Sommerreise 2017 – In Limbaži – bei Limbažu Tine

Daß ich die lettische / baltische Wolle liebe, ist wohl kein Geheimnis. Schon bei meinem ersten Besuch in Lettland war ich begeistert von den vielen Möglichkeiten, die diese Wolle bietet. Und natürlich auch von den Farben!

Immer wieder habe ich zugegriffen, in Riga findet man Wolle nicht nur in Wollgeschäften, sondern auch in Buchläden, in den Geschäften der Ladenkette „Zvaigzne ABC„. Jedesmal habe ich etliche Stränge der herrlich bunten Wolle in 8/2er-Qualität mit nach Hause gebracht, und wenn mir das nicht reichte, habe ich, nachdem ich den Online-Shop „Klinta Wolle“ entdeckte,  auch dort reichlich bestellt.

Nun plante ich zum ersten Mal eine selbstbestimmte Fahrt von Riga nach Estland (nicht im Flieger, nicht im Bus) und da lag ein Abstecher nach Limbaži auf der Hand.

Am Sonntag, den 2. Juli 2017, brachen wir von Riga auf und über kleine Straßen durch ein wunderschönes grünes Land, in dem auch ganz unerwartete Attraktionen am Straßenrand lauern, kamen wir nach Limbaži.

Limbaži – das ist eine Hansestadt im Norden Lettlands, in Vidzeme, eine Stadt, die oft durch Kriege zerstört und immer wieder aufgebaut wurde.

Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte sich hier Textilindustrie und heute schmückt der Kreis Limbaži  sein Logo mit einem Wollknäuel!

Seit 1914 gibt es die Wollfabrik SIA Limbažu Tīne, die heute bis zu 40 Mitarbeiter beschäftigt. Hier wird Wolle aus Lettland und Deutschland versponnen und verwoben zu ethnographischen Stoffen, und die Strickwolle in verschiedenen Qualitäten (von einfädig bis dreifädig) wird als Limbažu Tīne und seit einiger Zeit außerhalb Lettlands unter dem Label „Klinta vertrieben.
Und ich horte und stricke diese bunten Schätze seit 2014 …

Der größte Anteil der hier verarbeiteten Kammzugwolle (Rohwolle) kommt aus Deutschland und die Farben werden aus der Schweiz importiert.

  • Alle farbigen Garne sind 100% reine Wolle und bestehen zu 80% aus deutscher Merinowolle, die restlichen 20% steuern lettische Schwarzkopf-Schafe bei.
  • Die ungefärbten Garne stammen zu 90% von lettischen Schwarzkopf-Schafen. Die dunkelgrauen Farbtongarne enthalten etwa 60% schwarze Schafwolle aus Schweden.

Jana von Klintawolle ermöglichte uns den Besuch in der Wollfabrik, trotz Sonntag und Werksferien. Wir wurden durch die Produktionsräume geführt, tranken Kaffee im Showroom, besprachen Projekte und bewunderten dort die Ausstellungsstücke bevor wir in den Laden kamen.

 

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Im Geschäft dann war die Verlockung gross: alle Qualitäten (einfädig, zwei- und dreifädig, mit und ohne Farbverlauf) lagen aus, zu Preisen, die jede Anreise lohnen (und das Fassungsvermögen jedes Koffers übersteigen),

Aber Jana hatte dafür eine Lösung: sie bot uns an, unsere gekauften Schätze per Post nach Deutschland zu expedieren und jetzt sind die 3kg Wolle und 3m Stoff auf dem Weg nach Gribow.

Danke Jana!

Direktor: Jānis Krasovskis
Adresse: Pļavu 4, Limbaži, Limbažu n., LV-4001
Email: limbazutine@apollo.lv
Webseite: limbazutine.lv/english.html

Adresse: Klinta Wolle, Torstr. 205, D-10115Berlin

Webseite: http://klintawolle.de

Kundenregistrierung und Newsletter-Abo: http://klintawolle.de/index.php?route=account/login

ich packte meinen Koffer und brachte mit…

Dieses Spielchen bezieht sich eigentlich auf den Anfang einer Reise, aber wer schon mal strickinteressiert im Baltikum unterwegs war, summt dies auch öfter vor sich hin. Immer wieder kommt die Frage hoch, ob denn auch wirklich alles in den Koffer paßt und das Höchstgewicht nicht überschritten wird. Da hat sich die digitale Kofferwaage, die ich immer dabei habe, schon bewährt.

Mitbringsel aus zweieinhalb Wochen

Mitbringsel aus zweieinhalb Wochen

Man sagt ja, daß Wolle leicht sei. Aber viel Wolle = viel leicht = auch schwer ;=)

Ich kann aber nicht widerstehen, nicht bei feinem Lace-Garn, bei einem schönen Projektbeutel aus Saaremaa, der Wolle von HEA und schon gar nicht bei den Büchern.

