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Es gibt Worte, deren Bedeutung ich nicht kenne, die sich  mir aber ins Hirn schleichen und da leise vor sich hinflüstern. Taxidermie ist solch ein Wort, das mir nicht aus dem Kopf ging, seit ich es auf einem Telefonbuch in einer Anzeige gelesen hatte. Heute weiß ich, daß es der Fachbegriff für Tierpräparation ist.

Salle des Trophees, M. de la Chasse et de la NatureJagdtrophäen gehören auch in das Schreckenspanoptikum meiner Kindheit. Nach einem Gaststättenbesuch mit den Eltern schlichen sie sich in den endlosen Minuten zwischen Wachsein und Schlaf  in meine Bilderphantasien, machten mir Angst.

Und da ich in ländlichen Gebieten aufgewachsen bin, wo viel gejagt wurde, kam ich oft in solche Jagdstuben. Heute sehe ich solche Trophäen etwas gelassener, sehe sie mehr kultur-anthropologisch, aber geheuer sind sie mir nicht.

Jagdstube in Hohendorf

Jagdstube in Hohendorf

Norweger-Hirsch von Rachel Denny

Norweger-Hirsch von Rachel Denny

Sind die Stricker(innen) jetzt die neuen Jäger?

Die Frage stellte sich mir, als ich auf die Domestic Trophys der amerikanischen Künstlerin Rachel Denny stieß.

Mit Strickstücken aus alten Pullovern überzieht sie Tierfiguren und gibt ihnen damit eine gemütliche Ruhe.

Oder eine beängstigende?

Ein Hirschkopf mit Reißverschluß am Hals, ein völlig verzopfter Rehbock, sie haben den gleichen blinden stumpfen Blick wie die echten Tiertrophäen.

Was meint domestic? Domestiziert oder häuslich? Wenn letzteres, dann impliziert es eben auch Gemütlichkeit, Heimeligkeit, Wärme.

Gestricktes wärmt. Auch Hirsche, Rehe, Hasen.

Rachel Denny TaxidermyRachel Denny knitted sculptures
Taxydermic Knitting, Arbeiten der Künstlerin Rachel Denny
 
Ein kleine Linkrunde zum Weiterschnuppern: