Abgründiges Stricken

Dieses Video wurde schon beachtliche 2.953.217Male angeklickt, aber ich habe es erst heute entdeckt. Und war fasziniert, mir stockte doch recht oft der Atem:

Passend zum anstehenden Feiertag (Himmelfahrt) und dem Jahrestag des Kriegsendes, der in Moskau wieder mit eindrucksvollen Paraden gefeiert wird und den ich schon etliche Male in Rußland miterlebt habe, hatte ich gestern abend ins DVD-Regal gegriffen, denn das gestrige Fernsehprogramm erschien mir zu leichtfertig / oberflächlich. Und mir den Film Ostrov (Die Insel) angeschaut, der für mich zu den eindrucksvollsten Filme der letzten Jahre zählt (ich besitze zwar keine synchronisierte Version, aber ich kann dem Geschehen doch folgen).

 Und nun eben heute morgen schaute ich mich bei Youtube nach Videos mit dem großartigen Schauspieler Pjotr Mamonov um und fand dann über einen Link zu diesem tatsächlich atemraubenden Animationsfilm.

Den Trailer zu Ostrov möchte ich Ihnen aber nicht vorenthalten:

Genau wie der Film Возвращение / Die Rückkehr spielt er im hohen Norden Rußlands, in karger, kalter Landschaft, die mich sehr anzieht, seit ich einige Male dort sein konnte, und auch die Klosterwelt dort (z.B, auf den Solovki-Inseln im Weißen Meer) kennenlernte. Dazu findet sich einiges auf meiner antiken Webseite www.avantart.de

"Die Rückkehr" kann man sich in ganzer Länge auf youtube ansehen und wo ich jetzt schon beim Einbinden von Filmen bin, auch diesen Ausschnitt noch:

Also! Frohen Himmelstag!

Bestrickende Abenteuer des Monsieur L.

Wie aus Lebensüberdruß neuer Lebensmut wachsen kann, wenn das Lebensende naht (in diesem speziellen Fall durch selbst-angeheuerte Killer), zeigt  der Film "Die tollen Abenteuer des Monsieur L." mit Jean Paul Belmondo in einer seiner Glanzrollen.  Verrückt und tolldreist geht es auf der Flucht durch China, den Himalaya und Indien. Welche Wirkung diese Filme hatten, kann man in Andrej Makines Buch "Eine Liebe am Fluß Amur" (von mir 1998 besprochen) nachlesen: im entfernten Osten der Sowjet-Union ist  JPB der Held einer Gruppe pubertierender Jungs, die keine der Vorstellung versäumen, auch wenn sie dafür 30 km durch den Schnee wandern müssen.

Aus dieser Erinnerung heraus habe ich mir den Film letzte Woche auf Arte angeschaut und ich entdeckte zu meinem Vergnügen eine kleine Nebenhandlung, einen Neben-Strang im wahrsten Sinne des Wortes: da wird gestrickt! Zu Beginn ist es erst ein Maschenanschlag und ein kleinens Knäuel, doch wächst das Strickstück von Szene zu Szene, es ist natürlich wieder ein Schlauch. Und unverdrossen wird weiter gewickelt, ein Knäuel nach dem anderen.

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Beachten Sie, wie wunderbar die violette Wolle zur Hose des älteren Herrn, der zuverlässig die Stränge hält, paßt!

Chinesen stricken anders

Der Sender 3sat brachte am 31. Januar den gefühlvollen Film Xiaos Weg des großen Regisseurs Chen Kaige (der in dem Film auch mitspielt! ).
Ein armer Mann zieht ein Findelkind auf und möchte dem begabten Violinisten ein gutes Leben ermöglichen. Dafür zieht er mit dem Jungen in die Stadt, nach Peking. Das ist ganz groß gefaßt die Handlung
Was mich faszinierte, ist daß der Vater seinem Sohn einen Pullover strickt, selbst zwei selbstgestrickte Pullover übereinander trägt, einen Pullover aufribbelt und aus dieser und neuer Wolle einen neuen Pullover strickt. Und daß Chinesen eben anders stricken als wir, auf eine Weise, wie ich sie nur aus der angelsächsischen Ecke kenne...

Wolle aufribbeln

Wolle aufribbeln

Sehen Sie nun einen Ausschnitt aus dem Film, in dem Lili, ein Mädchen auf dem Weg nach oben, mit dem Vater zusammensitzt und ihm dann das Strickzeug aus der Hand nimmt.

(Klicken Sie auf das Play-Symbol, es dauert ein wenig, bis der Film abgespielt wird...)

Als der Pulli dann fertig ist, prangt ein großer Notenschlüssel auf dem Vorderteil: