Sonntags-Video: Les Tricoteuses

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Eigentlich ist es kein Video, sondern eher ein kleines Konzert:

Kaori Nakamura spielt François Couperin

Das Stück, ursprünglich für Cembalo / Clavecin geschrieben, hat auf dem Klavier einen weicheren Klang. Cembalo klingt immer so metallisch, Piano kann sanfter wirken.

Also fast ein Wechsel von Metall- zu Holznadeln, meine ich.

Ob Couperin die französischen Revolutionsstrickerinnen im Sinne hatte? Ich kann das nicht aus dem Stück heraushören. Und was es mit den Revolutionsstrickerinnen auf sich hat, das habe ich in meinem neuen Blog "Wollmacht.de" beschrieben.

Nun, ich hatte im Sommer Geburtstag und habe von einem lieben Freund eine Domain geschenkt bekommen, eben die Wollmacht.de.

Und was mach ich nun damit? Ich habe ja auch schon das Häkelverbrechen als Neben-Domain (da müsste ich auch mal wieder etwas schreiben..) Also habe ich mir gedacht, ich nutze die Wollmacht als Vorratskammer, wo ich Online-Manuskripte, Bücher, VIdeos etc. vorstelle oder einbinde. Und einer meiner ersten Beiträge war eben der Beitrag über die Tricoteuses..

Auch wenn es hier auf der Wockensolle gerade etwas ruhiger ist, heißt das nicht daß ich nichts zu tun hätte. Ich plane weiterhin meine Seminarwoche, bereite mich auf die Reise nach Tallinn und Riga im November vor, stricke und schlage mich mit ehrenamtlichen Verpflichtungen herum. Und mit den Flausen, die ich im Kopf habe!
Aber so ist es nun mal. Ein wunderbarer Herbst, schöne Musik, schöne Wolle, liebe Freunde, ein geliebter Mann und dann auch noch einige exzentrische Katzen, mir gehts gut!

Fisch und Wolle? Das geht!

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Am letzten Septembersonntag fuhr ich zum Fisch und Wollmarkt in Schaprode auf Rügen.,(Der fehlende Ergänzungsstrich stammt nicht von mir ...)

Ich erfuhr von diesem Markt, der heuer zum ersten Mal stattfand, aus dem Newsletter der Regierung Mecklenburg-Vorpommerns, denn der Agrarminister Backhaus hatte dort auch einen Termin. Aber um den geht es hier (jedenfalls hier) nicht,

Der Ausflug hat sich wirklich gelohnt.

Wir haben eine schöne Ecke der Insel Rügen kennengelernt, uns über Wildblumen in Vorgärten gefreut, den kleinen Hafen von Schaprode, von dem aus man nach Hiddensee übersetzt, erlebt und allerlei gesehen. Das alles bei wunderschönstem Spätsommer-Wetter.

Was gab es alles?

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wie immer: auf die Bilder klicken für eine größere Ansicht!

Ich freute mich darauf, die Nordwolle - Produkte zu sehen und war auf die weiteren Angebote gespannt; denn wenn ein Markt schon Fisch- und Wollmarkt heißt - das verheißt ja Einiges.

Es herrschte eine freundliche Gelassenheit, die Feuerwehr fuhr Ehrenrunden und alte Traktoren faszinierten nicht nur die Männer.

Aber der Reihe nach: in mehreren Zelten gab es Mitmach-Angebote (Blumen basteln, schnitzen..), eine kleine Hüpfburg, regionale Schlemmerstände (Super-Wurst, leckerer Kaffee und und und). Ein Zelt teilten sich Nordwolle und der Schnitzkurs.

Projekt Nordwolle – vom Pommerschen rauhwolligen Landschaf bis zur Filzjacke - das gefiel mir. Landschafe standen in einem Gatter und ließen sich streicheln und füttern, und dann die Kleider-Kollektion aus der heimischen Wolle.

Das rauhwollige, schwarzköpfige Landschaft hat ein dichtes Fell: kräftige rauhe Wolle, die sich gut zu sportlichen Webstoffen verarbeiten lässt, aber nur schlecht gefärbt werden kann.

