Ein strickender Schäfer auf Stelzen

Strickender Schäfer auf drei Stelzen

Strickender Schäfer auf drei Stelzen
Edited by Mark Forrester [Public domain], via Wikimedia Commons

Nun bin ich auf die Suche gegangen und meine Vermutung stimmt: Dieser strickende Schäfer sitzt auf Stelzen, da er seine Herde im feuchten Marschland hütet. Ein Wikipedia-Artikel über den Stelzenlauf zeigt die praktische Nutzung der Stelzen und erklärt:

Bekannt für seine Stelzenläufer wurde das französische Département Landes, wo im 19. Jahrhundert die dort ansässigen Hirten in der Sumpflandschaft einmal zur Bewachung ihrer Schafe vor sich nähernden Wölfen und auch zur Überquerung von feuchten Gebieten angeschnallte Stelzen verwendeten. Eine dritte mitgeführte Stelze diente als Sitz zum Ausruhen.

Dieser Schäfter nutzt die dritte Stelze zum Sitzen und Stricken. Es scheinen also gerade keine Wölfe unterwegs gewesen zu sein.

P.S.: einer der wenigen Stricker, die mit 2 Nadeln stricken, also keine Socke, kein Schlauch, kein Ärmel…

Bukolische Zeiten

Die Wikipedia definiert Bukolik so:

Bukolische Dichtung (Bukolik, v. griech. βουκόλος – boukólos – Rinderhirte) bedeutet „Dichtung, die sich auf das Leben der Rinderhirten (oder, im allgemeineren Sinne, auf Hirten aller Art) bezieht“.

Alltägliche Geschichten wurden durch episches Versmaß überhöht und boten dem Publikum in der polis Abwechslung vom städtischen Leben (antike Soap-Operas?). Der Bukolik folgte die Hirtendichtung  im Renaissance-Humanismus (Dante, Petrarca) und dann natürlich die Schäferdichtung oder Schäferromantik im Barock. Wie in der Dichtung, so wandte sich in diesen Zeiten auch die Malerei dem Alltagsleben zu, weg von der höfischen Schilderei oder den religiösen Themen. Realistische Darstellungen sind in dieser Zeit natürlich noch nicht zu erwarten, eher dient die ländliche Szene als Kulisse für Projektion und Idealisierung.

Kreis d. Abraham Bloemaert [Public domain], via Wikimedia Commons

Kreis d. Abraham Bloemaert: Pastorale Szene mit einer Hirtenfamilie vor Landschaftshintergrund. 16. Jhrdt.

Bilder, Gemälde aus diesen Zeiten zeigen idealisierte Landschaften, Liebesszenen. Protagonisten sind meistens Hirten, als Einzelporträt oder mit ihren Herden. Die Porträts zeigen die Hirten meistens mit der Hirtenflöte oder, und da kommen wir zu unserem Thema, mit dem Strickzeug.

Hart arbeitende Bauern, das Tagewerk auf dem Land kommt in dieser Malerei nicht vor, wird erst später im Realismus zum Thema: Jetzt werden nur Hirten, Hirtenjungen oder Hirtenmädchen gezeigt, stehen sie doch für Beschaulichkeit, Langsamkeit, leichtes Leben, romantisches Dasein. Eine schöne Übersicht findet sich in der Mediengalerie der Wikipedia: Shepherds in Arts. 

[singlepic id=34 w=320 h=240 float=right][singlepic id=33 w=320 h=240 float=right]Strickende Hirten oder Hirtenmädchen werden mit Schafen oder Ziegen  gezeigt, denn von diesen Tieren stammt ja die Wolle. Zwei Bilder habe ich gefunden, die die strickenden Hirten im Zusammenhang mit Kühen oder Gänsen zeigten, ein Hinweis auf die neben der Schäferei ausgeübte Landwirtschaft. Aber diese Bilder stammen aus späteren Zeiten.

Und nun eine Galerie der Strickenden oder scherenden  Schäfer, alle der Mediengalerie der Wikipedia entnommen:[slideshow id=3]

PS: den sitzenden Schäfer auf diesen merkwürdigen Stelzen stelle ich vielleicht später noch einmal genauer vor.