Estnische Pulswärmer von der Insel Ruhnu

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Die Frühjahr - 2019 - Ausgabe des von mir sehr geschätzten Piecework-Magazinn kommt mit einer schönen Überraschung daher: auf dem Titelbild prangt ein Paar Pulswärmer unverkennbar estnischer Prägung, reißerisch angekündigt mit der Schlagzeile Knit Clever Colorwork from Estonia's Ruhnu Island.

Ein ausführlicher Artikel The Exceptional Knitting of Ruhnu || Everyday and Festive Garments und die Anleitung für das Paar Pulswärmer stammen natürlich von? na von wem wohl? Selbstverständlich von Riina Tomberg und Nancy Bush! Sachkundigere Autoren als diese beiden sind schwer zu finden.

 

Ich habe das Glück gehabt, schon mehrfach Seminare / Workshops von Riina Tomberg mitzumachen und habe von ihr die Techniken der estnischen Inseln Saaremaa, Kihnu und Ruhnu nahegebracht bekommen. Und letzen Sommer war ich ganz nahe an der Insel Ruhnu dran.. aber eben nur "ganz nahe"; denn aus unserer Woche auf der Insel wurde nichts, die Fährverbindung war zusammengebrochen.

Das Besondere der Ruhnu-Strickerei? Wenig Farben (naturweiß, dunkelblau, seltener rot), farbige Muster nur in Bündchen und an Halsausschnitten, der Rest ist in naturweiß gehalten, mit vertrackten wunderschönen Strukturmustern: OpenWork, Zöpfe, und vor allem die Travelling Stitches, einzelne Maschen, welche nach links oder rechts mit rechten oder auch linken Maschen gekreuzt werden.

Viele Handschuhe und Pullover sind hauptsächlich in den Museen in Schweden und Finnland erhalten, denn dorthin flohen die "Inselschweden" im 2. Weltkrieg und sie nahmen ihre Stricktraditionen mit. Aber auch in den estnischen Museen finden wir wunderschöne Exemplare.

Nun hatte ich mich im letzten Sommer an die Handschuhe von der Insel Ruhnu gewagt, deren Vorbild im Estnischen Nationamuseum in Tartu liegt (ERM A 509:5278). Anu Pink hat die Anleitung "Old Runö Gloves" erstellt und als PDFzum Download zur Verfügung gestellt.
An dieses Projekt habe ich mich gewagt, zuerst ein wenig die Muster geübt und gleich falsch begonnen, ich habe den weißen und den blauen Faden in der falschen Richtung verkreuzt. Zudem wurde das Strickstück bei einer vorgegebenen Maschenzahl (96M) mit Nadelstärke 1.25 viel zu eng für meine zarten Hände und ich bin zur Nadelstärke 2.0 gewechselt.

Ruhno ferryboat victim mittens habe ich dieses Projekt genannt und bei Ravelry eingestellt. Aber fertiggestellt habe ich diese Handschuhe dann nicht, das war wie  mit dem falschen Fuß aufgestanden...

Estonian National Museum, Collection: kindad, sõrmkindad,
ERM A 509:5278/ab
Eesti Rahva Muuseum, http://www.muis.ee/en_GB/museaalview/504457

Beim CraftCamp dann im Juli 2018 konnte ich einen neuen Ansatz wagen, denn Riina Tomberg gab einen Workshop zu diesem Thema.
Die Vorgabe für das Projekt war schon großzüger: 80 Maschen mit Nadel 1.5 und das Garn war auch ein wenig stärker.
Aber auch dieses Projekt habe ich (bisher) nicht vollendet. Ich habe bei den Travelling Stitches auf dem Handrücken einen Fehler gemacht und erst einige Reihen später bemerkt. Und mit meinen alten Augen kann ich das komplizierte Geflecht nicht so gut sehen, ich habe mir also eine Arbeitslupe besorgt, was auch eine Zeit dauert, und kann mich mit ihr nicht anfreunden. Einfach so aufribbeln möchte ich aber auch nicht...

Da kommt die Anleitung im Piecework-Heft doch gerade recht! Riina Tomberg ist eine sehr gute Lehrerin und kennt ihre Schüler, also hat sie zusammen mit Nancy Bush für das Magazin eine Anleitung mit 61 Maschen und Nadelstärke 2.0 erarbeitet.