Von der Webseite des Projekts:

"In allen Perioden der menschlichen Entwicklung spielte das Schaf eine wichtige Rolle. In unserer Heimat, auf der wunderschönen Insel Rügen, züchteten die Fischer das Grauwollige Pommersche Landschaf. Sie brauchten dringend Kleidung, die sie durch ihren schweren, den Elementen ausgesetzten Alltag brachte. Die Wolle ihrer Schafe erfüllte diese Aufgabe perfekt und liefert noch heute den Rohstoff für unsere Textilien.

Die Pommerschen Landschafe werden traditionell das ganze Jahr auf der Weide gehalten. Daher ist es essenziell für die Schafe, dass ihre Wolle ein hervorragendes Feuchtigkeitsmanagement aufweist. Über Jahrtausende ist so eine Faser entstanden, die wasserabweisend ist und gleichzeitig 30% ihres Gewichtes an Wasser aufnehmen kann, ohne sich klamm anzufühlen. Es verwundert nicht, dass unsere Vorfahren diese Faser als Kleidung wählten, um auf offenen Holzbooten wochenlang über Nord- und Ostsee zu segeln.

So lässt sich ein Bogen spannen, von der Entstehung dieser einzigartigen Rasse, etwa 3800 v. Chr. bis auf den heutigen Tag. Mit deinem Interesse hilfst du uns, diese Erfolgsgeschichte fortzusetzen."

Das Projekt Nordwolle möchte diese gefährdete Rasse retten, denn heute spielen nicht mehr nur das Fleisch und das Vlies, sondern auch die landschaftspflegenden Eigenschaften dieser Tiere eine wichtige Rolle. Zudem ist ihre Haltung ökonomischer als die Haltung anderer Nutztiere:

Außerdem möchten wir der Monokultivierung der deutschen Nutztierrassenlandschaft die Stirn zu bieten, denn die alten Landschafe kommen z.B. ganz ohne südamerikanisches Kraftfutter aus.

Der Herr Landwirtschaftsminister Backhaus, Freund der Groß-Agrarier und Hans-Dampf-in-allen-Gassen, übte sich im Schnitzen und auf der Bühne gabs ein Kinder-Musikprogramm.

Ich schaute lieber erstmal in das Zelt mit den Verkaufsständen.

Handgemachtes, Schönes war zu sehen und zu probieren. Schnaps, Milchseife, Geschenkartikel, leckere Wurst - aber vor Allem: Wolle!

Eine Übersicht über die hier vertretenen Anbieter findet man auf der Webseite des FIsch- und Wollmarktes.

Es gab fertige Wolle und ungesponnene Wolle, man konnte Handspindeln erwerben und sich in der Woll-Auswahl verlieren, und fröhlichen Frauen beim Spinnen zuschauen.

Ich habe zum ersten Mal in meinem Leben ein Dreier-Spinnrad gesehen, eine Spinnerin tritt und spinnt, die anderen habens besser und spinnen "nur".

Ich besitze inzwischen auch eine Handspindel, habe aber noch nicht begonnen damit etwas zu produzieren. Aber mein Interesse für das Spinnen ist geweckt.

Ich wollte immer schon wissen, seit ich den TV-Bericht über Nordwolle gesehen habe, ob es die Wolle des rauhwolligen pommerschen Landschafs nicht doch als Strickgarn gibt und tatsächlich: am Wollfratz-Stand war sie zu haben.
Ein kräftiges Garn, wunderschön grau, aber ich werde es erstmal nicht verstricken sondern als "Beweismaterial" aufbewahren, zu "Unterrichts- und Lehrzwecken", wie es oft so schön heißt.

Mit einer Lauflänge von 130m / 100g ist es ein Garn für Seemannspullover und Winterjacken, anheimelnd und robust. Es pflegt zudem die Hände denn es enthält noch recht viel Wollfett.
Dieses Garn gibt es im Online-Shop der Wollfratz-Wollerey aus Bergen auf Rügen, wo kardiert, gesponnen und gestrickt wird.

