Wenige Wochen noch .. dann geht es wieder ins Baltikum

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Die Zeit dehnt sich und dann wieder geht sie schnell vorbei. Das ist zwar eine Platitüde, aber das empfinde ich gerade.
Immer wenn eine Reise bevorsteht meine ich noch soviel erledigen zu müssen vorher, fertigbringen vorher, lernen vorher - und fühle mich auch bedrängt.

Wie kann es sein, daß schon wieder eine Sommerreise ansteht, ich bin ja noch am Aufarbeiten der Workshops vom letzten Jahr, übe die Travelling Stitches (Zugmaschen) in komplexer werdenden Musterungen und irgendwann werde ich vielleicht auch mal die wunderschönen Handschuhe zu Ende bringen, die in Riina Tombergs Workshop begonnen wurden.

Letztes Jahr war ich beim Nordic Knitting Symposium in Viljandi dabei und dann zum vierten Mal beim Craft Camp in Olustvere. Dazwischen wollten wir auf die Insel Ruhnu, aber das hat ja bekanntermaßen nicht geklappt und unsere Gruppe fand dann ein Ausweichquartier auf der Insel Saaremaa. Beim Craft Camp in Olustvere belegte ich Strickworkshops und einen Kurs im Bändchenweben.

Dieses Jahr wird es ein wenig anders. Wir starten in Riga, machen Halt in Cesis und besuchen dort die Handarbeitsorganisation Vēverīšas und dann mit Bahn und Bus nach Viljandi.

Das Craft Camp wird nicht mehr in Olustvere durchgeführt sondern im kleinen Städtchen VIljandi. Das finde ich gut. Da kann man mehr unternehmen und auch mal nett Kaffeetrinken gehen.
Und dieses Jahr liegt der Schwerpunkt meiner Workshops auch nicht auf Stricken, sondern eher am Drumherum: für einen eintägigen Strickworkshop bei Riina Tomberg konnte ich mich anmelden, aber sonst geht es um das Färben mit Indigo und um die Arbeit an einer Wollmühle.

Im Februar 2017 habe ich die Wollmühle der Kulturakademie Viljandi das erste Mal besichtigen können und es ist faszinierend wie kompakt solch eine Produktionseinheit ist. Nun werde ich einen Einblick in die Arbeitsschritte bei der Wollproduktion und die Arbeitsschritte vom Vlies bis zum Garn auf der Kone besser verstehen.
Auf North Ronaldsay, auf Shetland, in Limbazu und auf Hiumaa stehen ja alte und auch eine neue Wollmühle, historisch oder ganz modern und da Technik mich immer fasziniert, wird das bestimmt ein ganz besonderer Workshop.

und wie immer: auf die Galerie klicken für eine Großanzeige der Bilder

Nach der Workshopwoche fahren wir zu viert wieder auf die Insel Kihnu und danach erkunden wir Vormsi, die Insel im Nordwesten Estlands, die früher von den Küstenschweden bewohnt war, und die auch ihre eigenen Traditionen hat. Rote Legwarmer und weiße Socken habe ich ja dann für diesen Besuch dabei.

Zum Abschluß der Reise noch ein Wochenende in Tallinn, Pats Geburtstagsfeier (wir laden sie in den Handarbeitssupermarkt Karnaluks ein!) und dann geht es wieder heim.

In rund 3 Wochen geht es los und es ist noch soviel zu tun.... Termine, Beratungen, Stricken, Schreiben und Katzenkümmern, denn seit gestern haben wir 4 kleine Katzenbabies im Haus, aber das ist eine Sache für sich.

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KAL: Baltische Wadenwärmer / Legwarmers

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Seit Mitte Mai moderiere ich einen "KAL" (KnitALong) bei Ravelry zum Thema "Baltísche Legwarmer":
Der englische Begriff legwarmer geht mir leichter über die Tasten und die Zunge als der deutsche Begriff Beinstulpen o.A.
Ich habe zu diesem KnitAlong in der Knit Like A Latvian Gruppe bei Ravelry extra dort und auch hier bei der Wockensolle Informationsseiten erstellt, und ich habe Barb Brown, eine ausgewiesene Kniestrumpf- und Legwarmer-Designerin und Autorin als Co-Referentin gewonnen, aber irgendwie kommt der KAL nicht in Fahrt. Bis jetzt gibt es gerademal 2 Projekte.

Ich weiß nicht warum so wenig Resonanz... Nun, jetzt kommt der Sommer, aber haben die Strickerinnen sich wirklich immer an die Jahreszeiten gehalten? Einige stricken doch jetzt schon Weihnachtsgeschenke...
Oder ist das Thema uninteressant? Es gibt so viele schöne Legwarmer, vor allem aus Estland, das sollte doch inspirieren.

