Babylonische Strickverwirrung – Globalisierungsgemansche

Kategorie: Polemik -
Pieter Bruegel der Ältere (1526/1530–1569) [Public domain], via Wikimedia Commons

Pieter Bruegel der Ältere (1526/1530–1569) [Public domain], via Wikimedia Commons

Wer von uns kann die baltischen, estnischen, lettischen, litauischen, skandinavischen und Fair-Isle-Farbmuster genau, 100%ig voneinander unterscheiden und eine hieb- und stichfeste Definition liefern?

Da gibt es jede Menge Überschneidungen, und „baltisch“ ist ja sowieso eine Obermenge von lettisch, estnisch, litauisch und vielleicht auch noch finnisch?

Auch wenn wir nicht immer treffsicher eine genaue Definition auf den Tisch legen können, und auch wenn in den diversen Foren von Ravelry.com immer wieder die Frage hochkommt: „was bedeutet FairIsle für Euch? / Wie definiert Ihr FairIsle?“ usw., wenn man sich eine Weile mit diesen Strickarten beschäftigt hat, dann bekommt man einen Blick dafür.

Und in den Ravelry-Foren trifft man viele Experten, die gerne weiterhelfen. So wie Elizabeth Lovick, die sich explizit über das Steeken der Strickteile geäußert hat und mit dem Mythos aufräumt, daß Steeken eine shetlandische Angewohnheit sei… nein, traditionell strickte man dort immer „flat“ mit langen Nadeln…

Auch vor der Digitalisierung unseres Strick-Wissens gab es schon solch eine Begriffsverwirrung, mehrfarbige Muster wurden im Deutschen, wie ich mich erinneren kann, als Jacquard– oder Norwegermuster bezeichnet, man kannte es eben nicht anders. Jetzt aber kann man es anders wisssen, es gibt ausreichend Literatur, Foren, Gruppen, Austauschmöglichkeiten, und deshalb ärgert es mich, daß da immer so geschlampt wird.

Auf wieviele Köpfe kommt diese Mützetags2Es kann doch nicht sein, daß solch eine banale Mütze gleichzeitig estnisch, Intarsien, FairIsle, Lettland und Shetland vereint.

Solch einen großen Kopf hat die  Dame ja wohl nicht.

Oder dieser Schlagwort-Rundschlag:
Ravelry-TagsMich ärgert sowas. Und ich frage mich warum das so ist? Was will man mit einer solchen Verschlagwortung erreichen? Das zeigt doch nur, daß man sich entweder über alles Wissen hinwegsetzt oder nichts weiß…

7 TreasuresSchade. Da bemühen sich Viele um mehr Wissen, gesichertes Wissen, Freude am Originalen, sehen Ravelry als Möglichkeit, die Welt zu erstricken, und dann kommt solch ein Globalisierter Mischmasch dabei raus.

Ganz besonders gruselig finde ich diese Socken:

angeblich japanischer Herkunft, soll dieses Muster Ähnlichkeiten mit einem lettischen Muster aufweisen, und schon kommen die Globalisierungs-Mischmascher und wollen das bei einem KAL als „baltisch-modern“ unterjubeln.

Ich halte das nicht für Weltoffenheit, sondern einfach nurfür Unbedarftheit, aber die breitet sich ja leider immer am schnellsten aus.

Vollgepackte Tage…

Kategorie: Wockensolle -

Lettische traditionelle HandschuheSo viel um die Ohren. Die Übersetzung ist natürlich das Wichtigste, und wieder einmal merke ich wieviel Zeit es kostet die richtige Formulierung zu finden. Und wie unglaublich präzise man arbeiten muß bei so einem wichtigen Buch. Ich bin da L. für die stricktechnische Redaktion und für Ihre Adleraugen sehr sehr dankbar!

Dazwischen kommt dann noch die Vorstandsarbeit beim Kunst- und Kulturrat Vorpommern-Greifswald, die viel Zeit frißt. Und ich erlebe gerade die Auswirkungen der Förderpolitik des Landes MV und anderer Institutionen und Verbände, es ist zum Junge-Hunde-mit-Blechköpfen-Kriegen. Ein unglaublicher Formalismus, Behörden die eine Antragsprüfung mit einer Abrechnungsprüfung verwechseln und schon im Voraus für angedachte  Winterveranstaltungen Angebote der Dolmetscher und Mietverträge für Veranstaltungsräume einfordern… und der Hammer ist, daß das Geld immer erst nach der Umsetzung der Projekte ausgezahlt wird und die Förderanträge für das Jahr 2016 jetzt im Juni zum größten Teil immer noch nicht abgeschlossen bearbeitet sind. Was das für die Veranstalter bedeutet, kann man sich denken. Wie gesagt, in mir steigt langsam aber sicher eine Wut hoch, wie Kreativität abgetötet und tourismuskonforme Kultur gezüchtet wird…

