Zum Sonntag ein Späßchen…

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Bevor diese Woche der Ravelry-KAL mit lettischen und estnischen Beinstulpen / Feetwarmers / Beinwärmern beginnt, noch ein Späßchen, das ich schon eine ganze Weile auf der Liste habe: ein russischer Designer stellt auf seiner Webseite Knit "haute couture" from Russia vor.

Alexander Seraphim stammt aus Chelyabinsk und arbeitet auch dort.
Chelyabinsk ist eine Industriestadt im südlichen Ural, die ich ganz gut kenne, weil ich in den 90er Jahren einige Male dort vorbeigekommen bin, wenn ich mit Heinz auf Konzertreise / gastrol in Russland unterwegs war.

Liebe Freunde leben dort: das Ensemble NXA, ein äußerst avantgardistisches Ensemble.
Und immer wieder erlebten wir dort absurde oder hochkomische Momente.

So durfte eine geplante Aufführung des Films "Nosferatu - Eine Symphonie des Grauens"  samt Musikbegleitung in einer (säkularisierten) Kirche nicht stattfinden und die lokale Zeitung warnte vor der teuflischen Musik. Dann fand ich in einem Universam / Supermarkt eine LP "Нож для фрау Мюллер" / Messer für Frau Müller", fühlte mich darob geehrt und wollte mir auch noch eine Armband-Uhr kaufen. Die ging aber leider, ich fands lustig, rückwärts und wurde mir verweigert.
Das Alles hatte sehr viel Charme und deshalb werde ich in diesem Beitrag auch noch ein Video der Band einbinden.

Aber nun zu diesem Designer. Seine Designs wirken auf mich sehr russisch (dramatisch, überdekoriert) und degradieren die Trägerin zur sexuall attraktiven Gespielin, also nichts für Frauen, die den Kopf zwischen den Ohren und nicht am Hintern / Busen / zwischen den Beinen (sucht Euch was aus) haben. Sein Auftritt wirkt übertrieben machistisch und selbstbewußt, er geriert sich als Pionier der Mode (noch vor KL hatte er solche und solche Designs entworfen.. etc.). Nun, er hat wohl ein sehr großes Ego, muß man vielleicht auch als Designer aus der Provinz,

Aber geradezu unverschämt finde ich sein Eingangsstatement auf seiner Webseite: (rote Hervorhebunge von mir)

One time, my wife was preparing to knit herself a new dress. She got a German knitting magazine called "Verena", and tried to choose something attractive. When I started to look at the illustrations, I suddenly discovered that all the images I pored over were strangely familiar to me! And I was reminded that a few days before, I had been turning over the pages of a huge book dedicated to the history of photography all over the world. One picture among others was one of the first color photos, showing an Alps resort around 1912. There were so many happy, rosy-faced skiers, of both sexes, standing under snowy spruces, dressed in sweaters much like those I found in Verena. Men were decorated with manly crosses, rhomboid shapes, snow-flakes, with reindeers galloping from right shoulder to left. Women shamelessly tried to tempt men with flowers (of species unknown even to inveterate botanists), satin-stitched on their shoulders and breasts.

I was literally amazed! As time has passed through the ages, the design of everything in our everyday world has evolved - from town halls to steam irons, from blast furnaces to lever handles, from trucks to tubes of toothpaste, from toilet tanks to ballpoint pens! Only the design of knitwear has resisted change! For me it turned out to be a real disclosure - that nowhere was there such a conservative sphere of creative activity as the sphere of knitting design. And I could not help fighting against such a standstill, and keep devoutly fighting up to the current moment...

Ich erinnere mich nur zu gut an die russischen Damen bei Empfängen oder Theaterbesuchen, die entweder unglaubliche Spitzenkragen auf Ornamentpullovern zu hochhackigen weißen Pumps (wir nannten sie "Tortenblusendamen") trugen oder sich derart nuttig kleideten, daß es nicht mehr mitanzusehen war. Schlechter Geschmack damals alllerorten, und er kritisiert die Strickmode? Sorry, da komme ich nicht mit!

Genug des Schreckens! Und nun zum Ausgleich das wunderbare Video des Ensembles Нож для фрау Мюллер!

Aus der Wikipedia:

Bei Messer für Frau Müller (russisch Нож для фрау Мюллер) handelt es sich um ein Musikprojekt aus Sankt Petersburg.

