Sommer 2019: auf die Insel Kihnu

Nach den Workshoptagen und dem Ausflug am Mittwoch ging das Craft Camp 2019 am Samstag, den 13. Juli, zu Ende.
Am letzten Schulungstag steht immer ein Abschiedsdiner mit Musik auf dem Programm, diesmal im Gutshaus von Heimtali, und nach einem Gruppenfoto vor dem Eingang und einer Führung durch das Haus wurde  das Bufett eröffnet, danach spielten zwei bezaubernde junge Damen auf und viele aus unserer Gruppe ließen sich zum estnischen Volkstanz animieren, eine furiose und lustige Einlage.

Am Sonntagmorgen ging es in die Abschiedsrunde: die Teilnehmerinnen präsentierten auf dem Hof des Werkstattgebäudes ihre Arbeitsergebnisse und alle erhielten wir dann unsere Teilnahmezertifikate.
Es ist immer ein wenig traurig wenn eine solche intensive Woche zu Ende geht, aber wir hatten ja noch Einiges vor, wir mussten nicht gleich nach Hause.

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Wir brachen auf nach Kihnu, eine Busfahrt mit Umstieg in Pärnu, noch eine kurze Busfahrt und dann auf die Fähre.Das schlechte Wetter, der Regen konnten uns nicht viel anhaben, das Wandbild gegenüber der Busstation strahlte frischgewaschen und machte deutlich wie die Esten ihre Unabhängigkeit erstrickt haben.

Auf der Insel Kihnu hatte gerade das Meeresfestival stattgefunden und entsprechend Betrieb am Hafen. Wir konnten ruhig bleiben, unsere Unterkunft war gebucht, denn nach der Absage aus Ruhnu hatten wir uns wieder für die "Fischräucherei" auf Kihnu entschieden, wie schon 2 Jahre zuvor.

Wir waren nicht die einzigen Gäste im Haus, aber wir machten uns am Tisch vor dem Eingang breit, strickten, klönten und verlosten auch die Wollknäuel, die uns Jana in Cesis geschenkt hatte, unter uns. Nur so war eine gerechte Verteilung garantiert!
Dieses Mal waren wir ohne Auto unterwegs, und da muss man sich auf Kihnu schon überlegen, daß man rechtzeitig aufbricht um einzukaufen, daß man zur Essenszeit im "Rock City-Restaurant" eintrudelt, denn die Küche schließt dort um 19:00 Uhr, man muß schon ein wenig planen.

Das Museum in Kihnu war am Montag sehr belebt, es wurde das zehnjährige Bestehen gefeiert - wirklich Hochsaison, erst Meeresfestival und dann Museumsjubiläum.. die Damen des Kihnuer Matriarchats waren sehr beschäftigt.

 

 

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Die Insel habe ich ja bereits vor 2 Jahren hier auf der Wockensolle beschrieben und auch das wunderbare Museum vorgestellt. Dort sind ja die schönsten Handschuhe ausgestellt, die man sich nur vorstellen kann.

Aber nicht nur dort kann man wunderbare Strickereien kaufen, in einem Souvenir-Shop am Hafen leistete ich mir dann doch noch ein Paar der schönen Handschuhe , die mit großer Fertigkeit gestrickt und viel zu günstig verkauft werden!

3 Tage blieben wir hier, ein Tag war verregnet, das ist ein guter Schnitt. Die vorletzte Station der Reise, die Insel Vormsi, beschreibe ich im nächsten Beitrag!

Sommer 2019: Wollfabrikation mit der MiniMill

Der zweitägige Workshop des diesjährigen Craft Camps, für den ich mich eingeschrieben hatte, war der "Industrial Yarn Making" Workshop. Die Kulturakademie besitzt seit einigen Jahren eine Wollmühle, eine so genannte MiniMill, der italienischen Firma Ramella, und bei einem Besuch im Februar 2017 habe ich diese Maschinen schon bestaunt. Und mich gefreut, daß es das jetzt auch in VIljandi gibt.
Diesen Workshop hatte ich als zweite Präferenz gewählt, meine Erst-Präferenz war  ein Kurs bei Riina Tomberg. Aber das hat nicht sollen sein und so habe ich dann 2 Tage mit Wolle in allen Bearbeitungsstadien verbracht.