Da lob ich mir die Veranstaltungen im Atelier Pamitz. Gestern abend ein Solokonzert der russischen Pianistin Tatiana Pichkaeva,  wunderbare Musik, Unterhaltungen bis spät in die Nacht und das Alles ohne Geld, ohne EIntritt, nur aus Liebe. Welch ein Luxus und welch traurige Situation, daß man ohne Geld am besten fährt wenn man ohne Förderung Kultur veranstaltet…

Lokale Aktionsgruppe Vorpommersche KüsteTja, das beschäftigt mich, damit beschäftige ich mich, dann arbeite ich noch an einer Webseite, die Ende Juni fertiggestellt sein soll und die ich eigentlich gar nicht umsetzen wollte, es hat sich aber in unserer Region kein Webgestalter gefunden, der willens oder preislich akzeptabel gewesen wäre, das umzusetzen. Was nützt der Wille zur Stärkung der lokalen Wirtschaft, wenn es an fachlicher Qualifikation fehlt? Also erstelle ich auch noch diese Webseite…

Und während ich so am Schreibtisch sitze, kommt jeden Tag neues Futter für meine Strickbuch-Sammlung… In der letzten Zeit hatte ich so viele Gelegenheiten, lang Gesuchtes zu ergattern, daß ich jetzt endlich A History of Hand Knitting  Rutt: A history of Hand Knitting von Richard Rutt, Bishop of Leicester, besitze, ein nicht mehr aufgelegtes und auch oftmals strittiges Standardwerk. Das ist etwas zum Nachschlagen oder für lange Winternachmittage (aber dann stricke ich doch wohl eher?)
Das Buch habe ich lange gesucht und nun steht es in meinem Regal.

Traditional KnittingEin Neuzugang ist ebenfalls Sheila McGregors „Traditional Knitting„, ein kleines Büchlein zum Schmökern, ein historischer Rundschlag mit vielen Abbildungen. Ein wenig angestaubt inzwischen, aber doch sehr lesenswert.

Knitter's Life ListManchmal erstaunt es mich, welche Bücher von Büchereien aussortiert werden und ich kann die Gründe dafür oft nicht nachvollziehen. Liegt es nur an der geringen Zahl der Ausleihen, daß manche Bücher so schnell in die Zweitverwertung kommen? Ein solches Buch ist Knitter’s Life List von Gwen W. Steege,  (To Do, To Know, To Explore, To Make), ein recht amerikanisches Werk, sehr pragmatisch und mit vielen guten Tipps gespickt. Es trägt einen Stempel: Discarded, Outdated, Redundant Material.
Und da kommen wir schon zum letzten Exemplar in meiner Liste der Neuerwerbungen, The Culture of Knitting von Joanne Turney. Eine sozio-kulturelle Betrachtung des Strickens in der Gegenwart, von dieser Art habe ich schon einige Werke und Abhandlungen, die ich mal alle in einem gesonderten Beitrag vorstellen werde.

Erstaunlich, auch für mich, ist, daß ich doch noch zum Stricken komme. Jeden Tag kommt der Zeitpunkt, an dem ich ganz bewußt den Rechner ausschalte und mich aufs Sofa begebe. Das ist für mich wie Urlaub. Und der Wollvorrat? Sollte eigentlich kleiner werden, wird es aber nicht, wie mein neues Tuch zeigt. Ich befürchtete, daß das Garn nicht reicht für die Kante und bestellte neues Garn, das Garn hat aber gereicht… nun habe ich also fast vier Knäuel verarbeitet und drei neue Knäuel dazubekommen, immerhin: ein Knäuel weniger in der Kiste ;=)

Ja, und der Kniestrumpf? Das Muster stammt aus Estland,  aus Helme im Süden des Landes. Und die Farben sind rot-weiß-blau, Lizzy’s Landesfarben und ihr zu Ehren, hat sie mir doch beim beim Muster-Ausrechnen geholfen. Die Strümpfe müssen noch fertig werden bevor ich nach Tallinn fliege, das Craft Camp in Olustvere… und die Reise durch Estland… soviel Schönes kommt auf mich zu und die Reise habe ich nun wohl auch fertig organisiert, gestern habe ich den Leihwagen gebucht, mit viel Platz im Kofferraum für die Hamstereien dreier strickwütiger Damen ;=)

Jetzt aber, heute, am Sonntag, fahre ich den Rechner schon mittags runter und faulenze.

Einpacken, auspacken…

Kategorie: Wockensolle -

Das verwunderlichste Video auf Youtube war mal ein Video, in dem ein junger Mann mit schlechtem Englisch eine digitale Kamera auspackte und jeden Auswickelvorgang dokumentierte. Man hat mich dann aufgeklärt, es handelt sich um ein Kulturphänomen der Konsum(geil-)gesellschaft namens Unboxing und mit diesem Stichwort zeigt Youtube „Etwa 43.000.000 Ergebnisse“ an… der junge Mann war also nicht allein.

