Sommer 2019 – Absolutely Elle-Malle!

Wie schon im letzten Beitrag geschrieben, waren wir auf Vormsi im Elle-Malle Pensionaat untergekommen und das war ein Volltreffer. Die Wirtin Elle-Malle ist absolutely (ihr englisches Lieblingswort) kommunikativ und inselkundig.
Sie lebt seit ihrer Zeit als Forstarbeiterin auf der Insel und betreibt die älteste Unterkunft hier (seit 1994): das Gästehaus mit Frühstücksraum, Antiquitätenkeller und Sauna, dann mehrere Bungalows im Wald, eine Ferienwohnung im 1. Stock eines Wirtschaftsgebäudes, Gästezimmer in der alten Mühle und dann die Wiese als Campingplatz. Es gibt eine Feuerstelle und Sitzgruppen im Freien, das Gemüse und Obst stammt alles aus dem eigenen Anbau (absolutely bio) und man kann Fahrräder ausleihen, davon möchten wir allerdings abraten, die Räder hatten wohl das gleiche Alter wie wir Reisende...

Einige Informationen:
Das Elle-Malle Gästehaus bei VisitEstonia.com

Elle-Malles Kontakt:

ellemalle@gmail.com
☏  +372) 564 72854 
+ (+372) 473 2072

 

 

Neben all der Arbeit mit der Beherbung arbeitet ihr Mann auch als Fremdenführer, spricht allerdings kein Englisch und ich musste mich mit meinem knappen Russisch schon anstrengen. Aber Kommunikation gelingt immer wenn man möchte!

I am also a knitter - dies schrieb sie mir schon in einer der ersten eMails und wenn das so ist sind wir ja bei ihr richtig! Gleich am ersten Morgen zeigte sie uns einige von ihr gestrickten  Socken, Handschuhe und einen Pullover. Später kramte sie dann ältere Stücke aus ihrer Sammlung hervor und erklärte sie uns.
Jedes ihrer Stücke hat seine eigene Geschichte, viele Exemplare wären ohne ihr Engagement einfach weggeworfen worden. Und auch Museen haben schon bei ihr nachgefragt, ob sie die Pottmüts oder die Babymütze nicht vielleicht in die Sammlung geben könne, aber das wollte sie nicht. Dort sieht sie keiner und hier auf Vormsi kann sie die wertvollen Stücke ja vorführen und zeigen. Nein, später vielleicht gehen die Schätze ins Museum, aber jetzt hütet sie sie.

Mich interessierten ganz besonders ihre gesammelten alten Handarbeiten; viele davon hatte sie vor dem Wegwerfen gerettet. Heute würden diese überkommenen Dinge ja nicht mehr geschätzt, aber  vielleicht erinnert sich die nächste Generation an das Erbe? Und ab und an kämen ja auch interessierte Gäste zu ihr, denen sie das dann stolz vorführen könne.

wie immer: aufs Bild klicken für eine größere Ansicht

Elle-Malle hat aber nicht nur Textilien gesammelt, im Keller des Hauses gibt es einen Ausstellungsraum vollgestopft mit alten Dingen: Geschirr, Bücher, Spielzeug, Werkzeug... alles zusammengetragen in vielen Jahren,
Und auch einige Souvenirs, Postkarten, Topflappen, schöne Knöpfe aus Bein - sie hat ein Auge für Qualität und ist geschäftstüchtig.

Dieses Gästehaus ist schon etwas ganz Besonderes und ich bin mir sicher, daß ich wiederkomme, es gibt viel zu schauen, zu lernen und bewundern - aber nicht nur hier, es gibt ja noch das Farm-Museum!
Das stelle ich im nächsten Beitrag vor.

Estland – Stricken an der Universität

Dem ZDF-Magazin "Heute in Europa" ist es heute wieder einmal gelungen, einen Beitrag zu senden, der mit allen abgedroschenen Klischees eingeleite wird, ein paar Stimmungsbilder zeigt, keine Fakten nennt (welche Universität? ) und dann zum Schluß etwas Werbung für ein StartUp betreibt.  Also wenig Hand und wenig Fuß, aber es geht um Handarbeiten.

