Wunderbare Musterbücher

Von Angharad‘s Knitting Gloves  fand ich zur Seite der UK Knitting and Crochet Guild und dort gibt es eine kleine Liste mit Tipps zu besuchenswerten Museen.  Und da bin ich da mal losgebraust…

Das nun folgende Thema hat nichts mit Stricken zu tun, aber es geht um Stoffe, Schönheit und Wirtschaftsgeschichte, und das ist allemal interessant.

Das Harris Museum in Preston pflegt eine große Textil-Sammlung und birgt einen besonderen Schatz: The Textile Manufactures of India ein Stoff-Musterbuch in 18 Bänden, das 1866 von John Forbes Watson im Auftrag des „India Office” der britischen Regierung erstellt wurde. Trotz seines Titels enthält es nicht nur Stoffe aus Indien, sondern aus dem gesamten südostasiatischen Raum sowie Iran und angrenzenden Provinzen.

Von diesem Werk gibt es nur 20 Exemplare und es war als Information für Textilhersteller im Vereinten Königreich gedacht, zur Propagierung der indischen Textilien. Der Bedarf an Stoffen wuchs zu der Zeit, denn die Maschinisierung der Textilherstellung schritt stark voran und verlangte nach immer mehr „Rohstoff“. 13 Exemplare wurden an britische Städte mit Textilindustrie verteilt, 7 Exemplare an Handels-Zentren in Südostasien.

Powerloom weaving in 1835.jpg
Powerloom weaving in 1835„ by Illustrator T. Allom – History of the cotton manufacture in Great Britain by Sir Edward Baines,. Licensed under Public Domain via Commons.

Illustrations of the textile manufactures of indiaJede Seite in diesen Musterbüchern enthält ein 35 x 20cm grosses Stück Stoff und Informationen dazu: wo es herstammt, wie es getragen oder genutzt wurde, sowie Preis, Gewicht des Originalstoffes.

Diese Bücher sind in einigen britischen Museen einsehbar, aber sie sind auch online gestellt worden und es gibt eine eigene Webseite dazu: The Textile Manufactures of India.

Denn zu den Olympischen Spielen in London 2012 wurde ein kulturelles Programm angestoßen: Stories of the World. Das Harris Museum in Preston nahm ab 2010 daran teil und gestaltete die Ausstellung Global Threads: Asian Textiles & Fashion Today. In diesem Rahmen entstand auch die Webseite.

Jedes der Bücher ist auf der Seite einsehbar und jedes Stoffmuster wird mit allen zur Verfügung stehenden Informationen, auch einer Karte, die den Herkunftsort zeigt, präsentiert. Und alle Bände können bandweise, nach Material, Objekt, Herkunft, Muster, Technik oder Gebrauch durchsucht werden, ein unglaublicher Schatz!

Ich habe ja in den vorhergehenden Beiträgen über die indischen Handschuhe mit dem schönen Muster berichtet und deshalb habe ich hier mal nach den floralen Mustern gestöbert, 96 Funde!

Seidenstoff aus Meshed in Iran

Seidenstoff aus Meshed im Iran

Ob man nun nach Stoffen für Schals oder Segeltuch sucht, zu allem wird man fündig.

Wer nun auf den Geschmack gekommen ist: es gibt noch ein Buch von John Forbes Watson:

The Textile Manufactures and the people of India

Man kann dieses Buch entweder in verschiedenen Formaten herunterladen (ePub, Flipbook, Kindle, PDF) oder als ZIP mit allen Grafiken. Sie können die Bände aber auch online durchblättern und man kann es auch auf Webseiten einbetten:

So sehr wir uns freuen, daß diese Bücher zusammengetragen wurden und uns heute zur Verfügung stehen, sollte man doch auch die Auswirkungen auf die Textilproduktion der damaligen Zeit nicht unter den Tisch fallen lassen.

Denn als Folge dieser Propagierung indischer/asiatischer Muster übernahm die englische Textilindustrie immer mehr dieser Mustern und produzierte, zum Teil arg versimplifiziert, immer großere Mengen, mit schlimmen Auswirkungen: Die englischen industriell produzierten  Stoffe wurden in großer Zahl nach Indien exportiert und entwickelten sich,  da ohne Zölle eingeführt,  zu einer starken Konkurrenz der einheimischen Textilherstellung.
Dies führte in Indien zu mehrfachem Niedergang:

  • den einheimischen Textilmanufakturen wurde die Grundlage entzogen
  • sozialer Niedergang, Verarmung
  • Verlust der traditionellen Vielfalt

Trotz allem bleibt: die 20 Bände sind ein großer Schatz und das Projekt der Visualisierung zeigt die großen Möglichkeiten, die Museen bei entsprechender Unterstützung nutzen können.

