Erst lesen, dann mailen!

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Ich verstehe manchmal die Welt nicht mehr und bin schon so manchen Irrsinn gewohnt. Aber heute kam wieder eine Nachricht von der Webseite in mein Postfach, die mir ziemlich quer kam.

Ich sage mal so: Grundsätzlich vertraue ich der Intelligenz meiner Mitmenschen (na ja, nicht immer, aber grundsätzlich) und ich denke wer sich auf meine Webseite verirrt der hat schon ein wenig Interesse an meinen Themen und auch sonst den Kopf zwischen den Ohren. Aber was da heute ins Postfach trudelte?


Hallo, könnten Sie mir bis zum 23.5.19 4 verschieden farbige gestrickte Brüste anfertigen? Das ist für eine Messe um was zu zeigen, was mit dem Stillen zusammen hängt.

Mit freundlichen Grüßen ...

Ich war doch recht verdutzt.

  • worauf will diese Anfrage hinaus?
  • wieso soll ich Brüste stricken?
  • und dann gleich 4 bunte Busen bis zum 23. Mai?

Wie kommt die Absenderin darauf, daß ich für Sie in knapper Zeit 4 Teile stricke, wo ich sie gar nicht kenne, sie sich nicht mal vorstellt und die die Mühe macht irgendwie zu verdeutlichen worum es geht, was sie will, worauf sie sich bezieht?

Gestrickte Brüste, via Flickr

Dann dämmerte es mir und ich wurde recht sauer. Vor inzwischen 6 Jahren, im Februar 2013, habe ich einen Blogbeitrag, "Anatomisches", geschrieben, in dem ich über eine Aktion der BBC berichtete, die zum Stricken wollener Brüste aufrief, damit junge Mütter das Stillen lernen könnten.

Ja, sind meine Beiträge hier so unverständlich, meine Leserinnen und Leser so dumm, daß sie den Unterschied zwischen "berichten über" und "produzieren von" nicht kennen?
Kommt jetzt noch eine Anfrage ob ich einen Panzer bestricken täte weil ich mal über solch eine Aktion geschriebe habe?

Herr, schmeiß Hirn vom Himmel!

Zum Sonntag ein Späßchen…

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Bevor diese Woche der Ravelry-KAL mit lettischen und estnischen Beinstulpen / Feetwarmers / Beinwärmern beginnt, noch ein Späßchen, das ich schon eine ganze Weile auf der Liste habe: ein russischer Designer stellt auf seiner Webseite Knit "haute couture" from Russia vor.

Alexander Seraphim stammt aus Chelyabinsk und arbeitet auch dort.
Chelyabinsk ist eine Industriestadt im südlichen Ural, die ich ganz gut kenne, weil ich in den 90er Jahren einige Male dort vorbeigekommen bin, wenn ich mit Heinz auf Konzertreise / gastrol in Russland unterwegs war.

Liebe Freunde leben dort: das Ensemble NXA, ein äußerst avantgardistisches Ensemble.
Und immer wieder erlebten wir dort absurde oder hochkomische Momente.

So durfte eine geplante Aufführung des Films "Nosferatu - Eine Symphonie des Grauens"  samt Musikbegleitung in einer (säkularisierten) Kirche nicht stattfinden und die lokale Zeitung warnte vor der teuflischen Musik. Dann fand ich in einem Universam / Supermarkt eine LP "Нож для фрау Мюллер" / Messer für Frau Müller", fühlte mich darob geehrt und wollte mir auch noch eine Armband-Uhr kaufen. Die ging aber leider, ich fands lustig, rückwärts und wurde mir verweigert.
Das Alles hatte sehr viel Charme und deshalb werde ich in diesem Beitrag auch noch ein Video der Band einbinden.

