Das UNESCO-Übereinkommen zur Erhaltung des Immateriellen Kulturerbes, welches 2006 in Kraft trat, nennt 4 Ziele:

  1. Erhaltung des Immateriellen Kulturerbes auf nationaler Ebene durch Erstellung von regionalen und/oder nationalen Verzeichnissen
  2. Erhaltung des Immateriellen Kulturerbes auf internationaler Ebene
  3. Förderung des Bewusstseins für die Bedeutung des Immateriellen Kulturerbes und seiner Wertschätzung auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene
  4. Förderung der internationalen Zusammenarbeit und Unterstützung

Die Republik Lettland, die im Jahr 2005 als achter Staat dieses Abkommen ratifizierte, erließ im Jahr 2016 das "Immatierielle Kultur-Erbe-Gesetz" und so kamen in den letzten Jahren schon 24 Einträge auf die Liste des "Lettischen Immateriellen Kulturerbes", wie man auf dieser Webseite nachlesen kann. Darunter befinden sich auch die doppelt-gestrickten Handschuhe, die ich hier auf der Webseite ja schon vorgestellt habe (das Büchlein dazu kann man jederzeit hier herunterladen).

Anfang Oktober wurden nun die diesjährigen Aufnahmen in die Liste des lettischen Kulturerbes benannt und zur großen Freude gehören neben dem Weben von gemustertem  Schürzenstoff auf einem besonderen Webstuhl in der Region Zemgale  jetzt auch die Traditionen und Techniken  der lettischen ethnografischen Handschuhe dazu!

Die Seite "Immaterielles Kulturelles Erbe" würdigt dieHandschuhe und enthält viele Informationen zur Bedeutung, Geschichte und zu Kunsthandwerkstudios und Meisterstrickerinnen. Und auf der dort aufgeführten Liste der Strickerinnen finde ich viele Freundinnen und Bekannte (Dace Gaile, Ina Valtere, Maija Biķerniece, Baiba Pilane und und und...) und dann gibt es noch eine kleine Liste der "Menschen anderer Nationalitäten, die sich durch die Tradition des Handschuhstrickens mit Lettland verbunden fühlen" und da stehen doch tatsächlich Cornelie Müller-Gödecke, Vācija, und Elisabeth Kopff, Francija! Wir beide haben ja zusammen die Übertragung des Handschuhbuches ins Deutsche bearbeitet.

Und die unermüdliche Maruta Grasmane wird so vorgestellt:

The glove enthusiastic, pedagogical and researcher Maruta Grasmane shared the knowledge of his practitioner for many years, working in close collaboration with the admitters who wanted to knitting the written gloves, but did not always know how to do it better. Many of his pupils and admitters, MR Grasmane, have trained ethnographic gloves in fineness, focusing on the diversity of gloves, the complexity of techniques and the amazing colours of color.
MS Grasmanes's students: Ingona Oyere, Linda Rubena, Anda Mazosis, Zieditte Museum, Baiba Vaivare and others, continue the promotion of gloves, creating a variety of events and events that attract new glove adors, expanding the arc of the ethnographic gloves.

Ja, diese Seite, das Porträt der Lettischen Ethnographischen Handschuhe, bietet viel Informationen und die (maschinenübersetzte) englische Version hilft uns beim Lesen.

In der Bildergalerie auf dieser Seite entdeckte ich u.a. ein Bild von der ersten Reise nach Kurzeme "Let's Knit in Kurzeme' 2017 und vom Treffen bei SENA KLETS zur 100-Jahre-Feier der Republik Lettland 2018. Wer genau hinschaut kann mich dabei auch entdecken..

Ergänzt werden die Informationen noch durch zwei Videos.

Das erste,Ethnographic glove knitting traditions and skills. The value of the gloves, zeigt viele Menschen mit ihren Handschuhen, und ganz am Ende, bei Minute 4:09, tauche sogar ich mit Heinz und Frederic bei unserem ersten Winter-Besuch in Riga auf, wir zeigen meine ersten, noch wirklich sehr schlecht gestrickten, lettischen Handschuhe...

Das zweite Video zeigt eine Sitzung des Projektes "Treffe deine Meister 2021", wie Handschuhe untersucht, studiert und begutachtet werden. Es ist eine wunderbare Erfahrung, solche Meisterwerke in den Händen halten und untersuchen zu dürfen!

