Mecklenburger Strumpfbund

Die Pottmütze in der Herbstausgabe der Piecework

Die Pommersche Pottmütze gehört zu meine Lieblingsprojekten, denn es lag mir auf der Seele, daß es hier im Nordosten Deutschlands nur so wenig Gestricktes aus vergangener Zeit geben soll, daß keine überkommenen gestrickten Muster oder Kleidungsstücke heute noch getragen werden. Und als ich dann die Pottmütze nach den wenigen Exemplaren, die es in Museen noch gibt, nacharbeitete, startete ich damit ein kleines Revival.
Die Mütze stieß auf angeregtes Interesse, der Heimatverband Mecklenburg-Vorpommern druckte die Anleitung der Mütze aus Gager, die im Museum von Goehren aufbewahrt wird, und die Anleitung wurde auch hier von der Webseite vielfach heruntergeladen.  Die Anleitung für die Mütze aus dem Stralsunder Museum ist jetzt auch erschienen, und zwar als Begleitprojekt zu meinem Artikel über die Wiederentdeckte Mütze der Fischer von der Insel Rügen, in der amerikanischen Zeitschrift Piecework. Zu dem Artikel Pomeranian Pottmütz - A Knitted Cap from the Island of Rügen gehört auch die Strickanleitung Pottmütz:  Re-creating a Forgotten Cap.

Pommersche Pottmütz

Piecework ist eine amerikanische Zeitschrift. die seit rund 30 Jahren Artikel und dazugehörende Anleitungen über traditionelle Handarbeitstechniken aus aller Welt veröffentlicht. Es wrd über neu-entdeckte vergessene Techniken berichtet, über Erbstücke amerikanischer Einwanderer ebenso wie über die strickenden Männer vom Titicaca-See. Autorinnen wie Beth Brown-Reinsel, Riina Tomberg, Nancy Bush, Angharad Thomas (to name a few) schreiben in diesem Magazin und ich konnte eine ganze Menge lernen.

Zu meinem Glück gibt es die Ausgaben in Druck- und in PDF-Format, und vergangene Jahrgänge oder einzelne ältere Ausgaben  kann man als PDF-Dateien  herunterladen. Auf diese Weise habe ich einen großen Bestand der Hefte seit 1993 und lese immer wieder und wieder in ihnen. In den rund 30 Jahren ist eine einzigartige Enzyklopädie zusammengekommen. 
Longthread Media LLC übernahm 2019 drei Magazine (Spin Off, PieceWork, and Handwoven) von der insolventen Firma F+W Media und sicherte so zu unserem Glück deren Fortbestehen.

Ich nahm also meinen ganzen Mut zusammen und schlug die Mütze zur Veröffentlichung vor. Und bekam den Auftrag, den Artikel und die Anleitung zu schreiben. Das hat mich sehr beschäftigt und mir Freude gemacht, es gab aber auch etliche Hürden zu überwinden. Natürlich habe ich den Aufsatz ersteinmal auf deutsch verfaßt und dann ins Englische übersetzt, meine Freundin Pat hat dann "kontroll-gelesen" und es zeigte sich, daß die amerikanische Zeichensetzung sehr von unserer deutschen abweicht. Ich habe auf den Rat gehört und die Zeichensetzung den amerikanischen Lektorinnen überlassen.

 

 

Piecework Herbst 2020

Nun also ist die Herbstausgabe 2020 erschienen und mein Aufsatz hat 4 Seiten bekommen, die dazugehörende Anleitung (samt Strickschriften) dann auch noch einmal 4 Seiten. Das macht mich stolz!
Mit der Empfehlung für ein Garn ist es ja immer so eine Sache, einerseits wollte ich möglichst authentische Wolle verwenden und vorschlagen, andererseits ist die Wolle des Pommerschen Rauhwollschafes ja nicht so einfach zu finden. Deshalb habe ich die Mütze mit der lettischen Wolle aus der Wollfabrik in Limbazi gearbeitet, eine sehr natürliche rauhe Wolle mit einer großen Farbauswahl und habe Farben verwendet, die denen der Originalmütze so nahe wie möglich kommen. Ich denke, das ist gelungen.

