Freude und Trauer an einem Tag

Es liegt alles so Nahe beeinander in diesen Zeiten. Am Samstag trafen wir uns mit Freundinnen zu einem guten Abendessen und ich bekam unerwartet ein wunderbares Geschenk: Mechthild hatte einen großformatigen Muster-Atlas gefunden.

Auf einem kleinen Geburtstagsfest danach erfuhr ich daß eine liebe Freundin gestorben ist.
Wir leben in schlimmen Zeiten. Menschen leigen im Krankenhaus und dürfen nicht besucht werden, wir erhielten keine Auskunft, bekamen keinen Kontakt und nun ist sie ohne Abschied nehmen zu können gegangen.

Gestern nun hätte das diesjährige CraftCamp in Viljandi begonnen. Das ist aufgeschoben, wir hoffen alle auf nächstes Jahr.

Albanische Volksmotive bei Textilien und Strickwaren
Albanische Volksmotive auf Textilien und Strickwaren
albanische Ausgabe
Tirana, 1959

Ab und an tauchen unerwartete Bücher auf. So fand ich ja einmal in einer Bücher-Krabbelkiste einen Ozeanografischen Atlas des Indischen Ozeans im Riesenformat, und jetzt schenkte mir meine Freundin Mechthild den Band АЛБАНСКЕ НАРОДНЫЕ МОТИВЫ ТЕКСТИЛЯ И ТРИКОТАЖА (Albanische Volksmotive der Textilien und Strickwaren).
Auch dieses Buch war, wie mein Ozean-Atlas, ein Gastgeschenk anläßlich einer sozialistischen Freundschaftsreise gewesen und sie hatte es für mich ergattert, bevor es zum Altpapier kam.

АЛБАНСКЕ НАРОДНЫЕ МОТИВЫ ТЕКСТИЛЯ И ТРИКОТАЖА

АЛБАНСКЕ НАРОДНЫЕ МОТИВЫ ТЕКСТИЛЯ И ТРИКОТАЖА
russisch-sprachige Ausgabe, Tirana, 1959

Dieses Buch wurde 1959 in der albanischen Hauptstadt Tirana von der Ethnographischen Abteilung des Historisch-Philologischen Instituts  der Staatlichen Universität Tirana herausgegeben. Die Illustrationen stammen von Mustafa Ikbal. Und "meine" Ausgabe ist komplett in russischer Sprache gehalten. Eine Websuche brachte einen kleinen Artikel über dieses Buch in dem schon lange nicht mehr aktualisierten Blog WorkEven zutage und eine Bildersuche lieferte auch den Umschlag der englischen Ausgabe aus dem gleichen Jahr. Das Werk ist also wohl dreisprachig herausgegeben worden.
Besonders schön ist die Gestaltung des Inhaltes, 158 Grafiken auf 50 Tafeln, die mit einem Kordelband zusammengehalten werden.

Ein Vorwort und kurze Vorstellungen der einzelnen Textiltechniken (Weben, Stricken...), dann folgen die Tafeln mit den Musterzeichnungen; das Werk enthält nur Zeichnungen, keine Fotografien.

Die meisten Abbildungen zeigen Web- und Stickmuster, 30 Grafiken zeigen Strickmuster und dann gibt es noch "Schnurmuster", Muster bei denen Schnüre auf der Stoffunterlage aufgebracht werden.
Dieses Buch ist eine Wundertüte und ich werde die Muster sicher noch ausgiebig studieren.

Ein kurzer Blick auf die Strickmuster zeigt, daß mehrfarbig gestrickt wird, oft mit drei Farben in einer Runde. Einige wenige Muster scheinen mit der Intarsientechnik gearbeitet zu sein, z. B. das Muster Nr. 124.
Bis auf ein Flächenmuster (Nr. 143) handelt es sich um Bördüren. und Bandmuster. 

 

für eine größere Ansicht: aufs Bild klicken!

Und schon wieder habe ich ein Thema für den nächsten Muster-Sampler...

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PS: Wer jetzt neugierig ist auf dieses Buch: bei ebay.de gibt es gerade ein Exemplar der albanischen Ausgabe zu ersteigern, zu einem stolzen Preis.

wie kommt’s?

Ich habe ein Faible für Mustersampler und habe schon so manche Muster-Streifen gestrickt. Vormsi Travelling Stitches oder die Kopie eines estnischen Mustersamplers aus dem Nationalmuseum, ich habe Spaß daran.
Eine gute Möglichkeit, Muster oder Farbkombinationen auszuprobieren oder zu lernen. Ich vertiefe mich dann immer in die Charts, zähle die Maschen, zeichne die Charts oft auch selbst noch einmal um einem Repeat auf die Schliche zu kommen.

Zur Zeit mag ich die Muster aus dem russischen Nordwesten, der Region Arkhangelsk am Weißen Meer und der Autonomen Komi Republik, sehr. Einige habe ich ja beim Nordic Knitting Symposium lernen können und einige Muster finden sich auch in diversen Strickbüchern. Ich stromere durch die Seiten verschiedener Handarbeitsklubs im russischen VKontakte, dem russischen Gegenpol zu Facebook, oder durch die Veröffentlichungen verschiedener Ethnographie-Museen.

