Nordlicht

Der Herbst endete mit einer schönen Auszeit auf der Hallig Hooge. Ich brauchte diese Tage, um Nordseeluft zu genießen, wenn ich schon immer noch keine Kur genehmigt bekam.

Ich genoß´die stille Zeit, bin immer noch beeindruckt von meiner Wirtin, Frau Tiemann, die auch das Café Blauer Pesel betreibt, konnte stricken, laufen, Tee trinken - es tat mir gut!

Liebevolle Halligkühe
Bank auf der Backenswart, Hallig Hooge

Bank auf der Backenswarft Hallig Hooge

Zurück kam ich mit einer neu-erwachten Vorliebe für Ostfriesentee, eine Schaftspatenschaft der Inselschäferei Pellworm, und auf der Rückfahrt konnte ich auch noch das interessante Textil-Museum Tuch +Technik in Neumünster besuchen. Hier sieht man die Geschichte der Tuchhersstellung, von der einfachen Spindel bis zum dampfkraftbetriebenen Webstuhl, ein Faden der sich von der Frühzeit bis zum Strukturwandel in der Zeit von 1945 bis 2007 zieht. Dieses Museum lohnt mehr als einen Besuch, auch wenn ich gerne noch viel mehr Tuch gesehen hätte.

Liebevolle schöne Hallig-Kühe

Norwegische Mütze aus dem Museum Sigdal

Auf der Hallig fand ich die Zeit meinen Zipfelmützenvorrat aufzustocken - es hatte mir immer schon eine Mütze aus dem Museum in Sigdal / Norwegen angetan, eine Mütze, für die es nun eine Anleitung samt Wollpaket, also ein knitting kit, beim Museum zu erwerben gibt. Wer Facebook nutzt, kann sich die Mütze dort anschauen.

Da ich weiß daß beim Bestellen in Norwegen die Portokosten oft höher als der Kaufpreis kommen, habe ich die Mütze vom Archivphoto "abgestrickt" und damit auch beim Museum auf der Facebookseite keinen Anstoß erregt...

Die Mütze habe ich mit lettischem Garn gestrickt, grün mit einem schönen Gelb abgesetzt, die originale Mütze ist dunkelblau, die Musterstreifen mit ungefärbtem Garn gearbeitet.

Im November dann stand ein Besuch im Fundus des ehemaligen Kreismuseums Demmin an, ein Besuch, der bei unserem Arbeitskreis "Traditionelle Textilien MV" schon lange auf der Wunschliste stand.
Nachdem ein Platz für den Fundus des ehemaligen Museums gefunden war, konnte die Sammlung, die an  verschiedensten Orten gelagert war, endlich zusammengeführt werden, rund 600 Umzugskisten wurden ausgepackt und wir konnten die Textilschränke durchsuchen.
Glückliche Momente! Wir fanden pommersche Trachtenhauben, eine Rarität!, und große, handgestrickte Bett-Überdecken aus feinster Baumwolle, mit Strick- oder Häkelrändern... diese werden wir noch genauer inspizieren und studieren. Bei einem zweiten Termin wurden die Decken ausgemessen und nun geht es daran, diese großartigen Arbeiten angemessen zu erforschen und zu dokumentieren. 
Im Blog der Arbeitskreis-Seite sind die Besuche schon dokumentiert.

In den letzten Wochen standen so viele Termine im Kalender, daß ich fast nicht zur Ruhe kam. Der Adventsmarkt im Pommerschen Landesmuseum, wo ich wieder die wunderbare Hildegund Hergenhan mit ihren Band-Arbeiten treffen konnte, die Besuche im Demminer Fundus, neue Augengläser, Projektbesprechungen für das Jahr 2026, Verbandssitzung - kaum Zeit zum Verschnaufen.
Aber die Zeit nehme ich mir jetzt!

Am Dienstag gehe ich auf eine Reise.
Auf eine Reise, die ich mir schon so lange gewünscht habe: einmal mit einem Postschiff der Hurtigruten die norwegische Küste hinauf und herab fahren, von Bergen bis Kirkenes - und das im Winter! Kälte, Nordlichter noch und nöcher, vielleicht Schnee, Besuche bei Landgängen in den Husfliden-Läden (Niederlassungen der norwegischen Handarbeitsvereinigung), Museen und viel Zeit zum Ausruhen, Stricken, Staunen - darauf freue ich mich wie Bolle.
Zu dieser Jahreszeit ist es zwar recht dunkel - aber das hat auch seine Reize. Vielleicht treffen wir ja den Julenissen, den norwegischen Weihnachtsmann, Weihnachtsmärtke stehen auch auf unserer Landgangsliste - nicht nur Geschäfte, auch Museen und Märkte..

Julenissen National Library of Norway, No restrictions, via Wikimedia Commons

National Library of Norway, No restrictions, via Wikimedia Commons

 
 

 

Ich werde berichten! Und sicherlich wieder Bücher und Wolle kaufen, geht ja nicht ohne...

Über den 8, Mai, dem Tag der Befreiung vom Faschismus und dem Ende des 2. Weltkrieges, und wie er in Demmin in Vorpommern immer wieder zum Anlaß für Aufmärsche der Rechtsextremen wurde, habe ich schon hier auf der Wockensolle berichtet. Anlaß dafür war die Idee des Demminer Aktionsbündnisses 8. Mai, das Stadtbild und die Stimmung an diesem Tag mit bunt-Gestricktem aufzuhellen und eine neue Art des Protestes zu zeigen.
Daß dann im Deutschen Stricktreff beim Strickernetzwerk Ravelry nach einem Zweck für einen großen Garnvorrat gefragt wurde und wie wir die 30 Kilogramm dann nach Demmin ins Café 3K brachten..