Und ich habe schon wieder neue Ideen für weitere Artikel, dazu muss ich aber noch ein wenig forschen.

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Nun noch ein paar Details:
Die Ausgaben der Piecework kann man auf der Webseite von Longthread Media kaufen, entweder als Druck- oder als digitale Ausgabe.

Das hier vorgestellte Herbstheft ist auf dieser Seite für 9,99$ zu bestellen.

Aber viel lohnender ist ein Abonnement des Magazins, das eine ganze Menge Vorteile bietet: Der Preis ist günstig und man erhält zusätzlich noch Zugang zu allen bisherigen Ausgaben! und weiteren unveröffentlichten Artikeln.
25$ für 4 Ausgaben / Jahresabo oder 45$ für ein Zweijahres-Abo, das kann ich nur empfehlen!

Piecework Herbst 2020 Titelbild

ich WOLLte nach Berlin!

Nach der ruhigen Zeit auf dem Dorf gab ich den Lockrufen der Berliner Strickfreundinnen nach und machte mich auf den Weg nach Berlin. Treff- und Zeitpunkt zu vereinbaren war ein wenig aufwendig, aber dann klappte es. Am ersten Tag verabredeten wir uns bei Yarn Over Berlin in der Oranienburger Straße. Was taugt eine Woll-Diät, wenn schon ein Strang TukuWool-Sockenwolle (handmade in Finland - for the love of wool) alle guten Vorsätze zunichte macht? Claudia und Cornelia hatten mir kürzlich schon einige Stränge dieses finnischen Garns besorgt und auch geschenkt und das steigerte meine Begierde umso mehr.

Jetzt also noch einmal 3 Stränge davon, die wanderten in den Beute-Beutel, alle anderen wunderhübschen Garne (Frieda Fuchs zum Beispiel, in handelsüblicher Menge oder als knusprig-verlockende Klein-Stränge) blieben wo sie waren oder wurden von meinen Freundinnen aufgekauft.

Yarn Over Berlin
im Kunsthof
Oranienburger Str. 27
10117 Berlin
Öffnungszeiten: Montag, Dienstag und Samstag 11.00 bis 16.00 Uhr, Mittwoch und Freitag 12.00 bis 19.00 Uhr
Donnerstag und Sonntag geschlossen.
www.yarnoverberlin.de

Wie schön wenn man an einem der ersten heißen Junitage einen so wunderschönen Platz wie bei der Tadschikischen Teestube im Kunsthof an der Oranienburger Straße findet! Wir konnten im Schatten sitzen, herrlichen Tee genießen und unsere Beute bestaunen. Und da YarnOverBerlin ja auch im Kunsthof residiert, blieb immer noch die Möglichkeit zu weiteren Beutezügen.

wie immer: aufs Bild klicken und die Galerie-Ansicht wird geladen!

Meine zwei Berliner Neffen kamen abends dazu und ließen sich von mir zu einem Abendessen auf dem Hof verführen. Pelmeni, Plov und andere leckere russische und zentralasiatische Speisen tischen die Köche der Tadschikischen Teestube auf und dazu gibt es sehr sehr frische, fruchtige Weine oder gewürzten Tee.

Am zweiten Tag trafen wir uns nicht "in Mitte" sondern in Charlottenburg. Rund um die Kantstraße und in den Nebenstraßen gibt es viele kleine verlockende Läden, aber nicht nur; den Kultur-Hunger stillt man im im  Käthe-Kollwitz-Museum oder im Literaturhaus. In dieser Gegend fühle ich mich immer ein wenig zuhause, auch wenn ich nie in Berlin gelebt habe. Ein Wiesbadener Musiker hatte einst in der Kantstraße ein Saxophongeschäft gegründet, ob es heute noch besteht weiß ich nicht. Und am legendären Savigny-Platz steht immer noch die Tür der Kneipe "Dicke Wirtin" offen. Bei einem meiner ersten Kreta-Urlaube in den 70ern trafen wir Hagen, einen Hardcore-Alkoholiker, Stammgast der Dicken Wirtin, der erschröckliche Geschichten aus dem Kneipenalltag von sich gab und dabei zum Frühstück ein rohes Ei in das Glas Retsina rührte....

