Nach Estland und in Estland kann man gut mit dem Bus reisen, aber ich hatte etwas Pech: Für die Fahrt von Riga nach Tartu hatte ich für den Umstieg in Pärnu eine halbe Stunde eingerechnet und das reichte nicht, denn schon kurz nach Riga machte der Busfahrer einen längeren Stopp und hinter der estnischen Grenze wurde der Bus angehalten und Polizisten kontrollierten die Papiere, aber mein Personalausweis und der Covidpass waren in Ordnung. Der Anschluss-Bus aber in Pärnu war schon weg... also noch eine Karte kaufen und dann gings über Land. In Viljandi wurde mir doch wehmütig ums Herz, warum nicht hier aussteigen und am CraftCamp teilnehmen? Ach, diese verdammte Pandemie, die schönen Dinge leiden am meisten... und immer wieder tröste ich mich: "Nächstes Jahr... dann aber auf jeden Fall!"

Nun denn, in Tartu fand ich Unterkunft im finnisch-estnischen Gästehaus unter dem Dachjuhe und genoß trotz der gruselig-steilen Treppen mein hübsches Zimmer und den Ausblick aus dem Dachfenster auf das kleine gemütliche Häuschen. Ich spazierte durch die Stadt, lachte über das Radfahrverbot für Katzen und trotzte dem grauen Himmel.

Das Ziel meines Aufenthaltes in Tartu war, wie schwer zu erraten, der "Researchers`Room" im Estnischen Nationalmuseum (ERM). Schon letztes Jahr hatte ich eine Liste mit Objekten zusammengestellt, die ich gerne sehen und studieren wollte, aber daraus wurde damals nichts. Jetzt  aber lagen die Kartons mit den Objekten der Begierde vor mir auf dem Tisch: noch einmal die 2 blauen Musterstreifen von Reet Kurrik (einen davon habe ich ja schon nachgearbeitet), ein weiterer Sampler und einige wirklich bizarre Handschuhfetzen sowie das kleine Fragment der Original-Handschuhe von Barclay de Tolly (dazu gibt es zwei ältere Beiträge hier auf der Wockensolle: Im Reseachers Room I und Im Researchers`Room II) und dann noch drei winzige Müsterchen. Jedes der Objekte trägt ein Leinenetikett mit Archivnummer und Herkunftsangabe.
ERM Research
Ich habe zum Vergleich meinen Musterstreifen / Proovilapp mitgebracht und beide nebeneinander gelegt. Meine Wolle ist dicker als das Originalgarn, deshalb ist mein Streifen größer und ich habe zwar nicht die Musterreihenfolge fest eingehalten, aber alle Muster gestrickt. Diesen Winter werde ich dann wohl die anderen Musterstreifen auch noch stricken, aber erst einmal muß ich dafür die Muster nachzeichnen.

Die anderen Objekte zeige ich in der nachstehenden Galerie:

wie immer: für eine größere Darstellung auf ein Bild klicken!

Am letzten Tag in Tartu traf ich mich noch mit Mathilde Frances Lind, die schon seit nunmehr drei Jahren in Estland lebt und an ihrer Doktorarbeit sitzt. Wir kennen uns vom Craft Camp und es tat uns gut, uns in angenehmer Athmosphäre im Hof des weltberühmten Café Werner zu unterhalten. Und dann kamdie Meldung in Facebook, daß Mathilde nun zum zweiten Mal mit der "Estophilus Scholarship" der Archimedes Foundation für Ihre Studien ausgezeichnet wurde. Herzlichen Glückwunsch, Mathilde!
Und dann fuhr ich schon wieder zurück an die Westküste. Eine Übernachtung in der hübschen Stadt Pärnu, in einem romantischen Holzhaus-Hotel, dem Koidula-Park-Hotel, benannt nach dem Koidula-Park, der nach der Dichterin Lydia Koidula benannt ist, Ein hübscher Park, dominiert von dem Denkmal für diese interessante Frau.
Hier habe ich einige Zeit in der Sonne gesessen, habe ein wenig Inlay-Technik-Stricken geübt und vor mich hingesummt.
Pärnu Koidula Park
Den Abend beschlossen habe ich mit einem Gang durch die Budenstrasse der "Zunfttage von Pärnu", die von der Maarja-Magadalena-Gilde organisiert werden. Kunsthandwerk: Holz, Leder, Keramik, Naturkosmeti, Wurst und Honig, Weberei - groß war das Angebot aber für mich war nichts dabei.
Amüsiert habe ich ich über die lustigen Schweine und Busen, aber sowas paßt nun wirkllich nicht ins Fluggepäck. der Musik, leichtem Sommerpop, habe ich dann einige Zeit gelauscht.

Und heute morgen eine kurze Stippvisite ins Uue Kunsti Muuseum / Museum of New Art, dort läuft zur Zeit eine Ausstellung zum Thema "Mann und Frau - die Kraft und der Geist der estonischen Frauen" und eine Foto-Ausstellung. Irgendwie habe ich nie genug Zeit für dieses Museum, aber dieses Mal habe ich wenigsten einen kleinen Einblick nehmen können.

Einer der Gründer und heutiger Vorstand ist der umtriebige Dokumentarfilmer Mark Soosaar, der auf der kleinen Insel Manija lebt und auch ein Filmchen über das Leben dort in den Zeiten der Quarantäne gedreht hat. Mark Soosaar trägt immer einen Kihnu-Pullover und in diesem Film ist sogar noch eine ganz spezielle Kihnu-Mütze zu sehen. Die muss ich mir nochmal genauer anschauen!

 

KRANTIIN/QURANTINE 2020

This video is about COV-quarantine on Manija Island in Estonia. The community of 30 souls spent two month in virus free paradise. Only one lamb was born with a mask. Thanks to quarantine a miracle took place: the little Kiisu was born from marriage of the sheep Oinar and goat Kammu.
Be healthy and wealthy!
Mark Soosaar,
the author of short doc Quarantine

Und dann holte mich heute mittag Riina in Pärnu ab und wir fuhren langsam auf die Insel Saaremaa. Gemächling ging es auf über Land mit einem Stop im Handarbeitsgeschäft von Töstamaa, einem Geschäft, das mir schon von einem CraftCamp-Ausflug in guter Erinnerung geblieben war. Und wie verführerisch lockten die Angebote. Wer mich kennt, weiß dass ich nicht widerstehen kann. Nein, keine der schönen Handschuhe, die waren mir zu klein, aber ein Paar Daumen-Stulpen, allerfeinst gestrickt mit Schlaufenbündchen und Roositud - Inlay-Muster. Wer mehr darüber wissen möchte, klicke hier!

Die nächsten Tage werden auch wieder aufregend, ich freue mich auf die Zeit mit Riina Tomberg!