Mecklenburger Strumpfbund

Vortrag beim Lieper Klöntreff

Der Vortrag beim Lieper Klöntreff in Rankwitz auf Usedom am Sonnabend hat nicht nur mir Freude gemacht; bei Kaffee und Kuchen lauschten die Gäste aufmerksam und der Applaus zum Schluß zeigte dann auch, daß  der Reisebericht gut angekommen ist. Auf einem separaten Tisch hatte ich einige Strickstücke und auch die wichtigen Bücher ausgelegt und natürlich lagen an prominenter Stelle die Pottmützen.

Die Flyer mit den Anleitungen zur Pottmütze waren schnell verteilt und die vielen interessierten Fragen brachten uns auf neue Ideen.
Ja, wenn alles klappt, wird es wohl im nächsten Jahr Stricktreffen im Rankwitzer Heimathof zum Thema "Pottmütze" geben und die feine Wolle für die Mütze kommt dann vielleicht sogar von den Spinnrädern der Spinnerinnen des Heimathofs.

Ich freue mich.

Tanzen – Sticken – Tundeln

Der Tag der Tracht MV gestern, am 20. Oktober, war ein toller Tag! Veranstaltet vom Volkskundemuseum Schönberg (Nordwestmecklenburg) und dem Mecklenburg-Vorpommerschen Heimatverband, wurde getanzt, gestickt, getundelt - und das in einer fröhlichen Stimmung, die gut tut.

Das Schöne an der Veranstaltung war, daß es hier nicht um ein "Schaulaufen der Trachtenvereine" vor Publikum ging, sondern daß die Mitglieder der Trachtenvereine gemeinsam tanzten, sich austauschten und Freude hatten.
Und meine Pottmütze, die ja hier Premiere hatte, wurde bewundert und interessiert studiert.

Mich freute auch, daß mehrere der Damen, mit denen ich ins Gespräch kam, unser Handschuhbuch "Handschuhe aus Lettland" kannten oder besaßen!

Auch die Ostseezeitung war anwesend und berichtete über das Treffen.

Wie gesagt wenn die Götter des Netzes (Telekom et al) es erlauben, gibt es morgen viele schöne Bilder und weitere Video-Ausschnitte zu sehen!

Tag der Tracht 2019 in Mecklenburg-Vorpommern

Zum Tag der Tracht MV 2019 am 20.10.2019  laden der Heimatverband Mecklenburg-Vorpommern und das Volkskundemuseum Schönberg gemeinsam ein.
Die Veranstaltung findet in Schönberg ab 10:00 Uhr in der Palmberghalle statt.

Und dort werde ich erstmals meine rekonstruierte Pottmütze vorstellen!

Informationen zu den Mützen der Mönchguter Fischerbauern von der Insel Rügen und dann auch ab dem 20.10. die Strickanleitung gibt es hier. 

Es gibt nun neben dem Schwerpunkt "Baltische Strickkunst" auch den Themenschwerpunkt "Fischermützen von Ost- und Nordsee". Demnächst mehr auf der Wockensolle.

 

Palmberghalle Schönberg
Rudolf-Hartmann-Str. 2a
23923 Schönberg

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Sommer 2019 – Absolutely Elle-Malle!

Wie schon im letzten Beitrag geschrieben, waren wir auf Vormsi im Elle-Malle Pensionaat untergekommen und das war ein Volltreffer. Die Wirtin Elle-Malle ist absolutely (ihr englisches Lieblingswort) kommunikativ und inselkundig.
Sie lebt seit ihrer Zeit als Forstarbeiterin auf der Insel und betreibt die älteste Unterkunft hier (seit 1994): das Gästehaus mit Frühstücksraum, Antiquitätenkeller und Sauna, dann mehrere Bungalows im Wald, eine Ferienwohnung im 1. Stock eines Wirtschaftsgebäudes, Gästezimmer in der alten Mühle und dann die Wiese als Campingplatz. Es gibt eine Feuerstelle und Sitzgruppen im Freien, das Gemüse und Obst stammt alles aus dem eigenen Anbau (absolutely bio) und man kann Fahrräder ausleihen, davon möchten wir allerdings abraten, die Räder hatten wohl das gleiche Alter wie wir Reisende...

Einige Informationen:
Das Elle-Malle Gästehaus bei VisitEstonia.com

Elle-Malles Kontakt:

ellemalle@gmail.com
☏  +372) 564 72854 
+ (+372) 473 2072

 

 

Neben all der Arbeit mit der Beherbung arbeitet ihr Mann auch als Fremdenführer, spricht allerdings kein Englisch und ich musste mich mit meinem knappen Russisch schon anstrengen. Aber Kommunikation gelingt immer wenn man möchte!

