In Riga und nach Viljandi

Ein Wochenende in Riga, dafür bin ich immer zu haben, ich sitze gerne in den schönen Cafés, notiere mir Ideen oder stricke vor mich hin.

Oder ich treffe mich mit Freunden und Bekannten in meinen Lieblingscafé oder in einem Restaurant. Und wie schon öfter erwähnt, eine Pavlova, ein Traum aus Sahne, Baiser und Obst, muß einfach sein!

So saß ich denn wieder im Café Rigensis in der Tirgonu Iela / Marktstraße und traf mich wieder einmal mit Jana Dargune. Jana ist eine eifrige Strickerin, entwirft Mützen und Handschuhe, Acessoires mit den schönen baltischen Garnen und hat diese Garne auch mit einem Online-Shop exportiert.
Mit ihr habe ich die Möglichkeiten besprochen, für "meine" Pottmütze das Garn, die notwendigen Nadeln und die Anleitungen in einem "Kit" zusammenzustellen und bei Vorträgen oder Workshops dann auch gleich verkaufen zu können. Es ist ja nicht so einfach das richtige Garn für diese Mütze zu finden, in der richtigen Stärke und mit der richtigen "Natur-Wolligkeit".
Vielleicht klappt es ja und ich kann demnächst diese Sets anbieten.

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Und dann fragte Mary Germain per Mail an, ob ich für einen anstehenden Workshop ein Bild mit allen Ausgaben des Handschuhbuches von Maruta Grasmane hätte. Eben in allen sieben Sprachen (lettisch, englisch, deutsch, norwegisch, japanisch, estnisch, französisch). Ein ganz aktuelles Bild hatte ich auch nicht und so habe ich dann mit Montas HIlfe in Sena Klets diese Bücher arrangieren und fotografieren können.

Das Bild zeigt schon die Vorbereitungen für die für den 15. November angesetzte Ausstellung der wunderbaren Arbeiten der Meisterin Ilze Kopmane. Eine erste Hängung und das Plakat... Über diese Ausstellung werde ich in einem späteren Beitrag berichten.

Den schönen Tag beschloß ich zusammen mit Maruta und Bruno Grasmane bei einem leckeren Abendessen im Restaurant Neiburgs in der Altstadt. Wer wirklich gut essen gehen möchte in Riga, der sollte hier speisen!

Für den nächsten Tag steht die Fahrt nach VIljandi in Estland an, zur Teilnahme an der Konferenz "Studying Traditional Crafts: Goals and Methods in Higher Education", auf deren Programm ich schon sehr gespannt bin.

Ich erwarte mir von dieser Veranstaltung viel: Input, Ideen, neue Bekanntschaften.

Themen aus vielen Bereichen stehen auf dem Programm, Vorträge und Präsentationen. Darüber im nächsten Beitrag.

In Riga: World of Hats und Ritums

Nun habe ich es endlich geschafft, das Museum "World of Hat" in der Vilandes Strasse in RIga zu besuchen. Eine großartige Sammlung einzigartiger Kopfbedeckungen, zusammengetragen auf der ganzen Welt von dem russischen Sammler, Philanthropen und Mäzen, Kirill Babaev.

Jedes Exponat besitzt auch eine Tafel mit einer Erklärung in 3 Sprachen, und so habe ich einen abenteuerlichen Holztier-Hut der Dogon in Westafrika, einen schwarzen  Kopfreifen aus Wolle von einem chinesischen Bergstamm mit den runden bunten Scheiben bewundert, Kopfbdeckungen aus Menshenhaar, Leder, Stoff, vielfarbig bunt oder trauerschwarz. Schwerpunkte der Sammlung sind Hüte aus Südosteuropa, Russland, Asien, Afrika, Südamerika - der Norden Europas kommt schlecht weg, nur ein nicht so besonders schöner Tam-o'Shanter aus Schottland - da werde ich wohl bald mal eine Pottmütze spendieren.

Im Museum gibt es auch Sonderausstellungen (zur Zeit Papierkunst) und Schulkassen können praktisch lernen und ihre eigenen Kopfbedeckungen gestalten. Gegen einen kleinen Obolus kann der Museumsbesucher selbst Hüte aufprobieren - es ist unterhaltsam und anregend hier.