Ich finde es schade und werde meine, zugegebenermaßen recht einfachen aber schönen  roten Beinstulpen in der Tradition der Insel Vormsi zusammen mit den ebenfalls von dort stammenden weißen Socken auf die Reise im Sommer mitnehmen und diese dann im dortigen Museum stolz tragen.. egal wie heiß es sein wird!

wie immer: ein Klick aufs Bild startet die Galerie-Darstellung

Im Gegensatz zu den einfach glatt gestrickten roten Beinstulpen sind die Socken etwas feiner gearbeitet.
Sie haben ein ca. 5cm hohes Bündchen mit einem hübschen Muster aus TravelingStitches, eine Herzchenferse und Sternspitzen.

Ich werde aber wohl eine anatomische Spitze oder eine gewöhnliche Bändchenspitze stricken, die Sternspitze sitzt nicht so richtig ..

In Estland fand (oder findet noch) ein KnitAlong statt, mit dem Ziel dünne Muhu-Strümpfe für den Sommer zu stricken. Wie schön diese Strümpfe sind, das habe ich hier auf der Wockensolle schon öfter gezeigt, aber so viele farbenfrohe Meisterwerke auf einmal, das ist schon etwas besonderes.
Anu Pink hat auf der Facebook-Seite des Saaraa-Kirjastus-Verlags über das Treffen der Strickerinnen berichtet und diese wunderschönen Photos veröffentlicht. 70 Frauen hatten sich letztes Jahr bereiterklärt, bunte Muhu-Strümpfe zu stricken und diese sollen dann in einer Ausstellung des Estnischen Nationalmuseums gezeigt werden. Ob das realisiert wird hängt von dem Ergebnis der Publikumsabstimmung ab und das ist noch nicht veröffentlicht.

Einfach nur prachtvoll!

Alles kann man nicht kaufen

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Ich habe ja schon hier auf der Wockensolle auf die Filme über die estnische Insel Kihnu hingewiesen und mein Reisebericht ist hier auch zu finden. Die dritten Programme der ARD und etliche Zusatzkanäle wiederholen zur Zeit stetig die Dokumentationen "Ein Jahr auf Kihnu" und "Die Insel der tapferen Frauen - Kihnu". 

In allen diesen und weiteren Filmen wird die Lebensweise der Menschen auf Kihnu, das Matriarchat, vorgestellt und aufgezeigt, wie sehr sich das Brauchtum heute noch erhalten hat. Die Kleiderordnung der Frauen - Blusen, Kopftücher und Röcke.

Den Röcken kommt dabei eine besondere Bedeutung zu: jede Familie hat ihr eigenes Muster, das Muster gibt Auskunft über den Zivilstand der Trägerin (verheiratet oder ledig) und die Grundfarbe der Röcke hat ihre Bedeutung: blaue Röcke für Trauer und rote Röcke für den Alltag und die Festlichkeiten.

Diese Röcke werden in der Familie gewebt und genäht, in einem der Filme sieht man die liebevolle Großmutter wie sie einen neuen Rock für ihre Enkelin anfertigt. vom Webstuhl bis zur Anprobe.

Und nach der Ausstrahlung dieser Filme erhalte ich ab und an Anfragen, wo man denn diese schönen Röcke kaufen könne. Und das verwundert mich, denn mir scheint da wurde nicht richtig zugeschaut und zugehört. Die Filme zeigten das Einzigartige auf: das Matriarchat auf Kihnu, das Tradieren der Bräuche und die Bedeutung der Familie. Und das ist eben nicht käuflich.

In keinem der Geschäfte auf Kihnu oder anderswo in Estland habe ich solche Röcke angeboten gesehen. Sicherlich gibt es Trachtenstoff zu kaufen, in vielen Mustern und Farben, so fertigt ja auch die lettische Firma "Limbazu Tine" Webstoffe für lettische und estnische Trachten an, aber eben nicht für Kihnu. Man kann also in den Stoffgeschäften Estlands und beim Mardilaat, dem Martinsmarkt in Tallinn, schöne Trachtenstoffe erwerben, aber sicherlich keine echten Kihnu-Rockstoffe.

Ich muß gestehen, daß ich mir vor 2 Jahren in Limbazi wunderbaren gestreiften violettfarbenen Wollstoff gekauft habe - aber noch nicht genäht. Ich traue mich nicht, der Stoff ist zu schön und meine Nähkenntnisse zu bescheiden.

Vom Hölzche aufs Stöckche

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Vom Hölzche aufs Stöckche - das ist hessisch, mein Heimatdialekt, den ich rudimentär noch beherrsche, und dieses Bild beschreibt mein Themenstromern - früher nannte man das Surfen im Internet.

