Nach der zweitägigen Rundreise ging es am Freitag gleich weiter. In Dobele, in der Region Zemgale (Semgallen), war ein zweitägiger Workshop zum Thema "Ethnographische Strümpfe der Region Zemgale und moderne Socken" angekündigt und wir waren dazu eingeladen. Für diesen Workshop hatte ich mich ja auch richtig ins Zeug gelegt und nach einer Abbildung in einem lettischen  Trachtenbúch ein Paar schwarze Socken gestrickt.

Wir waren davon ausgegangen, dass das Thema "Ethnographische Socken" am ersten Tag und der zweite Schwerpunkt, zeitgenössische Strümpfe, am zweiten Tag des Workshops stattfinden würde. Aber bereits nach der Mittagspause wurden neue und bizarre Konstruktionsmöglichkeiten vorgestellt.
Aber der Reihe nach,,,

 

ein wunderschöner Strumpf aus Dobele

Nach der Vorstellungsrunde (ich schätze, wir waren 20 Teilnehmerinnen), zeigte die Kursleiterin einige Prachtexemplare und benannte deren Eigenheiten, und stellte uns dann eine Aufgabe, die wir bewältigen sollten.

Die bekanntesten Muster aus Zemgallen  sind die Rosetten auf schwarzem Grund, daneben gibt es wiederum auf schwarzem Grund leuchtend bunte Blüten oder Sterne, in Inlay-Technik gearbeitet.

Das Bild links zeigt ein Exemplar, das ich auf jeden Fall einmal stricken möchte, leuchtende Musterstreifen auf einem neutralen Grund, ich werde das sicherlich vom Foto "nachstricken" können. Darauf freue ich mich schon.

Zu unserer Überraschung erhielten wir eine Mappe mit Anleitungen (Fotos und Charts) für acht Strumpfpaare, Anleitungen, die ich noch nicht in anderen Strickbüchern gefunden habe, die bisher noch nicht veröffentlicht waren.

Der schöne bunte Socken auf dem Bild rechts zeigt  dreifarbige Blüten, die von einfarbigen Sternen rechts und links eingerahmt werden.
Ud unsere Aufgabe bestand darin, drei solche verschiedenfarbige Sterne in der Runde zu stricken.

Da wird nicht wie beim mehrfarbigen Stricken, das ich ja schon beherrsche, ein kontrastfarbiger Faden in der Runde mitgeführt, nein, je nach Notwendigkeit wird pro Musterfarbe ein eigenes kleines Knäuelchen verstrickt.

Inlay_Technik

Schon bei drei jeweils einfarbigen Sternchen kam ich mit den drei Knäuelchen in den Tütel, ich kann mir (noch nicht) vorstellen, so ein richtig buntes Musterbild fehlerfrei zu stricken!

Aber eines habe ich gelernt und mir gemerkt: der einzuwebende, vor die Maschen zu legende Faden, muss immer unter dem Strickfaden geführt werden, sonst liegen die Fäden schief vor der Grundfarbe und das sieht gar nicht gut aus. Drei Sternchen strickte ich, das erste war schief und krumm, das zweite schon etwas besser und das dritte war dann ganz ordentlich...

gewebt

In den anderen Räumen des Zentrums wurden die verschiedensten Arbeiten der Gruppe präsentiert, und in einem separaten Raum waren dann die Prachtexemplare auf einer interessanten Holzkonstruktion drapiert.

Das "Dobele-Muster", die Rosetten auf dunklem Grund, war gleich mehrfach präsent, in verschiedenen Farben, mit verschieden Lösungen für den Fuss, so zum Beispiel einmal mit Rosetten auf dem Oberfuss und zweifarbig geripptem Unterfuss.

Dieses Muster wird aber nicht nur gestrickt, es wird auch gewebt, wie ein schöner dunkler Rock mit violetter Kontrastfarbe zeigt.

Ich legte meine mitgebrachten Strickstücke auch aus und wurde nicht ausgebuht...

