Meinen letzten Beitrag hier habe ich kurz vor meiner Reise nach Norwegen geschrieben. Und schon am Ende dieses letzten Beitrages hatte ich ein Bild eingeblendet, das die norwegischen Weihnachtstrolle mit den traditionellen roten "Nisseluen" zeigt. Meine Erwartungen an diese Reise haben sich nicht ganz erfüllt (Nordlicht noch und nöcher, viel Schnee und Kälte und und und), aber es war eine wunderbare Fahrt und ich möchte gerne nochmal die "Hurtigrute" befahren.
Wir besuchten die Husfliden-Niederlassungen und andere Wollgeschäfte, ganz oben im Norden, nördlich des Polarkreises gab es dann auch Schnee und Eis und der Höhepunkt war für mich der kurze Aufenthalt in Kirkenes.
Im Stadtgeschichtlichen Museum in Ålesund besuchten wir die Ausstellung über den norwegischen Widerstand gegen die Okkupation durch Deutschland. Und dort sah ich dann auch eine der roten Mützen, wie sie im Widerstand als Zeichen des Protestes getragen wurden (und manchen Trägern auch Gefängnis oder den Tod einbrachten). Diese Mütze hat mich ja schon eine Weile beschäftigt, siehe hier, und ich war so berührt, daß ich vergaß, ein Photo davon zu machen.
Mieke, eine Strickfreundin, hat mir aber versprochen, auf ihrer Tour im Februar das für mich nachzuholen.
Nun regt sich in den USA der Widerstand gegen die faschistischen Truppen der vermaledeiten Trump-Administration und die Menschen tragen als Zeichen ihres Protests rote Mützen, in bewußter Anlehnung an den norwegischen Widerstand. WIe schon die pinkfarbenen Pussyhats sind diese Mützen inzwischen tausendfach gestrickt, eine Anleitung nach der anderen wird veröffentlicht, fast alle kostenfrei oder für eine Spende zur Unterstützung der angegriffenen Bevölkerung.
Der nachstehende Screenshot zeigt alleine die Anleitungen, die in Ravelry mit dem Begriff "melt the ICE" gesucht wurden:
Über diese Reise gibt es viel zu erzählen und das werde ich noch tun, ich muss ja die freundlichen Menschen würdigen, die Mechthild und ich trafen, die riesige Auswahl in den Wollgeschäften, das wenige Nordlicht (ja, wir hatten wenig Glück), die herrliche Küste, die Küstenorte, die vom Schiff aus wie Adventskalender aussahen...
Ich fahre bestimmt nocheinmal los. Geht gar nicht anders.
Ich war noch nie so lange auf einem Schiff unterwegs, mit so vielen netten Mitreisenden, einer freundlichen und fröhlichen Crew und leckerer "Norway Coastal Kitchen" - ein Genuß. Auch wenn es. da ja Winter, nicht immer sehr hell war, so sahen wir doch tolle Landschaften, herrliche Himmel, einige Nordlichter, und genoßen die die Aussicht auf die Küste beim Stricken und Plaudern. Ich kann das nur empfehlen.
In Kirkenes begegneten wir auf der Dr. Wessels gate einer riesigen Königskrabben-Skulptur und trafen auch einen netten Passanten, der für uns das Photo aufnahm.
Endlich war das richtige Wetter für meine Woll-Ausrüstung, die Handschuhe von Kihnu und die Mütze mit estnischen Motiven, die ich selbst entworfen habe.
Eigentlich jeder Landgang führte uns zuerst zu Husfliden, den norwegischen Handarbeitszentren, in denen die Regale nur so überquellen vor schönem Garn und man den Spezialistinnen zuschauen kann, wie sie beraten bei der Auswahl der Zutaten und unterstützen bei der Anfertigung der lokalen Trachten, Bunad. Selbstverständlich habe ich mich wieder der Wolllust anheimgegeben!
Im November und Dezember letzten Jahres besuchten Mitglieder unseres Arbeitskreises "Traditionelle Textilien im Heimatverband MV" das Archiv des ehemaligen Kreismuseums Demmin und stöberten nach Textilem. Wir wurden fündig und sahen wunderbare Webstoffe, große gestrickte Bettdecken und etwas ganz Besonderes, vorpommersche Trachtenhauben - gänzlich unerwartet...
Darüber haben wir auch schon im Newsletter unseres Arbeitskreises berichtet und es wird ausführliche Berichte auf unserer Webseite geben.
Und dieses Jahr? Zuerst kann ich endlich die so dringend benötigte Kur antreten, für drei Wochen in der Klinik in Heiligendamm an der Ostsee, und dann geht es wieder richtig los:
Ende März veranstaltet das Kulturreferat für Pommern und Östliches Brandenburg im Pommerschen Landesmuseum in Greifswald einen Workshop "Strick und Stick". Dorota Makrutzki stellt unser Projekt dort schon ausführlich vor, und leider, muss ich dazu sagen, ist dieser Kurs schon ausgebucht! Die wunderschönen bestickten Strümpfe sind schon sehr speziell!
Ich erarbeitet die Strickanleitung, habe in Norwegen die für traditionelle Strickereien empfohlene Wolle, Rauma Gammelserie 3-trad, gekauft, die Strickweise des Strumpfes studiert, das interessante Bündchen, Maschenproben erarbeitet und beende gerade den ersten Strumpf.
- Im Juni wird im stadtgeschichtlichen Museum in Wolgast die Ausstellung "Hochprozentig" über Alkohlschmuggel an der Ostsee eröffnet und ich entwerfe dafür eine Schmugglermütze.
- Ich habe mich für die einwöchige Strickreise in die Region Vidzeme in Lettland, wieder organisiert von Sena Klets, angemeldet. Vidzeme ist eine Region, die ich schon einigermaßen kanne (Cesis z.B.), aber nur einigermaßen, und es wird sicherlich wieder eine schöne Reise!
- Ich arbeite aber auch das Jahr über an der Vorbereitung einer Projektwoche zum Thema "Traditionelle Techniken - wie können wir sie erkennen, studieren und in die Zukunft bringen? Wie machen es unsere Nachbarn im südbaltischen Raum?" Ein Projekt, das ich schon lange mit mir herumtrage, und nun werde ich es realisieren können. Ich freue mich! Und flüstere schon mal: Riina Tomberg (Tallinn) und Ziedite Muse (Riga) werden Workshops halten ;=)
Ich hatte mir in Estland vor einiger Zeit ein Paar wunderschöne Handschuhe gekauft und nun, wo es endlich mal richtig kalt ist dafür, habe ich einen davon verloren. Gesucht, gesucht und nicht wiedergefunden.
Auch wenn ich Optimistin bin, und fast immer Verlorenes wieder zurückbekommen habe, habe ich doch gleich bei Anu Randmaa in Töstamaa angefragt, ob ich noch so ein Paar Handschuhe bekommen kann.
Wünschen Sie mir Glück!













