Wir haben einen richtigen Standardsommer, so meine ich, heiße Tage wechseln sich ab mit grauen regnerischen Tagen, bei uns im Nordosten. Alles wächst oder ist schon reif. Die Starenscharen treiben sich in Kirschbaum-Nähe herum und wie jedes Jahr werden sie wohl die unseren Baum abernten ohne uns auch nur eine Kirsche übrig zu lassen. Das kennen wir schon, der Baum steht so ungünstig hinter dem Gartenhaus dass wir ihn sowieso nicht abernten können.
Es wird wohl reichlich Quitten und Pflaumen geben, und ich hoffe daß ich nach der Rückkehr von meiner Sommerreise rechtzeitig zur Ernte zurück bin.

Ja, die Reisepläne sind "unter Dach und Fach". Zuerst steckte ich den Zeitplan ab, dann die Verabredungen, dann die Unterkünfte, jetzt muss ich mir nur noch die Bus-Tickets für einige Zwischenstrecken organisieren.

Ich freue mich so sehr auf Lettland. Die Freundinnen und Freunde wieder zu treffen, durch Rigas Gassen streifen und Ausflüge unternehmen, Vielleicht nach Dundaga zur Pace Wollfabrik, vielleicht in die Region Piebalga zu einem lokalen Workshop, vielleicht nach Alsunga?

Ja, die Suiti-Strickerinnen mit ihren tollen Farben! Da läuft mir das Wasser im Mund zusammen!
Gerade gibt es eine tolle Ausstellung im Tourismus-Büro in Alsunga: Suitu novada zeķes / Socken aus dem Bezirk Suiti. Insgesamt 87 Strumpfpaare in den traditionellen Farben und Mustern!

So wie ja letztes Jahr die Ausstellung mit den Muhu-Strümpfen im Estnischen Nationalmuseum, zeigt diese Ausstellung auch das Ergebnis eines Wettbewerbs. Und leider endet die Ausstellung schon am 17. Juli, wir kommen zu spät. Ob es einen Katalog gibt? Das weiß ich nicht. Aber es gibt einen schönen Bericht des lettischen Fernsehens über die Eröffnung und dieser Film zeigt auch viele meiner Freundinnen und Bekannten: Linda Rubena, Lia Mona Gibiete...
Linda schlug mir vor, nächstes Jahr, wenn der Wettbewerb wieder stattfinden wird, auch teilzunehmen - na, ich weiß nicht, wenn dann aber außer Konkurrenz!
Ein Paar Suiti-Strümpfe  habe ich ja schon mal gestrickt.

Hier nun das Video. Bei Facebook gibt es mit den Suchbegriffen #ekcsuiti, #suituzeķes und #latvijasnacionālaiskultūrascentrs noch mehr zu sehen.

Und sonst noch?

Ich bin zauderlich und zögerlich, schiebe Ideen und Projekte vor mir her, stricke bunte leichte Socken so vor mich hin, überlege was ich realisieren möchte und traue mich noch nicht so raus aus dem Schneckenhaus.
Es heißt ja, daß manche Leute wenn sie unentschlossen sind, abseitige Dinge unternehmen um sich von ihren eigentlichen Vorhaben abzulenken (neudeutsch: prokrastinieren), und so habe ich ein wenig meine Wollvorräte umorganisiert.
Es sind ja inzwischen viele Regalbretter voller mottendichter Boxen zusammengekommen und den Überblick behalte ich nur mit Hilfe der großen Klebe-Etiketten, die mir mein Drucker liefert.
Trotzdem war es nicht so richtig sortiert... und was ergab sich? Allein die lettische Wolle (nur die lettische) verteilt sich nun auf:

  • ein 90l-Container
  • zwei 50l-Container
  • und etliche kleinere Boxen, ich schätze nochmal 30l zusammen

Das sind wohl mehr als 200 Liter lettische Wolle! Oje oje oje!