Genug der Erinnerungen. Bei diesem Besuch entdeckte ich die Saxonia-Drogerie in der Knesebeckstraße, Berlins älteste Drogerie und ließ mich von provenzalischen Düften verführen, dabei wollte ich eigentlich nur eine neue Atemschutzmaske besorgen. Und gegenüber, Ecke Knesebeck- / Goethestraße, steht das Haus, in dem Hedwig Courths-Mahler lange lebte, eine durchaus umstrittene Autorin trivialster Romane, mit deren Werken ich mich in meiner Uni-Zeit bei der Beschäftigung mit Trivialliteratur immer wieder auseinandersetzte. Aber das sind auch Erinnerungen.

In diesem Haus residiert Margit Mickinn im Wollschlößchen und residiert ist das richtige Wort. Schön bemalte Decken, bunte Kronleuchter und an den Wänden in den Regalen und auch sonst überall die herrlichsten Garne. Garne von insgesamt 17 Firmen sind im Angebot, neben vielen Garnen aus Margits scheinbar unendlichen Wollvorräten - Garne, die es heute auf dem Markt sonst nicht mehr gibt. Wer schon einmal bei ihr Wolle oder Garn gekauft hat, tut gut daran ihr die fertigen Strickstücke zu zeigen, das wird regelrecht eingefordert.
Wir gaben einen  Entzückensschrei nach dem anderen von uns, staunten über besondere Mischungen und wundervolle Färbungen, überlegten was man damit stricken könne oder ob "Allgemeine Woll-Sammelwut" als Kaufgrund durchginge...

Auch lettische Landwolle hat Margit im Angebot, von einem durchreisenden Händler angeliefert, wohl von Hobbywool aus Riga. Ich konnte mich nicht sattsehen und weiß nun genau: Dies ist mein Woll-Geschäft in Berlin! Hier will ich wieder hin!

Ich habe noch kein Wollgeschäft kennengelernt, in dem ich mich gleich so wohl fühlte, in dem so eine begeisterte Stimmung herrscht; im Gegensatz zu YarnOverBerlin, wo der Ton freundlich-distanziert ist, habe ich hier das Gefühl als sei ich schon immer hier gewesen, als hätte ich mein ganzes Strickerinnen-Leben über immer wieder hier hereingeschaut.Als hätte Margit mich mit ihren Garnen immer wieder glücklich gemacht!

Nachstehend der Beweis: Wollschlößchen macht wirklich glücklich!

 

Wollschlößchen Berlin
Wollschlößchen macht glücklich

Wollschlößchen - Ein kunterbunter Fundus -
Knesebeckstraße 12, Eingang : Goethestraße!
10623 Berlin
📞 030 / 526 73 999 |  @ : margit1a@yahoo.de

Öffnungszeiten:
Mo: optional, ab 11.00 - 14.00
Di - Fr: 11.00 - 18.30
Samstag: 12.00 - 15.00

Der Nachmittag klang im Garten des Literaturhauses an der Fasanenstraße aus.Leckere Torten, schönes Essen und spritzige Weine, und wir mittendrin - ein herrlicher Tag.

Wieder einmal beweit es sich: Stricken macht schön, gesellig und glücklich!

