Berberteppich

8. Mai 2021: Tag der Befreiung vom Faschismus und Tag der Freude

Über den 8, Mai, dem Tag der Befreiung vom Faschismus und dem Ende des 2. Weltkrieges, und wie er in Demmin in Vorpommern immer wieder zum Anlaß für Aufmärsche der Rechtsextremen wurde, habe ich schon hier auf der Wockensolle berichtet. Anlaß dafür war die Idee des Demminer Aktionsbündnisses 8. Mai, das Stadtbild und die Stimmung an diesem Tag mit bunt-Gestricktem aufzuhellen und eine neue Art des Protestes zu zeigen.
Daß dann im Deutschen Stricktreff beim Strickernetzwerk Ravelry nach einem Zweck für einen großen Garnvorrat gefragt wurde und wie wir die 30 Kilogramm dann nach Demmin ins Café 3K brachten..

Letztes Jahr fiel zum Glück der große Aufmarsch aus und die Wollereien schmückten das friedliche Städtchen an der Peene. Dieses Jahr droht immer noch Corona und größere Versammlungen und Aufmärsche fanden nicht statt.
Aber ein Friedensfest am Peene-Ufer mit Musik und auch ein paar Ansprachen - das gab es. Und es tat so gut!
Viele fröhliche junge Menschen bei wunderschönem Sonnenschein, engagiert und aufgeweckt und die Infostände von bunten Wollschals umgarnt - es gab keine Auseinandersetzungen, rechte Provokateure kamen nicht zum Vorschein und die Demokraten und Antifaschisten konnten nicht nur den Tag der Befreiung vom Faschismus feiern, und dem Aufruf Esther Bejaranos folgend,  einen bundesweiten Feiertag für dieses Datum und diesen Anlaß fordern, sondern auch an den 100. Geburtstag von Sophie Scholl erinnern, der am 9. Mai zu gedenken ist.

wie immer: für eine größere Darstellung auf ein Bild klicken!

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Kurz bevor wir nach Demmin fuhren, brachte die Postbotin ein kleines Päckchen und dieses barg eine große, freudige Überraschung: Eine Leserin dieser Seite, die auf der Suche nach Informationen über Trachtenstrümpfe zur Wockensolle gefunden hatte und mit der ich auch schon ein paar wenige aber herzliche Mails wechseln konnte, hatte von einem alten Strumpfpaar geschrieben, einem sehr sehr alten Strumpfpaar, und daß sie mir dieses Paar schenken wolle.
Diese Großherzigkeit beschämte mich und als ich dann das Päckchen erhielt und es öffnete, war ich sprachlos und den (Freuden-)Tränen nahe:

Welch eine Gabe! Diese Strümpfe stammen wohl aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, sind aus Baumwolle, mit einer wunderschönen Bogenkante und einer kleinen Saumlinie auf der Rückseite samt hübschen kleinen Abnahmen über der Wade.
So unwahrscheinlich fein gestrickt, daß es fast nicht zu glauben ist. Sie sind in der Runde gestrickt und nicht gewirkt und dann genäht, denn es gibt keine Nahtkante.

Ein Brautstrumpf aus dem 19. Jahrhundert

Ich fand noch keine Zeit den Strumpf genauer zu untersuchen, ich bin noch in der Phase des bewegten Staunens. Wie fein die Maschen, wie fein das Bündchen, die Abnahmen auf der Rückseite.

Bündchen und Monogramm

An der geschwungenen Bogenkante ist ein längeres Bändchen angearbeitet, wahrscheinlich zur Befestigung.
Das Monogramm ist mit winzigkleinen grünen Glasperlen gestickt und auf der Bein-Innenseite ist ein zusätzliches kleines rotes Monogramm mit winzigen Kreuzstichen gearbeitet.

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Mechanische Strumpfstrickmaschinen gibt es schon lange, Und eine historische Sockenstrickmaschine habe ich auf meiner langen Shetlandreise im Jahr 2015 schon im Museum von Tangwick Haa gesehen.
Diese Maschinen waren im 19. Jahrhundert nicht nur in England weit verbreitet, denn sie waren handlich und viele Menschen haben sich mit diesen Maschinen in Heimarbeit Geld verdient.

