Ich habs in den Fingern – déjà tricoté

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Bei Klintawolle.de gibt es ein neues Garn im Sortiment: 4/1 Fingering in schönen Farben. Das Garn ist einfädig und wie die baltischen Garne so sind, rauh und farbenfroh. Nach dem Waschen aber weich und farbenfroh.

Natürlich habe ich mir einige Knäuel zum Ausprobieren bestellt (Garndiäten sind dazu da daß man sie bricht!) und gleich angestrickt.
Und weil Jana Klinta gerade eine neue Mützenanleitung veröffentlicht hat, habe ich diese Mütze gestrickt.

Und schon nach dem Anschlag hatte ich ein déjà tricoté - Erlebnis: das Garn kenne ich, das habe ich schon verstrickt!
Und tatsächlich: Jana bestätigte mir daß ich recht gefühlt hatte: das Garn kenne ich, es stammt von Klippan-Saule.

Bei meinem ersten Aufenthalt in Riga, nach dem ersten Besuch bei SENA KLETS bin ich ja zum Fabrikladen der Klippan-Saule-Fabrik gefahren und habe mir einen gehörigen Vorrat Wolle zugelegt, alle Stränge / Knäuel / Wollwürste ohne Etikett, aber 100% Schafwolle und 4/1-Qualität. Und ich habe auch schon einige Tücher, Schals etc. damit gestrickt.

Ich bin ein bißchen stolz auf mich, daß ich inzwischen Garn beim Stricken erkennen kann...

wie immer: für eine größere Darstellung auf ein Bild klicken!

Frohe Ostern! Priecīgas Lieldienas! Happy Easter! Joyeuses Pâques! С Пасхой! Head lihavõtted!

Der Fluch von Ruhnu

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oder auf strickerisch: The Ruhnu Curse..

Es scheint nicht nur den Sweater-Curse zu geben (frau soll ihrem Boyfriend keinen Pullover vor der Verlobung stricken), sondern auch einen Ruhnu-Fluch. Anders kann ich mir nicht erklären warum es uns nicht gelingen will einige Tage auf dieser kleinen estnischen Insel zu verbringen.

Ruhnu ist eine kleine Insel, weitab vom estnischen Festland, und nur mit einer kleinen Fähre von Pärnu aus erreichbar. Jedes Jahr am 1. April, wenn die Sommer-Fähr-Fahrpläne online gehen, zucken viele Finger um nur ja rechtzeitig einen Platz auf der Fähre zu ergattern.
Tja, letztes Jahr hatte ich die Tickets für unsere Gruppe ergattert, und dann kam die Hiobsbotschaft: bereits am 2. Tag des Sommerfahrplans hatte das Boot einen Motorschaden und konnte nicht mehr repariert, geschweige denn durch eine andere Fähre ersetzt werden. Wir bekamen unser Geld zurück und die Ferienhausvermieter machten natürlich lange Gesichter.. die ganze Sommersaison, ihr Hauptgeschäft, war futsch...

Dieses Jahr dann ein neuer Versuch. Der Reiseplan stand und wir haben wieder das schöne Ferienhaus buchen können; nach dem Craft Camp in Viljandi sollte es nach einer Übernachtung in Pärnu auf die Insel gehen. Pat und ich hatten abgesprochen, daß ich die Plätze buche, ansonsten hätte Pat mitten in der Nacht aufstehen müssen, Colorado liegt in einer anderen Zeitzone.

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Unsere Wirtin hatte gestern noch eine Mail mit dem Hinweis, daß am 1. April der Fahrplan online geht und wir unbedingt buchen sollten, geschickt. Bis dahin alles ok. Und dann kam die diesjährige Hiobsbotschaft: Das Haus steht nicht zur Verfügung, eine Doppelbuchung... und die andere Gruppe hat ältere Rechte, denn sie hatte schon im Januar gebucht.

Dann finde mal eine Unterkunft für 4 Personen in der Hauptsaison und einige dich mit allen Mitreisenden. Nun scheint es, wenn wir Glück haben, wieder nach Kihnu zu gehen, in die ehemalige Fischräucherei in Lemsi... Ich bitte die Daumen zu drücken!

Auli und Joiking – Norwegen und Lettland – Musik verbindet

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WInterende und Musik von Auli - das gehört für mich zusammen seit ich das wunderbare Metens-Video gesehen und hier auf der Wockensolle auch geteilt habe - jetzt gibt es ein neues Video.
Es entstand im Rahmen des Projektes "Voices of the Ancestors", eine Zusammenarbeit mit Musikern aus aller Welt.
Ich habe, gerade bei unseren Reisen durch Rußland, Tuva und Armenien viele wunderbare Musiker kennengelernt und die Kraft ihrer Musik erfahren dürfen, aber das norwegische Joiking kannte ich bis nur vom Festival Nordischer Klang in Greifswald.

Hier nun also mein heutiges Sonntagsvideo - lettische Dudelsäcke und Trommeln, norwegische Stimmen und das Nordlicht, ein Geschenk Gottes.

Wollgaster Wolltage – Wolle Kraft voraus!

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Drei viel zu kurze Tage in Wollgast - von Sonntagmittag bis Mittwochmittag, sechs wunderbare Frauen, ein großzügiger liebenswerter Gastgeber, tolle Betreuung und eine prima ganz spezielle  Unterkunft - das waren die Wollgaster WollTage - keine Rede mehr von WollTrotz!

Das Postel in Wollgast bot uns, umsorgt von Columba postalia, der Posttaube, viel Raum zum Stricken, Plauschen, für Freudentänze und Diskussionen. Und so wuchs in dieser Zeit eine tolle Gruppe zusammen. Petra, meine älteste und beste Freundin, Claudia, eine fröhliche Reisebegleiterin im Baltikum, Cornelia die mir das Steeken wenn nicht beibrachte so doch zeigte, Mechthild aus dem preussischen Vorpommern, eine begeisterte Sockenstrickerin, und Sabine, die ich vorher noch gar nicht kannte, und mit der ich viel gemeinsam habe... wir kommen noch öfter zusammen, das steht fest.

Dienstag war Ausflugstag, der bemerkenswerte Martin (Originalton Cornelia) hatte den Bus beschildert: "Wollgaster Wolltage - WolleKraftVoraus" und so ging es auf die Insel.
Der schöne Laden Spindönz in Usedom auf Usedom: ein großes Sortiment feiner Garne, viel Zubehör zum Weben und Spinnen, Leinen aus Litauen, verführerisch.

Im Restaurant Neptun in Świnoujście / Swinemünde wurden wir lecker bewirtet und auf der Seebrücke in Zinnowitz pustete uns der Seewind ordentlich durch.

Und zum Schluß ein Abstecher in das Café Biedenweg - besser kann es nicht sein!

wie immer: für eine größere Darstellung auf ein Bild klicken!

Ich bin glücklich und bedanke mich bei Petra, Claudia, Cornelia, Mechthild und Sabine für ihre Gesellschaft, Freundschaft und für die Nachsicht mit mir - ich hatte zwar zum Stricktreff eingeladen, aber selbst nur wenig gestrickt und das dann auch wieder aufgeribbelt.

Wolltrotz in Wollgast

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WollTrotz - das ist ein Begriff der mir einfiel als ich die für den März geplante WollWoche in Wollgast absagen musste, aber irgendetwas passieren sollte damit die liebe Seele Ruh hat.

Nun, die WollWoche in Wollgast ist nicht ad acta gelegt, ich werde mich weiter um eine mögliche Förderung kümmern und zwar ganz intensiv nach den WollTrotz-Tagen, die heute beginnen. Ich habe auch positive Signale bekommen, die WollWoche wird zu stellen sein, aber eben erst im Herbst 2019 und nicht jetzt im März. Und ich werde auch bald ein "Save the Date" - veröffentlichen können.