Das macht es Anfängern (fortgeschrittenen Anfängern) leichter.. und ich werde erstmal diese Anleitung nacharbeiten, bevor ich mich das andere Projekt wieder aufnehme. Und vielleicht können wir ja dieses Jahr vor oder nach dem CraftCamp ein paar Tage auf Ruhnu verbringen, schön wärs!

Und hier noch einmal die Links:

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Ausklang in Riga

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Am Montag war die Stadt nahezu leer, wer gefeiert hatte ruhte sich aus und ließ die Ereignisse nachklingen.Mein Tagesplan war jedoch gut gefüllt:

Linda Rubena vom Latvian National Centre for Culture hatte ein Frühstück am späten Vormittag angeregt und so kam eine fröhiiche Gruppe zusammen, Solvita, Dace Gaile, Lizzy, Carla und Baiba.

Baiba zeigte ihre neueste Creation: Nicht Stulpen mit Perlenstrickerei, nein, sie hatte die Ärmel eines Kleides so gearbeitet.

Dace, die ich seit der Textilausstellung im Frühjahr in Greifswald gut kenne, hatte auch ihre Strickerei dabei, sie geht nie ohne ihre Perlenstrickerei aus dem Haus und es müssen inzwischen mehrere hundert mauči sein, die sie schon gestrickt hat.

Und Carla (Dutch Knitters) brachte ihr neuestes Buch mit:  Magic Motifs: Knitting with a Secret Message , die lettische Technik, aus Daten Strickmuster zu erschaffen und so beispielsweise ganz persönliche Geburtstagsmuster zu erhalten, hatte sie bei unserem ersten lettischen Strickworkshop in Strazde im Mai 2016 von Baiba kennengelernt. Das Buch umfaßt nun auch Anleitungen zur Integration von Morse-Codes und Braille-Blindenschrift; warum also keine geheimen Nachrichten in unsere Handschuhe und Pullover einbinden?

 

wie immer: ein Klick auf ein Bild öffnet es in einer Galerie-Anzeige

Bei jedem Aufenthalt in Riga sollte man im Zentrum Ritums vorbeigehen, es gibt immer interessante Ausstellungen verschiedener Handarbeitsorganisationen zu sehen und zu bestaunen. So auch dieses Mal: Die Ausstellung 100 cimdi pūriņā anläßlich des lettischen Jubiläums zeigte wunderbare Arbeiten: Handschuhe, Stulpen, Gürtel... eine kleine Galerie folgt.

Ich war besonders angetan von den vielfältigen Arten, ein Bündchen zu gestalten, kleine Meisterwerke!

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Am Abend dann war ich von Maruta und Bruno Grasmane eingeladen zu einem Blues-Konzert, eine lettische Blues-Nacht mit verschiedenen Bands. Die gebotene Qualität steigerte sich von Band zu Band, nach der ersten Pause wurde es besser.  ;=)

Ja, das kann ich von meinem Aufenthalt in Riga berichten, den Dienstag verbrachte ich recht ruhig und am Mittwoch morgen, vor meinem Heimflug, traf ich mich mit Lizzy und Jana (Klintawolle.de) zu einem Kaffeeklatsch und dann war die Zeit auch schon vorbei.

Zuhause fand ich dann einen interessanten und kenntnisreichen Artikel über die Feierlichkeiten und die Traditionen in Lettland:

100 Jahre Lettland - Handschuh-Daumen hoch!

der mit dem Fazit schließt:

So kosmopolitisch, kulturell versiert und traditionsbewusst gelingt es einem auf den ersten Blick eher unauffälligen, doch, wie man sieht, durchaus geschichtsträchtigen, symbolträchtigen und ohnehin sehr nützlichen Bekleidungsstück wie dem Wollhandschuh – quasi als Parallele zum flächen- und zahlenmäßig eher kleinen Mitgliedsstaat Lettland am östlichen Rand Europas – unterhaltsamen Schwung in die reichhaltige Palette der Feierlichkeiten rund um dessen Nationaltag zu bringen.

Dem schließe ich mich aus vollem Herzen an.