So findet sich auf der Webseite des Projekts auch ein Beitrag über die Auswirkungen dieser Publikation:

Although it is possible to see Forbes Watson’s decision to cut up beautiful fabrics from the India Museum’s stores as an act of destruction, in many ways his wish to catalogue and circulate these fabrics has preserved them for future generations to study. We hope that this website will enable researchers to better understand the type of fabrics included in The Textile Manufactures of India, as well as the impact of this work on textile production in both Britain and South Asia.

Ich wünsche mir, daß auch deutsche Museen, und vor allem das Hamburger Völkerkundemuseum, das mir besonders am Herzen liegt, die notwendigen Mittel zur Aufarbeitung und Präsentation ihrer Bestände bekämen.


Selten und geheim?

Kategorie: Polemik -

Der Spiegel zitiert den New Music Express, der wohl als Lückenfüller in der Saure-Gurken-Zeit meint, die Hobbies von mehr oder weniger bekannten Musikern rubrifizieren zu müssen.

Zitat Spiegel:

Dass Musiker mitunter überraschende Hobbys haben, ist kein Geheimnis. Die Onlineausgabe des „New Musical Express„ hat jetzt aber eine kurzweilige Liste der „seltsamen und geheimen„ Hobbies mancher Künstler zusammengestellt. Viele dieser Freizeit-Beschäftigungen sind nur mäßig originell: Autos sammeln (Charlie Watts), Joggen (Ellie Goulding), Golf (Alice Cooper), Briefmarken sammeln (Ronnie Wood), Fliegen (Gary Numan) oder Wein anbauen (Mick Hucknall). Aber darauf, dass Weezer-Mann Rivers Cuomo („Undone – The Sweater Song„) gern strickt, wäre man jetzt nicht gekommen. Und dass der Queen-Gitarren-Zauberer Brian May eine Doktorarbeit in Astrophysik vorzuweisen hat, ja, dass sogar ein Komet nach ihm benannt wurde, ist dann doch überraschend.

Hier ein Screenshot:

Screnshot NME

Screnshot NME

Weird and wonderful secret hobbies„ => was bitte ist eigenartig und wunderbar an diesem geheimen Hobby? Daß der Musiker strickt oder daß der Redakteur uralte Klischees mit sich herumschleppt?


Warren Hastings Handschuhe

Das ging blitzschnell: gestern füllte ich das Antrags-Formular aus, um die Erlaubnis zur Veröffentlichung der Bilder vom Ashmolean-Museum in Oxford zu erhalten und fast mailwendend erhielt ich die Erlaubnis. Das finde ich großartig, danke dafür!

Und hier nun das Prunkstück:

Warren Hastings, Lange, gestrickte Handschuhe

EAX.2479.a Long knitted glove; pashmina wool, dyed and knitted, India, late 18th century © Ashmolean Museum, University of Oxford. [Aufs Bild klicken für größere Ansicht!]

 

Ist das nicht ein wunderschönes Exemplar?

Warren Hastings by Joshua ReynoldsDie Handschuhe stammen aus dem Besitz von Warren Hastings, dem ersten Generalgouverneur von Ostindien. Über ihn mag ich hier nicht weiter berichten; wie in der Kolonialgeschichte üblich, war er tyrannisch, herrschsüchtig und raffgierig. Mehr dazu in der Wikipedia.

Die Handschuhe sind aus gefärbter Pashmina-Wolle gestrickt, mit einer Fadenstärke von 240 Maschen / 10cm, wie siouxian herausgefunden hat und ich im vorhergehenden Beitrag beschrieb.

Diese Handschuhe aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurden vermutlich in Kaschmir gefertigt, und ich vermute fast, daß sie von Kindern oder Jugendlichen gestrickt wurden, welcher Erwachsene  hat so feine Finger?

Detail der Warren Hastings Handschuhe

EAX.2479.a  © Ashmolean Museum, University of Oxford.

© Victoria and Albert Museum, London.

© Victoria and Albert Museum, London.

© Victoria and Albert Museum, London.

© Victoria and Albert Museum, London.

Solche Muster findet man nicht nur auf diesen Handschuhen, sondern sehr viel öfter auf Teppichen oder Keramik oder gewebten Stoffen.