Ich hatte mich ja vor einiger Zeit zum Kauf von 1 Kilo feuerroter Wolle bei tines.lv hinreißen lassen, davon habe ich jetzt 450g für eine Strickjacke verarbeitet, die trocknet gerade auf dem Sweaterboard. Und tines.lv hat mir schon wieder einen Gutschein. 10% Nachlaß bei weiteren Käufen, geschickt. Oh führet mich nicht in Woll-Versuchung!

Meine Neffen brachten mir vor ein paar Wochen einen großen Sack Woll-Reste und einige Stricknadeln aus dem Nachlaß ihrer Großmutter vorbei. Das Garn ist inzwischen verteilt, in Ravelry fragte gerade eine Lehrerin nach Garn für ein Klassenprojekt, anscheinend werden gerade überall Korallenriffe gehäkelt! Da kamen die vielen kleinen Knäuel gerade recht.
Dann fanden sich noch einige Schnittmuster, lustige Constanze-Strickmoden aus den Jahren um 1968 (eine Fundgrube!) und Hefte voller Handarbeitsnotizen. Damit werde ich mich wohl im Winter beschäftigen.

noch was?

Einige meiner Termine lassen sich auch tatsächlich besser im Herbst realisieren, und den geplanten Workshop mit Riina Tomberg zum Thema "Textile Traditionen - finden, verstehen und wiederbeleben" werde ich mit ihr auf der Reise konzipieren.
Wenn ich meine mittlerweile geschriebenen Anleitungen endlich fertig formatiert habe, kann ich auch einige Anleitungen veröffentlichungen und neue Projekte avisieren.

Die wunderbaren Geschenke, die ich unverdientermaßen in der letzten Zeit so reichlich bekommen habe, werden das Thema für meinen nächsten Beitrag.

Auch wenn die Veranstaltung in Latgale, im östlichen Landesteil von Lettland, den ich noch nicht kenne, abgesagt werden musste, gebe ich meine Reisepläne nicht auf.

Es wird diesmal eine andere Reise als sonst, denn die Freundinnen aus Großbritannien und den USA können nicht in die EU einreisen und auch wenn ich in die Kategorie "3G" falle (genesen oder geimpft oder getestet), so buche ich doch alle Unterkünfte und Transporte mit Storno-Option, in diesen Zeiten ist alles so unsicher. Also werde ich entweder alleine oder in einer Zweiergruppe reisen.

Ende Juli fahre ich mit Claudia aus Berlin für 5 Tage nach Riga und reise dann weiter nach Tartu, ich möchte endlich meinen Termin im Estnischen Nationalmuseum wahrnehmen, Danach treffe ich mich mit Riina und wir verbringen zusammen fast zwei  Wochen auf Saaremaa, Muhu, dann einen Tag in Haapsalu  und zum Schluss noch eine Zeit auf der Insel Vormsi, bevor ich in Tallinn in den Bus zum Flughafen Riga steige und nach Hause fliege.
Ich drücke mir selbst die Daumen! Und freue mich auf die Treffen mit den Freundinnen in Riga, Tartu und überall!

Tja, es hat nicht sollen sein. Die Stricktage "Let's Knit in Latgale" in Lettland, veranstaltet von SENA KLETS, sind nun endgültig für dieses Jahr abgesagt worden.

Es kamen nicht genug Teilnehmer zusammen, die die Einreise-Bedingungen und Corona-Beschränkungen erfüllen konnten.
Als neuer Termin wurde der 1. bis 5. August 2022 festgelegt.

Bis dahin? Schade. Ich habe mich erst mal bei herrlichem Sommerwetter an unserem schönen Peene-Fluß getröstet...

PS: das schöne Kleid ist ein Modell von Riina Tomberg!
Die Kornblumen stammen von einem Feldrain bei Quilow.

Connie Wockensolle

Im Juni am längsten Tag des Jahres wird "Mittsommer" gefeiert, ganz besonders im Norden. Je nördlicher wir kommen desto kürzer wird die Nacht.