Das Jubiläumswochenende in Riga

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Zwei Reisen im November, das ist schon fein... zum Martinsmarkt nach Tallinn und dann nach Riga zum Jubiläum, aber das hätte ich ja auch in einer Reise zusammenfassen können, warum nicht? Warum tue ich mir den Rückflug aus Tallinn, 4 Tage zuhause und dann wieder nach Berlin, dort Übernachtung und am Samstag nach Riga, an?
Es gibt einen Grund: Ich wollte an der Halbtagskonferenz "Trachten – Tradition und/oder Mode"  des Heimatverbands Mecklenburg-Vorpommern teilnehmen, und diese fand am 16.11. statt. Über diese Tagung werde ich in einem separaten Beitrag berichten, es war interessant, anregend, lehrreich für mich.
Die Tage zwischen den Fahrten musste ich dann hauptsächlich am Rechner verbringen, etliche der von mir betreuten Webseiten waren von Hackern verseucht worden und zudem steht ein Umzug der Webpräsenzen auf einen modernen, neuen Server an, da gilt es Einiges zu bedenken, zu sichern und zu regeln. Also deshalb zwei Reisen!

Anderthalb Flugstunden von Berlin sind es und mit Baltic Air reist man auch recht bequem. So kam ich dann am 17.11. recht entspannt in der lettischen Hauptstadt an und machte mich gleich auf einen ersten Rundgang.

Ich schlage mein Quartier fast immer in der Altstadt auf, in VecRiga, in der Nähe meiner üblichen Anlaustellen: Buchläden, Cafés, Sena Klets...

Deshalb nun ein kleiner Stadtrundgangzur Einstimmung.

Das Ende des ersten Weltkrieges hat viele Staaten entstehen lassen, und so feierten im Jahr 2018 Finnland, Estland, Litauen, Polen, Lettland und auch Deutschland ihr Hundertjähriges.

Dieses Jubiläum beginn Deutschland geradezu stillschweigend, denn an dem 9. November 1918  wurde eben nicht nur die erste deutsche Republik ausgerufen, an diesem Tag 1923 scheiterte der Hitler-Ludendorff-Putsch, 1938 gab es die schlimmen, später  Kristallnacht genannte Pogrome gegen Juden, und 1989 fiel die Mauer. Schlimme und gute Ereignisse - das wird nicht so froh und herzlich gefeiert.

In Lettland war das anders: das ganze Land bereitete sich auf das Jubiläum vor, überall gab es Ausstellungen, wurde in den Archiven gestöbert, Trachten wurden geschneidert und jeder Lette sollte seine eigenen Handschuhen tragen. "Lernt von Euren Meistern", "Jedem Letten seine Tracht" und "Cimdota Latvia" - um nur einige der vielen Aktionen zu nennen. Die Webseite lv100.lv zeigt die unglaubliche Vielfalt der Jubiläumsaktionen.

In allen Geschäften, an allen Ladenkassen lagen kleine Ansteck-Fähnchen aus, Schokoloade in den Nationalfarben, sogar Kuchen in den Nationalfarben und mit einer Marzipanfahne... nichts was es nicht gab.  Sogar Tiefkühlkost warb mit der Nationalfahne.
Überall war geflaggt und fröhliche Menschen bevölkerten die Innenstadt. Freude war überall zu spüren.

Da es im November schon sehr früh dunkel wird, erstrahlte die Stadt zudem illuminiert vom Lichterfest "Staro Riga".

Ich freue mich immer wieder Vija Staskunas an dem Mäuerchen vor der Figur der Bremer Stadtmusikanten zu treffen. 

Von ihr habe ich schon einige Anregungen bekommen, seien es kleine Armbänder mit Bernstein oder hübsch bestickte Stulpen...

3 Tage in der Woche steht sie hier und verkauft Handarbeiten; Handarbeiten die sich doch sehr von den üblichen Souvenirs unterscheiden. Sie bessert durch den Verkauf ihre Rente und auch die manch anderer alten Damen auf, die von der kargen Pension nicht leben können.

Sonntag dann der große Tag: Versammlungen am Freiheitsdenkmal, Chöre, Umzüge, feierliche Reden - es war kein Durchkommen zum Platz und ich wollte dieses Fest den Letten überlassen.

In der Alstadt soviele Flaneure wie sonst im Sommer, aber diesmal keine Touristen, sondern Letten in Feiertagslaune. Ich ließ mich treiben und freute mich. Und ich gönnte mir eine Schokoladenpause im Riga Black Balsams Café. 

Und wie auf dem Bild zu sehen ist, trug auch ich wunderschöne lettische Handschuhe bei mir - ein Paar aus Rucava, das ich letztes Jahr ergattert habe.

