Charlotte Leander, Anweisungen zur Kunststrickerei, 1843

Der Winter ist wieder in sein gewohntes Grau zurückgekehrt und die schönen ruhigen Tage mit Sonnenschein, blauem Himmel oder Schneefall sind vorbei. Für ein paar Tage fühlte ich mich um 10 Jahre zurückversetzt in den unglaublichen langen Schnee-Winter 2011 - unser erster Winter hier auf dem Land.

Woanders ist aber richtig Winter. In Lettland wurde dieser Tage "Metens" gefeiert, der Gott der Fruchtbarkeit, Jumis, wird aus dem Winterschlaf geholt und freche Buben jagen übers Land. Vielleicht schläft Jumis noch ein wenig? Ich zeige hier nocheinmal ausgegebenem Anlaß das herrlich-fröhlich-freche Video der Gruppe Auli. Viel Spaß dabei!

Schnee in Gribow 2011

Winter 2011

An excerpt from the Video-description at youtube:

Budēļi are spirits of fertility who are said to live in the grain fields. In autumn, farmers perform special rituals to catch Jumis, the god of fertility, and put him to bed for the winter. At the Meteņi celebration in February they wake him up again. The arrival at this celebration of budēļi – masked figures related to mummers who wake the fertility in the soil and people– signifies that spring is nearing.

Nun geht es morgen auf die Reise und ich darf auf keinen Fall vergessen mir in Riga die neue CD von Auli Ethnotranss zu besorgen. Spätestens seit dem wunderbaren Video zur Winteraustreibung - Metens - bin ich von dieser Gruppe überzeugt. Ich habe in meinem langen Leben mit vielen Musikern aus aller Welt Kontakt gehabt, ihnen zuhören dürfen, Konzerte mit ihnen  veranstaltet, sie auf Festivals getroffen oder kennengelernt - sei es in Peking, in Sibirien, in Tuva, Moskau oder im südlichen Altai-Gebirge. Immer hat mich das Zusammenfinden der Musiker fasziniert und das eso-Kitsch-Weltmusik-Getue der Alternativ-Industrie auch abgestoßen,

Es gibt immer wunderbare Ensembles, die die Musik ihrer Herkunft pflegen, am Leben erhalten oder einfach nur spielen und die offen sind für die anderen Musiken dieser Welt. Die einen Weg finden mit Musikern anderer Musiktraditionen zusammenzukommen und gemeinsam etwas Großes zu schaffen, etwas bei denen jede Musik ihren Wert behält und nicht untergebuttert wird.

Und das können Auli einfach wunderbar. Dudelsack und Trommeln, Maultrommel und Gesang und immer visuell reizvoll in Szene gesetzt, voller Lebensfreude und auch ein wenig Weisheit.

Ein Beispiel dafür, wie sehr sie in der Welt zuhause sind, ist die Zusammenarbeit mit Musikern aus allen Himmelsrichtungen.

Senču balsis / Voices of the Ancestors ist der Name ihres neuen Programms und diese Vorfahren klingen auf in den Stimmen des mongolischen Obertonsängers Batzorig Vaanchig, im Joiking des samischen Sängers Kai Somby oder beim Huidirdio-Jodel von Albin Paulus.

 

Und nun wünsche ich eine gute Zeit, ich werde von meiner Reise berichten, in meinem Koffer ist Platz für neue Musik, neue Bücher, neue Wolle und im Herzen ist Erwartung. Ich freue mich auf die Treffen mit Freunden in Riga, in Viljandi und in Tallinn.

WInterende und Musik von Auli - das gehört für mich zusammen seit ich das wunderbare Metens-Video gesehen und hier auf der Wockensolle auch geteilt habe - jetzt gibt es ein neues Video.
Es entstand im Rahmen des Projektes "Voices of the Ancestors", eine Zusammenarbeit mit Musikern aus aller Welt.
Ich habe, gerade bei unseren Reisen durch Rußland, Tuva und Armenien viele wunderbare Musiker kennengelernt und die Kraft ihrer Musik erfahren dürfen, aber das norwegische Joiking kannte ich bis nur vom Festival Nordischer Klang in Greifswald.

Hier nun also mein heutiges Sonntagsvideo - lettische Dudelsäcke und Trommeln, norwegische Stimmen und das Nordlicht, ein Geschenk Gottes.