I am also a knitter - dies schrieb sie mir schon in einer der ersten eMails und wenn das so ist sind wir ja bei ihr richtig! Gleich am ersten Morgen zeigte sie uns einige von ihr gestrickten  Socken, Handschuhe und einen Pullover. Später kramte sie dann ältere Stücke aus ihrer Sammlung hervor und erklärte sie uns.
Jedes ihrer Stücke hat seine eigene Geschichte, viele Exemplare wären ohne ihr Engagement einfach weggeworfen worden. Und auch Museen haben schon bei ihr nachgefragt, ob sie die Pottmüts oder die Babymütze nicht vielleicht in die Sammlung geben könne, aber das wollte sie nicht. Dort sieht sie keiner und hier auf Vormsi kann sie die wertvollen Stücke ja vorführen und zeigen. Nein, später vielleicht gehen die Schätze ins Museum, aber jetzt hütet sie sie.

Mich interessierten ganz besonders ihre gesammelten alten Handarbeiten; viele davon hatte sie vor dem Wegwerfen gerettet. Heute würden diese überkommenen Dinge ja nicht mehr geschätzt, aber  vielleicht erinnert sich die nächste Generation an das Erbe? Und ab und an kämen ja auch interessierte Gäste zu ihr, denen sie das dann stolz vorführen könne.

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Elle-Malle hat aber nicht nur Textilien gesammelt, im Keller des Hauses gibt es einen Ausstellungsraum vollgestopft mit alten Dingen: Geschirr, Bücher, Spielzeug, Werkzeug... alles zusammengetragen in vielen Jahren,
Und auch einige Souvenirs, Postkarten, Topflappen, schöne Knöpfe aus Bein - sie hat ein Auge für Qualität und ist geschäftstüchtig.

Dieses Gästehaus ist schon etwas ganz Besonderes und ich bin mir sicher, daß ich wiederkomme, es gibt viel zu schauen, zu lernen und bewundern - aber nicht nur hier, es gibt ja noch das Farm-Museum!
Das stelle ich im nächsten Beitrag vor.

Sommer 2019: In Hullo auf Vormsi

Die Insel Vormsi liegt nicht weit vom Festland entfernt, an der nordwestlichen Küste Estlands. Von Tallinn aus kommt man über Haapsalu zum Hafen Rohuküla, und nach kurzer Zeit ist man in einer anderen Welt. Oder einer anderen Zeit?
Es war unser erster Besuch auf dieser Insel und deshalb erschien uns vieles ungewohnt. Schon immer war die Insel von Küstenschweden bewohnt gewesen, diese evakuierten sich aber im 2. Weltkrieg vor der heranrückenden roten Armee nach Schweden  und nicht alle sind wieder zurückgekehrt.
Heute wird Vormsi  von vielen schwedischen Urlaubern besucht und von Stadtbewohnern, die hier ein Ferienhaus haben oder sich in einem der wenigen Unterkünfte einmieten. So kommt es vor, daß auf dem Parkpatz vor unserem Pensionat ein roter Ferrari parkt... denn außer Ferienhäusern, Zimmervermietern und Camping gibt es keine Unterkünfte (und das ist gut so!)

Wir waren bei Elle Malle untergekommen, ihr Pensionat liegt am Ortsrand, im Wald, an eine große Wiese angrenzend, nicht weit von der St. Olaf-Kirche und dem Friedhof mit den eigenartigen Grabsteinen. Elle Malle lebt schon lange auf der Insel, ist geschäftstüchtig und umtriebig. Sie hat ein großes Herz und kann viel erzählen. Deshalb widme ich ihr den nächsten Beitrag hier auf der Wockensolle und beschreibe erstmal das "Drumherum".

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Auf dem Weg in den Ort

Unsere Unterkunft liegt etwas außerhalb des kleinen Ortes.

Eine Straße führt vorbei, aber am liebsten nehmen wir doch den Waldweg und spazieren an gemütlichen Häusern vorbei in die Ortsmitte, zum Kaufladen oder ins Handarbeitszentrum.

Im Zentrum von Hullo

Mit EU-Mitteln wurde hier die Ortsverwaltung und das Handarbeitszentrum eingerichtet.
Gegenüber dann der Kaufladen und davor ein freier Internetzugang, eine Bushaltestelle und ein Häuschen für die Müllsammlung.

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Und es gibt nicht nur  Freies Internet auf der Wiese vor dem Haus, auch Freies Katzenkraulen ist verfügbar.

Dafür gibt es aber auf der ganzen Insel keinen Geldautomaten, man kann jedoch im Kaufladen Geld "abheben", vorausgesetzt es haben nicht alle Kunden vorher  mit Karte bezahlt und Bargeld ist in der Ladenkasse.

Unser Ziel war natürlich das Handarbeitszentrum im Dorfhaus.

In der Eingangshalle stehen Mannequins in Insel-Tracht, mit roten Wadenwärmern und weißen Socken.
Das Zentrum ist recht aktiv, für die Touristen gibt es viele wunderbare Arbeiten im Angebot (Socken, Handschuhe, Decken, Wolle, Taschen, Schmuck), es werden aber auch Handarbeitskurse veranstaltet.
Man muß schon den Geldbeutel festhalten wenn man die "Käsitöötuba" betritt.

