Zaun in Heimtali

November-Stricken

Eine lange stille Zeit, die scheinbar nicht zu  Ende geht und doch sind mir die Tage immer zu kurz. Private Kontakte finden nicht mehr oft statt, aber dann genieße ich sie um so mehr. Welch ein Glück, das wir heutzutage soviele Möglichkeiten haben uns auszutauschen! Sei es im Strickforum Ravelry, per Mail, Messenger oder Telefon, wir sind nicht so isoliert wie wir es vielleicht selsbt einreden. Mit einem Päckchen eine kleine Freude bereiten, bei einem Strickproblem aushelfen oder stolz zeigen was man gestrickt hat - das alles ist möglich und gibt uns das Gefühl nicht alleine zu sein.

Heute morgen bekam ich eine freudige Nachricht: ein Päckchen, das ich am 12. Oktober in die USA abgeschickt hatte und dessen Sendungsverfolgung keinerlei Bewegungen meldete, kam jetzt endlich an! Nach 5 Wochen!

Ich weiß zwar daß die US-Post schlecht aufgestellt ist (wie man heute so gerne sagt) und andere Postsendungen wichtiger waren, aber daß die Übersee-Sendungen inzwischen per Ruderboot abgewickelt werden, das war mir neu...Aber jetzt ist es angekommen und ich bin erleichtert.

VecPiebalga Zekes

Und ich habe in der letzten Zeit immer mehr mit Freundinnen und Freunden im Ausland telefoniert, oft mit dem Facebook-Messenger, denn den benutzen nun einmal die meisten, oder mit WhatsApp und Skype, aber diese Dienste taugen nicht für alles: denn die/der Angerufene muß diesen Dienst auch nutzen, muss online sein und ehrlich gesagt, die Übertragungsqualität ist bei allen sehr oft ziemlich mies.
Ich habe trotzdem stundenlange Gespräche führen können in den letzten Wochen und diesen Tipp (keine Werbung!) möchte ich gerne weitergeben: eine deutsche Telefonie-Anbieterfirma ermöglicht das Telefonieren mit Handy- und mit Festnetzanschlüssen ohne SIM-Karte, per App im Handy, in 64 Länder dieser Erde (es werden mehr)  und 100 Minuten pro Monat sind kostenlos;  darüber kostet eine unbegrenzte Minutenzahl gerademal 4,99€!
Man selbst ist mit dieser App weltweit für Anrufe aus Deutschland erreichbar und momentan sind Anrufe in 64 Länder möglich! Satellite ist der Name, und auch wenn ich sonst ungern Werbung mache, diese App hat mir in der letzten Zeit sehr geholfen.

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Ich habe einige Projekte auf der Nadel, einige davon sogar fertiggestellt! Ein kleines Babyjäcken für einen neuen Erdenbürger ist fertig, andere Projekte noch nicht: das second-sock-syndrom schlägt zu: ein Sockenpaar aus dem lettischen Sockenbüchlein wartet auf den zweiten Strumpf und dann stricke ich gerade Strümpfe, die mir schon immer gefielen, die ich schon immer stricken wollte und die nun schon fast fertig sind: Lettische Strümpfe aus der Region VecPiebalga in Vidzeme!

VecPiebalga Zekes
Lettische Socken
Handknitted Socks of Latvia
Titelbild Praktiskie Rokdarbi

Die Musterzeichnung dazu findet sich in der aktuellen Sondernummer der lettischen Zeitschrift "Praktiskie Rokdarbi", genauere Musterzeichnungen aber in dem japanischen Buch "Hand Knitted Socks from Latvia".

Den ersten Strumpf habe ich bereits gewaschen und in Form gelegt und die Unterschiede zwischen dem geblockten und dem unfertigen Gestrick sind wirklich sehr sehr groß. Alles was hubbelig und knubbelig wirkt, wird glatt und schön!

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Ich habe im Netz nach weiteren japanischen Strickbüchern gesucht, denn die sind fast immer sehr sehr illustriert und mit einiger Mühe kann man sich darin auch zurechtfinden, auch wenn mir der Inhalt des redaktionellen Teils meistens entgeht. Ich besitze solche Bücher über Shetland, Schottland, ein Buch über fünf Strickerinnen von der Insel Kihnu und eben auch das Buch mit den lettischen Socken.

