Ich fühle mich irre…

vor einem haufen kleiner miseren

So übersetzt Felix Philipp Ingold einen von Georges Schéhadé memorierten Vers von Jules Laforgue. Also eine Art Stille Post.

Und so geht es mir gerade auch. Kleine Miseren wachsen sich zu großen Einschränkungen aus, Grenzen werden geschlossen, Bildung abgesagt, wir sollen zuhause bleiben, nicht hysterisch werden - die Welt um uns herum jedoch zieht gerade alle Register der Hysterie.

Privat? Ich bin traurig, denn der Verlust meiner liebsten Freundin hat mich sehr getroffen. Die Fahrt zur Trauerfeier hat aber auch viele Freundschaften wieder bekräftigt oder wieder-aufleben lassen. Ich habe mich auf die bevorstehende Reise nach Estland gefreut, auf Treffen mit Freundinnen, Besuch im Nationalmuseum, Studieren alter Strickarbeiten, eine Ausstellungseröffnung, den Besuch des Arvo-Pärt-Zentrums... ich erhoffte mir davon eine Aufhellung meiner Stimmung. 
Und diese Reise findet nun nicht statt. In Estland ist der nationale Notstand ausgerufen, alle Veranstaltungen sind abgesagt, Museum sind geschlossen - ich habe so gut es ging alle Buchungen storniert und bleibe nun zuhause. Und arbeite an meinem Projekt, der Rekonstruktion alter estnischer Strickmuster aus der Mulgi-Region und dem Schaffen neuer, zeitgemäßer Anleitungen mit diesen schönen Mustern, und zu meiner Freude stelle ich fest, daß "meine" Pottmütze wieder auflebt.

MönchguterIch habe einen Brief mit einer Fotografie einer fertiggestellten Mütze erhalten (danke!), der Spinnkreis "Wittower Spinnradl" hat ein Pottmützenprojekt gestartet, es ist schön wie diese Idee Kreise zieht, wie ein vergessenes Kleidungsstück wieder ans Tageslicht und auf die Köpfe kommt.

Letzte Woche habe ich dann auch meinen Artikel über die pommersche Pottmütze für die amerikanische Zeitschrift Piecework fertiggestellt und abgegeben, das tut mir gut, ich habe jetzt wieder einen freien Kopf.

Aber wie geht alles weiter? Kann ich die abgesagte Reise nachholen, findet der geplante Workshop beim Projekt "Stettin - Mikrozentrum Europas" im Mai 2020 statt, kann ich im Juli zum Craft Camp nach Viljandi fahren, im August an "Let's Knit in Latgale" von SENA KLETS teilnehmen? Alles steht in den Sternen, alles macht Angst, aber lassen wir uns nicht über Gebühr ängstigen, sondern bleiben wir ruhig und besonnen. Stricken hilft.

 

Handschuhe aus Lettland – wo kann man es bestellen?

Leider ist das Buch, das sich so vortrefflich als Weihnachtsgeschenk eignet, zur Zeit bei amazon.de nicht erhältlich.

Als Ausgleich aber gibt es ein Weihnachtsangebot beim englischen Ableger des Amazon-Konzerns:

32,80 £ für das Buch und die Versandkosten = 38,95 € beim Versand aus Lettland

und für 2,00£  mehr versendet Amazon das Buch aus UK mit einer garantierten Zustellungszeit zum 11. / 12. Dezember.

In Riga und nach Viljandi

Ein Wochenende in Riga, dafür bin ich immer zu haben, ich sitze gerne in den schönen Cafés, notiere mir Ideen oder stricke vor mich hin.

Oder ich treffe mich mit Freunden und Bekannten in meinen Lieblingscafé oder in einem Restaurant. Und wie schon öfter erwähnt, eine Pavlova, ein Traum aus Sahne, Baiser und Obst, muß einfach sein!

So saß ich denn wieder im Café Rigensis in der Tirgonu Iela / Marktstraße und traf mich wieder einmal mit Jana Dargune. Jana ist eine eifrige Strickerin, entwirft Mützen und Handschuhe, Acessoires mit den schönen baltischen Garnen und hat diese Garne auch mit einem Online-Shop exportiert.
Mit ihr habe ich die Möglichkeiten besprochen, für "meine" Pottmütze das Garn, die notwendigen Nadeln und die Anleitungen in einem "Kit" zusammenzustellen und bei Vorträgen oder Workshops dann auch gleich verkaufen zu können. Es ist ja nicht so einfach das richtige Garn für diese Mütze zu finden, in der richtigen Stärke und mit der richtigen "Natur-Wolligkeit".
Vielleicht klappt es ja und ich kann demnächst diese Sets anbieten.

wie immer: aufs Bild klicken für eine größere Ansicht

Und dann fragte Mary Germain per Mail an, ob ich für einen anstehenden Workshop ein Bild mit allen Ausgaben des Handschuhbuches von Maruta Grasmane hätte. Eben in allen sieben Sprachen (lettisch, englisch, deutsch, norwegisch, japanisch, estnisch, französisch). Ein ganz aktuelles Bild hatte ich auch nicht und so habe ich dann mit Montas HIlfe in Sena Klets diese Bücher arrangieren und fotografieren können.

Das Bild zeigt schon die Vorbereitungen für die für den 15. November angesetzte Ausstellung der wunderbaren Arbeiten der Meisterin Ilze Kopmane. Eine erste Hängung und das Plakat... Über diese Ausstellung werde ich in einem späteren Beitrag berichten.

Den schönen Tag beschloß ich zusammen mit Maruta und Bruno Grasmane bei einem leckeren Abendessen im Restaurant Neiburgs in der Altstadt. Wer wirklich gut essen gehen möchte in Riga, der sollte hier speisen!

Für den nächsten Tag steht die Fahrt nach VIljandi in Estland an, zur Teilnahme an der Konferenz "Studying Traditional Crafts: Goals and Methods in Higher Education", auf deren Programm ich schon sehr gespannt bin.

Ich erwarte mir von dieser Veranstaltung viel: Input, Ideen, neue Bekanntschaften.

Themen aus vielen Bereichen stehen auf dem Programm, Vorträge und Präsentationen. Darüber im nächsten Beitrag.

in Riga: Kalenderpräsentation und Pfannkuchen

Was mache ich bei der Ankunft in Riga zuerst? Na erstmal im Café eine Pavlova-Schlemmerei genießen und dann SENA KLETS aufsuchen. Das ist immer wie ein Nachhausekommen.

Und gestern hatte ich noch ganz besonderes Glück: Die unermüdliche Linda Rubena vom Kulturinstitut Lettlands hatte zur Päsentation des Kalenders für das Jahr 2020 geladen. Das Thema: Kinder in Trachten.

Und so bekamen wir ein Video von den Photoshootings gezeigt, das die Phantasie und das Können des Aufnahmeteams, aber vor allem die wunderhübschen Kinder in ihrem Trachten zeigt. Leider hat ein Monatskalender nur 12 Blätter und die Motivauswahl muss recht schwergefallen sein.

Die Aufnahmen waren das Jahr über im  Freilichtmuseum Riga gemacht worden, mit Trachten aus den verschiedenen Trachtenregionen Lettlands, stolze Mädchen in Suiti-Tracht und Jungs in schönen blauen Jackets und gelbgemusterten Strümpfen. Alle waren stolz, als sie Taschen mit dem Kalender überreicht bekamen, es gab Applaus und Blumen.

Und die Einladung zu Pfannkuchen und Kakao nahmen nicht nur die Kinder gerne an!

Zwei der obigen Photos stammen aus Linda Rubenas Beitrag auf Facebook , danke, paldies!

Sommer 2019: Erste Station: Riga

Riga war die erste Station auf der Reise, leider verregnet und wenig sommerlich. Ich wurde aber so freudig von Ansis Grasmane am Flughafen begrüßt, daß das Wetter mich kalt ließ.
Hier in Riga begann unsere Reise, wir hatten für ein paar Tage ein Apartment direkt an der Peter-Basilika gebucht und waren so mitten drin im Zentrum. Zu dritt streiften wir durch die Innenstadt, inspizierten die Buchläden und besuchten natürlich Sena Klets.

 

Rockausstellung in Sena Klets
Pat und Sue
Rigaer "Beute"

Sena Klets zeigte eine interessante Ausstellung lettischer Trachtenröcke, einer schöner als der andere.
Bei Tines gönnte ich  mir ein blaugrünes Verlaufsgarn und im  Upes-Laden in der Richard-Wagner-Straße fand ich dann auch CDs von Auli. Die anderen Büchlein habe ich nicht wie sonst bei Valters un Rapa, aber im benachbarten GLobus-Buchladen gefunden.

So hatte ich gleich zu Beginn der Reise schon ein paar Dinge mehr im Koffer, dazu kamen dann SenaKlets-LATVIEŠA CIMDI - Projektbeutel, die uns Maruta Grasmane beim Abendessen dann auch signierte.

Zurück aus Riga!

Ich brauche immer einige Tage um mich nach einer intensiven, erlebnisreichen Reise wieder zuhause einzufinden.
Jetzt bin ich ja schon 2 Tage wieder zuhause, aber in Gedanken noch beim großen Fest in Riga, dem 100jährigen Jubiläum Lettlands.

Und während ich einen ersten kurzen Bericht auf Ravelry schrieb, stürzte dort der Server ab. Auf der Wockensolle möchte ich noch ausführlich berichten, aber schon mal vorab, als Lebenszeichen, ein Foto von der Party bei Sena Klets, das es bis auf die Webseite Delfi.lv geschafft hat:

Cimdota Latvia! Tragen wir unsere Handschuhe zu Ehren Lettlands!

Wer ist hier alles zu sehen?

Maruta Grasmane, Bruno Grasmanis, Ansis Grasmanis und Monta Grasmane, Linda  und Elza Rubena, Nora Grasmane, ZIedite Muse, Carla und ihre Freundinnen Tia und Anneke aus den Niederlanden, der Fotograf,  Arta Ozola-Jaunarāja,Laila Udre und Akiko Mizoguchi! Lizzy war auch dabei aber nicht im Bild.

Niemals hätte ich gedacht, als ich im August 2014 bei SENA KLETS hereinstolperte, daß ich eines Tages an einem solch denkwürdigen Tag dabei sein könnte!

Fotos: F64/Kultūras ministrijas Latvijas simtgades birojs

Auf die nächsten 100 Jahre!