Betrieben wurden sie mit einer Handkurbel, brauchten also außer der menschlichen Arbeitskraft keine weitere Energie.

Ob diese Strümpfe wohl auf solch einer Maschine hergestellt wurden oder doch mit der Hand gestrickt? Das versuche ich herauszufinden.

Erst einmal bin ich dankbar und glücklich. Über die Strümpfe und das Friedensfest in Demmin. Es war ein guter Tag!

Sockenstrickmaschine

Stricken im Hohen Atlas – eine uralte Kulturtechnik

Ich habe ja schon mehrfach über das phantastische Buch von Irene Waggener, "Keepers of the Sheep" berichtet, und in den letzten Wochen neben simplen Sockenstricken, Ribbeleien und Ablenkungen immer wieder in dem Buch gelesen. Aber gelesen ist der falsche Ausdruck, ich habe darin geschmökert oder mich darin versenkt. Und in meinen Erinnerungen gekramt. Vor fast 50 Jahren (meine Güte, ist das lange her) war ich längere Zeit in Marokko und Algerien unterwegs, wir sind die Route der Kasbahs entlang gefahren, waren im Tal des Dra, in Algerien bis an den Nordrand der Sahara in der geheimnisvollen Stadt Ghardaia.
Aber strickende Hirten habe ich nicht kennengelernt. Ich war auch zu scheu um tiefer in die verschlossen wirkenden Kasbahs einzudringen, das war damals eine sehr sehr fremde Welt für mich. Ein kleines Filmchen von 8mmfreak, meinem damaligen Freund und späteren Mann, von dieser Reise ist noch bei Youtube zu sehen.

Und nun dieses wunderbare Buch! Wo anfangen? Inhaltliche Schwerpunkte sind die Erzählung der Autorin über ihre Zeit im Hohen Atlas und ihre Begegnungen, dann eine ganze Reihe Strickanleitungen (von faszinierend bis tragbar), und ein ganz wichtiges Kapitel über die Geschichte des Strickens in Nordafrika. Lassen wir die Autorin selbst zu Wort kommen:

This book is the culmination of three years of research, interviews, participant observation, and writing. It includes 7 essays and 13 patterns that provide the reader with a glimpse of life in a High Atlas village and the important role knitting once played there. A chapter on the history of knitting in Morocco takes the reader backwards in time from Morocco, through Algeria, into Spain and Tunisia, and eventually Egypt, where historians believe knitting may have originated. This history chapter is accompanied by patterns based on historical sources that bring to life a North African knitting tradition that has all but disappeared.

Ich habe viele Bücher über die Geschichte des Strickens im Regal, von RIchard Rutt bis Nancy Bush, to name a few. Und meines Wissens immer wird als wohl ältestes erhaltene Strickstück der Strumpf aus Ägypten genannt, bei Piecework und Ravelry gibt es Anleitungen dazu.
Und es folgt fast immer die Vermutung, daß das Stricken von den Mauren von Ägypten aus über Nordafrika nach Spanien gebracht wurde, aber nordafrikanische Stricktraditionen? Das ist dann ein schwarzer Fleck in der Strick-Historie.

Irene Waggener:
Keepers of the Sheep:
Knitting in Morocco’s High Atlas and Beyond

Keepers of the Sheep

Wo man es bestellen kann?
Auf der Webseite der Autorin findet man Links zu Anbietern.

 

 

Titouan Lamazou und Karin Huet:
Onze lunes au Maroc:
Chez les Berbères du Haut-Atlas

Titouan Lamazou +Karin Huet: Onze Lunes au Maroc

Edition Galimard, Galimard Loisirs
ISBN-10: 2742431071.

