Ich habe in der letzten Zeit meinen Reisebericht nicht weitergeschrieben, die Gründe dafür ? Vorbereitungen für den Workshop mit Riina Tomberg am 4. und 5. 10. in Greifswald und mein Ärger über die Wahlen am letzten Sonntag. Ich habe große Sorge, daß die entstehende Bundesregierung den Herausforderungen, die uns bevorstehen, in keinster Weise gerecht werden wird (werden kann); daß die Menetekel immer noch nicht verstanden wurden.

Diese Sorge lähmt mich sehr, da habe ich lieber im Sessel gesessen und vor mich hingestrickt. Ein Tuch ist fertig geworden und muß nur noch gespannt werden, eine neue Jacke braucht nur noch Knöpfe.
Stricken tut mir gut und nun freue ich mich auf die kommenden Tage!

Aber ich schreibe auch an meinem Reisebericht weiter. Es geht weiter in Kuressaare auf Saaremaa. Riina hatte den Besuch im Archiv des Museums vorbereitet und eine interessante Auswahl an Studienobjekten zusammengestellt.
 

Stücke aus dem Archiv des Saaremaa-Museums

Also zurück nach Kuressaare auf der Insel Saaremaa!
Wie wir wissen, haben die estnischen Inseln alle ihre ganz speziellen Trachten, ob kunterbunt wie auf Muhu oder weiß-dunkel wie auf Ruhnu oder weiße Striümpfe zu roten Legwarmern wie auf Vormsi,  aber die Insel Saaremaa toppt alles: hier hat noch jede Gemeinde ihre eigenen Farben, Muster, Accessoires! Ganz besonders viele Muster und Formen stammen aus den Gemeinden Jämaja und Mustjala, aber auch aus Kihelkonna.

Bisher habe ich erhaltene Mützen, Handschuhe oder Strümpfe von der Insel nur im Estnischen Nationalmuseum in Tartu gesehen, denn mein erster Versuch, das Museum in Kuressaare zu besuchen, scheiterte, die Textil-Bestände waren gerade verpackt und nicht zugänglich, das Archiv zog um. Dieses Mal aber hatte ich Glück, Riina hatte unseren Besuch angemeldet und auch schon eine Auswahl getroffen:

Fingerhandschuhe, Fäustlinge, ein typischer roter Schal, die eigenartigen Mützen...

Die Mützen! Rot mit schwarzen Streifen - die vorherrschende Farbkombination, Männer trugen früher meistens Mützen mit weißer Grundfarbe, dunkelblaue oder schwarze Mützen gehörten zur Trauerkleidung.
Diese Mützen waren fast immer innenseitig gefüttert (wie die Pottmützen ja auch).
Einige Exemplare aus Mustjala jedoch besitzen ein geripptes Bündchen, das nach innen geklappt getragen wurde. Und damit die Mützen nicht im Wind davon fliegen, wurden sie mit einem einfarbigen oder bunten, geflochtenen Band unter dem Kinn befestigt.

 

Das Archiv des Saaremaa - Museums hat im 2. Weltkrieg viele seiner Unterlagen verloren, so zeigen die Exponate oft noch die alten Archivnummern, aber die Daten dazu sind verlorengegangen. So findet man auch im Online-Archiv bei vielen Exponaten den Hinweis "muuseumi endistest kogudest, mille kohta andmed puuduvad;" - aus den ehemaligen Sammlungen des Museums, für die keine Unterlagen vorhanden sind.

Drei Mützenformen konnte ich bewundern:

eine Mptze mit abgestuften Abnahmen
Mütze aus Anseküla
Mützen aus Jämaja

Mützen mit Abnahmen, die zwischen den Musterstreifen plaziert sind.

Mützen mit "starker Abnahme", diese Mützen sitzen knapp auf dem Kopf, der längste Teil der Mütze hängt nach unten.
Diese Mütze aus Anseküla ist 62 cm lang!

