Das sind doch alles nur alte, vergessene Europäer. Wer kennt die denn schon?
So muß Frau Tulasi Zimmer, die sich selbst als Kunsthistorikerin bezeichnet, gedacht haben, als sie das Buch "The History of Knitting in Art" zusammenschusterte. Vom Titel verführt, habe ich eine kunsthistorische Arbeit über das Motiv des Strickens in der Kunst erwartet.
Aber was ist es tatsächlich? Eine willkürliche und fehlerhafte Zusammenstellung.
Die historische EInleitung? Große Buchstaben, wenig Inhalt, ein bißchen daß die Ägypter strickten und dann wohl die Germanen und so weiter. Banal wie Hundefutter oder amerikanische Wurstbrötchen.
Die gezeigten Werke? Die Autorin legt Wert darauf, daß die Bilder digital behandelt wurden: The images are digitally enhanced to improve their color quality and clarity. Diese Klarheit muß sie allerdings so vernebelt haben, daß sie jedes Gespür für die Zuordnung der Werke zu den Künstlern verloren hat.
Diese Buchillustration aus Frankreich ordnet sie "Francisco de Goya" zu. Der war allerdings schon tot, als diese Illustration geschaffen wurde und bestimmt kein Franzose.
Und dieses liebreizende Mädchenporträt ist ein Meisterwerk von Albert Anker. Frau Zimmer allerdings ordnet es Carl Spitzweg zu.
Naja, München und die Schweiz, das ist ja ganz nah beieinander..
Ich ärgere mich. Weil das wieder mal beweist, daß man sich nur auf jede Wutz schwingen muß, die durchs Dorf rennt (in diesem Fall "knitting") und schon verkauft man. Ungetrübt von jeder Sorgfalt, keinerlei Lektorat, sowas braucht man ja nicht mehr, man hat ja eine Rechtschreibprüfung im PC. Und dann kommt eben solcher Murks raus.
Das dann allerdings als ideales Nachschlagewerk zu bezeichnen? "This is an ideal reference and/or gift for handspinners, knitters, and fiber artists." Unverfrorenheit ist eine amerikanische Tugend.
Naja, seitdem ein amerikanischer Präsidentschaftskandidat die Parole "yes we can" ausgegeben hat, können Amis eben alles. Auch mal kurz kunsthistorisch rumschlampen und sich dann noch groß zum Fenster raushängen...
Ich ärgere mich.
Nicht nur die modernen kunsthistorischen Einordnungen sind falsch, auch die Verweise auf die Ägypter und Germanen sind sowas von daneben…
Leider schreiben auch moderne Autoren von Modegeschichte-Büchern nur zu gerne aus irgendwelchen Kompendien aus dem 19. Jh. ab und scheren sich einen Dreck um aktuelle textilhistorische oder archäologische Erkenntnisse (ja, ich kenne da auch Bücher/Projekte, über die ich mich sehr geärgert habe).
Was noch schlimmer ist: Da diese Leute unter Umständen Professoren an irgendwelchen Modehochschulen sind, glauben ihre Studenten und viele andere ihnen aufs Wort und das entsprechende Machwerk wird auch noch zitiert. Grrrrr.
ich hatte noch einen Mailwechsel mit der Autorin, der äußerst unschön war.
Sie meinte, alles können halt mal „erroneous“ sein und daß ich die fehlende Tiefe beanstandete, liege am „Unterschied der Kulturen“.. ich stimmte ihr dann zu, daß ich einen Unterschied zwischen Kultur und Micky-Maus-Kultur sehe, da hätte sie recht. Leider habe ich Geld ausgegeben für das Machwerk.