Ankunft und Tag 1 in Riga

Kategorie: Auf Reisen -

Also das war das letzte Mal, dass ich bei Ryanair einen Abflug ab Berlin Schönefeld gebucht habe, hier Schlange stehen für Check-In, dann in anderes Terminal gerufen, dort Schlange stehen, dann steile Treppe nach oben, lange Gänge lang, steile Treppe runter, das ist einfach schrecklich, bin ja keine 20 mehr….

In Riga dann schlechtes Wetter und vertrautes Gefühl. Ich habe mir angewöhnt bei einer Ankunft nicht gleich zu den Terminen zu gehen, nicht gleich Bekannte aufzusuchen, sondern mich ersteinmal langsam zu akklimatisieren, in Buchhandlungen stöbern und im Café sitzen und Tee trinken. So auch diesmal.

Zwei Damen im Café

Zwei Damen im Café

Ob diese schönen Jacken nun handgestrickt sind oder nicht, aus Wollstoff genäht oder nicht, das war mir gleich, ich konnte die Damen nicht fragen, wollte sie  nicht stören, aber die Jacke der linken Dame hat ein ganz ausgefuchstes Design, und sogar spiegelnde Knöpfe auf der Schulter.

Trotz schlechtem Wetter gab es schon frühlingshafte Anmutungen, denn vor den Kneipen sind schon die Stühle herausgestellt und die Schaufenster sind auch verlockend dekoriert.

Design-Frühling

Design-Frühling

In den Buchläden wurde ich fündig, ich habe mir nun endlich ein kleines Symbollexikon der lettischen Symbole zugelegt und dann dieses druckfrische Werk gefunden:

Aija Ansone Aija Ansone
Apģērba attīstība Zemgalē 19. gadsimtā
The development of dress of 19th century, Zemgale
ISBN 9789934528156
Published by the Latvian Cultural Center, 25. April, 28,99€

also ganz druckfrisch, aber die Druckerschwärze war schon trocken.

mehr habe ich an diesem ersten Tag nicht unternommen, einfach nur genossen, hier zu sein.

Bevor ich losfahre…

Ja, in 2 Tagen geht es los, erst nach Berlin, treffe mich mit meinen Neffen und der Strickfreundin Regina, und dann von dort aus ein kurzer Hopser nach Riga. Nach zwei Tagen in Riga dann nach Strazde in Kurzeme (Kurland), wo ich an einem dreitätigen Strick-Workshop teilnehmen werde. Strazde ist ein kleiner Ort mit einem renovierten Gutshaus, vielen Feldsteinhäusern, flacher weiter Landschaft -kein großer Kulissenwechsel von Vorpommern nach Kurzeme also.

In Riga gibt es dann noch ein Ravelry-Familien-Treffen: In Sena Klets (inzwischen auch ein bekannter Ort hier) treffen sich baltisch-infizierte Strickerinnen aus den USA und Deutschland mit Maruta und Monta Grasmane und alle gehen gemeinsam schmausen. So rückt die Welt zusammen!

Wwie es aussieht, werden es wohl rund Teilnehmer(innen) werden, aus Deutschland, USA, Estland und den Niederlanden. Ich bin gespannt und werde berichten.

Aber vorher habe ich noch einen Lesetipp:
Dass ich Annemor Sundbø sehr schätze und viel von ihr gelernt habe, ist kein Geheimnis. Ich habe sie schon einige Male in meinen Beiträgen auf der Wockensolle vorgegestellt und erwähnt. Jetzt habe ich durch einen Hinweis bei Ravelry ein Interview im Norwegian Textile Letter mit ihr gefunden, das ich hier gerne verlinken möchte: A Rag Pile, my Lot in Life, ein Exkurs über Schicksalsgöttinen, Mythologie, Textiltechnik und weitergeben von Traditionen.

 

Annemor Sundbø, ein Screenshot von http://lokalkulturen.fvn.no

Annemor Sundbø, ein Screenshot von http://lokalkulturen.fvn.no

Und wie es so geht, habe ich mich auf der Webseite des Norwegian Textile Letters umgeschaut und eine interessante Diskussion entdeckt, den norwegischen Strick-Krieg. Aber das ist eine andere Geschichte, für nach dem Strick-Camp..

Bald erscheint die englisch-sprachige Ausgabe von

Eesti Silmuskudumine 1

Eesti Silmuskudumine 1

Eesti Silmuskudumine 1 

Estonian Knitting 1 – Traditions and Techniques wird der Titel sein und ab Anfang Mai ist es erhältlich.

Das ist wieder einmal ein Buch, auf das viele Stricker(innen) lange gewartet haben. Ich habe mir im Sommer die estnische Ausgabe gekauft, aber das Buch enthält viele Textpassagen und Anleitungen und darum ist es nicht einfach zu nutzen.

Mit der englischen Übersetzung wird es aber auf jeden Fall ein Leichtes sein.

Ein Paar Strümpfe habe ich schon aus diesem Buch gestrickt, die Mustjala Sukakiri. Zu sehen bei Ravelry.  Und wenn die englische Ausgabe erschienen ist, wird sich die Ravelry-Projektseite des Buches sicherlich sehr schnell beleben…

Estonian Knitting

Estonian Knitting

So wird das Buch auf der Webseite des Herausgebers, Saara Publishing, angekündigt und man kann auch in das Buch schauen.

Das besorge ich mir im Sommer auf jeden Fall!

Stricken in Armenien, armenisches Stricken, Armenian Knitting

Nun, während ich mich auf einen Vortrag über Armenien vorbereitete und diesen am Sonnabend auch gehalten habe, während ich an einer blauen Jacke herumstrickte (will ich die wirklich noch vor meiner Reise fertig haben?) und das Buch „Mittens of Latvia“ stück für stück übersetze, hat sich ein Thema eingeschlichen: Stricken in Armenien.

Wird in Armenien gestrickt? Sicherlich!
Auf eine besondere Weise? Wer weiß…

Früher hätte ich gewußt, wen ich fragen könnte. Meine liebe Freundin Irina Tigranova hatte auf alles eine Antwort. Sie war Professorin für Musik, die Witwe des Komponisten Avet Terterian, Kobold und Schelm. Sie konnte mir sagen, ob Bronski wirklich Anna Karenina liebt, mit ihr habe ich Lermontow’s Gedichte rezitiert, wir haben viel Zeit in Erivan und Arivank miteinander verbracht. Aber gestrickt hat sie seit ihr Sohn groß ist wohl nicht mehr.

Irina Tigranova

Irina Tigranova

Ich kann nicht mehr anrufen und ihr fragend-lachendes „Hallo“ hören.  Ich kann sie nicht mehr fragen, sie lebt nicht mehr. 

Also schaue ich in Bücher. Als ich in Armenien unterwegs war, habe ich in Museen alte Handschriften angeschaut und die Trachten bewundert, aber Gestricktes habe ich nicht wirklich gesehen. Eine Suche im Netz bringt zum Stichwort Armenian Knitting viele Treffer, aber das bedeutet nichts, da geht es immer nur um eine Technik, bei mehrfarbigem Stricken den Faden zu führen, angeblich von einer armenischen Strickerin für eine italienische Mode-Designerin entwickelt… nichts Aufregendes.

In einem Piecework-Heft aus dem Frühjahr 2013 wurden armenische Socken vorgestellt:

Armenische Socken - Piecework Jan/Feb 2013 - Priscilla Gibson-Robert

Armenische Socken – Piecework Jan/Feb 2013 – Priscilla Gibson-Robert

Aber was ist daran armenisch? Eine armenische Familie aus der Türkei kommend brachte diese Socken Ende des 19, Jahrhunderts mit in die USA, und die Autorin konstatiert: „In Turkey, it was traditional to offer socks to the groom’s family. … The sock was constructed in the classic Islamic manner as found…“

Tja, da hat die armenische Familie wohl eher einen türkischen denn einen armenischen Socken mitgebracht, Armenier sind ja wohl wirklich keine Muslims.  Aber ob das amerikanische Autoren wissen? Scheint mir nicht so.

Nun, dann schaue ich in das neue Buch von Constanze John,DuMont Reiseabenteuer Vierzig Tage Armenien: In einem alten Land im Kaukasus… Beim Blick ins Inhaltsverzeichnis finde ich den 36. Tag überschrieben mit „Stricken“. Das macht mich neugierig.

Am Friedhof zu Nouratus sitzen drei alte Frauen. SIe sitzen auf den Grabsteinen, haben in Plastikbeuteln bunte Wolle dabei und stricken. Kaum sehen sie uns kommen, Satenik und mich, legen sie die Stricknadeln beiseite, nehmen jede ihren Packen fertiger Waren – Mützen, Strümpfe, Schuhe, Topflappen – und bieten sie uns an. Erst kaufe ich ein Paar gestrickte Schuhe und Topflappen, wobei mein Blick bereits über das Areal des Friedhofes schweift. Dann gehen wir weiter….

Das sind wohl die gleichen Strickerinnen, die auf dieser Webseite in einem Reisebericht über Armenien zu sehen sind:

Armenische strickende Frauen

Screenshot: Armenische strickende Frauen

Als ich in Nouratus war, habe ich keine Strickerinnen gesehen. Ein paar Jungs wollten Bonbons haben und fotografiert werden, aber niemand strickte.

Gibt es wirklich keine speziellen armenischen Strick-Traditionen? In meinen vielen Büchern über dieses Land finde ich keinen Hinweis, und meine Irina kann ich ja nicht mehr fragen…

Knitting Lady…

Kategorie: StashUp » Wockensolle -

das ist ein Titel, den sich wohl jede Strickerin ans Revers heften könnte. Aber eine Dame ganz besonders: The Knitting Lady,

Diese Webseite hat eine spezielle Zielgruppe:
“The knitting lady is a site dedicated to providing resources for all your miniature and small knitting needs. ”

Warren Hastings, Lange, gestrickte HandschuheGefunden habe ich diese Webseite im Zusammenhang mit den wunderschönen indischen Handschuhen (die ich hier auch schon einmal vorgestellt habe), und einem Forumthread bei Ravelry dazu. So fand ich die Knitting Lady und ihr Angebot und das möchte ich hier doch mal vorstellen:
ganz dünne Wolle und ganz feine Nadeln!

Ganz feine Stricknadeln

Es ist ja nicht immer leicht, feine dünne Nadeln zu finden, und das einzige wirklich feine Nadelspiel, das mir bisher unter die Finger kam, waren  0.7mm-Hiya Hiya Nadeln, bei MyLys in Hamburg erstanden.

Jetzt habe ich auch noch Nadelspiele (wenn auch nur immer 4 Nadeln einer Stärke) von 0.8mm über 0.9mm, 1.4mm, 1.6mm und 1.8mm, da müssten die Maschenproben doch hinkommen ;=)

Und mit dieser einfädigen feinen Wolle sollte doch jeder lettische oder estnische Handschuh aufs Feinste gelingen:

wie immer: auf die Vorschaubilder klicken

nun bin ich gespannt, wann ich diese Wolle auf die Nadeln hole.

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