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An diesem Tag ging es so richtig ab in die Steinzeit, nach Stenness, dem Ring of Brodgar und Skara Brae. Das West Mainland of Orkney bietet wohl die größte Zahl an steinzeitlichen Kultstätten und Siedlungen in Nordeuropa, und diese Stätten sind allesamt um die 7000 bis 6000 Jahre alt.
Nicht weit von unserem Standort Houton, gerade mal 15km, kamen wir zu den Standing Stones of Stenness. Dieser Platz mit ungewisser kultischer Bedeutung liegt auf einer der zwei Landzungen, welche das Loch of Harray und das Loch of Stenness voneinander trennen, heute aber mit einer Brücke verbunden sind. Die Anlage wird auf 3100 vor unserer Zeitrechnung datiert und vier der ehemals 12 Steine des inneren Kreises stehen noch. Dieser Ort war kein Steinkreis, sondern ein Henge, also eine torähnliche Anlage.

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Immer schon regte diese Anlage die Phantasie der Menschen an und Sir Walter Scott ließ ein wichtiges Kapitel seines Romans "Der Pirat" hier stattfinden. (Das Buch gibt es übrigens bei amazon als Klassiker für den Kindle). Im 19. Jahrhundert dann zerstörte ein Bauer viele Teile der Anlage, weil er sich über die Besucher ärgerte, die seine Felder zertrampelten. Das erinnert mich wieder an den Förster von Netzeband, der ebenfalls im 19. Jahrhundert, allerdings aus fundamentalistischer-christlicher Anschauung heraus, den Steinkreis von Netzeband zerstörte. Auch Vorpommern ist reich an steinzeitlichen Plätzen und hat ebenfalls eine Wikingervergangenheit!

Ein starker Wind weht den ganzen Morgen schon und deshalb fällt mir der Aufenthalt beim Ring of Brodgar schwer.

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Der Ring von Brodgar (lt. Ordnance Survey, früher auch Brogar) ist ein Henge  mit einer kreisförmigen Steinsetzung im Inneren. Mit einem Durchmesser von 104 m ist er größer als Stonehenge. Von den ursprünglich etwa 60 Steinen sind noch 27 erhalten. Er ist wahrscheinlich 2700 v. Chr. entstanden.

Die Anlage wird gerade "renaturiert", damit das Moos wieder nachwachsen kann, überall störten Absperrungen den eigentlich so uralt-steinzeitlichen Eindruck. Da kommt eher ein Bauarbeiter denn eine Norne oder ein Druide hinter dem Stein hervor...

Ich erfreute mich an den Blumen, denn man muß wissen, daß überall auf den Orkney--Inseln Narzissen am Wegesrand oder entlang der Hof-Auffahrten gepflanzt sind und jetzt kommen noch die wilden Schlüsselblumen hinzu.

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Die wohl wichtigste und eindrucksvollste Sehenswürdigkeit ist zweifelsohne die Siedlung Skara Brae, die, da lange von Sanddünen verschüttet, recht unversehrt erhalten ist.

Skara Brae (auch als Skerrabra bekannt) ist eine jungsteinzeitliche Siedlung auf Orkney. Sie liegt unmittelbar an der Westküste der Hauptinsel Mainland. Sie wird in die Zeit zwischen 3.100 und 2.500 v. Chr. datiert und enthielt Keramik vom Typ Grooved Ware. Mit der Eingliederung der Britischen Inseln in die Glockenbecherkultur endet die Nutzung von Skara Brae...

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Von Archäologen wird Skara Brae als die am besten erhaltene Siedlung der Jungsteinzeit in Europa angesehen.

Beeindruckend, daß, da aus Stein, das komplette Mobiliar auch erhalten blieb, so lassen sich Betten, Tische und Behälter für den Fischfang erkennen. Eines der Häuser war kein Wohnhaus, sondern eine Werkstatt, und hier fand man fünf der sog. Carved Stones of Skara Brae. Auf der Seite des National Museums of Scotland gibt es eine schöne Übersicht über diese rätselhaften  Steine.

Screenshot National Museums ScotladDann war es aber auch genug mit Wind und Wetter und als letztes Ziel hatte ich das kleine Städtchen Stromness eingeplant. Der zweite Hauptort der Insel besitzt wie Kirkwall einen Fährhafen und ist an einen steilen Hügel gebaut, sodaß das Autofahren hier sehr schwierig ist und man doch besser am Hafen parkt. Eine der kleinen engen Gassen heißt sogar Khyber Pass ;=)

Victoria Street in StromnessAn der Victoria Street liegt auch das Pier Arts Centre, ein wunderbares Museum für moderne Kunst. Es ist entstanden aus der Sammlung der Autorin, Friedensaktivistin und Philantropin Margaret Gardiner (1904 – 2005). 

Wunderbare Werke findet man hier, von so renommierten Künstlern wie Barbara Hepworth, Ben Nicholson und Alfred Wallis, aber auch zeitgenössischen Künstlern wie Sean Scully, Eva Rothschild and Olafur Eliasson.

Erstaunlich für eine Stadt mit gerade mal 2100 Einwohnern!

Kommen wir  aber nun vom Harten zum Weichen, von den Steinen zur Wolle!
Gerade mal 10 Schritte vom Museum,  ebenfalls in der Victoria Street, gibt es ein schönes Geschäft: Quernstone Knitwear

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Die nette Verkäuferin schüttelte den Kopf über meine Nachfrage nach langen DPNs und meinte diese Nadeln seien alle inzwischen durch die Stricknadeln mit Seilen abgelöst worden, sie hätte schon lange keine mehr geführt. Aber sie schaute für mich im Netz bei ihrem Lieferanten nach und fand dort auch nichts mehr. Diese Nadeln gibt es wohl nur noch als Restbestände und vielleicht könnte ich welche in Charity Shops finden oder in dem Wollgeschäft in Lerwick, das ganz normale Strick-Wolle, nicht Fair Isle etc., führe... Nun da werde ich also weiter meine Augen aufmachen.

Morgen ist Sonntag und am Sonntag fahren keine Fähren von Houton, also werde ich Liz Lovick am Montag auf der Insel Flotta besuchen. Den Sonntag werden wir es wohl langsam angehen und uns ausruhen, irgendwann muss der Husten ja mal verschwinden...