Ich habe die wunderbaren Mittsommer-Tage und die berühmten "Weißen Nächte" schon mehrfach in Puschkin / Carskoe Selo bei Petersburg erlebt, bis 2:00 Uhr morgens ist es taghell, dann wird der Himmel nachtblau und nach kurzer Zeit ist es wieder hell.

Ich war Gast beim lettischen Mittsommer-Fest "Ligo", an dem dem Gott Janis gehuldigt wird mit Bier, Käse, Blumenkränzen, Gesängen, großen Lagerfeuern; durfte mit der Familie Grasmane und ihrem Freundeskreis mitfeiern, am Ufer der Daugava.. auch für dieses Erlebnis bin ich heute noch dankbar und denke mit Freude daran.

Dieses Jahr nun, am Mittsommer-Wochenende, öffnen in Mecklenburg-Vorpommern wieder etliche Gutshäuser ihre Häuser und Parks im Rahmen der Mittsommer-Remise.
Und die Entscheidung für eine Veranstaltung fällt schwer, es gibt ja soviele Gutshäuser hier im Lande.
Uns fällt die Wahl leicht:

WIr fahren zum Schloß Kummerow!

Denn dort wird Einiges geboten.

Mittsommer-Remise im Schloß Kummerow

13:00 Uhr: Eröffnung im Hotel Raketa

15: 00 Performance, Musik, Konzeptstricken im Hotel Raketa

17:00 ebenso

Was ist da los?
Nun, das Schloß Kummerow beherbergt eine der größten privaten Kunstsammlungen, eine großartige Sammlung künstlerischer Photografie.
In einer der beiden Remisen erwartet Sie das Hotel Raketa, eine obskure Herberge für die Geschöpfe des eigenwilligen Künstlers und Tausendsassas Uwe Schloen.
Dort wird es um 15:00 Uhr und um 17:00 eine Performance des Künstlers und Musikers Heinz-Erich Gödecke geben.
Und weil ich als Groupie mitdabei sein werde bei diesem "Fast-Familienfest" (denn Uwe gehört seit langem zum engen Freundeskreis, nicht nur hier in Deutschland, auch in Estland!) , kann es sein daß Sie mich irgendwo im Hotel Raketa antreffen, in einer skurrilen Zauberwelt, mit Wolle auf den Nadeln und im Korb!

Dauerausstellung Hotel Raketa von Uwe Schloen
Eine Kunstinstallationen aus Holz und Silikon von  Uwe Schloen: Das Hotel Raketa
Der Name bezieht sich auf ein legendäres Hotel in Prag, mittlerweile abgerissen. Dort verkehrten Leute, die wenig Geld hatten und am Rande der Gesellschaft standen. Artisten, Prostituierte, Outsider, Trinker und all die anderen Freaks, die für wenig Geld ein Dach über dem Kopf brauchten.
Hier in diesen 12 Räumen des Kunstprojektes „Hotel Raketa“ sind ca. 300 Holz -und Silikonfiguren installiert, die damit ein neues Obdach gefunden haben.

Das wird sicher ein guter Tag!

Und dann noch ein kleiner Tipp: Vor dem Haupthaus, am rechten Rand der Wiese befindet sich der Friedhof der Literarischen Gestalten!
Ein Grab allerdings ist nach Gribow umgebettet worden: das Grab der "Dame mit dem Hündchen, ihrem Liebhaber und ihrem Hündchen"°

