2 Termine in Estland und Lettland

Print Friendly, PDF & Email

Ich hoffe ja immer noch, daß ich die Wollgaster WollWoche im Oktober durchführen kann, daß ich die benötigte Förderung dafür zusammenbekomme, aber das soll Sie nicht von der Teilnahme an zwei großartigen Veranstaltungen abhalten:

das CraftCamp in Viljandi / Estland und "Let's Knit in Kurzeme VII" in Liepeja / Lettland. An beiden Veranstaltungen habe ich schon teilgenommen, insgesamt 4x am CraftCamp und dann am ersten KnittingCamp in Kurzeme, veranstaltet von Sena Klets. Für alle diesjährigen Veranstaltungen gibt es noch freie Kapazitäten.

Craft CampDas CraftCamp 2019 der Kulturuniversität Viljandi findet dieses Jahr vom 8. bis 14. Juli zum ersten Mal in VIljandi und nicht mehr in Olustvere statt und unterscheidet sich dadurch etwas von den vorigen Veranstaltungen. Angeregt von den guten Erfahrungen beim Nordic Knitting Symposium letztes Jahr kam bei den Teilnehmerinnen, die schon mehrfach dabei waren, der Wunsch auf, nun einmal in dem netten kleinen Städtchen Viljandi zu lernen. Und die Räumlichkeiten der Kulturakademie eignen sich hervorragend dafür, genau wie das benachbarte Kulturzentrum.
Ein großer Vorteil: jetzt kann man unter verschiedenen Unterkünften wählen und auch abends mal in einem Café sitzen. Ich freue mich darauf!
Bei der Anmeldung trägt man sich auch für die Workshops ein, die zur Wahl stehen: je zwei eintägige und ein zweitägiger Workshop können ausgewählt werden und es gibt zum ersten Mal auch einen viertägigen Workshop: Kanu-Bauen, aber das ist eher nicht mein Ding und ich will das Erarbeitete ja auch im FLuggepäck mit nach Hause nehmen können ;=)
Im Programm ist auch ein eintägiger Ausflug enthalten, insgesamt 4 Regionen werden angeboten, und ein Abschluß-Diner mit Musik in Heimtali.
Bei allen Workshops auf der Webseite ist angegeben, ob sie für Anfänger oder Fortgeschrittene geeignet sind, und diese Empfehlungen sollte man auch ernst nehmen.

Ein solch breitgefächertes Angebot macht die Auswahl schwer: Silberschmuck, Maschinensticken, Stricken, Metallarbeiten, Stickerei, Nähen, Weben, Schmieden, Flechten, Knochenschnitzen, Färben mit Indigo, Spinnen, Klöppeln, aber sehen Sie selbst!

Info:


Knit in KurzemeWas kann ich noch Neues über diese Veranstaltungswoche schreiben? Nicht viel, außer: UNBEDINGT TEILNEHMEN!
Sena Klets veranstaltet dieses Programm jetzt zum 7. Mal. Die Woche im Mai ist ausgebucht, aber warum nicht im September nach Riga und Kurland reisen? Der Frühherbst dort ist wunderschön!
Diese Woche bietet Workshops unterschiedlicher Länge, Besuchen in Handarbeitszentren, Kunsthandwerkerzentren und Museen, Präsentationen, Ausflüge... sie beginnt in Riga bei Sena Klets und endet auch in Riga. Ziedite Muse von Sena Klets begleitet die Gruppe, und und und..

Ich nenne jetzt noch ein paar Stichworte um Sie neugierig zu machen und zur Anmeldung zu nötigen: Suiti, Rucava, Perlenstricken, verschiedene Bündchen, das Museum in Liepaja, das Zvanitaj Zentrum in Rucava, Workshops zu doppeltgestrickten Handschuhen, Netzbrioche, unterschiedliche Bündchen, Fingehandschuhe stricken...

DIe Unterrichtssprache ist englisch, und die lettischen Ansprachen, Vorträge etc. werden ins Englische übersetzt.

