kann ich im Juli zum Craft Camp nach Viljandi fahren, im August an "Let's Knit in Latgale" von SENA KLETS teilnehmen? Alles steht in den Sternen, alles macht Angst, aber lassen wir uns nicht über Gebühr ängstigen, sondern bleiben wir ruhig und besonnen. Stricken hilft.

 

Baltische Stunde und Wollensocke

Nein, ich habe mich nicht verschrieben: seit gestern abend gibt es die Domain wollensocke.de - denn der Redakteur und Sprecher der gestrigen "Baltischen Stunde" , Herr Caspari, hat bei seiner Moderation einen kleinen Versprecher eingebaut: er wies auch auf meine Domain hin, aber eben falsch: wollensocke.de statt wockensolle.de
Das ist kein großes Problem, ich habe diese Domain, die noch frei war, registriert und auf die wockensolle.de umgeleitet, jetzt braucht es nur noch ein wenig Zeit bis das in allen DomainNameServer verteilt ist - aber dann ist gut.
Denn die Sendungen der Baltischen Stunde bleiben  ja eine Weile weiterhin online auf der Webseite www.baltische-stunde.de und da soll der Link nicht in die Leere gehen.

Rechts im Player können Sie einen Ausschnitt aus der Sendung mithören. Die ganze Sendung ist online auf der Webseite der Baltischen Stunde. Zwei Stunden: die erste Stunde und die zweite Stunde der Sendung.

Baltische Stunde vom 18.02.2020

von Baltische Stunde - Albert Caspari

Und wie war es? Die Handschuh-Aktion anläßlich des NATO-Gipfeltreffens leitet die Besprechung der zwei Bücher, "Handschuhe aus Lettland" und "Lettisches Stricken" ein,und Caspari geht  auf die Schwerpunkte der beiden Werke ein, hier die ethnographischen Handschuhe und dort die von lettischen Mustern inspirierten aktuellen Modelle. Angesprochen wird auch die ungeklärte Vertriebssituation für Deutschland, denn bei amazon.de ist das Buch ja zur Zeit nicht zu haben. Aktuelle Bezugsquellen habe ich in einem Info-Beitrag ja schon einmal zusammengestellt.

Ich freue mich über diese Würdigung! Und da ich über einen kleinen Vorrat des Buches verfüge, kann ich ein kleines Sonderangebot machen solange der Vorrat reicht.
Einige wenige leicht bestoßene Exemplare zum Preis von 30,00€ inkl. Versand innerhalb Deutschlands und einige mängelfreie Exemplare zum Preis von 35,00€ inkl. Versand innerhalb Deutschlands.

Ihre Anfrage gilt als Reservierung, solange noch Exemplar vorhanden sind.
Schreiben Sie mir eine Nachricht, dafür gibt es ja das Kontaktformular.
Ich werde Ihnen antworten und falls noch ein Exemplar verfügbar ist, Ihnen die Zahlungsmodalitäten (PayPal Friends) nennen.

ja, und die Wockensolle.de ist nun auch über "wollensocke.de" erreichbar und wenn alles flutscht, auch über "www.wollensocke.de"

Sampler ist fertiggestrickt- und es geht weiter

Nun habe ich den Sampler schon eine Weile fertiggestrickt, alle 12 Muster gezeichnet und gestrickt und dabei kann es ja nicht bleiben.
Deshalb versuche ich mich jetzt an einem Paar Socken mit dem ersten Muster, das mir so besonders gut gefällt, und mit "echtem" Garn für solche Unterfangen, dunkelblaues und naturweißes Garn, HEA 10/2, und dazu Nadeln in der Stärke 1,75mm.
Im wahrsten Sinne des Wortes habe ich mich festgestrickt, ich hoffe daß die Socken nach dem ersten Bad etwas weicher und luftiger werden.

Dieses Vorhaben stellt mich auch vor Herausforderungen, bei denen ich all mein Können zusammenkratzen muss. "Wie strickt man die Ferse, wenn der ganze Strumpf mit einem Rundherum-Muster gearbeitet wird, ich aber jetzt nur auf 2 Nadeln die Fersenmaschen habe?" und weitere .. Ich denke dass ich das ganz gut hinbekomme und werde das hier dann auch zeigen.

Ich stecke aber auch gerade in einem "unproduktiven" Loch, so kommt es mir jedenfalls vor. Meine beste Freundin ist gestorben und ich kann das einfach nicht verstehen, da ist plötzlich ein Mensch nicht mehr da, man hört seine Stimme nie wieder, kann nie mehr zusammen Probleme wälzen oder Musik hören, es ist ungerecht. Ich möchte mich am liebsten verkriechen aber zum Glück gibt es immer noch ein paar Aufgaben und Beschäftigungen, die mich ablenken können.
So plane ich gerade Reiserouten und Unterkünfte für 2 Sommerreisen nach Estland (vor und nach dem Craft Camp) und nach Lettland, und habe auch die Anleitung für die Piecework-Pottmütze fertiggestellt. Jetzt kommt der Artikel dazu an die Reihe. Ich kann mich also doch ablenken. Und wenn das Sockenstricken zu anstrengend wird gibt es immer noch ein Stashbuster-Tuch auf den Nadeln..

Lebensfäden

Der Faden wurde immer schon gesponnen, durch Bewegung in Form gebracht, mit Spindel oder Spinnrad, und unser Leben dreht sich ebenso.

Kein Leben ohne Revolution, alles fließt, alles kehrt sich um, fließt weiter, verharrt in Strudeln - formt aber ein Ganzes - so wie die Wolle zum Faden wird.

Und da kommt mir Goethes Eins und Alles in den Sinn, in diesem Sinne: Ein Gutes Fest und ein Frohes Neues Jahr !

Eins und Alles
Im Grenzenlosen sich zu finden,
Wird gern der einzelne verschwinden,
Da löst sich aller Überdruß;
Statt heißem Wünschen, wildem Wollen,
Statt lästgem Fordern, strengem Sollen,
Sich aufzugeben ist Genuß.

Weltseele, komm, uns zu durchdringen!
Dann mit dem Weltgeist selbst zu ringen,
Wird unsrer Kräfte Hochberuf.
Teilnehmend führen gute Geister,
Gelinde leitend höchste Meister
Zu dem, der alles schafft und schuf.

Und umzuschaffen das Geschaffne,
Damit sich's nicht zum Starren waffne,
Wirkt ewiges, lebendiges Tun.
Und was nicht war, nun will es werden
Zu reinen Sonnen, farbigen Erden;
In keinem Falle darf es ruhn.

Es soll sich regen, schaffend handeln,
Erst sich gestalten, dann verwandeln;
Nur scheinbar steht's Momente still.
Das Ewige regt sich fort in allen:
Denn alles muß in Nichts zerfallen,
Wenn es im Sein beharren will.