Sommer 2019: Workshop: Intarsienstricken in der Runde

Auf den Craft Camp - Workshop "Muhu mitten with eight-pointed star" von Riina Tomberg habe ich mich sehr gefreut. In jedem ihrer Workshops, die ich bisher erlebte, habe ich unglaublich viel Schönes sehen und lernen können (auch wenn ich manchmal einige Zeit brauche bis ich die Techniken wirklich beherrsche). Dieser Workshop war so angekündigt:

In this workshop the participants will learn to knit eight-pointed motif widely used in Muhu traditional textile - called "Muhu mänd". This motif, knitted on the back of a mittens hand, makes these mittens to stand out among knitwear known to us from the 19th century.

Und immer schon hatte ich mich gewundert wie dieses Motiv so "standalone" auf dem Handrücken sitzen kann, denn ich kannte zum Einen die Intarsientechnik nur von wenigen Versuchen und vor Allem nicht in Runden gestrickt.

Selbstverständlich hatte Riina etliche wunderschöne Handschuhe mitgebracht, was ermutigen soll aber auch entmutigen kann ;=)
Aber die Teilnehmerinnen im Workshop waren alle erfahrene Strickerinnen und ich denke, wir genossen alle diesen Tag.

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Das Besondere an der Technik?

Für das Motiv strickt man ja mit zwei Farben. Das bedeutet, daß nach dem Motiv mit der Grundfarbe Weiß weitergestrickt wird bis man wieder am Motiv-Beginn ankommt.

Dann aber ist der Faden der Kontrastfarbe nicht auch am Motiv-Beginn, zumindest nicht in jeder zweiten Runde.
Also strickt man in jeder zweiten Runde nur die weißen Maschen und verzwirnt nach der letzten Motivmasche den weißen und den schwarzen Faden und strickt dann mit linken Maschen und schwarz auf der Rückseite des Gestrickes zurück.
Danach strickt man die restlichen Maschen der Runde in weiß und verzwirnt / twisted wieder die Fäden bevor man die nächste Reihe wieder mit beiden Farben stricken kann.

Bei dieser Technik braucht es keine Fadenbefestigung einige Maschen nach dem Motiv, und wenn man die Spannung richtig hält wird es auch recht sauber.

So sieht meine Arbeit aus:

In Riina's Workshop wechseln sich angeregte Unterhaltung und konzentrierte Stille immer wieder ab und bei jeder Frage gibt sie ermutigende Antworten.

Es ist eine Freude.

© Mathilde Frances Lind (e-mail sassysamovar@gmail.com)

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Diese beiden Damen, Liina Laaneoja und Annika Vaalma, die zusammen das Label EtnoWerk (Latvian Crafted Knitwear) betreiben, hatten auch ihren Spaß, nicht nur nach dem Workshop Kihnu Tip Decorations, sondern garantiert auch während des Workshops!

Mein Gestricktes in der Presse

In der ersten Ausgabe 2019  veröffentlichte die amerikanische Zeitschrift Piecework den Artikel The Exceptional knitting of Ruhnu von Riina Tomberg und Nancy Bush und die Anleitung Ruhnu Mitts to Knit.

Und die habe ich dann auch gleich gestrickt. Die Muster der estnischen Insel Ruhnu (eine Insel, an deren Existenz ich mittlerweise zweifle) und travelling stitches im Allgemeinen beschäftigen mich ja schon eine ganze Weile. Ich hatte 2 unfertige Projekte auf den Nadeln (einmal die Runö-Handschuhe von Anu Pink und einmal die Ruhnu-Handschuhe von Riina Tomberg, ein Thema des Craft Camp 2018). Da ich nicht so recht weitergekommen war mit diesen Projekten und die Anleitung in der Piecework mit weniger Maschen und etwas dickeren Nadeln daherkam, habe ich diese Anleitung sofort umgesetzt.

Und diese Arbeit hat es nun in die Kolumne "From Our Reader's Hands" in der Piecework -Herbstausgabe geschafft,

Darauf bin ich schon stolz.

Und deshalb zeige ich auch den Ausschnitt aus der Zeitschrift hier.

Und ich gebe nicht auf.

Diese "travelling stitches" haben es mir angetan, sei es als Strukturmuster für Sockenbündchen, als Flächenmuster oder als komplexes Muster für einen Handschuh. Ob die Muster nun von Ruhnu, Muhu oder Vormsi stammen, alle reizen mich.

Die komplexen Muster erfordern auf jeden Fall starke Konzentration. Im Moment stricke ich das Muster vom Craft Camp 2018 zum dritten Mal und immer scheitere ich an der gleichen Stelle, an der plötzlich eine Masche zuviel auftraucht. Das spornt aber meinen Ehrgeiz nur noch mehr an,

PS:  Mein Projekt und die Anmerkungen dazu sind bei Ravelry eingetragen.