Viele der Mützen aus Jämaha tragen Quasten aus Stoff- und Spitze verziert und zeigen einen deutlichen Rand: der Saum wurde gefaltet und der Anschlag wurde über dem ersten Musterband festgenäht.
Dadurch kräuselt sich der untere Teil der Mütze sehr. Zudem sind die unteren  Musterstreifen haben immer einen hellen Hintergrund.

Aber natürlich gab es nicht nur Mützen zu bewundern, deshalb binde ich noch eine Bilderauswahl hier ein. Interessant ist, daß die "Saaremaa Schals" gehäkelt und nicht gestrickt sind!

Bestellformular
Blick auf die Ordensburg in Kuressaare
Frau  mit Tuttmüts, Video-Ausschnitt

Zum Abschluß dieses interessanten Besuches unterschrieb ich noch das Tellimisleht - das Bestellformular und wir genoßen  ein leckeres Mittagessen im Kurgarten-Restaurant von Kuressaare mit Blick auf die Ordensburg, wieder einmal schien die Sonne für uns.

Bei dem Lied- und Tanzfestival der Küstenschweden, das wir später, am letzten Tag unserer kurzen Reise, in Haapsaluu besuchten, konnte ich dann diese Mützen auch außerhalb eines Museums-Archivs bewundern, wie das Bild aus einem Handy-Video zeigt.

Der Platz an der Tallinn Straße mit dem Waagehaus

Der Platz an der Tallinn Straße mit dem Waagehaus

Die nächsten Tage verbrachte ich auf der Insel Saaremaa, in Kuressaare. Der größte Ort auf der Insel ist ein idealer Ausgangspunkt für Ausflüge auf der großen Insel, hat eine imposante Burg, wo auch das Stadtgeschichtliche Museum untergebracht ist und bietet viele Handarbeitsgeschäfte, einen gutsortierten Buchladen, kleine Cafés und noch mehr. Ich war schon einige Male hier, zuletzt vor zwei Jahren auf der Rundreise nach dem CraftCamp.

In Kuressaare ist auch Riina Tomberg zuhause, im Erdgeschoß ihres Hauses ist das Atelier untergebracht, in dem ich nun wieder etliche Stunden verbrachte. (Dazu später mehr).

Die Stadt ist recht belebt, denn wie wir schon andernorts bemerkt hatten, machen viele Esten dieses Jahr Urlaub im eigenen Land und gleichen so die Verluste durch das Ausbleiben vieler ausländischer Touristen aus.

Seit meinem letzten Aufenthalt hat sich einiges verändert. Der Platz vor dem Rathaus an der Tallinn-Straße wurde umgestaltet, nun steigen Fontänen aus dem Straßenpflaster auf und viele Sitzbänke laden zum Ausruhen ein.
Und in dem Gebäude am Marktplatz, in dem vor einigen Jahren das leider nicht weitergeführte "KnowSheep Project" untergebracht war, ist jetzt eine Sushi-Bar. Das nennt man Globalisierung und das ist nicht immer gut.

Im Markt von Saaremaa ist jetzt ein Sushi-Restaurant

Die Südspitze der Insel mit dem kleinen Ort Sääre und dem Leuchtturm Sõrve kannte ich noch nicht. Die Ortschaft und den Hafen gibt es nicht mehr, dafür den zweitältesten Leuchtturm Estlands, der erst nach dem zweiten Weltkrieg seine heutige Form erhielt. Etliche Gebäudereste erinnern an der Landspitze noch an die Besiedlung, ansonsten ist es hier öd und leer. Ein großer Himmel spannt sich über dem Wasser und man vermeint fast, bis nach Ventspils / Kurland in Lettland blicken zu können.
Doch so leer ist es aber doch nicht. Es gibt neben dem Leuchtturm eine Vogelwarte, einige Souvenirstände und vor allem: ein schönes Restaurant, wo ich endlich wieder eine Kama-Creme als Dessert genießen konnte, sehr sehr lecker mit Rhabarber-Kompott!

 

Nach der Einkehr ging es wieder nach Norden, jetzt aber an der westlichen Küste der Halbinsel. Riina zeigte mir besondere Orte, deren Namen ich vielleicht schon einmal im Zusammenhang mit einem Handschuhmuster gehört oder gelesen hatte, die ich aber noch nicht kannte. Der erste Halt dann: Ohessaare Pank.

