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Der Bayerische Rundfunk sendete gestern, im Themenrahmen des Oktoberfestes, die erste Folge der zweiteiligen Dokumentation "Die Tracht und die Macht" mit dem Titel Majestäten in Lederhosen.
Eine Kulturgeschichte der bayerischen Tracht, die entgegen vieler Meinungen, eben nicht schon seit Jahrhunderten tradiert wird, sondern wie (nach meiner Kenntnis fast) alle mitteleuropäischen Trachten im 19. Jahrhundert mit seinen vielen gesellschaftlichen Umschichtungen und Verwerfungen politisch gewollt entstand.

Anhand der bayerischen Tracht läßt sich das gut aufzeigen. Das bayerische Königreich der Wittelsbacher umfaßte drei Volksstämme (Bayern, Franken, Schwaben) und brauchte eine eigenständige Identität. Die wurde durch die Trachtenmode geschaffen.

Die bayerischen Royals trugen wann immer möglich Jägerhosen, wie hier Prinz Luitpold und Prinz Albrecht auf einer Postkarte von 1910. So wurde aus einem Arbeitsgewand eine Tracht.

Die Dokumentation zeigt sehr schön auf, daß es keine "festgezurrten" eindeutig lokalisierbaren Trachten gab, daß getragen wurde was zur Hand war, daß sich die Bekleidung der Stadtbevölkerung und der Landbevölkerung stark unterschieden und die Stadtbevölkerung mit Aufkommen des Alpentourismus die Tracht als Ferienmode entdeckte.

Ich möchte das nicht alles hier wiedergeben, es ist eine sehr lehrreiche, aufklärende und hochinteressante Sendung, die noch bis zum 1. Oktober 2019 in der Mediathek des BR abgerufen werden kann.

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Ich bette die Sendung aus der Mediathek mal hier ein (Link zur Sendung in der Mediathek); wielange die Sendung zu sehen sein wird, wird sich zeigen, es ist der 1.10.19 als Verfallsdatum genannt

Die Wittelsbacher Prinzen Luitpold und Albrecht von Bayern in Lederhosen - Dieses Werk ist gemeinfrei, weil seine urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist. Dies gilt für das Herkunftsland des Werks und alle weiteren Staaten mit einer gesetzlichen Schutzfrist von 70 oder weniger Jahren nach dem Tod des Urhebers.

Der 2. Teil der Dokumentation befaßt sich dann mit Tracht als Politikum. Im ersten Teil wurde schon gezeigt, wie nach der Niederlage des 1. Weltkrieges die reaktionären Kräfte die Tracht vereinnahmten. Die Freikorps, die die Münchener Räterepublik bekämpften, waren ausnahmslos Trachtler.
Aus der Inhaltsangabe der Sendung beim BR:

Immer wieder wird die Tracht im Laufe der Zeit instrumentalisiert: von den Bürgerwehren der frühen 20er-Jahre, die mit Gamsbart und Lederhose gegen Kommunisten ziehen, von Monarchisten, die in Weimarer Zeiten der bayerischen Eigenstaatlichkeit nachtrauern, von Nationalsozialisten, die das Gewand der Bauern für ihre Blut- und Boden-Ideologie missbrauchen und von Nachkriegspolitikern, die sich mit Janker und Dirndl ein volkstümliches Image verschaffen wollen. Gleichzeitig wird die Tracht zum wichtigen Wirtschaftsfaktor: für den Fremdenverkehr und für einheimische Schneider und Säckler.

Tja, und wie steht es heute um die Tracht? Tourismus, Chinesen im Dirndl und Dirndl im Angebot bei Aldi in Ostvorpommern... Themen für einen dritten Teil dieser Reihe wüßte ich genug!