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Ich (geboren 1952) gehöre der ersten Generation Frauen in Deutschland an, die ihr eigenes Leben selbst bestimmen konnte. Zugang zu Bildung, Arbeiten ohne Erlaubnis des Ehemannes, eigenes Geld, Vertragsfreiheit, Verfügung über den eigenen Körper (Mein Bauch gehört mir), das war alles erst meiner Generation vollumfänglich möglich. Ich mußte auf ein Mädchengymnasium gehen und litt dort unter der Oberflächlichkeit und dem freiwilligen Verzicht auf eigenes Denken und eigene Meinung vieler meiner Mitschülerinnen. Gleichzeitig schärfte es meinen Willen zu einem eigenständigen Leben.

Teach Them To Think!

By Mary Wollstonecraft (1759-1797) [Public domain], via Wikimedia Commons

Mary Wollstonecraft: A Vindication of the Rights of Women

Zum heutigen Internationalen Frautentag möchte ich an Mary Wollstonecraft erinnern, die englische Schriftstellerin, Pädagogin und Feministin, 1759 bis 1797.  Ihr Hauptwerk von 1790, "Verteidigung der Rechte der Frauen", auf englisch A Vindication of the Rights of Woman, wird zu den 12 wichtigsten Büchern der Welt gerechnet.

Darin heißt es: „Man mache die Frauen zu vernünftigen, freien Bürgerinnen. Sie werden dann auch gute Frauen und Mütter werden – vorausgesetzt, dass die Männer nicht nur ihre Pflichten als Gatten und Väter vernachlässigen." Dieses Werk erschien 1796 auch in Frankreich, Deutschland, Italien und in den USA. Sie fordert Selbständigkeit, auch in ökonomischer Hinsicht, Selbsttätigkeit, Lebenstüchtigkeit, Handlungsorientierung im Unterricht und ein öffentliches Schulwesen für alle.
Und das war es, was mich umtrieb und immer noch umtreibt, hier, in diesem Buch  fand ich es damals zum ersten Male formuliert. Sie war die erste Frauenrechtlerin, die aussprach, was ich wenn auch nicht so klar formuliert, suchte, was mir fehlte.

Von Kindesbeinen an gelehrt, dass die Schönheit das Zepter einer Frau ist, formt sich der Geist dem Körper entsprechend, bewegt sich in seinem goldenen Käfig und will nur sein Gefängnis schmücken.

Aus diesem Käfig muß die Frau befreit werden. Frauen und Männer sind gleichermaßen befähigt mit Vernunft und Intelligenz. Das weibliche Gehirn sei nicht befähigt zu anspruchsvollem Denken, hieß es damals und sie erklärte das mit der schlechten Bildung der Frauen. Bildung wurde den Frauen verweigert, triviale Betätigung wie Nadelarbeiten, Malerei und Dekoration seien die Bildungsziele statt der Ausbildung des Geistes und des Verstandes. (From the same source flows an opinion that young girls ought to dedicate great part of their time to needle-work; yet, this employment contracts their faculties more than any other that could have been chosen for them, by confining their thoughts to their persons.)

Feminismus bedeutet Menschwerdung der Frau.

von Kristina Köhler (Bundestagsbüro Kristina Köhler) [CC-BY-2.0-de (http://creativecommons.org/licenses/by/2.0/de/deed.en)], via Wikimedia Commons

Kristina Schröder, kindliche Bundesfamilienministerin

Hat sich viel verbessert? Haben wir die Gleichberechtigung und Selbständigkeit erreicht? Ich meine ja. Aber es wird daran gearbeitet, dies alles wieder zurückzudrehen.  Frauen sind immer noch Verfügungsmasse, das Ziel der Familienpolitik in unserem Lande ist, die Frauen zurückzudrängen, die Kinder von Bildung fernzuhalten, alte Rollen zu zementieren. Das Ganze dann verpackt als moderner Feminismus. Die kindliche Familienministerin Kristina Schröder sieht in Feminismus nur Geschlechterkampf und Männerdiskriminierung, aber nicht den Kampf um Gleichberechtigung, Partizipation, Freiheit der Sexualität. Frauen wie mich diskriminiert sie als Altfeministinnen, und bedient dabei die gleichen Vorurteile, mit denen Frauen schon immer mundtot gemacht wurden.

Wer mehr zu diesem Thema wissen möchte, hier zwei Artikel:

So. Jetzt habe ich mich genug geärgert. Die Familienpolitik der CDU ist ein Luxusproblem, wenn wir die Frauendiskriminierung weltweit zum Vergleich heranziehen. Hier müssen wir wachsam sein und aufklären, selbstverständlich. Töchter und Söhne gleichberechtigt erziehen, den Artikel 3 Absatz 2 des Grundgesetzes endlich umsetzen:

Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.

Und die Verbrechen an den Frauen in aller Welt nicht mehr zulassen.

  • keine Abtreibung von weiblichen Föten
  • keine sexuelle Gewalt gegen Frauen
  • keine Entrechtung der Frauen in Familie und Alltag
  • Schutz der Frauen und Mädchen.
  • ...

Ich bin stolz darauf, daß Frauen aus meiner Familie mütterlicherseits schon Anfang des 20. Jahrhunderts als Suffragetten kämpften und auch darauf, daß ich durch mein ganzes Arbeitsleben hindurch von mißgünstigen männlichen Kollegen als Emanze beschimpft oder betitelt wurde. Damit haben sie mich geadelt!

Das sind meine Gedanken zum internationalen Frauentag. Mit einem kleinen Ausflug zur Rolle der Handarbeiten bei der Unterdrückung / Dummhaltung der Frau.