My location
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The World of Hat - Ethnic Museum

Öffnungszeiten; täglich von Mittwoch bis Sonntag 10:00 Uhr bis 18:00 Uhr
7 Vilandes, Riga, Latvia

Eingang über den Hof - am Klingelschild die Zahl "12" eintippen und das Klingelsymbol drücken!
Das Museum ist im Hochparterre

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Es gibt noch einen Ort, den ich in Riga immer wieder aufsuche und hier auch schon vorgestellt habe: Das Zentrum Ritums gleich in der Nähe von Sena Klets. Zu meinem Glück wurde die Ausstelllung "60 dzirkstis" um 2 Tage verlängert und so konnte ich die Ausstellung der zwei Volksksunststudios Kalvis und Draudziba genießen.

Kultūras un tautas mākslas centrs "Ritums"

Jauniela 29a, Rīga (Altstadt)

Die Arbeiten von Draudziba konnten wir ja letztes Jahr in Greifswald für 4 Wochen im Koeppenhaus zeigen, nun sah ich die wunderbaren Arbeiten wieder hier an Ort und Stelle.

Und ich muss gestehen, der Strumpf und der mit Goldmetall verzierte Hut, in archäologischer Manier, versöhnte mich mit der von mir nicht so geliebten Handarbeitstechnik des Nadelbindens. Einige der Handschuhmuster kannte ich bisher nicht, da werde ich wohl demnächst wieder ein paar Muster auszählen...

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in Riga: Kalenderpräsentation und Pfannkuchen

Was mache ich bei der Ankunft in Riga zuerst? Na erstmal im Café eine Pavlova-Schlemmerei genießen und dann SENA KLETS aufsuchen. Das ist immer wie ein Nachhausekommen.

Und gestern hatte ich noch ganz besonderes Glück: Die unermüdliche Linda Rubena vom Kulturinstitut Lettlands hatte zur Päsentation des Kalenders für das Jahr 2020 geladen. Das Thema: Kinder in Trachten.

Und so bekamen wir ein Video von den Photoshootings gezeigt, das die Phantasie und das Können des Aufnahmeteams, aber vor allem die wunderhübschen Kinder in ihrem Trachten zeigt. Leider hat ein Monatskalender nur 12 Blätter und die Motivauswahl muss recht schwergefallen sein.

Die Aufnahmen waren das Jahr über im  Freilichtmuseum Riga gemacht worden, mit Trachten aus den verschiedenen Trachtenregionen Lettlands, stolze Mädchen in Suiti-Tracht und Jungs in schönen blauen Jackets und gelbgemusterten Strümpfen. Alle waren stolz, als sie Taschen mit dem Kalender überreicht bekamen, es gab Applaus und Blumen.

Und die Einladung zu Pfannkuchen und Kakao nahmen nicht nur die Kinder gerne an!

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Zwei der obigen Photos stammen aus Linda Rubenas Beitrag auf Facebook , danke, paldies!

Sommer 2019: in Cēsis

Nach dem verregneten Riga genossen wir das sommerliche Wetter in Cēsis, das kleine Café in der Rigaer Strasse, wir erkundeten die Altstadt und das Neue Schloß.

Cēsis gilt als hübscheste Stadt Lettlands. Ich kann das zwar nicht bestätigen (weil ich noch nicht alle Städte des Landes kenne), aber hübsch ist es allemal. Wir wohnten in einem kleinen Häuschen direkt an der großen Johanniskirche, in der Altstadt, ganz nah an all den Attraktionen.

Die große Kirche mit einem erstaunten Engel, ist umgeben von einem Bauzaun, der wiederum als Rahmen für eine ganze Reihe von großformatigen Fotos dient, vom Kleinkind bis zum posaunenlehrenden alten Mann - ein liebenswertes Portrait der Bürger von Cēsis.

Auch gastronomisch wird viel geboten: leckere Suppen und kleine Speisen im Cafè Vinetas un Allas Kārumlāde, von lustigen Bäckerinnen betrieben, wie ein Blick in GoogleMaps zeigt,  mein Lieblingsgebäck, die Pavlova, und das excellente Essen im Bistro Priede, wo man unbedingt das geröstete Graubrot mit Käse und Dipp bestellen sollte!

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Einige Souvenir- und Käsitöö-Geschäfte haben auch am Wochenende geöffnet, aber das Angebotene überwältigte uns nicht unbedingt.

