Astern

Workshop-Vorbereitungen

Ich habe schon viele Schulungen gehalten, war ja Teil meines Berufes, und immer ist ein Quant Unsicherheit dabei: welche Vorkenntnisse bringen die Teilnehmer mit, stimmt die Technik, sind die Unterlagen rechtzeitig mit der Post gekommen? Und (fast) immer habe ich diese Klippen gemeistert, entweder durchgezogen oder eben improvisieren müssen.

Aber dieses Jahr ist es anders.

Pottmützen

Zu den üblichen Vorbereitungen der Texte (erstellen, Korrektur lesen, drucken, wieder Fehler finden, nochmal korrigieren, erneut drucken), der Strickschriften (mit Stitchmastery die Charts zeichnen, daraus Grafiken erstellen, die Charts in druck- und lesbare Größe bringen, drucken und dann wieder Fehler finden und nochmall alles von vorn) und der Materialien (Wolle packen, Nadeln beilegen etc., etliche Luftmaschenketten häkeln damit der Workshop nicht schon beim provisorischen Anschlag scheitert) kommt dieses Jahr noch das Zaudern hinzu: kann der Kurs überhaupt stattfinden? Wieviele Teilnehmer melden sich trotz Virus-Bedenken an? Wieviele Teilnehmer passen in den Raum?
Die Infektions-Zahlen steigen, aber das Gesundheitsamt hat grünes Licht gegeben, Hygiene-Maßnahmen werden getroffen, ein Karton mit Einweg-Masken und Desinfektionsmittel sind eingepackt, dazu jede Menge Taschentücher ... jetzt kann ich mich überraschen lassen.

Überraschen lassen wovon? Wie wird die Gruppe sein, welche Vorkenntnisse bringen sie mit? Wieweit kommen wir beim Stricken? Daß die Mütze nicht fertig wird an diesem Tag, das ist schon klar.

Ich bin gespannt. Und freue mich auf viele Pottmützen, die ab jetzt gestrickt werden. Oder ab dem 5.12., wenn ich den Workshop in Rostock im Museum halten werde.

Handarbeiten und Lesen

Ja, Handarbeiten und Lesen, bei beidem kann man Fehler machen: falsche Maschen stricken oder das falsche Buch lesen..

Ich habe im Beitrag über die hessische Glockenkappe einen Fehler gemacht: ich hielt die Jahreszahl im oberen Teil der Mütze für das Jahr, in dem die Mütze gestrickt wurde. Das ist natürlich grundfalsch: diese Angaben zeigen das Geburtsjahr und die Initialen des Trägers an!

Der Träger ist im Jahre 1939 geboren und seine Namens-Anfangsbuchstaben sind "U" und "E".

Für diesen leichtfertigen Fehler entschuldige ich mich.

Oberteil der Glockenkappe: Geburtsjahr und Initialen

Da hatte ich also nicht richtig aufgepaßt. Ich lasse mich oft ablenken oder denke nicht genug nach. Und oft, wenn ich mich eigentlich konzentrieren sollte, langweile ich mich. (Zum Beispiel beim Strumpfstricken...). Lesen, meine zweite bevorzugte Tätigkeit, kann ich beim Stricken nicht, aber Soap Opera im Fernsehen schauen, das geht. Da weiß ich sowieso meistens, wie es weitergeht, nicht umsonst habe ich während meines Studiums viel Trivialliteratur gelesen (Courths-Mahler z.B.) und auch Groschenromane geschrieben, und zum anderen sind die Schauspieler so schlecht, daß ich mir deren hinterhältigen oder überraschten Gesichtsausdruck auch ohne Hinsehen vorstellen kann..

EIne Ablenkung aber geht immer: Radio hören / Hörbuch hören. Einen leibhaftigen Vorleser hat man nicht immer zur Hand, aber gutgesprochene Hörbücher gibt es inzwischen schon.  Und so wie ich beim Stricken die Langeweile mit Zuhören überbrücken kann, so sollte man auch Langeweile beim Zuhören mit Stricken (oder anderer Handarbeit) überbrücken. Meint jedenfalls Julius Deutschbauer, ein äußerst interessanter österreichischer Künstler,  der mit einem einzigartigen Kunstprojekt nomadisiert:

Er leitet die Bibliothek der Ungelesenen Bücher. Jawohl, der ungelesenen! Er befragt Menschen nach einem Buch, welches sie noch nicht gelesen haben und besorgt dieses Buch dann und fügt es der Bibliothek hinzu, die nach den Namen der Befragten und nicht nach den Autoren geordnet ist.