Hier alles Wichtige aus der Ankündigung von Sena Klets, in englischer Sprache:

From **September 5th to 9th in Liepāja,** Latvia, we invite you to learn the traditional mitten knitting of the Kurzeme region and explore Latvian culture, traditions and crafts.

The Application Form: bei GoogleDocs

Details

General information:

Participation Fee contains:

  • Organizer: National Costume Center, Senā klēts,Sena Klets
  • * Workshop languages: Latvian / English
  • * Total participation fee: 570, – eur / (520,- eur **Early bird price** for applications until March 5th, 2019)
  • * Application deadline: 20th July, 2019
  • The Participation fee includes:
    • Transportation from Rīga to Liepāja and back.
    • Four nights at a 3 to 4 star hotel in Liepāja on a shared Twin room basis ( Single room with supplement payment available)
    • All meals, tea and coffee breaks.
    • Museum visits and a tour around Liepaja and Kuldīga.
    • All necessary yarns and needles for the workshops.

Retreat itinerary

Thursday, September 5th
10:00 Optional introductory meeting at Senā Klēts, Ratslaukums 1, Riga
11:00 Departure from Senā Klēts to Talsi
13:00 Lunch
After lunch Workshop in Talsi craft house: “Knitted Gloves” with masters from Applied Arts Studio “Dzīpars” leader Valda Dedze
17:30 Departure from Talsi to Liepāja Hotel Kolumbs
20:00 Dinner at the Hotel Kolumbs restaurant. Welcome evening

Friday, September 6th
9:00 Walk to Kungu Street Creative Quarter from hotel Kolumbs
An exhibition and lecture about Kurzeme mittens with Applied Arts Studio “Kursa” leader Ilma Rubene
Workshop: “The knitting of braids and fir needles.” Master Rita Pogoska
13:30 Lunch
A visit to Art and Craft Center “Dārza iela”
Workshop: Double knitted mittens, master Aiva Dzenīte.
Workshop: The knitting of “Čiekuriņi”, master Milda Dīriņa
19:00 Dinner with the folk music group “Atštaukas”

Saturday, September 7th
9.00 Tour around Liepaja and trip to Rucava.
Visit Ethnographic living history house “Zvanītāji’’. Rucava region traditions with Sandra Aigare.
Workshop: “Traditional Rucava notched or picot cuff edges” Masters: Aleksandra Maksakova, Rasma Kleina, Dace Liparte
13:30 Lunch
Workshop: “Colorwork (4 to 5 colors) Mittens and Honeycomb Brioche mittens”
17:30 Departure back to Liepāja
18:30 Dinner at the Hotel Kolumbs restaurant

Sunday, September 8th
9:30 Walk to Liepāja Museum from hotel Kolumbs
Ethnographic (Traditional Craft) Exhibition visit in Museum
Workshop: “Variations of Mitten Cuffs” with master Maruta Eistere
13:30 Lunch
14.30 Kurzeme Region National Costume Information Center visit and presentation of book “Suiti patterned socks” by author Lia Mona Ģibiete.
Workshop: “Beaded Mittens” with master Solvita Zarupska
18.00 Walk tour around Liepāja or free time
19:00 Dinner Promenade Hotel, Restaurant “Piano”

Monday, September 9th
9:00 Departure from Liepāja to Riga
Stop in medieval town Kuldīga, tentatively listed by Unesco World Heritage Centre.
11.00 Workshop with Applied Arts Studio “Čaupas” leader Jolanta Mediņa.
Walk tour around Kuldīga.
14:00 Lunch in “Jēkaba sēta”
Arriving in Riga around 17:00

We welcome everyone, including spouses!
Recommended knowledge for participants at least on intermediate level.
Spouses will have discounted participation fee and will be able to enjoy all the cultural experience!

Recommended books:
Lizbeth Upits. Latvian Mittens.
Maruta Grasmane. Mittens of Latvia. ( Handschuhe aus Lettland / Latviske Vottar / ラトビアのミトン / LES MOUFLES de la LETTONIE / LÄTI KINDAD)

For any questions please email cimdi@senaklets.lv

Also: Unbedingt anmelden!