Pank = ein felsige Küste, ein Kliff

Und an diesem Kliff gab es etwas Besonderes: Das Ohessare-Windmühlen-Sommer-Café, ein Open-Air-Café mitsamt einer Mühle, in der man auch übernachten kann = also eine richtige Kaffee-Mühle!
Die Inhaberin des Cafés ist eine Bekannte von Riina und so gab es einen kurzen Plausch und ich konnte das Saaremaa-Kostüm der Inhaberin bewundern, das sie in ihrem Cafè zeigt.

Die (Kaffee-)Mühle am Meer

Mir gefiel es hier sehr, ich kann mir sogar mal einen Strick-Ausflug hierhin vorstellen, gemütlich auf so einem alten Bettgestell in der Sonne sitzen, Kaffee trinken, stricken und plaudern - das hätte was. Vorausgesetzt die Sonne scheint.

In der Kirche von Mustjala

Nach einem Stopp und der Besichtigung der Kirche von Jämaja und einem Gang über den direkt an der Ostsee gelegenen Friedhof wollten wir das Farm-Museum in Mikhli besuchen; aber das war erstaunlicherweise an einem Sonntag geschlossen. Nun denn, ich kannte das Museum ja schon, aber schade wars.

Pech hatten wir dann auch in Mustjala, dem Ort, an dem die Trachten-Schürzen Querstreifen zeigen und keine Längsstreifen, dem Ort von dem die wunderschönen Strümpfe und Hochzeits-Handschuhe stammen. Aber hier war die Galerie auch geschlossen. Eigenartig, im Sommer, in der Hochsaison...

Nun ja, wir besichtigten die aus dem 17. Jahrhundert stammende Annen-Kirche; eine Mischung aus Gotik, Romantik und Neo-Gotik, mit einer schönen Orgel. Ich kann mir Orgelkonzerte beim alljährlichen Mustjala-Festival (im Juli) gut vorstellen.

Ein ganz besonderer Gedenkstein ist in dieser Kirche zu sehen: er ist in kindlicher Liebe dem Andenken an einen Pastor gewidmet, Johann Gottlieb Kleiner, der im August 1786 in der Ausübung seines schönen Berufes während der Predigt starb. Gerade mal 40 Jahre alt wurde er, seine Gattin Hedwig Louise, geborene Hirschhausen, wurde nicht älter als 28 Jahre.

Ohessaare Mühle

Auch wenn das Museum in Mikhli und die Galerie in Mustjala geschlossen waren, habe ich doch viel gesehen an diesem Tag. Und Riina war eine kundige Führerin über die Insel.

Nur warum wir so oft vor geschlossenen Türen standen (auch am Tag zuvor in Töstamaa und in Liiva auf Muhu waren die Gaststätten geschlossen), daß wir unsere Tour "Closed Door Weekend" nannten, das finden wir vielleicht nie heraus.

Zum Schluß dieses Berichtes noch ein Bild von der Müllerin in der Mühle in Ohessaare, im nächsten Beitrag berichte ich dann vom Besuch im Archiv des Museums von Saaremaa und den interessanten Tutt-Mützen, die ich dort zu sehen bekam.

Am 30. und 31. Juli 2021 wurden  Feiertage zu Ehren der berühmten lettischen Strickerin Jette Užāne in Dzerbene in der Region Vidzeme begangen.
Jette Užāne, de von 1924 bis 2007 in der Nähe dieses kleinen Städtchen auf einem Bauernhof lebte, war stark behindert, hatte keine Ausbildung erfahren und füllte ihre kleine Welt mit einer geradezu magischen Begabung für das Stricken ganz spezieller Handschuhe, für Verwandte, Freunde, für den Lebensunterhalt.

Elīna Apsīte, die  einen großen Teil ihrer Jugend bei Jette verbrachte und heute ihr Erbe verwaltet, sorgt dafür, daß Jette nicht vergessen wird, Elina Apsite hat das Tagebuch Jettes veröffentlicht, plant nun ein Buch mit den Mustern und Geschichten der berühmten Handschuhe und hat die Feiertage zu Ehren Jette Užāne organisiert.