Letztes Jahr fiel zum Glück der große Aufmarsch aus und die Wollereien schmückten das friedliche Städtchen an der Peene. Dieses Jahr droht immer noch Corona und größere Versammlungen und Aufmärsche fanden nicht statt.
Aber ein Friedensfest am Peene-Ufer mit Musik und auch ein paar Ansprachen - das gab es. Und es tat so gut!
Viele fröhliche junge Menschen bei wunderschönem Sonnenschein, engagiert und aufgeweckt und die Infostände von bunten Wollschals umgarnt - es gab keine Auseinandersetzungen, rechte Provokateure kamen nicht zum Vorschein und die Demokraten und Antifaschisten konnten nicht nur den Tag der Befreiung vom Faschismus feiern, und dem Aufruf Esther Bejaranos folgend,  einen bundesweiten Feiertag für dieses Datum und diesen Anlaß fordern, sondern auch an den 100. Geburtstag von Sophie Scholl erinnern, der am 9. Mai zu gedenken ist.

wie immer: für eine größere Darstellung auf ein Bild klicken!

Kurz bevor wir nach Demmin fuhren, brachte die Postbotin ein kleines Päckchen und dieses barg eine große, freudige Überraschung: Eine Leserin dieser Seite, die auf der Suche nach Informationen über Trachtenstrümpfe zur Wockensolle gefunden hatte und mit der ich auch schon ein paar wenige aber herzliche Mails wechseln konnte, hatte von einem alten Strumpfpaar geschrieben, einem sehr sehr alten Strumpfpaar, und daß sie mir dieses Paar schenken wolle.
Diese Großherzigkeit beschämte mich und als ich dann das Päckchen erhielt und es öffnete, war ich sprachlos und den (Freuden-)Tränen nahe:

Welch eine Gabe! Diese Strümpfe stammen wohl aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, sind aus Baumwolle, mit einer wunderschönen Bogenkante und einer kleinen Saumlinie auf der Rückseite samt hübschen kleinen Abnahmen über der Wade.
So unwahrscheinlich fein gestrickt, daß es fast nicht zu glauben ist. Sie sind in der Runde gestrickt und nicht gewirkt und dann genäht, denn es gibt keine Nahtkante.

Ein Brautstrumpf aus dem 19. Jahrhundert

Ich fand noch keine Zeit den Strumpf genauer zu untersuchen, ich bin noch in der Phase des bewegten Staunens. Wie fein die Maschen, wie fein das Bündchen, die Abnahmen auf der Rückseite.

Bündchen und Monogramm

An der geschwungenen Bogenkante ist ein längeres Bändchen angearbeitet, wahrscheinlich zur Befestigung.
Das Monogramm ist mit winzigkleinen grünen Glasperlen gestickt und auf der Bein-Innenseite ist ein zusätzliches kleines rotes Monogramm mit winzigen Kreuzstichen gearbeitet.

Mechanische Strumpfstrickmaschinen gibt es schon lange, Und eine historische Sockenstrickmaschine habe ich auf meiner langen Shetlandreise im Jahr 2015 schon im Museum von Tangwick Haa gesehen.
Diese Maschinen waren im 19. Jahrhundert nicht nur in England weit verbreitet, denn sie waren handlich und viele Menschen haben sich mit diesen Maschinen in Heimarbeit Geld verdient.

Betrieben wurden sie mit einer Handkurbel, brauchten also außer der menschlichen Arbeitskraft keine weitere Energie.

Ob diese Strümpfe wohl auf solch einer Maschine hergestellt wurden oder doch mit der Hand gestrickt? Das versuche ich herauszufinden.

Erst einmal bin ich dankbar und glücklich. Über die Strümpfe und das Friedensfest in Demmin. Es war ein guter Tag!

Sockenstrickmaschine

Nun war ich gestern in Demmin und habe im 3K Café die Wollspende überbracht. Zwei große Umzugskartons voller Strickstücke und auch noch einige Knäuel.

Es ist inzwischen eine große Menge Garn zusammengekommen, die bis zum 8. Mai, der Aktion "Stricken für Vielfalt und Toleranz - Demmin wird bunt", verstrickt sein will.
So sind aus Greifswald (Danke, Ilona!) noch einmal 6 Säcke mit Garn dazugekommen!
Die Kisten enthalten ja auch schon bereits fertiggestrickte, aber nicht fertiggestellte Strickteile, Jacken-Vorder- und -Rückenteile und vieles andere, manches stellte uns vor Rätsel, manche kann man so wie sie sind gebrauchen, manche wird man zerschneiden oder einarbeiten...

Und gestern wurde dann auch fröhlich gestrickt, gehäkelt und geschnackt. Wer stricken oder häkeln konnte, legte los, andere Teilnehmerinnen machten ihre ersten “Schritte” mit der Strick- oder Häkelnadel.

Am 17. Januar ist der nächste Strickmarathon geplant.Und den Flyer der Demminer Aktion "Stricken für Vielfalt und Toleranz"   Demmin - Stricken für Vielfalt können Sie mit diesem Link herunterladen.

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