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Zugegeben, ich bin zwiespältig bei diesem Beitrag.

Es geht um einen neuen Artikelschwerpunkt bei "meiner" Tageszeitung, dem Nordkurier. In der Mittwochsausgabe letzter Woche bringt er eine ganze Doppelseite über Handarbeiten unter dem Thema "Handgemacht". Auf einer vollen Seite werden 5 Frauen aus dem Städtchen Waren vorgestellt, die gerne handarbeiten, ein kleines Lädchen gegründet haben und so vor sich hinwursteln. "Hauptsache modern... und nix Altbackenes." Mangelnde Erfahrung wird durch Unternehmungslust kompensiert und Mißerfolge werden nicht tragisch genommen.

Das ist ja alles ganz sympathisch, wenn nicht immer dieser redaktionelle Unterton wäre... 
Da ist die Rede von Techniken, die schon die Großmütter begeisterten, da wird gefragt was denn die Ehemänner zur Kreativität ihrer Frauen sagen, da schließt der Artikel mit der Platitüde "Der Weg ist das Ziel".

Tja, das ist die eine Seite. Was auf der linken Hälfte der Doppelseite noch als "altbacken" bezeichnet wurde, ist dann auf der rechten Seite eine "Rückbesinnung auf traditionelle Werte". 

Und dann kommt das, was mich wirklich ärgert. Der Nordkurier geht auf die Suche nach "tollen, erprobten und verständlichen Anleitungen, neuesten Trends und Kniffen"... Der Nordkurier plant ein neues Magazin und bittet deshalb um Zusendungen.

Wieder mal wird hier kostenloses Material abgefischt. Honorar gibts sicherlich keines, sonst stünde das bei dem Aufruf dabei.

Es ärgert mich immer schon, wie Zeitungen jenseits jeder Honorar-Ordnung kostenloses Material einbetteln, seien es "Frühlingsfotos" der Leser oder eben jetzt Beiträge zum Thema "Handgemacht".
Wie steht es mit der Vergütung, wer hat letztendlich das copyright? Nichts davon im Aufruf, also gibts kein Geld und das Copyright liegt dann beim Verlag, der das frei nach Gusto vermarkten kann.

Wie viele Leute setzen sich jetzt hin und schreiben Texte, dokumentieren, editieren, stellen zusammen um einen Beitrag zu leisten, um dann, wenn es hochkommt, gerade mal ehrenhalber erwähnt zu werden?

Den Redakteuren, welche dieses Magazin wie auch diese zwei Zeitungsseiten betreuen, unterstelle ich zudem, daß sie wirklich nur den geringsten Schimmer von dieser Materie haben...

Nordkurier: Maschenprobe

Nordkurier: Maschenprobe

Ein unsäglicher Text füllt dann den Rest der Seite, wieder einmal muß die "Oma" her, um der unbedarften Enkelin, der Volontärin Susann Moll,  das Stricken beizubringen. "Mein erster Schal" heißt die entstehende Artikel-Serie, die uns da droht. Auf ähnlich-infantilen Niveau wie  "stricken.de" (oder noch darunter) kokettiert Fräulein Moll mit ihrem Unvermögen, und die Journalisten haben auch so wenig Ahnung, daß sie den wirklich offensichtlichen Fehler bei den Angaben zur Anleitung auch nicht bemerkten.

Mal sehen, ob Fräulen Moll noch draufkommt.