Jette Užāne
Elīna Apsīte

Elīna Apsīte bei der Eröffnungsansprache

Wir konnten wegen des Workshops in Dobele erst am zweiten Tag teilnehmen und haben so den Ausflug zu dem Hof, auf dem Jette lebte, versäumt.
Aber die Ausstellung im Volkshaus von Dzerben (Tautas Nams) mit Jettes Werken und den von ihr inspirierten Strickwerken anderer Strickerinnen konnten wir sehen, an 2 Workshops teilnehmen und einem Sonntagnachmittagskonzert lauschen,

Ein wunderschöner Sommertag in einer wunderschönen Umgebung mit einem interessanten Thema!

Und zu meiner Freude traf ich auch noch Freundinnen von mehreren Strickwochen und Veranstaltungen: Maija Biekerniece, Baiba Pilane, Viola Rusele...
EIne Gemeinschaft lebensfroher und aktiver Frauen!

Jette Užānes Ausstellung

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Fast alle der hier präsentierten Bilder zeigen Jette und ihre Strickarbeiten, nur die letzten drei Bilder zeigen Bilder, díe von verschiedenen Strickerinnen gearbeitet wurden. Davon kann ich hier nur eine kleine Auswahl zeigen, wer die "Strickwut" der Lettinnen kennt, weiß was ich meine ...

Immer wieder bezaubern die verschiedenen Muster, seien es Tiermotive (Katzen, Hunde, Pferde), Blumen oder auch die Serie mit "ihrem" Fenster im Wechsel der Jahreszeiten, Die Portraithandschuhe, z.B, der Mann mit Bart und Brille - das muss einem erstmal einfallen!

Workshops und Vergnügen

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In dieser schönen Umgebung fand die Veranstaltung statt. Auf der Eingangsempore des alten schönen Gutshauses spielten Musiker auf, das gelbe Zelt schützte vor möglichen Regenschauern und auf der Wiese luden Stühle und Bänke zum Verweilen ein.er wunderschöne Park, so harmonisch mit seinen Wassergräben, ist schon alleine einen Besuch wert!

 

Unter dem gelben Schirmdach saßen wir in der Runde, schwatzten, strickten oder bewunderten die herumgereichten Werke.
Dabei kam das Gespräch auch auf lettische gestrickte Kniestrümpfe und über die Art der Alsunga-Strickerinnen, die Waden-Abnahmen nicht immer mustergerecht zu gestalten, wurde dann auch mit viel Sachverstand gescherzt.
Kniestrumpf nach Art von Alsunga
Kniestrumpf nach Art von Alsunga
Und weil etlche Kniestrümpfe "vor Ort waren" bekamen wir dann auch noch eine kleine sehr spezielle Modenschau zu bestaunen!
Unter dem gelben Zeltdach, das wirklich alles gelb erscheinen ließ, ging es recht lebhaft zu. Solche Treffs mit Austausch, Freude und Begeisterung wünsche ich mir auch für zuhause, das kann doch  nicht nur eine lettische oder estnische Spezialität sein?

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Einige Informationen

Jette Užāne

Nach der zweitägigen Rundreise ging es am Freitag gleich weiter. In Dobele, in der Region Zemgale (Semgallen), war ein zweitägiger Workshop zum Thema "Ethnographische Strümpfe der Region Zemgale und moderne Socken" angekündigt und wir waren dazu eingeladen. Für diesen Workshop hatte ich mich ja auch richtig ins Zeug gelegt und nach einer Abbildung in einem lettischen  Trachtenbúch ein Paar schwarze Socken gestrickt.

Wir waren davon ausgegangen, dass das Thema "Ethnographische Socken" am ersten Tag und der zweite Schwerpunkt, zeitgenössische Strümpfe, am zweiten Tag des Workshops stattfinden würde. Aber bereits nach der Mittagspause wurden neue und bizarre Konstruktionsmöglichkeiten vorgestellt.
Aber der Reihe nach,,,

 

ein wunderschöner Strumpf aus Dobele

Nach der Vorstellungsrunde (ich schätze, wir waren 20 Teilnehmerinnen), zeigte die Kursleiterin einige Prachtexemplare und benannte deren Eigenheiten, und stellte uns dann eine Aufgabe, die wir bewältigen sollten.

