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100 zu 1 – ein guter Tausch

Ravelry.com  eine Zaubertüte - voller Möglichkeiten. Anleitungen finden, Fragen stellen oder beantworten, Freunde finden die man dann im "real life" auch trifft, Neues erkunden, den Wollvorrat verkleinern durch Tauschen oder Verkaufen - wie gesagt, es ist eine Zaubertüte. Auch zum Speichern der eigenen Strickarbeiten samt Anmerkungen eignet sich diese Plattform ganz ausgezeichnet.

Ich stöbere gerne in den Foren wie "Ende Neu" oder"Wolle Wolle? Suchen / Tauschen / Verkaufen", wo überflüssige Wolle zum Tausch oder Kauf angeboten wird. (Und lasse mich auch oft verführen, noch ein nettes Garn zu erwerben,..) Es wird aber nicht nur Garn angeboten, auch Zeitschriften, Bücher oder fertige Handarbeitsprojekte.
Ja, und dann stolperte ich über ein Angebot, das eher nebenbei aufgeführt wurde: LisaLila bot ein Exemplar des Strickmagazins "Neue Strickmoden" aus grauer Vorzeit an.

Das Titelbild war mir auf eine merkwürdige Art vertraut. Als ob ich das Heft schon in den Händen gehalten hätte. Denn als Kind, so erinnere ich mich gut, habe ich mich oft in das Zimmer meiner Mutter verkrochen, aus der Kredenz eine Süßigkeit aus einer kleinen Dose gemopst (meine Mutter hat das angeblich nie bemerkt) und in den Handarbeits- und Frauenzeitschriften meiner Mutter geschmökert. Da gab es Constanze, Film und Welt und etliche Strickzeitschriften. Und die Strickhefte habe ich lange Jahre aufbewahrt, konnte / mochte mich nicht von ihnen trennen und gab sie erst weg, als ich fast vierzigjährig in Hamburg meine Freundin Anja traf, die Modedesign studiert hatte und auch etliche Strickpullover entworfen hatte (das war die Zeit der Bilderpullover). Zu der Zeit strickte ich nicht, ich musste mir ein neues Berufsfeld erarbeiten und eine neue Existenz schaffen, nachdem ich in Wiesbaden so wunderbar-alternativ mit meinem Café Morgenröte gescheitert war.
Ich las zu der Zeit Computerzeitschriften wie die PC WELT und hatte so gar kein Interesse für Anderes.

Ja, und als ich dann später, vor so 10 Jahren, wieder zu Nadel und Garn zurückfand, vermißte ich diese Zeitschriften. Denn viele Abbildungen sind mir immer noch vor Augen, vor allem die Wintermode aus einer Constanze. Und so kaufte ich bei ebay oder woanders alte Hefte wieder auf, auch die Weihnachts-Sonderausgaben der Brigitte, die in meiner Schulzeit so en vogue waren. Ariadnes Faden hat mich ein Stück zurück in meine Vergangenheit gebracht.

Nun also die Neue Strickmoden.

Es war klar, daß dieses Heft aus den 50ern des vergangenen Jahrhunderts stammte, aber aus welchem Jahr, das wußte LisaLila auch nicht. Ich tauschte das Heft gegen eine schöne Anleitung aus dem Ravelry-Anleitungsfundus und stöberte dann durch das Heft.

Kannte ich es wirklich?
War etwas daraus für mich gestrickt worden?

Ich habe keine konkrete Erinnerung an dieses Heft, stellte ich fest, aber an eine Anleitung aus diesem Heft. Meine Großmutter hatte den Pullover auf der Seite 12 gestrickt, aber nicht für mich sondern für meinen Bruder.

Es ist also wahrscheinlich, daß ich dieses Heft doch irgendwann einmal gesehen hatte, entweder zuhause oder bei meiner Großmutter.

Neue Strickmoden behaglich warm

Aber aus welchem Jahr stammt diese Ausgabe? Nirgends ist eine Datumsangabe zu finden, nur der Ladenpreis ist aufgedruckt. Aber damit läßt sich das Alter gut eingrenzen.

Das Heft wurde, wie auf dem Eindruck ersichtlich (s. links) in Deutschland,Österreich, dem Saargebiet und Frankreich verkauft. Für Österreich ist der Preis ausradiert, vielleicht war das Heft ja ein Geschenk.
Aber warum "Saar u. Frankreich" ? Warum wurde das Heft im Saargebiet für französische Francs angeboten?