Fundiert und informativ: WollWaerts-Interview mit Kristi Jõeste

Print Friendly, PDF & Email

Ich habe soviele Themen auf der Liste und bevor ich das aktuellste Thema anspreche, liste ich meine geplanten Themen hier auf, dann können  Sie mich an den Ohren ziehen, wenn ich wieder prokrastistricke... (Wortschöpfung von mir: mittels Stricken andere Tätigkeiten in den Hintergrund schieben...)

Nun, ich wollte und werde schreiben über

  • die Ausstellung Flying High - Künstlerinnen der Art Brut in WIen
  • Strickende Männer
  • ein neues Buch über Jacken aus Kurzeme / Kurland und eine virtuelle Ausstellung dazu
  • das (über)nächste Knitting Camp "Let's Knit in Kurzeme" im September

aber ein anderes Thema ist mir wichtig. Ich hatte ja heftig geschimpft über den unsäglich dünnen TV-Bericht "Stricken an der Universität". Aber meine Freundin Claudia Krischer hat es nicht beim Schimpfen belassen, sondern ein ausführliches Interview mit Kristi Jõeste, der Programmdirektorin "Textil" an der Kulturakademie Viljandi geführt und auf ihrem WollWärts-Blog veröffentlicht:

Oh mein Gott, wie geschickt sie waren

Muß ich Kristi noch vorstellen? HIer bei der Wockensolle ist sie ja keine Unbekannte mehr ;=)
Ich habe meinen ersten Workshop bei meinem ersten Craft Camp bei Kristi Jõeste gehabt und danach noch weitere Kurse. Ihr Wissen, ihre Kunstfertigkeit ist beneidenswert und natürlich an dem Nordic Knitting Symposium teilgenommen, das sie letztes Jahr organisiert hat, darüber habe ich ja ausführlich berichtet (mein Bericht über das letztjährige Craft Camp steht immer noch aus, merke ich gerade..)

Kristi hat das Buch "Ornamented Journey" herausgegeben und am ersten Band der Reihe Estonian Knitting - Tradition and Techniques mitgearbeitet und war Knitter in Residence bei der Shetland WoolWeek 2016. 

Ich rate also, sofort zu WollWärts zu wechseln und das Interview mit ihr zu lesen, danke Claudia!

Estland – Stricken an der Universität

Print Friendly, PDF & Email

Dem ZDF-Magazin "Heute in Europa" ist es heute wieder einmal gelungen, einen Beitrag zu senden, der mit allen abgedroschenen Klischees eingeleite wird, ein paar Stimmungsbilder zeigt, keine Fakten nennt (welche Universität? ) und dann zum Schluß etwas Werbung für ein StartUp betreibt.  Also wenig Hand und wenig Fuß, aber es geht um Handarbeiten.

Vorgestellt wird der Strickunterricht an der Kulturakademie Viljandi in Estland, ein Institut der Universität Tartu und den Wockensolle-Leserinnen sicherlich nicht unbekannt, bin ich doch jedes Jahr mindestens einmal dort und berichte auch davon hier auf der Wockensolle.
Es ist aber nicht erkennbar, ob die versammelte Stricker-Gruppe zum Ausruhen vom angestrengten Digitalen Leben zusammengekommen ist oder welchen Rang dieser Unterricht hat. Die renommierte Lehrerin Kristie Joeste wird nicht vorgestellt, ihre Aussage willkürlich zusammengeschnitten und dann ein kurzer Schwenk über die wunderbaren Handschuhe bevor zu einem Neuen Modelabel übergeleitet wird.

Die unvermeidliche Großmutter wird wieder anmoderiert, "zwei rechts zwei links zwei fallenlassen" darf auch nicht fehlen - einfallslos wie sonstwas ist diese Anmoderation, Klischees sind halt immer leicht zur Hand.

Aber kann man mehr von einem Magazin, auch wenn es vom Sender als Nachrichtensendung rubrifiziert wird, erwarten?
Nun schaut's Euch an, hier kommt der Ausschnitt aus der betreffenden Sendung, die noch bis zum 28.01.2020 online sein wird.