 

 

Mediaval Muslim Stocking
von Lilinah biti-Anat

Lilinah biti-Anat: Medieval Muslim Stocking

Einige Links:

Irene Waggener geht zurück in der Geschichte, von der Gegenwart über die französische Kolonialzeit und noch weite. Sie bemerkt die Ähnlichkeit eines vierfarbigen, geometrisch gemusterten Strickstücks mit türkischen und iranischen Mustern und das kommt nicht von ungefähr, war doch Nordafrika lange Bestandteil des osmanischen Großreiches und Techniken, Farben und Muster wandern ja bekanntlich von einem Kulturraum zum nächsten.
Nebenbei bringt sie sich auch noch das Intasia-Stricken in der Runde bei, denn ein Photo von Prosper Ricard aus dem Jahr 1952, im Bestand des Pariser Musée du Quay Branly ä Jacques Chirac, bringt sie auf die richtige Spur:
Das Bild aus der Museums-Sammlung zeigt einen strickenden Mann, und wie die vielen kleinen Knäuel zeigen, strickt dieser Mann "Intarsia in der Runde!".
(Das Bild kann ich des Copyrights wegen hier nicht zeigen.)

Die Autorin berichtet ferner, wie sie in einem kleinen Museum eine gestrickte, gestreifte Hose sah und wie sie die ungewöhnliche Art, den nicht gebrauchten Faden beim Streifenwechsel weiterzutransportieren, studierte.
Viele Hinweise für ihre Forschung konnte sie dem Buch "Onze lunes au Maroc: Chez les Berbères du Haut-Atlas" (11 Monate in Marokko: bei den Berbern im Hohen Atlas) von Titouan Lamazou und Karin Huet entnehmen.

Jenes Buch ist zum Einen ein gezeichneter Reisebericht über den Aufenthalt in zwei Tälern des Hohen Atlas und zum Anderen eine Dokumentation der Baustile und Bauformen, vor allem der wunderschönen bemalten Innendecken.
Mit zahlreichen Skizzen hält es den Alltag in den Kasbahs fest und ab und an tauchen auch einige gestrickte Objekte auf den Zeichnungen auf, ohne daß die Autoren besonders darauf geachtet hätten, ihre Schwerpunkte lagen anders.

Tja. Jetzt habe ich beide Bücher im Regal stehen, Und habe wieder ein wenig Neuland gefunden. Nun zum Abschluß dieses Beitrags die Zeichnung eines Mannes mit einer Schneeschaufel, in der gestrickten, gestrickten Hose!

Titouan Lamazou und Karin Huet, 11 lunes au Maroc

© Titouan Lamazou und Karin Huet, 11 lunes au Maroc

Die Männer trugen diese Hosen im Winter, so zum Beispiel  auf der Jagd, wenn sie stundenlang dem Mufflon auflauerten.

Im Buch von Irene Waggener ist nicht nur die Strickanleitung zu finden, man lernt auch wie man die Bänder, die "Hosenträger", herstellt.

Ich selbst werde diese Hose wohl nie stricken, aber vielleicht eine Mütze oder die wunderschönen Legwarmer aus dem Buch?

Gefunden und gelesen

Keeper of the Sheep

Keepers of the Sheep

Ich habe im Osterbeitrag auf das interessante Buch "Keepers of the Sheep - Knitting in Morocco's High Atlas and Beyond" von Irene Waggerer hingewiesen. Und ich habe es mir auch gleich bestellt.

Das Buch kann auf der Webseite der Autorin, https://106metersfromtheroad.com/, bestellt. werden, von dort wird man dann zu Etsy.com umgeleitet und das Buch wird aus den USA geliefert. (Man kann auch gleich bei Etsy bestellen, dann versäumt man aber den interessanten Inhalt der Webseite.
Wie mir Irene Waggerer aber jetzt mitteilte, gibt es inzwischen auch die Möglichkeit, in Europa zu bestellen, Und zwar in Portugal und in Großbritannien. Also der Reihe nach:

