Fette Wolle, dicke Nadel

Kategorie: Wockensolle » Polemik -

Ach, was waren das noch Zeiten, als die Brigitte eine eigene Redaktion und keine Prekariats-Aushilfen  beschäftigte und ehedem die anspruchsvollste deutsche Frauenzeitschrift war, neben Portraits von Politikerinnen wie Bernadette Devlin und anderen aktuellen Beiträgen auch hervorragende Sonder- oder Weihnachtshefte mit wunderbaren Anleitungen bot. (Ich glaube, das hab ich schonmal hier auf der Wockensolle geschrieben, ist aber seitdem nur noch schlimmer geworden).

Brigitte Heft

Brigitte Heft

Nun, da liegt eine neue Ausgabe in der Tanke aus und auf dem Titelbild prangt groß das  Reizwort Stricken!

EIgentlich erwarte ich ja, daß beim Stricken mehr als nur so ein Lumpen-Liesel-Monster-Schal entstehen sollte, aber meine schlimmsten Erwartungen wurden getrübt.

Häßlich, grob, untragbar oder einfach banal – suchen Sie es sich aus, liebe Leserin!

Falls Sie aber zu den Konsumentinnen gehören, die schwach werden, wenn nur das Wort Design fällt und die gerne etwas geschenkt bekommen, dann ist dieses Heft doch vielleicht etwas für Sie.

Denn dem Heft ist neben dem unbenutzbaren Anleitungsbeileger (Plakatgröße!) eine Design-Holz (jawoll!)-Rundstricknadel von Lana Grossa (Fette Wolle) in Nadelstärke 5 it dem äußerst exklusiven Aufdruck „Brigitte“  beigelegt!  Und das ist dann wohl ein Schnäppchen, denn das unsägliche Druckerzeugnis samt Stricknadel kostet nur halb so viel wie die ansonsten überteuerten und leicht brechenden Strickhölzer dieser Firma.

Exklisiv-Nadel von Brigitte

Exklisiv-Nadel von Brigitte

Wes Geistes Kind dieses Heft inzwischen ist, zeigen solche Anreißer wie „von wegen perfekt: Jetzt zeigt Charlotte Würdig ihren wahren After-Baby-Body“ (wer bitte ist diese un-würdige Charlotte?) oder „DAS ist der geilste Parfum-Spot ALLER Zeiten!“

Soll man Drohungen wie „Diese Folgen hat es, wenn du nur alle zwei Tage duschen gehst“ oder „20 Dinge, die passieren, wenn du ein Baby bekommen hast“ ernstnehmen?

Mal ehrlich: wer ist debiler? Diese wildgewordenen spätpubertären Texter oder deren avisierte Zielgruppe? Ich wende mich mit Grausen.

Eesti Kindakirjad – Estnische Handschuhmuster

oder estnische Musterhandschuhe?

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Dies ist ein Beitrag vom Januar 2016, den ich aus Versehen nicht veröffentlicht habe ;=)

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Ich hatte gar nicht vor, soviel estnisches Gestricke hier zu zeigen, aber dann bin ich über diese Vorschau gestolpert und die möchte ich dann doch hier einbinden:

wo ich doch gerade so ein Muster wie auf Seite 6 stricke, ein Sockenmuster aus Mustjala / Saaremaa.

Das ist die Vorschau eines Buches von Elo Lutsepp und Irina Tammis… „Estnische Handschuhe

Ina Valtere – eine lettische Meisterstrickerin

Schon lange kein Sonntagsvideo mehr auf der Wockensolle!

Aber heute bin ich über ein Video gestolpert, ein Porträt meiner Strickfreundin Ina Valtere.
Ich lernte sie beim Knitting Camp im April dieses Jahres kennen und traf sie wieder beim Sena-Klets-Jubiläum.

Knitting Camp in Strazde, April 2016

Ina hat eine ganz besondere Technik

Ina Valtere

Ina Valtere in Strazde

Sie ist fröhlich, tanzt gerne, strickt wunderbare Handschuhe und andere schöne Dinge, und: sie ist ausgesprochen herzlich.

Das Interview mit ihr ist in lettischer Sprache,  und hier ist sie: Rokdarbniece Ina Valtere!

26.08.2016 – 25 Jahre Sena Klets – ein Vierteljahrhundert lettische Trachtenpflege

Das Jubiläum des lettischen Trachtenzentrums Sena Klets (Alter Speicher) in RIga habe ich hier auf der Wockensolle schon etliche Male angesprochen, ich habe schon einen Kurz-Bericht erstellt, man findet bei Facebook viele Fotos, es gab Fernsehübertragungen, die Medienaufmerksamkeit in Riga war groß.

Welchen Rang hat dieses Zentrum, was ist das Besondere?

Die Republik Lettland erklärte 1990 ihre Selbständigkeit von der Sowjetunion, defacto wurde dieser Beschluss allerdings erst am 21. August 1991 wirksam, und nur 5 Tage später gründete Maruta Grasmane das Trachtenzentrum Sena Klets. Eine turbulente Zeit, das Ende der sowjetischen Besatzung und der Beginn der Neubesinnung.