Aber wir haben am Montagmorgen ja auch noch einen ganz speziellen Termin: einen Besuch im Handarbeitszentrum Vēverīšas. Ich war schon einmal vor 2 Jahren hier und damals wie heute war Jana dabei, die Inhaberin von Klinta-Wolle, wo man die lettische Wolle direkt bestellen kann.
Jana spricht gut deutsch und englisch und wir haben uns schon mehrmals getroffen, sind Freundinnen geworden. So war sie diesmal unser Gast, kam am Sonntagmittag aus Riga und begleitete uns dann am Montagmorgen zum Zentrum Vēverīšas, wo wir mit Dagnija Kupče, der renommierten Textilkünstlerin und Weberin, verabredet waren,

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Hier werden die Stoffe nach den überlieferten Mustern und Techniken gewebt.

Dagnija Kupče führte Sue, die gerade ihr Weberdiplom erarbeitet hatte, den großen Webstuhl vor und erklärte uns einige der Muster und Trachten. Und selbstverständlich gab es hier auch schöne  Handarbeiten (Handschuhe und Socken natürlich) zu kaufen.

Ich interessiere mich zur Zeit sehr für Legwarmer, Beinstulpen, und deshalb fragte ich auch hier danach, obwohl ich weiß daß diese nicht unbedingt zur regionalen Tracht gehören. Aber wer weiß? Ich fand zwar keine Stulpen, aber ein Paar Kniewärmer! (ich habe sie noch nicht fotografiert, dieses unerwartete Exemplar werde ich später noch vorstellen!

Trachten sind nicht nur ländlich, wie man oft so meint, es gibt auch städtische Trachten, wie die tollen Hüte eindrucksvoll beweisen!

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Eine Sehenswürdigkeit möchte ich noch erwähnen, die uns sehr beschäftigt hat: Die Ausstellung "Das Feuer des Gewissens", die im ehemaligen Gefängnis des KGB direkt beim Neuen Schloß gezeigt wird und über den Widerstand der Bevölkerung gegen die deutsche und die sowjetische Beseztung in den Jahren 1939 bis 1957  berichtet und ihre Leiden schildert.

In ungewöhnlich eindringlicher Weise werden die Vorkommnisse, Jahr für Jahr, aufgezeigt und erläutert. In Gefängniszellen werden Einzelschicksale in künstlerisch-respektvoller Weise gewürdigt, ich denke niemand kann diesen Ort verlassen ohne sich zu schämen für die Verbrechen, die das 20, Jahrhundert so schrecklich prägten.

Die Webseite sirdsapzinasugunskurs.lvzeigt die Ausstellung auch in einem Web-Format. Ansehen!

Zurück von der Reise

Ein Lebenszeichen: Ich bin zurück von der langen Reise durch Lettland und Estland, erschöpft aber freudig.
Wie bei jeder dieser Reisen habe ich liebe Menschen getroffen, neue Freunde gefunden und vieles Neues gesehen.
Das werde ich noch ausführlich auf der Wockensolle beschreiben, aber schon einmal das traditionelle Beute-Foto:

Viel Wolle ist wieder dabei, und diesmal eine ganz besonders gestreute Palette:

  • kunterbunte Merinowolle einer Färberin aus den USA, die ich an Pat's Adresse bestellt hatte und Pat hat sie mir jetzt nach Riga  mitgebracht
  • bunte Knäuel lettische Wolle von Jana  und ein Strang blaugrünes Verlaufsgarn von Tines aus Riga
  • Indigo-gefärbte Wolle vom Workshop beim Craft Camp in VIljandi
  • schwarze und graue Wolle vom Kihnu-Schaf und naturweiße Wolle, alle beim Wollfabrik-Workshop beim Craft Camp hergestellt
  • dicke 8/3er Wolle vom Kihnu-Schaf auf der kleinen estnischen Insel Manija

und auch Gestricktes (ein paar Geschenke sind schon weitergegeben):

  • Fingerhandschuhe von der Insel Kihnu
  • Knieschoner (ja tatsächlich!) aus Cesis
  • Socken aus Cesis
  • Fingerhandschuhe aus Töstamaa
  • Miniatur-Socken und Handschuhe von der Insel Vormsi

und vieles mehr. Davon aber in den kommenden Beiträgen!