Die bekanntesten Muster aus Zemgallen  sind die Rosetten auf schwarzem Grund, daneben gibt es wiederum auf schwarzem Grund leuchtend bunte Blüten oder Sterne, in Inlay-Technik gearbeitet.

Das Bild links zeigt ein Exemplar, das ich auf jeden Fall einmal stricken möchte, leuchtende Musterstreifen auf einem neutralen Grund, ich werde das sicherlich vom Foto "nachstricken" können. Darauf freue ich mich schon.

Zu unserer Überraschung erhielten wir eine Mappe mit Anleitungen (Fotos und Charts) für acht Strumpfpaare, Anleitungen, die ich noch nicht in anderen Strickbüchern gefunden habe, die bisher noch nicht veröffentlicht waren.

Der schöne bunte Socken auf dem Bild rechts zeigt  dreifarbige Blüten, die von einfarbigen Sternen rechts und links eingerahmt werden.
Ud unsere Aufgabe bestand darin, drei solche verschiedenfarbige Sterne in der Runde zu stricken.

Da wird nicht wie beim mehrfarbigen Stricken, das ich ja schon beherrsche, ein kontrastfarbiger Faden in der Runde mitgeführt, nein, je nach Notwendigkeit wird pro Musterfarbe ein eigenes kleines Knäuelchen verstrickt.

Inlay_Technik

Schon bei drei jeweils einfarbigen Sternchen kam ich mit den drei Knäuelchen in den Tütel, ich kann mir (noch nicht) vorstellen, so ein richtig buntes Musterbild fehlerfrei zu stricken!

Aber eines habe ich gelernt und mir gemerkt: der einzuwebende, vor die Maschen zu legende Faden, muss immer unter dem Strickfaden geführt werden, sonst liegen die Fäden schief vor der Grundfarbe und das sieht gar nicht gut aus. Drei Sternchen strickte ich, das erste war schief und krumm, das zweite schon etwas besser und das dritte war dann ganz ordentlich...

gewebt

In den anderen Räumen des Zentrums wurden die verschiedensten Arbeiten der Gruppe präsentiert, und in einem separaten Raum waren dann die Prachtexemplare auf einer interessanten Holzkonstruktion drapiert.

Das "Dobele-Muster", die Rosetten auf dunklem Grund, war gleich mehrfach präsent, in verschiedenen Farben, mit verschieden Lösungen für den Fuss, so zum Beispiel einmal mit Rosetten auf dem Oberfuss und zweifarbig geripptem Unterfuss.

Dieses Muster wird aber nicht nur gestrickt, es wird auch gewebt, wie ein schöner dunkler Rock mit violetter Kontrastfarbe zeigt.

Ich legte meine mitgebrachten Strickstücke auch aus und wurde nicht ausgebuht...

Nach der Mittagspause wurde das Thema gewechselt und es ging dann um neuartige Sockenkonstruktionen. So lautete eine Aufgabe, von der Ferse aus loszustricken, für ein anderes Modell (mit "langen Nadeln" in 42 Reihen zu arbeiten) bekam ich die Anleitung geschenkt, die werde ich mal studieren.. aus reiner Neugierde!

Marktplatz in Dobele

Wir haben uns dann verabschiedet und noch einen kleinen Rundgang durch den Ort unternommen, Auf dem großen Marktplatz beeindruckte uns der wirklich sehr spezielle Brunnen.

Ich bin gespannt, welche der Strümpfe ich wohl im kommenden Herbst / Winter stricken werde... Anregungen haben wir genug bekommen!

Nachstehend nun noch eine Galerie der schönsten oder beeindruckendsten Exemplare!

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Und hier noch einige zeitgemäße Modelle!