Ich möchte einen strickenden Mann vorstellen, den ich bei Ravelry kennengelernt habe: Franz-Josef Klar, bei Ravelry ist er der User "verdreht"

Wir waren ins Gespräch gekommen, weil er in einem Forum einen Beitrag von mir las, und dann wurde es immer interessanter. Er arbeitet beim holländischen Textile Research Center mit und hat am Projekt "Zijden Kousen von Texel - Silk Stockings from Texel" teilgenommen. Der Link zu diesem Projekt im Menü der Webseite ist falsch, aber findige User finden den Inhalt trotzdem ;=)

 

 

Diese Seidenstrümpfe aus dem 17. Jahrhundert waren in einem Schiffswrack vor der niederländischen Insel Texel gefunden worden, in einem excellenten Zustand. Und nun werden diese Strümpfe von freiwilligen Strickern, na meistens Strickerinnen aber eben auch der Stricker Franz-Josef Klar, rekonstruiert. Mit 1mm-Nadeln und dünnem Seidenfaden - Respekt!

Links mit Infos zum Texel-Seidenstrumpf-Projekt:

Man braucht nur "Texel silkstockings shipwreck" in einer Suchmaschine eingeben und findet jede Menge Infos

Ich wollte ja gar nicht so sehr auf dieses Strickprojekt eingehen, aber es wird immer interessanter.
Es gibt sogar Garn, speziell für diese Seidenstrümpfe, in 3 Varianten:

  • TRC Texel Silk Sock dun niet ontgomde zijde von Bart & Francis, 1200m / 100g, also ein 12/1 Garn
  • TRC Texel Silk Sock dik niet ontgomde zijde
  • und auch noch TRC Texel Silk Sock 225 den   (1 denier = 1 g / 9000m)

Aber der Link zu Franz-Josef Klars Projekt darf nicht fehlen, und er hat das Projekt wie so viele seiner Arbeiten mit einem perfektiven Aspekt benamst: vertexelt ...

 

Ein Presseartikel über Franz-Josef Klar ist online, da geht es um das Texel-Socken-Projekt:  Textilgeschichte: Frankfurter strickt für niederländisches Forschungsprojekt.

Franz-Josef Klar strickt gerne Socken. Und als Vorbild für die Socken nimmt er sich Bilder strickender Männer. Das ist mal ein Konzept!  Da gibt es e=mc²-Socken, Weihnachtsmann-Socken, einen jütländischen Hirten oder Dagobert Duck und viele andere Herren, alle ihnen gewidmeten Socken nach seiner freien Anleitung ver50ckt gestrickt.

Rechts ein Screenshot seiner Ravelry-Projekte...

Tja, er wohnt in Frankfurt, und es ist gerade Fassenacht (neuhochdeutsch: Karneval), die tollen Tage (Weiberfastnacht bis Aschermittwoch) schlagen Wellen.

Ich selbst war Fassenachterin in meiner Jugend, und 1982 organisierte ich die erste Alternative Fassenacht in Wiesbaden mit: Lalü - Mer lasse Euch net hänge...
Infos darüber findet man heute noch online, damals hat sogar der SPIEGEL über die Repressalien der Stadtverwaltung berichtet. Und Radioberichte gabe es auch. Irgendwo wird unser Fastnachtszug (300 Teilnehmer - 80.000 Zuschauer, und das mit gerade mal 50kg Bonbons...) sogar als legendär bezeichnet... auf die Titelseite der TAZ haben wir es damals auch geschafft, allerdings mit einer Karikatur, die die Vorurteile gegen uns nur so anheizte: ein mit Pflastersteinen jonglierenden Narr ...

Aus einem Pressebericht:
Unter dem Titel „Notkomitee Wiesbadener Narren“ organisierten sich linke Alternative wie die „Wiesbadener Liste“ mit deren Protagonisten, dem späteren SPD-Kulturstadtrat Wolfgang Herber, um die Lücke zu schließen. „Locker, alternativ – lustvoll übermütig“, abgekürzt „Lalü“, sollte der Zug werden. „Kreativ statt öde und blöde“, hieß ein Slogan der „Spaß-Guerilla“. Mit „Geheul und bissiger Satire, aber ohne Polizeikapellen, US-Army und Reklamegaukler“ wurde ein „radikaldemokratisches Volksfest von unten gegen oben“ initiiert.

Das ist meine Verbindung zur Fassenacht, als aktive Närrin im Notkomitee. Gefeiert habe ich aber schon vorher heftig, einmal ging ich samt Freund für 6 Tage verlustig, wir feierten von Weiberfastnacht bis Aschermittwoch - und wurden ziemlich erschöpft dann wieder im legendären "Old Roczek" gesichtet (Wiesbadener wissen welches Etablissement gemeint ist).

Und was ist jetzt das Stöckche? Dieser Beitrag heißt ja "Vom Hölzche aufs Stöckche" und als "Hölzche" tuns die Seidensocken.