Wolle und Bücher

Wolle und Bücher

Und dann ist es ja auch so, daß manche Bücher gleich mehrfach in den Koffer wandern, denn die Freundinnen zuhause haben auch so ihre Begehrlichkeiten. Das nicht nur inhaltlich gewichtigste Buch war das Buch „Mulgi Rahvarõivad„, Trachten aus der Region Mulgi im südlichen Estland. 3kg schwer und voller wunderbarer Illustrationen, die Texte auf estnisch sind mir unverständlich, die englischsprachige Zusammenfassung studiere ich noch.

Trachten aus Mulgi

Trachten aus Mulgi

und wenn ich diese Bilder so betrachte, fällt mir auf, wie schnell alles eingeräumt wird als hätte es immer schon seinen Platz gehabt, auch wenn das Strickbuchregal fast keinen Platz mehr läßt und die Wollkisten auch zusammengerückt werden müssen, intelligenter platziert werden sollten, alles findet seinen Platz, aber es fehlt auch etwas: die drei Wollknäuel, die ich in der Wollfabrik auf Hiumaa gekauft habe, sind wohl irgendwo weggekullert und ein Ladegerät steckt noch in Muhu im Zimmer.

Jacke mit Muhu-Stickerei

Jacke mit Muhu-Stickerei

Und in diesem Bericht fehlt noch die wunderschöne Jacke von Riina Tomberg, das wird aber noch nachgetragen, sie ist wirklich ein Extra-Kapitel wert.

Und dann an dieser Stelle noch ein Dank an meine Mitfahrerinnen, Ihr wart wunderbar! Next year in Estonia!

Knitting Lady…

das ist ein Titel, den sich wohl jede Strickerin ans Revers heften könnte. Aber eine Dame ganz besonders: The Knitting Lady,

Diese Webseite hat eine spezielle Zielgruppe:
“The knitting lady is a site dedicated to providing resources for all your miniature and small knitting needs. ”

Warren Hastings, Lange, gestrickte HandschuheGefunden habe ich diese Webseite im Zusammenhang mit den wunderschönen indischen Handschuhen (die ich hier auch schon einmal vorgestellt habe), und einem Forumthread bei Ravelry dazu. So fand ich die Knitting Lady und ihr Angebot und das möchte ich hier doch mal vorstellen:
ganz dünne Wolle und ganz feine Nadeln!

Ganz feine Stricknadeln

Es ist ja nicht immer leicht, feine dünne Nadeln zu finden, und das einzige wirklich feine Nadelspiel, das mir bisher unter die Finger kam, waren  0.7mm-Hiya Hiya Nadeln, bei MyLys in Hamburg erstanden.

Jetzt habe ich auch noch Nadelspiele (wenn auch nur immer 4 Nadeln einer Stärke) von 0.8mm über 0.9mm, 1.4mm, 1.6mm und 1.8mm, da müssten die Maschenproben doch hinkommen ;=)

Und mit dieser einfädigen feinen Wolle sollte doch jeder lettische oder estnische Handschuh aufs Feinste gelingen:

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nun bin ich gespannt, wann ich diese Wolle auf die Nadeln hole.

der 7. und letzte Tag in Riga

Am Montag herrschte strahlender Sonnenschein in Riga, ein Sommer- oder ein Spätsommermorgen?

Die Sonne beschien den Bernstein an den Verkaufsständen,

Bernsteinstand an der Petri-KIrche

und ich kam mit Vija Staskunas ins Gespräch. Sie sprach sehr gut deutsch, war Handarbeits-Lehrerin und verdient sich nun etwas zur Rente hinzu. Sie erzählte mir von den Ursprüngen der Muster und Symbole,  beschrieb klar die unterschiedlichen Vorlieben der internationalen Kundschaft („Die Letten und die Deutschen haben die gleichen Vorlieben, die Schweden wollen einfache Muster in dunklen Farben“) und empfahl mir gegen Asthma eine Bernsteinkette zu tragen, aber nur mit ungeschliffenem Bernstein. Daß sie wie die anderen Verkäufer auch hauptsächlich maschinengestrickte Stricksachen verkauft, die in Heimarbeit hergestellt wäre, liegt auch daran, daß die Touristen alle Diskont forderten…

Ich werde sicher, wenn ich wieder nach Riga fahre, nach Ihr Ausschau halten und ich darf ihr Photo hier auf der Wockensolle veröffentlichen.

Vija Staskunas, Strick-Expertin

Um 11:00 Uhr ging es dann zum Flughafen und in Deutschland hatte mich dann der graue Alltag wieder, nach einem Kaffee in Berlin nahm ich einen früheren Zug als geplant, denn ein Lokführer-Streik war angekündigt. Und so endete meine Zugfahrt dann auch bei strömenden Regen in Pasewalk, wo ich dann von meinem Mann abgeholt wurde. Nun muß ich den Alltag zurückfinden.