Bei der Suche nach solchen Büchern nehme ich einen online-Übersetzer zur Hilfe und da ist mir doch neulich etwas ganz Eigenartiges, Seltenes vor die Augen gekommen:
Bosnische Ekel-Handschuhe! Finden Sie nicht auch?

bosnische Ekelsocken
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Seit dem Zeitungsartikel über den Workshop bekomme immer noch Anrufe und Anfragen zur Pottmütze. Und auch Fotos. Ich habe in den letzten Tagen einen netten Brief mit kleinen Wollproben erhalten, von einer Spinnerin von der Insel Rügen, und ich werde diese Proben nun studieren ob sie sich für die Mütze eignen. Aber auch Photos habe ich gemailt bekommen und die sind so wunderbar, daß ich mir vorgenommen habe, in der Pottmützen-Abteilung eine Galerie der neu-erstandenen Mützen einzurichten.
Ich bitte Sie deshalb, wenn Sie schon eine solche Mütze fertiggestellt oder auf den Nadeln haben, mir Photos davon zur Verfügung zu stellen. Dafür habe ich ein Formular eingerichtet, mit dem Sie eine Grafikdatei oder auch eine ZIP-Archivdatei mit mehreren Bildern hochladen können. Ich binde diese dann in der neuen Galerie ein! Ich sage schon mal vielen Dank im Voraus!

Ein Topf für jeden Kopf

So titelt die Ostseezeitung heute im Bericht über den Workshop am Sonnabend in Greifswald. Und das war ein wirklich schöner Workshop.

Die Freude an der Mütze, das Interesse an der Geschichte und dem Stricken, fröhliche Gespräche, aktive Teilnahmerinnen und ein Teilnehmer, es geht weiter! Ein Folgetreffen wurde vereinbart, und neben dem Bericht in der OZ kommt heute oder in den nächsten Tagen auch noch ein Bericht beim NDR-Fernsehen. Ich freue mich wie Bolle!

 

Der Titel des Berichts in der OZ zeigt zwei Teilnehmerinnen in ihren wunderschönen Röcken von der estnischen Insel Kihnu!

Es wird doch noch gelingen, "unser" Pommern auf das baltische Strickniveau zu heben, das Bewußtsein für regionale Traditionen im Zeitalter der globalisierten Klamotten - wie geschrieben, ich freue mich wie Bolle!

Eine Teilnehmerin brachte 2 Pottmützen mit, die sie vor 20 Jahren für ihren Sohn gestrickt hatte. Damals mit handelsüblicher Wolle, superwash wohl, gestrickt - aber auch solchem Garn ist die Mütze immer schön!

Und ich bekam Fotos von einer zweimonatigen Reise durch das Baltikum gezeigt,viele bekannte Gesichter und Orte. Wieder ein Beweis, daß Stricken und Handarbeiten die Menschen und Regionen zusammenbringt.

Photos von der Insel Kihnu
Zwei Pottmützen

Photos: Anna-Konstanze Schröder

Workshop-Vorbereitungen

Ich habe schon viele Schulungen gehalten, war ja Teil meines Berufes, und immer ist ein Quant Unsicherheit dabei: welche Vorkenntnisse bringen die Teilnehmer mit, stimmt die Technik, sind die Unterlagen rechtzeitig mit der Post gekommen? Und (fast) immer habe ich diese Klippen gemeistert, entweder durchgezogen oder eben improvisieren müssen.

Aber dieses Jahr ist es anders.

Pottmützen

Zu den üblichen Vorbereitungen der Texte (erstellen, Korrektur lesen, drucken, wieder Fehler finden, nochmal korrigieren, erneut drucken), der Strickschriften (mit Stitchmastery die Charts zeichnen, daraus Grafiken erstellen, die Charts in druck- und lesbare Größe bringen, drucken und dann wieder Fehler finden und nochmall alles von vorn) und der Materialien (Wolle packen, Nadeln beilegen etc., etliche Luftmaschenketten häkeln damit der Workshop nicht schon beim provisorischen Anschlag scheitert) kommt dieses Jahr noch das Zaudern hinzu: kann der Kurs überhaupt stattfinden? Wieviele Teilnehmer melden sich trotz Virus-Bedenken an? Wieviele Teilnehmer passen in den Raum?
Die Infektions-Zahlen steigen, aber das Gesundheitsamt hat grünes Licht gegeben, Hygiene-Maßnahmen werden getroffen, ein Karton mit Einweg-Masken und Desinfektionsmittel sind eingepackt, dazu jede Menge Taschentücher ... jetzt kann ich mich überraschen lassen.