Aber nun zu diesem Designer. Seine Designs wirken auf mich sehr russisch (dramatisch, überdekoriert) und degradieren die Trägerin zur sexuall attraktiven Gespielin, also nichts für Frauen, die den Kopf zwischen den Ohren und nicht am Hintern / Busen / zwischen den Beinen (sucht Euch was aus) haben. Sein Auftritt wirkt übertrieben machistisch und selbstbewußt, er geriert sich als Pionier der Mode (noch vor KL hatte er solche und solche Designs entworfen.. etc.). Nun, er hat wohl ein sehr großes Ego, muß man vielleicht auch als Designer aus der Provinz,

Aber geradezu unverschämt finde ich sein Eingangsstatement auf seiner Webseite: (rote Hervorhebunge von mir)

One time, my wife was preparing to knit herself a new dress. She got a German knitting magazine called "Verena", and tried to choose something attractive. When I started to look at the illustrations, I suddenly discovered that all the images I pored over were strangely familiar to me! And I was reminded that a few days before, I had been turning over the pages of a huge book dedicated to the history of photography all over the world. One picture among others was one of the first color photos, showing an Alps resort around 1912. There were so many happy, rosy-faced skiers, of both sexes, standing under snowy spruces, dressed in sweaters much like those I found in Verena. Men were decorated with manly crosses, rhomboid shapes, snow-flakes, with reindeers galloping from right shoulder to left. Women shamelessly tried to tempt men with flowers (of species unknown even to inveterate botanists), satin-stitched on their shoulders and breasts.

I was literally amazed! As time has passed through the ages, the design of everything in our everyday world has evolved - from town halls to steam irons, from blast furnaces to lever handles, from trucks to tubes of toothpaste, from toilet tanks to ballpoint pens! Only the design of knitwear has resisted change! For me it turned out to be a real disclosure - that nowhere was there such a conservative sphere of creative activity as the sphere of knitting design. And I could not help fighting against such a standstill, and keep devoutly fighting up to the current moment...

Ich erinnere mich nur zu gut an die russischen Damen bei Empfängen oder Theaterbesuchen, die entweder unglaubliche Spitzenkragen auf Ornamentpullovern zu hochhackigen weißen Pumps (wir nannten sie "Tortenblusendamen") trugen oder sich derart nuttig kleideten, daß es nicht mehr mitanzusehen war. Schlechter Geschmack damals alllerorten, und er kritisiert die Strickmode? Sorry, da komme ich nicht mit!

Genug des Schreckens! Und nun zum Ausgleich das wunderbare Video des Ensembles Нож для фрау Мюллер!

Aus der Wikipedia:

Bei Messer für Frau Müller (russisch Нож для фрау Мюллер) handelt es sich um ein Musikprojekt aus Sankt Petersburg.

Im Jahr 1991 gründeten der Keyboarder Oleg Kostrow und der Gitarrist Oleg Gitarkin das Duo Messer für Frau Müller, das aus Klangschnipseln aus Easy-Listening-Versatzstücken, kurzen Fetzen, und alter Filme Musik kompiliert. Dazu werden immer wieder deutsche, russische und englische Sprachfetzen aus Kinofilmen in die Musik geworfen.

Viel Spaß! Und wer nach dem VIdeo noch nicht genug Messer für Frau Müller hat, der findet hier eine Playlist mit 225 Titeln!

Kaschmir? Cashmere?

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Nicht erst seit ich von einem Cashmere-Label angeschrieben wurde, ob ich Interesse an einem gesponsorten Beitrag hätte (habe ich nicht) möchte ich über Garn schreiben, das allgemein als Kaschmir wahrgenommen wird.

Die Wikipedia schreibt dazu:

Der Begriff Kaschmirwolle ist eher widersprüchlich behaftet und im deutschen Sprachgebrauch unglücklich gewählt, weil der Begriff Wolle in der textilen Fertigung streng genommen dem Schaf zugeordnet wird. Es wird unterschieden zwischen Wolle (vom Schaf) und Edelhaaren (von Kaschmir-Ziege, Kamel, Alpaka, Yak). Den hier genannten Edelhaaren ist gemeinsam, dass sie im Vergleich zur Wolle eine in etwa nur halb so hohe Schuppenkantenhöhe aufweisen. Auch unterscheiden sie sich in der Anzahl der Schuppen je Längeneinheit und Charakteristik. Deshalb fühlen sich Edelhaare bei gleichem Durchmesser etwas weicher und glatter als Wolle an. 

Das Edelhaar der schlappohrigen, gehörnten Kaschmirziege ist sehr wertvoll, denn pro Tier und Schur (oder Auskämmen) werden höchstens 150g gewonnen.

Bekleidung aus Kaschmirwolle war früher nur den wirklkich Reichen vorbehalten, ein Kaschmirschal oft unerschwinglich. Aber immer schön und von höchster Qualität.

