Es gibt Strickprojekte, die werden und werden nicht fertig - nicht, weil sie so groß oder schwierig sind oder weil das Garn ausgegangen ist, nein, weil das Fertigstellen so wenig reizvoll erscheint. So ging es mir mit einer roten Zipfelmütze, die rund zwei Jahre fertiggestrickt, aber unvollendet in der Schlechte-Gewissen-Kiste lag. Der Grund: Ich traute mich nicht an die Schlaufenblende...
Seit ich mich mit Zipfelmützen und Kopfbedeckungen der nördlichen Hermisphäre beschäftige weiß ich von der norwegischen roten Zipfelmütze mit der Schlaufenblende, eine Mütze, die gut am Kopf sitzt, wirklich gut warm hält und auch noch im Lauf der Jahre eine politische Bedeutung bekam. Ich hatte sie in etlichen norwegischen Abbildungen und Büchern gesehen; aber dann erschien 2023 ein Buch, in dem ich beim Durchblättern eine solche Mütze auf einem markanten Kopf entdeckte: Fishermen's Knits from the coast of Norway.
Es enthält einen längeren Einleitungstext und dann verschiedene reizvolle Modelle, alle inspiriert von den Klamotten der norwegischen Fischer. Und dabei eben auch diese rote Mütze! "Fladen" heißt sie, das meint wohl "flach" oder "abgeflacht".
Solche Mützen gab es viele, das sieht man in den Beständen norwegischer Museen, aber auch in Schweden waren sie weit verbreitet, denn es heißt mit der Einführung der Strumpfstrickmaschinen wurden damit auch Kopfbedeckungen gestrickt und diese dann von Wanderhändlern nach Schweden gebracht. Im norwegischen Onlinemuseum digitalt.no habe ich mal eine Liste zusammengestellt.
Nun, die Blende wird glatt rechts gestrickt, dann umgefaltet, die Anschlagmaschen werden mit den aktiven Maschen zusammengestrickt und weiter gehts nach oben. Der Clou ist nun, daß rundherum auf der Blende Schlaufen aufgenäht werden, mit dicker Stopfnadel und doppeltem Faden, es wird nur durch die obere Lage gestochen und die Fäden werden unter den bestehenden Schlaufen verborgen. Man ahnt schon, daß das ein mühseliges Gefummel ist!
EIne andere Arbeitsweise, die nicht im Buch, aber auf der Mützenseite im norwegischen Online-Museum beschrieben ist, ist so beschrieben:
Ein gestrickter Zylinder mit Quaste. Zwei Lagen sind zusammengenäht; die äußere ist rot glatt rechts, die innere kraus rechts (wahrscheinlich) in Weiß und Rot. Gefaltete Kante an der Unterseite der Mütze, sodass der rote Teil der Innenseite außen eine kraus rechte Kante bildet. Die Lagen sind an der Unterkante sowie oben, wo die Quaste befestigt ist, zusammengenäht.
Einige Mützen sind gefüttert, doppelt gestrickt oder wie das im Buch beschriebene Exemplar mit einer gefalteten Blende versehen, aber allen Mützen soll gemeinsam sein, daß die Fischer sie unter Lederhüten trugen...
Die Schlaufenblende verschlang fast doppelt soviel Garn wie die "nackte" Mütze, man muss also mit rund 150g Wolle, möglichst 100% Schafwolle, rechnen. Und für die Blende mindestens die doppelte Strickzeit!
Ich jedenfalls bin froh, daß die Arbeit beendet ist.
Männermütze aus dem Sogn Folkemuseum
© Die Abbildungen der "echten" Mützen stammen alle von der Webseite des norwegischen Online-Museums digitaltmuseum.no
Noch eine historische Anmerkung zum Schluß: Zum Zeichen des Widerstands gegen die deutsche Besatzung im 2. Weltkrieges trugen viele Norweger rote Mützen.

