Vorgestellt wird der Strickunterricht an der Kulturakademie Viljandi in Estland, ein Institut der Universität Tartu und den Wockensolle-Leserinnen sicherlich nicht unbekannt, bin ich doch jedes Jahr mindestens einmal dort und berichte auch davon hier auf der Wockensolle.
Es ist aber nicht erkennbar, ob die versammelte Stricker-Gruppe zum Ausruhen vom angestrengten Digitalen Leben zusammengekommen ist oder welchen Rang dieser Unterricht hat. Die renommierte Lehrerin Kristie Joeste wird nicht vorgestellt, ihre Aussage willkürlich zusammengeschnitten und dann ein kurzer Schwenk über die wunderbaren Handschuhe bevor zu einem Neuen Modelabel übergeleitet wird.

Die unvermeidliche Großmutter wird wieder anmoderiert, "zwei rechts zwei links zwei fallenlassen" darf auch nicht fehlen - einfallslos wie sonstwas ist diese Anmoderation, Klischees sind halt immer leicht zur Hand.

Aber kann man mehr von einem Magazin, auch wenn es vom Sender als Nachrichtensendung rubrifiziert wird, erwarten?
Nun schaut's Euch an, hier kommt der Ausschnitt aus der betreffenden Sendung, die noch bis zum 28.01.2020 online sein wird.

Aber schön ist ein VIljandi, der viele Schnee - das habe ich leider noch nicht erlebt. Als ich im WInter dort war, gabs nur ein wenig Puderzucker auf den Bäumen ...

Estnische Pulswärmer von der Insel Ruhnu

Die Frühjahr - 2019 - Ausgabe des von mir sehr geschätzten Piecework-Magazinn kommt mit einer schönen Überraschung daher: auf dem Titelbild prangt ein Paar Pulswärmer unverkennbar estnischer Prägung, reißerisch angekündigt mit der Schlagzeile Knit Clever Colorwork from Estonia's Ruhnu Island.

Ein ausführlicher Artikel The Exceptional Knitting of Ruhnu || Everyday and Festive Garments und die Anleitung für das Paar Pulswärmer stammen natürlich von? na von wem wohl? Selbstverständlich von Riina Tomberg und Nancy Bush! Sachkundigere Autoren als diese beiden sind schwer zu finden.

 

Ich habe das Glück gehabt, schon mehrfach Seminare / Workshops von Riina Tomberg mitzumachen und habe von ihr die Techniken der estnischen Inseln Saaremaa, Kihnu und Ruhnu nahegebracht bekommen. Und letzen Sommer war ich ganz nahe an der Insel Ruhnu dran.. aber eben nur "ganz nahe"; denn aus unserer Woche auf der Insel wurde nichts, die Fährverbindung war zusammengebrochen.

Das Besondere der Ruhnu-Strickerei? Wenig Farben (naturweiß, dunkelblau, seltener rot), farbige Muster nur in Bündchen und an Halsausschnitten, der Rest ist in naturweiß gehalten, mit vertrackten wunderschönen Strukturmustern: OpenWork, Zöpfe, und vor allem die Travelling Stitches, einzelne Maschen, welche nach links oder rechts mit rechten oder auch linken Maschen gekreuzt werden.

Viele Handschuhe und Pullover sind hauptsächlich in den Museen in Schweden und Finnland erhalten, denn dorthin flohen die "Inselschweden" im 2. Weltkrieg und sie nahmen ihre Stricktraditionen mit. Aber auch in den estnischen Museen finden wir wunderschöne Exemplare.

