nein, nicht Sommer Sonne Kaktus sondern Sommer Sonne Handschuhstricken!

Endlich ist der langeersehnte dritte Band der Reihe "Eesti silmuskudumine / Estonian Knitting" erschienen! Der dritte Band "Labakindad" bringt alles was es zum Thema "Estnische Handschuhe" zu wissen und zu bestaunen gibt,
Autorin ist die wundersame Kristi Jõeste - dieses Riesenprojekt konnte auch nur eine Expertin wie sie stemmen! Hier auf der Wockensolle ist Kristie keine Unbekannte, ich habe sie schon mehrfach vorgestellt und über ihre Workshops bei etlichen Craft Camps, an denen ich teilnahm, berichtet.

Der Verlag Saara Kirjastus feiert die Premiere mit einem besonderen Angebot  (Autogramm der Autorin Kristie Joeste + Einführungpreis) im Webshop, jetzt auch auf englisch. Ich habe mein Exemplar bestellt, es wird an Riina Tombergs Geschäft im Pikk22 in Tallinn geliefert.

Das Video zeigt eine wirklich entspannte und fröhliche Kristie beim Spazieren, Sonnenbaden und - Handschuh-Stricken! So ist das in Estland, Handschuhe sind immer dabei!

Die eingeblendeten Buchseiten lassen mir das (Strick-)Wasser im Munde zusammenlaufen, auch wenn ich nicht die geborene Handschuh-Strickerin bin (Socken, Strümpfe, Mützen eher schon...), umsomehr bewundere ich die Fertigkeiten!

Wie zu erwarten war, wurden sofort die Rufe nach der englischsprachigen Ausgabe laut. Ach Leute, akzeptiert doch mal wieviel Arbeit so ein Buch macht! Wir müssen uns schon gedulden. Im englischsprachigen Webshop wird es nun angekündigt, es dauert also noch ein Jahr.

Screenshot Handschuhbuch
Handschuhfragmente unbekannter Herkunft

Zur Inspiration zeigt eine Doppelseite im Buch Fragmente alter Handschuhe, die keinem Ort zugeordnet werden konnten.

In den vielen estnischen Museen finden sich ja immer wieder kleinste Strickstücke, oft in wirklich schlimmem Zustand, eben getragen, genutzt und geliebt.
Nun bin ich gespannt, ob es das Handschuh-Fragment des Barclay de Tolly, das mich im estnischen Nationalmuseum so fasziniert hat, auch in das Buch geschafft hat. Bald werde ich es wissen ...

Handschuh-Fragment Barclay de Tolly

Das Handschuhfragment aus dem Estnischen Nationalmuseum ERM

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Eesti Silmus Kudumine 3

Eesti silmuskudumine 3. Labakindad

36.80€  ISBN: 9789916955376

Author: Kristi Jõeste

In Estonian only, English version will follow in a year

Link zum Webshop: https://epood.saara.ee/en/pood/eesti-silmuskudumine-3-labakindad

Wir haben einen richtigen Standardsommer, so meine ich, heiße Tage wechseln sich ab mit grauen regnerischen Tagen, bei uns im Nordosten. Alles wächst oder ist schon reif. Die Starenscharen treiben sich in Kirschbaum-Nähe herum und wie jedes Jahr werden sie wohl die unseren Baum abernten ohne uns auch nur eine Kirsche übrig zu lassen. Das kennen wir schon, der Baum steht so ungünstig hinter dem Gartenhaus dass wir ihn sowieso nicht abernten können.
Es wird wohl reichlich Quitten und Pflaumen geben, und ich hoffe daß ich nach der Rückkehr von meiner Sommerreise rechtzeitig zur Ernte zurück bin.

Ja, die Reisepläne sind "unter Dach und Fach". Zuerst steckte ich den Zeitplan ab, dann die Verabredungen, dann die Unterkünfte, jetzt muss ich mir nur noch die Bus-Tickets für einige Zwischenstrecken organisieren.

Ich freue mich so sehr auf Lettland. Die Freundinnen und Freunde wieder zu treffen, durch Rigas Gassen streifen und Ausflüge unternehmen, Vielleicht nach Dundaga zur Pace Wollfabrik, vielleicht in die Region Piebalga zu einem lokalen Workshop, vielleicht nach Alsunga?