 

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Ich hatte schon vor der Reise Socken im Vormsi-Muster gestrickt und die passenden roten Wadenwärmer dazu. Aber was ich hier sah, begeisterte mich, soviele Variationen!
Einfache überkreuzte, verschränkte rechte Maschen auf einem Hintergrund aus linken Maschen, eine Vielfalt die mich noch lange beschäftigen wird. Die Frauenhandschuhe und -Socken sind weiß mit einem hübschen Struktur-Muster gearbeitet, nicht nur das Bündchen ist mit Travelling Stitches gestrickt, oft auch der komplette Fußteil oder die Ferse der Socken. Für die Männer ist alles ein wenig handfester: sie tragen gestreifte Fäustlinge oder Socken, meist blaue und grüne Streifen auf einem dunklen Grund.

Falls das Ravelry-Forum im kommenden Wnter wieder einen MiniMitten-KAL veranstaltet, bin ich gerüstet... und kann mich zwar nicht mit fremden Federn aber mit fremden Miniatur-Handschuhen schmücken ;=)
Ich konnte natürlich nicht widerstehen und habe ein Paar Kleinstsocken und ein Paar Kleinsthandschuhe erstanden. Wer weiß was ich damit mache, ich freue mich daran auf jeden Fall.

Aus der Schwedenzeit stammt der Begriff für diese hübschen Projekttaschen: Bindbongen...
Sie sind meisterlich gewebt und mit einem kleingemusterten Stoff gefüttert.

Diese Projekttaschen sieht man auch auf alten Fotografien und unsere Wirtin zeigte uns auch ein uraltes, vielfach geflicktes Exemplar.

Ich habe mir solch einen Beutel geleistet, ich empfinde es als Luxus die Arbeit einer kreativen Frau nutzen zu können. Und der hohe Preis von 50,00€ hat mich nicht abgeschreckt, art must be paid.

 

Pottmütz – Knüttmütz

Was sind das für komische Worte? Pottmütz und Knüttmütz?
Nun das ist Plattdeutsch und Pottmütz leitet sich, wie mir erklärt wurde, von "chapeau" ab. Französisch war im 18. und 19. Jahrhundert die angesagte Sprache und beeinflußte selbst den plattdeutschen Wortschatz.
Das Wort bezeichnet eine Mütze, und dies vor allem in Pommern, auf der Insel Rügen und dort auf der Insel Mönchgut. Die Fischerbauern dieses abgelegenen Landstriches trugen die Mütze, weil sie wärmte und dem Sturm trotzte.
In Estland hingegen gibt es das Wort in der Form "Pottmüts", dort allerdings bezeichnet es bestickte, wertvolle Damenkappen.

Knüttmütz hingegen bezeichnet ganz einfach die Herstellung der Mütze: "Knütten" steht im Pommerschen immer schon für Stricken.

Eine pommersche Pottmütze aus dem Museum Stralsund (links) und eine Replik aus dem Jahr 1989

Eine estnische Tuttmüts, eine Männermütze
tuttmüts, ERM 9928, Eesti Rahva Muuseum, http://www.muis.ee/en_GB/museaalview/557682

eine Pottmüts aus den Beständen des estnischen Nationalmuseums

pottmüts, ERM 643, Eesti Rahva Muuseum, http://www.muis.ee/en_GB/museaalview/526763

Es gibt nur wenige Trachtengebiete in Mecklenburg-Vorpommern und ich habe nach Gestricktem gesucht.
Und nur Pottmützen gefunden:
Die schon gezeigte Mütze aus der Sammlung des Museums Stralsund und die Mütze aus Göhren, wie sie im Virtuellen Museum Mecklenburg-Vorpommern gezeigt wird.
Beide Mützen habe ich inzwischen nachgestrickt, in etlichen Größen. Und endlich habe ich auch das Strickgarn gefunden, das wohl damals auch genutzt wurde, Wolle vom rauwolligen pommerschen Landschaf.
Diese Nutztierrasse ist gerade mal so vor der Ausrottung bewahrt worden, sie eignet sich vorzüglich zur Landschaftspflege und die Wolle ist kräftig und stark.
Aber es gibt auch feineres Garn von diesem schönen Tier, in der Lauflänge 400m/100g, wie sie für diese Mützen benötigt wird.

Am 20. Oktober wird in Schönberg in Mecklenburg der Trachtentag MV 2019 begangen, organisiert vom Heimatverband MV und vom Volkskunde-Museum in Schönberg.
Ich werde dort die rekonstruierten Fischermützen / Pottmützen von der Insel Rügen aus Mönchgut vorstellen.

Bis dahin habe ich auch die Strick-Anleitung für die Göhrener Pottmütze fertiggestellt, die dann verteilt werden kann und dann auch auf der Webseite des Heimatverbandes MV und natürlich hier auf der Wockensolle mit vielen Informationen zu diesem Thema zum Download stehen wird.

Die Strickschrift für die Stralsunder Pottmütze folgt dann noch.

Die Göhrener Mütze in drei Größen, gestrickt mit 180 / 150 / 120 Maschen und Nadeln 2.5mm / 2.75mm

Diese Ansichtskarte aus dem Jahr 1905 zeigt einen freudlichen Mönchguter Fischerbauern in stattlicher Tracht:

Pottmütze, gestreifte Weste, weite weiße Hose, Schal und Jacke

(aus meiner Sammlung)