Photo: © Mathilde Frances Lind (e-mail sassysamovar@gmail.com).

Diese Wollmühle dient verschiedenen Zwecken:

  • nun ist es möglich, die Wollfabrikation in der Ausbildung vor Ort zu unterrichten
  • die Eigenarten und Besonderheiten der estnischen Wollen sollen erforscht werden
  • um die Schafzucht und damit die Landschaftspflege und die Landwirtschaft zu fördern braucht es Verarbeitung und Vermarktung der Produkte, das kann hier erlernt werden
  • Material für die Wiederbelebung traditioneller Techniken soll produziert werden können

Für unseren Workshop wurde ein "rohes" Vlies vom Kihnu-Schaf und ein schon gewaschenes Vlies einer gewöhnlichen Schafrasse bereitgestellt. Die helle Wolle, die schon gewaschen und vorbereitet war, konnte gleich an die Maschinen, die dunkle Wolle vom Kihnu-Schaf musste erst manuell verlesen und sortiert werden, da hängt ja so manches Unwollige noch dran!

Nach zwei Tagen mit vielen Arbeitsschritten an mehreren Maschinen gleichzeitig konnten wir uns dann über mehrere Stränge wunderbare Garne freuen und ich habe so Einiges gelernt:

  • es steckt sehr sehr viel Arbeit in der Wollfabrikation, trotz der ausgefeilten Maschinen für jeden Arbeitsschritt
  • die Arbeit ist körperlich anstrengend und der Lärmpegel recht hoch
  • nach so vielen Arbeitsschritten (waschen, reißen, kardieren, spinnen....) behält jede Wolle doch am Ende ihren Charakter, die Garne sind unterschiedlich griffig, es entsteht keine industrielle Einheitsware

Mein Respekt vor der Wolle und vor Allen, die sich mit Schafzucht beschäftigen und die Garne produzieren ist noch gewachsen und ich bin stolz auf die Garne, die wir mit nach Hause nehmen konnten.

Dieser Workshop an der WoolMill fand zum ersten Mal im Rahmen des Craft Camps statt und war somit auch für Astri Kaljus und Ave Matsin, unsere Lehrerinnen, eine Premiere.
Und unser Arbeitsergebnis war so gut gelungen, daß beim Abschlußdinner eine der Teilnehmerinnen des Craft Camps, die während dieser Tage ihren Geburtstag feierte, unsere Wolle geschenkt bekam. Und sich darüber sehr freute.

Nachstehend eine Bildergalerie dieser zwei intensiven Tage!

Sommer 2019: Töstamaa und Manilaid

Im Handarbeitszentrum von Töstamaa werden Kurse gehalten, Workshops, es gibt Stricktreffen und es werden wunderschöne Dinge gearbeitet, die dann im Laden an Kunden, die die Schönheit und die Arbeit schätzen, verkauft werden.

Ahhs und Ohhs und Did you see that? und Where did you find these? - mit leeren Händen geht wohl niemand hier raus.

Nach einem Abstecher zu den Küstenwiesen, ein besonderes Biotop in dieser Region, und einem Mittagessen wurden wir dann mit einer kleinen Fähre auf die Insel Manilaid gebracht.

Bilder © Mathilde Frances Lind (e-mail sassysamovar@gmail.com)

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Die kleine Insel Manilaid hat es sogar in die Wikipedia geschafft, ich zitiere hier mal das Wissenswerte:

Manilaid (auch: Manija, deutsch: Manja) ist eine estnische Ostsee-Insel. Sie liegt in der Rigaer Bucht zwischen der Halbinsel Tõstamaa und der estnischen Insel Kihnu.