Das Stöckche sind dann rotweißen Strickstrümpfe, Wahrzeichen der Kölner "Roten Funken Garde". Fast alle rheinischen Karnevalsgruppierungen haben einen militärischen oder freiheitlich-militärischen Hintergrund aus der napoleonischen Zeit, sonst wären es ja keine Garden.
Die Roten Funken Gardisten sind da keine Ausnahme, aber sie hatten nicht den besten Ruf:

Die abgezehrten, meist alten, müden und leicht bedusselten Komißköppe wurden herumgeschubst und verspottet. Ihre Dummheit war sprichwörtlich, und ihr armseliges Duldertum äußerte sich im Strümpfestricken, während das Gewehr traurig an der Wand lehnte.

Stricken war also nicht sehr angesehen. Heute ist das anders:

Die armen Gardisten von damals haben eine eigene Webseite, Streckstrump Alaaf! und Franz-Josef Klar würdigt die damaligen armen Stadtsoldaten, die heutigen Jecken: er hat ihnen einen Strumpf gewidmet! Bei Ravelry zu finden. Schön rot und weiß gestreift.

Und ich widme ihm jetzt ein Bild für sein Sockenbildprojekt, hat aber noch ein wenig Zeit bis zur Fertigstellung:

Ein strickender Weihnachtsmann von der estnischen Insel Muhu!

Schöne Jacken aus Kurzeme

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Die unermüdliche Linda Rubena aus Riga hat Anfang Februar ein wunderschönes neues Buch vorgestellt:

Dienvidkurzemes adītās jakas. South Kurzeme Knitted Jackets

Das Buch, herausgegeben vom Lettischen Nationalen Kulturzentrum, stellt Strickjacken, wie sie in Süd-Kurland getragen wurden, vor, zeigt ihre Besonderheiten auf und enthält auch Hinweise und Anleitungen zum Stricken dieser wunderschönen Jacke. Darunter auch die Jacken in Netz-Brioche, die mir und etlichen anderen Teilnehmerinnen bei der ersten Kurzeme-Strickreise von Sena Klets (und den Teilnehmerinnen der Folge-Reisen wohl auch) etliche Rätsel aufgegeben hatte.

IZDOD GRĀMATU PAR DIENVIDKURZEMES ADĪTAJĀM JAKĀM

Šodien Latvijas Universitātes Lībiešu institūta telpās atklāta grāmata “Dienvidkurzemes adītās jakas”. Vai tajā apkopotā informācija varētu kļūt par iedvesmas avotu ikvienam savas, individuālās jakas adīšanā?

Gepostet von 100 g Kultūras am Dienstag, 5. Februar 2019

Das Buch kann man bei Sena Klets, aber auch bei amazon.com, bestellen. Bei Amazon.com ist der Titel leider irreführend übersetzt, es geht ja nicht um "knitted Shawls" sondern um "Knitted Jackets". Sei's drum!

Mein Exemplar ist auf dem Postweg, ich denke es kommt diese Woche an. Ich bin schon sehr gespannt, haben mich doch die bisher veröffentlichten Bilder sehr neugierig gemacht: ich habe viel wiedererkannt.

  • Dienvidkurzemes adītās jakas - Knitted Jackets of South Kurzeme
  • 48 Seiten, Hardcover
  • Autor: Linda Rubena
  • Verlag: Latvijas Nacionālais kultūras centrs (2018)
  • ISBN-10: 9934528312
  • ISBN-13: 978-9934528316

wie immer: für eine größere Anzeige auf ein Bild klicken!

Lugt da nicht eine Seite mit Muhu-Mustern aus dem Buch "Estonian Knitting 1" (oder "Patterns and Designs from Muhu" ?) auf den Bildern hervor? Und auf einer anderen Seitenvorschau las ich den Verweis auf Riina Tombergs Buch "Vatid, troid, vamsad: silmkoelisi kampsuneid Lääne-Eesti saartelt" - mich interessieren die Verflechtungen der Stricktraditionen, ihre Eigenarten und Gemeinsamkeiten und ich denke dazu kann ich in dem Buch Einiges erfahren.

Das nachstehende Video ist ein Ausschnitt aus einer Morgenshow des lettischen Fernsehens und nach den einleitenden wohlwollenden Worten werden auch schöne Details gezeigt.

Und ganz genau hinschauen kann man bei der "Virtuellen Ausstellung", die das Nationale Kulturzentrum Lettlands bei Youtube eingestellt hat.

Jetzt warte ich auf unsere Postzustellerin, auch liebevoll "Frau Freude" genannt. Und wer das Buch haben möchte: man/ frau  sollte schnell bestellen, die Auflage ist nicht sehr hoch.