Nach der Mittagspause wurde das Thema gewechselt und es ging dann um neuartige Sockenkonstruktionen. So lautete eine Aufgabe, von der Ferse aus loszustricken, für ein anderes Modell (mit "langen Nadeln" in 42 Reihen zu arbeiten) bekam ich die Anleitung geschenkt, die werde ich mal studieren.. aus reiner Neugierde!

Marktplatz in Dobele

Wir haben uns dann verabschiedet und noch einen kleinen Rundgang durch den Ort unternommen, Auf dem großen Marktplatz beeindruckte uns der wirklich sehr spezielle Brunnen.

Ich bin gespannt, welche der Strümpfe ich wohl im kommenden Herbst / Winter stricken werde... Anregungen haben wir genug bekommen!

Nachstehend nun noch eine Galerie der schönsten oder beeindruckendsten Exemplare!

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Und hier noch einige zeitgemäße Modelle!

Endlich wieder reisen - nach zwei Jahren daheim... ich war sehr gespannt und voller Erwartungen, als Claudia und ich am 27.7. in den Flieger nach Riga stiegen.
Und wie das in Lettland immer so ist, die Erwartungen werden immer noch um ein Vielfaches übertroffen!
Natürlich hatte ich Pläne. Ich wollte die Strick-Freundinnen wieder treffen, SENA KLETS besuchen, und die Wollfabrik in Pace bei Dundaga besichtigen oder endlich nach Alsunga fahren können, und was wurde daraus? Aus der Frage nach Möglichkeiten, geäußert mit einem UND, machten die Freunde ein UND und so begann nach dem ersten Tag im verregneten Riga ein wunderbare 2tägige Reise durch Kurzeme / Kurland,
Empty shops in rainy Riga
Ein erster Rundgang durch Rigas Altstadt am Dienstag zeigte, wie sehr die Wirtschaft von der Krise getroffen wurde, Viele der Geschäfte für Touristen in Rigas Alstadt sind geschlossen, die Geschäftsräume stehen zum Verkauf, sind leergeräumt, warten auf neue Mieter.
Der Pfannkuchen-Laden "Willems" hat dichtgemacht, XXL Pelmeni ebenfalls, und `Cafés ohne großen Bordstein vor der Tür sind ebenfalls geschlossen, denn Innengastronomie ist nur für Geimpfte oder Genesene erlaubt.
Regenschauer und geschloossene Geschäfte, das stimmt traurig
Zu unserem Glück aber besserte sich das Wetter und wir starteten am Mittwoch bei bestem Sonnenschein. Nach Alsunga und Dundaga, zusammen mit Maruta Grasmane und Ansis Grasmanis. Ein dichtes Programm hatten die Freunde für uns zusammengestellt und der erste Stopp wurde in dem wunderschönen Park des nicht so alten Schlosses Jaunmoku eingelegt. Ein wunderhübscher Park mit vielen liebevollen Details, Freiluft-Schach und Krocket, einem gedeckten Teetisch unter einer großen Linde, durftende Blumenbeete und eine von dem DIchter Imants Ziedonis gepflanzte Freiheitseiche...
Rosen imPark von Jaunmoku
Bei der Fahrt über Land geht mir in Lettland das Herz auf. Die sanften weiten Felder Kurlands, dunkle Wälder, abgeerntete Felder und Wiesen, viele viele Störche,,,
Sommer in Kurzeme
Und dann Alsunga, die Stadt der katholischen und farbenfrohen  Suiti  - endlich konnte ich diese Stadt besuchen! Ich habe schon Suiti-Strümpfe gestrickt, vieles in Filmen und auf Bildern gesehen, aber nun endlich war ich wirklich hier.
Nach einem Essen im  Spelmannskrog besichtigten wir den Ort, erwiesen der großen Brosche der Suiti unsere Referenz und besuchten zuerst die Werkstatt der Weberin Maretta. Das war ein Glückstreffer!
Sie webt wunderbare Stoffe, für die Röcke, die großen Woll-Umhänge, und sie hat einen ganzen Kofferstapel voller wundebarer Dinge: Bänder, Gürtel, Handschuhe, Mauci..
Die Brosche von Alsunga

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Ich konnte nicht widerstehen und leistete mir zwei Paar wunderhübsche Mauci, Pulswärmer, in den Farben der Suiiti, und später erst erfuhr ich, daß sie von Dace Nastevica, der Autorin des lettischen Buches über die Pulswärmer, gestrickt waren. Das macht sie noch wertvoller!