Estnische Pulswärmer von der Insel Ruhnu

Die Frühjahr - 2019 - Ausgabe des von mir sehr geschätzten Piecework-Magazinn kommt mit einer schönen Überraschung daher: auf dem Titelbild prangt ein Paar Pulswärmer unverkennbar estnischer Prägung, reißerisch angekündigt mit der Schlagzeile Knit Clever Colorwork from Estonia's Ruhnu Island.

Ein ausführlicher Artikel The Exceptional Knitting of Ruhnu || Everyday and Festive Garments und die Anleitung für das Paar Pulswärmer stammen natürlich von? na von wem wohl? Selbstverständlich von Riina Tomberg und Nancy Bush! Sachkundigere Autoren als diese beiden sind schwer zu finden.

 

Ich habe das Glück gehabt, schon mehrfach Seminare / Workshops von Riina Tomberg mitzumachen und habe von ihr die Techniken der estnischen Inseln Saaremaa, Kihnu und Ruhnu nahegebracht bekommen. Und letzen Sommer war ich ganz nahe an der Insel Ruhnu dran.. aber eben nur "ganz nahe"; denn aus unserer Woche auf der Insel wurde nichts, die Fährverbindung war zusammengebrochen.

Das Besondere der Ruhnu-Strickerei? Wenig Farben (naturweiß, dunkelblau, seltener rot), farbige Muster nur in Bündchen und an Halsausschnitten, der Rest ist in naturweiß gehalten, mit vertrackten wunderschönen Strukturmustern: OpenWork, Zöpfe, und vor allem die Travelling Stitches, einzelne Maschen, welche nach links oder rechts mit rechten oder auch linken Maschen gekreuzt werden.

Viele Handschuhe und Pullover sind hauptsächlich in den Museen in Schweden und Finnland erhalten, denn dorthin flohen die "Inselschweden" im 2. Weltkrieg und sie nahmen ihre Stricktraditionen mit. Aber auch in den estnischen Museen finden wir wunderschöne Exemplare.

Nun hatte ich mich im letzten Sommer an die Handschuhe von der Insel Ruhnu gewagt, deren Vorbild im Estnischen Nationamuseum in Tartu liegt (ERM A 509:5278). Anu Pink hat die Anleitung "Old Runö Gloves" erstellt und als PDFzum Download zur Verfügung gestellt.
An dieses Projekt habe ich mich gewagt, zuerst ein wenig die Muster geübt und gleich falsch begonnen, ich habe den weißen und den blauen Faden in der falschen Richtung verkreuzt. Zudem wurde das Strickstück bei einer vorgegebenen Maschenzahl (96M) mit Nadelstärke 1.25 viel zu eng für meine zarten Hände und ich bin zur Nadelstärke 2.0 gewechselt.

Ruhno ferryboat victim mittens habe ich dieses Projekt genannt und bei Ravelry eingestellt. Aber fertiggestellt habe ich diese Handschuhe dann nicht, das war wie  mit dem falschen Fuß aufgestanden...

Estonian National Museum, Collection: kindad, sõrmkindad,
ERM A 509:5278/ab
Eesti Rahva Muuseum, http://www.muis.ee/en_GB/museaalview/504457

Beim CraftCamp dann im Juli 2018 konnte ich einen neuen Ansatz wagen, denn Riina Tomberg gab einen Workshop zu diesem Thema.
Die Vorgabe für das Projekt war schon großzüger: 80 Maschen mit Nadel 1.5 und das Garn war auch ein wenig stärker.
Aber auch dieses Projekt habe ich (bisher) nicht vollendet. Ich habe bei den Travelling Stitches auf dem Handrücken einen Fehler gemacht und erst einige Reihen später bemerkt. Und mit meinen alten Augen kann ich das komplizierte Geflecht nicht so gut sehen, ich habe mir also eine Arbeitslupe besorgt, was auch eine Zeit dauert, und kann mich mit ihr nicht anfreunden. Einfach so aufribbeln möchte ich aber auch nicht...

Da kommt die Anleitung im Piecework-Heft doch gerade recht! Riina Tomberg ist eine sehr gute Lehrerin und kennt ihre Schüler, also hat sie zusammen mit Nancy Bush für das Magazin eine Anleitung mit 61 Maschen und Nadelstärke 2.0 erarbeitet.

Das macht es Anfängern (fortgeschrittenen Anfängern) leichter.. und ich werde erstmal diese Anleitung nacharbeiten, bevor ich mich das andere Projekt wieder aufnehme. Und vielleicht können wir ja dieses Jahr vor oder nach dem CraftCamp ein paar Tage auf Ruhnu verbringen, schön wärs!

