Lebensfäden

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Nun schaue ich mal wieder raus aus dem "Ruhnu-Mus-Topf" oder über den Tellerrand und wende mich Themen zu, die mich ebenfalls und schon länger und immer beschäftigen: Bildende Kunst - Textilkunst .. da gibt es sovieles zu entdecken und ich bin in der letzten Zeit wiederholt auf Verbindungen zwischen meinem Leben, meinen Vorlieben und Künstlern gestoßen.

Alle beschäftigen sich mit Stricken, mit Fäden - und das ist ja auch kein Wunder: bietet ein Faden doch eine starke Metapher für unser Leben, für Orientierung, Verwirrung, Verbindung..

1993 reiste ich mit Heinz und befreundeten Musikern zum ersten Internationalen JazzFestival in Peking. Es wurde veranstaltet von Udo Hoffmann, der schon etliche Jahre in der nördlichen Hauptstadt lebte, und wir blieben zwei Wochen, in denen ich eine für mich neue Welt kennenlernte (sei es die Literatur / Traum der roten Kammer oder Stadtarchitektur / Die Verbotene Stadt + der Sommerpalast), und Freunde fand, die es heute noch sind.

Ich traf Xing Danwen, eine klassisch ausgebildete Künstlerin, die seit einigen Jahren aber hauptsächlich fotografierte und die inoffizielle Künstlerszene Chinas fotografisch begleitete und dokumentierte. Sie studierte dann 3 Jahre an der Visual School of Arts in New York und arbeitet heute mit Fotografie, mixed media und Installationskunst, ihre Werke sind in hochrangingen Museen zeitgenössischer Kunst auf der ganzen Welt zu erleben, ihre Themen sind Globalisierung, Umweltverstörung, Vereinzelung und Kommunikation,  urban drama, Fiktion und Wirklichkeit.
Einige ihrer Arbeiten: Born with Cultural Revolution, I am a Woman, Disconnection und Wall House
Ihre Wikipedia-Seite zeigt die Stationen ihres Schaffens auf, einen Einblick in ihr Schaffen kann man auf ihrer Webseite erhaschen.

Seit unserem Kennenlernen vor 25 Jahren haben wir uns immer mal wieder getroffen oder ich konnte Ausstellungen ihrer Werke an anderen Orten erleben, zum Beispiel bei einer Moscow Biennale.

Wir haben immer Kontakt gehalten und so hat sie auch von meiner Strickerei erfahren. Sie selbst strickt auch und ist von den baltischen Farben und Mustern sehr angetan. Irgendwann einmal, ob in ihrem Haus auf dem Land außerhalb von Peking oder bei uns auf dem Lande, werden wir einmal gemeinsam sitzen und stricken.

Und nun habe ich eine Ausstellungsankündigung der ArtBasel zugesandt bekommen und war von den Socken.
Le deuxieme sexe - das zweite Geschlecht - ein Kurzfilm-Programm, 6 Künstler und Künstlerinnen äußern sich filmisch zu dieser Thematik.

In these six films, the artists and directors explore personhood and autonomy, delving into contemporary preoccupations and primal fears. What separates a person from an animal? How much can the human body endure? Does the mind differ from artificial intelligence? Are we specks in the cosmos, a blip in a vast timescale?

Ich freue mich, daß Danwens Film Thread (Faden) dabei ist, ein Film den ich endlich einmal im Ganzen sehen möchte. Aber aber aber .- die ArtBasel heißt hier nur so schweizerisch, die Veranstaltung fand in HongKong  statt, im Hong Kong Convention and Exhibition Centre.

Eine alte Mutter strickt ein Kleid für ihre Tochter, die Tochter löst sich im wahrsten Sinne des Wortes - sie läuft davon, ein Faden zieht sich, das Kleid wird aufgeribbelt, die Tochter ist nackt und schutzlos, muss auf eigenen Füßen stehen - der Lebensfaden ist durchschnitten ...

dies alles in einer einfachen Geschichte, aber stark. Die Metapher trägt, ob im chinesischen oder im westlichen Kulturkreis - wir Töchter lösen uns von unseren starken Müttern und stellen uns auf unsere eigenen Füße - wenn wir es schaffen. Der Lebensfaden verbindet uns mit unserer Herkunft und hoffentlich nehmen wir ihn in unsere Zukunft mit.