Wichtigste Erzeugerregionen sind heute China, die Mongolei, Iran und das Hochland von Pamir. China ist inzwischen auch einer der größten Märkte für Kaschmir, denn die Mittelschicht wird immer reicher und konsumiert mehr und mehr. Umsomehr wunderte ich mich als bei amazon.de Kashmirgarn gleich im 10erPack (also ein Pfund!) für 13,00€ sah.

90% Ziege Kaschmir, 10% Lamm Cashmere - die angebliche Zusammensetzung des Garns. Das kann nicht stimmen. Und eine Feuerprobe zeigt das auch. Die Substanz wird hart und läßt sich nicht zerbröseln - also wohl eher Plastik.  Im nachstehenden Video erklärt ein nepalesischer Importeur und Weiterverarbeiter von Kaschmirgarn aus der Mongolei woran man das echte Garn erkennt:

CCBY Auckland Museum http://api.aucklandmuseum.com/id/media/v/79354

Cashmere Shawl Makers

Nun denn, ich bin ja immer neugierig und ließ mich auch nicht von den Rezensionen bei Amazon abschrecken, ich bestellte mir einige Knäuel und strickte. Eine Comodo-Jacke und das mit 4 Fäden, 3 Fäden in violett und 1 Faden in rauchgrau. Viel Arbeit bei so dünnem Garn.

Die erste Maschenprobe zeigt schon welch weiches Gestrick dabei herauskommt, deshalb habe ich unter den Armen einen breiten Streifen in einem Zopf-Flecht-Muster gestrickt, damit die Jacke ein wenig Stand bekommt, und auf dem Rücken auch ein breites Zopfmuster.

Meine Freundin Danwen übersetzte dann auch das Label und aus den "90% Ziege Kaschmir 10% Schaf Kaschmir" wurden dann sogar 98% Kaschmirziege und 2% Faser.

Das ist schlicht und einfach falsch.

Wie heißt es so schön in der Garnbeschreibung?

  • Extrem weich und lang anhaltende, sich wohl fuehlen.
  • Anti-Pilling, Anti-Shrink, Anti-verblassen und warm Garn.

Diese Wolle knäuelt und pillt derart, daß ich die Jacke gar nicht mehr tragen mag.
Zumindest nicht in der Öffentlichkeit, zuhause auf dem Sofa vielleicht noch.

Dabei trug ich die Comodo so stolz bei der lettischen Hundertjahrfeier im letzten November... und nun ist der schöne Glanz dahin.

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Ich habe einen Freund, der 10 Jahre in Peking gelebt und gearbeitet hat und der zu der Zeit, als mir dieses Amazon-Angebot unter die Augen kam, auch gerade in Peking weilte.

Bereitwillig machte er sich auf die Suche nach chinesischer Wolle und hat mir auch Bilder geschickt.

Er fuhr also zu einem "Wollgeschäft". Ein Wollgeschäft in Beijing / Peking ist ganz anders dimensioniert als die Geschäfte, die wir kennen.

Nicht ein Laden, nein, mehrere Etagen mit vielen vielen kleinen Geschäften; Geschäften, in denen "nur" verkauft wird, und Geschäfte in denen auch nach Auftrag gestrickt oder gehäkelt wird. Auf jeden Fall monströs!
Joerg fand auch Garn mit identischem Label wie das Amazon-Garn. Aber zu einem wesentlich höheren Preis. Wenn ich mich recht erinnere, rund 8,00€ / 50g.. und wahrscheinlich auch echter als das, was jetzt noch in meinem Stash liegt und wohl nie von mir verstrickt werden wird.

Sein Resumèe? Auf 41/2 Etagen gefühlte knapp 60 "Läden" mit Stoffen und ca. 12-15 mit Wolle!

Wie immer:  auf die Bilder klicken für eine größere Ansicht

Ich habs in den Fingern – déjà tricoté

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Bei Klintawolle.de gibt es ein neues Garn im Sortiment: 4/1 Fingering in schönen Farben. Das Garn ist einfädig und wie die baltischen Garne so sind, rauh und farbenfroh. Nach dem Waschen aber weich und farbenfroh.

Natürlich habe ich mir einige Knäuel zum Ausprobieren bestellt (Garndiäten sind dazu da daß man sie bricht!) und gleich angestrickt.
Und weil Jana Klinta gerade eine neue Mützenanleitung veröffentlicht hat, habe ich diese Mütze gestrickt.