Folk Galore - Handschuhe und Pastalas

Auch wenn ich mit klassischer Musik aufgewachsen bin und dem Jazz, der improvisierten und der Neuen komponierten Musik sehr verbunden bin, sind diese Kategorien keine Scheuklappen. Gerade auf meinen Reisen in Russland und im Baltikum habe ich gelernt, daß Volksmusik mehr ist als Blasmusik oder "Seven Drunken Nights", daß solche Musik unglaubliche Stile, Techniken und Klangfarben bieten kann; der Chor-Gesang des Pokrovski-Ensembles, das in Russland zu Ende der Sowjetzzeit intensive Feldforschung betrieben hat und so die wirkliche russische Musik am Leben erhalten hat, die Oberton-Gesänge aus Tuva und der Mongolei, Dainas aus Lettland und Frauenchöre aus der Region Setomaa in Estland - to name a few.
Folk GaloreUnd neben diesen traditionellen Musiken gibt es auch die Musik der frechen, fröhlichen, impusiven Ensembles wie Auli aus Lettland oder Отава Ё aus Russland - einige ihrer Video-Clips habe ich hier ja schon öfter mit Freude eingebunden.
Auf der Spur dieser Bands bin ich auf die deutschsprachige Zeitschrift "Folk Galore" gestoßen, die von Christian Pfliefke herausgegeben, dreimal jährlich im CPL Notes Verlag erscheint und einen Schwerpunkt auf ost- und nord-europäische Musik legt Ichhabe mir ein Päckchen mit den ersten 3 Heften und einer CD bestellt und bin dabei auf einen Artikel gestoßen, der mich überraschte und erfreut:

Darin fand sich ein Beitrag "Fingerkunst aus Wolle" über "Lettlands historische Handschuhe" und Sena Klets und Hobbywool werden vorgestellt, der Farben- und Musterreichtum und die Bedeutung der Handschuhe beleuchtet; auf eine klare und sachkundige Weise, ohne Oma-Klischee und sonstigem Nervkram. Maruta Grasmanes "Handschuhe aus Lettland", wir kennen es, wird darin als das vielleicht beeindruckendste Buch über lettische Handschuhe bezeichnet und dem möchte ich wirklich nicht widersprechen!
Der CPL-Musikshop bietet aber nicht nur Musik, sondern auch Pastalas, die traditionellen lettischen / baltischen Lederschuhe, in den verschiedensten Größen und Farben an. Und wo Pastalas zu haben sind, da paßt das Buch "Handschuhe aus Lettland" doch auch ins Portfolio. Vielleicht klappt es ja!

Bleiben Sie gesund! Lassen Sie sich impfen!

Zum Schluß noch eine Bitte: Lassen Sie sich impfen! Ich hatte die Möglichkeit und das Glück, am Montag im Greifswalder Impfzentrum die erste Dosis Biontech zu erhalten. Das erfüllt mich mit Freude und auch Dankbarkeit.
Es ist so ein kleiner Pieks und es kann soviel bewirken. Immunisierung ist unsere einzige Chance die Pandemie zu besiegen,
Und deshalb bitte ich Sie: Wenn Sie die Möglichkeit haben, lassen Sie sich impfen!
Bleiben Sie gesund!

VorÖsterliches

Ich habe diesen Beitrag zwar "VorÖsterliches" betitelt, aber der Schwerpunkt liegt nicht auf Ostern. Mir ist wirklich nicht österlich zumute und wenn nicht der Ostersonntag mit dem Geburtstag meines lieben Mannes Heinz zusammenfiele, würde ich so gar nicht feiern wollen. So feiern wir zu zweit und freuen uns daß wir uns haben,  über 30 Jahre nun. Ein großes Glück.

Ein großes Unglück ist vor ein paar Tagen geschehen und das liegt mir auf der Seele. Wir glauben nur allzugerne daß Unglücke einfach so geschehen. Aber der Brand der Schweine-Quäl-Anlage in Alt-Tellin, 10 km von Gribow entfernt, geschah nicht einfach so. Er war absehbar und die Schuldigen kann man benennen. Alle, die es verursacht haben, die weggesehen haben oder immer noch ihre Mitschuld leugnen.

60.000 Schweine sind verbrannt. Qualvoll, elend. Tiere empfinden Todesangst und Qualen,sie sind keine Ware. Aber jetzt sind sie Sondermüll, denn ihre Kadaver brannten in den Kunststoffboden der Ställe.