Inzwischen habe ich verschiedene sogenannte "Siebener Muster" aus der Region Arkhangelsk und dem Ort Leshukonsk gestrickt. Sie heißen so weil sie fast immer 7 Reihen hoch sind; die Maschenzahl ist durch 6 teilbar und immer wieder kommen Runden mit immer 3 Maschen pro Farbe im Wechsel.

Langer Streifen

Und so sitze ich jetzt schon eine Weile und zeichne mir Strickschriften auf und stricke, probiere die Muster. Und passe anscheinend manchmal nicht wirklich auf. Sonst käme so etwas doch wohl nicht von den Nadeln?

Ich habe 60 Maschen auf den Nadeln und das Muster nimmt 30 Maschen ein. Also stricke ich 2x das Gleiche, es kommt aber was Unterschiedliches raus. Woran liegt es? Hat sich das Muster verselbstständigt?

Ich wundere mich.

Mit der Maus auf's Bild zeigen... dann sieht man auch die Rückseite

Vorderseite

Rückseite

Bekannte Gesichter

Die lettische Zeitschrift "Praktiskie Rokdarbi" ist ein sehr spezielles Magazin. Es geht um Handarbeiten, um Stricken, Häkeln, Rüschen, Nähen. Trachten, Perlen, Kleister... die bunteste Anleitungsmischung die mir je unter die FInger gekommen ist.
Viele Anleitungen darin haben noch ein wenig sowjetischen Chic und manche Dinge sind einfach nur unvorstellbar kitschig.
Dazwischen dann finden sich Berichte über Traditionen, Trachten, es gibt Porträts von engagierten Handarbeitsmeisterinnen und kurze Berichte über Veranstaltungen. Ab und an werden auch Nähmaschinen verlost.
Ich habe diese Zetschrft digital abonniert, kann zwar immer noch kein Lettisch aber sehr oft bekomme ich doch heraus worum es in dem Artikel geht. Und Musterzeichnungen oder Schritt-für-Schritt-Foto-Anleitungen sind ja meistens recht verständlich.

Heute nun sehe ich bei Facebook die Ankündigung des neuesten Heftes (herunterladen kann ich noch nicht, der Server dort streikt gerade), und freue mich. Auf dem Titelbild ein Porträt von Ziedite Muse, der guten Seele von SENA KLETS in Riga, eine ausgewiesene Trachtenexpertin und Organisatorin. Und dann stehen auf dem Titelbild noch 2 weitere bekannte Namen: Ilze Komane und Jette Uzane. Jette Uzane war eine legendäre Handschuhstrickerin und ihre Anleitungen werden immer noch umgesetzt, bei SENA KLETS ist ihr Tagebuch erschienen.

Ilze Kopmane habe ich im letzten Jahr bei der Eröffnung ihrer Handschuh-Ausstellung kennengelernt und ihre Künste bewundert. Es gibt hier auch einen Artikel über dieses Ereignis.Nun bin ich gespannt auf den Artikel im neuen Heft, wenn der Server wieder in die Hufe gekommen ist.
Die letzte Ausgabe von "Praktiskie Rokdarbi" trug das Porträt von Dagne Kupce aus Cesis, der Leiterin des Weberstudios, auf dem Titelbild. Darüber habe ich hier auf der Wockensolle auch schon berichtet.

Wenn wir schon nicht reisen sollen/können /dürfen im Moment, ein Wiedersehen auf diese Art ist auch schön!

Eine vertraute Stimme aus Haapsalu

Ich höre sehr gerne und oft Radio und manchmal denke ich ich sollte einfach einen Knopf drücken können und eine Sendung aufnehmen. Das muss ich aber gar nicht, denn viele Sendungen sind auch online in der ARD Audiothek gespeichert und recht lange nachhörbar. Die Sendungen dort können jederzeit abgerufen oder heruntergeladen werden. Je nach Gerät einfach so als Download auf den PC oder mit einer App, naja wenn man nicht gerade ein Microphone-Handy nutzt.
Die einzelnen Sendungen kann man in der APP auch abonnieren und versäumt so keinen Beitrag und kein Kapitel eines Hörbuchs oder einer Lesung. Beim Stöbern konnte ich gar nicht genug Beiträge auf die Merkliste setzen, jetzt muss ich nur noch alle hören...

ARD Audiothek Logo

Jeder der mich kennt, kann erraten welche Suchbegriffe ich da so eingegeben habe, natürlich "Lettland, Estland, Stricken, Wolle, Tristan da Cunha" und noch ein paar. Und habe dann auf Gut Glück den Beitrag  Tradition und Heimat - Notizen aus Estland ausgewählt. In dem Bericht des Bayerischen Rundfunks geht es um Stadtführungen per Rad durch das Talliner In-Viertel Kalamaja (sehr vertraut...), um die wunderbaren estnischen Schaukeln, auch darüber habe ich hier schon geschrieben, und dann zu meiner Freude ab Minute 8:20 auch ums Stricken!

