ich packte meinen Koffer und brachte mit…

Dieses Spielchen bezieht sich eigentlich auf den Anfang einer Reise, aber wer schon mal strickinteressiert im Baltikum unterwegs war, summt dies auch öfter vor sich hin. Immer wieder kommt die Frage hoch, ob denn auch wirklich alles in den Koffer paßt und das Höchstgewicht nicht überschritten wird. Da hat sich die digitale Kofferwaage, die ich immer dabei habe, schon bewährt.

Mitbringsel aus zweieinhalb Wochen

Mitbringsel aus zweieinhalb Wochen

Man sagt ja, daß Wolle leicht sei. Aber viel Wolle = viel leicht = auch schwer ;=)

Ich kann aber nicht widerstehen, nicht bei feinem Lace-Garn, bei einem schönen Projektbeutel aus Saaremaa, der Wolle von HEA und schon gar nicht bei den Büchern.

Wolle und Bücher

Wolle und Bücher

Und dann ist es ja auch so, daß manche Bücher gleich mehrfach in den Koffer wandern, denn die Freundinnen zuhause haben auch so ihre Begehrlichkeiten. Das nicht nur inhaltlich gewichtigste Buch war das Buch „Mulgi Rahvarõivad„, Trachten aus der Region Mulgi im südlichen Estland. 3kg schwer und voller wunderbarer Illustrationen, die Texte auf estnisch sind mir unverständlich, die englischsprachige Zusammenfassung studiere ich noch.

Trachten aus Mulgi

Trachten aus Mulgi

und wenn ich diese Bilder so betrachte, fällt mir auf, wie schnell alles eingeräumt wird als hätte es immer schon seinen Platz gehabt, auch wenn das Strickbuchregal fast keinen Platz mehr läßt und die Wollkisten auch zusammengerückt werden müssen, intelligenter platziert werden sollten, alles findet seinen Platz, aber es fehlt auch etwas: die drei Wollknäuel, die ich in der Wollfabrik auf Hiumaa gekauft habe, sind wohl irgendwo weggekullert und ein Ladegerät steckt noch in Muhu im Zimmer.

Jacke mit Muhu-Stickerei

Jacke mit Muhu-Stickerei

Und in diesem Bericht fehlt noch die wunderschöne Jacke von Riina Tomberg, das wird aber noch nachgetragen, sie ist wirklich ein Extra-Kapitel wert.

Und dann an dieser Stelle noch ein Dank an meine Mitfahrerinnen, Ihr wart wunderbar! Next year in Estonia!

Knitting Lady…

das ist ein Titel, den sich wohl jede Strickerin ans Revers heften könnte. Aber eine Dame ganz besonders: The Knitting Lady,

Diese Webseite hat eine spezielle Zielgruppe:
“The knitting lady is a site dedicated to providing resources for all your miniature and small knitting needs. ”

Warren Hastings, Lange, gestrickte HandschuheGefunden habe ich diese Webseite im Zusammenhang mit den wunderschönen indischen Handschuhen (die ich hier auch schon einmal vorgestellt habe), und einem Forumthread bei Ravelry dazu. So fand ich die Knitting Lady und ihr Angebot und das möchte ich hier doch mal vorstellen:
ganz dünne Wolle und ganz feine Nadeln!

Ganz feine Stricknadeln

Es ist ja nicht immer leicht, feine dünne Nadeln zu finden, und das einzige wirklich feine Nadelspiel, das mir bisher unter die Finger kam, waren  0.7mm-Hiya Hiya Nadeln, bei MyLys in Hamburg erstanden.

Jetzt habe ich auch noch Nadelspiele (wenn auch nur immer 4 Nadeln einer Stärke) von 0.8mm über 0.9mm, 1.4mm, 1.6mm und 1.8mm, da müssten die Maschenproben doch hinkommen ;=)

Und mit dieser einfädigen feinen Wolle sollte doch jeder lettische oder estnische Handschuh aufs Feinste gelingen:

wie immer: für die Anzeige auf die Vorschaubilder klicken!

nun bin ich gespannt, wann ich diese Wolle auf die Nadeln hole.

der 7. und letzte Tag in Riga

Am Montag herrschte strahlender Sonnenschein in Riga, ein Sommer- oder ein Spätsommermorgen?

