DobeleStrümpfe
Ich beschäftige mich ja nun seit einiger Zeit mit den vielfältigsten Zipfelmützen und fast immer stammten diese aus dem Norden Europas - bis jetzt habe ich Mützen von der Insel island, den Shetlandinseln, aus Norwegen, Estland, Pommern und Schweden gestrickt. Mit zwei Abweichungen in den Süden Europas, zumindest in den nicht-mehr nördlichen Teil...

Eine Mütze ist schon längere Zeit fertig gestrickt - und es fehlt noch die Anleitung, die Dokumentation; irgendwie prokrastiniere ich bei dem hessischen Gloggebetzel .. der Zipfelmütze aus der hessischen Region Hinterland.
Und eine Mütze stammt aus der Schweiz - die Appenzeller Zipfelchappe... und die stelle ich hier in diesem Beitrag nun vor.

Bei einer Stromerei im Netz nach mir noch unbekannten Zipfelmützen stieß ich auf die Ankündigung einer Neu-Erscheinung:

Die Appenzeller Zipfelchappe - von Karin Antilli Frick.

Das machte mich neugierung und ich bestellte das Buch natürlich sofort. Es hat sich gelohnt.
In dem kleinen Büchlein mit Spiralheftung finden sich liebenswerte Photos von zipfelbechappten Menschen, ein kleiner historischer Diskurs, etliche Tipps und Tricks (von denen ich Einige gelernt habe) und dann eine Sammlung der bei der Mütze genutzten Muster und Anleitungen für verschiedene Größen.

Aber was ist nun eine Appenzeller Zipfelchappe?

 

Appenzeller Zipfelchappe
Appenzeller Zipfelchappe

Karin Antilli Frick - Die Appenzeller Zipfelchappe

Die Appenzeller Zipfelchappe
Autor: Karin Antilli Frick
Herausgeber ‏ : ‎ Appenzeller Verlag; 1. Edition (5. September 2022)
Sprache ‏ : ‎ Deutsch
Spiralbindung ‏ : ‎ 40 Seiten
ISBN-10 ‏ : ‎ 385882867X
ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3858828675

Die Zipfelchappe wird heute immer noch viel getragen, von Frauen, Männern, Kindern.
Die Mütze besitzt eine glatt gestrickte Innenseite, und die Außenseite der Mütze ist im Normalfall in einer immer gleichen Relation gearbeitet: ein Drittel der Länge für die Musterborte (samt Innenteil), ein Drittel glatt gestrickt und ein Drittel für die Spitze und  sie wird von einerm Zottel (= Quaste) an einer Kordel gekrönt. Die Kordel ist entweder gedüntelt (geflochten) oder gedreht. Für beide Varianten gibt es Schritt-für-Schritt-Anleitungen am Ende des Büchleins.

Was ich besonders pfiffig finde ist die Anregung, die Kordel etwas länger als eigentlich nötig zu machen und dann eine Schleife hineinzuknoten? Wozu das nützlich ist? Man kann die Mütze gut an einem Garderobehaken aufhängen und verliert sie nicht so leicht..
Und noch ein Tipp: Da die Männer meistens schwarze Chappen tragen werden sie, trotz unterschiedlichem Muster, leicht verwechselt. In die Innenseite eingearbeitete Initialien (ob eingestrickt oder aufgestickt) machen die Mütze zu einem leicht identifizierbaren, nicht verwechselbaren Einzelstück.

Ich habe natürlich gleich die Anleitung nachgearbeitet. Die Mütze ist wirklich nicht schwierig zu stricken. Die Autorin hat 24 Börtchenmuster und 11 Chappengrößen beschrieben. Das reicht vom kleinen Säuglingskopf bis zu einem mächtigen Dickkopf 😊
Die Anleitungen sind wie ein Baukasten erstellt, man kann sich eine passende Größe aussuchen und dazu einen passenden Muster-Rapport wählen. Diese Musterrapporte gehen über 4 bis 10 Maschen; es ist wirklich leicht, auch abweichende Größen zu stricken und ein für die errechnete Maschenzahl passendes Muster auswählen.

Im Buch werden Merinogarne von LangYarns und Lana Grossa vorgeschlagen und das war für mich ein ungewohntes Stricken, ich bin solche glatten, super-washed Fäden nicht gewohnt. Und da diese Mütze ja nicht gerade vom Himmel gefallen ist sondern schon länger gestrickt wird, gibt / gab es sicherlich auch Mützen aus unbehandelter Schafwolle. Ich jedenfalls habe auch lettisches Garn verstrickt, denn davon habe ich wirklich viele Meter / Knäuel / Stränge in meiner Wollkammer.

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DIe Autorin, Karin Antilli Frick, hat mir viele Fragen zu dieser Kappe beantwortet,
Und nun ist das Buch auch bei Ravelry in der Datenbank eingebunden.

Schal aus ElbwolleUnd eine persönliche kleine Geschichte noch zum Schluß: Mein Mann liebt rote Schals, verliert diese aber auch immer wieder und ich habe absolut keine Lust immer lange, endlos lange langweilige Schals zu stricken. Da kam mir das Crowdfunding-Projekt der neuen Labels Vauno / Elbwolle gerade recht: zur Finanzierung der Wollwerkstatt konnte man einen Unterstützungsbeitrag leisten und je nach Summe gab es ein Dankeschön. Ich habe also meinen Beitrag geleistet und einen wunderschönen kranichroten Schal bestellt. Und eine Zipfelchappe für ihn mit roter lettischer Wolle gestrickt.
Und der Hammer? Die Mütze und der Schal sind fast farbgleich! Bis auf eine winzige Nuance, die man wirklich nicht bemerkt, scheinen sie aus dem gleichen Farbtopf gesprungen zu sein...