Manilaid liegt etwa einen Kilometer vom Festland entfernt. Die Größe der Insel beträgt 1,87 km². In der Nähe finden sich die Eilande Annilaid (auch Anõlaid) mit einer Größe von 0,03 km² und Munalaid. Vom Hafen Lemsi auf Kihnu aus gibt es eine regelmäßige Fährverbindung zu den Inseln. Die Inseln gehören verwaltungsmäßig zur Gemeinde Pärnu im Kreis Pärnu.

Manilaid wurde erstmals 1560 als Holm Maune urkundlich erwähnt. Bis 1933 war die Insel unbewohnt, bevor Esten aus Kihnu auf der Insel siedelten. Heute leben dort dauerhaft 49 Menschen (Stand 2006). 2005 erhielt die gesamte Ortschaft Wireless LAN.

Auf der Halbinsel Papina befindet sich der acht Meter hohe Leuchtturm der Insel.

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Nach knapp 4 Minuten Überfahrt betraten wir das Eiland und wer nicht zu Fuß gehen wollte, wurde auf einem Treckeranhänger zum kleinen Museum gefahren, wo uns die Tierärztin bereits erwartete. Sie referierte über die Kultur der Insel und die Schafzucht, denn auch hier werden die Kihnu-Schafe gehalten, eine seltene und fast ausgestorbene Rasse.

Zwei Tiere waren von der Herde separiert, in einem Gatter erwarteten sie die Schur. Und das war interessant. Die Tiere werden hier nicht wie sonst mit einer Schafschermaschine geschoren, was in der Regel nur 1,5 Minuten pro Tier dauert, hier hingegen wird eine kräftige Schere der finnischen Marke Fiskars eingesetzt, und es dauert auch schon mal 15 Minuten pro Tier.

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Wir wußten schon, daß das Schafscheren nicht nur vorgeführt wird, nein, wir wurden aufgefordert, selbst Hand anzulegen. Und Mathilda und Maijaa trauten sich. Das Tier ließ es ruhig über sich ergehen.

Nach der Schur wurde es zu seiner Herde zurückgebracht, der Bock war im wahrsten Sinne des Wortes erleichtert!

Und nun die Premiere: Ich habe das Geschehen mit meiner Handykamera gefilmt, das wollte ich mir nicht entgehen lassen.
Maija ist ganz vorsichtig mit dem Tier...

Im Museum gab es auch Wolle zu kaufen (nach unserem Besuch waren die Körbe und Regale allerdings erstmal leer), und mir gefiel ganz besonders die kräftige dunkle 8/3er Wolle, die jetzt für einen dicken Winterpulli eingeplant ist.

 

Die junge Frau im bunten Trachtenrock ist die Schwiegertochter der Tierärztin und mit den Schafen auch sehr vertraut.
Die beiden hatten sichtlich Freude an unserer Neugierde.

Das war ein ganz besonderer, intensiver Tag in Töstamaa und auf Manija und ein herzlicher Dank an Anu Randma und alle anderen Beteiligten!

Sommer 2019: der Atem der Geschichte in Töstamaa

Auf dem Craft Camp - Programm steht jedes Jahr auch ein Ausflugstag, und die häufigsten Ziele sind das Estnische Nationalmuseum in Tartu, das Museum in Heimtali, ein Ausflug nach Setomaa im Südosten des Landes und jedes Jahr kommen auch neue Ziele hinzu. Seit letztem Jahr wird ein Ausflug nach Töstamaa angeboten samt "Schafscheren auf der Insel Manilaid" und das habe ich diesmal gebucht, ich wollte das unbedingt sehen.