Im OpenAIrMuseum in Riga mit Heinz, Frederic und Aldewin

Ich freue mich für das Zentrum SENA KLETS, die sich für die Aufnahme der Handschuhe in die Liste und für die Bewahrung der Muster und Techniken so sehr einsetzen, für Maruta Grasmane, durch deren wegweisenden Buch diese Techniken auch außerhalb Lettlands bekannt und geliebt werden, für die vielen Enthusiasten und Meisterinnen, von denen ich so viel gelernt habe und die ich so sehr bewundere!

Maruta Grasmane: Handschuhe aus Lettland

Ich habe eine gute Meldung bekommen: Die deutsche Ausgabe des Buches  "Handschuhe aus Lettland", welches mir bekanntermaßen ja sehr am Herzen liegt, wird gerade nachgedruckt und ist bald wieder erhältlich.

Mit Amazon.de hatte es eine Menge Schwierigkeiten gegeben, die Firma forderte von SENA KLETS eine deutsche Steuernummer und forderte und forderte...,  um das Buch in das Sortiment aufzunehmen.
Ein EU-Blödsinn, denn der Handel zwischen den EU-Mitgliedstaaten ist ja bekanntlich "schrankenlos" und demzufolge weigerten sich auch deutsche Finanzämter, eine Steuernummer zu vergeben und die Erklärung, daß das nicht nötig sei, wurde von Amazon einfach ignoriert. Der Link bei amazon.de

Jetzt aber soll es wieder werden. Wie auch immer. Das ist mir ein Rätsel genau wie ich mir nach diesen Erfahrungen nicht vorstellen kann, wie es asiatische Händler auf die Amazon-Plattform schaffen....

Und dann noch diese erfreuliche Meldung: Das Buch ist nun auch in das Sortiment von "lehmann media" , der Fachbuchhandlung für Medizin, Psychologie, Informatik und Mathematik aufgenommen worden!
Wir haben es dort ins Sortiment geschafft! Hier der Link

Also: ich werde die Augen offenhalten und auch hier vermelden, wenn es wieder lieferbar ist!.

Buch Icon

Nun ist auch der dritte Band aus der Reihe "Knit like a Latvian", von Ieva Ozolina, Hobbywool, aus Riga, erschienen. Ersteinmal die englischsprachige Ausgabe:

Knit Like a Latvian: Accessories - 40 Knitting Patterns for Gloves, Hats, Scarves and Shawls

Ich habe mir das Buch, wie die beiden Vorgänger (Handschuhe + Stulpen, Kniestrümpfe + Socken + Stulpen) auch, angeschaut. Und meine Meinung hat sich nicht geändert.
Es gibt zwar wieder eine Doppelseite mit ein paar Informationen zu den lettischen Symbolen (Mara, Salktis etc.), es gibt Basisanleitungen und dann bei den Modellen keinerlei Informationen zur Herkunft der Muster, für mich wirkt es lieblos, oberflächlich.
Und ein Modell nach einer lettischen Gottheit zu benennen, weil man das uralte Symbol dieser Gottheit für irgendwas nutzt, das gefällt mir auch nicht.

Da heißt dann ein Set aus Muster und Schal "Bright Patterns", also "helle Muster", aber es ist das Muster der wunderschönen Strümpfe aus dem Bezirk Vecpiebalga in der lettischen Provinz Vidzeme! Ich hatte sie im letzten Jahr gestrickt, nachdem ich mehrere Jahre um sie in Gedanken "herumgeschlichen" bin, sie lockten mich gar zu sehr. Aber als Mütze oder Schal?

Knit like a Latvian - Ozolina

Ieva Ozolina: Knit like a Latvian - Acessoires
ISBN-10 1-4463-0868-5 / 1446308685 / ISBN-13 978-1-4463-0868-4 / 9781446308684
Herausgeber: David & Charles (12. Oktober 2021)
Sprache: Englisch, Taschenbuch: 128 Seiten

wie immer: für eine größere Darstellung auf ein Bild klicken!

 

Das erste Bild in der kleinen Galerie zeigt das Set aus Mütze und Schal aus dem Buch "Knit like a Latvian - Accessories" nach dem alten bunten Muster, die restlichen 3 Bilder zeigen den "echten"  Strumpf und einen Ausschnitt aus dem großen Trachtenbuch über Vidzeme...