Die Sonne beschien den Bernstein an den Verkaufsständen,

Bernsteinstand an der Petri-KIrche

und ich kam mit Vija Staskunas ins Gespräch. Sie sprach sehr gut deutsch, war Handarbeits-Lehrerin und verdient sich nun etwas zur Rente hinzu. Sie erzählte mir von den Ursprüngen der Muster und Symbole,  beschrieb klar die unterschiedlichen Vorlieben der internationalen Kundschaft („Die Letten und die Deutschen haben die gleichen Vorlieben, die Schweden wollen einfache Muster in dunklen Farben“) und empfahl mir gegen Asthma eine Bernsteinkette zu tragen, aber nur mit ungeschliffenem Bernstein. Daß sie wie die anderen Verkäufer auch hauptsächlich maschinengestrickte Stricksachen verkauft, die in Heimarbeit hergestellt wäre, liegt auch daran, daß die Touristen alle Diskont forderten…

Ich werde sicher, wenn ich wieder nach Riga fahre, nach Ihr Ausschau halten und ich darf ihr Photo hier auf der Wockensolle veröffentlichen.

Vija Staskunas, Strick-Expertin

Um 11:00 Uhr ging es dann zum Flughafen und in Deutschland hatte mich dann der graue Alltag wieder, nach einem Kaffee in Berlin nahm ich einen früheren Zug als geplant, denn ein Lokführer-Streik war angekündigt. Und so endete meine Zugfahrt dann auch bei strömenden Regen in Pasewalk, wo ich dann von meinem Mann abgeholt wurde. Nun muß ich den Alltag zurückfinden.

Ein Rätsel konnte ich aber für mich inzwischen noch lösen: Weshalb ein Wollstrang mit der Maßangabe „8/2“ nicht 400m, sondern nur 350m lang sein soll. Denn diese Maßeinheit, wie im vorigen Beitrag beschrieben, ist sicherlich bei gefachter Wolle präziser, gezwirnte Wolle braucht ja längere Fäden als glatt-liegende.

Woll-Label der Firma Limbazu

Diese dicke Wolle bringt also pro Gramm 2,5m, und, da zweifädig, kommen dann bei 100g 130 Meter zusammen.

Der 6. Tag in Riga

Heute gingen wir noch einmal durch die Altstadt, suchten in der Valnu Iela das Haus, in dem der Vater meiner Bekannten 1927 in einem Fotostudio porträtiert worden war. Das Haus steht nicht mehr, stattdessen nun ein Klotz der SwedBank. Aber im Haus daneben ist ein Laden mit „Restauflagen“, der Outlet-Shop der  Zvaigzne – Buchladen-Kette.

Zvaigzne Buchladen, Valnu Iela

Zvaigzne Buchladen, Valnu Iela

Und im Untergeschoss ist ein Wühltisch mit Wollresten. Da hab ich doch nochmal zugegriffen, ein paar Brauntöne und Gelbtöne und ein dunkles Rot. Auch wieder 100g zu 1,98€ und in der gleichen Qualität wie die gestern ergatterte Wolle.

Wolle im Zvaigzne Buchladen, Valnu Iela

Wolle im Zvaigzne Buchladen, Valnu Iela

Am Pulverturm sassen wir in der Sonne, fütterten eine liebe Katze, schwatzten und dann gelang es mir doch noch, ein Kofferschloss zu kaufen für den Wollkoffer. Das war eigentlich mein schwierigster Einkauf hier in Riga. Ich mußte dafür durch ein lautes, aufgebrezeltes Einkaufszentrum, was ich nun wirklich nie freiwillig aufsuche. Nun denn, morgen kann ich den Koffer abschliessen und getrost und zufrieden nach Hause reisen.