In der Burg von Alsunga

Tja, und dann ging es im Schloss von Alsunga weiter, wir hatten erfahren, daß es eine Vorstellung für eine Reisegruppe geben werde, der wir uns dann auch erfolgreich anschlossen. Zwei Frauen und zwei Männer in den schönen Trachten, sie sangen, spielten auf dem Dudelsack, gaben Scherzlieder zum Besten und eine der Damen tanzte dann mit Ansis eine Runde. Er meisterte diese Herausforderung mit Bravour!

Alles das werde ich  noch genauer beschreiben, dieser Beitrag kann nur einen kleinen Überblick geben,

Tagesziel war dann die Burg von Dundaga, einst Sitz der baltischen Adelsfamilie von der Osten-Sacken; heute sind in ihren Mauern die Ortsverwaltung, die Tourismus-Information, das Museum, Festräume und eine Herberge untergebracht. Und so kam es, daß Maruta und Ansis sich  das "Baron-Zimmer" teilten, während Claudia und ich uns im Apartment der Grünen Jungfrau (mit ihr nahm es ein schlimmes Ende!) gruselten.

Ein wunderbarer Morgen erwartete uns, herrlich frische Luft und der Blick in einen Park auf einen Teich, auf Blumenbeete und Spazierwege, Sonnenschein und Morgenfreude!
Nun waren wir auf die Wollfabrik "Paces Vilnafabrika", 5km von Dundaga entfernt, gespannt. Dort wird ja eine fabelhafte Wolle hergestellt, von der viele schwärmen, die ich aber noch nie in großer Vielfalt kennengelernt habe,

Ich wusste, daß die Wolle auf uralten Maschinen produziert wird, sie wird gewaschen und oft recht locker gesponnen und geradezu ein Markenzeichen sind die vielen Garne mit unendlich vielen Farbverläufen, die die lettischen Strickerinnen so lieben. Ich hatte mir fest vorgenommen, standhaft zu bleiben und nicht zuviel Garn zu kaufen und so kamen auch gerade mal 1200g auf die Waage.

Paces vilnasfabrika und Maruta

Maruta Grasmane vor der Wollfabrik

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Nach dem "Bad in der Wolle" bestaunten wir noch das steinerne Krokodil, ein Denkmal für den berühmtesten Sohn Dundagas, Crocodile Dundee, besichtigten das Museum, suchten eine Heilquelle auf, grüßten auf der Fahrt zurück Richtung Riga 4 Störche auf einem Hausdach, genossen leckeres Brot aus einem alten Suitii-Backofen und legten noch einen Zwischenstopp in Talsi, der Stadt auf den Hügeln, ein. Das dortige "Craft Center" hatte ich schon bei meiner ersten lettischen Strickreise besucht, es ist immer schön wiederzukommen,
Ja, und dann endete der Ausflug bei Kaffee und Kuchen in Marutas Haus am Meer, noch eine kurze Schnupperfahrt durch das Seebad Jurmala und wir waren wieder in Riga
Erschöpft von all den vielen Eindrücken, der Größherzigkeit und LIebenswürdigkeit, der Schönheit der Landschaft - und vor allem: dankbar!

PS

Im nächsten Beitrag berichte ich dann von dem Strumpfworkshop in Dobele / Zemgale, und dem Gedenktag für Jette Urzane in Dzerbene / Vidzeme...

nein, nicht Sommer Sonne Kaktus sondern Sommer Sonne Handschuhstricken!