Und zum guten Schluß erspähte ich dann noch eine Mütze, die mir sehr bekannt vorkam: eine nette junge Frau aus Kiel trug "Selbu Modern,"  eine Mütze, die ich auch schon gestrickt habe, und nun bin ich mit RosaRegen auf Ravelry befreundet.

Merke: An ihren Mützen sollt Ihr sie erkennen...

Ein intensiver Tag, und ein schöner kleiner Markt. Und wie immer schwirren viele Ideen durch mein Gemüt, mal sehen was ich davon alles umsetzen kann! Aber diesen Markt besuche ich nächstes Jahr bestimmt wieder.

die 23. Handarbeitsbörse Neubrandenburg – mein erstes Mal

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Zum ersten Mal habe ich gestern die Handarbeitsbörse Neubrandenburg besucht, eine Messe, die dieses Jahr schon zum 23. Mal stattfindet. Ich war gespannt was ich zu sehen bekomme.

Anfang September war ich über den Markt "handgemacht" auf dem Greifswalder Marktplatz geschlendert und war sehr enttäuscht worden. Das übliche Kitsch-Sortiment: Engel, Trolle für den Garten, Windlichter, Klingelbimmel und dann Brauchbares aber Standard: Körbe, Keramiktassen, etwas Schmuck. Textilien? Ein Stand.

An diesem Stand wurden nette Filzaccessoires, - mützen und -hüte verkauft. Die interessantesten Modelle kamen aus Zentralasien, ich weiß nicht mehr ob Kirgisistan oder Kasachstan; hübsche Kopfbedeckungen.

Sicherlich gibt es auf der Handarbeitsbörse in Neubrandenburg mehr zu sehen.

So präsentiert sich diese Messe:

HANDARBEITSBÖRSE   2018

23. Ausstellung  für textile Kunst und Handarbeit

Als Fachmesse für textile Kunst und Handarbeit hat sich diese  Kreativ-Messe seit 1996 in Neubrandenburg etabliert und auch national große Anerkennung gefunden. Namhafte Designer, Textilkünstler,Handwerker und Fachgeschäfte aus allen Teilen Deutschlands und aus mehreren europäischen Ländern bieten den zahlreichen Besuchern auf mehr als 4400 m² Ausstellungsfläche die neuesten Trends und Entwicklungen des Textilmarktes.

Stylisch   Nordisch

wird das große Thema der diesjährigen Handarbeitsbörse sein. Unsere Aussteller präsentieren ihre fantasievollen Entwürfe,Materialien und Modelle. Eigene Ideen und innovative Kreationen bereichern und gestalten die Messestände. In Workshops,Ausstellungen und Vorführungen werden skandinavische Vorlagen und Muster neu interpretiert,werden nordisches Design, Stoffe und Farben traditionell oder auch zeitgemäß umgesetzt.

Stylisch nordisch - das klingt gut. Und die hohe Ausstellerzahl (100!) ließ auf ein vielfältiges Angebot hoffen. Und ein interessantes Publikum erwarten.

Nun, ganz so war es nicht. Produzenten, lokale und regionale Händler, einige Initiativen und einige Designer - diese Mischung fand ich vor. Und bevor ich es alles versuche aufzuzählen was man im download pdf Ausstellerverzeichnis sowieso nachlesen kann, "meine" Highlights:

  • ich habe mir am Stand von Wolle - online, bei Ingrid und Peter Locke, eine Tiefwirtel-Handspindel gekauft, denn ich möchte das Handspindel-Spinnen einfach einmal ausprobieren.
  • Bei Ralph Traber (Schafwollverarbeitung) aus Neu-Poserin habe ich eine kleine Packung Vlies (natürlich in meiner aktuellen Lieblingsfarbe Purpur) zum Üben gekauft, Ralph Traber und seine Frau haben schon mehrfach den Titel der besten Spinner Mecklenburg-Vorpommerns gewonnen!
  • und dann habe ich mir noch eine feine Tuchfibel gegönnt.
  • Und ich habe mit einer Dame am Klöppelstand des Soziokulturellen Bildungszentrums Neubrandenburg geplaudert und mir das Klöppeln erklären lassen und Ellen Lischewski von "Wolle und Filz" aus Anklam kennengelernt, die zusammen mit Anett Simon aus Groß-Kiesow (auch bei mir in der Nähe) in Anklam im "Anderen Laden" anzutreffen ist.

