Der vierte Tag auf Orkney

bietet nichts Aufregendes.
Erst weckten uns die Bed & Breakfast-Gastgeber um 8:20 in der Frühe, denn Frühstück gibt es nur von acht bis halb neun, egal ob Sonntag oder nicht. Das fand ich nicht schön, wo das Frühstück sowieso schon recht kümmerlich ist.

Das ist aber nicht so schlimm. Schlimm ist, daß das Wetter heute ganz furchtbar ist. Heftigster Wind, Regen, die Insel Hoy sieht man gar nicht im Regendunst, da will man nicht raus… Also blieben wir “zuhause”, schiiefen halt nach dem Frühstück weiter und werden uns heute abend noch ein nettes Abendessen suchen in Kirkwall.

Aber so ganz ohne was zu Tüfteln und zu tun kann ich ja nicht sein, und da Regina mir ja in einem Kommentar voraussagte, daß ich wohl demnächst Runen-Socken stricke, hab ich mir mal die Runen-Schriften angesehen, die es so gibt. Die größte Runendichte gibt es ja in Maeshowe, hier ganz in der Nähe, und  Feòrag NicBhrìde hat zwei Fonts erstellt, die diesen Runen nahekommen. “Orkney Runes” heißt die Seite.

In der Wikipedia gibt es auch Informationen über die Runenschriften aus Orkney.

Connie strickt Runensocken

Also, liebe Regina: Connie strickt Runensocken  in Maeshowe-Runen-Schrift!

Da wird es mir ja wohl auch gelingen, diese Runen zu “verpattern” ;=)

Runen von Maeshowe

Runen von Maeshowe


Unser dritter Tag auf Orkney

An diesem Tag ging es so richtig ab in die Steinzeit, nach Stenness, dem Ring of Brodgar und Skara Brae. Das West Mainland of Orkney bietet wohl die größte Zahl an steinzeitlichen Kultstätten und Siedlungen in Nordeuropa, und diese Stätten sind allesamt um die 7000 bis 6000 Jahre alt.
Nicht weit von unserem Standort Houton, gerade mal 15km, kamen wir zu den Standing Stones of Stenness. Dieser Platz mit ungewisser kultischer Bedeutung liegt auf einer der zwei Landzungen, welche das Loch of Harray und das Loch of Stenness voneinander trennen, heute aber mit einer Brücke verbunden sind. Die Anlage wird auf 3100 vor unserer Zeitrechnung datiert und vier der ehemals 12 Steine des inneren Kreises stehen noch. Dieser Ort war kein Steinkreis, sondern ein Henge, also eine torähnliche Anlage.

Immer schon regte diese Anlage die Phantasie der Menschen an und Sir Walter Scott ließ ein wichtiges Kapitel seines Romans “Der Pirat” hier stattfinden. (Das Buch gibt es übrigens bei amazon als Klassiker für den Kindle). Im 19. Jahrhundert dann zerstörte ein Bauer viele Teile der Anlage, weil er sich über die Besucher ärgerte, die seine Felder zertrampelten. Das erinnert mich wieder an den Förster von Netzeband, der ebenfalls im 19. Jahrhundert, allerdings aus fundamentalistischer-christlicher Anschauung heraus, den Steinkreis von Netzeband zerstörte. Auch Vorpommern ist reich an steinzeitlichen Plätzen und hat ebenfalls eine Wikingervergangenheit!

Ein starker Wind weht den ganzen Morgen schon und deshalb fällt mir der Aufenthalt beim Ring of Brodgar schwer.

Der Ring von Brodgar (lt. Ordnance Survey, früher auch Brogar) ist ein Henge  mit einer kreisförmigen Steinsetzung im Inneren. Mit einem Durchmesser von 104 m ist er größer als Stonehenge. Von den ursprünglich etwa 60 Steinen sind noch 27 erhalten. Er ist wahrscheinlich 2700 v. Chr. entstanden.

Die Anlage wird gerade “renaturiert”, damit das Moos wieder nachwachsen kann, überall störten Absperrungen den eigentlich so uralt-steinzeitlichen Eindruck. Da kommt eher ein Bauarbeiter denn eine Norne oder ein Druide hinter dem Stein hervor…

Ich erfreute mich an den Blumen, denn man muß wissen, daß überall auf den Orkney–Inseln Narzissen am Wegesrand oder entlang der Hof-Auffahrten gepflanzt sind und jetzt kommen noch die wilden Schlüsselblumen hinzu.