Ja, die Suiti-Strickerinnen mit ihren tollen Farben! Da läuft mir das Wasser im Mund zusammen!
Gerade gibt es eine tolle Ausstellung im Tourismus-Büro in Alsunga: Suitu novada zeķes / Socken aus dem Bezirk Suiti. Insgesamt 87 Strumpfpaare in den traditionellen Farben und Mustern!

So wie ja letztes Jahr die Ausstellung mit den Muhu-Strümpfen im Estnischen Nationalmuseum, zeigt diese Ausstellung auch das Ergebnis eines Wettbewerbs. Und leider endet die Ausstellung schon am 17. Juli, wir kommen zu spät. Ob es einen Katalog gibt? Das weiß ich nicht. Aber es gibt einen schönen Bericht des lettischen Fernsehens über die Eröffnung und dieser Film zeigt auch viele meiner Freundinnen und Bekannten: Linda Rubena, Lia Mona Gibiete...
Linda schlug mir vor, nächstes Jahr, wenn der Wettbewerb wieder stattfinden wird, auch teilzunehmen - na, ich weiß nicht, wenn dann aber außer Konkurrenz!
Ein Paar Suiti-Strümpfe  habe ich ja schon mal gestrickt.

Hier nun das Video. Bei Facebook gibt es mit den Suchbegriffen #ekcsuiti, #suituzeķes und #latvijasnacionālaiskultūrascentrs noch mehr zu sehen.

Und sonst noch?

Ich bin zauderlich und zögerlich, schiebe Ideen und Projekte vor mir her, stricke bunte leichte Socken so vor mich hin, überlege was ich realisieren möchte und traue mich noch nicht so raus aus dem Schneckenhaus.
Es heißt ja, daß manche Leute wenn sie unentschlossen sind, abseitige Dinge unternehmen um sich von ihren eigentlichen Vorhaben abzulenken (neudeutsch: prokrastinieren), und so habe ich ein wenig meine Wollvorräte umorganisiert.
Es sind ja inzwischen viele Regalbretter voller mottendichter Boxen zusammengekommen und den Überblick behalte ich nur mit Hilfe der großen Klebe-Etiketten, die mir mein Drucker liefert.
Trotzdem war es nicht so richtig sortiert... und was ergab sich? Allein die lettische Wolle (nur die lettische) verteilt sich nun auf:

  • ein 90l-Container
  • zwei 50l-Container
  • und etliche kleinere Boxen, ich schätze nochmal 30l zusammen

Das sind wohl mehr als 200 Liter lettische Wolle! Oje oje oje!

Ich hatte mich ja vor einiger Zeit zum Kauf von 1 Kilo feuerroter Wolle bei tines.lv hinreißen lassen, davon habe ich jetzt 450g für eine Strickjacke verarbeitet, die trocknet gerade auf dem Sweaterboard. Und tines.lv hat mir schon wieder einen Gutschein. 10% Nachlaß bei weiteren Käufen, geschickt. Oh führet mich nicht in Woll-Versuchung!

Meine Neffen brachten mir vor ein paar Wochen einen großen Sack Woll-Reste und einige Stricknadeln aus dem Nachlaß ihrer Großmutter vorbei. Das Garn ist inzwischen verteilt, in Ravelry fragte gerade eine Lehrerin nach Garn für ein Klassenprojekt, anscheinend werden gerade überall Korallenriffe gehäkelt! Da kamen die vielen kleinen Knäuel gerade recht.
Dann fanden sich noch einige Schnittmuster, lustige Constanze-Strickmoden aus den Jahren um 1968 (eine Fundgrube!) und Hefte voller Handarbeitsnotizen. Damit werde ich mich wohl im Winter beschäftigen.

noch was?

Einige meiner Termine lassen sich auch tatsächlich besser im Herbst realisieren, und den geplanten Workshop mit Riina Tomberg zum Thema "Textile Traditionen - finden, verstehen und wiederbeleben" werde ich mit ihr auf der Reise konzipieren.
Wenn ich meine mittlerweile geschriebenen Anleitungen endlich fertig formatiert habe, kann ich auch einige Anleitungen veröffentlichungen und neue Projekte avisieren.

Die wunderbaren Geschenke, die ich unverdientermaßen in der letzten Zeit so reichlich bekommen habe, werden das Thema für meinen nächsten Beitrag.