Aber was ist WollTrotz? Das Postel in Wolgast war ja für die Woche vom 13. März an reserviert, und nun gar nichts? Nicht nur ein emotionaler, auch ein finanzieller Verlust, und dann hatte ich eine Idee: Wenn schon nicht die Taube auf dem Dach, so doch den (Woll-)Spatz in der Hand und lud kurzerhand Freundinnen ein, mit mir einige Tage im Postel zu verbringen.

Wir werden stricken, Filme schauen, Freundschaften auffrischen, einen Ausflug über die Insel Usedom nach Swinemünde unternehmen, einfach gut leben. Und heute mittag fängt der WollTrotz an!

Da aber heute Sonntag ist und ich ja auch des öfteren am Sonntag hier ein Video einbinde, kommt heute ein ganz besonderes Schmankerl:

Ein Stummfilm aus den 30er Jahren, Wie der Flax mit einem Spinnrad gesponnen wird..

aufgenommen wurde der Film in der hessischen Schwalm, einer Gegend in der die heimischen Trachten noch lange getragen wurde. Als Haartracht ein Dutt, kleine Käppchen auf dem Kopf und kurze aber weit abstehende Röcke ...  eine ganz spezielle Tracht, die heute noch getragen wird.

Das Bild rechts. Schwälmer Bäuerin im Festkleid,  stammt von Paul Scheffer, der 1916 starb.

PS: Der Hinweis auf den Film stammt aus dem "Historic Knitting"-Forum bei Ravelry.com

Vom Hölzche aufs Stöckche

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Vom Hölzche aufs Stöckche - das ist hessisch, mein Heimatdialekt, den ich rudimentär noch beherrsche, und dieses Bild beschreibt mein Themenstromern - früher nannte man das Surfen im Internet.

Ich möchte einen strickenden Mann vorstellen, den ich bei Ravelry kennengelernt habe: Franz-Josef Klar, bei Ravelry ist er der User "verdreht"

Wir waren ins Gespräch gekommen, weil er in einem Forum einen Beitrag von mir las, und dann wurde es immer interessanter. Er arbeitet beim holländischen Textile Research Center mit und hat am Projekt "Zijden Kousen von Texel - Silk Stockings from Texel" teilgenommen. Der Link zu diesem Projekt im Menü der Webseite ist falsch, aber findige User finden den Inhalt trotzdem ;=)

 

 

Diese Seidenstrümpfe aus dem 17. Jahrhundert waren in einem Schiffswrack vor der niederländischen Insel Texel gefunden worden, in einem excellenten Zustand. Und nun werden diese Strümpfe von freiwilligen Strickern, na meistens Strickerinnen aber eben auch der Stricker Franz-Josef Klar, rekonstruiert. Mit 1mm-Nadeln und dünnem Seidenfaden - Respekt!

Links mit Infos zum Texel-Seidenstrumpf-Projekt:

Man braucht nur "Texel silkstockings shipwreck" in einer Suchmaschine eingeben und findet jede Menge Infos

Ich wollte ja gar nicht so sehr auf dieses Strickprojekt eingehen, aber es wird immer interessanter.
Es gibt sogar Garn, speziell für diese Seidenstrümpfe, in 3 Varianten:

  • TRC Texel Silk Sock dun niet ontgomde zijde von Bart & Francis, 1200m / 100g, also ein 12/1 Garn
  • TRC Texel Silk Sock dik niet ontgomde zijde
  • und auch noch TRC Texel Silk Sock 225 den   (1 denier = 1 g / 9000m)

Aber der Link zu Franz-Josef Klars Projekt darf nicht fehlen, und er hat das Projekt wie so viele seiner Arbeiten mit einem perfektiven Aspekt benamst: vertexelt ...

 

Ein Presseartikel über Franz-Josef Klar ist online, da geht es um das Texel-Socken-Projekt:  Textilgeschichte: Frankfurter strickt für niederländisches Forschungsprojekt.