Bekannte Gesichter

Die lettische Zeitschrift "Praktiskie Rokdarbi" ist ein sehr spezielles Magazin. Es geht um Handarbeiten, um Stricken, Häkeln, Rüschen, Nähen. Trachten, Perlen, Kleister... die bunteste Anleitungsmischung die mir je unter die FInger gekommen ist.
Viele Anleitungen darin haben noch ein wenig sowjetischen Chic und manche Dinge sind einfach nur unvorstellbar kitschig.
Dazwischen dann finden sich Berichte über Traditionen, Trachten, es gibt Porträts von engagierten Handarbeitsmeisterinnen und kurze Berichte über Veranstaltungen. Ab und an werden auch Nähmaschinen verlost.
Ich habe diese Zetschrft digital abonniert, kann zwar immer noch kein Lettisch aber sehr oft bekomme ich doch heraus worum es in dem Artikel geht. Und Musterzeichnungen oder Schritt-für-Schritt-Foto-Anleitungen sind ja meistens recht verständlich.

Heute nun sehe ich bei Facebook die Ankündigung des neuesten Heftes (herunterladen kann ich noch nicht, der Server dort streikt gerade), und freue mich. Auf dem Titelbild ein Porträt von Ziedite Muse, der guten Seele von SENA KLETS in Riga, eine ausgewiesene Trachtenexpertin und Organisatorin. Und dann stehen auf dem Titelbild noch 2 weitere bekannte Namen: Ilze Komane und Jette Uzane. Jette Uzane war eine legendäre Handschuhstrickerin und ihre Anleitungen werden immer noch umgesetzt, bei SENA KLETS ist ihr Tagebuch erschienen.

Ilze Kopmane habe ich im letzten Jahr bei der Eröffnung ihrer Handschuh-Ausstellung kennengelernt und ihre Künste bewundert. Es gibt hier auch einen Artikel über dieses Ereignis.Nun bin ich gespannt auf den Artikel im neuen Heft, wenn der Server wieder in die Hufe gekommen ist.
Die letzte Ausgabe von "Praktiskie Rokdarbi" trug das Porträt von Dagne Kupce aus Cesis, der Leiterin des Weberstudios, auf dem Titelbild. Darüber habe ich hier auf der Wockensolle auch schon berichtet.

Wenn wir schon nicht reisen sollen/können /dürfen im Moment, ein Wiedersehen auf diese Art ist auch schön!

100 zu 1 – ein guter Tausch

Ravelry.com  eine Zaubertüte - voller Möglichkeiten. Anleitungen finden, Fragen stellen oder beantworten, Freunde finden die man dann im "real life" auch trifft, Neues erkunden, den Wollvorrat verkleinern durch Tauschen oder Verkaufen - wie gesagt, es ist eine Zaubertüte. Auch zum Speichern der eigenen Strickarbeiten samt Anmerkungen eignet sich diese Plattform ganz ausgezeichnet.

Ich stöbere gerne in den Foren wie "Ende Neu" oder"Wolle Wolle? Suchen / Tauschen / Verkaufen", wo überflüssige Wolle zum Tausch oder Kauf angeboten wird. (Und lasse mich auch oft verführen, noch ein nettes Garn zu erwerben,..) Es wird aber nicht nur Garn angeboten, auch Zeitschriften, Bücher oder fertige Handarbeitsprojekte.
Ja, und dann stolperte ich über ein Angebot, das eher nebenbei aufgeführt wurde: LisaLila bot ein Exemplar des Strickmagazins "Neue Strickmoden" aus grauer Vorzeit an.

Das Titelbild war mir auf eine merkwürdige Art vertraut. Als ob ich das Heft schon in den Händen gehalten hätte. Denn als Kind, so erinnere ich mich gut, habe ich mich oft in das Zimmer meiner Mutter verkrochen, aus der Kredenz eine Süßigkeit aus einer kleinen Dose gemopst (meine Mutter hat das angeblich nie bemerkt) und in den Handarbeits- und Frauenzeitschriften meiner Mutter geschmökert. Da gab es Constanze, Film und Welt und etliche Strickzeitschriften. Und die Strickhefte habe ich lange Jahre aufbewahrt, konnte / mochte mich nicht von ihnen trennen und gab sie erst weg, als ich fast vierzigjährig in Hamburg meine Freundin Anja traf, die Modedesign studiert hatte und auch etliche Strickpullover entworfen hatte (das war die Zeit der Bilderpullover). Zu der Zeit strickte ich nicht, ich musste mir ein neues Berufsfeld erarbeiten und eine neue Existenz schaffen, nachdem ich in Wiesbaden so wunderbar-alternativ mit meinem Café Morgenröte gescheitert war.
Ich las zu der Zeit Computerzeitschriften wie die PC WELT und hatte so gar kein Interesse für Anderes.

Ja, und als ich dann später, vor so 10 Jahren, wieder zu Nadel und Garn zurückfand, vermißte ich diese Zeitschriften. Denn viele Abbildungen sind mir immer noch vor Augen, vor allem die Wintermode aus einer Constanze. Und so kaufte ich bei ebay oder woanders alte Hefte wieder auf, auch die Weihnachts-Sonderausgaben der Brigitte, die in meiner Schulzeit so en vogue waren. Ariadnes Faden hat mich ein Stück zurück in meine Vergangenheit gebracht.

Nun also die Neue Strickmoden.

Es war klar, daß dieses Heft aus den 50ern des vergangenen Jahrhunderts stammte, aber aus welchem Jahr, das wußte LisaLila auch nicht. Ich tauschte das Heft gegen eine schöne Anleitung aus dem Ravelry-Anleitungsfundus und stöberte dann durch das Heft.

Kannte ich es wirklich?
War etwas daraus für mich gestrickt worden?

Ich habe keine konkrete Erinnerung an dieses Heft, stellte ich fest, aber an eine Anleitung aus diesem Heft. Meine Großmutter hatte den Pullover auf der Seite 12 gestrickt, aber nicht für mich sondern für meinen Bruder.

Es ist also wahrscheinlich, daß ich dieses Heft doch irgendwann einmal gesehen hatte, entweder zuhause oder bei meiner Großmutter.

Aber aus welchem Jahr stammt diese Ausgabe? Nirgends ist eine Datumsangabe zu finden, nur der Ladenpreis ist aufgedruckt. Aber damit läßt sich das Alter gut eingrenzen.

Das Heft wurde, wie auf dem Eindruck ersichtlich (s. links) in Deutschland,Österreich, dem Saargebiet und Frankreich verkauft. Für Österreich ist der Preis ausradiert, vielleicht war das Heft ja ein Geschenk.
Aber warum "Saar u. Frankreich" ? Warum wurde das Heft im Saargebiet für französische Francs angeboten?

Neue Strickmoden behaglich warm
Preisauszeichnung

Die Wikipedia weiß wie immer Rat:

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Saarland Teil der französischen Besatzungszone. Frankreich gliederte es daraus aus und entzog es der Zuständigkeit des Alliierten Kontrollrates. Eine eigene Saarregierung und die Annahme einer saarländischen Verfassung am 8. November 1947 sollten ein formell selbständiges (autonomes) Staatsgebilde schaffen, das von den Saarländern als Saarstaat bezeichnet wurde. Nach einer weiteren Volksabstimmung im Jahr 1955 trat das Saarland jedoch 1957 der Bundesrepublik politisch bei („kleine Wiedervereinigung“). Der wirtschaftliche Anschluss durch Übernahme der D-Mark (im Volksmund „Tag X“) ...erfolgte am 6. Juli 1959  

Wäre dieses Heft nicht mit "Saar u. Frankreich" ausgepreist, wäre es jünger als 1959. Es muß also älter sein.
Wieder die Wikipedia:

Nach dem Zweiten Weltkrieg gehörte das Saarland zunächst zur Französischen Besatzungszone, bevor es im Januar 1946 aus dem Zuständigkeitsbereich des Alliierten Kontrollrates herausgelöst wurde. Im Jahr 1947 wurden eine eigene Verfassung und eine eigene Staatsbürgerschaft geschaffen. Das Saarland erhielt am 16. Juni 1947 aus währungspolitischen Gründen kurzzeitig eine eigene Währung, die Saar-Mark. Sie wurde am 20. November 1947 durch den französischen Franc ersetzt. Es wurden auch eigene Münzen mit deutscher Aufschrift und saarlandbezogenen Motiven geprägt, die aber auf französische Franken lauteten (siehe Abbildung). Erneut hatten die Saarländer über ein Jahrzehnt lang eine Sonderstellung inne. Diesmal nahmen sie auch mit eigenen Mannschaften an den Olympischen Sommerspielen 1952 sowie an der Qualifikation zur Fußball-WM 1954 teil.