Aber eine Frage hatte ich im Kopf: diese eigenartige Angabe 8/2, 8/3 oder 8/1 auf den Banderolen der Wollstränge. Diese Systematik war mir unbekannt. Ich habe dann aber Erklärungen gefunden, die sich mir aber noch nicht so recht erschließen. Die Wikipedia schreibt:

Die Längennummerierungen geben das Verhältnis Länge je Masse an.

und führt weiter aus:

Die Einheit Nm wird meist für Garne verwendet. Die Beschreibung der Garne im Nm-System ist in DIN 60 900, Teil 4, Ausgabe Juli 1988 enthalten. Insbesondere kommt dieses System noch im Bereich der Wollgarne vor. In den weiterverarbeitenden Bereichen schätzt man vor allem die einfache Errechnung der Lauflänge eines Garnes, das auf einer Garnspule aufgewickelt ist, d.h. wenn das Gewicht eines Garnes Nm 50 z. B. 100 g ist ergibt sich eine Lauflänge von 5000 m. Die Feinheit von Zwirnen im Nm-System wird mit der Nummer der einfachen Garne und der verzwirnten Anzahl der Fäden angegeben; d. h. ein Zwirn Nm 48/2 ist zusammengezwirnt aus zwei Garnen Nm 48. Entsprechend ergibt sich bei etwas vereinfachter Betrachtung ein Zwirn mit einer Gesamtfeinheit Nm 24.
  1. die erste Zahl gibt die Länge eines Gramm des Garnes an, also bedeutet „8“ daß ein Gramm dieses Garnes 8m lang ist.
  2. die zweite Zahl gibt die Zahl der Fäden des Garnes an.
  3. also bedeutet 8/2, daß das Garn aus 2 Fäden der Stärke  „1 g = 8m“ zusammengezwirnt ist.

Jetzt verläßt mich aber Adam Riese. Jetzt bin ich begriffsstutzig. 100g einer einfädigen Wolle der Stärke 8 bringen es dann mathematisch auf eine Lauflänge von 800m, 2fädiges Garn dann auf 400m und 3fädiges Garn auf 800/3m, also 266,666m.

Auf den Woll-Etiketten steht aber; 8/2 (350m/100g) und  8/3 (250m/100g) .  250 : 266m, das ist ja noch irgendwie „in der Nähe“,  aber 350 : 400 m? Das ist doch nie und nimmer ein genaues Maß…

Da pack ich jetzt lieber meinen Koffer und zerbreche mir morgen weiter den Kopf.

Der 5. Tag in Riga

war ganz gemütlich bis jetzt. Ich bin um die Altstadt herumgeschlendert, am Kanal entlang, habe mich bei der Estrada in die Sonne gesetzt, ab und einen Kaffee oder Tee getrunken in einer der vielen viel zu preiswerten Konditoreien und habe dann den Rat von mgermain bei Ravelry befolgt und habe im Buchladen Zvaigzne ABC an der K. Valdemara-Strasse nach Wolle geschaut.
Interessante Strickbücher habe ich keine gefunden, entweder zu allgemein oder zu sehr „importiert“. 3 kleine Büchlein über Häkeltechniken, aber das ist nicht mein Ding.

3 Wollqualitäten gab es: 8/2 (350m / 100g), 8/3 (250m/100g) und eine ganz dicke Qualität, die ich nicht in die nähere Auswahl nahm.

Limbazu Wolle

Limbazu Wolle im Buchladen

Ich entschied mich für einen Naturton, 2 Blau- und 2 Grüntöne. 500 g reine Wolle 9,38€, das laß ich mir gefallen.

Limbasu Wolle

Limbasu Wolle, 100g 1,98€

Limbazu Wolle

Limbazu Wolle, hier das Etikett

Den Rest des Nachmittages verbrachte auf einer Bank am Kanal, sah den Verliebten zu, studierte das geruhsame Samstagsleben und freute mich.

Ein Samstag in Riga: