“Last Season” von Lernert & Sander

Wenn der Schrank voll ist … mit jeder Saison füllt sich der Schrank der Fashion-Opfer immer mehr. Da haben die zwei Künstler Lernert und Sander eine Idee:

This spring we made space for the arrival of new collections at Kiki Niesten by reducing last season knitted garments from Fall/Winter ‘13 by Céline, Chloé, Jil Sander and Prada to balls of yarn: symbols of hope and aspiration.
From 14 till 23 march 2014, the result will be showcased in the windows of clothing store Kiki Niesten. Every year during TEFAF, the renowned art fair, this prestigious shop in the heart of Maastricht takes pride in participating artistically to the TEFAF experience.

Die Webseite der Künstler: Lernert & Sander, Amsterdam

“Audžiu” / “Weaves”

Module-based shelf "Audžiu" / "Weaves" is designed using Lithuanian ethnic textile ornaments. The user can, depending on his needs, easily change combinations of segments and function zones of the shelf, allowing him to weave his desired composition.

Das schreibt der litauische Designer Rapolas Gražys auf seiner Webseite über das von ihm entwickelte modulare Regal "Audžiu" / "Weaves. Die einzelnen Module, die in ihrer reduzierten Maschenform einer Musterzeichnung entsprungen sind, können nach Lust und Nutzen unterschiedlich zusammengesetzt werden. 

Nur zu Recht hat er für diese Arbeit 2013 einen Design-Preis bekommen.

Ich kann mir noch viele andere Kombinationen vorstellen. Meine farbgestrickten Handschuhe und Tams könnte ich so präsentieren. Aber leider habe ich in unserem alten Landarbeiterhäuschen nicht mal Platz für alle meine Bücher...

Rapolas Gražys hat diese wollige Inspiration auch noch auf eine andere Weise umgesetzt, als Installation in einer litauischen Landschaft. Eine ungewohnte Weise, Strick zu präsentieren.

Interessant wie eine auf ihre klare Form reduzierte Masche nicht nur Stricker sondern auch Designer inspirieren kann, ohne in Kitsch abzugleiten -> kleiner Seitenhieb gegen die unsägliche Seite stricken.de ;=)

Selbstverständlich habe ich Rapolas Gražys gefragt, ob ich die Bilder von seiner Seite auf der Wockensolle nutze darf, und mailwendend habe ich die Erlaubnis bekommen. Dėkojame!
Der Fotograf: Kęstutis Kurienius

Textiel Plus: Neue Ausgabe

Ich mag das holländische Magazin Textiel Plus, weil es viele Informationen zu Textilkunst, Ausstellungen, Künstler bringt, die ich sonst nicht bekomme. Und beim Stöbern durch die Infos zur neuen Ausgabe habe ich auch mal wieder im  Webshop geblättert, dort werden so viele verlockende Bücher aus den Bereichen Design, Textilkunst, Kultur angeboten, daß es eine Freude ist. Ich habe schon einige Anregungen dort erhalten und die Bücher dann bestellt. Mir gefällt, daß auch etwas ältere Design-Bücher dort zu finden und zu bestellen sind.

So zum Beispiel Radical Lace & Subversive Knitting von David Revere McFadden, dem Chef-Kurator des Museum of Arts & Design, New York.  Der Katalog der Ausstellung, die 2007 gezeigt wurde, ist sehr umfangreich und zeigt die Arbeiten vieler Künstler. Wenn auch viele Rezensenten den Titel bemängeln, weil so viel Spitze ist ja gar nicht dabei, ich habe in dem Buch viele interessante Arbeiten gesehen, aus einer Zeit als Textile Art noch nicht als Brutstätte des Yarn Bombing diente ;=) Wenn ich mir so etliche Zeitungsbeiträge oder Blogbeiträge aus den vergangenen Jahren anschaue, dann haben die Vertreter des YarnBombing den Bereich des Künstlerischen doch recht impertinent und selbstsicher für sich in Anspruch genommen.

Bei dieser Ausstellung begegnen uns auch bekannte Künstler wieder. Freddie Robbins  und Dave Cole (das ist der Mann, der mit zwei Kränen Fahnen strickt).

Auf der Seite von studio international findet sich eine gute Rezension dieser Ausstellung und: da ist er wieder: Der gestrickte Mann!

Freddie Robbins: Craft kills

Freddie Robbins: Craft kills

Und so bin ich doch wieder auf weitere Webseiten gekommen, habe mich von Links zu Freddie Robbins treiben lassen und wieder viele interessante Arbeiten von ihr gefunden.

Und bei der University of Southampton bin ich wieder einmal vorbeigekommen. Die Referenzbibliothek dort und die Sammlungen sind schon sehr beeindruckend.

So beende ich diesen etwas unorganisierten Beitrag, bereite mich mental auf das Apfelpflücken heute, wenn der Nebel verflogen ist, vor und stricke bis dahin noch ein wenig an einem Socken mit ebenso unorganisierten Mustern weiter...

Zum hundertsten Geburtstag von Susanne Kandt – Horn

Am 3. Oktober 2014 wäre der hundertste Geburtstag der Usedomer Malerin Susanne Kandt-Horn.  Aus diesem Anlaß zeigt das Wolgaster Stadtmuseum bis zum 5. Oktober eine großartige Ausstellung mit den Werken dieser großen Malerin.