Der Preis ist mit 60 Franc angegeben, für das Saargebiet und Frankreich gemeinsam. Also muss das Heft aus der Zeit zwischen dem 20.November 1947 und der kleinen Wiedervereinigung am 1.Januar 1957 stammen,

Kommt das hin? Mit der zeitlichen Einordnung sicherlich, aber der Jungspullover ist für 12jährige Jungen deklariert und das kommt dann doch nicht hin.Im Januar 1957 war mein Bruder noch keine 6 Jahre alt.
Meine Großmutter war aber sehr geschickt, konnte schneidern, Schnitte ändern und so hat sie vielleicht diese Anleitung als Anregung genommen.

Denn wie gesagt, an den Pullover mit diesem Muster kann ich mich gut erinnern. Vielleicht aber wurde der Pulli viel später nach dieser Anleitung gestrickt, denn man warf ja nichts weg, diese Strickhefte wurden jahrelang aufgehoben.

Creme Mouson

Mit Creme Mouson ist Hausarbeit sehr schnell vergessen und In welchem gefalle ich "ihm" am besten? Die Frauenzeitschriften jener Zeit waren doch recht rollen-traditionell ausgerichtet und das fällt mir immer wieder ins Auge. 
Aber darf ich darüber schimpfen, mich mokieren? Diese Texte zeugen von dem Wunsch nach der Rückkehr zu einer gefühlten Normalität nach den WIrren und Schrecken der vergangenen Kriegs-Jahrzehnte, aber auch von dem Wunsch die vielleicht durch die Ereignisse dieser Jahre zu selbständig gewordenen Frauen wieder ans Haus und die Familie zu binden.
Sind wir denn heute schon weiter? NEIN. Frauen verdienen immer noch weniger, erhalten eine beschämend niedrige Rente, schneiden in Mecklenburg-Vorpommern keine roten Bänder durch oder stechen symbolisch mit dem Spaten bei der Eröffnung von Schwimmbadbaustellen, und und und. Die Privilegien stehen immer noch den Schlipsträgern zu, da hat sich nicht sehr viel geändert. Wir sind nicht viel weitergekommen, aber in manchem primitiver als damals, jedenfalls wenn ich an den peinlichen Aufmacher auf der Brigitte-Webseite denke, über den ich hier auf der Wockensolle schon geschimpft habe.

Es ist doch immer wieder spannend, welche Themen sich auftun (oder aufdrängen), wenn man einem Gedankengang nachgeht...

Wenn Sie das hier lesen,

liebe Sibylle H, dann melden Sie sich doch bitte noch einmal bei mir.

Sie hatten um Tipps zum Woll-Einkauf in Marokko gebeten und ich habe Ihnen ausführlich an Ihre Mail-Adresse geantwortet.
Diese Antwort kam als unzustellbar zurück.
Dann habe ich versucht, Sie in FB zu finden und habe dort auch eine Nachricht hinterlassen, keine Reaktion,

Wenn Sie also noch an den Tipps interessiert sind, melden Sie sich bitte und teilen mir Ihre korrekte, funktionierende eMail-Adresse mit, z.B. per Kontaktformular.
Dann schick ich die Antwort noch einmal los.