Ich bahnte mir meinen Weg zu SENA KLETS zwischen vielen Menschen hindurch und musste auch des öfteren anhalten, denn viele militärische Formationen marschierten durch die engen Gassen, skandierten laut und sangen, nur übertönt vom Lärm mehrerer Kampfhubschrauber und eines Jagdbombers, die zu Ehren der Republik über die Stadt donnerten.

Ich freue mich lieber unmilitärisch.

Mit einbrechender Dunkelheit strömten immer mehr Menschen an das Ufer der Daugava, um zu singen und das für den Abend angekündigte Großfeuerwerk zu genießen. Und immer mehr trugen Fackeln, ein großer freudiger Fackelzug zog durch die Stadt.
Ich war eingeladen zu einer Feier in SENA KLETS, die Räume waren festlich erleuchtet und ein Tisch mit vielen Leckereien wartete auf uns. Die Familie Grasmane war versammelt, Ziedite hatte eine Handschuhtorte gebacken und wir stießen an mit Glühwein und heißem Johannisbeer-Balsam-Punsch.

Um 18:18 stießen wir an, nachdem der Präsident Lettlands seine Rede gehalten hatte und die Nationalhymne gesungen war.

Zum Abschluß der Aktion "Cimdota Latvia" (Lettland in Handschuhen) wurde dann noch ein Gruppenfoto gemacht, auf dem soviele Handschuhe wie möglich zu sehen sein sollten. Und dieses Foto hat es dann auch in etliche soziale Netzwerke und in die Fotogalerie auf der großen lettischen Webseite delfi.lv geschafft.

Mit diesen Handschuhfotos schließe ich ersteinmal meinen Bericht von der großen Feier in Riga Ich fühle mich zwischen so vielen Menschen nicht wohl und trat den Rückzug ins Hotel an und fand dann auch noch irgendwie meinen Weg durch die Menge der Feiernden, die alle zum Ufer wollten. Eine grosse fröhliche, ruhige Menschenmenge in Feierlaune, so geht es wenn die lettischen Introverts (wie sie sich selbst kokett bezeichnen) froh sind!

Im nächsten Beitrag geht es dann um den Besuch im Kunsthandwerkszentrum Ritums, das Latvian-Blues-Festival und ein Treffen mit unseren Strickfreundinnen!

Freunde aus Lettland, den Niederlanden, Japan und und Deutschland sieht man auf dem Bild, Lizzy aus Frankreich hat sich wieder versteckt ;=)

Zurück aus Riga!

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Ich brauche immer einige Tage um mich nach einer intensiven, erlebnisreichen Reise wieder zuhause einzufinden.
Jetzt bin ich ja schon 2 Tage wieder zuhause, aber in Gedanken noch beim großen Fest in Riga, dem 100jährigen Jubiläum Lettlands.

Und während ich einen ersten kurzen Bericht auf Ravelry schrieb, stürzte dort der Server ab. Auf der Wockensolle möchte ich noch ausführlich berichten, aber schon mal vorab, als Lebenszeichen, ein Foto von der Party bei Sena Klets, das es bis auf die Webseite Delfi.lv geschafft hat:

Cimdota Latvia! Tragen wir unsere Handschuhe zu Ehren Lettlands!

Wer ist hier alles zu sehen?

Maruta Grasmane, Bruno Grasmanis, Ansis Grasmanis und Monta Grasmane, Linda  und Elza Rubena, Nora Grasmane, ZIedite Muse, Carla und ihre Freundinnen Tia und Anneke aus den Niederlanden, der Fotograf,  Arta Ozola-Jaunarāja,Laila Udre und Akiko Mizoguchi! Lizzy war auch dabei aber nicht im Bild.

Niemals hätte ich gedacht, als ich im August 2014 bei SENA KLETS hereinstolperte, daß ich eines Tages an einem solch denkwürdigen Tag dabei sein könnte!

Fotos: F64/Kultūras ministrijas Latvijas simtgades birojs

Auf die nächsten 100 Jahre!

Tallinn im November: Mardilaat

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In jedem November, immer vor dem St. Martinstag, veranstaltet die estnische Handarbeitsvereinigung "Estonian Folk Art and Craft Union" den St. Martinsmarkt - eben den Mardilaat. Dieses Ereignis in der großen Eissporthalle ist aber nicht nur eine Verkaufsschau, es ist auch ein Forum für Künstler, Gruppen und Organisationen, Vielfältiges wird geboten.

