Suiti Socken

Frauenrechte! Menschenrechte!

Kein Land haßt die Frauen so wie Indien. Ich heule vor Wut, wenn ich lese, wieviele weibliche Föten in Indien abgetrieben werden, wie viele junge Frauen von ihren Schwiegerfamilien gequält werden, wie viele Frauen bestialisch vergewaltigt werden. Das Leid kann man gar nicht aufzählen.
Gerade jetzt gelangte wieder eine Meldung in die Medien, die die Bestialität der indischen Gesellschaft zeigt, Eine junge Frau sucht nach einer Gruppenvergewaltigung HIlfe und wird von den Helfern auch noch vergewaltigt.

Was ist das für ein Land? Was ist das für eine Kultur?
Wir glauben immer noch, Indien sei ein Tempel der Kontemplation und ein Paradies für Hippies und Touristen am Strand von Goa, aber es ist die Hölle. Für Frauen.

Was können wir tun? Unsere Feministinnen könnten vielleicht, überlegt und tatkräftig, Kampagnen zur Unterstützung der Frauen starten, das Elend anprangern, es öffentlich machen. Dumm und halbnackt in Kirchen auf den Altar zu springen, das ist kein Feminismus, der unserer Zeit angemessen ist. Es gibt wichtigere Tätigkeitsfelder als arme alte Pfaffen zu erschrecken.

Gibt es in Indien Widerstand gegen diese schrecklichen Umstände?

Im Alter von 11 Jahren wurde sie mit einem 35 Jahre alten Mann verheiratet, von diesem schwer misshandelt und verstoßen. Nach der Rückkehr in ihr Dorf galt sie als rechtlos, wurde mehrfach vergewaltigt und dann unter falscher Anklage verhaftet. Auf der Polizeistation von Kalpi wurde sie wiederum mehrmals brutal vergewaltigt und misshandelt.

Phoolan Devi

By Bpselvam at ta.wikipedia [Public domain], from Wikimedia Commons

Dies ist keine aktuelle Schilderung. Das geschah in den siebzigern, ist die Geschichte von Phoolan Devi, die zum aktiven Widerstand schritt und zur Waffe griff. Sie griff zu den radikalsten Mitteln um gegen die Gewaltstrukturen in ihrem Land zu kämpfen, kämpfte mit Guerilla-Mitteln gegen die Strukturen, leitete eine kämpfende Truppe. Erbeutetes verteilte sie unter den Armen, Vergewaltiger, derer sie habhaft wurde, ließ sie angeblich kastrieren.
Nachdem sie sich 1983 ergeben hatte, kam sie ohne Gerichtsverhandlung für 11 Jahre ins Gefängnis. Nach ihrer Freilassung kämpfte sie für Menschenrechte, für Frauenrechte. 2001 wurde sie ermordet.

Phoolan Devi ist eigentlich ein „Role Model“ (neudeutsch), ihr Kampf könnte zum Widerstand gegen die Unterdrückung der Frau durch den Mann / die Kasten / den Staat anstacheln.

Gibt es andere Mittel, die Bestialität der indischen Gesellschaft zu ändern? Die Gewalt gegen Frauen, ob geboren oder nicht-geboren, zu stoppen? Phoolan Devi sah keinen anderen Weg.

Tanja Boukal gab Phoolan Devi einen Platz in ihrer Arbeit „Die im Dunkeln“, gezeigt im Salzburger „Museum der Moderne“, in der Ausstellung „Political Correctness“.  Aus dem Schattenbild schaut uns eine entschlossene, bewaffnete Frau in die Augen. Wir müssen nur hinsehen. Und endlich die Stimme erheben, eine solidarische Stimme.

Let’s make money

Geld regiert. Es ist der Dreh- und Angelpunkt geworden, andere Kriterien gibt es nicht mehr. Alles wird dem Profit untergeordnet. Der Koalitionsvertrag „unserer“ neuen Regierung ist geprägt von „wirtschaftlichen Notwendigkeiten“, wir müssen permanent tun was das Geld diktiert. Das Geld übt Zwang aus. Neoliberale eifrige Jüngelchen mit glänzenden Augen und Sabber-Mündchen treiben uns vor sich her. Was sie verzocken, müssen wir bezahlen. Politiker sollen die Landesbanken kontrollieren, aber ohne Sachverstand und voller Gier berufen sie Zauberlehrlinge wie Ackermann und Nonnenmacher, geben ihnen Carte Blanche und die Bürger bezahlen mit Blankoschecks. Kulturwandel  findet statt, wenn ein Drecksack in der Geschäftsführung durch einen etwas moderateren, aber umso gewiefteren Schlipsträger abgelöst wird.