Die wohl wichtigste und eindrucksvollste Sehenswürdigkeit ist zweifelsohne die Siedlung Skara Brae, die, da lange von Sanddünen verschüttet, recht unversehrt erhalten ist.

Skara Brae (auch als Skerrabra bekannt) ist eine jungsteinzeitliche Siedlung auf Orkney. Sie liegt unmittelbar an der Westküste der Hauptinsel Mainland. Sie wird in die Zeit zwischen 3.100 und 2.500 v. Chr. datiert und enthielt Keramik vom Typ Grooved Ware. Mit der Eingliederung der Britischen Inseln in die Glockenbecherkultur endet die Nutzung von Skara Brae…

Von Archäologen wird Skara Brae als die am besten erhaltene Siedlung der Jungsteinzeit in Europa angesehen.

Beeindruckend, daß, da aus Stein, das komplette Mobiliar auch erhalten blieb, so lassen sich Betten, Tische und Behälter für den Fischfang erkennen. Eines der Häuser war kein Wohnhaus, sondern eine Werkstatt, und hier fand man fünf der sog. Carved Stones of Skara Brae. Auf der Seite des National Museums of Scotland gibt es eine schöne Übersicht über diese rätselhaften  Steine.

Screenshot National Museums ScotladDann war es aber auch genug mit Wind und Wetter und als letztes Ziel hatte ich das kleine Städtchen Stromness eingeplant. Der zweite Hauptort der Insel besitzt wie Kirkwall einen Fährhafen und ist an einen steilen Hügel gebaut, sodaß das Autofahren hier sehr schwierig ist und man doch besser am Hafen parkt. Eine der kleinen engen Gassen heißt sogar Khyber Pass ;=)

Victoria Street in StromnessAn der Victoria Street liegt auch das Pier Arts Centre, ein wunderbares Museum für moderne Kunst. Es ist entstanden aus der Sammlung der Autorin, Friedensaktivistin und Philantropin Margaret Gardiner (1904 – 2005). 

Wunderbare Werke findet man hier, von so renommierten Künstlern wie Barbara Hepworth, Ben Nicholson und Alfred Wallis, aber auch zeitgenössischen Künstlern wie Sean Scully, Eva Rothschild and Olafur Eliasson.

Erstaunlich für eine Stadt mit gerade mal 2100 Einwohnern!

Kommen wir  aber nun vom Harten zum Weichen, von den Steinen zur Wolle!
Gerade mal 10 Schritte vom Museum,  ebenfalls in der Victoria Street, gibt es ein schönes Geschäft: Quernstone Knitwear

Die nette Verkäuferin schüttelte den Kopf über meine Nachfrage nach langen DPNs und meinte diese Nadeln seien alle inzwischen durch die Stricknadeln mit Seilen abgelöst worden, sie hätte schon lange keine mehr geführt. Aber sie schaute für mich im Netz bei ihrem Lieferanten nach und fand dort auch nichts mehr. Diese Nadeln gibt es wohl nur noch als Restbestände und vielleicht könnte ich welche in Charity Shops finden oder in dem Wollgeschäft in Lerwick, das ganz normale Strick-Wolle, nicht Fair Isle etc., führe… Nun da werde ich also weiter meine Augen aufmachen.

Morgen ist Sonntag und am Sonntag fahren keine Fähren von Houton, also werde ich Liz Lovick am Montag auf der Insel Flotta besuchen. Den Sonntag werden wir es wohl langsam angehen und uns ausruhen, irgendwann muss der Husten ja mal verschwinden…


Der zweite Tag auf Orkney

Das war ein wunderschöner Tag bei bestem (gemischtem) Wetter und wenn der schlimme Reizhusten nicht wäre, ginge nichts besser. Inzwischen habe ich schon eine Sammlung verschiedenster Hustensäfte, aber keiner wirkt so richtig. Es braucht wohl Zeit.