Und ich bin dieses Jahr wieder hingefahren. Nicht nur aus Neugierde, ich hatte auch etwas abzuholen: Riina Tomberg's Atelier hat ein Kleid für mich geschneidert. Aber der Reihe nach.

Am Donnerstag war Eröffnung und zur Eröffnung werden immer von den Organisatorinnen Grußworte ausgesprochen,  Urkunden verteilt und besonders verdiente Mitglieder dieses estnischen Mikrokosmos geehrt. Eröffnet wurde die Veranstaltung auch mit einem Grußwort von Anu Raud, der großen alten Dame des estnischen Designs.

Alles Geschehen auf der Bühne wurde auf eine riesige Leinwand projiziert, was manchmal sehr bizzar wirkte.

Nach der Eröffnung und einem ersten Rundgang durch die noch nicht so sehr gefüllte Halle ging es dann zum nächsten Höhepunkt: der Präsentation neuer Handarbeitsbücher.

Und natürlich wurde die estnische Ausgabe des Buches "Handschuhe aus Lettland" angekündigt, Monta Grasmane, Ziediete, Santa und Linda Rubena vom Institut für Immaterielles Kulturerbe waren aus Riga angereist.

Anu Pink vom Verlag Saara Kirjastus präsentierte ein lang erwartetes Werk: die englische Ausgabe des 2. Bandes der Reihe "Eesti Silmuskudumine - Estonian Knitting": Socks and Stockings. Ich hatte mir gleich beim Erscheinen der estnischen Ausgabe dieses großartige Buch gekauft und auch schon etwas daraus gestrickt. Selbstverständlich trug ich die estnischen Wadenwärmer zu diesem Anlaß!

6 Exemplare der englischsprachigen Ausgabe habe ich besorgt, das waren 6 x 2.5kg zu tragen. Es lohnt sich!Anu Pink leitet den Verlag, unterrichtet und verkauft auch Wolle. Das "HEA" steht für Wolle, die für das traditionelle estnische, generell baltische Stricken gebraucht wird. Und alle Wolle wurde von den Buchautoren des Verlags ausgewählt. Beim Craft Camp der Estnischen Kulturakademie und auch beim Nordic Knitting Symposium  in diesem Sommer war Anu dabei. Ich kann ihr (und ihrer Wolle) nicht widerstehen.
Anu stellte auch noch den Lace-Calendar für das kommende Jahr vor und ein neues Büchlein, das es bisher nur auf estnisch gibt: Kome pitsilise kleidi - wie strickt man Spitzenkleider.

Schon am ersten Tag traf ich viele Freunde und Bekannte. Wo ich mich umschaute, vertraute Gesichter. Ich empfinde das als große Freude. Engagierte Menschen und wunderbare Produkte und Techniken!

Jeder Mardilaat hat einen thematischen Schwerpunkt, dieses Mal war es die Region Setomaa im Südosten Estlands; dort und im russischen Südwesten lebt das Volk der Setokesen, ein Volk mit eigener Sprache und eigenen Traditionen. Külli Jacobson ist eine rührige Vertreterin der Seto, sie ist Mathematiklehrerin und betreibt gleichzeitig das Unternehmen "Nordic Knitters"; über das sie Handschuhe aus ihrer Region vertreibt. Auf der Wockensolle hier ist sie keine Unbekannte, wir kennen uns von Workshops und Märkten und haben immer viel Freude miteinander. Ihre Fröhlichkeit ist immer ansteckend.

 

Alle Tage gab es immer wieder Vorführungen der Seto, Tänze, Chorauftritte. Und wenn getanzt wurde war jeder eingeladen.

Sogar eine PunkBand war angereist, aber die habe ich nicht mitbekommen.

Immer wieder beeindruckend ist das Angebot auf diesem Markt. Keramik, Glas, Lederarbeiten, Kleidung, Wolle, Holzarbeiten, Lebensmittel - alle Sinne werden bedient.

Ein überbordendes Angebot an Kleidern, von tradionellen Modellen über klassisch-modernes Design bis zu verrüschten Exemplaren... jeder findet das Passende und ich liebe die wunderschönen Kreationen von Riina Tomberg und Etnowerk!

Riina's Kreationen bestechen durch eine ausgewogene Mischung aus Farben und Details, seien es die schönen Stickereien oder die Kombination verschiedener Muster bei den Saumblenden, und immer ist das Grundmaterial ein feiner Wollfilz. Das rote Kleid tanzt da etwas aus der Reihe: eine Anfertigung für mich, anprobiert in der Proovi Kabin ...