Anfang August findet die Veranstaltung "Let's knit in Latgale" statt - das ist die Hoffnung.
Die zweite Ausgabe der von Sena KLETS veranstalteten Strick-Workshops (nach dem erfolgreichen und schon mehrfach wiederholten "Let's knit in Kurzeme" war schon für letztes Jahr geplant und wurde dann aus den bekannten Gründen abgesagt und auf dieses Jahr verschoben. Ich bin festen Willens, an dieser Veranstaltung teilzunehmen, eine für mich noch unbekannte Region des Landes an der östlichen Grenze, nahe zu Weißrußland und Rußland, kennenzulernen,
Aber ob wir nun wirklich in Latgale stricken werden? Es steht leider immer noch nicht fest.
Der Termin ist auf den 2. bis 6. August festgelegt worden und für den Fall, daß nur wenige Teilnehmerinnen kommen können oder wollen, wurde auch schon vorangefragt, ob wir bereit wären eine höhere Gebühr zu zahlen, Damit bin ich auf jeden Fall einverstanden, denn ich möchte wirklich endlich wieder lernen, stricken, lachen und Gemeinsamkeit genießen.
Die endgültige Entscheidung sollte um den 9. Juni herum fallen, aber bis jetzt habe ich noch keine Information was denn nun wird.

So ist alles in der Schwebe.
Meine Flüge habe ich gebucht, aber zur Vorsicht  mit der Option, die Flugdaten zu ändern. Und ich plane auf jeden Fall nach Estland zu fahren, ich will unbedingt ins Museum in Tartu, auch der Termin wurde ja schon einige Male verschoben, und dann zum Abschluß werde ich einige Tage mit Riina auf der Insel Vormsi verbringen.
Darauf freue ich mich sehr!

SENA KLETS bietet wieder Online-Meetings an. am 1. und am 8, Juli und das Thema ist dieses Mal "Handschuh-Bündchen-Muster aus der Region Kurzeme / Kurland".
Leiterin des Workshops ist Solvita Zarupska und die Teilnahme für einen der beiden Termine kann über die nachstehenden Formulare gebucht werden:

Für den Termin am 1. Juli um 17:00 Uhr (Rigaer Zeit - entspricht 16:00 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit) https://forms.gle/9gXhKguvzDcSr3xKA
und für den Termin am 8. Juli um 17:00 Uhr (Rigaer Zeit - auch wieder 16:00 mitteleuropäische Sommerzeit) : https://forms.gle/yRd868f8DsuEeS1CA
Die Workshops dauern jeweils um die zwei Stunden und kosten 17.00€, bezahlen kann man mit Banküberweisung oder per PayPal.

Kurzeme Workshop

Und noch eine kleine Galerie mit Handschuhen aus der Region Latgale. Zwei Frauen- und zwei Männerhandschuhe.
Das Muster der grünen Frauenhandschuhe erinnert mich immer wieder daran, daß ich das unbedingt wieder stricken muss, ist ja mein Lieblingsmuster!

Frauenhandschuh aus der Region Latgale
Frauenhandschuh aus der Region Latgale
Männerhandschuh aus der Region Latgale
Männerhandschuh aus der Region Latgale

Über den 8, Mai, dem Tag der Befreiung vom Faschismus und dem Ende des 2. Weltkrieges, und wie er in Demmin in Vorpommern immer wieder zum Anlaß für Aufmärsche der Rechtsextremen wurde, habe ich schon hier auf der Wockensolle berichtet. Anlaß dafür war die Idee des Demminer Aktionsbündnisses 8. Mai, das Stadtbild und die Stimmung an diesem Tag mit bunt-Gestricktem aufzuhellen und eine neue Art des Protestes zu zeigen.
Daß dann im Deutschen Stricktreff beim Strickernetzwerk Ravelry nach einem Zweck für einen großen Garnvorrat gefragt wurde und wie wir die 30 Kilogramm dann nach Demmin ins Café 3K brachten..

Letztes Jahr fiel zum Glück der große Aufmarsch aus und die Wollereien schmückten das friedliche Städtchen an der Peene. Dieses Jahr droht immer noch Corona und größere Versammlungen und Aufmärsche fanden nicht statt.
Aber ein Friedensfest am Peene-Ufer mit Musik und auch ein paar Ansprachen - das gab es. Und es tat so gut!
Viele fröhliche junge Menschen bei wunderschönem Sonnenschein, engagiert und aufgeweckt und die Infostände von bunten Wollschals umgarnt - es gab keine Auseinandersetzungen, rechte Provokateure kamen nicht zum Vorschein und die Demokraten und Antifaschisten konnten nicht nur den Tag der Befreiung vom Faschismus feiern, und dem Aufruf Esther Bejaranos folgend,  einen bundesweiten Feiertag für dieses Datum und diesen Anlaß fordern, sondern auch an den 100. Geburtstag von Sophie Scholl erinnern, der am 9. Mai zu gedenken ist.

wie immer: für eine größere Darstellung auf ein Bild klicken!