Im Jahr 1991 gründeten der Keyboarder Oleg Kostrow und der Gitarrist Oleg Gitarkin das Duo Messer für Frau Müller, das aus Klangschnipseln aus Easy-Listening-Versatzstücken, kurzen Fetzen, und alter Filme Musik kompiliert. Dazu werden immer wieder deutsche, russische und englische Sprachfetzen aus Kinofilmen in die Musik geworfen.

Viel Spaß! Und wer nach dem VIdeo noch nicht genug Messer für Frau Müller hat, der findet hier eine Playlist mit 225 Titeln!

Falsches FairIsle – oder bewußte Blödheit?

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Daß es mittlerweile Garne gibt, die "von selbst" Muster bilden, weil sie für eine mittlere Fadenspannung, mittlere Wadendicke und definierter Nadelstärke eingefärbt sind, ist ja bekannt. Daß diese Garne dann gerne mal "Faux FairIsle" genannt werden, ist mir auch schon untergekommen.

Daß alles was irgendwie mit mehr als einer Farbe gestrickt wird, als FairIsle benamst wird, ist leidvollerweise auch bekannt (Dummheit tut bekanntlich weh, aber immer den anderen...).

Hier aber haben wir wirkliches falsches FairIsle, nämlich falsch herum getragene Pullover!

Ich hätte ja Lust eine Weihnachtsverlosung zu starten mit der Frage: "Wieviele Ignoranten haben hier mitgewirkt?". Das kann ich leider nicht, denn die Asos Foundation, mit Sitz in London, wird mir diese Information sicher nicht herausgeben.

Das ist insgesamt eine eigenartige Geschichte: Der Online-Shop geriert sich wie eine Firma, das Ganze ist aber eine Stiftung, welche junge Mode-StartUps beschleunigen möchte (ich meine, sie beschleunigt Ignoranz im Textilgewerbe!)

Ich bin mal auf die Suche gegangen, wer hinter dem Ganzen steckt und habe eine Seite gefunden About us | Who we are. wo ich dieses erstaunliche Statement vorfand:

We believe in a world where you have total freedom to be you, without judgement. To experiment. To express yourself. To be brave and grab life as the extraordinary adventure it is. So we make sure everyone has an equal chance to discover all the amazing things they’re capable of – no matter who they are, where they’re from or what looks they like to boss. We exist to give you the confidence to be whoever you want to be.

Erstaunlich! Dann geht es weiter mit solch erstaunlichem MarketingSprech wie FASHION DEMOCRACY, Choice for all, Body positivity, Creative futures - ich mag den Quatsch gar nicht komplett zitieren.

Ist es Entdeckung erstaunlicher Dinge, wenn man Pullover verkehrt herum trägt? Oder vielleicht einfach nur eine nicht ausgewachsene Pubertät? Schlicht Blödheit?

Was ist mein Fazit? Dummheit ist demokratisch (zumindest im Modebereich) oder Demokratie braucht Ignoranz?

Ach es ist einfach nur schlimm.

PS: der Link zur Seite tauchte bei FaceBook auf.

Muss ich alles verstehen? Nein!

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Ich glaube nein, aber es kratzt mich doch.

Daß jemand Teekannenwärmer strickt, habe ich ja inzwischen mitbekommen. Und was für skurrile, wunderbare, bunte Teacosies  schon gestrickt wurden, kann man jederzeit bei Ravelry nachschauen.

Aber das hier verstehe ich nicht: Wieso kommt jemand auf die  Idee, ach ich weiß gar nicht wie ich es ausdrücken soll, Kinder, die im 2. Weltkrieg im Rahmen der Kinderlandverschickung evakuiert wurden, als Vorlage für Teekannenwärmer zu nehmen? Ja, das gibts, die Anleitung heißt World War Two Evacuee Tea Cosy and Knitting Pattern für 3.52£ erstanden werden.

Und so werden die zwei Anleitungen beworben:

Wirklich? So niedlich?

The World War Two Evacuee Tea Cosy was inspired by children that experienced evacuation to the countryside during World War two.

This tea cosy can be knitted to make a girl or a boy evacuee, the pattern includes the both hat style which determines the child’s genda. The hats are removable for a bit of fun.

The children are wearing a burgundy duffle coat, a red hat and they have with them their gas masks, labels, suitcases and teddy bears.

The second world war evacuee tea cosies are such a cute pair and look as if they should be on a station platform waiting for a steam train.

The second world war evacuee tea cosy fits a medium sized teapot that covers a Teapot that holds 6 to 8 cups or 2 pints.