Aber ob Letten wirklich so stricken?


Ich liebe es, wenn beim Stricken immer auch ein wenig Kultur vermittelt wird, Hintergrundwissen, Geschichte - Wissen tut ja nicht weh... aber mit diesen Büchern erhält man eigentlich nur "nice, toll, bunt" - das wärs dann auch.

Der zweitägige Workshop mit Riina Tomberg in Greifswald ist schon wieder vorbei, und ich fühle mich sooooo zufrieden und beglückt.
Ich habe die Tage organisiert, Riina in Berlin am Flughafen abgeholt und gestern auch wieder zum Flughafen gebracht. Sie ist gut in Tallinn angekommen und jetzt ruhe ich mich aus. Voller Freude.

Ich freue mich

  • daß die Veranstaltung möglich war, mit allen Pandemie-Vorsichtigkeiten
  • daß Riina Tomberg aus Tallinn kommen konnte
  • daß das Thema "Estnische Stricktechniken - mit Fokus auf die Muster der Insel Kihnu" soviel Interesse weckte
  • daß so tolle Teilnehmerinnen zusammen kamen, und nicht nur aus MV, sondern auch aus den Niederlanden und Bayern
  • daß sich wieder einmal gezeigt hat, wie schön und wohltuend es ist, wenn Frauen gemeinsam lernen, sich austauschen und fröhlich sind!
  • daß der Heimatverband Mecklenburg-Vorpommern diese Veranstaltung ermöglicht und unterstützt hat
  • daß unser erster Workshop im Initiativenhaus STRAZE in Greifswald so prima funktioniert hat
  • daß wir weitermachen!

Wir planen nun einen Folgeworskshop, der auf diesem Workshop aufbaut. Und die wunderbare Riina auch wieder kommen wird!

Verschiedene Maschenanschläge, die ganz speziellen "Kihnu Vits" (Borten), Muster und Maschen wurden geübt und am zweiten Tag erarbeiteten sich die Teilnehmer entweder ein eigenes Muster oder suchten sich ein Muster aus den vielen Vorlagen aus. Da kamen schöne Ergebnisse zusammen!

Hausordnung

Und selbstverständlich habe ich mich in meiner Unterkunft an die Hausordnung gehalten...  ;=)

Ich habe in der letzten Zeit meinen Reisebericht nicht weitergeschrieben, die Gründe dafür ? Vorbereitungen für den Workshop mit Riina Tomberg am 4. und 5. 10. in Greifswald und mein Ärger über die Wahlen am letzten Sonntag. Ich habe große Sorge, daß die entstehende Bundesregierung den Herausforderungen, die uns bevorstehen, in keinster Weise gerecht werden wird (werden kann); daß die Menetekel immer noch nicht verstanden wurden.

Diese Sorge lähmt mich sehr, da habe ich lieber im Sessel gesessen und vor mich hingestrickt. Ein Tuch ist fertig geworden und muß nur noch gespannt werden, eine neue Jacke braucht nur noch Knöpfe.
Stricken tut mir gut und nun freue ich mich auf die kommenden Tage!

Aber ich schreibe auch an meinem Reisebericht weiter. Es geht weiter in Kuressaare auf Saaremaa. Riina hatte den Besuch im Archiv des Museums vorbereitet und eine interessante Auswahl an Studienobjekten zusammengestellt.
 

Stücke aus dem Archiv des Saaremaa-Museums

Also zurück nach Kuressaare auf der Insel Saaremaa!
Wie wir wissen, haben die estnischen Inseln alle ihre ganz speziellen Trachten, ob kunterbunt wie auf Muhu oder weiß-dunkel wie auf Ruhnu oder weiße Striümpfe zu roten Legwarmern wie auf Vormsi,  aber die Insel Saaremaa toppt alles: hier hat noch jede Gemeinde ihre eigenen Farben, Muster, Accessoires! Ganz besonders viele Muster und Formen stammen aus den Gemeinden Jämaja und Mustjala, aber auch aus Kihelkonna.