Im Workshop-Programm habe ich igentlich nichts gefunden was dem Motto "stylish nordish" entspräche. Es wird gefilzt, ein Zopfmuster wird gelehrt, tunesisch häkeln, patchwork, quilten und quilling, vintage und swaroski-Engel, und dann  "double face stricken" an einen Stand. Einige Standnamen ließen Skandinavisches erwarten, aber meine Erwartungen wurden nicht erfüllt. Wenig wenig Nordisches Schwedisches Dänisches - fast gar nichts.

Bei der Modenschau gabs auch nicht wirklich Nordisches zu sehen, junge und nicht ganz junge Damen führten einigermaßen Tragbares vor, aber nordisch? Fehlanzeige.

Bei ähnlichen Veranstaltungen in Lettland, Estland und Anderswo sind auch die Besucherinnen und Besucher besonders gekleidet, tragen stolz eigene Kreationen und Arbeiten, das war hier nicht der Fall. Ab und an mal ein Tuch, aber eine mehrfarbige Jacke oder ein schöner Pullover? Nichts gesehen. Zwei Damen machten mir das Kompliment daß ich die einzige Besucherin sei die entsprechend dem Motto der Ausstellung gekleidet sei - nun, mit estnischen Wadenwärmern und der schönen roten Jacke von Riina Tomberg hier ein Leichtes.

Das Publikum? Wenig junge Frauen, Damen in mittlerem und höherem Alter, begleitende Männer, ein paar Kinder - wir Silberlocken waren eindeutig in der Mehrzahl.

Für Selbermacher: wer farbenfrohe selbstmusternde Sockenwolle sucht, wird hier fündig, Effektgarne in großer Vielfalt, auch Garne für Tücher... Knöpfe, Stricknadeln in Standardgrößen, alles zum patchworken und quilten. Und Züchter bieten Alpaka- und wunderschöne Schafwolle an (ich habe der purpurfarbenen Schafwolle widerstanden!)

Für Modebewußte: An einigen Ständen sah ich sehr schöne Kopfbedeckungen, eine Dame bot sehr schöne Bekleidung aus feinem Wollfilz an (leider nicht in meiner Größe, sonst wäre ich schwach geworden)

Aber Spinnräder, hölzerne Wollwickler oder Garn-Haspeln - nach denen habe ich auch geschaut, jedoch ohne Erfolg. Solche exquisiten Werkzeuge, handgefertigt und nicht aus Plastik - Fehlanzeige.

Mein Fazit? Ohne große Erwartungen hingehen - dann kann  man viel sehen und entdecken.

Wenn in Neubrandenburg, dann auch in die Kunstsammlung Neubrandenburg - das versteht sich für uns von selbst.
Es werden Radierungen von Francisco de Goya gezeigt, die Serien "Launen", "Tauromaquia" und "Desastros de la Guerra".
Vor langer Zeit habe ich diese Zyklen schon gesehen, wahrscheinlich im Prado in Madrid, aber diese kleinformatigen Meisterwerke sind zum Einen zeitlos, zum Anderen brandaktuell. Und sie brennen sich ins Hirn.
"Der Traum der Vernunft gebiert Ungeheuer" - wer stimmt dem nicht zu?

Und die Gräuel des Krieges - unvorstellbar daß die gezeigten Grausamkeiten noch gesteigert werden können. Aber der Mensch ist zu Allem fähig.

Im Hof der Kunstsammlung steht ein Werk, das mich in seiner Leichtigkeit berührt und meine Stimmung wieder aufheitert:

Eine rostige Latte, an ihrer Spitze ein Knäuel aus Draht, biegt sich im Wind.

Das wäre auch etwas für mein Grundstück.