In den Räumen dieser Bibliothek veranstaltet er auch Lesungen, lädt dazu Autorinnen und Autoren ein und bietet dem Publikum an, während des Vortrags zu handarbeiten, die Utensilien dazu liegen bereit. Denn:

So überbrückt man oder überstrickt man auch langweilige Stellen in Büchern und steht nicht auf und geht..

Wolfgang Tischer stellte neulich im Literatur-Café den Künstler vor: Mit Julius Deutschbauer im Herz der ungelesenen Bücher, ein lesenswerter Beitrag! Und den Handarbeit betreffenden Abschhnitt binde ich hier ein, zum Nachhören, das ganze Interview ist auf der genannten Seite des Literatur-Cafés zu finden.

Julius Deutschbauer

Mit Julius Deutschbauer im Herzen der Bibliothek der Ungelesenen Bücher

Und mir stellt sich jetzt die Frage: Was wäre mein ungelesenes Buch? Selbstverständlich ist mir bewußt daß es Millionen von Büchern gibt, die es wert sind gelesen zu werden, ebenso wie Miilionen Bücher die es eben nicht wert sind.
Aber kämen auch nicht zu Ende gelesene Bücher in diese Auswahl?

Da hätte ich eins:  Leben und Ansichten von Tristram Shandy, Gentleman von Laurence Sterne. Und zwar nicht, weil es langweilig, dumm oder plump ist, sondern weil es so schön und wunderbar ist, daß ich es nicht zu Ende lesen möchte. Ich möchte mich weiter überraschen lassen... es darf noch nicht zu Ende sein!

900x die Wockensolle

neunhundert Beiträge

Ich möchte mich heute, an diesem verregneten Sonntag, bei meinen Leserinnen und Lesern bedanken. Der erste Beitrag auf der Wockensolle stammt vom 20. Januar 2013 und dieser Beitrag hier ist der 900.te Beitrag! Ich kann es gar nicht glauben, neunhundert Beiträge - und immer noch habe ich neue Ideen, finde ich neue großartige Themen oder es kommt mir Berichtenswertes in den Sinn. Neunhundert Beiträge und 30 Seiten, und das im 8. Jahr, das ist schon was.

Und immer noch kann ich meiner Tastatur neue Themen entlocken...

Ideen sprießen

Ganz besonders freue ich mich über die Mails und Briefe, die ich immer wieder erhalte. Wieiviel Anregung und Bestätigung, wieviel Austausch habe ich von Ihnen bekommen.
Oft werde ich um Rat beim Wollkauf auf Reisen im Baltikum gefragt, ich habe aber auch schon Bücher zu meinen Themen geschenkt bekommen, Lese- oder Woll-Tipps erhalten, und in dieser Woche kam ein Brief einer Leserin, über den ich mich sehr gefreut habe. Sie schrieb mir wiesehr ihr meine Seite gefällt und dann hatte sie auch noch einen Stapel Fotos beigelegt, Fotos einer wunderschönen hessischen Mütze. Ein Jubiläums-Geschenk. Danke dafür!

Ich möchte diese Mütze gerne hier zeigen. Liebe Leserin, darf ich die Bilder veröffentlichen und Ihren Namen nennen? Bitte geben Sie mir Bescheid!

24.10.2020 – Workshop in Greifswald: Pottmütze

Am 24. Oktober findet mein Workshop "Die pommersche Pottmütze" im Kulturzentrum St. Spiritus in Greifswald statt, veranstaltet vom Heimatverband Mecklenburg-Vorpommern..
Es geht um die Geschichte der Pottmütze, um die Stricktraditionen im Ostsee-Raum und dann wird es auch ganz praktisch:
Im zweiten Teil besprechen wir die Konstruktion der Muster, die Stricktechniken und beginnen mit dem Stricken der Mütze.

Haben Sie noch ein gestricktes Erbstück? Vielleicht von einer Tracht? Bringen Sie es bitte zum Workshop mit. Wir forschen weiter nach regionaler Kleidung.

Pottmütze aus Heimatmuseum Göhren
Pottmützen
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Zeit: 24.10.2020, 9.30 - 17 Uhr
Ort: Kulturzentrum St. Spiritus, Greifswald, Lange Straße 49/51
Anreise: St. Spiritus ist 15 min zu Fuß vom Greifswalder Bahnhof und Busbahnhof entfernt, die nächstgelegenen Parkplätze sind das Parkhaus am Domcenter, kostengünstiger sind die Parktplätze am Bahnhof oder am Nexö-Platz.

Kosten: 20 Euro Teilnahmegebühr und 12 Euro Materialkosten (Anleitung, Garn, Nadeln), vor Ort in bar zu entrichten

Verpflegung: Pausengetränke- Kaffee, Tee, Wasser.  In der Mittagspause kann sich jeder selbst in der Innenstadt von Greifswald verpflegen.