Bisher habe ich erhaltene Mützen, Handschuhe oder Strümpfe von der Insel nur im Estnischen Nationalmuseum in Tartu gesehen, denn mein erster Versuch, das Museum in Kuressaare zu besuchen, scheiterte, die Textil-Bestände waren gerade verpackt und nicht zugänglich, das Archiv zog um. Dieses Mal aber hatte ich Glück, Riina hatte unseren Besuch angemeldet und auch schon eine Auswahl getroffen:

Fingerhandschuhe, Fäustlinge, ein typischer roter Schal, die eigenartigen Mützen...

Die Mützen! Rot mit schwarzen Streifen - die vorherrschende Farbkombination, Männer trugen früher meistens Mützen mit weißer Grundfarbe, dunkelblaue oder schwarze Mützen gehörten zur Trauerkleidung.
Diese Mützen waren fast immer innenseitig gefüttert (wie die Pottmützen ja auch).
Einige Exemplare aus Mustjala jedoch besitzen ein geripptes Bündchen, das nach innen geklappt getragen wurde. Und damit die Mützen nicht im Wind davon fliegen, wurden sie mit einem einfarbigen oder bunten, geflochtenen Band unter dem Kinn befestigt.

 

Das Archiv des Saaremaa - Museums hat im 2. Weltkrieg viele seiner Unterlagen verloren, so zeigen die Exponate oft noch die alten Archivnummern, aber die Daten dazu sind verlorengegangen. So findet man auch im Online-Archiv bei vielen Exponaten den Hinweis "muuseumi endistest kogudest, mille kohta andmed puuduvad;" - aus den ehemaligen Sammlungen des Museums, für die keine Unterlagen vorhanden sind.

Drei Mützenformen konnte ich bewundern:

eine Mptze mit abgestuften Abnahmen
Mütze aus Anseküla
Mützen aus Jämaja

Mützen mit Abnahmen, die zwischen den Musterstreifen plaziert sind.

Mützen mit "starker Abnahme", diese Mützen sitzen knapp auf dem Kopf, der längste Teil der Mütze hängt nach unten.
Diese Mütze aus Anseküla ist 62 cm lang!

Viele der Mützen aus Jämaha tragen Quasten aus Stoff- und Spitze verziert und zeigen einen deutlichen Rand: der Saum wurde gefaltet und der Anschlag wurde über dem ersten Musterband festgenäht.
Dadurch kräuselt sich der untere Teil der Mütze sehr. Zudem sind die unteren  Musterstreifen haben immer einen hellen Hintergrund.

Aber natürlich gab es nicht nur Mützen zu bewundern, deshalb binde ich noch eine Bilderauswahl hier ein. Interessant ist, daß die "Saaremaa Schals" gehäkelt und nicht gestrickt sind!

Bestellformular
Blick auf die Ordensburg in Kuressaare
Frau  mit Tuttmüts, Video-Ausschnitt

Zum Abschluß dieses interessanten Besuches unterschrieb ich noch das Tellimisleht - das Bestellformular und wir genoßen  ein leckeres Mittagessen im Kurgarten-Restaurant von Kuressaare mit Blick auf die Ordensburg, wieder einmal schien die Sonne für uns.

Bei dem Lied- und Tanzfestival der Küstenschweden, das wir später, am letzten Tag unserer kurzen Reise, in Haapsaluu besuchten, konnte ich dann diese Mützen auch außerhalb eines Museums-Archivs bewundern, wie das Bild aus einem Handy-Video zeigt.

Endlich kann ich einen lange geplanten Workshop ankündigen, der mir sehr am Herzen liegt:
4. und 5. Oktober 21: Estnisches Stricken – Überblick und Techniken mit Schwerpunkt auf verschiedene Muster der Insel Kihnu!

Der Heimatverband M-V veranstaltet am 2. Oktober 2021 eine Tagung zum Themenkomplex "Tracht oder Mode / Entdecken und Wiederbelebung der eigenen Trachten" mit dem Titel "Wie machen es die Anderen - Beispiel Estland: Baltischer Nachbar" in Mestlin. Referentin wird Riina Tomberg sein, Ethnographin, Dozentin für traditionelle Handarbeitstechniken an der Kulturakademie in Viljandi (Estland), Modedesignerin und Buchautorin.
Am darauffolgenden Montag und Dienstag schließt sich dann ein zweitägiger Strick-Workshop in Greifswald an!

Die Abstimmung und Planung hat etliche Zeit gedauert, deshalb kommt die Ankündigung recht kurzfristig.