Über die Handspindeln, die Peter Locke so schön drechselt und welche Erfolge ich mit meiner Spindel erziele, das wird sicherlich ein weiterer Beitrag hier auf der Wockensolle werden.

was alles so geschieht und geschehen wird

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Die Zeit vergeht so schnell und der schöne aber heiße Sommer ist vorbei. Die Bäume biegen sich unter der Äpfellast und ich kann von meinem Schreibtisch aus beobahten, wie Rehe aufs Grundstück kommen und an den Äpfeln naschen, ich höre die Kraniche schreien und sehe wie sie sich auf den großen Feldern sammeln und ich bewundere die Eleganz der Staren-Wolken, tausende der kleinen schwarzen Vögelchen gleiten in wunderschönen Formationen durch die Lüfte. Die Schwalben sausen ab und an im Garten herum und die Fledermäuse sind noch nicht im Schuppen oder unter dem Dach verschwunden, abends sausen auch sie vor meinem Fenster hin und her.

Warum ich das schreibe? Weil ich das alles von meinem Schreibtisch aus beobachten kann. Ich sitze nicht auf der Terrasse in spätsommerlicher Wärme oder strickend im Sessel, ich sitze am Schreibtisch. Repariere Webseiten, probiere neue WordPress-Möglichkeiten und -Techniken  aus und wälze Projektideen. Gleichzeitig muss ich im Rahmen der lokalen EU-Förderung LEADER Projektanträge bewerten und mir eine Meinung zu den Kandidaten für die Kulturpreise des Landes MV bilden.

Ich habe für Uschi Brühl die Webseite Stricktiger.de gestaltet; Uschi bereist Märkte im Westerwald und in der Eifel und bietet feine Garne - schöne Dinge an. Ich kenne sie von den Craft Camps in Estland und schätze sie sehr.
Sie ist auf der Suche nach besonderen Garnen und hat deshalb auch Garn aus dem Baltikum im Programm. Die Webseite soll einen Überblick über ihr stetig wachsendes Angebot geben und die Termine,  wann man sie wo antreffen kann, aufzeigen.

Eine feine Sache!

Und dann gibt es noch die Wollmacht. Eine Seite, die ich zum Geburtstag geschenkt bekommen habe und mit der ich nun etwas anfangen "muss". Ich habe ja die Wockensolle.de, was also nun mit der Wollmacht.de anfangen? Ich finde den Namen Wollmacht großartig, ein schönes Wortspiel.

Also habe ich mich drangesetzt und ein kleines Konzept entworfen. Die Wollmacht wird ein Sammelbecken werden für die Dinge, Beiträge, Filme etc., die ich hier auf der Wockensolle nicht so unterbringe, die hier vielleicht untergingen.

Ich möchte die Webseite wie ein Archiv für Publikationen, Filme, Anleitungen, Downloads nutzen und habe schon ein wenig Inhalt eingebunden.

Ich habe eine große Leseliste bei ISSUU.com zu den unterschiedlichsten Themen und habe schon einige Ausgaben des britischen Magazins Selvedge zu den Textil-Themen Stricken, alterslos, Ethnographie etc. eingebunden. Weitere Themen folgen. Es gibt ja so viele davon!

Ja, und dann plane ich. Ideen schwirren durch den Kopf, werden überprüft, verworfen, wieder aufgenommen und ich habe schon einen richtigen Plan zusammen.

  • Wofür? Für eine Themenwoche mit Vorträgen, Workshops, Konzert und Exkursion.
  • Wo? In Wol(l)gast am Peenestrom.
  • Wann? Im nächsten Frühjahr, wohl im März
  • wieviel Teilnehmer? Ich rechne mit 20 Teilnehmer(inne)n und wohl 6 Referentinnen...
  • und?

Ja, jetzt geht es erstmal ans Antragsschreiben.Themen gibts genug, Zusagen von Referentinnen habe ich schon, jetzt geht es an die Anträge. Wenn alles konkreter und sicherer ist, werde ich hier natürlich berichten und informieren.

  • Das Thema? Wer mich kennt kann sich das schon denken ;=)

Ja, und dann werde ich am Wochenende zum ersten Mal die Handarbeitsbörse in Neubrandenburg besuchen, eine Kreativ-Messe mit rund 100 Ausstellern.

