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Was macht man an einem Tag ohne Workshops? Nun, am Donnerstag stand ein Ausflug in das neue Nationalmuseum Estlands in Tartu auf dem Plan und ich nahm mir einen Tag Auszeit. Im Museum war ich schon und wenn ich wieder hinführe, dann nicht mit einer Gruppe sondern alleine oder mit wenigen Freunden, um in Ruhe meinen Interessen nachzuspüren.

Es tut gut, auch mal einen Tag ohne Programm zu haben, zum Schlendern in der Stadt, zum Wolle-Kaufen (ja, ich wurde wieder schwach!) und zum Caféhaus-Genießen.

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Auf der Karte habe ich das Viljandi Käsitöökoda, das Kunsthandwerkshaus Viljandi in der Strasse Lossi 14 und die Sakkala Halle, in der die Veranstaltungen stattfinden, markiert.

Im grünen Haus neben dem Museum ist das liebenswerte Handarbeitszentrum zu finden, und es gibt eine verführerische Auswahl an Wolle, Gestricktem, Gewebtem, an Keramik und noch viel mehr. Ich habe mir violette und graue Wolle für ein Tuch gegönnt, ein Ausrutscher - eigentlich bin ich ja auf "Garn-Diät" ;=)

Endlich fand sich auch Zeit um mal im Café zu sitzen, in Ruhe das bisher Erlebte an sich vorbeiziehen zu lassen und sich einfach nur zu freuen.

Die abendlichen Vorträge waren dem Thema "Stricken in Russland" gewidmet und auf diese Vorträge habe ich mich ganz besonders gefreut. So  war Ludmilla Korolkova, Chief Researcher in the Department of the Ethnography of the Peoples of the North-West of Russia and Baltics, angekündigt.

Ihr Vortrag enttäuschte mich allerdings: Traditional clothing and home decorations of the Baltic-Finnish people of Russia, made in nalbinding, knitting, or crocheting techniques in the end of 19th – the beginning of the 20th century. Uninspiriert haspelte sie den Text herunter und ließ der Zuhörerschaft keine Zeit zum Betrachten der Bilder. Nicht einmal die Fachbegriffe "needle binding, crochet, knitting" waren ihr geläufig, alles "knitting". Nicht nur ich war sauer.

agsdi-printer

Etre fidèle à la tradition, c'est être fidèle à la flamme et non à la cendre.

Einer Tradition treu zu sein bedeutet der Flamme treu zu sein und nicht der Asche.  - Jean Jaurès

Danke, Uschi, für dieses Zitat!

Olga Konkova referierte über Revival of the traditional knitting of indigenous peoples of the Leningrad Region: the project "VILLAVÄKI - The Woolen People". Die Gruppe stattet die lokalen Museen mit den rekonstruierten Strickstücken und Trachten aus und konzentriert sich nur darauf. Das ist Verwahren der Asche und kein Weitergeben des Feuers!

Die Webseite des Villaväki-Projekts: http://kmn-lo.ru/proekty/villavaki

Der dritte Vortrag am Abend allerdings gefiel mir außerordentlich und machte mich froh: Albina Lebedeva ist von der Stadt aufs Land gezogen, hat Frauen gesucht, die (noch) stricken und vertreibt deren Handschuhe auf Märkten und Ausstellungen, sichert den Frauen auf diese Weise ein EInkommen. Sogar auf Design-Messen in Moskau stellt sie die Strickwaren vor. Ein wunderbares Unterfangen und ein Schwimmen gegen den "Mode-Strom", denn gestrickt wird in Russland - präferiert werden teure Garne und internationale Strickmagazine ...

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