Hamdschuhmuster aus Kihnu
Datum: 04.10.21 und 05.10.21, 9:30 - 17:00 Uhr
Ort: die STRAZE, Kultur- und Initiativenhaus Greifswald e.V., Stralsunderstraße 10/11, 17489 Greifswald
Referentin: Riina Tomberg
Voraussetzung: gute Strickkenntnisse (Stricken in der Runde, mit mehren Farben)
Teilnahmegebühr: 80,00€ (einen evtl. Nachlaß bitte beim Heimatverband erfragen)
Anmeldung: per Mail an geschaeftsstelle@heimatverband-mv.de
Schon mal ein paar Infos:
Die Teilnehmerzahl ist begrenzt, deshalb ist eine vorherige Anmeldung (siehe Infofenster rechts) unbedingt notwendig.

Voraussetzung für die Teilnahme sind gute Strick-Kenntnisse (stricken in der Runde, mit mehreren Farben und mit dünnen Nadeln).
Bitte geben Sie bei der Anmeldung an, ob Sie diese Kenntnisse haben und ob Sie eher fest oder locker stricken.

Ein Nadelspiel (Stärke 2), Wolle und Musterpapier für Ihre Entwürfe werden gestellt, weitere Nadelspiele in den Grössen von 1.5mm, 1.75mm und 2.25mm können erworben werden.

In diesem Workshop erhalten einen Einblick in die Landeskunde und erlernen die vielfältigen Strick-Techniken Estlands, vor allem die Muster der Insel Kihnu:
"Kihnu vits", "Pakud" und "Täpid" - Borten-Muster, die, gemeinsam mit einfachen Lochmustern, charakteristisch für die wunderschönen Handschuhe von der Insel Kihnu sind.

Und Sie werden ihre eigenen Bündchenkombinationen zeichnen und stricken! (Bringen Sie deshalb bitte Farbstifte mit!)

Riina Tomberg wird historische Handschuhe aus ihrer Sammlung  mitbringen, dazu zeigen wir weitere Strickstücke von verschiedenen Strickerinnen, die wichtigsten Bücher zum Thema liegen zum Durchblättern bereit und ein kurzer Film über die Frauen der Insel Kihnu wird gezeigt. Zudem haben wir Musik aus Estland parat, für die Pausen oder auch als Untermalung beim Stricken!

Klicken Sie auf ein Bild für eine größere Ansicht!

Die Veranstaltung wird gefördert mit Mitteln der Kulturförderung des Ministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur MV sowie dem Vorpommern Fonds.

Danke!

Der Platz an der Tallinn Straße mit dem Waagehaus

Der Platz an der Tallinn Straße mit dem Waagehaus

Die nächsten Tage verbrachte ich auf der Insel Saaremaa, in Kuressaare. Der größte Ort auf der Insel ist ein idealer Ausgangspunkt für Ausflüge auf der großen Insel, hat eine imposante Burg, wo auch das Stadtgeschichtliche Museum untergebracht ist und bietet viele Handarbeitsgeschäfte, einen gutsortierten Buchladen, kleine Cafés und noch mehr. Ich war schon einige Male hier, zuletzt vor zwei Jahren auf der Rundreise nach dem CraftCamp.

In Kuressaare ist auch Riina Tomberg zuhause, im Erdgeschoß ihres Hauses ist das Atelier untergebracht, in dem ich nun wieder etliche Stunden verbrachte. (Dazu später mehr).

Die Stadt ist recht belebt, denn wie wir schon andernorts bemerkt hatten, machen viele Esten dieses Jahr Urlaub im eigenen Land und gleichen so die Verluste durch das Ausbleiben vieler ausländischer Touristen aus.

Seit meinem letzten Aufenthalt hat sich einiges verändert. Der Platz vor dem Rathaus an der Tallinn-Straße wurde umgestaltet, nun steigen Fontänen aus dem Straßenpflaster auf und viele Sitzbänke laden zum Ausruhen ein.
Und in dem Gebäude am Marktplatz, in dem vor einigen Jahren das leider nicht weitergeführte "KnowSheep Project" untergebracht war, ist jetzt eine Sushi-Bar. Das nennt man Globalisierung und das ist nicht immer gut.