Die 23. Ausstellung für textile Kunst und Handarbeit findet statt am  Sonnabend., 22.09.2018 (10.00 - 18.00 Uhr) und Sonntag,  23.09.2018 (10.00 - 17.00 Uhr) im  Jahnsportforum  Neubrandenburg.

Das Thema?

Stylisch  Nordisch

  •  Skandinavisches Design in klaren Formen,
  • Farben und Funktionalität, traditionell oder auch zeitgemäß
  • Arbeiten mit skandinavischen Mustern (Fair Isle, Island- und Norwegermuster)
  • Skandinavische Stoffideen: schlicht, sanft, geradlinig und flexibel
  • Hardanger Sticktechnik
  • Eine Welt in Blau und Weiß, Steinfarben, Holz-und Erdtönen

Ich bin gespannt. Und werde berichten.

Das schönste Buch der letzten Zeit

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Ich habe letztes Jahr ein Buch entdeckt,das mich fasziniert: Trachten (von Gregor Hohenberg)

Der Fotograf Gregor Hohenberg hat zusammen mit seiner Frau Annett Hohenberg mit unglaublicher Akribie über mehrere Jahre den Trachten in Deutschland nachgespürt und sie ausführlich dokumentiert. Wunderschöne Fotografien zeigen auf jeweils einer ganzen Seite des wirklich großformatigen Buches Menschen in ihren Trachten - mit atemberaubender Ästhetik.

5 Jahre waren sie dazu unterwegs in 22 Regionen Deutschlands!

 

Gregor Hohenberg: Trachten

Gebundene Ausgabe: 320 Seiten
Verlag: Die Gestalten Verlag; Auflage: 1. (16. April 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 389955566X
ISBN-13: 978-3899555660
Größe und/oder Gewicht: 25,5 x 3,2 x 33,8 cm
PS: der Link führt zu Amazon.de

Gregor Hohenberg: Traditional Couture: Folkloric Heritage Costumes

Gebundene Ausgabe: 304 Seiten
Verlag: Gestalten; Auflage: 1. (3. Juni 2015)
Sprache: Englisch
ISBN-10: 3899555724
ISBN-13: 978-3899555721
Größe und/oder Gewicht: 25,2 x 3,2 x 33,7 cm
PS: this link links to amazon.com

 

Klappentext:

Trachten stehen für Heimat, Tradition, Handwerk. In der Konsequenz und Kreativität ihrer Ausführung sind sie Inspiration für die High-Fashion-Designer von heute und morgen. Trachten sind im Grunde genommen Haute Couture: hochwertige Materialien, aufwendige Verarbeitung, kostbares Kulturgut und stilbewusstes Statement. Eine überraschende Vielfalt an Kleidungsstücken repräsentiert handwerkliche Höchstleistung, Traditionsbewusstsein, Zugehörigkeit und Heimatverbundenheit. Gleichzeitig inspirieren Trachten die anspruchsvollsten und radikalsten Modemacher von heute und morgen.

Den visuellen Brückenschlag von verstaubt zu Avantgarde leistet jetzt der Fotograf Gregor Hohenberg mit seinem Buch Trachten. Er porträtiert zum einen die Menschen alte und junge gleichermaßen , die Trachten tragen, sowie zum anderen ihr Lebensumfeld in allen Regionen Deutschlands. Darüber hinaus zeigt er die besonderen Kleidungsstücke in ihren perfekten Details: Perlen, Säume, Stickerei, Materialien und Farben jenseits der saisonalen Effekte der Modeindustrie.

Es ist eine fotografische Reise mit einem fast unüberschaubaren Reichtum an visuellen Zeichen und stilistischen Inspirationen.
Dabei überrascht sowohl die Leichtigkeit als auch die Würde, mit der Trachten hier gezeigt und getragen werden. Die Tracht verändert die Haltung, verleiht Ausstrahlung, trifft ein Statement.

Hier findet sich kein Musikantenstadl, kein ­folkloristischer Kitsch, vielmehr ein entspanntes Selbst­bewusstsein, eine Leidenschaft für die besondere Garderobe zum besonderen Moment.