Kirkwall war unser erstes Ziel, die großartige St. Magnus-Kathedrale zuerst. Im Chorgestühl begegnete mir das erste Schaf:

Kirkwall, in der St. Magnus Kathedrale

Kirkwall, Chrogestühl in der St. Magnus Kathedrale

Gleich gegenüber liegt das schöne Geschäft von Judith Glue Knitwear. Die Strickwaren erscheinen alle leicht und elegant, in feinen Farben. Eine Besonderheit sind die Pullover mit Runenmustern, aber die konnte ich nicht lesen ;=) Später lernte ich dann, daß die Runen das Wort Orkney darstellen, sie sind eine Replikation eines neolithischen Graffitti aus dem Grab von Maeshoew . Wohl eines der am längsten erhaltenen Graffitti!

Die Strickwaren kann man auch auf der Webseite von Judith Glue Knitwear ordern und das kleine Restaurant, das diesem Laden angeschlossen ist, kann ich nur empfehlen.

An der Hauptgeschäftsstrasse traf ich auf den Kurzwarenladen The Tree Store, ein üblicher Haberdashery, mit keiner grossen Woll-Auswahl, aber dafür  mit 30cm langen Nadelspielen! Gegenüber im Buchladen The Orcadian fand ich leider keine Strickbücher, die ich noch nicht besitze, jedoch  ein Buch über die Insel North Ronaldsay (die mit den Seetang-Schafen) und eine Taschenausgabe der Birds of Orkney,  und jetzt weiß ich auch, daß die Vögel mit den langen roten Schnäbeln Austernfischer sind und hier sehr oft vorkommen.

Austernfischer

Austernfischer am Strand von St. Margaret’s Hope auf South Ronaldsay

Jede Straße, der man folgt, bringt Überraschungen. Auf dem Weg nach Süden “hüpft”man auf den im 2. Weltkrieg angelegten Churchill Barriers von Insel(chen) zu Insel(chen) und kommt auch an etlichen verrosteten Kriegsschiffen, die da im Wasser vor sich hindümpeln, vorbei. Relikte einer fürchterlichen Zeit.

Der erste "Fair Isle" - Pullover auf meiner Reise

Der erste “Fair Isle” – Pullover auf meiner Reise, bei der Kapelle der italienischen Kriegsgefangenen

Nun aber wieder zu Schöneren. Im kleinen Ort St. Margaret’s Hope wiesen schon die Schilder des Orkney Craft Trail auf The Workshop and Loft Gallery hin und dieses Geschäft ist voller wunderbarer Stricksachen,  sehr verlockend.

Hand- und maschinengestrickte Pullover und Jacken sind im Angebot, aus einfarbiger und melierter Wolle. Die Galerie gehört einer 1978 gegründeten Kooperative. Ein Raum voller Anregungen und Verlockungen, mit Preisen, für die eine alte Frau lange stricken muß, so kostet ein handgestrickter Pullover um die 200 £, aber er ist es dann auch wert. Lange haben wir uns mit der Dame im Geschäft angeregt und intensiv  unterhalten, und ich fand es schade, daß Heinz keinen der Pullover haben wollte. Wollte ich ihm doh einen als Geschenk für das nächste Weihnachten plus nächsten Geburtstag kaufen, aber er fand sie zu schade für ihn. Ich glaube, ich hätte mich auch geärgert, wenn er solch ein teueres Stück am Ausschnitt fassend über den Kopf ausgezogen hätte…

St. Margaret’s Hope liegt schon auf der Insel South Ronaldsay, der südlichsten Insel des Orkney Archipels, und dort gibt es noch die Ausgrabungsstätten “The Tomb of the Eagle” und “The Tomb of Otters” zu sehen. Wir haben uns die Südspitze der Insel angesehen und auch die ersten Kliffs gesehen, aber zu nahe haben wir uns dann doch nicht an die Abbruchkante getraut. Da sind die Schafe mutiger oder leichtfertiger.