Endlich ist der langeersehnte dritte Band der Reihe "Eesti silmuskudumine / Estonian Knitting" erschienen! Der dritte Band "Labakindad" bringt alles was es zum Thema "Estnische Handschuhe" zu wissen und zu bestaunen gibt,
Autorin ist die wundersame Kristi Jõeste - dieses Riesenprojekt konnte auch nur eine Expertin wie sie stemmen! Hier auf der Wockensolle ist Kristie keine Unbekannte, ich habe sie schon mehrfach vorgestellt und über ihre Workshops bei etlichen Craft Camps, an denen ich teilnahm, berichtet.

Der Verlag Saara Kirjastus feiert die Premiere mit einem besonderen Angebot  (Autogramm der Autorin Kristie Joeste + Einführungpreis) im Webshop, jetzt auch auf englisch. Ich habe mein Exemplar bestellt, es wird an Riina Tombergs Geschäft im Pikk22 in Tallinn geliefert.

Das Video zeigt eine wirklich entspannte und fröhliche Kristie beim Spazieren, Sonnenbaden und - Handschuh-Stricken! So ist das in Estland, Handschuhe sind immer dabei!

Die eingeblendeten Buchseiten lassen mir das (Strick-)Wasser im Munde zusammenlaufen, auch wenn ich nicht die geborene Handschuh-Strickerin bin (Socken, Strümpfe, Mützen eher schon...), umsomehr bewundere ich die Fertigkeiten!

Wie zu erwarten war, wurden sofort die Rufe nach der englischsprachigen Ausgabe laut. Ach Leute, akzeptiert doch mal wieviel Arbeit so ein Buch macht! Wir müssen uns schon gedulden. Im englischsprachigen Webshop wird es nun angekündigt, es dauert also noch ein Jahr.

Screenshot Handschuhbuch
Handschuhfragmente unbekannter Herkunft

Zur Inspiration zeigt eine Doppelseite im Buch Fragmente alter Handschuhe, die keinem Ort zugeordnet werden konnten.

In den vielen estnischen Museen finden sich ja immer wieder kleinste Strickstücke, oft in wirklich schlimmem Zustand, eben getragen, genutzt und geliebt.
Nun bin ich gespannt, ob es das Handschuh-Fragment des Barclay de Tolly, das mich im estnischen Nationalmuseum so fasziniert hat, auch in das Buch geschafft hat. Bald werde ich es wissen ...

Handschuh-Fragment Barclay de Tolly

Das Handschuhfragment aus dem Estnischen Nationalmuseum ERM

Aufs Bild klicken für eine grössere Darstellung

Eesti Silmus Kudumine 3

Eesti silmuskudumine 3. Labakindad

36.80€  ISBN: 9789916955376

Author: Kristi Jõeste

In Estonian only, English version will follow in a year

Link zum Webshop: https://epood.saara.ee/en/pood/eesti-silmuskudumine-3-labakindad

Wir haben einen richtigen Standardsommer, so meine ich, heiße Tage wechseln sich ab mit grauen regnerischen Tagen, bei uns im Nordosten. Alles wächst oder ist schon reif. Die Starenscharen treiben sich in Kirschbaum-Nähe herum und wie jedes Jahr werden sie wohl die unseren Baum abernten ohne uns auch nur eine Kirsche übrig zu lassen. Das kennen wir schon, der Baum steht so ungünstig hinter dem Gartenhaus dass wir ihn sowieso nicht abernten können.
Es wird wohl reichlich Quitten und Pflaumen geben, und ich hoffe daß ich nach der Rückkehr von meiner Sommerreise rechtzeitig zur Ernte zurück bin.

Ja, die Reisepläne sind "unter Dach und Fach". Zuerst steckte ich den Zeitplan ab, dann die Verabredungen, dann die Unterkünfte, jetzt muss ich mir nur noch die Bus-Tickets für einige Zwischenstrecken organisieren.

