Print Friendly, PDF & Email

Ich sah mal wieder Photos aus dem vergangenen Jahr durch, bevor ich sie auf eine externe Festplatte auslagerte. Im Jahr 2014 war ich ja nicht nur in Litauen und Lettland unterwegs, auch in Berlin und Freiburg bin ich gewesen. Und in Freiburg hat mich meine sockenstrickende Freundin zu "ihrem" Wollgeschäft mitgenommen, einem kleinen Kurzwarenladen in einer engen Gasse nahe am Münster.
So eng wie die Gasse, so eng auch der Laden. Ich durfte fotografieren, aber hielt leider dann doch mal die Kamera schief.

wie immer: für die Anzeige auf die Vorschaubilder klicken!

Solche Lädchen mit Kurz- und Wollwaren, Hosenträgern und Strumpfhosen gibt es ja eigentlich gar nicht mehr. Deshalb hier eine Karte, wo dieses Geschäft in Freiburg zu finden ist:

My location
Routenplanung starten

Und dann erinnerte ich mich an den englischen Begriff für einen solchen Laden: haberdashery.

Ein sehr eigenartiges Wort, das ich früher auch nicht kannte. Aber 2005 war ich mit Freundinnen zu einem Kurztrip in Edinburg und bei einem Ausflug an's Meer nach  Portobello stand ich in der Portobello High Street vor einem Geschäft mit dieser Aufschrift. Darunter konnte ich mir nun aber auch gar nichts vorstellen und deshalb bin ich in den Laden und habe nachgefragt. Der Shopkeeper war überrascht und erfreut und zeigte mir seine Schätze. Leider habe ich damals nicht fotografiert... Ich kann mich noch gut an Kirsten's verblüfften Gesichtsausdruck erinnern, wie man so dreist sein und einfach fragen kann...

Portobello Highstreet

Geschäfte in der Portobello Highstreet, aber nicht die Haberdashery

Tja, wo kommt dieses Wort her? Das weiß keiner so genau. Die englischsprachige Wikipedia meint, haberdashers seien früher Hausierer gewesen. Und zum ersten Mal sei das Wort1468  bei Geoffrey Chaucer in seinem Novellenzyklus  Canterbury Tales aufgetaucht:

Originaltextauf deutsch
An HABERDASHER, and a CARPENTER,
A WEBBE*, a DYER, and a TAPISER**, *weaver **tapestry-maker
Were with us eke, cloth'd in one livery,
Of a solemn and great fraternity.
Full fresh and new their gear y-picked* was. *spruce
Their knives were y-chaped* not with brass, *mounted
But all with silver wrought full clean and well,
Their girdles and their pouches *every deal*. *in every part*
Well seemed each of them a fair burgess,
To sitten in a guild-hall, on the dais.
Evereach, for the wisdom that he can*, *knew
Was shapely* for to be an alderman. *fitted
For chattels hadde they enough and rent,
And eke their wives would it well assent:
And elles certain they had been to blame.
It is full fair to be y-clep'd madame,
And for to go to vigils all before,
And have a mantle royally y-bore.
Ein Weber, Tapezirer, Zimmermann,
Ein Färber und ein Krämer kamen dann.
Bei ihnen, wies die Gildetracht es klar,
Daß hochansehnlich Aller Innung war.

Der Spieße Spitzen waren blank polirt;
Mit reinstem Silber waren rings verziert
Die Gürtel sammt den Taschen, die dran hingen,
Und auch von Blech nicht ihre Messerklingen.

Behäb'ge Bürger schienen sie, und Alle
Des Thrones werth in ihrer Gildehalle;
Und dem Verstande nach war Jedermann
Befähigt sicherlich zum Aldermann;

Und ihre Weiber liebten es zu zeigen,
Daß reichlich Gut und Renten Jedem eigen;
Sonst müßte man sie ernstlich darob schelten;
So schön es sein mag, als »Madam« zu gelten,
Und wenn zu den Vigilien man voran
Im reichen Mantel fürstlich gehen kann.

Aus haberdasher wird in der Übersetzung Krämer. Das Wort haberdashery kam mir oft in den Sinn, es ist eines der Worte, die ich gerne im Kopf herumrolle, wobei ich dann meinen Assoziationen folge. Ein spannendes Abschweifen.

Die Haberdasher hatten und haben ihre eigene Gilde in London,  the Worshipful Company of Haberdashers, Shakespeare's jüngerer Bruder übte dieses Gewerbe aus, Charles Taze Russell, der Gründer der Bewegung der Zeugen Jehovas ebenfalls, lt. Wikipedia sogar Harry S. Truman und einige mehr oder weniger bekannte Schauspieler.  Und Daniel Defoe, der Autor des Robinson Crusoe. Alles ehrenwerte Herren.

Paavo Nurmi in his store in 1939

Auch der legendäre finnische Langstreckenläufer Paavo Nurmi führte einen Haberdashery - Laden.

Und noch eine Innenansicht eines deutschen Kurzwarenladens: Wächtershäuser in Frankfurt.
Waechtershaeuser DSC1847

Und wer jetzt noch Lust hat, einen skurrillen englischen Vortrag über einen Haberdasher aus dem 18. Jahrhundert anzuhören, kann sich das hier antun:  Die fasziierende Geschichte eines Haberdashers aus dem 18. Jahrhundert, der aufschrieb, was er aß, was er erwarb, wie er schlief und wie das Wetter so war, der Zeitungsausschnitte aufhob, Eintrittskarten, Predigten, Münzen, Muscheln, Fossilien und Bücher sammelte.

Und wer stattdessen etwas von Monty Python sehen möchte, muss bis Sonntag warten!

Aber Sie können sich ja schonmal den Kopf zerbrechen mit dem Haberdasher's Puzzle  des englischen Mathematikers Henry Dudeny:

Haberdasher's PuzzleDas DreieckDas ViereckDie Lösung

Henry Dudeney.jpgHenry Dudeney, Autor und Mathematiker, verfaßte viele schwierige Puzzles:

Zerlegen Sie ein gleichseitiges Dreieck so in vier Teile, daß diese zu einem Quadrat zusammengelegt werden können

Quelle: http://en.wikipedia.org/wiki/Henry_Dudeney

Haberdasher's Puzzle: Das Dreieck

Haberdasher's Puzzle: Das Dreieck

Haberdasher's Puzzle: Das Viereck

Haberdasher's Puzzle: Das Viereck

Haberdasher-anm-01.gif