Nordmark-Jakka: Schwiegervaters Jacke

1971: DIe Schwiegervater-Jacke

1971: DIe Schwiegervater-Jacke

Ich habe ja vor kurzem die schöne norwegische Strickjacke vorgestellt, die ich als junges Mädchen tragen konnte. Niemand weiß wo diese Jacke geblieben ist, mein erster Mann kann sich leider nicht erinnern.

Ich habe die Nachforschung nicht aufgegeben und Annemor Sundbø angeschrieben, das Foto und den Link zu dem Video beigefügt. Vielleicht kann sie etwas zu der Jacke sagen?

Ganz schnell bekam ich von ihr Antwort. SIe schrieb mir, daß die Jacke "Nordmark-jacka" hieße und die Anleitung aus einer Wochenzeitung, wohl aus den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts, stamme. SIe habe einen solchen Sweater in ihrer Sammlung, im Fundus / ragpile der Lumpenmühle und dieser sei auch dokumentiert. Zu meiner Freude sandte sie mir dann ein Foto aus ihrem Archiv:

Aus Annemor Sundbøs Archiv

Aus Annemor Sundbøs Archiv

In ihrem Flickr-Photostream ist dieser Sweater auch zu finden. Wie ich ja aus dem Buch "Everyday Knitting: Treasures from a Rag Pile" gelernt habe, wurden die Pullover und Jacken nicht strikt nach Anleitung gestrickt, vielmehr wurde mit den Mustern experimentiert und so entspricht "meine" Jacke auch nicht in Allem dem Exemplar aus Annemor Sundbøs Fundus.

  • JackendetailMeine Jacke hat an den Ärmeln und am Körper insgesamt 3 Musterstreifen / Bordüren / border, der Pullover nur unterhalb des "Bild-Streifens" und oberhalb des Bündchens.
  • Die Jacke hat keine "Läuse" im Flächenmuster, der Pullover zeigt helle Dreiecke auf dunklem Grund.
  • Die Jacke zeigt dunkles Muster auf hellem Grund, beim Pullover ist es umgekehrt
  • Der Pullover hat einen andersfarbigen Bund, wahrscheinlich reichte das Dunkelblau nicht mehr.

K002-4-1Der blaue Sweater K002-4-1,  in Annemor Sundbøs Mappe rechts neben "meinem" Modell, zeigt die gleiche Struktur, hier  ist aber ein anderes Tiermotiv, ein Hund und kein Rentier,  von der Passe auf die Ärmel gewandert. Auch dies ein Zeichen, wie gekonnt aus dem großen Muster-Vorrat geschöpft wurde.

Was bedeutet das alles für mich?

Ich habe, seit ich mich in letzter Zeit mit der Stricktradition beschäftige, viel gelernt und erfahren. Ich habe mir die Bücher von Annemor Sundbø besorgt und diese mit viel Freude durchstöbert. Dadurch erinnerte ich mich an die Jacke aus alter Zeit und begab mich auf die Suche. Wenn ich etwas wirklich wissen möchte, dann wende ich mich oft direkt an die Autoren, von denen ich annehme, daß sie mir weiterhelfen können. Und das hat mich auch dieses Mal weitergebracht.

Ich habe nun eine direkte Verbindung zu der Jacke meines Schwiegervaters, sie spielte eine Rolle in meinem Leben. Und jetzt auch eine Verbindung zu einem Pullover aus dem Fundus / RagPile von Annemor Sundbø. Aus dem allgemeinen Interesse an diesen Pullovern und Jacken ist ein persönliches Interesse geworden. Sundbøs Leistung und Beharrlichkeit hat auch für mich  ganz persönlich Bedeutung.

Nun sollte ich eigentlich beginnen und meine ganz persönliche Jacke stricken. Vorlagen und Anleitungen habe ich ja jetzt.

Nocheinmal die Links:

Vielen Dank, daß dieses Wissen nicht vergessen ist. VIelen Dank für den Fleiß und die Beharrlichkeit, Annemor Sundbø!

Schwiegervaters Jacke aus Norwegen

Nach dem Abitur 1971 bot mir mein Vater an, mir entweder den Führerschein oder eine Reise zu finanzieren.