Ich habe die Webseite mit der Festschrift von Ricarda Horn und einigen Galerien, die ihre Werke zeigen, erstellt. Dabei habe ich natürlich einen großen Einblick in ihre Werke bekommen und eines der Bilder möchte ich zeigen: Es zeigt Ricarda Horn, die Tochter, als junges Mädchen ganz versonnen bei der Handarbeit.

Susanne Kandt-Horn: Ricarda mit Türkenbund, 1955

Susanne Kandt-Horn: Ricarda mit Türkenbund, 1955

Heute, sagt mir Ricarda, kann sie nicht mehr häkeln.

Die Links:
Die Webseite der Malerin Susanne Kandt-Horn
Stadtgeschichtliches Museum der Stadt Wolgast
Susanne Kandt-Horn in der Wikipedia

Alte Sünden werfen lange Schatten

Masken stammen aus archaischer Vorzeit und werden seit Menschengedenken in Ritualen verwendet…
Masken zeigen einen Gesichtsausdruck, eine  Empfindung…
Masken bilden die Verbindung zu den Vorfahren, den Ahnen…
Zu Masken gehört immer ein Geheimnis…
Masken beschwören, erschrecken, verbergen…

Chrystl Rijkeboer: Masken

Chrystl Rijkeboer: Masken

Alte Sünden werfen lange Schatten heißt diese Installation der holländischen Künstlerin Chrystl Rijkeboer.  10 gestrickte, lebensgroße, mehrfarbige Köpfe auf 1,80m hohen Holzpfählen. Nur Naturmaterialien werden verwendet, keine neue Formensprache sondern Archetypen. Themen, die sich seit heute nicht geändert haben: Geburt, Tod, Angst…

Was macht diese Arbeit so besonders? In meinen Augen die Direktheit, die starke Wirkung auf mich, selbst wenn ich diese Arbeiten nur bildhaft, auf Webseiten, nicht in natura im Museum, in einer Ausstellung sehen kann.

Es gibt noch eine Besonderheit, die Arbeitsweise der Künstlerin. Als Material für diese gestrickten Köpfe verwendet sie Menschenhaar.  Warum?

'Hair' contains memories. Everyone knows the lock of hair kept in a medallion or a braid that is kept in an envelope for years lying in a drawer, memories of our childhood or a lost love. They keep the past tangible. Everything perishes except for our hair. By a lock of hair you can literally touch the past.

Das Material "Haar" verbindet ebenso wie die daraus erstellten Masken die Gegenwart mit der Vergangenheit. 
Das Material "Haar" hat wie die Masken auch Fetisch-Charakter.
Das Material "Haar" ist alltäglich und doch individuell, ich könnte diese Liste weiterführen, möchte aber nicht in kulturtheoretischen Abhandlungen  versinken.
Wikipedia hat einige interessante Links zu diesem Thema: Haar / Literatur / Sonstige Literatur
 
Ich bin auf die Künstlerin Chrystl Rijkeboer durch einen Beitrag in der aktuellen Textiel Plus aufmerksam geworden.  Und wurde immer neugieriger. Und bin fasziniert nicht nur von den Masken-Arbeiten, auch die anderen Arbeiten haben einen starken Reiz.
Mein Resumée? Ihre Arbeiten sind mir fremd und vertraut.
 
 
Chrystl Rijkeboer: Wolf

Chrystl Rijkeboer: Wolf

Hier die Links:
Die Webseite von Chrystl Rijkeboer:  http://www.rijkeboer.com/
Die Bilder habe ich textielplus und der Webseite der Künstlerin entnommen. Ich habe angefragt ob das in Ordnung geht und Chrystl Rijkeboer hat das großzügig gestattet.
Textiel Plus: http://www.textielplus.nl/

Carl Larsson, die schwedische Gemütlichkeit und das gute Leben

Meine Mutter liebte die Gemälde von Carl Larsson, (1853 - 1919) dem schwedischen Maler. So lernte ich seine Bilder schon kennen, bevor sie von der Kaufhaus- und Kalenderkunst vereinnahmt wurden. Seine Familienbilder (und er hatte eine große Familie, 7 Kinder!) erfüllen wohl die Sehnsucht nach einfachem und glücklichem Familienleben. Deshalb wohl sind diese Bilder auch bekannter als seine zahlreichen Aktbilder und Bilder von Nackten in der Natur.

Und meine Mutter sehnte sich nach einer heilen Familie, die ohne große Mühe zusammenhält, Liebe und Zufriedenheit ausstrahlt, Harmonie .,. alles, was ihr fehlte, sah sie in diesen Bildern.

Sehr oft  malte Larsson handarbeitende Frauen, nähend oder strickend, zuhause, auf der Terrasse  oder sogar beim Spaziergang. In der Werkstatt steht ein Webstuhl, auf dem Tisch ein Strickzeug…

Ganz besonders gut gefällt mir dieses Porträt des Jungen Matts Bergom Larsson, das wäre doch mal ein Projekt, diesen Pullover samt Mütze nachstricken!

Carl Larsson: Matts

 Links:

PS:

Die Bilder der Galerie stammen von der Webseite zeno.org und sind gemeinfrei, das Jungensporträt von commons.wikimedia.org ist lizenziert unter Public domain über Wikimedia Commons.