Charlotte Leander, Anweisungen zur Kunststrickerei, 1843

Der Tag der Tracht ist immer ein Tag der Tracht und auch des Volkstanzes. So ist es jedenfalls bei uns in Mecklenburg-Vorpommern.

Und ich war zum zweiten Mal bei einem solchen Tag dabei, beim ersten Mal vor einigen Jahren (nein, ich zähle hier nicht corona-speziell "vor C.." oder "nach C..", ); in Schönberg in Mecklenburg,  stellte ich meine Pottmützen das erste Mal einer Öffentlichkeit vor, lernte Hildegund Hergenhan kennen, sah zum ersten Mal die vielfältigen Trachten und erfuhr vom Volkskunde Museum Schönberg. Ja, an diesem Tag öffneten sich viele Türen für mich...

Und nun gestern, am 15. Oktober, wieder ein Tag der Tracht, diesmal in der großen Scheune des Mühlenhofs in Altkalen, und natürlich wieder veranstaltet vom Tanzverband MV.  Ein Lob den Organisatorinnen!

Es hat Freude gemacht, und ich konnte dieses Mal schon ein bißchen mehr als "nur" meine Pottmützen zeigen, es sind ja nun einige Strumpfpaare, deren Original aus dem Schönberger Museum stammen, dazugekommen und ich konnte auch ein paar Test- und Probierexemplare meines neuesten Projektes, den doppeldaumigen Handschuhen der Fischer, auf den Tisch legen.

Traditionelle Textilien: meine Projekte

Immer wieder erstaunt bin ich, wie bekannt "meine" Pottmütze ist, ich hörte oft "Die habe ich auch schon gestrickt" oder "Die habe ich auch schon getragen", aber auch "Meine Frau strickt mir ja nie was... "
Ich denke, die Fischerhandschuhe mit den zwei Daumen, mein neuestes Projekt, werden wohl nicht so oft nachgearbeitet werden, aber Interesse und Neugier werden sie auf jeden Fall.

Das Programm war reichhaltig: die einzelnen Trachten mit ihren Geschichten (Herkunft, Besonderheiten, Material) wurden fachkundigst vorgestellt, bunte Tänze wurden getanzt, es gab eine Kaffeetafel, eine warme Suppe und zum Abschluß noch einmal reichlich Kaffee und Kuchen. Eine freundliche, gelöste Athmosphäre herrschte, wenn auch alles mit geringster Förderung gestemmt werden musste, das Land MV unterstützt die Verbände nicht so wie es sollte und nötig ist.

Es geht einfach nicht, daß Kultur- und Traditionserhalt immer auf die Ehrenamtlichen abgewälzt wird, das Land ist in der Pflicht! Wie steht es in Artikel 16 der Verfassung?

Artikel 16
(1) Land, Gemeinden und Kreise schützen und fördern Kultur, Sport, Kunst und Wissenschaft. Dabei werden die besonderen Belange der beiden Landesteile Mecklenburg und Vorpommern berücksichtigt.

(2) Das Land schützt und fördert die Pflege der niederdeutschen Sprache.

(3) ...

Das Volkskunde Museum in Schönberg ist in existentieller Gefahr, in Demmin droht der gymnasiale Unterricht der niederdeutschen Sprache am Lehrermangel zu scheitern, Verbände bekommen Almosen ... das ist nicht in Ordnung!

Was hat mir besonders gefallen?

  • Nun, daß Kerstin Kaßner-Kebelmann und Christina Fähnrich vom Vorstand des Tanzverbandes MV auch in unserem Arbeitskreis "Traditionelle Textilien" des Heimatverbandes dabei sind,
  • daß ich Anke Holst aus Warnemünde kennengelernt habe,
  • daß unser Heimatverband stark vertreten war,
  • und daß ich sehr viel über die Tänze, die Trachten und die Menschen aus unserem Bundesland lernen konnte.

Anke Holst trug die Alltagstracht der Fischerfrauen aus Warnemünde, dunkle Kleidung, kariertes Kopftuch und karierte Schürze und ein warmes Wolltuch, das groß genug ist um es "einmal herumwickeln" zu können.

Diese Tücher, die man oft im kalten Norden, z.B. in Shetland, dort "Hap" genannt, sieht, gefallen mir immer sehr.

Anke Holst in der Arbeitstrcht der Warnemünder Fischerinnen

wie immer: für eine größere Darstellung auf ein Bild klicken!

Zum Schluß, bei der Heimfahrt wurden wir noch mit vielen Regenbögen belohnt, über Gützkow stand sogar ein Doppel-Regenbogen.

Hier tanzt die Volkstanzgruppe "Dei Lieper-Winkel´schen Danzlüh" aus dem Lieper Winkel auf der Insel Usedom.. die Fischertracht hat große Ähnlichkeiten mit der Mönchguter Tracht, das Original der Tracht wird nun im Wolgaster Stadtmuseum aufbewahrt und dort findet sich auch das Vorbild für meine Doppeldaumen-Versuche!

Und bevor ich in einigen Tagen für einige Tage nach Polen, nach Danzig reise, werde ich bestimmt noch über den Stopf-Workshop bei Calling Scheep in Sassnitz auf Rügen, an dem ich vor zwei Wochen teilnahm, und über die verschiedenen Nadeln, die man beim Stopfen verwenden kann, berichten.