Tristan da Cunha – hier wird gestrickt und geliebt

Die Stricktradition fremder Länder und Regionen interessieren mich ja nun sehr, da verrate ich kein Geheimnis. Und mein Interesse an dieser Insel wurde ja durch einen Hinweis in einer Strickzeitschrift geweckt.
Seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts, seit 1817,  siedeln Menschen auf dieser Insel dauerhaft, und das karge Land eignet sich für Schafzucht und Kartoffelanbau. Und bei dem Klima ist es ja kein Wunder, daß das Schafs-Vlies auch genutzt wird.
Und daß sich dabei spezielle Muster und Techniken durchsetzen.
Ich erwartete, wenn ich an das rauhe Klima und die langen Wintermonate denke, daß es, ähnlich wie im Baltikum, ausgefeilte Muster gäbe. Aber dem ist nicht so.
Handfest ist angesagt.

Creative Knitting Spring 2017

Auf der offiziellen Webseite der Insel findet man dazu Informationen und man kann auch gleich online bestellen, falls man nicht sowieso demnächst dort vorbeikommt.

Im Angebot sind

TdC - WolleMein Favorit ist das Garn, das in wunderschönen Naturtönen angeboten wird.

Tristan Island Wool Skeins
Sheared, carded and spun by Islanders From Tristan sheep
and available for you to make your own knitted garments.
Skeins are in units of 220 gms (290 gm with packing)

Ich habe mich schon verguckt und am liebsten würde ich sofort bestellen. Auch wenn ich gerade dabei bin meine Wollvorräte zu dezimieren / abzuarbeiten, lauert die Verführung doch überall ..

27 £ für einen Strang erscheint erstmal viel Geld, aber jeder Strang wiegt 220g, 100g kosten also umgerechnet 15€ (inclusive Versand), und das ist für solch ein weitgereistes Garn doch ein guter Preis.  Ein weiterer Vorteil: aufgrund der sicherlich langen Lieferzeit muss ich dann ja auch nicht sofort damit etwas stricken - das hat sicherlich Zeit bis in den Herbst!

Die Strickwaren finde ich nicht unbedingt attraktiv. Da gibt es Herrenpullover (Ganseys), Socken, ärmellose Pullunder, Schals, Jacken, Handschuhe, Mützen -  alles recht standard-british Knitwear.
Aber: diese Stücke werden auf Bestellung gefertigt, der Käufer wählt die Farben, gibt die Maße an und kann noch weitere Extrawünsche äußern, und alles zu einem sehr fairen Preis.

Das Besondere aber: Tristan da Cunha hat ein eigenes Label für Strickwaren, 37 Degrees South Knitwear from Tristan. und 51 Damen stricken dabei.
Dawn Repetto hat das Projekt organisiert. Jeweils ein Etikett für auf der Insel erstandene Strickwaren und ein Etikett für online-bestellte Waren gibt es, auf die Idee muss man erstmal kommen.
Und jeder Bestellung wird ein Zertifikat beigelegt, das die Echtheit des Produktes bezeugt.

Ich bin ja angetan von den "LoveSocks", die als Spezialität der Insel Tristan da Cunha vermarktet werden, als Socken, Schlüsselanhänger, Handytasche und was einem sonst noch so einfällt wenn man nach Marketing-Ideen sucht.

Diese Socken werden mit importierter bunter Wolle gestrickt, auf Bestellung und nach Angabe der Maße und Wünsche, ein Ursprungszertifikat ist auch wieder bei jedem Paar dabei und eine Information, was es mit den Streifen auf sich hat.

Ich habe einen Sampler mit allen Varianten gestrickt um das zu verdeutlichen.

Tristan da Cunha - Lovesockstreifen
Lovesocks

Ich habe mich in der letzten Woche mal mit den Streifen und deren geheimer Bedeutung beschäftigt. Auf der Webseite wird die Anordnung der Streifen ja folgendermaßen beschrieben:

Fondness Zuneigung 2 breite Streifen
Loyalty Treue 2 breite und 2 schmale Streifen
Friends Forever
Immerwährende Freundschaft 2 breite und 3 schmale Streifen
Great Affection
Starke Zuneigung 2 breite und 4 schmale Streifen
Head over Heels in Love HalsüberKopf verliebt 2 breite und 5 schmale Streifen
Will you be Mine? Willst Du Mein sein? 2 breite und 6 schmale Streifen