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Etnowerk is an Estonian brand of handcrafted cardigans full of emotion, bold beauty and ethnographic motifs. Two vivid designers, Liina and Annika, bring warmth to their clients' hearts and enlighten their days.

So steht es auf der Webseite von Annika und Liina und es stimmt.

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Immer mehr estnische Wolle wird angeboten, so von Kihnu-Schafen oder anderen "rare breed"-Arten. Die Wolle kommt aus der Wollmühle der Kulturuniversität Viljandi oder von HiuVill auf der Insel Hiumaa, und manchmal kann man die Wolle sogar dem Schaf, von der sie stammt, zuordnen - für mich ein Zeichen von großem Züchterstolz.

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Aber nicht nur die Aussteller und die Ensembles auf der Bühne tragen extravagante Kreationen, auch die Messebesucherinnen zeigen interessante Kleidung.

Mardilaat ist aber nicht nur Markt und Bühne, es gibt auch Workshop-Angebote und Präsentationen der verschiedenen Bildungsinstitute und Gilden  Estlands. Berufsschulen, Kulturakademie, Gilden aus verschiedenen Regionen stellten sich vor. Mir hat imponiert wie die Kinder bereits an Handarbeit herangeführt werden, Jungen und Mädchen an kleinen Webstühlen oder auch an Klöppelkissen oder Schnitzbänken.

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Zum Schluß noch ein Rundgang über den Markt mit den vielfältigen Angeboten, ich kann gar nicht alles zeigen was ich gesehen und bewundert habe.

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So, das war es erstmal. Ich habe viel gesehen, viele Freunde getroffen, und vom Besuch im Museum der Küstenbewohner in Vimssi berichte ich später, aber erst fahre ich morgen zu einer Tagung und dann nach RIga!

Mardilaat in Tallin und Cimdota Latvia in Riga

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Nächste Woche fahre ich zum dritten Mal zum großen Martinsmarkt in Tallinn. Immer Anfang November organisiert die Estonian Folk Art and Craft Union dieses große Treffen. In der Eissporthalle stellen die Kunsthandwerker des Landes aus, es gibt Workshops, Veranstaltungen, Konzerte, und Aficionados aus aller Welt tummeln sich.

Ich werde wieder viele Freunde und Bekannte treffen, da bin ich mir sicher. Ich habe mir ein Kleid von Riina Tombergs Atelier schneidern lassen und soll dann auch selbstverständlich den Kihnu-Pullover zeigen, den ich fertiggestellt habe(n werde) ...

Ich freue mich!

Und am 17. November fliege ich wieder nach Riga, denn am 18. wird der 100. Jahrestag der Republikgründung Lettlands gefeiert und alle Letten und Freunde sind aufgefordert an diesem 18. November die "ältesten Visitenkarten der Welt", lettische Handschuhe zu tragen!

Auf der Seite der Aktion Latvia 100 gibt es ein paar schöne Photos zu sehen und das Bild links ziert seit einiger Zeit schon die Wand im Rigaer Flughafen, sodaß sich alle Ankömmlinge gleich einstimmen können.

Ich habe  Einiges vor, ich werde mich mit Freundinnen treffen, SENA KLETS besuchen, mit Maruta Grasmane ins Konzert gehen, mit Jana von Klintawolle Kaffee trinken, mit Dace Gaile die Ausstellung für nächstes Jahr planen, an einem Strick- und Klön-Abend teilnehmen und und und... 

und bis dahin werde ich sicherlich noch den zweiten Daumen meiner 100-Jahre-Handschuhe fertigstricken können.

Das Handschuhbuch erscheint gerade in zwei weiteren Sprachen: auf französisch und estnisch, ist das nicht phantastisch?

Heute wird im Institut Français in Riga die französische Ausgabe gefeiert und bei der Präsentation der estnischen Ausgabe in Tallin beim Mardilaat bin ich selbstverständlich dabei!

Jetzt sind es schon 7 Sprachen: lettisch, englisch, norwegisch, japanisch, deutsch, estnisch und französisch!

Läti Kindad: ISBN: 9789934855542, bei amazon schon zu haben

Les Moufles de la Lettonie: ISBN: 978-9934855559, und auch schon bei amazon bestellbar!