Ich versuche das so nüchtern so schreiben, aber ich kämpfe immer wieder mit den Tränen. Auch Tränen der Wut. Denn seit es die Anlage gibt war bekannt, daß es dort keinerlei Brandschutz gibt, dass immer wieder neue Ställe gebaut wurden, ohne Baugenehmigung, Kontrolle etc. Investoren haben sich bereichert, die Verwaltung hat geschlafen / weggeschaut / ignoriert..., die Politik hat wie immer keine Schuld.
Und niemand dieser Herrschaften zeigt auch nur ein Zeichen von Empathie. Sie zeigen immer nur mit dem Zeigefinger auf andere, die sollen schuld sein. Schuld sind alle, die bei diesem Schweine-System mitmachen.

Die LINKE hat für diese Katastrophe eine treffende und hoffnungsvolle Bezeichnung gefunden: das Fukushima der Mega-Ställe. Das möchte ich auch hoffen. Ob ein Umdenken möglich ist?
Die deutsche Landwirtschaftsministerin, die unsägliche Frau Klöckner, hat gerade wiedereinmal die Genehmigung für die enge Tierhaltung verlängert - sie sollte einmal so vegetieren müssen!
Der furchtbare Tod der Tiere ist ein MENETEKEL

Ich hatte mich wieder einmal verführen lassen, an einem MKAL, Mystery Knit Along bei Ravelry teilzunehmen, Denn ich schätze die Anleitungen von General Hogbuffer sehr. Also habe ich die Pescatarian-Socken auf die Nadeln geladen. Und das war diesmal wirklich kein erquickliches Stricken. Die Anleitung enthielt, zumindest für mich, einige Unklarheiten und mit dem asymetrischen Muster-Verlauf kann ich mich auch nicht so recht anfreunden. Ich empfand das Stricken als sehr sehr anstrengend, obwohl ich ja wirklich schon recht komplexe Teile gestrickt habe, und das hat mir auch die Lust an meinem eigentlich Projekt weiterzustricken für eine Zeit genommen. Ich musste nach diesem "Strick de force" erstmal noch ein paar Socken stricken, die allereinfachsten die mir so in den Sinn kamen und die Decathlon-Socken haben mich wieder in die Spur gebracht.

Was lerne ich daraus? Nie mehr an einem MKAL teilzunehmen, oder höchstens das Muster "abzugreifen" und bis zur Veröffentlichung der kompletten Anleitung zu warten und erst dann zu entscheiden, ob ich das wirklich stricken möchte. Mal sehen, wie lange dieser Vorsatz hält...

Keepers of the Sheep
Irene Waggener: Keepers of the Sheep

Dann gibt es aber auch noch ein paar Netzfunde, die ich unbedingt zeigen möchte.

Da ist erstmal das herrliche Buch "Keepers of the Sheep - Knitting in Morocco's High Atlas and Beyond" von Irene Waggerer. Meine Freundin Betta hatte dieses Buch bei Ravelry favorisiert und schon der Titel weckte meine Neugier. Ich kenne den Hohen Atlas, in den 70er Jahren war ich in Marokko und Algerien unterwegs, habe aber leider keine strickenden Schäfer kennengelernt.
Ich habe mir trotz des hohen Portos das Buch bestellt, und freue mich auf die Artikel darin und auch auf die Anleitungen. Sogar warme und schön gemusterte Legwarmer sind dabei! Und auch die Socken, die nach dem Ort Tlemcen in Algerien benannt sind, wo ich einige Male war...
Das Buch erschien im Selbstverlag und kann bei Etsy bestellt werden. Die Webseite der Autorin Irene Waggerer ist absolut lesenswert!