Mit 18 Photos wird diese Anleitung beworben, als ginge es um niedliche Pandabären oder kleine Kätzchen... Die Autorin, die auch vor Teewärmern in Form von Krankenhaus-Patienten nicht zurückschreckt, oder Nelson Mandela und auch Jesus auf diese Weise verstrickt, schreibt weiter:

I love social history and I think the stories of evacuees of the time are so touching. They make me think of the beautiful films 'Carrie's War' and 'Goodnight Mister Tom'.

139 Anleitungen hat Susan Cowper insgesamt im Portfolio bei Ravelry, ich hab sie mir alle angeschaut, weil ich argwöhnte daß sie vielleicht auch einen Hitler oder Stalin verstrickt hat, das nun aber gottseidank nicht.

Wie gesagt, ich begreife es nicht.

Was bitte geht in einem Hirn vor, Kinder, die vor Bombenangriffen geschützt werden sollten, als niedliche Vorlage für Teewärmer zu nehmen????

Wer sich beeilt, kann allerdings noch bis zum Weltfrauentag eine Suffragette stricken...

Kostenloser Content – mir reichts!

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Macht endlich Schluß mit dem saublöden Klischee der strickenden Oma!

In "unserem" Amtsblatt für das Amt Züssow / Landkreis Vorpommern-Greifswald wird wieder mal der alte Schmonzes durchgekaut. Aber nicht wirklich durchgekaut, einfach ins Layout geknallt, was immer zur vermeintlichen Weihnachtszeit passen könnte, und so taucht dann wieder dieses ach was haben wir doch gar nicht mehr das Vorurteil von der strickenden Oma - Gequatsche auf.

Und nicht nur hier im Züssower Amtsblatt, nein auch in der "Wochenzeitung der Gemeinde Endbach", im "Amtskurier Güstrower Land", im "Amtsblatt des Amtes Sternberger Seenlandschaft" oder im "Mitteilungsblatt der Verbandsgemeinde Hahnstätten", wie eine Googlesuche schnell ergibt.

Verstrickt und zugenäht?
Noch nichts Passendes gefunden für ein ganz individuelles und originelles Weihnachtsgeschenk? Wie wäre es denn mit einem selbstgestrickten Schal oder einer Häkeldecke? Viele haben beim Gedanken ans Stricken wohl Bilder einer Großmutter im Kopf, die mit ihrem Kater auf dem Schoß vor dem Kamin sitzend Pullover für die Enkelkinder fertigt.

Dabei gibt es heute viele jüngere Nadelkünstler, die auf diese Weise modernste Mode schaffen. Modelle, die im Trend liegen.

Und gerade im Winter lebt das Stricken traditionell immer wieder auf. In den Fachgeschäften findet man neben allen Materialien und Zubehör auch Strickanleitungen.

Ja super, erst nimmt man als Überschrift nur ein saudummes Wortspiel, dann behauptet man in einer gekonnten rhetorischen Rückwärtsargumentation daß eine allgemeine Annahme so gar nicht stimme - dabei lebt diese Annahme, dieses Klische von der strickenden Oma, nur von dieser immerwiedersaublöden Wederlegungsbehauptung.

Und dann noch der geniale Schluss-Satz, daß man im Fachgeschäft Materialien und Anleitungen bekäme.
Wer hätte das in dieser neoliberalen Marktwirtschaft auch anders erwartet?

 

Ich wette daß in unserem leergeräumten Landstrich in Vorpommern weniger (Woll-)Fachgeschäfte als auf einer Etage dieses Pekinger Einkaufszentrums zu finden sind.

Das Bild zeigt nur eines von gefühlt 60 Cashmere-Läden auf einer Etage ...

Laßt endlich die Oma in Ruhe!

Und käme irgendjemand auf die Idee, mir solch eine Torte zu gönnen, der bekommt sie justemang retour... à la Slapstick natürlich!

Ach, wie tut das gut

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ich halte mit meiner Meinung bekanntermaßen nicht hinter dem Berg, kriege dann aber oft so richtig-politisch-korrekte Ordnungsrufe oder Belehrungen vorgehalten. Was meine Meinung bekanntermaßen nicht mildert, sondern meistens bestätigt...

Umso wohltuender empfinde ich Schwestern im Geiste, und nun habe ich wieder eine Schwester gefunden: Orange Swan (ihren real-life-Namen habe ich nicht herausgefunden, aber ich heiße ja auch nicht wirklich Wockensolle)...