Überraschen lassen wovon? Wie wird die Gruppe sein, welche Vorkenntnisse bringen sie mit? Wieweit kommen wir beim Stricken? Daß die Mütze nicht fertig wird an diesem Tag, das ist schon klar.

Ich bin gespannt. Und freue mich auf viele Pottmützen, die ab jetzt gestrickt werden. Oder ab dem 5.12., wenn ich den Workshop in Rostock im Museum halten werde.

24.10.2020 – Workshop in Greifswald: Pottmütze

Am 24. Oktober findet mein Workshop "Die pommersche Pottmütze" im Kulturzentrum St. Spiritus in Greifswald statt, veranstaltet vom Heimatverband Mecklenburg-Vorpommern..
Es geht um die Geschichte der Pottmütze, um die Stricktraditionen im Ostsee-Raum und dann wird es auch ganz praktisch:
Im zweiten Teil besprechen wir die Konstruktion der Muster, die Stricktechniken und beginnen mit dem Stricken der Mütze.

Haben Sie noch ein gestricktes Erbstück? Vielleicht von einer Tracht? Bringen Sie es bitte zum Workshop mit. Wir forschen weiter nach regionaler Kleidung.

Pottmütze aus Heimatmuseum Göhren
Pottmützen
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Zeit: 24.10.2020, 9.30 - 17 Uhr
Ort: Kulturzentrum St. Spiritus, Greifswald, Lange Straße 49/51
Anreise: St. Spiritus ist 15 min zu Fuß vom Greifswalder Bahnhof und Busbahnhof entfernt, die nächstgelegenen Parkplätze sind das Parkhaus am Domcenter, kostengünstiger sind die Parktplätze am Bahnhof oder am Nexö-Platz.

Kosten: 20 Euro Teilnahmegebühr und 12 Euro Materialkosten (Anleitung, Garn, Nadeln), vor Ort in bar zu entrichten

Verpflegung: Pausengetränke- Kaffee, Tee, Wasser.  In der Mittagspause kann sich jeder selbst in der Innenstadt von Greifswald verpflegen.

Bitte beachten Sie die Teilnahmevoraussetzungen: Sie haben Kenntnisse im mehrfarbigen Stricken (nicht nur Streifen!), können mit einem Nadelspiel in der Runde stricken und haben Lust, Neues zu lernen.
Dies ist kein Anfänger-Strickkurs!

Die Teilnahmegebühr (20,00€) und die Materialkosten (12,00€ für Wolle, Nadelspiel und Anleitung) bezahlen Sie bitte in bar bei Kursbeginn.

Wenn Sie sich nicht sicher sind, ob Ihre Strickkenntnisse ausreichen, laden Sie sich doch vor der Anmeldung die Anleitung für die Mütze hier auf der Seite herunter:    Flyer: Pottmütze aus Göhren

Bitte melden Sie sich verbindlich über das Anmeldeformular an, geben Sie dabei an, ob Sie eher fest oder locker stricken und was Ihr bisher aufwendigstes Strickprojekt war.

Die Teilnahmezahl ist begrenzt. Falls sich mehr Interessierte anmelden, erstellen wir eine Warteliste.

Als ob ich nichts anderes zu tun hätte…

gestern hat mich eine Leserin darauf aufmerksam gemacht, daß der Download der Pottmützen-Anleitung nicht funktioniert und dieser Meldung bin ich heute nachgegangen.
Es ist wirklich ärgerlich, alle Downloads, die hier  mit einem Tool eingebunden waren, sind nicht mehr erreichbar. Ich werde alle diese Links heute korrigieren und bitte um Entschuldigung.

Aber hier schon mal die Links zur Pottmütze:   Flyer: Pottmütze aus Göhren und   Pottmütze - Korrigierte Strickschrift


Nachtrag: Die Download-Seite ist wieder in Ordnung, und ich gehe jetzt stricken...