Auf dem Rückweg haben wir noch oft gehalten und den Schafen auf den Weiden zugesehen, aber da werde ich wohl einen eigenen Beitrag schreiben, mit sehr vielen Bildern, die Lütten sind einfach zu putzig. Ein Bild zum Abschluß jedoch:

Abenteuerspielplatz

Abenteuerspielplatz für kleine Lämmer, ich zähle 6 der kleinen Kerle


Der erste Tag auf Orkney

Von Glasgow nach Kirkwall auf Orkney Mainland flogen wir mit einer kleinen Maschine. Der Flug ging über das nordschottische Hochland und ich konnte viele schneebedeckte Berge bewundern. Wie mit Puderzucker bestreut oder mit dicken Zuckerguß glasiert…

Es war ein sehr eindrucksvoller Flug und kurz vor dem Lande-Anflug ging es über die Bucht von Scapa Flow, an der wir die nächsten Tage uns aufhalten werden. Der Flughafen von Kirkwall ist klein und gemütlich und in einer Vitrine entdeckte ich die erste Wolle, hatte aber keine Zeit mir das genauer zu betrachten, denn wir wollten den Leihwagen abholen.

Nun möchte ich nicht behaupten, daß die Orcadians Schotten seien, ewig wären sie mir böse, aber die ersten Menschen in Tracht, die ich sah, waren Schotten in dem nun wirklich wikingermäßigen Pub Helgi’s in Kirkwall, dem Hauptort von Orkney. Touristen!

Das Aufregendste heute war die ungewohnte Fahrweise, links zu fahren, links in den Kreisel einfahren, das ist für Heinz sehr sehr ungewohnt und dementsprechend langsam und vorsichtig bewegen wir uns.

Unser Bed & Breakfast liegt an der Houton Bay, direkt neben den Piers für die Personen- und die Autofähre zu den Inseln Hoy und Flotta. Für mich ist es eigenartig, daß ich mich nun an der Bucht von Scapa Flow aufhalte, die schon im ersten Weltkrieg eine wichtige strategische Rolle spielte und die immer wieder ein Ziel für deutsche U-Boote war. (Wen das kriegerische Geschehen interessiert, kann dies bei wikipedia nachlesen.) Nach dem Waffenstillstand am Ende des 1. Weltkrieges wurden 74 Schiffe der deutschen Flotte hier interniert und von den deutschen Besatzungen selbst versenkt.

Dieses Geschehen wurde dann später von der NS-Propaganda sehr ausgenutzt und ich habe zum Beispiel in Walter Kempowskis Tadellöser und Wolff immer wieder die Flottenkalender erwähnt gefunden, die anscheinend jeder deutsche Junge in seinem Zimmer hatte und die immer wieder Scapa Flow benannten.  Unser Blick aus dem Zimmer auf die Bucht läßt nichts von den grausigen Geschehen ahnen, aber belohnt uns mit einem immer wieder wechselnden eindrucksvollen Wolkenspiel.

Houton Bay an der Bucht von Scapa Flow

Houton Bay an der Bucht von Scapa Flow

In den nächsten Tagen werde ich sicherlich viele interessante Landschaftsaufnahmen hier zeigen können, einige prähistorische Steine sicher auch und natürlich Photos von den Wolltieren hier, den Schafen und ihren kleinen fröhlichen Lämmern, die überall zu sehen sind. Aber auch sonst gibt es viel Tiervolk, Hasen, Kaninchen, Wildgänse, Schnepfen auf den Feldern zu sehen, die Vogelklippen werden wir natürlich auch noch aufsuchen.


Gesamtgesellschaftliche Aufrüstung

Kategorie: Wockensolle -

Die USA, die NATO und die EU schüren seit einem Jahr die Kriegsgefahr in Europa, die wir alle doch so sehr überwunden glaubten. In allen Bereichen des Lebens wird Krieg wieder salonfähig, auch in der Mode.

So findet sich in der aktuellen Verena ein Modell in faszinierender Camouflage-Optik, das Zähnefletschen paßt dann auch:

Faszinierende Camouflage-Optik

Faszinierende Camouflage-Optik

und der Nordkurier meint auch klamottenmässig aufrüsten zu müssen:

Jetzt wird die Army-Mode edel

Jetzt wird die Army-Mode edel

Im Artikel kommt dann Weiblichkeit subtil zur Geltung, ich meine hier kommt subtile psychologische Kriegspropaganda zur Geltung, alles was mit Krieg zusammenhängt soll wieder als völlig normal durchgehen.

Ich möchte hier nicht die Ukraine-Diskussion führen, dazu habe ich meinen Realistan-Blog, aber ich möchte ein wenig auf die Veränderungen im allgemeinen Bewußtsein hinweisen und die Wahrnehmung ein wenig schärfen.

Nie wieder Krieg!

Nie wieder Krieg!


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