EAX.2479.a Long knitted glove; pashmina wool, dyed and knitted, India, late 18th century
© Ashmolean Museum, University of Oxford.

 

Ich bin sehr erfüllt von der Schönheit dieser Handschuhe und habe nun etliche Stunden mit dem Studium der islamisch-indischen Kunst verbracht, einige Bücher aus meiner Studienzeit (ja, ich habe mal islamische Kunstgeschichte studiert, vor langer langer Zeit) hervorgekramt und im Web gestöbert.  Ich liebe es, mich einem Thema hinzugeben und zu stöbern…


Wunderschöne indische Handschuhe.. eine lange Geschichte

Angharad Thomas habe ich beim Craft Camp in Olustvere kennengelernt, wo wir beide an den Strickworkshops von Kristi Jõeste und Riina Tomberg teilgenommen haben. Angharad ist Mitglied der Knitting and Crochet Guild of the UK und schreibt in ihrem Blog „Knitting Gloves / Hand knitting British GLoves„.  Und dort hat sie nun Erfolg gemeldet: sie hat einen der Muhu-Pulswärmer fertiggestrickt. (Mein Gestrick ist noch im gleichen Larvenstadium wie nach dem Workshop). Applaus!

Viel und wenig

Viel und wenig

Es lohnt sich wirklich, mal auf ihrer Webseite zu stöbern und die wunderschönen Handschuhe zu bewundern, die sie in den letzten Jahren gestrickt hat. Ihre Beschäftigung mit historischen Mustern und vor allem mit den Handschuhen aus Sanquar ist bewundernswert.
Da ich eine eifrige Leserin der „Knitting Traditions„- oder „Piecework„-Zeitschriften  bin, habe ich schon einige ihrer Werke bewundert, z.B. die Polarforscher-Handschuhe und nun bin ich ihr persönlich begegnet.

Bei der „Shameless-Selfpromotion„ des Craft Camps stellte Angharad ihre Webseite und die Seite der Knitting and Crochet Guild vor.

Dr. Angharad Thomas

Dr. Angharad Thomas und die Webseite der „Knitting and Crochet Guild of the UK„

Ja, wenn eine so engagierte Strickerin auf andere Webseiten verlinkt, dann gehe ich davon aus, daß diese Seiten auch etwas Besonderes sind. Und so ist es.  Neben den Seiten von Franklin Habit und Tom Of Holland, die ich ab und an lese, hat mich diese Seite besonders fasziniert: Click‘n‘Knit.

Ich habe zwar nicht herausgefunden, wer diese Seite betreibt und seit Februar ist dort auch nichts mehr erschienen, aber das was es dort zu schauen und zu lesen gibt, ist beachtlich. Die Verfasserin (oder der Verfasser, ich gehe aber aus kultureller Gewohnheit davon aus, daß es eine Frau ist) ist geradezu besessen von einem Projekt:

Im Dezember 2014 beginnt sie, sich mit den Warren Hastings Gloves aus dem Ashmolean Museum in Oxford zu beschäftigen. Sie möchte diese Handschuhe nachstricken und experimentiert monatelang mit den verschiedensten feinen Fasern und Nadeln und kommt auch zu erstaunlichen Ergebnissen, ihre Projektseite bei Ravelry zeugt davon:

clicknknit bei ravelry

Warren Hastings Handschuhe / clicknknit bei ravelry

Sie kommt auf eine Maschenprobe von 100 Stichen pro 10cm und hat sich vorgenommen, 104 Stiche / 10cm zu erreichen.

Mit einem feinen Kashmir-Garn (28/2 !) und 0.7mm – feinen Nadeln errrechnet sie, daß sie 180 Maschen / 15 Motive stricken werden wird, während die Vorlage 204 Stiche und 18 Motiv-Wiederholungen mitbringt

Wieder einmal sehe ich, wie sehr man sich in eine Sache, ein Vorhaben, ein Projekt vertiefen kann. Und ich werde mich jetzt ein wenig in die Geschichte der Warren-Hastings-Handschuhe vertiefen und hier demnächst mehr über diese wunderbaren Strickarbeit schreiben. Das Ashmolean Museum geht sehr strickt mit den Bildrechten der Ausstellungsstücke um und so habe ich ersteinmal um eine Wiedergabe-Erlaubnis angefragt, wird auch einen kleinen Betrag kosten.

Also wieder ein Thema, das mich noch eine Weile beschäftigen wird.

Als Kostprobe aber ein Paar Handschuhe aus der Sammlung Arts of the Islamic World des Brooklyn Museums. Diese ähneln den Warren Hastings Handschuhen sehr und stammen wohl aus der gleichen Zeit.

Brooklyn Museum: Männerhandschuhe

Pair of Man‘s Gloves. Knitted purl stitch wool, 4 5/16 x 6 5/16 in. (11 x 16 cm). Brooklyn Museum, Brooklyn Museum Collection, 34.5759. Creative Commons-BY

Brooklyn Museum: Männerhandschuhe

Pair of Man‘s Gloves. Knitted purl stitch wool, 4 5/16 x 6 5/16 in. (11 x 16 cm). Brooklyn Museum, Brooklyn Museum Collection, 34.5759. Creative Commons-BY


Ich schäme mich,

Kategorie: Wockensolle -

aber ich machs wieder gut!

Ich habe, ist ja wohl bekannt, eine Schwäche (und ein fast volles Extra-Billy-Regal) für Strickbücher. Oft haben mir die Bücher aus der Vogue-Stitchionary-Serie weitergeholfen oder Anregungen gegeben. Einige dieser Bücher sind ja inzwischen sogar in deutscher Sprache erschienen und manchmal ganz günstig zu bekommen (bei www.jokers.de zum Beispiel).
Also, habe ich mir gemerkt, Bücher aus der Vogue-Stitchionary-Serie sind brauchbar und hilfreich.

Vogue: LaceNun gibt es in dieser Reihe einen vielfach gelobten Band „Lace Knitting„. Und der interessiert mich natürlich.

Man kann bei Ravelry gezielt nach Büchern suchen, es gibt sogar spezielle Foren für Verkauf oder Tausch von Büchern. Und da wurde ich fündig. KateB660 hat eine große Buchsammlung, die sie nun verkaufen möchte. Denn sie muß aus familiären Gründen umziehen und hat eine ungewisse Zukunft vor sich.

In dieser Liste fand ich „Lace Knitting„ aus der Reihe Vogue‘s Knitting Stitchionary. Sie wollte dafür gerade mal 20$ und war auch bereit, mir dieses Buch zu verkaufen und zu versenden.

Dann trübte sich aber meine Freude über meinen Kauf. Denn nach der Suche bei Ravelry schaute ich per Google auch sonst mal herum, was denn so für diesen Band gefordert wird. Und fand heraus, daß inzwischen Summen von 150€ bis 250,00€ genannt werden. Wenn solche Preise von kommerziellen Anbietern gefordert werden, dann hat Kate eindeutig zu wenig verlangt. Und das in ihrer schlimmen Lage. Nun, ich hatte ihr das Geld schon per Paypal gesandt, und jetzt fühle ich mich schlecht.

Aber: in der Ravelry-Gruppe ImpeccableKnitters wurde gerade ein KAL gestartet: ein Fundraiser KAL: Go Lassie Go. Alle Einnahmen aus diesem KAL gehen direkt an Kate. Das ist ja schon eine Möglichkeit, etwas wieder gut zu machen. Bei diesem KAL  geht es um Socken, von der Spitze aus gestrickte Socken.

Grün Grün AppelgrünIch wollte eigentlich nach meinem letzten KAL bei solchen Gemeinschaftsspielen nicht mehr mitmachen, denn das Ergebnis des Shetland-Trader-KALs hat mir nicht so gefallen. Und die Forumsbeiträge bei diesem KAL (und auch anderen, an denen ich teilnahm) fand ich nicht so inspirierend, diese „.. ich jetzt auch„ oder „oh das ist aber toll„  oder  „soll ich nun grün oder blau oder was ach ich weiss nicht„ etc. sind doch sehr ermüdend. Aber dieser hier ist anders. Also habe ich mein Scherflein beigetragen und die 7,14$ gezahlt.

Das ist aber erst ein Tropfen auf den heißen Stein. Nun gibt es eine Fundraising-Kampagne für Kate und ihren Bruder, dort werden jedoch nicht alle Zahlungsarten akzeptiert. Und erstmal irgendwelche Konten bei irgendwelchen Bezahldiensten anzulegen, gefällt mir nicht. Mir reicht daß ich PayPal einsetze. 

Was ich gelernt habe? Nicht immer das billigste Angebot wahrnehmen, sondern nachschauen wer warum etwas verkauft oder verkaufen muß…


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