Verschiedenheit und Einheit

Riga Triennaledas ist der Titel der 5. RIGA INTERNATIONAL TEXTILE AND FIBRE ART TRIENNIAL, die im nächsten Jahr von April bis Juni 2015 abgehalten wird. Organisiert wird die Triennale vom  Lettischen Nationalen Kunstmuseum / Museum für Dekorative Künste und Design in Riga.

Das ist ja noch eine Weile hin. Aber: die Bewerbungsfrist für die Teilnahme läuft! Professionelle Textilkünstler können sich jetzt bewerben.

Auf der Webseite des Museums ist ein Link zu den Infos und Teilnahmebedingungen, aber für die Schnelle habe ich das schon mal als PDF hier zum Downloaden eingebunden: PDF5th_RIGA_TRIENNIAL.Regulations

Der Link zur Ausschreibung: http://www.lnmm.lv/en

Casey Jenkins antwortet den Kritikern

Casey Jenkins: Knitting off my womb

Casey Jenkins: Knitting off my womb

Casting off my womb nannte Casey Jenkins ihre Strickperformance, in der sie während eines gesamten Menstruations-Zyklus mit Wolle, die Sie in ihrer Vagina hielt, strickte. Das war natürlich sehr provokativ und hat viel Kritik und auch Haß und Abscheu hervorgerufen.

In einem Artikel in The Guardian vom 17.12.2013 nun verteidigt sie ihre Arbeit gegen die Kritiker und gegen den Haß. 

But regardless of whether they take that path or not, I am proud of Casting Off My Womb. I have created a performance piece that I believe is beautiful and valid and I know that this belief can withstand all the negativity in the world. I had hoped to create a work that was about forging a path of self-determination in the face of society’s expectations, but until it was tested in such a public forum that was something I could only dream of.

Wie zu erwarten, waren die Reaktionen während der Performance in der Galerie verhaltener und konziser als die Kommentare im Netz. Ein Youtube-Kommentar ist ja eben mal schnell und weitgehend anonym abgesetzt.  Die Performance hat vieles deutlich gemacht. Auch, und das ist traurig, daß ein selbstbewußter Umgang mit dem eigenen, weiblichen Körper Haß und sogar Auslöschungsphantasien bei Männern hervorruft. 

Textiel Plus: Neue Ausgabe

Ich mag das holländische Magazin Textiel Plus, weil es viele Informationen zu Textilkunst, Ausstellungen, Künstler bringt, die ich sonst nicht bekomme. Und beim Stöbern durch die Infos zur neuen Ausgabe habe ich auch mal wieder im  Webshop geblättert, dort werden so viele verlockende Bücher aus den Bereichen Design, Textilkunst, Kultur angeboten, daß es eine Freude ist. Ich habe schon einige Anregungen dort erhalten und die Bücher dann bestellt. Mir gefällt, daß auch etwas ältere Design-Bücher dort zu finden und zu bestellen sind.

So zum Beispiel Radical Lace & Subversive Knitting von David Revere McFadden, dem Chef-Kurator des Museum of Arts & Design, New York.  Der Katalog der Ausstellung, die 2007 gezeigt wurde, ist sehr umfangreich und zeigt die Arbeiten vieler Künstler. Wenn auch viele Rezensenten den Titel bemängeln, weil so viel Spitze ist ja gar nicht dabei, ich habe in dem Buch viele interessante Arbeiten gesehen, aus einer Zeit als Textile Art noch nicht als Brutstätte des Yarn Bombing diente ;=) Wenn ich mir so etliche Zeitungsbeiträge oder Blogbeiträge aus den vergangenen Jahren anschaue, dann haben die Vertreter des YarnBombing den Bereich des Künstlerischen doch recht impertinent und selbstsicher für sich in Anspruch genommen.

Bei dieser Ausstellung begegnen uns auch bekannte Künstler wieder. Freddie Robbins  und Dave Cole (das ist der Mann, der mit zwei Kränen Fahnen strickt).

Auf der Seite von studio international findet sich eine gute Rezension dieser Ausstellung und: da ist er wieder: Der gestrickte Mann!

Freddie Robbins: Craft kills

Freddie Robbins: Craft kills

Und so bin ich doch wieder auf weitere Webseiten gekommen, habe mich von Links zu Freddie Robbins treiben lassen und wieder viele interessante Arbeiten von ihr gefunden.

Und bei der University of Southampton bin ich wieder einmal vorbeigekommen. Die Referenzbibliothek dort und die Sammlungen sind schon sehr beeindruckend.

So beende ich diesen etwas unorganisierten Beitrag, bereite mich mental auf das Apfelpflücken heute, wenn der Nebel verflogen ist, vor und stricke bis dahin noch ein wenig an einem Socken mit ebenso unorganisierten Mustern weiter...

Frauenrechte! Menschenrechte!

Kein Land haßt die Frauen so wie Indien. Ich heule vor Wut, wenn ich lese, wieviele weibliche Föten in Indien abgetrieben werden, wie viele junge Frauen von ihren Schwiegerfamilien gequält werden, wie viele Frauen bestialisch vergewaltigt werden. Das Leid kann man gar nicht aufzählen.
Gerade jetzt gelangte wieder eine Meldung in die Medien, die die Bestialität der indischen Gesellschaft zeigt, Eine junge Frau sucht nach einer Gruppenvergewaltigung HIlfe und wird von den Helfern auch noch vergewaltigt.

Was ist das für ein Land? Was ist das für eine Kultur?
Wir glauben immer noch, Indien sei ein Tempel der Kontemplation und ein Paradies für Hippies und Touristen am Strand von Goa, aber es ist die Hölle. Für Frauen.

Was können wir tun? Unsere Feministinnen könnten vielleicht, überlegt und tatkräftig, Kampagnen zur Unterstützung der Frauen starten, das Elend anprangern, es öffentlich machen. Dumm und halbnackt in Kirchen auf den Altar zu springen, das ist kein Feminismus, der unserer Zeit angemessen ist. Es gibt wichtigere Tätigkeitsfelder als arme alte Pfaffen zu erschrecken.

Gibt es in Indien Widerstand gegen diese schrecklichen Umstände?

Im Alter von 11 Jahren wurde sie mit einem 35 Jahre alten Mann ... verheiratet, von diesem schwer misshandelt und verstoßen. Nach der Rückkehr in ihr Dorf galt sie als rechtlos, wurde mehrfach vergewaltigt und dann unter falscher Anklage verhaftet. Auf der Polizeistation von Kalpi wurde sie wiederum mehrmals brutal vergewaltigt und misshandelt.

Phoolan Devi

By Bpselvam at ta.wikipedia [Public domain], from Wikimedia Commons

Dies ist keine aktuelle Schilderung. Das geschah in den siebzigern, ist die Geschichte von Phoolan Devi, die zum aktiven Widerstand schritt und zur Waffe griff. Sie griff zu den radikalsten Mitteln um gegen die Gewaltstrukturen in ihrem Land zu kämpfen, kämpfte mit Guerilla-Mitteln gegen die Strukturen, leitete eine kämpfende Truppe. Erbeutetes verteilte sie unter den Armen, Vergewaltiger, derer sie habhaft wurde, ließ sie angeblich kastrieren.
Nachdem sie sich 1983 ergeben hatte, kam sie ohne Gerichtsverhandlung für 11 Jahre ins Gefängnis. Nach ihrer Freilassung kämpfte sie für Menschenrechte, für Frauenrechte. 2001 wurde sie ermordet.

Phoolan Devi ist eigentlich ein "Role Model" (neudeutsch), ihr Kampf könnte zum Widerstand gegen die Unterdrückung der Frau durch den Mann / die Kasten / den Staat anstacheln.

Gibt es andere Mittel, die Bestialität der indischen Gesellschaft zu ändern? Die Gewalt gegen Frauen, ob geboren oder nicht-geboren, zu stoppen? Phoolan Devi sah keinen anderen Weg.

Tanja Boukal gab Phoolan Devi einen Platz in ihrer Arbeit "Die im Dunkeln", gezeigt im Salzburger "Museum der Moderne", in der Ausstellung "Political Correctness".  Aus dem Schattenbild schaut uns eine entschlossene, bewaffnete Frau in die Augen. Wir müssen nur hinsehen. Und endlich die Stimme erheben, eine solidarische Stimme.