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Kurz bevor wir nach Demmin fuhren, brachte die Postbotin ein kleines Päckchen und dieses barg eine große, freudige Überraschung: Eine Leserin dieser Seite, die auf der Suche nach Informationen über Trachtenstrümpfe zur Wockensolle gefunden hatte und mit der ich auch schon ein paar wenige aber herzliche Mails wechseln konnte, hatte von einem alten Strumpfpaar geschrieben, einem sehr sehr alten Strumpfpaar, und daß sie mir dieses Paar schenken wolle.
Diese Großherzigkeit beschämte mich und als ich dann das Päckchen erhielt und es öffnete, war ich sprachlos und den (Freuden-)Tränen nahe:

Welch eine Gabe! Diese Strümpfe stammen wohl aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, sind aus Baumwolle, mit einer wunderschönen Bogenkante und einer kleinen Saumlinie auf der Rückseite samt hübschen kleinen Abnahmen über der Wade.
So unwahrscheinlich fein gestrickt, daß es fast nicht zu glauben ist. Sie sind in der Runde gestrickt und nicht gewirkt und dann genäht, denn es gibt keine Nahtkante.

Ein Brautstrumpf aus dem 19. Jahrhundert

Ich fand noch keine Zeit den Strumpf genauer zu untersuchen, ich bin noch in der Phase des bewegten Staunens. Wie fein die Maschen, wie fein das Bündchen, die Abnahmen auf der Rückseite.

Bündchen und Monogramm

An der geschwungenen Bogenkante ist ein längeres Bändchen angearbeitet, wahrscheinlich zur Befestigung.
Das Monogramm ist mit winzigkleinen grünen Glasperlen gestickt und auf der Bein-Innenseite ist ein zusätzliches kleines rotes Monogramm mit winzigen Kreuzstichen gearbeitet.

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Mechanische Strumpfstrickmaschinen gibt es schon lange, Und eine historische Sockenstrickmaschine habe ich auf meiner langen Shetlandreise im Jahr 2015 schon im Museum von Tangwick Haa gesehen.
Diese Maschinen waren im 19. Jahrhundert nicht nur in England weit verbreitet, denn sie waren handlich und viele Menschen haben sich mit diesen Maschinen in Heimarbeit Geld verdient.

Betrieben wurden sie mit einer Handkurbel, brauchten also außer der menschlichen Arbeitskraft keine weitere Energie.

Ob diese Strümpfe wohl auf solch einer Maschine hergestellt wurden oder doch mit der Hand gestrickt? Das versuche ich herauszufinden.

Erst einmal bin ich dankbar und glücklich. Über die Strümpfe und das Friedensfest in Demmin. Es war ein guter Tag!

Sockenstrickmaschine

Ich habe ja schon mehrfach über das phantastische Buch von Irene Waggener, "Keepers of the Sheep" berichtet, und in den letzten Wochen neben simplen Sockenstricken, Ribbeleien und Ablenkungen immer wieder in dem Buch gelesen. Aber gelesen ist der falsche Ausdruck, ich habe darin geschmökert oder mich darin versenkt. Und in meinen Erinnerungen gekramt. Vor fast 50 Jahren (meine Güte, ist das lange her) war ich längere Zeit in Marokko und Algerien unterwegs, wir sind die Route der Kasbahs entlang gefahren, waren im Tal des Dra, in Algerien bis an den Nordrand der Sahara in der geheimnisvollen Stadt Ghardaia.
Aber strickende Hirten habe ich nicht kennengelernt. Ich war auch zu scheu um tiefer in die verschlossen wirkenden Kasbahs einzudringen, das war damals eine sehr sehr fremde Welt für mich. Ein kleines Filmchen von 8mmfreak, meinem damaligen Freund und späteren Mann, von dieser Reise ist noch bei Youtube zu sehen.