Und dann bin ich auf das Buch "Parimus Luksus - Luxury in Tradition" der estnischen Designerin Heli Väärtnõu-Järv, die auf der Insel Saaremaa lebt, aufmerksam geworden. Ich habe mit ihr Kontakt aufgenommen und sie hat mir das Buch geschickt. Das werde ich demnächst noch genauer vorstellen, denn sie trifft mit ihren Kreationen haargenau ins Schwarze: lässige, tragbare Mode mit Details. die sie von den traditionellen estnischen Mustern übernommen hat.
Ein Halsbündchen wird wie der Bund eines Kihnu-Pullovers gestrickt, auf der Schulternaht sitzt ein bunter Musterstreifen, oder ein Muster von Handschuhen aus Mustjala auf der Insel Saaremaa bildet den unteren Teil einer Jacke.

Das Buch ist leider nicht auf ihrer Webseite zu finden, aber die Abbildungen im Buch sind auch auf der Webseite zu finden, Beim Durchblättern ihres Portfolios juckt es mich immer mehr in den Fingern, ich möchte am liebsten sofort auch solch eine Jacke stricken, oder oder oder ... Und dazu findet man im Buch viele Ratschläge, aber keine fertigen Anleitungen. Die braucht es auch nicht, denn die Phantasie ist geweckt, der Stachel gelöckt.. Schauen Sie sich's an! Ich bin mir sicher Sie werden genauso begeistert sein.

Das ist genau das, was unseren Modedesignern (meiner Meinung nach) fehlt: sie können einfach keine zeitgemäße Modelle mit traditionellen Elementen kombinieren - wenn ich da nur an das unselige Küstendirndl für "MeckPomm" denke :=)

Heli Väärtnõu-Järv: Buchtitel
Heli Väärtnõu-Järv: Jackendetail
Heli Väärtnõu-Järv: Jacke - Parimusluksus

Wunderschön!  Mir haben es die Jacken angetan!

Unten auf der der Webseite der Designerin Heli Väärtnõu-Järv: http://parimusluksus.ee/ finden Sie die Kontaktdaten.

Netzfunde aus Lettland und Estland und tolle Musik aus Russland

Ja, Kontakte fehlen mir zur Zeit sehr. Immer nur zu zweit zuhause sein, das klappt zwar gut, aber die Freunde fehlen, die Gesellschaft, Gespräche und das Lachen. Die Telefongespräche mit Freundinnen und Freunden werden immer länger und vielleicht mal wieder ein Videotreffen - aber was ist das gegen Pfannkuchen-Essen mit Freunden?

Zum Glück gibt es immer wieder Lichtblicke. Ein Link in einer lettischsprachigen Facebook-Gruppe und ich finde einen Schatz.

Vor einer Woche schrieb ich hier auf der Wockensolle, daß ich jetzt glücklich alle drei Bände der Reihe "LATVIEŠU TAUTAS TĒRPI" besitze, und jetzt hat das Lettische Historische Nationalmuseum diese drei Bände sogar online gestellt, samt Schnittmusterbögen! Zum freien Download, eine große Freude.

Der Download lohnt sich wirklich, die Texte sind in lettischer, russischer und englischer Sprache, und die vorgestellten Objekte sind mit Inventarnummern eingebunden.

Suiti Informationen

Die Suiti, diese kleine kulturelle Gemeinschaft in Lettland, brauche ich hier auf der Wockensolle eigentlich gar nicht mehr vorzustellen.
Schon allein die farbenfrohen Strümpfe  haben es mir angetan. Ein Buch dazu habe ich hier ja schon vorgestellt, es gab sogar einmal einen Wettbewerb hier auf der Wockensolle, und jetzt  stolperte ich über den Aufruf zur Teilnahme an einem Wettberwerb des Suiti Kulturzentrums teilzunehmen und ein Paar Strümpfe zu stricken.

Und auf der Suiti-Webseite, die auch auf englisch zu lesen ist, finden sich Downloads, PDFs: Reiseführer, Einführung in die Kultur der Suiti, UNESCO-Informationen über immaterielles Kulturerbe in Lettland und Estland und noch viel mehr.

Einige der Broschüren sind im Rahmen eines EU-Interreg-Projekts entstanden, und stellen die Kulturen der Suiti, der Livonen und von Kihnu und Setomaa in Estland vor. "Jede Ecke hat ihre Besonderheiten...:" SIe sind in lettischer oder estnischer Sprache, der Text ist sicherlich deshalb  nicht allen von uns zugänglich, aber die Bilder zeigen viel!