Preisauszeichnung

Die Wikipedia weiß wie immer Rat:

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Saarland Teil der französischen Besatzungszone. Frankreich gliederte es daraus aus und entzog es der Zuständigkeit des Alliierten Kontrollrates. Eine eigene Saarregierung und die Annahme einer saarländischen Verfassung am 8. November 1947 sollten ein formell selbständiges (autonomes) Staatsgebilde schaffen, das von den Saarländern als Saarstaat bezeichnet wurde. Nach einer weiteren Volksabstimmung im Jahr 1955 trat das Saarland jedoch 1957 der Bundesrepublik politisch bei („kleine Wiedervereinigung“). Der wirtschaftliche Anschluss durch Übernahme der D-Mark (im Volksmund „Tag X“) ...erfolgte am 6. Juli 1959  

Wäre dieses Heft nicht mit "Saar u. Frankreich" ausgepreist, wäre es jünger als 1959. Es muß also älter sein.
Wieder die Wikipedia:

Nach dem Zweiten Weltkrieg gehörte das Saarland zunächst zur Französischen Besatzungszone, bevor es im Januar 1946 aus dem Zuständigkeitsbereich des Alliierten Kontrollrates herausgelöst wurde. Im Jahr 1947 wurden eine eigene Verfassung und eine eigene Staatsbürgerschaft geschaffen. Das Saarland erhielt am 16. Juni 1947 aus währungspolitischen Gründen kurzzeitig eine eigene Währung, die Saar-Mark. Sie wurde am 20. November 1947 durch den französischen Franc ersetzt. Es wurden auch eigene Münzen mit deutscher Aufschrift und saarlandbezogenen Motiven geprägt, die aber auf französische Franken lauteten (siehe Abbildung). Erneut hatten die Saarländer über ein Jahrzehnt lang eine Sonderstellung inne. Diesmal nahmen sie auch mit eigenen Mannschaften an den Olympischen Sommerspielen 1952 sowie an der Qualifikation zur Fußball-WM 1954 teil.

Der Preis ist mit 60 Franc angegeben, für das Saargebiet und Frankreich gemeinsam. Also muss das Heft aus der Zeit zwischen dem 20.November 1947 und der kleinen Wiedervereinigung am 1.Januar 1957 stammen,

Kommt das hin? Mit der zeitlichen Einordnung sicherlich, aber der Jungspullover ist für 12jährige Jungen deklariert und das kommt dann doch nicht hin.Im Januar 1957 war mein Bruder noch keine 6 Jahre alt.
Meine Großmutter war aber sehr geschickt, konnte schneidern, Schnitte ändern und so hat sie vielleicht diese Anleitung als Anregung genommen.

Denn wie gesagt, an den Pullover mit diesem Muster kann ich mich gut erinnern. Vielleicht aber wurde der Pulli viel später nach dieser Anleitung gestrickt, denn man warf ja nichts weg, diese Strickhefte wurden jahrelang aufgehoben.

Creme Mouson

Mit Creme Mouson ist Hausarbeit sehr schnell vergessen und In welchem gefalle ich "ihm" am besten? Die Frauenzeitschriften jener Zeit waren doch recht rollen-traditionell ausgerichtet und das fällt mir immer wieder ins Auge. 
Aber darf ich darüber schimpfen, mich mokieren? Diese Texte zeugen von dem Wunsch nach der Rückkehr zu einer gefühlten Normalität nach den WIrren und Schrecken der vergangenen Kriegs-Jahrzehnte, aber auch von dem Wunsch die vielleicht durch die Ereignisse dieser Jahre zu selbständig gewordenen Frauen wieder ans Haus und die Familie zu binden.
Sind wir denn heute schon weiter? NEIN. Frauen verdienen immer noch weniger, erhalten eine beschämend niedrige Rente, schneiden in Mecklenburg-Vorpommern keine roten Bänder durch oder stechen symbolisch mit dem Spaten bei der Eröffnung von Schwimmbadbaustellen, und und und. Die Privilegien stehen immer noch den Schlipsträgern zu, da hat sich nicht sehr viel geändert. Wir sind nicht viel weitergekommen, aber in manchem primitiver als damals, jedenfalls wenn ich an den peinlichen Aufmacher auf der Brigitte-Webseite denke, über den ich hier auf der Wockensolle schon geschimpft habe.

Es ist doch immer wieder spannend, welche Themen sich auftun (oder aufdrängen), wenn man einem Gedankengang nachgeht...

Wenn Sie das hier lesen,

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Handschuhe aus Lettland

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