Maruta Grasmane ist Autorin dreier Bücher:

  • 1995: Krustpils novada tautas tērps (Trachten aus dem Bezirk Krustpils)
  • 2000: Latviešu tautas tērpi. Raksti. Izšūšana (Lettische Volkstrachten. Muster. Stickerei)
  • 2012: LATVIESA CIMDI / 2015: MITTENS OF LATVIA / 2016: Handschuhe aus Lettland
Vaira Vīķe-Freiberga mit dem Buch

Vaira Vīķe-Freiberga, Präsidentin Lettlands von 1999 bis 2007, mit dem Buch „LATVIESA CIMDI“

Inzwischen besteht das Zentrum 25 Jahre und hat eine feste Bleibe am Rigaer Rathausplatz gefunden.

25 Jahre Sena Klets

25 Jahre Sena Klets

Welche Reputation das Zentrum sich erarbeitet hat, konnte man den Grußbotschaften (unter anderem von Vaira Vīķe-Freiberga), entnehmen. Die amtierende Kultusministerin, Dace Melbārde, nahm selbst an der Feier teil.

Dace Melbārde, die Kultusministerin

Dace Melbārde, die Kultusministerin, in einer „archäologischen Tracht“ beim Brot-Brechen

Vom Rathausplatz zog der Festzug über die Daugava-Brücke zur Nationalbibliothek.

der Trachtenzug auf der Daugava-Brücke

der Trachtenzug auf der Daugava-Brücke

Einzug in die Bibliothek

Einzug in die Bibliothek

Aus allen Regionen des Landes waren die Teilnehmer und Gäste in ihren Kostümen angereist.

In der Halle vor dem Festsaal

In der Halle vor dem Festsaal

Nach dem Einzug der Jubilare stellten sich die Teilnehmer der einzelnen Regionen auf der Bühne vor, eine Musikgruppe brachte dazu Volkslieder aus den jeweiligen Regionen dar.

Archaische Trachten

Archaische Trachten

Auf der Bühne

Auf der Bühne

Nach traditioneller Art brachen die Redner Brot und nahmen einen Schluck aus dem Wasser-Krug (in den vorher ein Silberstück getan war).
Welchen Einfluß die Trachten auf die zeitgenössische Mode haben, zeigte die Modenschau, bei der natürlich auch Handschuhe gezeigt wurden!

Modenschau: Alt und Neu

Modenschau: Alt und Neu

Drollig fand ich, wer bei der Verlosung Preise gewann. Linda Rubena vom Lettischen Nationalen Kulturzentrum war ebenso Preisträgerin wie Inna Valtere, eine Meisterstrickerin. Das Losglück bescherte ihr ein Exemplar des Handschuhbuchs, wo sie doch selbst Handschuhe für das Zentrum strickt;=)

Inna Valtere gewinnt ein Buch

Inna Valtere gewinnt das Buch

Leider waren die japanische, norwegische und deutsche Ausgabe des Buches noch nicht aus der Druckerei gekommen, wir hatten uns darauf sehr gefreut.

Wie klein die Welt der Handarbeitsmeister ist, wurde mir wieder bewußt, als ich im Untergeschoss die Ausstellung mit den Kunststrick-Decken von Riho Toomra sah, dem Meisterstricker aus Tallinn. Ihn habe ich in Tallinn kennengelernt und auf der Wockensolle auch schon mehrfach vorgestellt.

Riho Toomras Ausstellung

Riho Toomras Ausstellung

Erfüllt und freudig ging dieser Tag zuende, welch ein Fest.

Wir haben in Deutschland wohl nichts Gleichwertiges entgegenzusetzen, bei uns sind die Traditionen abgeschnitten. Trachten sind altmodisch oder politisch unkorrekt, gehören nicht mehr zum Alltag und verschwinden aus unserem kulturellen Gedächtnis.

Ein Gedankenspiel:

Lettland hat ebensoviel Einwohner wie Hamburg. Können wir uns 200, 400 oder gar 800 verschiedene Hamburger Handschuhmuster vorstellen, also ein Paar aus der Eulenstrasse, eines aus der Wachtelstrasse in Dulsberg oder der Lerchenstrasse in Altona? Irgendwie nicht.

After Camp: ausruhen und Abschied, 23. 07. / 24.07. 2016

So, nun komme ich zum letzten Abschnitt der wunderbaren Reise: ein letzter Tag auf Muhu und die Rückkehr nach Tallinn.

Ausruhen, spazierengehen, fotografieren, stricken, plaudern – ein wunderschöner Sommertag, der mit einem letzten Abendessen am kleinen Hafen von Korguva seinen Ausklang fand. Ob man diese kleine Bucht einen Hafen nennen kann oder will, darüber mögen sich andere streiten. Wir haben das kleine Fischereimuseum besichtigt und gerne einen Euro Eintritt bezahlt, wenn man dafür eine hölzerne Eintrittskarte bekommt;=) (Bild wird nachgeliefert)

Sehr relaxt geht es hier zu, Kinder spielen, Freunde plaudern, die Fischer kommen zurück an den Anleger – ich werde gerne hierhin wiederkommen.

Und über Allem wacht Juhan Smuul, der Dichter aus Muhu.

Dann der Abschied, wir wollen auf die erste Fähre und werden beim Frühstück von den Katzen beäugt. Claudia zeigte mir, wie weit sie mit der Seascape-Stole gekommen ist, Respekt!

In Tallinn dann noch ein letzter Rundgang über den Ratshausplatz, es fand wieder eine Craft Fair statt und ein letzter Schwatz mit der unermüdlichen Külli Jacobson.

Ich habe diese letzten Tage genossen und weiß ja auch, daß ich recht bald wieder komme. Schon im November.

Ich möchte mich bei meinen Mitreisenden Claudia, Ewa und Sue bedanken, es war sehr sehr schön mit Euch!

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