In kaum einer anderen Kleidung verdichten sich die Biografie des Trägers und seiner Region in vergleichbarer Art. Trachten hat man fürs Leben. Trachten werden vererbt. Manche der aufwendigen Details sind heute kaum mehr anzufertigen. Schneider, die diese Kunst noch beherrschen, sind gesucht, weit über regionale Grenzen hinaus.
Das Trachtenhandwerk verbindet. Diese besondere Qualität, diese Identität und Intensität sind es, die Modemacher anregen, ihre eigenen Kollektionen neu und anders zu denken. Während gerade große Modemarken noch auf weltumspannende, schnelllebige Trends setzen, schaffen immer mehr kleine Manufakturen Kleidungsstücke, die bleiben: ­Erbstücke statt Wegwerf-T-Shirts.
Das Buch erscheint in deutscher und englischer Sprache.

Covertext:

Traditional clothing represents the regions where it is produced along with their cultures and handcraft. Its creativity and longevity is inspiring high fashion designers of today and tomorrow.
Traditional clothing is essentially haute couture. Made with high quality fabrics and elaborate workmanship, it embodies cultural heritage and style. Encompassing a surprising variety of garments, it represents premioum handcraft, an awareness of tradition, a sense of belonging, and an affinity to one's homeland. At the same time, folkloric clothing is inspriing some of today and tomorrow's most ambitious and radical fashion designers.

In Traditional Couture, photographer Gregor Hohenberg succeeds in building a visual bridge between the outmoded and the avant-garde in German folkloric fashion. He portrays the individuals, young and old alike, who wear traditional attire in all the regions of his homeland, as well as their surroundings. Furthermore, he depicts the distinctive garments in all their glorious detail: pearls, seams, embroidery, and colors--all of which are completely unaffected by the seasonal influences of the fashion industry.

This book is a dazzling journey in pictures featuring an almost overwhelming abundance of visual symbols and stylistic inspiration.
At the same time, Traditional Couture captures the grace and dignity with which clothing is worn.
The book eschews kitschy German folklore to show how donning traditional dress can change one's composure, lend charisma, and make statement while providing a relaxed sense of self-confidence and feeding passion for special attire at special occassions.

There is simply no other clothing that represents the wearer's biography and region in quite the same way. Traditional German outfits are made to last a lifetime and handed down to future generations. Some of their details are so elaborately made that hardly anyone has the time or skill to create them today. Tailors that still master this art are in high demand far beyond regional borders.

Consequently, traditional clothing is a handcraft that connects people. The distinctive quality, identity, and intensity of the attire featured in Traditional Couture is inspiring fashion designers to rethink their collections in new directions. While giant fashion brands are surrendering to global, fast-lived trends, more and more small manufacturers are creating enduring garments: heirlooms instead of throw-away t-shirts.

 

Und jetzt noch ein ganz besonderer Knaller, der mich zum Einen freut und zum Anderen traurig macht:

Bei Jokers,de wird das Buch gerade als Restauflage für 14,99€ angeboten!

Ich finde es toll, weil dadurch mehr Menschen sich dieses wunderbare Buch leisten können und auch wiederum traurig weil die Autoren es nicht verdammt haben, daß dieses wunderbare Buch verramscht wird..

Trotzdem: Wenn meine Leser dieses Buch bei Jokers.de kaufen, kommt es in gute Hände!

 

Ein Auszug aus dem Puppenheim

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Mit Auszug meine ich nicht den Exodus, sondern einen Text-Ausschnitt und ich bin gerade, angeregt durch einen Artikel im Norwegian Textile Letter, auf Henrik Ibsens Nora oder Ein Puppenheim gestossen. Ein interessantes Statement des Advokaten Helmer, das ich hier wiedergeben möchte:

So eingestreut zwischen Banalitäten, die die eigentliche Tragik verdecken, gibt der Herr des Hauses seine Meinung von sich. Diese Meinung überrascht uns nicht, ist er doch ein Chauvinist ersten Grades, aber das Chinesische, das verwundert schon..

Nun, dies zur Einführung in den Artikel Between Knit and Purl von Espen Søbye, im Norwegian Textile Letter, den ich ja schon einmal zitiert habe hier auf der Wockensolle und der immer sehr lesenswert ist.