Ich entschied mich für eine Reise mit meinem Freund, 14 Tage auf die Insel Rab. Das war unsere erste Reise, später waren wir länger unterwegs.

Den Führerschein habe ich immer noch nicht, den Freund (und späteren Ehemann) schon lange nicht mehr ;=)

1971: DIe Schwiegervater-Jacke

1971: DIe Schwiegervater-Jacke

Auf der Rückreise von der Insel zum Festland trug ich eine Strickjacke, die seinerzeit der Vater meines Freundes aus dem Krieg mitgebracht hatte. Der Schwiegervater war als Soldat in Norwegen stationiert gewesen.  Man kann also zurückrechnen, daß damals die Jacke um die 30 Jahre alt war. Dann hätte sie heute ein Alter von 70 Jahren, ob es sie noch gibt? Ich habe mal beim Ex nachgefragt.
Diese Jacke haben wir beide lange getragen, ein wunderbares Stück aus einer sehr haltbaren Wolle.

Hier noch ein kleiner Video-Ausschnitt aus dem Super-8-Film von damals (lausige Tonqualität, aber ich kann das nicht besser).

Ich finde an der Jacke so interessant, daß sie mit solch dicker Wolle gestrickt ist. Unter den mir bekannten Anleitungen habe ich bisher noch keine solche Norwegerjacke aus solch dickem Garn entdeckt.

Lusekofta – Lausiger Pullover ?

Irish Dream by DROPS Design

Und gleich ein neues Paar Socken in Arbeit, auch wieder in klassichen Farben

Ein klassisches norwegisches Pullovermuster ist das Lausmuster... einzelne kleine Maschen in einer anderen Farbe als die Grundfarbe, meistens hell auf einem dunklen Pullover. Annemor Sundbø hat dieses Muster Lusekofta  ja beschrieben und benannt. 

Mein graudunkelblauer Socken nach der Anleitung von Drops Design wächst,  und ich habe mich einige Zeit gewundert weshalb mir die Farbkombination so vertraut ist. Und dann kam mir die Erinnerung wieder.

In den 70er Jahren gab es eine interessante Zeitschrift: "100 Ideen", wohl das erste alternative Handarbeits- und Hobbymagazin überhaupt. Zwei Jahre lang erschien die Zeitschrift in Deutschland, dann verschwand sie wieder. Ich erinnere mich, daß ich 1976 einen Pullover aus dem Heft gestrickt habe. Einen dunkelblauen Norwegerpullover mit hellgrauen "Läusen".... Das Heft habe ich noch, den Pullover nicht mehr.

100 Ideen, November 1976

Dieses Heft enthielt die Anleitungen für mehrere Folklore-Pullover, damals geometrische Jacquard-Pullover genannt,  und einer davon wurde dann auch "meiner":

100 Ideen, November 1976Der Pullover oben rechts mit dem schönen dreieckigen Mustersatz.

Ich habe mich dann durch die Anleitung gekämpft und diesen Pullover gerne getragen. Leider gibt es kein Foto davon.

In den 80ern dann ging mir dieser wunderschöne Pullover verlustig: mein Freund Jim Menesses, ein amerikanischer Schlagzeuger ging mit der seligen Band "KIXX" auf Tour in die DDR und es sollte kalt werden und er hatte keinen warmen Pulli. Also nahm er meinen mit, und irgendwo hat er ihn wohl im Liebeswahn verschenkt. Er kam auf jeden Fall ohne meinen Pullover von der Tour zurück und ich war ziemlich sauer.

Ich habe mal die Anleitung und die Bilder rausgesucht und dabei festgestellt, daß diese "100 Ideen" , welche ursprünglich aus Frankreich kam, auch dort noch eine Fan-Gemeinde hat, es gibt sogar einen Blog / ein Forum dazu, wo man alte Hefte tauschen oder kaufen kann. Und da forschte vor 2 Jahren Joëlle nach der Anleitung. Und zeigte auch ein Photo.mein Pulli auf französisch

Heute habe ich dann  mal die Seiten aus meinem uralten Heft eingescannt und daraus eine kleine Galerie gemacht.  War schon eine wunderschöne Anleitung.

Und hier die Strick-Anleitung im PDF-Format zum Herunterladen:

  100 Ideen – der Pullover

 Und noch der Link zum blog des centidealistes, und die gezeigte Seite startet gleich mit einer Photographie des schönen Pullovers.