Suiti Strumpfwettbewerb
Festtage

PDF KATRAM NOSTŪRIM SAVI PARADUMI - Every Corner has his habits
Die Kulturen von Suiti, Livland, Kihnu und Setomaa aus Lettland und Estland

Postkarte

Noch mehr Informationen sind auf der Seite Celotajs.lv zu finden, einer Seite die Öko-Tourismus und ländliche Entwicklung in den Ländern Litauen, Lettland und Estland propagiert.

Reiseführer, Landkarten, thematische Broschüren, Rezeptsammlungen - eine Fundgrube, und das meiste dann auch auf englisch oder deutsch.

Отава Ё - Тимоня | Viel Freude damit!

Dieses Video hebt die Lebensfreude! Eine Band aus St. Petersburg, die mit viel Witz moderne Folk-Musik spielt und inszeniert. Augen und Ohren auf!

Mal dies, mal das

Nicht wundern, wenn vielleicht schon in der nächsten Woche die Wockensolle in einem neuen, luftigeren Design erscheint. Ich tüftele mich nun schon seit Wochen durch das Gestrüpp der Formatierungsmöglichkeiten, die für die Seitenvorlage DIVI zur Verfügung stehen, aber grottenschlecht dokumentiert sind. Und sich gegenseitig überlagern, deaktivieren oder modifizieren. Ja, es ist ein Kreuz .. aber ich werde es meistern.

Ich habe hier auf der Seite in der letzten Zeit zwar nicht viel geschrieben, aber Stillstand war nicht. Viele Themen gingen mir durch den Kopf, manches habe ich versucht und ausprobiert.

2014 erschien in Riga ein Buch über die gefütterten, doppeltgestrickten Handschuhe Double Mittens of Folk Art - Rasmas āboltiņas dubultcimdi von Rasma Aboltina, herausgegeben vom Nationalen Kulturzentrum Lettlands. Und bei meinem Aufenthalt in Liepaja anläßtlich des ersten "Let's Knit in Kurzeme"-Treffens wurde diese Technik auch demonstriert. Ich habe mich damals darüber gewundert und konnte mir gar nicht vorstellen, daß ich das jemals versuchen werden.
Nun wurde das Buch aber als PDF-Datei zum freien Download bereitgestellt und im Forum "Knit Like a Latvian" bei Ravelry startete Mary Germain dann einen KAL, einen KnitALong, der noch bis zum 15. März geht.

Es ist schon erstaunlich, welche Effekte mit dieser Technik erzielt werden können. Die Beispiele in dem Buch zeigen Handschuhe, deren Vorderseite gemustert und die Rückseite einfarbig ist, dann gibt es Handschuhe bei denen beide Seiten positiv / negativ sind, und sogar ein Paar, bei der eine Seite im Lace-Muster gestrickt wurde. Ich habe mich mitreißen lassen und bin meiner Neugier gefolgt. Aber ich muss sagen, ich bin auch gescheitert.
Es ist zwar faszinierend, zwei Strickstücke gleichzeitig auf den Nadeln zu haben und immer abwechselnd eine Masche der Vorderseite und eine der Rückseite zu arbeiten, aber es gelingt mir nicht so recht. Ich habe ein Problem mit der Spannung. Solche Strickstücke werden immer lockerer als einlagig gestrickte, man braucht weniger Maschen, und das Ergebnis faßt sich wunderbar an. Aber ich schaffte es einfach nicht, so gleichmäßig zu stricken daß nicht die Rückseite auf der Vorderseite durchscheint.