Die junge Reporterin besucht das Spitzenzentrum in Haapsalu, das Pitsi Keskus, und zwar zusammen mit Embi, einer Deutschlehrerin aus Haapsalu. Embi kenne ich gut, bei meinen Besuchen dort habe ich sie und Anne Rekaro ja öfter getroffen und auch beim Mardilaat in Tallin liefen wir uns über den Weg. Und nun höre ich sie im Radio. Ich freue mich daß ich den Beitrag in der Audiothek gefunden habe und habe ihn mir natürlich gleich gesichert. Den Ausschnitt über den Besuch im Pitsi Keskus können Sie hier auch hören. 

Treffen in Haapsalu

Unsere kleine Reisegruppe mit den Freundinnen aus Haapsalu im Sommer 2017, v.l,.n.r.:
Anne Rekaro aus Haapsalu, Sue aus England, Christiane aus Deutschland, Embi, ich  und Ewa aus Bahrain und Deutschland.

Und wenn ich ein bißchen lästern darf: Dieser Beitrag ist gut gelungen, mit einem kleinen Fehler (ich glaube nicht daß das Spitzenzentrum in einem alten Holzhaus untergebracht ist, es sah für mich immer sehr nach Beton aus..), hätte ein Mann diesen Beitrag erstellt, wäre das Stricken entweder gar nicht zum Thema geworden oder nur sehr oberflächlich vorgestellt worden. Kompliment!

Baltische Stunde und Wollensocke

Nein, ich habe mich nicht verschrieben: seit gestern abend gibt es die Domain wollensocke.de - denn der Redakteur und Sprecher der gestrigen "Baltischen Stunde" , Herr Caspari, hat bei seiner Moderation einen kleinen Versprecher eingebaut: er wies auch auf meine Domain hin, aber eben falsch: wollensocke.de statt wockensolle.de
Das ist kein großes Problem, ich habe diese Domain, die noch frei war, registriert und auf die wockensolle.de umgeleitet, jetzt braucht es nur noch ein wenig Zeit bis das in allen DomainNameServer verteilt ist - aber dann ist gut.
Denn die Sendungen der Baltischen Stunde bleiben  ja eine Weile weiterhin online auf der Webseite www.baltische-stunde.de und da soll der Link nicht in die Leere gehen.

Rechts im Player können Sie einen Ausschnitt aus der Sendung mithören. Die ganze Sendung ist online auf der Webseite der Baltischen Stunde. Zwei Stunden: die erste Stunde und die zweite Stunde der Sendung.

Baltische Stunde vom 18.02.2020

von Baltische Stunde - Albert Caspari

Und wie war es? Die Handschuh-Aktion anläßlich des NATO-Gipfeltreffens leitet die Besprechung der zwei Bücher, "Handschuhe aus Lettland" und "Lettisches Stricken" ein,und Caspari geht  auf die Schwerpunkte der beiden Werke ein, hier die ethnographischen Handschuhe und dort die von lettischen Mustern inspirierten aktuellen Modelle. Angesprochen wird auch die ungeklärte Vertriebssituation für Deutschland, denn bei amazon.de ist das Buch ja zur Zeit nicht zu haben. Aktuelle Bezugsquellen habe ich in einem Info-Beitrag ja schon einmal zusammengestellt.

Ich freue mich über diese Würdigung! Und da ich über einen kleinen Vorrat des Buches verfüge, kann ich ein kleines Sonderangebot machen solange der Vorrat reicht.
Einige wenige leicht bestoßene Exemplare zum Preis von 30,00€ inkl. Versand innerhalb Deutschlands und einige mängelfreie Exemplare zum Preis von 35,00€ inkl. Versand innerhalb Deutschlands.

Ihre Anfrage gilt als Reservierung, solange noch Exemplar vorhanden sind.
Schreiben Sie mir eine Nachricht, dafür gibt es ja das Kontaktformular.
Ich werde Ihnen antworten und falls noch ein Exemplar verfügbar ist, Ihnen die Zahlungsmodalitäten (PayPal Friends) nennen.

ja, und die Wockensolle.de ist nun auch über "wollensocke.de" erreichbar und wenn alles flutscht, auch über "www.wollensocke.de"

“Handschuhe aus Lettland” im Radio!

Maruta Grasmane: Handschuhe aus Lettland

Ozolina: Lettisch stricken Am 18. Februar von 19:00 Uhr bis 21:00 Uhr sendet www.radioweser.tv  die "Baltische Stunde".
Dieses Mal geht es um das Komponistenporträt Arvo Pärt, bei den Buchvorstellungen allerdings wird es lettisch:

Maruta Grasmane's Buch Handschuhe aus Lettland und Lettisch Stricken von Ieva Ozolina / Hobbywool.

Die Sendung wird am 29. Februar 2020, 16.00 - 18.00 Uhr wiederholt und kann dann auch auf der Webseite der "Baltischen Stunde" nachgehört werden.