Ein Rätsel konnte ich aber für mich inzwischen noch lösen: Weshalb ein Wollstrang mit der Maßangabe „8/2“ nicht 400m, sondern nur 350m lang sein soll. Denn diese Maßeinheit, wie im vorigen Beitrag beschrieben, ist sicherlich bei gefachter Wolle präziser, gezwirnte Wolle braucht ja längere Fäden als glatt-liegende.

Woll-Label der Firma Limbazu

Diese dicke Wolle bringt also pro Gramm 2,5m, und, da zweifädig, kommen dann bei 100g 130 Meter zusammen.

Der 6. Tag in Riga

Heute gingen wir noch einmal durch die Altstadt, suchten in der Valnu Iela das Haus, in dem der Vater meiner Bekannten 1927 in einem Fotostudio porträtiert worden war. Das Haus steht nicht mehr, stattdessen nun ein Klotz der SwedBank. Aber im Haus daneben ist ein Laden mit „Restauflagen“, der Outlet-Shop der  Zvaigzne – Buchladen-Kette.

Zvaigzne Buchladen, Valnu Iela

Zvaigzne Buchladen, Valnu Iela

Und im Untergeschoss ist ein Wühltisch mit Wollresten. Da hab ich doch nochmal zugegriffen, ein paar Brauntöne und Gelbtöne und ein dunkles Rot. Auch wieder 100g zu 1,98€ und in der gleichen Qualität wie die gestern ergatterte Wolle.

Wolle im Zvaigzne Buchladen, Valnu Iela

Wolle im Zvaigzne Buchladen, Valnu Iela

Am Pulverturm sassen wir in der Sonne, fütterten eine liebe Katze, schwatzten und dann gelang es mir doch noch, ein Kofferschloss zu kaufen für den Wollkoffer. Das war eigentlich mein schwierigster Einkauf hier in Riga. Ich mußte dafür durch ein lautes, aufgebrezeltes Einkaufszentrum, was ich nun wirklich nie freiwillig aufsuche. Nun denn, morgen kann ich den Koffer abschliessen und getrost und zufrieden nach Hause reisen.

Aber eine Frage hatte ich im Kopf: diese eigenartige Angabe 8/2, 8/3 oder 8/1 auf den Banderolen der Wollstränge. Diese Systematik war mir unbekannt. Ich habe dann aber Erklärungen gefunden, die sich mir aber noch nicht so recht erschließen. Die Wikipedia schreibt:

Die Längennummerierungen geben das Verhältnis Länge je Masse an.

und führt weiter aus:

Die Einheit Nm wird meist für Garne verwendet. Die Beschreibung der Garne im Nm-System ist in DIN 60 900, Teil 4, Ausgabe Juli 1988 enthalten. Insbesondere kommt dieses System noch im Bereich der Wollgarne vor. In den weiterverarbeitenden Bereichen schätzt man vor allem die einfache Errechnung der Lauflänge eines Garnes, das auf einer Garnspule aufgewickelt ist, d.h. wenn das Gewicht eines Garnes Nm 50 z. B. 100 g ist ergibt sich eine Lauflänge von 5000 m. Die Feinheit von Zwirnen im Nm-System wird mit der Nummer der einfachen Garne und der verzwirnten Anzahl der Fäden angegeben; d. h. ein Zwirn Nm 48/2 ist zusammengezwirnt aus zwei Garnen Nm 48. Entsprechend ergibt sich bei etwas vereinfachter Betrachtung ein Zwirn mit einer Gesamtfeinheit Nm 24.
  1. die erste Zahl gibt die Länge eines Gramm des Garnes an, also bedeutet „8“ daß ein Gramm dieses Garnes 8m lang ist.
  2. die zweite Zahl gibt die Zahl der Fäden des Garnes an.
  3. also bedeutet 8/2, daß das Garn aus 2 Fäden der Stärke  „1 g = 8m“ zusammengezwirnt ist.

Jetzt verläßt mich aber Adam Riese. Jetzt bin ich begriffsstutzig. 100g einer einfädigen Wolle der Stärke 8 bringen es dann mathematisch auf eine Lauflänge von 800m, 2fädiges Garn dann auf 400m und 3fädiges Garn auf 800/3m, also 266,666m.

Auf den Woll-Etiketten steht aber; 8/2 (350m/100g) und  8/3 (250m/100g) .  250 : 266m, das ist ja noch irgendwie „in der Nähe“,  aber 350 : 400 m? Das ist doch nie und nimmer ein genaues Maß…

Da pack ich jetzt lieber meinen Koffer und zerbreche mir morgen weiter den Kopf.