Tja, nun habe ich selbst ein paar Auspack-Bilder geschossen und veröffentlicht. Es ging aber um etwas Persönliches / Unpersönliches, um den Mini-Mitten-Swap bei Ravelry,  Als ich vor langer langer Zeit im Hessischen Statistischen Landesamt  (ganz schnell 3x hintereinander aussprechen!) jobbte, wurde bei der Weihnachtsfeier auch gewichtelt, damals fand ich das ausgesprochen doof, denn jedes Jahr tauchten wieder die gleichen Gartenzwerge von anonymen Spendern auf… aber jetzt war das anders. Ich stellte ein Päckchen für eine Teilnehmerin zusammen, die ich bis dato noch nicht kannte und ich wurde einer Teilnehmerin zugeteilt, die mir bis dato auch noch fremd war.

Diese wunderschönen kleinen Handschuhe habe ich geschenkt bekommen: 

ist das nicht ein schönes kleines Wunderwerk?

Bettysd's mini mitten

Bettysd’s mini mitten

und das waren die Kleinsthandschuhe, die ich für Hwaet gestrickt habe, zum Grössenvergleich ein Weinkorken:

Meine Meinung über das Wichteln hat sich geändert, wie man sieht. 

Estonian Knitting

Estonian Knitting

Ach ja, das Einpacken… das zweite schöne Estland-Strickbuch ist eingepackt und auf dem Postweg… 

Ich kann kein bißchen estnisch,…

aber ab und an finde ich doch ein wenig heraus, zum Beispiel wovon ein Artikel in einer fremden Sprache handelt, welche Termine auf dem Veranstaltungskalender interessant sein könnten für mich und dann sind ja auch immer noch die Bilder…

Es gibt da so eine Online-Plattform, ISSUU, die ungezählte uninteressante und interessante Publikationen zum Online-Lesen anbietet (leider nicht alle zum Download). Und dort kann man auch Publikationen abonnieren und wird informiert, wenn was Neues erscheint.

So auch heute morgen: Auf Issue erschien der neueste Newsletter of Estonian Folkart and Craft Union. Spring 2016.

 

Käsitöö: Riina Jubilar Käsitöö: Külli Jacobson

Nun, ich habe herausgefunden, daß Riina Tomberg zu einem Jubiläum gratuliert wurde und Külli Jacobson wurde geehrt.

Die Anläße dazu finde ich noch heraus….

Verengter Blick ;=)

Kategorie: Museen -

Ich ertappe mich, wie ich doch  mit sehr verengtem Blick auf Leinwände schaue..

Einer meiner bevorzugten Newsletter, Art Daily, zeigt heute ein Bild des dänischen Skagen-Malers Michael Ancher anlässlich seines Geburtstages (8. Juni 1843 – 19.09.1827).

Und was mach ich? Ich schaue  auf die Oberbekleidung..

Michael Ancher: Das Rettungsboot wird durch die Dünen getragen

Michael Ancher: Das Rettungsboot wird durch die Dünen getragen (1883)

Auf diesem Bild ist aber kein Pullover zu sehen;=)

Ich habe mir daraufhin das Werk von Michael Ancher genauer angesehen, bei einer Museumstour durch Dänemark lernte ich zum ersten Mal seine Bilder kennen und wenn ich mich recht erinnere, gab es in der Hamburger Kunsthalle auch einmal eine Ausstellung der Skagen-Maler. Nur bis Skagen selbst, in die ehemalige Künsterkolonie an der Nordsptize Dänemarks, bin ich noch nicht gekommen.

Wie zu der Zeit üblich, hat der Maler nicht nur an der freien Luft gemalt, die Küste, die Fischer, die Spaziergänger, die Kartoffelernter, er hat auch Interieurs mit strickenden Damen oder Wollknäueln und Porträts gemalt.

Eine Galerie mit Fischerpullovern reiche ich noch nach, aber das hier ist so ein schönes Bild, das muss ich jetzt hier noch präsentieren:

Michael Ancher - Tine und der blinde Kristian in den Dünen, 1880

Michael Ancher – Tine und der blinde Kristian in den Dünen, 1880

Und ein Ausschnitt: mit welcher Konzentration das Mädchen die Wolle wickelt… welche Ruhe das ausstrahlt – das ist schon sehr gelungen.

Michael Ancher: Tine in den Dünen, Ausschnitt

Michael Ancher: Tine in den Dünen, Ausschnitt

Link: Michael Ancher in der Wikipedia

Seite 1 von 11112345...102030...»»