Und schon nach dem Anschlag hatte ich ein déjà tricoté - Erlebnis: das Garn kenne ich, das habe ich schon verstrickt!
Und tatsächlich: Jana bestätigte mir daß ich recht gefühlt hatte: das Garn kenne ich, es stammt von Klippan-Saule.

Bei meinem ersten Aufenthalt in Riga, nach dem ersten Besuch bei SENA KLETS bin ich ja zum Fabrikladen der Klippan-Saule-Fabrik gefahren und habe mir einen gehörigen Vorrat Wolle zugelegt, alle Stränge / Knäuel / Wollwürste ohne Etikett, aber 100% Schafwolle und 4/1-Qualität. Und ich habe auch schon einige Tücher, Schals etc. damit gestrickt.

Ich bin ein bißchen stolz auf mich, daß ich inzwischen Garn beim Stricken erkennen kann...

wie immer: für eine größere Darstellung auf ein Bild klicken!

Frohe Ostern! Priecīgas Lieldienas! Happy Easter! Joyeuses Pâques! С Пасхой! Head lihavõtted!

Der Fluch von Ruhnu

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oder auf strickerisch: The Ruhnu Curse..

Es scheint nicht nur den Sweater-Curse zu geben (frau soll ihrem Boyfriend keinen Pullover vor der Verlobung stricken), sondern auch einen Ruhnu-Fluch. Anders kann ich mir nicht erklären warum es uns nicht gelingen will einige Tage auf dieser kleinen estnischen Insel zu verbringen.

Ruhnu ist eine kleine Insel, weitab vom estnischen Festland, und nur mit einer kleinen Fähre von Pärnu aus erreichbar. Jedes Jahr am 1. April, wenn die Sommer-Fähr-Fahrpläne online gehen, zucken viele Finger um nur ja rechtzeitig einen Platz auf der Fähre zu ergattern.
Tja, letztes Jahr hatte ich die Tickets für unsere Gruppe ergattert, und dann kam die Hiobsbotschaft: bereits am 2. Tag des Sommerfahrplans hatte das Boot einen Motorschaden und konnte nicht mehr repariert, geschweige denn durch eine andere Fähre ersetzt werden. Wir bekamen unser Geld zurück und die Ferienhausvermieter machten natürlich lange Gesichter.. die ganze Sommersaison, ihr Hauptgeschäft, war futsch...

Dieses Jahr dann ein neuer Versuch. Der Reiseplan stand und wir haben wieder das schöne Ferienhaus buchen können; nach dem Craft Camp in Viljandi sollte es nach einer Übernachtung in Pärnu auf die Insel gehen. Pat und ich hatten abgesprochen, daß ich die Plätze buche, ansonsten hätte Pat mitten in der Nacht aufstehen müssen, Colorado liegt in einer anderen Zeitzone.

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Unsere Wirtin hatte gestern noch eine Mail mit dem Hinweis, daß am 1. April der Fahrplan online geht und wir unbedingt buchen sollten, geschickt. Bis dahin alles ok. Und dann kam die diesjährige Hiobsbotschaft: Das Haus steht nicht zur Verfügung, eine Doppelbuchung... und die andere Gruppe hat ältere Rechte, denn sie hatte schon im Januar gebucht.

Dann finde mal eine Unterkunft für 4 Personen in der Hauptsaison und einige dich mit allen Mitreisenden. Nun scheint es, wenn wir Glück haben, wieder nach Kihnu zu gehen, in die ehemalige Fischräucherei in Lemsi... Ich bitte die Daumen zu drücken!

Auli und Joiking – Norwegen und Lettland – Musik verbindet

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WInterende und Musik von Auli - das gehört für mich zusammen seit ich das wunderbare Metens-Video gesehen und hier auf der Wockensolle auch geteilt habe - jetzt gibt es ein neues Video.
Es entstand im Rahmen des Projektes "Voices of the Ancestors", eine Zusammenarbeit mit Musikern aus aller Welt.
Ich habe, gerade bei unseren Reisen durch Rußland, Tuva und Armenien viele wunderbare Musiker kennengelernt und die Kraft ihrer Musik erfahren dürfen, aber das norwegische Joiking kannte ich bis nur vom Festival Nordischer Klang in Greifswald.

Hier nun also mein heutiges Sonntagsvideo - lettische Dudelsäcke und Trommeln, norwegische Stimmen und das Nordlicht, ein Geschenk Gottes.