Bitte beachten Sie die Teilnahmevoraussetzungen: Sie haben Kenntnisse im mehrfarbigen Stricken (nicht nur Streifen!), können mit einem Nadelspiel in der Runde stricken und haben Lust, Neues zu lernen.
Dies ist kein Anfänger-Strickkurs!

Die Teilnahmegebühr (20,00€) und die Materialkosten (12,00€ für Wolle, Nadelspiel und Anleitung) bezahlen Sie bitte in bar bei Kursbeginn.

Wenn Sie sich nicht sicher sind, ob Ihre Strickkenntnisse ausreichen, laden Sie sich doch vor der Anmeldung die Anleitung für die Mütze hier auf der Seite herunter:    Flyer: Pottmütze aus Göhren

Bitte melden Sie sich verbindlich über das Anmeldeformular an, geben Sie dabei an, ob Sie eher fest oder locker stricken und was Ihr bisher aufwendigstes Strickprojekt war.

Die Teilnahmezahl ist begrenzt. Falls sich mehr Interessierte anmelden, erstellen wir eine Warteliste.

Als ob ich nichts anderes zu tun hätte…

gestern hat mich eine Leserin darauf aufmerksam gemacht, daß der Download der Pottmützen-Anleitung nicht funktioniert und dieser Meldung bin ich heute nachgegangen.
Es ist wirklich ärgerlich, alle Downloads, die hier  mit einem Tool eingebunden waren, sind nicht mehr erreichbar. Ich werde alle diese Links heute korrigieren und bitte um Entschuldigung.

Aber hier schon mal die Links zur Pottmütze:   Flyer: Pottmütze aus Göhren und   Pottmütze - Korrigierte Strickschrift


Nachtrag: Die Download-Seite ist wieder in Ordnung, und ich gehe jetzt stricken...

Estnischer Sommer

Ich kann diesen Sommer zwar nicht nach Estland fahren, aber ganz ohne Estland geht es nicht.
Da kommt eine Postkarte angeflattert mit dem Gruß "Liebe Frau Wockensolle"....

Rosaalie Karjam aka Kihnu Roosi

Eine Postkarte von der Insel Kihnu, die Vertrautes zeigt: zwei Frauen aus Kihnu, die sich beim Stricken unterhalten, eine davon ist Rosaalie Karjam, auch als Kihnu Roosi bekannt.
Ja, diese Szene ist mir nicht fremd und ich kann sogar sagen, daß dieses Bild im Kihnu Museum aufgenommen worden ist. Ein Ort, den ich sehr mag.
Der Kartengruß kam von zwei Damen, die ich bei einem Vortrag im letzten Winter kennengelernt habe. Und die jetzt eine schöne Reise durch Lettland und Estland unternahmen.
Danke!

Ein schönes Beispiel dafür, daß meine Begeisterung für die baltischen Länder, die Menschen dort und die Traditionen dort, ein Echo findet.

Eine ganz besondere Art, die eigenen Traditionen zu pflegen und wunderschön zu stricken, hat der "Kudujate Koopiaklubi" gefunden: Anu Pink hatte eingeladen, ein oder mehrere Paare der wunderbaren Muhu-Strümpfe zu stricken und viele Frauen meldeten sich für die Teilnahme an diesem Knit-A-Long an. Das Unternehmen nennt sich "Kudujate's Copy Club", Strickerinnen die entweder alte Vorlagen kopieren / nachstricken oder nach den überkommenen Regeln mit neuen Ideen und Mustern stricken.

Das Ergebnis: 84 strahlende, farbenfrohe Strumpfpaare, die in einer eigenwilligen und fröhlichen Weise im Estnischen Nationalmuseum in Tartu präsentiert werden. Die Ausstellung und der Katalog wurden von Anu's Verlag "Saara Publishing"  erarbeitet. Ein Fest für die Augen und ein Juckreiz für die Finger!
Mehr Infos zu der Ausstellung gibt es beim Estnischen Nationalmuseum und eine bezaubernde Bildstrecke bei FaceBook.

Der Katalog kann bei Saara.ee bestellt werden, ist aber im englischsprachigen Webshop nicht zu finden. Macht aber nichts, denn wenn man diese Seite im Chrome-Browser öffnet, kann man sich alles übersetzen lassen.
Zu den 12,80€, die der Katalog kostet, kommen noch die recht happischen estnischen Postgebühren hinzu, es lohnt sich also eine Sammelbestellung aufzugeben, dann wirds preiswerter.

Die Ausstellung wird bis zum 31. Dezember 2021 gezeigt, wir haben also eine Chance!