Die französisch-sprachige Anleitung ist dann hier auch zu finden: Pull jacquard du numéro 36

VW-Bulli T1

Als ich 1976 mit meinem Freund von Ägypten bis Marokko reisen wollte, tat sich uns ein großes Hindernis auf: Herr Ghadafi, der gerade 10 Jahre an der Macht war, wollte uns kein Visum erteilen lassen, weil wir mit einem alten Ford Escort Kombi unterwegs waren und dieser Autohersteller auf der arabischen Boykott-Liste stand.

Zu unserem Glück stach ein alter VW T1 (der mit Doppelscheibe vorn und kleinem Fenster hinten) auf dem Vatertagsausflug ins Auge, den wir dann für 100,00 DM kauften und in monatelanger Arbeit komplett um- und ausbauten.

Dieser Bus war einfach toll, das Reisen mit ihm machte sehr viel Spaß.
In der Sahara hielt er sich tapfer, kletterte die steilsten Trassen im Hoggar-Gebirge hoch ohne zu murren und hielt nach meiner Zeit auch noch durch bis an die Elfenbeinküste. Heute steht er in Spanien in einer Garage und wartet auf seine dritte General-Überholung, inzwischen ein wirklicher Oldtimer, 54 Jahre alt!

Für die Jungfernreise nach Nordafrika 1976 strickte ich mir damals einen Raglanpulli, in dessen Passe ich die Namen der Länder, die wir besuchen wollten, einstrickte. Auch am Nordrand der Sahara braucht man was Warmes am Abend;=)
Herbst 1980 mit Fair Isle

Leider habe ich kein Foto von diesem Werk gefunden.
Dafür ein Photo von einer Herbstreise 1980, auf dem ich endlich mal was Selbstgestricktes zeige.

Heute nennt man das wohl "Fair Isle"-Technik.

 

Die Reisen des Bulli sind auf einer eigenen Webseite dokumentiert: Die WI-LU-Story. 
Und warum ich das so ausführlich beschreibe? Nun, bei ebay gibts grad ne Wollmütze für solch einen (nicht ganz so alten Bus):

bestrickender T3 bei ebay

 Mehr Infos zu diesem Strick-Monster:
http://www.strickbulli.de/ + ein Artikel in der Frankfurter Rundschau: Wenn Autos Wolle tragen

Strickender Parteitag

Das muß wohl der Parteitag der Grünen 1985 gewesen sein, auf der Joschka Fischer vehement für eine Beteiligung an der Regierungsverantwortung eintrat, gegen die Forderung der Fundis, aus der Opposition heraus Politik zu betreiben. Ich hab mich damals auch mit den Fundis gekappelt, warum sie denn von den Bürgern gewählt werden wollen wenn sie dann nicht für die Bürger Politik betreiben wollen.

Dieser versonnen Gesichtsausdruck beim Abwickeln des flauschigen Mohair-Garns ist schon klasse..

Verschollen …

im Februar und im März habe ich Sendungen mit Pullovern und einer Jacke an meine Freunde / Familie in Moskau geschickt, damit mein Patensohn und die anderen Lütten nicht so sehr frieren. Aber die Sendungen kamen nie an. Jetzt ist Mitte April vorbei und die Sendungen sind immer noch nicht angekommen. Mein Verdacht war: die sind geklaut. Aber jetzt weiß ich es besser:

Der internationale Internethandel ist schuld, er überfordert die russische Zollabfertigung. Etwa 500 Tonnen eingegangener internationaler Sendungen liegen zur Zeit unabgefertigt auf den Moskauer Flughafen, meldet die Zeitung Kommersant, wie Russland-Aktuell berichtet. 

Grund: Putin ließ das Abfertigungspersonal um 20% schrumpfen (alle außer der Nomenklatura müssen sparen...) und die Zahl der Sendungen aus dem Ausland ist seit 2009 von 2,3 Millionen auf 17 Millionen gestiegen. Da ist es doch kein Wunder.

Tja. Auch wenn der Winter dieses Jahr recht lange dauert, bis dieser Paketberg abgearbeitet ist und die Päckchen zugestellt werden, sind die Lütten bestimmt schon aus den Wollsachen herausgewachsen. Was ein Mist.