Endlich wieder reisen - nach zwei Jahren daheim... ich war sehr gespannt und voller Erwartungen, als Claudia und ich am 27.7. in den Flieger nach Riga stiegen.
Und wie das in Lettland immer so ist, die Erwartungen werden immer noch um ein Vielfaches übertroffen!
Natürlich hatte ich Pläne. Ich wollte die Strick-Freundinnen wieder treffen, SENA KLETS besuchen, und die Wollfabrik in Pace bei Dundaga besichtigen oder endlich nach Alsunga fahren können, und was wurde daraus? Aus der Frage nach Möglichkeiten, geäußert mit einem UND, machten die Freunde ein UND und so begann nach dem ersten Tag im verregneten Riga ein wunderbare 2tägige Reise durch Kurzeme / Kurland,
Empty shops in rainy Riga
Ein erster Rundgang durch Rigas Altstadt am Dienstag zeigte, wie sehr die Wirtschaft von der Krise getroffen wurde, Viele der Geschäfte für Touristen in Rigas Alstadt sind geschlossen, die Geschäftsräume stehen zum Verkauf, sind leergeräumt, warten auf neue Mieter.
Der Pfannkuchen-Laden "Willems" hat dichtgemacht, XXL Pelmeni ebenfalls, und `Cafés ohne großen Bordstein vor der Tür sind ebenfalls geschlossen, denn Innengastronomie ist nur für Geimpfte oder Genesene erlaubt.
Regenschauer und geschloossene Geschäfte, das stimmt traurig
Zu unserem Glück aber besserte sich das Wetter und wir starteten am Mittwoch bei bestem Sonnenschein. Nach Alsunga und Dundaga, zusammen mit Maruta Grasmane und Ansis Grasmanis. Ein dichtes Programm hatten die Freunde für uns zusammengestellt und der erste Stopp wurde in dem wunderschönen Park des nicht so alten Schlosses Jaunmoku eingelegt. Ein wunderhübscher Park mit vielen liebevollen Details, Freiluft-Schach und Krocket, einem gedeckten Teetisch unter einer großen Linde, durftende Blumenbeete und eine von dem DIchter Imants Ziedonis gepflanzte Freiheitseiche...
Rosen imPark von Jaunmoku
Bei der Fahrt über Land geht mir in Lettland das Herz auf. Die sanften weiten Felder Kurlands, dunkle Wälder, abgeerntete Felder und Wiesen, viele viele Störche,,,
Sommer in Kurzeme
Und dann Alsunga, die Stadt der katholischen und farbenfrohen  Suiti  - endlich konnte ich diese Stadt besuchen! Ich habe schon Suiti-Strümpfe gestrickt, vieles in Filmen und auf Bildern gesehen, aber nun endlich war ich wirklich hier.
Nach einem Essen im  Spelmannskrog besichtigten wir den Ort, erwiesen der großen Brosche der Suiti unsere Referenz und besuchten zuerst die Werkstatt der Weberin Maretta. Das war ein Glückstreffer!
Sie webt wunderbare Stoffe, für die Röcke, die großen Woll-Umhänge, und sie hat einen ganzen Kofferstapel voller wundebarer Dinge: Bänder, Gürtel, Handschuhe, Mauci..
Die Brosche von Alsunga

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Ich konnte nicht widerstehen und leistete mir zwei Paar wunderhübsche Mauci, Pulswärmer, in den Farben der Suiiti, und später erst erfuhr ich, daß sie von Dace Nastevica, der Autorin des lettischen Buches über die Pulswärmer, gestrickt waren. Das macht sie noch wertvoller!

In der Burg von Alsunga

Tja, und dann ging es im Schloss von Alsunga weiter, wir hatten erfahren, daß es eine Vorstellung für eine Reisegruppe geben werde, der wir uns dann auch erfolgreich anschlossen. Zwei Frauen und zwei Männer in den schönen Trachten, sie sangen, spielten auf dem Dudelsack, gaben Scherzlieder zum Besten und eine der Damen tanzte dann mit Ansis eine Runde. Er meisterte diese Herausforderung mit Bravour!