Aber schön ist ein VIljandi, der viele Schnee - das habe ich leider noch nicht erlebt. Als ich im WInter dort war, gabs nur ein wenig Puderzucker auf den Bäumen ...

Estnische Pulswärmer von der Insel Ruhnu

Print Friendly, PDF & Email

Die Frühjahr - 2019 - Ausgabe des von mir sehr geschätzten Piecework-Magazinn kommt mit einer schönen Überraschung daher: auf dem Titelbild prangt ein Paar Pulswärmer unverkennbar estnischer Prägung, reißerisch angekündigt mit der Schlagzeile Knit Clever Colorwork from Estonia's Ruhnu Island.

Ein ausführlicher Artikel The Exceptional Knitting of Ruhnu || Everyday and Festive Garments und die Anleitung für das Paar Pulswärmer stammen natürlich von? na von wem wohl? Selbstverständlich von Riina Tomberg und Nancy Bush! Sachkundigere Autoren als diese beiden sind schwer zu finden.

 

Ich habe das Glück gehabt, schon mehrfach Seminare / Workshops von Riina Tomberg mitzumachen und habe von ihr die Techniken der estnischen Inseln Saaremaa, Kihnu und Ruhnu nahegebracht bekommen. Und letzen Sommer war ich ganz nahe an der Insel Ruhnu dran.. aber eben nur "ganz nahe"; denn aus unserer Woche auf der Insel wurde nichts, die Fährverbindung war zusammengebrochen.

Das Besondere der Ruhnu-Strickerei? Wenig Farben (naturweiß, dunkelblau, seltener rot), farbige Muster nur in Bündchen und an Halsausschnitten, der Rest ist in naturweiß gehalten, mit vertrackten wunderschönen Strukturmustern: OpenWork, Zöpfe, und vor allem die Travelling Stitches, einzelne Maschen, welche nach links oder rechts mit rechten oder auch linken Maschen gekreuzt werden.

Viele Handschuhe und Pullover sind hauptsächlich in den Museen in Schweden und Finnland erhalten, denn dorthin flohen die "Inselschweden" im 2. Weltkrieg und sie nahmen ihre Stricktraditionen mit. Aber auch in den estnischen Museen finden wir wunderschöne Exemplare.

Nun hatte ich mich im letzten Sommer an die Handschuhe von der Insel Ruhnu gewagt, deren Vorbild im Estnischen Nationamuseum in Tartu liegt (ERM A 509:5278). Anu Pink hat die Anleitung "Old Runö Gloves" erstellt und als PDFzum Download zur Verfügung gestellt.
An dieses Projekt habe ich mich gewagt, zuerst ein wenig die Muster geübt und gleich falsch begonnen, ich habe den weißen und den blauen Faden in der falschen Richtung verkreuzt. Zudem wurde das Strickstück bei einer vorgegebenen Maschenzahl (96M) mit Nadelstärke 1.25 viel zu eng für meine zarten Hände und ich bin zur Nadelstärke 2.0 gewechselt.

Ruhno ferryboat victim mittens habe ich dieses Projekt genannt und bei Ravelry eingestellt. Aber fertiggestellt habe ich diese Handschuhe dann nicht, das war wie  mit dem falschen Fuß aufgestanden...

Estonian National Museum, Collection: kindad, sõrmkindad,
ERM A 509:5278/ab
Eesti Rahva Muuseum, http://www.muis.ee/en_GB/museaalview/504457

Beim CraftCamp dann im Juli 2018 konnte ich einen neuen Ansatz wagen, denn Riina Tomberg gab einen Workshop zu diesem Thema.
Die Vorgabe für das Projekt war schon großzüger: 80 Maschen mit Nadel 1.5 und das Garn war auch ein wenig stärker.
Aber auch dieses Projekt habe ich (bisher) nicht vollendet. Ich habe bei den Travelling Stitches auf dem Handrücken einen Fehler gemacht und erst einige Reihen später bemerkt. Und mit meinen alten Augen kann ich das komplizierte Geflecht nicht so gut sehen, ich habe mir also eine Arbeitslupe besorgt, was auch eine Zeit dauert, und kann mich mit ihr nicht anfreunden. Einfach so aufribbeln möchte ich aber auch nicht...