Dabei habe ich mich ganz langsam an die Technik herangetastet. Erstmal zwei "unverbundene" Lagen gestrickt (Vorderseite weiß und Rückseite schwarz), dann aber auch mit zwei Farben. Bei mir wird das nichts. Und mein letzter Versuch ging ganz in die Grütze: beide Bündchen eines Pulswärmers waren nur mit einer Lage gestrickt und dann umgeklappt, das Mittelstück mit einem zweifarbigen Muster. Das Ergebnis: beide Bündchen sind einfach zu eng.
Und so habe ich beschlossen, daß ich jetzt gelernt habe, wie es geht, aber nicht wie ich es machen sollte - und deshalb lasse ich das auch in Zukunft.

wie immer: für eine größere Darstellung auf ein Bild klicken!

Ein Tipp

Während ich mich mit dem Doppelgestrick abplagte, stieß ich auf ein Angebot, dem ich nicht widerstehen konnte. Das Info-Portal Craftsy kennen Sie sicherlich, eine Webseite mit vielen vielen Workshops zu den verschiedensten Themenbereichen, Stricken, Weben, Kochen und und und. In letzter Zeit gab es einige Unruhe, da das Portal verkauft wurde und unter dem Blueprint weiterbestehen sollte. Das hat aber nicht so geklappt und deshalb wurde es zurückbenannt in Craftsy. Um die verärgerte Mitgliedschaft und das verlorene Vertrauen wiederzugewinnen, gibt es zur Zeit recht verlockende Abonnements-Angebot.
Der Hammer ist sicherlich ein 1-Jahres-Abonnement zum Preis von 2,49$ für das ganze Jahr! Dieses Abo-Modell bietet zwar nicht allen Komfort (keine Historie etc.), aber man kann die Video-Kurse online schauen und das Unterrichtsmaterial herunterladen. Möchte man die Kurse "behalten", kann man sie auch kaufen. Dafür gibt es auch immer wieder günstige Coupons.
Mein Tipp: in einer Suchmaschine einfach mal "Craftsy Coupon" eingeben und dann ausprobieren, ob die aufgelisteten Links noch gültig sind. Es braucht eine Kreditkarte dafür.  Beim zweiten Versuch hat es bei mir geklappt, und ich habe nun schon einige Kurse zum Thema "Doubleknitting" von Lucy Neatby (Einführung in die Thematik fängt wirklich ganz unten an) und Alistair Post-Quinn, dem Double-Knit-Guru (so wird er genannt), angeschaut. Es ist verführerisch...
Da das Abonnement aber ab dem 2. Jahr wieder zum regulären Preis berechnet wird (zur Zeit 80,00$), habe ich mir das Ablaufdatum 2022  im Kalender notiert und entscheide dann.

Lettische Trachten - alle 3 Bände

Ich habe es geschafft, ich bin jetzt vollständig!
Zu Weihnachten bekam ich den lange gesuchten und ersehnten Band mit den Trachten der Region Kurzeme aus der Reihe "LATVIEŠU TAUTAS TĒRPI" geschenkt. Den Band "Vidzeme" hatte ich schon einmal aus Riga mitgebracht, nun fehlte mir nur noch der dritte Band der Trilogie mit den Trachten aus Zemgale und Latgale. Auch dieser Band war schon lange vergriffen. Linda Rubena vom Lettischen Nationalen Kulturinstitut hat dieses Buch für mich aufgetrieben. Jetzt ist der Schatz komplett und ich kann weiter nach schönen Strümpfen stöbern!

LATVIEŠU TAUTAS TĒRPI - Vidzeme

LATVIEŠU TAUTAS TĒRPI - Kurzeme

LATVIEŠU TAUTAS TĒRPI - Zemgale, Latgale

Und sonst noch?

Wenn ich demnächst wirklich das neue Layout für die Webseite fertig habe, setze ich mich wirklich an das Aufschreiben der in der letzten Zeit erarbeiteten Anleitungen für die Strümpfe aus dem Schönberger Museum, die Socken, Pulswärmer und den Cowl mit dem Muster aus der Gützkower Kirche und dann befasse ich mich weiter mit der hessischen Zipfelmütze, die ich rekonstruiere - ich habe wohl nun ein Rätsel gelöst und kann das endlich alles nachstricken und aufschreiben.

Es ist immer genug zu tun zu lernen zu stricken zu freuen - trotz aller schlimmen Dinge da in der Welt.