Ich freue mich so sehr auf Lettland. Die Freundinnen und Freunde wieder zu treffen, durch Rigas Gassen streifen und Ausflüge unternehmen, Vielleicht nach Dundaga zur Pace Wollfabrik, vielleicht in die Region Piebalga zu einem lokalen Workshop, vielleicht nach Alsunga?

Ja, die Suiti-Strickerinnen mit ihren tollen Farben! Da läuft mir das Wasser im Mund zusammen!
Gerade gibt es eine tolle Ausstellung im Tourismus-Büro in Alsunga: Suitu novada zeķes / Socken aus dem Bezirk Suiti. Insgesamt 87 Strumpfpaare in den traditionellen Farben und Mustern!

So wie ja letztes Jahr die Ausstellung mit den Muhu-Strümpfen im Estnischen Nationalmuseum, zeigt diese Ausstellung auch das Ergebnis eines Wettbewerbs. Und leider endet die Ausstellung schon am 17. Juli, wir kommen zu spät. Ob es einen Katalog gibt? Das weiß ich nicht. Aber es gibt einen schönen Bericht des lettischen Fernsehens über die Eröffnung und dieser Film zeigt auch viele meiner Freundinnen und Bekannten: Linda Rubena, Lia Mona Gibiete...
Linda schlug mir vor, nächstes Jahr, wenn der Wettbewerb wieder stattfinden wird, auch teilzunehmen - na, ich weiß nicht, wenn dann aber außer Konkurrenz!
Ein Paar Suiti-Strümpfe  habe ich ja schon mal gestrickt.

Hier nun das Video. Bei Facebook gibt es mit den Suchbegriffen #ekcsuiti, #suituzeķes und #latvijasnacionālaiskultūrascentrs noch mehr zu sehen.

Und sonst noch?

Ich bin zauderlich und zögerlich, schiebe Ideen und Projekte vor mir her, stricke bunte leichte Socken so vor mich hin, überlege was ich realisieren möchte und traue mich noch nicht so raus aus dem Schneckenhaus.
Es heißt ja, daß manche Leute wenn sie unentschlossen sind, abseitige Dinge unternehmen um sich von ihren eigentlichen Vorhaben abzulenken (neudeutsch: prokrastinieren), und so habe ich ein wenig meine Wollvorräte umorganisiert.
Es sind ja inzwischen viele Regalbretter voller mottendichter Boxen zusammengekommen und den Überblick behalte ich nur mit Hilfe der großen Klebe-Etiketten, die mir mein Drucker liefert.
Trotzdem war es nicht so richtig sortiert... und was ergab sich? Allein die lettische Wolle (nur die lettische) verteilt sich nun auf:

  • ein 90l-Container
  • zwei 50l-Container
  • und etliche kleinere Boxen, ich schätze nochmal 30l zusammen

Das sind wohl mehr als 200 Liter lettische Wolle! Oje oje oje!

Ich hatte mich ja vor einiger Zeit zum Kauf von 1 Kilo feuerroter Wolle bei tines.lv hinreißen lassen, davon habe ich jetzt 450g für eine Strickjacke verarbeitet, die trocknet gerade auf dem Sweaterboard. Und tines.lv hat mir schon wieder einen Gutschein. 10% Nachlaß bei weiteren Käufen, geschickt. Oh führet mich nicht in Woll-Versuchung!

Meine Neffen brachten mir vor ein paar Wochen einen großen Sack Woll-Reste und einige Stricknadeln aus dem Nachlaß ihrer Großmutter vorbei. Das Garn ist inzwischen verteilt, in Ravelry fragte gerade eine Lehrerin nach Garn für ein Klassenprojekt, anscheinend werden gerade überall Korallenriffe gehäkelt! Da kamen die vielen kleinen Knäuel gerade recht.
Dann fanden sich noch einige Schnittmuster, lustige Constanze-Strickmoden aus den Jahren um 1968 (eine Fundgrube!) und Hefte voller Handarbeitsnotizen. Damit werde ich mich wohl im Winter beschäftigen.

noch was?