Da kommt die Anleitung im Piecework-Heft doch gerade recht! Riina Tomberg ist eine sehr gute Lehrerin und kennt ihre Schüler, also hat sie zusammen mit Nancy Bush für das Magazin eine Anleitung mit 61 Maschen und Nadelstärke 2.0 erarbeitet.

Das macht es Anfängern (fortgeschrittenen Anfängern) leichter.. und ich werde erstmal diese Anleitung nacharbeiten, bevor ich mich das andere Projekt wieder aufnehme. Und vielleicht können wir ja dieses Jahr vor oder nach dem CraftCamp ein paar Tage auf Ruhnu verbringen, schön wärs!

Und hier noch einmal die Links:

My location
Routenplanung starten

Ausklang in Riga

Print Friendly, PDF & Email

Am Montag war die Stadt nahezu leer, wer gefeiert hatte ruhte sich aus und ließ die Ereignisse nachklingen.Mein Tagesplan war jedoch gut gefüllt:

Linda Rubena vom Latvian National Centre for Culture hatte ein Frühstück am späten Vormittag angeregt und so kam eine fröhiiche Gruppe zusammen, Solvita, Dace Gaile, Lizzy, Carla und Baiba.

Baiba zeigte ihre neueste Creation: Nicht Stulpen mit Perlenstrickerei, nein, sie hatte die Ärmel eines Kleides so gearbeitet.

Dace, die ich seit der Textilausstellung im Frühjahr in Greifswald gut kenne, hatte auch ihre Strickerei dabei, sie geht nie ohne ihre Perlenstrickerei aus dem Haus und es müssen inzwischen mehrere hundert mauči sein, die sie schon gestrickt hat.

Und Carla (Dutch Knitters) brachte ihr neuestes Buch mit:  Magic Motifs: Knitting with a Secret Message , die lettische Technik, aus Daten Strickmuster zu erschaffen und so beispielsweise ganz persönliche Geburtstagsmuster zu erhalten, hatte sie bei unserem ersten lettischen Strickworkshop in Strazde im Mai 2016 von Baiba kennengelernt. Das Buch umfaßt nun auch Anleitungen zur Integration von Morse-Codes und Braille-Blindenschrift; warum also keine geheimen Nachrichten in unsere Handschuhe und Pullover einbinden?

 

wie immer: ein Klick auf ein Bild öffnet es in einer Galerie-Anzeige

Bei jedem Aufenthalt in Riga sollte man im Zentrum Ritums vorbeigehen, es gibt immer interessante Ausstellungen verschiedener Handarbeitsorganisationen zu sehen und zu bestaunen. So auch dieses Mal: Die Ausstellung 100 cimdi pūriņā anläßlich des lettischen Jubiläums zeigte wunderbare Arbeiten: Handschuhe, Stulpen, Gürtel... eine kleine Galerie folgt.

Ich war besonders angetan von den vielfältigen Arten, ein Bündchen zu gestalten, kleine Meisterwerke!

wie immer: ein Klick auf ein Bild öffnet es in einer Galerie-Anzeige

Am Abend dann war ich von Maruta und Bruno Grasmane eingeladen zu einem Blues-Konzert, eine lettische Blues-Nacht mit verschiedenen Bands. Die gebotene Qualität steigerte sich von Band zu Band, nach der ersten Pause wurde es besser.  ;=)

Ja, das kann ich von meinem Aufenthalt in Riga berichten, den Dienstag verbrachte ich recht ruhig und am Mittwoch morgen, vor meinem Heimflug, traf ich mich mit Lizzy und Jana (Klintawolle.de) zu einem Kaffeeklatsch und dann war die Zeit auch schon vorbei.