Auf einem ihrer drei Blogs (The Knitting Needle and the Damage done) rezensiert sie frisch auf den Markt gekommene Strickzeitschriften und das auf eine wahrhaft spezielle, scharfzüngige und umso trefferende Weise.

Ihre Kommentare zu den Modellen in diversen Strickzeitschriften tun mir soooo gut!

Mit viel Humor trifft sie die Nägel auf den Kopf, was diese Kritik des Rowan Magazine #62 beweist.

Almondbury sieht sie als Decke mit Ärmeln: The texture's great and the colours are beautiful, but this one isn't so much a cardigan as it is an afghan with sleeves.

Bilby, eine Kurzarmjacke, beschreibt sie mit Worten, deren Witz ich gar nicht so richtig übersetzen kann: This one has such a dragged out, downtrodden look that even the model it's on is looking as though she's getting a sudden urge to sit in a darkened room, wrap herself in a blanket and eat marshmallow fluff straight from the jar. Ja, ich würde mich auch im Schrank verstecken, mit solch einer Jacke!

Und erstaunlicherweise erhält sie Beifall in den Kommentaren und wird nicht von den Torwächtern des Erlaubten zurückgewiesen ;=)

Solche Teile nennt man ja "fingerless mittens"; aber hier sind eindeutig zuviel Finger... Ach ich könnte noch viel mehr hier zeigen, so sehr hat Orange Swan mein Herz erfreut!!

Einen Nachschlag noch kann ich mir aber nicht verkneifen:

Draußen nur Kännchen – im Kopf nur englisch?

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Achtung Polemik!

Der nachfolgende Text ist polemisch, es ist aber trotzdem was dran..

Ich habe heute morgen wieder mal ein wenig im Netz gestöbert und fand die Ankündigung für eine zweitägige Veranstaltung: "Berlin knits - Yarn Festival 2017".

Nun ist Berlin ja nicht so weit weg und ich gehe gern unter Leute, aber dann habe ich mich auf der Webseite des Festivals umgeschaut und mich doch recht gewundert.

Berlin knits? Warum strickt Berlin nicht?
Berlin - the place to be? Wer sagt das? Wer schreibt das vor? Warum soll ich dort sein? Bin ich ein Lemming? 
Von 10.00 bis 18.00 h - ? Uhr? Also wenn die Abkürzung für Stunde genommen werden soll, dann bitte ohne Leerschritt zwischen Stundennummer und dem 'h'.

Berlin the place to be?

Das fiel mir beim Aufruf der Seite gleich auf.
Dann habe ich mich weiter umgeschaut. DIe Seite soll zweisprachig sein, es gibt auch einen Knopf zum Sprachwechseln, aber trotzdem sind etliche Porträts der Kursleiterinnen auf englisch, selbst deutschsprachige Damen (aus Moenchengladbach) werden auf englisch vorgestellt.  Der Blog dieser Designerin ist übrigens auch auf englisch... 

Was soll das? Die Veranstaltung findet in Berlin statt, organisiert von deutschen Wollladenbesitzerinnen. Richtet sich die Veranstaltung nur an ein englischsprachiges Publikum? Eher doch wohl nicht.

Unter Sprache versteht man die Menge, die als Elemente alle komplexen Systeme der Kommunikation beinhaltet, sagt die Wikipedia. Und das erledigt in Deutschland die deutsche Sprache. Warum aber wird deutsch vermieden, wechselt man ins Englische?

Es soll Weltläufigkeit demonstriert werden, denke ich. Aber das ist albern. Weltläufigkeit bedeutet daß man sich in der Welt zurechtfindet, und das tut man in der Sprache, die an dem Ort gesprochen wird wo man sich gerade aufhält, oder sehe ich das falsch?

Ich spreche seit meiner Schulzeit englisch,das ist meine 2. Sprache und ich habe, damit ich mich dort wo ich herumreiste verständigen konnte, insgesamt 12 Sprachen gelernt, 5 davon kann ich noch (mal besser, mal schlechter). Aber ich spreche in Deutschland doch deutsch und wechsele nur dann in eine andere Sprache, wenn ich mit Anderssprachigen zu tun habe..

Alles auf Englisch - das ist borniert. Und ab morgen tragen alle Strickerinnen / Festivalbesucher nur noch grüne Klamotten und sind römisch-katholisch... ach Verzeihung, das ist ja nicht hip, nicht "the religion to be"...

Und noch was: welche Sprache ist denn nach dem Brexit an der Reihe?