Einige meiner Termine lassen sich auch tatsächlich besser im Herbst realisieren, und den geplanten Workshop mit Riina Tomberg zum Thema "Textile Traditionen - finden, verstehen und wiederbeleben" werde ich mit ihr auf der Reise konzipieren.
Wenn ich meine mittlerweile geschriebenen Anleitungen endlich fertig formatiert habe, kann ich auch einige Anleitungen veröffentlichungen und neue Projekte avisieren.

Die wunderbaren Geschenke, die ich unverdientermaßen in der letzten Zeit so reichlich bekommen habe, werden das Thema für meinen nächsten Beitrag.

Anfang August findet die Veranstaltung "Let's knit in Latgale" statt - das ist die Hoffnung.
Die zweite Ausgabe der von Sena KLETS veranstalteten Strick-Workshops (nach dem erfolgreichen und schon mehrfach wiederholten "Let's knit in Kurzeme" war schon für letztes Jahr geplant und wurde dann aus den bekannten Gründen abgesagt und auf dieses Jahr verschoben. Ich bin festen Willens, an dieser Veranstaltung teilzunehmen, eine für mich noch unbekannte Region des Landes an der östlichen Grenze, nahe zu Weißrußland und Rußland, kennenzulernen,
Aber ob wir nun wirklich in Latgale stricken werden? Es steht leider immer noch nicht fest.
Der Termin ist auf den 2. bis 6. August festgelegt worden und für den Fall, daß nur wenige Teilnehmerinnen kommen können oder wollen, wurde auch schon vorangefragt, ob wir bereit wären eine höhere Gebühr zu zahlen, Damit bin ich auf jeden Fall einverstanden, denn ich möchte wirklich endlich wieder lernen, stricken, lachen und Gemeinsamkeit genießen.
Die endgültige Entscheidung sollte um den 9. Juni herum fallen, aber bis jetzt habe ich noch keine Information was denn nun wird.

So ist alles in der Schwebe.
Meine Flüge habe ich gebucht, aber zur Vorsicht  mit der Option, die Flugdaten zu ändern. Und ich plane auf jeden Fall nach Estland zu fahren, ich will unbedingt ins Museum in Tartu, auch der Termin wurde ja schon einige Male verschoben, und dann zum Abschluß werde ich einige Tage mit Riina auf der Insel Vormsi verbringen.
Darauf freue ich mich sehr!

SENA KLETS bietet wieder Online-Meetings an. am 1. und am 8, Juli und das Thema ist dieses Mal "Handschuh-Bündchen-Muster aus der Region Kurzeme / Kurland".
Leiterin des Workshops ist Solvita Zarupska und die Teilnahme für einen der beiden Termine kann über die nachstehenden Formulare gebucht werden:

Für den Termin am 1. Juli um 17:00 Uhr (Rigaer Zeit - entspricht 16:00 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit) https://forms.gle/9gXhKguvzDcSr3xKA
und für den Termin am 8. Juli um 17:00 Uhr (Rigaer Zeit - auch wieder 16:00 mitteleuropäische Sommerzeit) : https://forms.gle/yRd868f8DsuEeS1CA
Die Workshops dauern jeweils um die zwei Stunden und kosten 17.00€, bezahlen kann man mit Banküberweisung oder per PayPal.

Kurzeme Workshop

Und noch eine kleine Galerie mit Handschuhen aus der Region Latgale. Zwei Frauen- und zwei Männerhandschuhe.
Das Muster der grünen Frauenhandschuhe erinnert mich immer wieder daran, daß ich das unbedingt wieder stricken muss, ist ja mein Lieblingsmuster!

Frauenhandschuh aus der Region Latgale
Frauenhandschuh aus der Region Latgale
Männerhandschuh aus der Region Latgale
Männerhandschuh aus der Region Latgale

Keeper of the Sheep

Keepers of the Sheep

Ich habe im Osterbeitrag auf das interessante Buch "Keepers of the Sheep - Knitting in Morocco's High Atlas and Beyond" von Irene Waggerer hingewiesen. Und ich habe es mir auch gleich bestellt.