Zuhause fand ich dann einen interessanten und kenntnisreichen Artikel über die Feierlichkeiten und die Traditionen in Lettland:

100 Jahre Lettland - Handschuh-Daumen hoch!

der mit dem Fazit schließt:

So kosmopolitisch, kulturell versiert und traditionsbewusst gelingt es einem auf den ersten Blick eher unauffälligen, doch, wie man sieht, durchaus geschichtsträchtigen, symbolträchtigen und ohnehin sehr nützlichen Bekleidungsstück wie dem Wollhandschuh – quasi als Parallele zum flächen- und zahlenmäßig eher kleinen Mitgliedsstaat Lettland am östlichen Rand Europas – unterhaltsamen Schwung in die reichhaltige Palette der Feierlichkeiten rund um dessen Nationaltag zu bringen.

Dem schließe ich mich aus vollem Herzen an.

Das Jubiläumswochenende in Riga

Print Friendly, PDF & Email

Zwei Reisen im November, das ist schon fein... zum Martinsmarkt nach Tallinn und dann nach Riga zum Jubiläum, aber das hätte ich ja auch in einer Reise zusammenfassen können, warum nicht? Warum tue ich mir den Rückflug aus Tallinn, 4 Tage zuhause und dann wieder nach Berlin, dort Übernachtung und am Samstag nach Riga, an?
Es gibt einen Grund: Ich wollte an der Halbtagskonferenz "Trachten – Tradition und/oder Mode"  des Heimatverbands Mecklenburg-Vorpommern teilnehmen, und diese fand am 16.11. statt. Über diese Tagung werde ich in einem separaten Beitrag berichten, es war interessant, anregend, lehrreich für mich.
Die Tage zwischen den Fahrten musste ich dann hauptsächlich am Rechner verbringen, etliche der von mir betreuten Webseiten waren von Hackern verseucht worden und zudem steht ein Umzug der Webpräsenzen auf einen modernen, neuen Server an, da gilt es Einiges zu bedenken, zu sichern und zu regeln. Also deshalb zwei Reisen!

Anderthalb Flugstunden von Berlin sind es und mit Baltic Air reist man auch recht bequem. So kam ich dann am 17.11. recht entspannt in der lettischen Hauptstadt an und machte mich gleich auf einen ersten Rundgang.

Ich schlage mein Quartier fast immer in der Altstadt auf, in VecRiga, in der Nähe meiner üblichen Anlaustellen: Buchläden, Cafés, Sena Klets...

Deshalb nun ein kleiner Stadtrundgangzur Einstimmung.

Das Ende des ersten Weltkrieges hat viele Staaten entstehen lassen, und so feierten im Jahr 2018 Finnland, Estland, Litauen, Polen, Lettland und auch Deutschland ihr Hundertjähriges.

Dieses Jubiläum beginn Deutschland geradezu stillschweigend, denn an dem 9. November 1918  wurde eben nicht nur die erste deutsche Republik ausgerufen, an diesem Tag 1923 scheiterte der Hitler-Ludendorff-Putsch, 1938 gab es die schlimmen, später  Kristallnacht genannte Pogrome gegen Juden, und 1989 fiel die Mauer. Schlimme und gute Ereignisse - das wird nicht so froh und herzlich gefeiert.

In Lettland war das anders: das ganze Land bereitete sich auf das Jubiläum vor, überall gab es Ausstellungen, wurde in den Archiven gestöbert, Trachten wurden geschneidert und jeder Lette sollte seine eigenen Handschuhen tragen. "Lernt von Euren Meistern", "Jedem Letten seine Tracht" und "Cimdota Latvia" - um nur einige der vielen Aktionen zu nennen. Die Webseite lv100.lv zeigt die unglaubliche Vielfalt der Jubiläumsaktionen.

In allen Geschäften, an allen Ladenkassen lagen kleine Ansteck-Fähnchen aus, Schokoloade in den Nationalfarben, sogar Kuchen in den Nationalfarben und mit einer Marzipanfahne... nichts was es nicht gab.  Sogar Tiefkühlkost warb mit der Nationalfahne.
Überall war geflaggt und fröhliche Menschen bevölkerten die Innenstadt. Freude war überall zu spüren.