Die Pottmütze in der Herbstausgabe der Piecework

Die Pommersche Pottmütze gehört zu meine Lieblingsprojekten, denn es lag mir auf der Seele, daß es hier im Nordosten Deutschlands nur so wenig Gestricktes aus vergangener Zeit geben soll, daß keine überkommenen gestrickten Muster oder Kleidungsstücke heute noch getragen werden. Und als ich dann die Pottmütze nach den wenigen Exemplaren, die es in Museen noch gibt, nacharbeitete, startete ich damit ein kleines Revival.
Die Mütze stieß auf angeregtes Interesse, der Heimatverband Mecklenburg-Vorpommern druckte die Anleitung der Mütze aus Gager, die im Museum von Goehren aufbewahrt wird, und die Anleitung wurde auch hier von der Webseite vielfach heruntergeladen.  Die Anleitung für die Mütze aus dem Stralsunder Museum ist jetzt auch erschienen, und zwar als Begleitprojekt zu meinem Artikel über die Wiederentdeckte Mütze der Fischer von der Insel Rügen, in der amerikanischen Zeitschrift Piecework. Zu dem Artikel Pomeranian Pottmütz - A Knitted Cap from the Island of Rügen gehört auch die Strickanleitung Pottmütz:  Re-creating a Forgotten Cap.

Pommersche Pottmütz

Piecework ist eine amerikanische Zeitschrift. die seit rund 30 Jahren Artikel und dazugehörende Anleitungen über traditionelle Handarbeitstechniken aus aller Welt veröffentlicht. Es wrd über neu-entdeckte vergessene Techniken berichtet, über Erbstücke amerikanischer Einwanderer ebenso wie über die strickenden Männer vom Titicaca-See. Autorinnen wie Beth Brown-Reinsel, Riina Tomberg, Nancy Bush, Angharad Thomas (to name a few) schreiben in diesem Magazin und ich konnte eine ganze Menge lernen.

Zu meinem Glück gibt es die Ausgaben in Druck- und in PDF-Format, und vergangene Jahrgänge oder einzelne ältere Ausgaben  kann man als PDF-Dateien  herunterladen. Auf diese Weise habe ich einen großen Bestand der Hefte seit 1993 und lese immer wieder und wieder in ihnen. In den rund 30 Jahren ist eine einzigartige Enzyklopädie zusammengekommen. 
Longthread Media LLC übernahm 2019 drei Magazine (Spin Off, PieceWork, and Handwoven) von der insolventen Firma F+W Media und sicherte so zu unserem Glück deren Fortbestehen.

Ich nahm also meinen ganzen Mut zusammen und schlug die Mütze zur Veröffentlichung vor. Und bekam den Auftrag, den Artikel und die Anleitung zu schreiben. Das hat mich sehr beschäftigt und mir Freude gemacht, es gab aber auch etliche Hürden zu überwinden. Natürlich habe ich den Aufsatz ersteinmal auf deutsch verfaßt und dann ins Englische übersetzt, meine Freundin Pat hat dann "kontroll-gelesen" und es zeigte sich, daß die amerikanische Zeichensetzung sehr von unserer deutschen abweicht. Ich habe auf den Rat gehört und die Zeichensetzung den amerikanischen Lektorinnen überlassen.

 

 

Piecework Herbst 2020

Nun also ist die Herbstausgabe 2020 erschienen und mein Aufsatz hat 4 Seiten bekommen, die dazugehörende Anleitung (samt Strickschriften) dann auch noch einmal 4 Seiten. Das macht mich stolz!
Mit der Empfehlung für ein Garn ist es ja immer so eine Sache, einerseits wollte ich möglichst authentische Wolle verwenden und vorschlagen, andererseits ist die Wolle des Pommerschen Rauhwollschafes ja nicht so einfach zu finden. Deshalb habe ich die Mütze mit der lettischen Wolle aus der Wollfabrik in Limbazi gearbeitet, eine sehr natürliche rauhe Wolle mit einer großen Farbauswahl und habe Farben verwendet, die denen der Originalmütze so nahe wie möglich kommen. Ich denke, das ist gelungen.

Und ich habe schon wieder neue Ideen für weitere Artikel, dazu muss ich aber noch ein wenig forschen.

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Nun noch ein paar Details:
Die Ausgaben der Piecework kann man auf der Webseite von Longthread Media kaufen, entweder als Druck- oder als digitale Ausgabe.

Das hier vorgestellte Herbstheft ist auf dieser Seite für 9,99$ zu bestellen.

Aber viel lohnender ist ein Abonnement des Magazins, das eine ganze Menge Vorteile bietet: Der Preis ist günstig und man erhält zusätzlich noch Zugang zu allen bisherigen Ausgaben! und weiteren unveröffentlichten Artikeln.
25$ für 4 Ausgaben / Jahresabo oder 45$ für ein Zweijahres-Abo, das kann ich nur empfehlen!

Piecework Herbst 2020 Titelbild