Töstama ist ein kleiner Ort, gehört inzwischen zur Stadt Pärnu und ist bekannt für die wunderschönen Handschuhe mit Inlay-Mustern und für das Handarbeitszentrum. Anu Randmaa, bei der ich letztes Jahr einen Workshop zu dieser Technik besuchen konnte, leitet das Käsitöökeskus / Handarbeitszentrum, das zusammen mit der Bücherhalle und einer Töpferwerkstatt einen kreativen Schwerpunkt in diesem Ort bildet. Im Sommer ist auch der Laden des Zentrums geöffnet, außerhalb der Saison kann man aber nach Voranmeldung auch wunderbare Dinge erstehen.
Ich erfuhr Einiges über die Ergebnisse der EU-Förderung für dieses Zentrum, denn das EU-Förderprogramm für ländliche Räüme, LEADER, bei dem ich hier in Ostvorpommern auch aktiv bin, hat hier viel Gutes unterstützt. Hier wird auch das immaterielle Kulturerbe gefördert, nicht nur das materielle wie bei uns. Infrastruktur gäbe es genug. meinte Anu, nun muss sie genutzt werden.
Und das wird es. Es gibt Kurse und Workshops, Frauen fertigen hier ihre eigene Tracht an  (ein Prozeß. der bis zu zwei Jahre dauern kann) und Kinder und Jugendliche lernen textile Techniken und Töpfern.
Ein wunderbarer Ort!

 

Bevor es ins Handarbeitszentrum ging, besuchten wir aber erst den Gutshof von Töstamaa, Sitz eines deutsch-schwedisch-baltischen Adelsgeschlecht westfälischen Ursprungs (Stael von Holstein) , der heute in postklassizistischer Pracht als Schule dient. Was eine tolle Umgebung fürs Lernen.

Ich war zum ersten Mal hier, aber zu meinem Erstaunen stellte ich einige Verbindungen zu diesem Ort fest.

Alexander von Stael-Holstein

Universitätsbibliothek Heidelberg [CC BY-SA 4.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)]

Der letzte Gutsherr, Alexander Stael von Holstein (1877 - 1937), war Kultur- und Sprachwissenschaftler, studierte in Berlin und Halle Indologie mit dem Schwerpunkt auf Prakrit, die Urform das Sanskrit. Er lehrte in St. Petersburg, studierte in Harvard und lebte und lehrte dann bis zu seinem Tod in Peking.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erforschten die Junggrammatiker die Entwicklung der Sprachen, und versuchten durch das Studium der alten Sprachen die Ursprache, das Indogermanische / Indoeuropäische, zu rekonstruieren. Sie wandten sich von der Geisteswissenschaft zur Naturwissenschaft hin, denn ihre Arbeitshypothese, die Ausnahmslosigkeit der Lautgesetze, war nur durch Beweise und nicht durch gesellschaftlichen oder anderen Kontext zu belegen.
Warum ich hier zu den Junggrammatikern verweise? Mein Urgroßonkel Hermann Osthoff war einer der führenden Köpfe der Junggrammatiker mit Schwerpunkt auf Griechisch, Latein, altindische (Sanskrit) und altgermanische Sprachen  und Alexander Stael von Holstein muß seine Arbeiten gekannt haben. Ich selbst habe mich im ersten Staatsexamen über die Junggrammatiker prüfen lassen und ich hätte nie gedacht, irgendwo diesem Thema wieder so nahe zu kommen.

Es gibt einige Referenzen im Netz über Stael-Holsteins Leben und Wirken, aber nur sehr wenige Fotos.

Die Universität Heidelberg veröffentlichte ein eindrucksvolles Porträt von Hermann Osthoff und ich bin sicher daß ich in meinen geerbten Fotoalben auch noch Bilder finden könnte. Aber die sind auf dem Speicher sicher verwahrt und ich mag sie jetzt nicht hervorkramen.

Und noch ein, nein zwei Exkurse zur Famile Stael-Holstein, deren diverse Stammbäume sehr akribisch auf der Familienwebseite aufgelistet sind.