Das gerade verhandelte Freihandelsabkommen soll Handelshemmnisse und Zollschranken überwinden, Kategorien aus der prä-industriellen Zeit, und liefert uns / die Länder der EU den 170 kapitalstärksten Konzernen der Welt aus, angeführt und  hinters Licht geführt von von „Yes we Can“-Obama. Die Souveränität der Bürger wird den Geldinteressen von Hedgefonds und Monsterkonzernen geopfert.

Tanja Boukal:  Let’s Make Money in der Ausstellung Political Correctness

Tanja Boukal. Große Kunst.

Ich finde gar keinen richtigen Titel für diesen Beitrag, denn alles was ich schreiben könnte, wird der Arbeit der in Wien lebenden Künstlerin Tanja Boukal nicht gerecht. Das Spektrum ihrer Arbeiten ist weitgefaßt, aber ganz nah am Leben. Am Leben, wie es ist und nicht, wie wir es oft so leichtfertig wahrnehmen. Sie kennt den Punkt, auf den sie uns dann bringt.

Tanja Boukal: unfinished

©Tanja Boukal

Im November bekam ich von Teresa Schinwald (danke!) den Hinweis auf die Ausstellung Political Correctness der Künstlerin Tanja Boukal im Museum der Moderne Mönchsberg in Salzburg. Die Webseite des Museum zeigt zwei Arbeiten von ihr und auf ihrer Webseite finden sich noch mehr Informationen zu dieser Ausstellung.

Teresa Schinwald wies mich auf die hohe Emotionalität der Ausstellung hin, schrieb mir wie stark die Exponate auf Ausstellungsbesucher wirkten, und ich wurde neugierig.
Ich habe einige Male in meinem Leben die starke Wirkung der Kunst spüren und erleben können, dürfen (Barnett Newmann, Walter de Maria). Kunst hat mein Leben verändert indem sie meine Wahrnehmung bereichert hat. Aber daß sogar Kunst-Abbildungen auf Webseiten stark wirken können, hatte ich nicht vermutet.

Nachdem ich aber die Webseite www.boukal.at durchstöbert hatte, blieb ich ersteinmal stumm sitzen, war beeindruckt, gerührt und berührt. Und ebenfalls den Tränen nahe.

Sie bringt die Dinge auf den Punkt (sagt sich so salopp) und der Punkt schmerzt. Durch die Verbindung kurzlebiger Nachrichtenbilder und zeitfordernder Arbeitstechnik hält sie fest, was wir / die Betrachter sonst vorbeirauschen ließen.

So zwingt uns das Foto einer protestierenden jungen Frau, eine Momentaufnahmen aus dem arabischen Frühling, zum Hinschauen. Durch das „Nach-Stricken“ der Protagonistinnen der Fotos, durch die Konzentration, mit der sie arbeitet, sehen wir die Menschen.

Schattengestricktes verhüllt und enthüllt. Ihre Serie „Die im Dunkeln sieht man nicht“ zeigt Frauen im Kampf, in der Revolte. Aktive Frauen, die nur selten als handelnde Individuen gesehen werden, aber als WIderstandskämpferinnen, Soldatinnen,  Attentäterinnen, … die Geschichte vorangetrieben haben. Phoolan Devi kämpfte gegen ihre Vergewaltiger und das indische Patriarchat, Simone Segouin gegen die deutschen Faschisten, Comandante Maria und Comandante Ramona  für die Befreiung Mittel- und Südamerikas.

Phoolan Devi

Phoolan Devi
©Tanja Boukal

Phoolan Devi

Phoolan Devi
©Tanja Boukal



Tanja Boukal stellt diese Frauen  in einen Zusammenhang, gibt Ihnen das Licht, das ihnen zusteht, damit wir sie sehen.

Es ist mir nicht möglich, in einem einzigen Beitrag das alles zu zeigen, was mich beeindruckt, was ich wichtig finde. Ich werde Tanja Boukal fragen, ob ich noch mehr Arbeiten von ihr hier vorstellen darf.


Aber schon einmal die Links, zusammengefaßt, und vielleicht schaffe ich es doch nach Salzburg zu reisen:

Tanja Boukals Webseite, www.boukal.at
Tanja Boukal bei ravelry: http://www.ravelry.com/people/Tanja7301
Political Correctness im Museum der Moderne, Salzburg, MdM Mönchsberg, 9.11.2013 – 2.3.2014 http://www.museumdermoderne.at/de/ausstellungen/aktuell/details/mdm/tanja-boukal/