Boers - Li, die Galerie, schreibt dazu:

Xing Danwen examines the complexities surrounding communication and interpersonal connection in relation to the concept of love. The artist and her mother serve as the main characters – their stories play out separately on split screens . One screen shows the mother’s aged hands knitting a dress with tenderness and care; on the other, the daughter wears the garment, which unravels with her movements. Xing’s body slowly becomes exposed, evoking a feeling of liberation, fragility, and vulnerability. Though she is trapped in the thread, she continues to move forward with determination. The two actions are separate and seem in conflict, but mother and daughter appear to share an unspoken understanding.

Title:《線》 Artist: 邢丹文 邢丹文透過這錄像作品,試圖探索人與人之間的溝通和關聯的復雜性,以及「愛」的關系和角色。藝術家本人和她的母親親身出演,螢幕的一邊是母親滄桑的手,充滿了愛意和關切,日復一日不停地編織;螢幕的另一邊,女兒穿著這件毛衣裙,在奔走中,衣服被漸漸拆解。當女兒的身體慢慢地赤裸,一種解放了的感覺油然而生,同時意味著失去了保護,身體變得脆弱和易受傷害。即使被線束縛,對自由不可遏制的渴望驅使女兒奮勇前行。這兩組行動看似各行其是、相互對立,觀者卻可以感受到母親和女兒似乎是同謀,正在秘密分享著一個不言而喻的默契。

Sheila Hicks referiert über ihre Arbeit

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Ich habe ja schon einmal hier auf der Wockensolle über die grossartige Künstlerin Sheila Hicks berichtet, und nun habe ich in einem meiner Lieblingsnewsletter, ArtDaily von ArtDaily.com, ein Video gefunden, in dem sie über ihre Arbeit, ihre Methoden und Vorlieben spricht.

Ich bin sehr beeindruckt von dieser Frau, dieses Video aus dem Jahr 2008 zeigt ihre freundliche Ausstrahlung und ihre Freude an ihrer Arbeit. Solche Lehrer hätte ich auch gerne gehabt. Und deshalb binde ich dieses Video hier ein.

Und zum Schluss ein so schönes Bekenntnis:

Noch mehr Videos dieser interessanten Künstlerin gibt es bei Youtube mit diesem Link!

Our Arctic Future – eine Ausstellung in Berlin

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Wie ich ja schon hier kurz vorgestellt habe, findet zur Zeit "Our Arctic Future - Eine Ausstellung über die Welt im Wandel" im Felleshus der Nordischen Botschaften in Berlin statt.  In sehenswerter Architektur gibt es hier verschiedenste Veranstaltungen und Kaffee trinken kann man auch.

Nun also die Arctic Future. Informationen zu den Themenpunkten Gesellschaft, Klimawandel, Rohstoffe, Energie werden ergänzt durch Textilinstallationen von Randi Samsonen und Designer-Stücke von den Faröern und aus Grönland. 

Guðrun & Guðrun sind bei uns vielleicht bekannt, die anderen Designer sollten es auf jeden Fall werden! Wie immer verlocken solche Creationen zum Staunen, aber nicht alles ist in unserem Alltag tragbar;=)

wie immer: für die Anzeige auf die Vorschaubilder klicken!

Das Wockensolle-Sonntagsvideo: Gudrun & Gudrun Knitwear

Ich möchte unbedingt einmal auf die Schafsinseln, wie die Faroer auch heißen, die Landschaft, die Menschen, die Schafe, die Wolle... es zieht mich dort hin.

Und zum Abschluß eine Fashionshow von BARBARA I GONGINI, wenig Wolle, aber viel gewagt!

OUR ARCTIC FUTURE – Eine Ausstellung über eine Welt im Wandel
7. Oktober 2015 – 6. Januar 2016 / Nordische Botschaften Berlin
Rauchstrasse 1, 10787 Berlin

 

Warren Hastings Handschuhe

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Das ging blitzschnell: gestern füllte ich das Antrags-Formular aus, um die Erlaubnis zur Veröffentlichung der Bilder vom Ashmolean-Museum in Oxford zu erhalten und fast mailwendend erhielt ich die Erlaubnis. Das finde ich großartig, danke dafür!