Who is afraid of Red, Yellow and Blue?

Das ist der Titel einer Bilder-Serie des abstrakten Expressionisten Barnet Newman. Zwei Bilder dieser Serie hängen in Amsterdam und in Berlin und beide haben eine Antwort bekommen auf ihre Frage, beide wurden von psychisch gestörten Menschen angegriffen und attackiert.

Das Bild in Amsterdam hat mein Leben verändert. Ich ging an einem regnerischen Tag dort im Museum an diesem Bild vorbei, um zu einer Foto-Ausstellung zu gelangen. Aber dorthin gelangte ich nicht. Das Bild zog mich und hielt mich fest. Es strahlte soviel Kraft aus, hielt mich fest, zog mich an, daß ich es unbedingt berühren wollte. Das tat ich aber dann nicht. Seitdem habe ich eine ganz andere Wahrnehmung für Kunst, ich habe gelernt, mich den Werken auszusetzen, sie auf mich wirken zu lassen.  Richard Long, Walter de Maria, diese Künstler sind mir so sehr wichtig geworden.

Und nun sehe ich, daß Orly Genger, die ich hier schon vorgestellt habe, im Skulpturenpark deCordova in Lincoln, MA, USA; eine Installation "Red, Yellow and Blue"  zeigt. Bis zum September 2014 kann man ihre Arbeit dort sehen und durchleben.

Orly Genger: Red Yellow and Blue

Orly Genger’s Red, Yellow and Blue (2013) at Madison Square Park, New York. Courtesy James Ewing Photography.

Die Amerikaner lieben Superlative und so zählen sie auch munter die Mengen auf, die an Seil und Farbe benötigt wurden. 3.500 Gallonen Farbe, wieviele Liter? Mag das wer ausrechnen?

Orly Genger: Red Yellow and Blue

Orly Genger’s Red, Yellow and Blue (2013) at Madison Square Park, New York. Courtesy James Ewing Photography.

Ich freue mich lieber an den Bildern. Und wäre gerne dort. Am liebsten im Frühling, wenn die Natur frische Farben aufgelegt hat und mit der Arbeit um die Wette strahlt.

Orly Genger: Red Yellow and Blue

Orly Genger’s Red, Yellow and Blue (2013) at Madison Square Park, New York. Courtesy James Ewing Photography.

 Mehr Infos zu dieser Arbeit: Gefunden habe ich den Hinweis wieder mal bei artdaily:
 
Das deCordova-Museum: Red, Yellow and Blue
 
Die Ausstellung wurde zuvor, mit etwas anderem Kontext, in New York gezeigt, dieses Video berichtet darüber. Die obigen Photos stammen ebenfalls aus New York.

Let’s make money

Geld regiert. Es ist der Dreh- und Angelpunkt geworden, andere Kriterien gibt es nicht mehr. Alles wird dem Profit untergeordnet. Der Koalitionsvertrag "unserer" neuen Regierung ist geprägt von "wirtschaftlichen Notwendigkeiten", wir müssen permanent tun was das Geld diktiert. Das Geld übt Zwang aus. Neoliberale eifrige Jüngelchen mit glänzenden Augen und Sabber-Mündchen treiben uns vor sich her. Was sie verzocken, müssen wir bezahlen. Politiker sollen die Landesbanken kontrollieren, aber ohne Sachverstand und voller Gier berufen sie Zauberlehrlinge wie Ackermann und Nonnenmacher, geben ihnen Carte Blanche und die Bürger bezahlen mit Blankoschecks. Kulturwandel  findet statt, wenn ein Drecksack in der Geschäftsführung durch einen etwas moderateren, aber umso gewiefteren Schlipsträger abgelöst wird.

Das gerade verhandelte Freihandelsabkommen soll Handelshemmnisse und Zollschranken überwinden, Kategorien aus der prä-industriellen Zeit, und liefert uns / die Länder der EU den 170 kapitalstärksten Konzernen der Welt aus, angeführt und  hinters Licht geführt von von "Yes we Can"-Obama. Die Souveränität der Bürger wird den Geldinteressen von Hedgefonds und Monsterkonzernen geopfert.

Tanja Boukal:  Let's Make Money in der Ausstellung Political Correctness