Der russische Dichter Anton Tschechow gehört zu meinen bevorzugten Autoren, ich habe sein ganzes Werk studiert und bin immer noch berührt von seiner Menschenkenntnis und seiner Nachsicht mit den Schwächen der Menschen. Aber nicht Alles hat er verstanden. Er unterhielt einen langen Briefwechsel mit Jelena Alexejevna Pletschejeva,und hielt sie sogar für seine Braut. Sie allerdings heiratete 1892 den kaiserlich-russischen Hofchef Baron Stael von Holstein.

Auf der genannten Webseite der Stael-Holstein  finden sich auch einige Anekdoten und diese hier hat es mir angetan;

Während des Großen Nordischen Krieges geriet der Königliche Schwedische Feldmarschall Georg Bogislaus Freiherr Stael von Holstein in russische Gefangenschaft. In Moskau vermählte er sich mit Gräfin Ingeborg Horn von Rantzien. 1711 wurde er entlassen, während seine Frau in Russland zurückblieb und für tot galt.

Als sich nun der Feldmarschall mit Sophie Elisabeth von Ridderschanz verlobte, kehrte seine Ehefrau kurz vor der Hochzeit aus Russland zurück und lebte noch 50 Jahre. Nach ihrem Tode ließ sich Georg Bogislaus noch mit 77 Jahren mit seiner gewesenen Braut von Ridderschanz trauen, die inzwischen das Alter von 64 Jahren erreicht hatte.

Gräfin Ingeborg Horn zu Rantzien

Gräfin Ingeborg Horn zu Rantzien

Gräfin Ingeborg Horn von Rantzien - diese Dame stammt aus dem Gribower Nachbardorf Rantzin, keine zwei Kilometer Luftlinie entfernt!

Und was für ein Leben!

Wieder ein Zufall.

Dieser Beitrag ist sehr lang geworden und ich bin gehörig abgeschweift. Aber zumindest für mich ist es interessant, wie verknüpft und verflochten unsere Orte und unsere Leben / Familien sind.

Über das Handarbeitszentrum, die Küstenwiesen von Töstamaa und die Erlebnisse auf der Insel Manilaid schreibe ich im nächsten Beitrag, für heute mags genug sein.

Sommer 2019: Workshop: Intarsienstricken in der Runde

Auf den Craft Camp - Workshop "Muhu mitten with eight-pointed star" von Riina Tomberg habe ich mich sehr gefreut. In jedem ihrer Workshops, die ich bisher erlebte, habe ich unglaublich viel Schönes sehen und lernen können (auch wenn ich manchmal einige Zeit brauche bis ich die Techniken wirklich beherrsche). Dieser Workshop war so angekündigt:

In this workshop the participants will learn to knit eight-pointed motif widely used in Muhu traditional textile - called "Muhu mänd". This motif, knitted on the back of a mittens hand, makes these mittens to stand out among knitwear known to us from the 19th century.

Und immer schon hatte ich mich gewundert wie dieses Motiv so "standalone" auf dem Handrücken sitzen kann, denn ich kannte zum Einen die Intarsientechnik nur von wenigen Versuchen und vor Allem nicht in Runden gestrickt.

Selbstverständlich hatte Riina etliche wunderschöne Handschuhe mitgebracht, was ermutigen soll aber auch entmutigen kann ;=)
Aber die Teilnehmerinnen im Workshop waren alle erfahrene Strickerinnen und ich denke, wir genossen alle diesen Tag.

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Das Besondere an der Technik?

Für das Motiv strickt man ja mit zwei Farben. Das bedeutet, daß nach dem Motiv mit der Grundfarbe Weiß weitergestrickt wird bis man wieder am Motiv-Beginn ankommt.

Dann aber ist der Faden der Kontrastfarbe nicht auch am Motiv-Beginn, zumindest nicht in jeder zweiten Runde.
Also strickt man in jeder zweiten Runde nur die weißen Maschen und verzwirnt nach der letzten Motivmasche den weißen und den schwarzen Faden und strickt dann mit linken Maschen und schwarz auf der Rückseite des Gestrickes zurück.
Danach strickt man die restlichen Maschen der Runde in weiß und verzwirnt / twisted wieder die Fäden bevor man die nächste Reihe wieder mit beiden Farben stricken kann.