Und hier noch einmal die Links:

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Riina Tombergs Herbstkollektion

Riina Tomberg ist keine Unbekannte, ich habe sie hier schon des öfteren vorgestellt; ich habe bei ihr stricken gelernt und mir eine wunderbare Jacke und einen schönen Mantel aus ihrer Kollektion geleistet, demnächst bekomme ich noch ein Kleid, das wird gerade geschneidert und ich kann es in Tallinn beim Mardilaat / Martinsmarkt im November abholen.

Riina hat in Tallinn im Haus Eesti Käsitöö (Estnische Handarbeiten) in der Straße Pikk 22 ein Geschäft und jetzt habe ich ihre neue Kollektion als Lookbook auf issuu.com entdeckt.

3 Lookbooks (oder wie soll ich diese Dateien nennen?) sind dort auf issuu.com zu sehen und auch auf meiner Wollmacht-Seite, es lohnt sich, ein Modell ist schöner als das andere.

Ich gehe jetzt in mich, denn mir fällt auf, daß ich ja noch gar nicht über das diesjährige Craft Camp berichtet habe und da habe ich Kurse bei ihr belegt und eine gute Zeit mit ihr verbracht... kommt bald!

Es wird Herbst,

bei ALDI und LIDL kommt wieder die Sockenwolle in die Angebots-Körbe... und ich meine, jedes Jahr werden sie noch ein wenig hässlicher, oder bin ich einfach nur ein Snob?

Ich habe zur Zeit, neben einigen anstehenden ehrenamtlich-politischen Terminen, eine Sammlungsphase. Ich sammele Strickbündchen.. und zwar ganz spezielle, Kihnu-Bündchen. Der Grund? Schon seit letztem November liegt wohl verwahrt und mit Lavendel und Ceder verwöhnt ein Kihnu-Troi-Torso in meiner Strick-Ecke, gestrickt für Heinz in Riina Tombergs Werkstatt auf der estnischen Insel Saaremaa. Ich hatte beim Craft Camp einen Workshop zum Thema "Kihnu-Pullover" belegt und die Vielfalt der Muster fasziniert mich.
EIn Kihnu-Troi, ein Männerpullover von der Insel Kihnu, zeichnet sich durch ein zweifarbiges, weiß-blaues All-over-Muster und farbig betonte Bündchen an Hals, Ärmeln und Bund und auf den Schultern aus.

 

Dieses Projekt habe ich hier auf der Wockensolle ja schon einmal vorgestellt, und im Sommer habe ich noch einen eintägigen Workshop bei Riina mitgemacht, mit dem Titel "Vitsad, pakud, täpid", und nun muss ich das wirklich fertigstellen, denn im November ist schon wieder der Martinsmarkt in Tallinn und ich fahre wieder hin..

Vitsad = plural für die Borten oder "Braids"
Pakud = die grafischen Muster zwischen den Borten
Täpid = das sind die kleinen Pünktchen, die in den Borten hervorlugen, ich mag sie ganz besonders.

Inzwischen ist mein Bündchen-Bestand erstaunlich angewachsen, und deshalb suchte ich nach einer Präsentationsmöglichkeit, die Pabbedeckel (= hessisch) sind ja nur ein Provisorium.

Ja, nicht nur für die Männer (die sich im fortgeschrittenen Alter ja am liebsten beim Urologen oder im Baumarkt aufhalten), nein auch ich greife ab und an auf die Angebote von Obi und Konsorten zurück. Und diese dezent grauen Schaumstoff-Rohre sind doch wirklich einen brauchbarer Hintergrund für die verschiedenen Teile.

Seitdem ich mich menta auf dieses Strickprojekt vorbereitete, wälzte ich ein Problem: Die Bündchen sind beim Abketten etwas weiter als beim Anschlag, ich schaffe es nicht das zweifarbige Abketten mit der gleichen Spannung wie den zweifarbigen Anschlag zu stricken, es gelingt mir nicht.

Und eigentlich sollte ein Bündchen ja am Ärmelende etwas schmaler sein als beim Beginn des Bündchens.

Wenn ich die offenen Ärmelmaschen aufnehme und das Bündchen stricke, dann habe ich am Ende das nicht so schöne Ende. Aber  das Bündchen stricken, abketten und dann mit Maschenstich hantieren wollte ich auch nicht.

Lizzy gab mir dann den entscheidenden Rat: Der Anschlag kommt "nach unten" und am Bündchen-Ende wird es mit den Ärmelmaschen per "3-needle-bind-off" verbunden. Und das klappt.