Franz-Josef Klar strickt gerne Socken. Und als Vorbild für die Socken nimmt er sich Bilder strickender Männer. Das ist mal ein Konzept!  Da gibt es e=mc²-Socken, Weihnachtsmann-Socken, einen jütländischen Hirten oder Dagobert Duck und viele andere Herren, alle ihnen gewidmeten Socken nach seiner freien Anleitung ver50ckt gestrickt.

Rechts ein Screenshot seiner Ravelry-Projekte...

Tja, er wohnt in Frankfurt, und es ist gerade Fassenacht (neuhochdeutsch: Karneval), die tollen Tage (Weiberfastnacht bis Aschermittwoch) schlagen Wellen.

Ich selbst war Fassenachterin in meiner Jugend, und 1982 organisierte ich die erste Alternative Fassenacht in Wiesbaden mit: Lalü - Mer lasse Euch net hänge...
Infos darüber findet man heute noch online, damals hat sogar der SPIEGEL über die Repressalien der Stadtverwaltung berichtet. Und Radioberichte gabe es auch. Irgendwo wird unser Fastnachtszug (300 Teilnehmer - 80.000 Zuschauer, und das mit gerade mal 50kg Bonbons...) sogar als legendär bezeichnet... auf die Titelseite der TAZ haben wir es damals auch geschafft, allerdings mit einer Karikatur, die die Vorurteile gegen uns nur so anheizte: ein mit Pflastersteinen jonglierenden Narr ...

Aus einem Pressebericht:
Unter dem Titel „Notkomitee Wiesbadener Narren“ organisierten sich linke Alternative wie die „Wiesbadener Liste“ mit deren Protagonisten, dem späteren SPD-Kulturstadtrat Wolfgang Herber, um die Lücke zu schließen. „Locker, alternativ – lustvoll übermütig“, abgekürzt „Lalü“, sollte der Zug werden. „Kreativ statt öde und blöde“, hieß ein Slogan der „Spaß-Guerilla“. Mit „Geheul und bissiger Satire, aber ohne Polizeikapellen, US-Army und Reklamegaukler“ wurde ein „radikaldemokratisches Volksfest von unten gegen oben“ initiiert.

Das ist meine Verbindung zur Fassenacht, als aktive Närrin im Notkomitee. Gefeiert habe ich aber schon vorher heftig, einmal ging ich samt Freund für 6 Tage verlustig, wir feierten von Weiberfastnacht bis Aschermittwoch - und wurden ziemlich erschöpft dann wieder im legendären "Old Roczek" gesichtet (Wiesbadener wissen welches Etablissement gemeint ist).

Und was ist jetzt das Stöckche? Dieser Beitrag heißt ja "Vom Hölzche aufs Stöckche" und als "Hölzche" tuns die Seidensocken.

Das Stöckche sind dann rotweißen Strickstrümpfe, Wahrzeichen der Kölner "Roten Funken Garde". Fast alle rheinischen Karnevalsgruppierungen haben einen militärischen oder freiheitlich-militärischen Hintergrund aus der napoleonischen Zeit, sonst wären es ja keine Garden.
Die Roten Funken Gardisten sind da keine Ausnahme, aber sie hatten nicht den besten Ruf:

Die abgezehrten, meist alten, müden und leicht bedusselten Komißköppe wurden herumgeschubst und verspottet. Ihre Dummheit war sprichwörtlich, und ihr armseliges Duldertum äußerte sich im Strümpfestricken, während das Gewehr traurig an der Wand lehnte.

Stricken war also nicht sehr angesehen. Heute ist das anders:

Die armen Gardisten von damals haben eine eigene Webseite, Streckstrump Alaaf! und Franz-Josef Klar würdigt die damaligen armen Stadtsoldaten, die heutigen Jecken: er hat ihnen einen Strumpf gewidmet! Bei Ravelry zu finden. Schön rot und weiß gestreift.

Und ich widme ihm jetzt ein Bild für sein Sockenbildprojekt, hat aber noch ein wenig Zeit bis zur Fertigstellung:

Ein strickender Weihnachtsmann von der estnischen Insel Muhu!