Bei dieser Technik braucht es keine Fadenbefestigung einige Maschen nach dem Motiv, und wenn man die Spannung richtig hält wird es auch recht sauber.

So sieht meine Arbeit aus:

In Riina's Workshop wechseln sich angeregte Unterhaltung und konzentrierte Stille immer wieder ab und bei jeder Frage gibt sie ermutigende Antworten.

Es ist eine Freude.

© Mathilde Frances Lind (e-mail sassysamovar@gmail.com)

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Diese beiden Damen, Liina Laaneoja und Annika Vaalma, die zusammen das Label EtnoWerk (Latvian Crafted Knitwear) betreiben, hatten auch ihren Spaß, nicht nur nach dem Workshop Kihnu Tip Decorations, sondern garantiert auch während des Workshops!

Sommer 2019: Workshop: Färben mit Indigo

Es hat ein wenig gedauert bis ich diesen Beitrag verfassen konnte. Ich wollte zwar immer schreiben, aber eine Infektion hat mich geschwächt, und erst jetzt, am Ende der 2. Krankheitswoche, sehe ich mich in der Lage hier weiter zu berichten.

Bei der Auswahl der Workshops für das diesjährige Craft Camp  war mir die Wahl schwergefallen. Selbstverständlich wollte ich beide von Riina Tomberg gehaltenen Workshops belegen, aber nur einer dieser Workshops wurde dann auch tatsächlich gehalten, Muhu Mitten With Eight-Pointed Star. Warum der zweitägige Workshop abgesagt worden war, blieb uns allen ein Rätsel, am "lack of interest" kann es wirklich nicht gelegen haben. So kam ich in den Workshop "Industrial Yarn Making" und hatte zwar jeden Craft-Camp-Tag mit Wolle zu tun, aber zum Stricken kam ich aber nur an einem Tag.

Wie dem auch sei, der erste Workshop hatte "Wolle färben mit Indigo" als Thema und die wunderbare Liis Luhamaa war unsere Lehrerin, Ich hatte schon beim vorigen Craft Camps mitbekommen, wie begeistert die Teilnehmerinnen waren und freute mich auf diesen Tag. Mir war klar, daß ich wohl nie selbst unter die Färberinnen gehen würde, aber ich wollte den ganzen Prozeß von Anfang bis Ende kennenlernen, (wenn auch manche Schritte nur theoretisch, wir mussten nicht unseren eigenen Pisspott füllen und mitbringen..:)

3 verschiedene Wollen dienten als Grundlage: eine naturfarbene Wolle, eine graue Wolle und eine bereits mit Birkenblättern gefärbte helle Wolle - dementsprechend unterschiedlich waren dann auch die Ergebnisse: dunkles Blau, mittleres Blau, tolles Grün -- und diese Farbtöne wurden durch mehrere Färbebäder noch verstärkt.

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Das Auflösen der Pigmente, das Eintauchen der Wolle, alle Arbeitsschritte wurden genau erklärt und vollzogen. Faszinierend zu sehen wie sich das Garn verfärbt!

Das Schwierigste? Do not drip!  Hausfrauen sind es gewohnt beim Kochen immer alles abtropfen zu lassen, damit kein Tropfen der Sauce verloren geht oder die Küche verschmiert wird, aber beim Färben? Jeder Tropfen, der in den Färbetopf zurückgeschüttelt wird, bringt Sauerstoff in die Färbelösung ein und das sollte auf keinen Fall geschehen! Aber bringen Sie das mal gestandenen Hausfrauen bei!

Also? Do not drip!

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Am Ende des Workshops hatten wir alle wunderbares Garn in tollen Blautönen und einen Strang mit richtig dunklem Tannengrün.

Den Stolz kann man uns ansehen!