Und hier nun das Prunkstück:

Warren Hastings, Lange, gestrickte Handschuhe

EAX.2479.a Long knitted glove; pashmina wool, dyed and knitted, India, late 18th century © Ashmolean Museum, University of Oxford. [Aufs Bild klicken für größere Ansicht!]

 

Ist das nicht ein wunderschönes Exemplar?

Warren Hastings by Joshua ReynoldsDie Handschuhe stammen aus dem Besitz von Warren Hastings, dem ersten Generalgouverneur von Ostindien. Über ihn mag ich hier nicht weiter berichten; wie in der Kolonialgeschichte üblich, war er tyrannisch, herrschsüchtig und raffgierig. Mehr dazu in der Wikipedia.

Die Handschuhe sind aus gefärbter Pashmina-Wolle gestrickt, mit einer Fadenstärke von 240 Maschen / 10cm, wie siouxian herausgefunden hat und ich im vorhergehenden Beitrag beschrieb.

Diese Handschuhe aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurden vermutlich in Kaschmir gefertigt, und ich vermute fast, daß sie von Kindern oder Jugendlichen gestrickt wurden, welcher Erwachsene  hat so feine Finger?

Detail der Warren Hastings Handschuhe

EAX.2479.a  © Ashmolean Museum, University of Oxford.

© Victoria and Albert Museum, London.

© Victoria and Albert Museum, London.

© Victoria and Albert Museum, London.

© Victoria and Albert Museum, London.

Solche Muster findet man nicht nur auf diesen Handschuhen, sondern sehr viel öfter auf Teppichen oder Keramik oder gewebten Stoffen.

EAX.2479.a Long knitted glove; pashmina wool, dyed and knitted, India, late 18th century
© Ashmolean Museum, University of Oxford.

 

Ich bin sehr erfüllt von der Schönheit dieser Handschuhe und habe nun etliche Stunden mit dem Studium der islamisch-indischen Kunst verbracht, einige Bücher aus meiner Studienzeit (ja, ich habe mal islamische Kunstgeschichte studiert, vor langer langer Zeit) hervorgekramt und im Web gestöbert.  Ich liebe es, mich einem Thema hinzugeben und zu stöbern...

Knitting and Animation = Knitimation

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 Wie das so geht beim Stricken lernen: der eine lernts eben schneller als der andere

Max Alexander strickt die ausgefallensten Dinge, kleine gestrickte Schmuckstücke wie z.B. die Yarn-Stash-Brosche, die mit 12 £ sicherlich nicht zu teuer bezahlt ist oder angsteinflössende Skulpturen. Aber am besten gefallen mir ihre Videos. Knitimation ist ein schöner Begriff, finde ich.

Die Yarn-Stash-Brosche von Max Alexander

Screenshot: Die Yarn-Stash-Brosche von Max Alexander.
Na Frau Wollfrosch, wäre das was für Sie?

 

Links: Max Alexander's Webseite | Ihre Videos bei Vimeo | Und wer noch ein Weihnachtsgeschenk sucht: Ihr Online-Shop

Jede Intelligenz braucht ein Hirn…

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und wenn ich diesen Blog mit "Knitting Intelligence" untertitele, dann sollte ich auch die Strick-Hirne nicht übergehen.

Strick-Hirne im wahrsten Sinne des Wortes gibt es hier auf der Seite des Museums der wissenschaftlich akkuraten Stoff-Hirn-Kunst...

Strick Hirn - gestricktes Hirn

Screenshot von der Webseite harbaugh.uoregon.edu/Brain/index.htm

Da kann man sich gestrickte Hirn-Schnitte anschauen, in das gestrickte Hirn hineinzoomen und ein ikonenhaft-samtiges Hirn bewundern. Wer sich dann noch für neuroneuroscience, dissection und neuroeconomics, interessiert, findet auf der Seite auch noch ausreichend wissenschaftliche Links.
Die Arbeiten stammen von Marjorie Taylor und Karen Norberg