Die Autorin bespricht den aktuellen Hype der Strickbücher (Klompelompe, Arne und Carlos und und und) und steltl dabei auch ein Buch vor, welches sich gegen das Stricken ausspricht und die gesellschaftliche Rolle des Strickens untersucht (im Gegensatz zu den anderen Büchern, in denen das perfekte Befolgen detailliertester Anweisungen als Kreativität verherrlicht wird),
Dieser Abschnitt steckt voller Denkanstöße und deshalb zitiere ich ihn hier. Und was das verehrte Paar Alva und Gunnar Myrdal da postuliert, sollten wir alle überdenken. Stimmt das?

Knitting and crochet were enterprise gone wrong. This energy should be used for something more practical for society and the individual.

Nachstehend der Auszug aus dem Artikel und Informationen zu dem Werk von A. und G. Myrdal findet man bei wikibooks..

Helmer.
Ach was, schon?... – Gehört Ihnen das Strickzeug da?

Frau Linde (nimmt es.)
Ja, danke schön. Beinahe hätte ich es vergessen.

Helmer.
Also, Sie stricken?

Frau Linde.
Ja freilich.

Helmer.
Wissen Sie was, Sie sollten lieber sticken.

Frau Linde.
So? Und weshalb?

Helmer.
Weil es viel hübscher aussieht. Sehen Sie nur: man hält die Stickerei mit der linken Hand, – so –, und mit der rechten führt man die Nadel – so – in leichtem, langgestrecktem Bogen; nicht wahr –?

Frau Linde.
Ja, das mag schon sein –

Helmer.
Das Stricken hingegen, – das kann nur unschön sein. Sehen Sie her: die zusammengeklemmten Arme, – die Stricknadeln, die auf und ab fahren, – das hat so was Chinesisches an sich. – Es war wirklich ein glänzender Champagner, den man uns vorgesetzt hat.

In dem Artikel springt mir noch eine Klassifizierung ins Auge:

 Sweden, Alva and Gunnar’s homeland of anti-knitting

Ich bin gespannt wie die aktuellen Wahlen in Schweden ausgehen, mit dem Untergang der Sozialdemokratie dort wird Stricken vielleicht noch stärker instrumentalisiert im Sinne von zurück an die Nadeln - zurück an den Herd!

Resistance against knitting. One of the books, Rett på tråden [Right on the Thread] differs from the others, not only with its slightly impudent title. In the introduction, sisters Birte and Margareth Sandvik quote the exchange of lines in A Doll’s House, where Torvald Helmer advises Mrs. Linde to set aside her knitting and take up embroidery instead, because knitting “can never be anything but ugly, “ “there’s something Chinese about it.”

Knitting has had several vocal opponents since Ibsen’s Torvald. In their book Crisis in the Population Question (1934), the married couple Alva and Gunnar Myrdal—both tone-setting Swedish social democrats, she winning the Nobel Peace Prize, he the Nobel prize for economics—were angered by the exaggerated petit bourgeois habits that had spread among the working class and minor civil servants. Family life in these classes was, according to the Myrdals, characterized by a fussy desire to entertain, an overly-ambitious interest in food and homemaking, with a penchant for public display. But it was, above all, women’s handwork that paid the price: “All this embroidery, this knitting, sewing, and lacemaking that has filled the walls and sofas, tables and shelves.”

Knitting became equated with a confined active mind and connected to married women’s having no right to work and the two-child family having become the norm.

Staying home with one or two children resulted in women’s having lots of free time—and presto, this is how Alva and Gunnar Myrdal explained the then-current knitting wave: Knitting and crochet were enterprise gone wrong. This energy should be used for something more practical for society and the individual.

At the end of the 20th and beginning of the 21st centuries, women are having even fewer children than did their grandmothers in the 1930s, and men’s and women’s lives have become almost exactly identical. The reduction in the number of childbirths is a major reason why the buxom female with broad hips and heaving breasts is no longer the ideal woman, instead the athletic, androgynous female body that exudes health and sex appeal is. The anorexic, boyish body has become the woman’s dream physiology, and she dresses accordingly.