Ja, was hat es nun damit auf sich?
Daß in manchen Stricksachen geheime Botschaften (nicht nur Wünsche) eingestrickt werden oder wurden, das ist ja oft erwähntes Thema.
So erzählt Charles Dickens in seiner Erzählung Eine Geschichte von zwei Städten von den französischen Tricoteuses, Frauen, welche den Hinrichtungen der französischen Revolution beiwohnten und angeblich Denunziationen in ihre Muster strickten, wie, das erklärt der Herr Dickens nicht. Und Agatha Christie übernimmt den Plot in ihrem Krimi Sie kamen bis Bagdad und läßt ihre Protagonistin geheime Botschaften in ihren Schal stricken. Wie, das erklärt auch sie nicht. Das soll ja geheim bleiben..

Aber solchen geheimen Botschaften ist gemeinsam, daß nur, ausschließlich Sender und Empfänger die Botschaft wahrnehmen und ihre Bedeutung entziffern können. Bei den LoveSocks hier aber wird die Bedeutung des Streifencodes ja ausdrücklich aufgelistet, damit man nur ja die richtige Variante wählt und nicht aus Versehen einen Heiratsantrag verschenkt hat. Wie das?

Die LoveSocks-Strickerinnen und die Love-Socks-Empfänger kennen also die Botschaft? Was ist denn dann geheim?

Auf der Seite über die Geschichte dieser Socken findet sich eine Erklärung dafür:

In the old days the community of Tristan was rather shy and so were people of few words. Love and affection was often shown by gestures and one particular gesture was the knitting of socks, which held a special significance.

Man sprach also nicht über Gefühle, sondern verständigte sich über Gesten und Rituale. Eine Verlobung z.B. ging so vonstatten und da kommen die Socken ins Spiel:

  1. der heiratswillige junge Mann besucht die Familie seiner Auserwählten, bringt ein kleines Geschenk mit und sitzt mit den Eltern in der Küche Der Vater ahnt also daß eine seiner Töchter (so er denn mehrere unverheiratete hat), diesem jungen Mann besonders gefällt.
  2. die Auserwählte erscheint und überreicht dem Freier ein Paar Socken.
  3. der junge Mann weiß nun, was die junge Frau von ihm hält, wie sehr sie ihn mag.
  4. wenn er nun mit der Sockenbotschaft einverstanden ist und weiter um die Erwählte werben möchte, schustert er ein Paar Mokassins für sie
  5. Danach bietet die junge Frau an, ihm in Zukunft die Wäsche zu waschen und damit steht der Verlobung nichts mehr im Wege.

Das Alles erscheint mir recht bodenständig, aber Brautwerbung ist ja in vielen Gesellschaften stark ritualisiert und kommt sehr oft ohne Worte aus.
Es sind also keine geheimen Botschaften, die da camoufliert gestrickt werden. Es ist einfach eine Sache der Schüchternheit.

Und einen Vorteil hat die Anordnung der Streifen: Zwei breite Streifen werden für jede Variante gestrickt. Und wenn ein Mädchen sich gar zu sehr wünscht endlich zu heiraten, wird sie Paare mit etlichen schmalen Streifen stricken, entwickelt sich aber während des Strickens eine zarte Zuneigung, kann sie ja immer noch einen Streifen mehr stricken...

Die heimische Wolle wird nicht gefärbt, also brauchte man für die Streifen importierte Wolle. Und so hatte jede Familie mit heiratsfähigen Töchtern immer einen Vorrat bunten Garns im Stash, um auf alles vorbereitet zu sein.
Es gab Zeiten, in denen jahrelang keine Schiffe vorbeikamen, aber die Kinder auf der Insel wuchsen trotzdem zu jungen Leuten heran, da ist es besser, wenn alle Farben vorrätig sind und jede Variante des Einverständnisses gestrickt werden kann. 

Also?

Wer mit einer Brautwerbung rechnet, sollte entweder solche Socken stricken oder sich einen Vorrat im Online-Store von Tristan de Cunha bestellen!