Und nun dieses wunderbare Buch! Wo anfangen? Inhaltliche Schwerpunkte sind die Erzählung der Autorin über ihre Zeit im Hohen Atlas und ihre Begegnungen, dann eine ganze Reihe Strickanleitungen (von faszinierend bis tragbar), und ein ganz wichtiges Kapitel über die Geschichte des Strickens in Nordafrika. Lassen wir die Autorin selbst zu Wort kommen:

This book is the culmination of three years of research, interviews, participant observation, and writing. It includes 7 essays and 13 patterns that provide the reader with a glimpse of life in a High Atlas village and the important role knitting once played there. A chapter on the history of knitting in Morocco takes the reader backwards in time from Morocco, through Algeria, into Spain and Tunisia, and eventually Egypt, where historians believe knitting may have originated. This history chapter is accompanied by patterns based on historical sources that bring to life a North African knitting tradition that has all but disappeared.

Ich habe viele Bücher über die Geschichte des Strickens im Regal, von RIchard Rutt bis Nancy Bush, to name a few. Und meines Wissens immer wird als wohl ältestes erhaltene Strickstück der Strumpf aus Ägypten genannt, bei Piecework und Ravelry gibt es Anleitungen dazu.
Und es folgt fast immer die Vermutung, daß das Stricken von den Mauren von Ägypten aus über Nordafrika nach Spanien gebracht wurde, aber nordafrikanische Stricktraditionen? Das ist dann ein schwarzer Fleck in der Strick-Historie.

Irene Waggener:
Keepers of the Sheep:
Knitting in Morocco’s High Atlas and Beyond

Keepers of the Sheep

Wo man es bestellen kann?
Auf der Webseite der Autorin findet man Links zu Anbietern.

 

 

Titouan Lamazou und Karin Huet:
Onze lunes au Maroc:
Chez les Berbères du Haut-Atlas

Titouan Lamazou +Karin Huet: Onze Lunes au Maroc

Edition Galimard, Galimard Loisirs
ISBN-10: 2742431071.

 

 

Mediaval Muslim Stocking
von Lilinah biti-Anat

Lilinah biti-Anat: Medieval Muslim Stocking

Einige Links:

Irene Waggener geht zurück in der Geschichte, von der Gegenwart über die französische Kolonialzeit und noch weite. Sie bemerkt die Ähnlichkeit eines vierfarbigen, geometrisch gemusterten Strickstücks mit türkischen und iranischen Mustern und das kommt nicht von ungefähr, war doch Nordafrika lange Bestandteil des osmanischen Großreiches und Techniken, Farben und Muster wandern ja bekanntlich von einem Kulturraum zum nächsten.
Nebenbei bringt sie sich auch noch das Intasia-Stricken in der Runde bei, denn ein Photo von Prosper Ricard aus dem Jahr 1952, im Bestand des Pariser Musée du Quay Branly ä Jacques Chirac, bringt sie auf die richtige Spur:
Das Bild aus der Museums-Sammlung zeigt einen strickenden Mann, und wie die vielen kleinen Knäuel zeigen, strickt dieser Mann "Intarsia in der Runde!".
(Das Bild kann ich des Copyrights wegen hier nicht zeigen.)

Die Autorin berichtet ferner, wie sie in einem kleinen Museum eine gestrickte, gestreifte Hose sah und wie sie die ungewöhnliche Art, den nicht gebrauchten Faden beim Streifenwechsel weiterzutransportieren, studierte.
Viele Hinweise für ihre Forschung konnte sie dem Buch "Onze lunes au Maroc: Chez les Berbères du Haut-Atlas" (11 Monate in Marokko: bei den Berbern im Hohen Atlas) von Titouan Lamazou und Karin Huet entnehmen.

Jenes Buch ist zum Einen ein gezeichneter Reisebericht über den Aufenthalt in zwei Tälern des Hohen Atlas und zum Anderen eine Dokumentation der Baustile und Bauformen, vor allem der wunderschönen bemalten Innendecken.
Mit zahlreichen Skizzen hält es den Alltag in den Kasbahs fest und ab und an tauchen auch einige gestrickte Objekte auf den Zeichnungen auf, ohne daß die Autoren besonders darauf geachtet hätten, ihre Schwerpunkte lagen anders.

Tja. Jetzt habe ich beide Bücher im Regal stehen, Und habe wieder ein wenig Neuland gefunden. Nun zum Abschluß dieses Beitrags die Zeichnung eines Mannes mit einer Schneeschaufel, in der gestrickten, gestrickten Hose!

Titouan Lamazou und Karin Huet, 11 lunes au Maroc

© Titouan Lamazou und Karin Huet, 11 lunes au Maroc

Die Männer trugen diese Hosen im Winter, so zum Beispiel  auf der Jagd, wenn sie stundenlang dem Mufflon auflauerten.