Nun hatte ich mich im letzten Sommer an die Handschuhe von der Insel Ruhnu gewagt, deren Vorbild im Estnischen Nationamuseum in Tartu liegt (ERM A 509:5278). Anu Pink hat die Anleitung "Old Runö Gloves" erstellt und als PDFzum Download zur Verfügung gestellt.
An dieses Projekt habe ich mich gewagt, zuerst ein wenig die Muster geübt und gleich falsch begonnen, ich habe den weißen und den blauen Faden in der falschen Richtung verkreuzt. Zudem wurde das Strickstück bei einer vorgegebenen Maschenzahl (96M) mit Nadelstärke 1.25 viel zu eng für meine zarten Hände und ich bin zur Nadelstärke 2.0 gewechselt.

Ruhno ferryboat victim mittens habe ich dieses Projekt genannt und bei Ravelry eingestellt. Aber fertiggestellt habe ich diese Handschuhe dann nicht, das war wie  mit dem falschen Fuß aufgestanden...

Estonian National Museum, Collection: kindad, sõrmkindad,
ERM A 509:5278/ab
Eesti Rahva Muuseum, http://www.muis.ee/en_GB/museaalview/504457

Beim CraftCamp dann im Juli 2018 konnte ich einen neuen Ansatz wagen, denn Riina Tomberg gab einen Workshop zu diesem Thema.
Die Vorgabe für das Projekt war schon großzüger: 80 Maschen mit Nadel 1.5 und das Garn war auch ein wenig stärker.
Aber auch dieses Projekt habe ich (bisher) nicht vollendet. Ich habe bei den Travelling Stitches auf dem Handrücken einen Fehler gemacht und erst einige Reihen später bemerkt. Und mit meinen alten Augen kann ich das komplizierte Geflecht nicht so gut sehen, ich habe mir also eine Arbeitslupe besorgt, was auch eine Zeit dauert, und kann mich mit ihr nicht anfreunden. Einfach so aufribbeln möchte ich aber auch nicht...

Da kommt die Anleitung im Piecework-Heft doch gerade recht! Riina Tomberg ist eine sehr gute Lehrerin und kennt ihre Schüler, also hat sie zusammen mit Nancy Bush für das Magazin eine Anleitung mit 61 Maschen und Nadelstärke 2.0 erarbeitet.

Das macht es Anfängern (fortgeschrittenen Anfängern) leichter.. und ich werde erstmal diese Anleitung nacharbeiten, bevor ich mich das andere Projekt wieder aufnehme. Und vielleicht können wir ja dieses Jahr vor oder nach dem CraftCamp ein paar Tage auf Ruhnu verbringen, schön wärs!

Und hier noch einmal die Links:

My location
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Zurück von einer ganz besonderen Reise

Eine Reise ist zu Ende, oder war es ein Traum? Drei Wochen scheinen ewig zu dauern und doch enden sie viel zu schnell.
Der letzte Workshop geht zu Ende, am Freitagabend das Abschiedsdiner (diesmal mit Urkunden für Stammgäste und Craft-Botschafter), am Samstag ein schnelles Kofferpacken, den heruntergefallenen FIngerring unter dem Bett vorgeholt, die in den Workshops gestalteten  Arbeiten bei der Schluss-Präsentation ins rechte Licht gerückt, dann gab es die Diplome / Teilnahmebestätigungen und schon war alles vorbei - mit dem Bus nach Tallinn.

Der letzte Abend geriet dann noch sehr lecker, wir  (Claudia, Sue, Charlotte, Sim und ich) trafen uns zum Abschiedsessen im armenischen Restaurant SEWAN am Fährhafen in Tallinn, und am Sonntag flog ich dann heim.

Um das Urlaubsgefühl zu verlängern, gönnte mir Heinz, der mich in Berlin abholte, eine Fahrt durch Brandenburg und ein sommerliches Ausruhen am See in Fürstenberg an der Havel, das Restaurant am Yachthafen ist sehr zu empfehlen!