Ich habe es gleich zweimal ausprobiert, einmal an einen braunen Abschnitt (rechts) angestrickt und einmal an ein blaues Stück (links).

Und solange beim Abketten in beiden Teilen die gleichen Farben vorhanden sind, und das Bündchen außen über dem Ärmelteil zu liegen kommt,  kommt das auch gut zusammen. Da beide Teile auf je einem Nadelspiel sitzen, ist das schon ein ziemliches Gewürge... 9 Nadeln im Einsatz! Aber ich weiß jetzt wie es geht!

Kihnu – Versuche

EInige Tage nun habe ich verschiedene Bündchen für Pullover, Handschuhe oder Jacken in estnischer Tradition studiert und gestrickt. Quellen dafür waren die Notizen aus dem Seminar bei Riina Tomberg beim letztjährigen Craft Camp in Olustvere, das Buch "Estonian Knitting 1. Traditions and Techniques", und der estnische Museumsserver, der sein Archiv durchsuchbar zur Verfügung stellt.

Das obige Bild zeigt die Versuche, provisorisch auf Karton gezurrt und noch nicht in Form gebracht.

Das Bündchen  mit der Nummer "0" ist das Ergebnis meines Workshop-Tages vom letzten Sommer, es gefällt mir immer noch ausnehmend gut.

Im Estnischen Nationalmuseum sind viele Musterzeichnungen und einige Kihnu-Troi aufbewahrt und man kann diese Exponate auch über die Webseite finden.
Die nebenstehende Zeichnung stammt von dort. Quellenangabe:

Troi ehk Kihnu meeste kampsun
ERM EJ 481:32
Eesti Rahva Muuseum
http://www.muis.ee/en_GB/museaalview/741364

Ich möchte jetzt gerne noch einige der Bündchen näher vorstellen.

Mir gefällt besonders die Farbkombination dieses Bündchens, die kleinen roten Punkte im oberen Part und die kleinen weißen Punkte in den links gestrickten roten Reihen beleben das Ganze deutlich.

Garn: Teksrena, 8/2, gestrickt mit 1.5er Nadeln

 

Hier habe ich verschiedene Borten / vits gestrickt, wie ich sie auch letztes Jahr bei Kristie Joeste im Craft-Camp-Workshop gelernt habe. Die Borten liegen auf dem Gestrick und wirken dadurch äußerst plastisch.

Ein "Schritt-für-Schritt"-Lehrgang für diese Borten, vits, auf der Seite der Tallina Ülikool zeigt die Arbeitsweise. Zwar in estnischer Sprache, aber die guten Photos helfen weiter.

Dieses Bündchen entstammt mit allen Teilen dem Buch "Estonian Knitting 1. Traditions and Techniques", das ich ja schon mehrfach vorgestellt habe.

64 Maschen mit Nadeln Nr. 3 und Teksrena 8/2.

Die rotschwarzen Vits auf weißem Grund - diese Farbkombi gefiel auch schon den russischen Konstruktivisten...

Der Anschlag: der sog. Kihnu-Troi-Anschlag
das Muster: Pakud, ein Kihnu-Muster, Seite 163

Die Vorlage für das Muster im Buch entstammt jedoch dem estnischen Nationalmuseum, ein Musterblatt mit 10 verschiedenen Bündchenvarianten zeigt rechts unten auf dem Blatt die Musterzeichnung.

Quellenangabe:
Labakinnaste ja troi kirjad
ERM EJ 202:18
Eesti Rahva Muuseum
http://www.muis.ee/en_GB/museaalview/644696

Die Reihen mit dem zweifarbigen Würfelmuster vor den oberen Vits verschwinden im Gestrick... aber das lässt sich beim Waschen sicherlich in Form ziehen.

Der Kinderpullover, dessen Bild uns Riina Tomberg beim Workshop zeigte, besitzt ein Bündchen, das im Heimtali Museum zu finden ist.

Quellenangabe:

kudumikatke
ERM HM E 368
Eesti Rahva Muuseum, http://www.muis.ee/en_GB/museaalview/1183816

Und wozu das alles? Ich übe für die Fertigstellung des Kihnu Troi, den ich wie schon im letzten Blogbeitrag beschrieben, in "Rohform" bei mir liegen habe, Vorder- und Rückseite und die Ärmel sind fertig, zusammengefügt und säuberlich zusammengenäht.
Die "offenen Stellen", an denen die Bündchen angestrickt werden, sind mit blauen Garn "vorgestrickt", mehrere blaue Reihen verhindern daß sich das Gestrick auflöst und ermöglicht ein leichtes Aufnehmen der Maschen.

Ich stelle hier noch eine Galerie mit Bildern des "Rohlings" zusammen.