Im Buch von Irene Waggener ist nicht nur die Strickanleitung zu finden, man lernt auch wie man die Bänder, die "Hosenträger", herstellt.

Ich selbst werde diese Hose wohl nie stricken, aber vielleicht eine Mütze oder die wunderschönen Legwarmer aus dem Buch?

Keeper of the Sheep

Keepers of the Sheep

Ich habe im Osterbeitrag auf das interessante Buch "Keepers of the Sheep - Knitting in Morocco's High Atlas and Beyond" von Irene Waggerer hingewiesen. Und ich habe es mir auch gleich bestellt.

Das Buch kann auf der Webseite der Autorin, https://106metersfromtheroad.com/, bestellt. werden, von dort wird man dann zu Etsy.com umgeleitet und das Buch wird aus den USA geliefert. (Man kann auch gleich bei Etsy bestellen, dann versäumt man aber den interessanten Inhalt der Webseite.
Wie mir Irene Waggerer aber jetzt mitteilte, gibt es inzwischen auch die Möglichkeit, in Europa zu bestellen, Und zwar in Portugal und in Großbritannien. Also der Reihe nach:

Folk Galore - Handschuhe und Pastalas

Auch wenn ich mit klassischer Musik aufgewachsen bin und dem Jazz, der improvisierten und der Neuen komponierten Musik sehr verbunden bin, sind diese Kategorien keine Scheuklappen. Gerade auf meinen Reisen in Russland und im Baltikum habe ich gelernt, daß Volksmusik mehr ist als Blasmusik oder "Seven Drunken Nights", daß solche Musik unglaubliche Stile, Techniken und Klangfarben bieten kann; der Chor-Gesang des Pokrovski-Ensembles, das in Russland zu Ende der Sowjetzzeit intensive Feldforschung betrieben hat und so die wirkliche russische Musik am Leben erhalten hat, die Oberton-Gesänge aus Tuva und der Mongolei, Dainas aus Lettland und Frauenchöre aus der Region Setomaa in Estland - to name a few.
Folk GaloreUnd neben diesen traditionellen Musiken gibt es auch die Musik der frechen, fröhlichen, impusiven Ensembles wie Auli aus Lettland oder Отава Ё aus Russland - einige ihrer Video-Clips habe ich hier ja schon öfter mit Freude eingebunden.
Auf der Spur dieser Bands bin ich auf die deutschsprachige Zeitschrift "Folk Galore" gestoßen, die von Christian Pfliefke herausgegeben, dreimal jährlich im CPL Notes Verlag erscheint und einen Schwerpunkt auf ost- und nord-europäische Musik legt Ichhabe mir ein Päckchen mit den ersten 3 Heften und einer CD bestellt und bin dabei auf einen Artikel gestoßen, der mich überraschte und erfreut:

Darin fand sich ein Beitrag "Fingerkunst aus Wolle" über "Lettlands historische Handschuhe" und Sena Klets und Hobbywool werden vorgestellt, der Farben- und Musterreichtum und die Bedeutung der Handschuhe beleuchtet; auf eine klare und sachkundige Weise, ohne Oma-Klischee und sonstigem Nervkram. Maruta Grasmanes "Handschuhe aus Lettland", wir kennen es, wird darin als das vielleicht beeindruckendste Buch über lettische Handschuhe bezeichnet und dem möchte ich wirklich nicht widersprechen!
Der CPL-Musikshop bietet aber nicht nur Musik, sondern auch Pastalas, die traditionellen lettischen / baltischen Lederschuhe, in den verschiedensten Größen und Farben an. Und wo Pastalas zu haben sind, da paßt das Buch "Handschuhe aus Lettland" doch auch ins Portfolio. Vielleicht klappt es ja!

Bleiben Sie gesund! Lassen Sie sich impfen!

Zum Schluß noch eine Bitte: Lassen Sie sich impfen! Ich hatte die Möglichkeit und das Glück, am Montag im Greifswalder Impfzentrum die erste Dosis Biontech zu erhalten. Das erfüllt mich mit Freude und auch Dankbarkeit.
Es ist so ein kleiner Pieks und es kann soviel bewirken. Immunisierung ist unsere einzige Chance die Pandemie zu besiegen,
Und deshalb bitte ich Sie: Wenn Sie die Möglichkeit haben, lassen Sie sich impfen!
Bleiben Sie gesund!