Aber so ganz war doch noch nicht alles vorbei: Uschi fuhr auf der Heimfahrt vom Craft Camp noch  in Riga bei Sena Klets vorbei und gab dort meine Geschenke für Maruta Grasmane ab und sie kam am montagabend bei uns in Gribow vorbei. Ein langer schöner Abend auf der Terrasse war der schöne Ausklang.

Ein Lebenszeichen aus Estland

Ja, ich habe eine ganze Weile nicht geschrieben, aber auch im IT-affinen Estland klappt es nicht immer so mit dem Netz.... und deshalb nur eine kurze schnelle Zusammenfassung der letzen 2 Wochen:

  • nach der intensiven Woche des Nordic Knitting Symposiums, die ich selbstverständlich noch ausführlich beschreibe, und den vielen persönlichen liebenswerten Begegnungen ging es in unser "Ausweichquartiert" auf die Insel Saaremaa.
  • Die Fähre auf die Insel Ruhnu kann wohl nicht so einfach repariert werden, für die Menschen auf der Insel ein Riesenverlust, fällt doch die Hauptsaison ins Wasser... für uns fiel der geplante Workshop mit Külli Ustaal aus, aber vielleicht können wir das das nächste Jahr nachholen.
  • Wir haben zu unserer Freude eine liebenswerte Unterkunft in Kuressare gefunden, im Ovelia B&B und so verbrachten wir eine geruhsame Strickwoche, mit abendlichen Ausflügen in die Gastronomie. Auch das werde ich später ausführlich beschreiben, habe ich doch während dieser Tage intensiv Travelling Stitches nach Art der Ruhno Handschuhe geübt.
  • Nach der Woche ging es dann mit dem Bus nach Viljandi und von dort weiter nach Olustvere. Ich nehme zum 4. Mal am Craft Camp der Culture Academy Viljandi teil, das dieses Jahr zum 5. Mal stattfindet und ich habe einen wunderbaren zweitägigen Kurs bei Riina Tomberg genossen: Travelling Stitches.

80 Maschen / Nadeln Nr, 1.25 / Teksrena Wolle - das sind die technischen Angaben für diese Herausforderung,

Aber es ist gut, daß ich noch einmal neu angefangen habe und nicht das auf Saaremaa gestrickte Handschuhteil weiterstrickte, denn so habe ich den schönen Anschlag, den ich aus dem Gedächtnis nicht mehr parat hatte, wieder üben können.

Am Ausflugstag bin ich nach Tartu ins Estnische Nationalmuseum gefahren und habe die aktuelle Ausstellung der estnischen Trachten studiert (davon nachstehend zwei Bilder) und heute nahm ich am Workshop für Card Weaving / Bändchenweben teil, eine Technik, die sich mir langsam erschließt und die mich fasziniert (sie wird aber sicherlich das Stricken nicht ersetzen!).

Das ist eine kurze geraffte Zusammenfassung, mehr später, kurzes Fazit: Wunderschön und wunderbar, daß ich das erleben kann!

wie immer: auf die Bilder klicken für eine grössere Anzeige!

Eine bestickte Mütze aus Simuna im Nordosten Estland, 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts

 

Ein noch nie wahrgenommenes Muhu-Motiv: eine Kutsche, auf einer Schürze im Estnischen Nationalmuseum, Anfang des 20. Jahrhunderts

Nordic Knitting Symposium II

Ich habe ja schon im vorigen Beitrag auf den Fernseh-Bericht hingewiesen. Nun kann ich ihn auch einbinden.

Es ist ein Bericht in estnischer Sprache, aber man sieht die verschiedenen Workshops und die Teilnehmer, bekommt einen Eindruck, was wir hier alle so erleben und lernen. Traurig aber ist, daß das hinter dem jugendlichen Moderator mit dem zu engen Jäckchen eingeblendete Hintergrundbild dickes Garn mit dicker Nadel zeigt, also keinen Bezug zum nachfolgenden Inhalt hat, nur der eingeschränkten Vorstellungskraft des Bildredakteurs entspringt.