Da es im November schon sehr früh dunkel wird, erstrahlte die Stadt zudem illuminiert vom Lichterfest "Staro Riga".

Ich freue mich immer wieder Vija Staskunas an dem Mäuerchen vor der Figur der Bremer Stadtmusikanten zu treffen. 

Von ihr habe ich schon einige Anregungen bekommen, seien es kleine Armbänder mit Bernstein oder hübsch bestickte Stulpen...

3 Tage in der Woche steht sie hier und verkauft Handarbeiten; Handarbeiten die sich doch sehr von den üblichen Souvenirs unterscheiden. Sie bessert durch den Verkauf ihre Rente und auch die manch anderer alten Damen auf, die von der kargen Pension nicht leben können.

Sonntag dann der große Tag: Versammlungen am Freiheitsdenkmal, Chöre, Umzüge, feierliche Reden - es war kein Durchkommen zum Platz und ich wollte dieses Fest den Letten überlassen.

In der Alstadt soviele Flaneure wie sonst im Sommer, aber diesmal keine Touristen, sondern Letten in Feiertagslaune. Ich ließ mich treiben und freute mich. Und ich gönnte mir eine Schokoladenpause im Riga Black Balsams Café. 

Und wie auf dem Bild zu sehen ist, trug auch ich wunderschöne lettische Handschuhe bei mir - ein Paar aus Rucava, das ich letztes Jahr ergattert habe.

Ich bahnte mir meinen Weg zu SENA KLETS zwischen vielen Menschen hindurch und musste auch des öfteren anhalten, denn viele militärische Formationen marschierten durch die engen Gassen, skandierten laut und sangen, nur übertönt vom Lärm mehrerer Kampfhubschrauber und eines Jagdbombers, die zu Ehren der Republik über die Stadt donnerten.

Ich freue mich lieber unmilitärisch.

Mit einbrechender Dunkelheit strömten immer mehr Menschen an das Ufer der Daugava, um zu singen und das für den Abend angekündigte Großfeuerwerk zu genießen. Und immer mehr trugen Fackeln, ein großer freudiger Fackelzug zog durch die Stadt.
Ich war eingeladen zu einer Feier in SENA KLETS, die Räume waren festlich erleuchtet und ein Tisch mit vielen Leckereien wartete auf uns. Die Familie Grasmane war versammelt, Ziedite hatte eine Handschuhtorte gebacken und wir stießen an mit Glühwein und heißem Johannisbeer-Balsam-Punsch.

Um 18:18 stießen wir an, nachdem der Präsident Lettlands seine Rede gehalten hatte und die Nationalhymne gesungen war.

Zum Abschluß der Aktion "Cimdota Latvia" (Lettland in Handschuhen) wurde dann noch ein Gruppenfoto gemacht, auf dem soviele Handschuhe wie möglich zu sehen sein sollten. Und dieses Foto hat es dann auch in etliche soziale Netzwerke und in die Fotogalerie auf der großen lettischen Webseite delfi.lv geschafft.

Mit diesen Handschuhfotos schließe ich ersteinmal meinen Bericht von der großen Feier in Riga Ich fühle mich zwischen so vielen Menschen nicht wohl und trat den Rückzug ins Hotel an und fand dann auch noch irgendwie meinen Weg durch die Menge der Feiernden, die alle zum Ufer wollten. Eine grosse fröhliche, ruhige Menschenmenge in Feierlaune, so geht es wenn die lettischen Introverts (wie sie sich selbst kokett bezeichnen) froh sind!

Im nächsten Beitrag geht es dann um den Besuch im Kunsthandwerkszentrum Ritums, das Latvian-Blues-Festival und ein Treffen mit unseren Strickfreundinnen!

Freunde aus Lettland, den Niederlanden, Japan und und Deutschland sieht man auf dem Bild, Lizzy aus Frankreich hat sich wieder versteckt ;=)