Das Buch kann auf der Webseite der Autorin, https://106metersfromtheroad.com/, bestellt. werden, von dort wird man dann zu Etsy.com umgeleitet und das Buch wird aus den USA geliefert. (Man kann auch gleich bei Etsy bestellen, dann versäumt man aber den interessanten Inhalt der Webseite.
Wie mir Irene Waggerer aber jetzt mitteilte, gibt es inzwischen auch die Möglichkeit, in Europa zu bestellen, Und zwar in Portugal und in Großbritannien. Also der Reihe nach:

Folk Galore - Handschuhe und Pastalas

Auch wenn ich mit klassischer Musik aufgewachsen bin und dem Jazz, der improvisierten und der Neuen komponierten Musik sehr verbunden bin, sind diese Kategorien keine Scheuklappen. Gerade auf meinen Reisen in Russland und im Baltikum habe ich gelernt, daß Volksmusik mehr ist als Blasmusik oder "Seven Drunken Nights", daß solche Musik unglaubliche Stile, Techniken und Klangfarben bieten kann; der Chor-Gesang des Pokrovski-Ensembles, das in Russland zu Ende der Sowjetzzeit intensive Feldforschung betrieben hat und so die wirkliche russische Musik am Leben erhalten hat, die Oberton-Gesänge aus Tuva und der Mongolei, Dainas aus Lettland und Frauenchöre aus der Region Setomaa in Estland - to name a few.
Folk GaloreUnd neben diesen traditionellen Musiken gibt es auch die Musik der frechen, fröhlichen, impusiven Ensembles wie Auli aus Lettland oder Отава Ё aus Russland - einige ihrer Video-Clips habe ich hier ja schon öfter mit Freude eingebunden.
Auf der Spur dieser Bands bin ich auf die deutschsprachige Zeitschrift "Folk Galore" gestoßen, die von Christian Pfliefke herausgegeben, dreimal jährlich im CPL Notes Verlag erscheint und einen Schwerpunkt auf ost- und nord-europäische Musik legt Ichhabe mir ein Päckchen mit den ersten 3 Heften und einer CD bestellt und bin dabei auf einen Artikel gestoßen, der mich überraschte und erfreut:

Darin fand sich ein Beitrag "Fingerkunst aus Wolle" über "Lettlands historische Handschuhe" und Sena Klets und Hobbywool werden vorgestellt, der Farben- und Musterreichtum und die Bedeutung der Handschuhe beleuchtet; auf eine klare und sachkundige Weise, ohne Oma-Klischee und sonstigem Nervkram. Maruta Grasmanes "Handschuhe aus Lettland", wir kennen es, wird darin als das vielleicht beeindruckendste Buch über lettische Handschuhe bezeichnet und dem möchte ich wirklich nicht widersprechen!
Der CPL-Musikshop bietet aber nicht nur Musik, sondern auch Pastalas, die traditionellen lettischen / baltischen Lederschuhe, in den verschiedensten Größen und Farben an. Und wo Pastalas zu haben sind, da paßt das Buch "Handschuhe aus Lettland" doch auch ins Portfolio. Vielleicht klappt es ja!

Bleiben Sie gesund! Lassen Sie sich impfen!

Zum Schluß noch eine Bitte: Lassen Sie sich impfen! Ich hatte die Möglichkeit und das Glück, am Montag im Greifswalder Impfzentrum die erste Dosis Biontech zu erhalten. Das erfüllt mich mit Freude und auch Dankbarkeit.
Es ist so ein kleiner Pieks und es kann soviel bewirken. Immunisierung ist unsere einzige Chance die Pandemie zu besiegen,
Und deshalb bitte ich Sie: Wenn Sie die Möglichkeit haben, lassen Sie sich impfen!
Bleiben Sie gesund!