Alles das werde ich  noch genauer beschreiben, dieser Beitrag kann nur einen kleinen Überblick geben,

Tagesziel war dann die Burg von Dundaga, einst Sitz der baltischen Adelsfamilie von der Osten-Sacken; heute sind in ihren Mauern die Ortsverwaltung, die Tourismus-Information, das Museum, Festräume und eine Herberge untergebracht. Und so kam es, daß Maruta und Ansis sich  das "Baron-Zimmer" teilten, während Claudia und ich uns im Apartment der Grünen Jungfrau (mit ihr nahm es ein schlimmes Ende!) gruselten.

Ein wunderbarer Morgen erwartete uns, herrlich frische Luft und der Blick in einen Park auf einen Teich, auf Blumenbeete und Spazierwege, Sonnenschein und Morgenfreude!
Nun waren wir auf die Wollfabrik "Paces Vilnafabrika", 5km von Dundaga entfernt, gespannt. Dort wird ja eine fabelhafte Wolle hergestellt, von der viele schwärmen, die ich aber noch nie in großer Vielfalt kennengelernt habe,

Ich wusste, daß die Wolle auf uralten Maschinen produziert wird, sie wird gewaschen und oft recht locker gesponnen und geradezu ein Markenzeichen sind die vielen Garne mit unendlich vielen Farbverläufen, die die lettischen Strickerinnen so lieben. Ich hatte mir fest vorgenommen, standhaft zu bleiben und nicht zuviel Garn zu kaufen und so kamen auch gerade mal 1200g auf die Waage.

Paces vilnasfabrika und Maruta

Maruta Grasmane vor der Wollfabrik

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Nach dem "Bad in der Wolle" bestaunten wir noch das steinerne Krokodil, ein Denkmal für den berühmtesten Sohn Dundagas, Crocodile Dundee, besichtigten das Museum, suchten eine Heilquelle auf, grüßten auf der Fahrt zurück Richtung Riga 4 Störche auf einem Hausdach, genossen leckeres Brot aus einem alten Suitii-Backofen und legten noch einen Zwischenstopp in Talsi, der Stadt auf den Hügeln, ein. Das dortige "Craft Center" hatte ich schon bei meiner ersten lettischen Strickreise besucht, es ist immer schön wiederzukommen,
Ja, und dann endete der Ausflug bei Kaffee und Kuchen in Marutas Haus am Meer, noch eine kurze Schnupperfahrt durch das Seebad Jurmala und wir waren wieder in Riga
Erschöpft von all den vielen Eindrücken, der Größherzigkeit und LIebenswürdigkeit, der Schönheit der Landschaft - und vor allem: dankbar!

PS

Im nächsten Beitrag berichte ich dann von dem Strumpfworkshop in Dobele / Zemgale, und dem Gedenktag für Jette Urzane in Dzerbene / Vidzeme...

Auch wenn die Veranstaltung in Latgale, im östlichen Landesteil von Lettland, den ich noch nicht kenne, abgesagt werden musste, gebe ich meine Reisepläne nicht auf.

Es wird diesmal eine andere Reise als sonst, denn die Freundinnen aus Großbritannien und den USA können nicht in die EU einreisen und auch wenn ich in die Kategorie "3G" falle (genesen oder geimpft oder getestet), so buche ich doch alle Unterkünfte und Transporte mit Storno-Option, in diesen Zeiten ist alles so unsicher. Also werde ich entweder alleine oder in einer Zweiergruppe reisen.

Ende Juli fahre ich mit Claudia aus Berlin für 5 Tage nach Riga und reise dann weiter nach Tartu, ich möchte endlich meinen Termin im Estnischen Nationalmuseum wahrnehmen, Danach treffe ich mich mit Riina und wir verbringen zusammen fast zwei  Wochen auf Saaremaa, Muhu, dann einen Tag in Haapsalu  und zum Schluss noch eine Zeit auf der Insel Vormsi, bevor ich in Tallinn in den Bus zum Flughafen Riga steige und nach Hause fliege.
Ich drücke mir selbst die Daumen! Und freue mich auf die Treffen mit den Freundinnen in Riga, Tartu und überall!