Anfang August findet die Veranstaltung "Let's knit in Latgale" statt - das ist die Hoffnung.
Die zweite Ausgabe der von Sena KLETS veranstalteten Strick-Workshops (nach dem erfolgreichen und schon mehrfach wiederholten "Let's knit in Kurzeme" war schon für letztes Jahr geplant und wurde dann aus den bekannten Gründen abgesagt und auf dieses Jahr verschoben. Ich bin festen Willens, an dieser Veranstaltung teilzunehmen, eine für mich noch unbekannte Region des Landes an der östlichen Grenze, nahe zu Weißrußland und Rußland, kennenzulernen,
Aber ob wir nun wirklich in Latgale stricken werden? Es steht leider immer noch nicht fest.
Der Termin ist auf den 2. bis 6. August festgelegt worden und für den Fall, daß nur wenige Teilnehmerinnen kommen können oder wollen, wurde auch schon vorangefragt, ob wir bereit wären eine höhere Gebühr zu zahlen, Damit bin ich auf jeden Fall einverstanden, denn ich möchte wirklich endlich wieder lernen, stricken, lachen und Gemeinsamkeit genießen.
Die endgültige Entscheidung sollte um den 9. Juni herum fallen, aber bis jetzt habe ich noch keine Information was denn nun wird.

So ist alles in der Schwebe.
Meine Flüge habe ich gebucht, aber zur Vorsicht  mit der Option, die Flugdaten zu ändern. Und ich plane auf jeden Fall nach Estland zu fahren, ich will unbedingt ins Museum in Tartu, auch der Termin wurde ja schon einige Male verschoben, und dann zum Abschluß werde ich einige Tage mit Riina auf der Insel Vormsi verbringen.
Darauf freue ich mich sehr!

SENA KLETS bietet wieder Online-Meetings an. am 1. und am 8, Juli und das Thema ist dieses Mal "Handschuh-Bündchen-Muster aus der Region Kurzeme / Kurland".
Leiterin des Workshops ist Solvita Zarupska und die Teilnahme für einen der beiden Termine kann über die nachstehenden Formulare gebucht werden:

Für den Termin am 1. Juli um 17:00 Uhr (Rigaer Zeit - entspricht 16:00 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit) https://forms.gle/9gXhKguvzDcSr3xKA
und für den Termin am 8. Juli um 17:00 Uhr (Rigaer Zeit - auch wieder 16:00 mitteleuropäische Sommerzeit) : https://forms.gle/yRd868f8DsuEeS1CA
Die Workshops dauern jeweils um die zwei Stunden und kosten 17.00€, bezahlen kann man mit Banküberweisung oder per PayPal.

Kurzeme Workshop

Und noch eine kleine Galerie mit Handschuhen aus der Region Latgale. Zwei Frauen- und zwei Männerhandschuhe.
Das Muster der grünen Frauenhandschuhe erinnert mich immer wieder daran, daß ich das unbedingt wieder stricken muss, ist ja mein Lieblingsmuster!

Frauenhandschuh aus der Region Latgale
Frauenhandschuh aus der Region Latgale
Männerhandschuh aus der Region Latgale
Männerhandschuh aus der Region Latgale

Ich bin in der letzten Zeit so unerwartet und reich beschenkt worden, ich bekomme übermorgen meine zweite Impfung und um uns herum sprießt die Natur - die Obstbäume blühen, der Raps vergelbt die weite Landschaft und nachts singt sich in meinem Garten der Sprosser, auch pommersche Nachtigall genannt, die Seele aus dem Herzen.

Freunde haben im Nachbardorf ein altes Storchennest renoviert und nun sitzt der einsame Storch darauf; ob er noch eine Partnerin findet? Vielleicht nächstes Jahr, wenn er ihr von dem Prachtbau erzählen kann, den er nun im wahrsten Sinne des Wortes besitzt und "besteht"...

Pusteblume

Ich binde zu diesem Feiertag eine armenische Hymne hier ein, "Hripsimeants sharakan - In praise of Hripsimeh", gesungen von Anna Maillian.

Meine Gedanken kreisten viel um Armenien in der letzten Zeit, wegen des erneuten schlimmen Krieges um Berg Karabakh, aber auch wegen der wunderbaren Kultur und den vielen Menschen, die ich dort kennenlernen konnte.

Gestern kam ein kleines Päckchen an, das eine große Überraschung enthielt. Ein unerwartetes Geschenk! Und damit es richtig spannend wird, beschreibe ich die Geschichte um dieses Geschenk in meinem nächsten Beitrag.

Ich wünsche Allen ein frohes Pfingstfest!