Im Markt von Saaremaa ist jetzt ein Sushi-Restaurant

Die Südspitze der Insel mit dem kleinen Ort Sääre und dem Leuchtturm Sõrve kannte ich noch nicht. Die Ortschaft und den Hafen gibt es nicht mehr, dafür den zweitältesten Leuchtturm Estlands, der erst nach dem zweiten Weltkrieg seine heutige Form erhielt. Etliche Gebäudereste erinnern an der Landspitze noch an die Besiedlung, ansonsten ist es hier öd und leer. Ein großer Himmel spannt sich über dem Wasser und man vermeint fast, bis nach Ventspils / Kurland in Lettland blicken zu können.
Doch so leer ist es aber doch nicht. Es gibt neben dem Leuchtturm eine Vogelwarte, einige Souvenirstände und vor allem: ein schönes Restaurant, wo ich endlich wieder eine Kama-Creme als Dessert genießen konnte, sehr sehr lecker mit Rhabarber-Kompott!

 

Nach der Einkehr ging es wieder nach Norden, jetzt aber an der westlichen Küste der Halbinsel. Riina zeigte mir besondere Orte, deren Namen ich vielleicht schon einmal im Zusammenhang mit einem Handschuhmuster gehört oder gelesen hatte, die ich aber noch nicht kannte. Der erste Halt dann: Ohessaare Pank.

Pank = ein felsige Küste, ein Kliff

Und an diesem Kliff gab es etwas Besonderes: Das Ohessare-Windmühlen-Sommer-Café, ein Open-Air-Café mitsamt einer Mühle, in der man auch übernachten kann = also eine richtige Kaffee-Mühle!
Die Inhaberin des Cafés ist eine Bekannte von Riina und so gab es einen kurzen Plausch und ich konnte das Saaremaa-Kostüm der Inhaberin bewundern, das sie in ihrem Cafè zeigt.

Die (Kaffee-)Mühle am Meer

Mir gefiel es hier sehr, ich kann mir sogar mal einen Strick-Ausflug hierhin vorstellen, gemütlich auf so einem alten Bettgestell in der Sonne sitzen, Kaffee trinken, stricken und plaudern - das hätte was. Vorausgesetzt die Sonne scheint.

In der Kirche von Mustjala

Nach einem Stopp und der Besichtigung der Kirche von Jämaja und einem Gang über den direkt an der Ostsee gelegenen Friedhof wollten wir das Farm-Museum in Mikhli besuchen; aber das war erstaunlicherweise an einem Sonntag geschlossen. Nun denn, ich kannte das Museum ja schon, aber schade wars.

Pech hatten wir dann auch in Mustjala, dem Ort, an dem die Trachten-Schürzen Querstreifen zeigen und keine Längsstreifen, dem Ort von dem die wunderschönen Strümpfe und Hochzeits-Handschuhe stammen. Aber hier war die Galerie auch geschlossen. Eigenartig, im Sommer, in der Hochsaison...

Nun ja, wir besichtigten die aus dem 17. Jahrhundert stammende Annen-Kirche; eine Mischung aus Gotik, Romantik und Neo-Gotik, mit einer schönen Orgel. Ich kann mir Orgelkonzerte beim alljährlichen Mustjala-Festival (im Juli) gut vorstellen.

Ein ganz besonderer Gedenkstein ist in dieser Kirche zu sehen: er ist in kindlicher Liebe dem Andenken an einen Pastor gewidmet, Johann Gottlieb Kleiner, der im August 1786 in der Ausübung seines schönen Berufes während der Predigt starb. Gerade mal 40 Jahre alt wurde er, seine Gattin Hedwig Louise, geborene Hirschhausen, wurde nicht älter als 28 Jahre.

Ohessaare Mühle

Auch wenn das Museum in Mikhli und die Galerie in Mustjala geschlossen waren, habe ich doch viel gesehen an diesem Tag. Und Riina war eine kundige Führerin über die Insel.

Nur warum wir so oft vor geschlossenen Türen standen (auch am Tag zuvor in Töstamaa und in Liiva auf Muhu waren die Gaststätten geschlossen), daß wir unsere Tour "Closed Door Weekend" nannten, das finden wir vielleicht nie heraus.

Zum Schluß dieses Berichtes noch ein Bild von der Müllerin in der Mühle in Ohessaare, im nächsten Beitrag berichte ich dann vom Besuch im Archiv des Museums von Saaremaa und den interessanten Tutt-Mützen, die ich dort zu sehen bekam.