Nordic Knitting Symposium IV

Am Dienstag, dem 2. Tag, stand der erste lange Workshop auf dem Plan; am Tag vorher hatte ich an dem Muhu-Workshop von Anu Pink teilgenommen, nun ging es um die Charakteristika der Seto-Socken, Socken aus der Setomaa-Region im Südosten Estlands. Hier auf der Wockensolle habe ich Külli Jacobson schon öfter vorgestellt, es ist immer eine Freude, sie zu treffen.

In diesem Workshop ging es um die Männerstrümpfe der Setokesen und Külli hatte eine grosse Auswahl mitgebracht. Hervorstechend sind die grossen rot-blau-weißen Motive und die nicht immer optimale Passform des Fusses, die aber durch die weichen Lederschuhe, welche mit Bändern fixiert werden, in Form gebracht wird.

Auch wenn ich immer schon mit diesen großen Kniestrümpfen geliebäugelt habe, an einem Tag lässt sich solch ein Riesenstrumpf nicht stricken. Unsere Aufgabe war vielmehr ein Sampler, der alle wesentlichen Charakteristika besitzt, wenn auch nicht immer in der richtigen Proportion.

Während des Workshops kam auch Anu Raud vorbei, die große alte Dame der Textilkunst Estlands.

Im Nationalmuseum gibt es gerade eine große Ausstellung mit ihren Werken (nächste Woche werde ich sie sehen können) und ihr Museum in Heimtali steht für den kommenden Freitag auf dem Plan.

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Wir freuten uns alle auf den Markt, der vor den Abendvorträgen angekündigt war, wann kann man schon mal so seiner Wolllust frönen? Nicht nur die Esten hatten Wolle, Kunsthandwerkliches und Gestricktes mitgebracht, sondern auch viele der Konferenzteilnehmer, die Japanerinnen und Koreanerinnen wie auch die russischen Lehrerinnen.

Ich hatte eine grosse Wollbestellung bei http://www.saara.ee abzuholen, Wolle für die Woche auf der Insel Ruhnu, für den Workshop der ja nun leider ausfiel. Die Wolle aber, so hatten wir es uns vorgenommen, wollten wir dann auf Saaremaa verstricken.... und den Workshop im nächsten Jahr nachholen.

Zlata Ushakova aus Severo Dwinsk im Arkhangelsker Gebiet hatte interessante Knochenschnitzereien mitgebracht, Schmuck aus Mammutbein und bunte Textilien im finno-ugrischen Stil des russischen Nordwestens. Ich war ja nun schon viele Male im hohen Norden Russlands, in den 90ern beim Jazzfest Arkhangelsk, ausgerichtet von der Jazz Group Arkhangelsk. Das habe ich ihr auch erzählt dann las sie meinen Namen auf meiner Visitenkarte: Gödecke! Ja, Gödecke - so wurde Heinz in Russland genannt, und sie war bei vielen Konzerten und auch Touren dabei, wir kennen uns seit nunmehr 25 Jahren! Das war ein unverhofftes Wiedersehen und eine grosse Freude.

 

Damit schließe ich für heute, das Bild hierdrunter zeigt Zlata und mich in Heimtali beim Knit and Walk-Contest, zwei Freundinnen die sich wiedergefunden haben.

Stricken hat soetwas Verbindendes!

Nordic Knitting Symposium III

Wie soll ich im Nachgang diese Konferenz, das Nordic Knitting Symposium 2018, beschreiben und das Wesentliche herauspicken? Das fällt sehr schwer. Eine ganze Woche gefüllt mit einem dichten Programm, unterschiedlichsten Aktivitäten und wenig Leerlauf.

Ich werde versuchen, anhand des ersten Tages, einen Konferenztag in seinem Ablauf zu schildern und das mit Fotos unterfüttern. Später werde ich dann auf die einzelnen Workshops und Vorträge eingehen, das gibt Stoff für viele Beiträge!

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Alles war außerordentlich umsichtig und phantasievoll organisiert. Bei der Registrierung erhielten alle, Teilnehmer wie Mitwirkende, ein Namensschild (die Mitwirkenden ein Namensschild mit dunkelrotem Hintergrund, wir Konferenzteilnehmer eines mit hellem Hintergrund), es gab eine Mappe mit Informationen (Programmheft, eine Broschüre mit Porträts der Referentinnen und Workshopleiterinnen, Informationen zu den Ausstellungen), die Übersicht über die "eingebuchten" Workhshops, Stadplan und Infos über Viljandi...), einen Patchwork-Project-Bag nach einer Vorlage aus dem Nationalmuseum,..

Alle, die an der Organisation beteiligt waren, trugen dunkelrote Schürzen (s. Ave Matsin bei ihrer Eröffnungsrede) und waren so leicht zu finden.

Zu Beginn eines Konferenztages und am Abend dann wieder, vor den Vorträgen, wurden wir über Wichtiges und Wissenswertes informiert. Alle 100 Teilnehmer versammelten sich dazu in der grossen Halle. Jeder Teilnehmer hatte die Möglichkeit, zwei ganztägige und zwei halbtägige Workshops zu besuchen; zusätzliche Programmpunkte neben den Vorträgen am Abend waren dann ein "Craft Market", ein Tagesausflug nach Tartu ins Nationalmuseum, der Ausflug nach Heimtali in Heimatmuseum und Austragungsort der "Knit and Walk Olimpiade", das Layk Studio Café war der Platz für den abendlichen Absacker und eine leckere Süssigkeit zwischendurch und die Abschiedsveranstaltung mit Gala Diner und Musik fand dann im Folk-Music-Centrum auf dem Burgberg statt.

Pavlova - ein süßer Traum im Café Layk . Fast zu schön zum Verspeisen!

In 2 Gebäuden fanden die Workshops statt, zum Einen in den repräsentativen Räumen des Sakala-Centers, zum Anderen in den Werkstätten und Meetingräumen der KulturUniversität. Wir kamen in kleinen Gruppen zusammen und die Athmosphäre war immer fröhlich, aber konzentriert.

Mein erster Workshop war der Workshop "The order of the Muhu-Fly" der fabelhaften Anu Pink. Es ging darum, einen "Orden" mit dem Motiv der Muhu-Flliege zu stricken, mit 1.25er-Nadeln und möglichst klein. Eine Breite unter 4cm mit 48 Maschen in der Runde, das war das Ziel. Ich habe mich wirklich angestrengt und das Strickstück zwar nicht fertiggestellt, es ist aber immerhin 3,5cm breit. Das entspricht einer Maschenprobe von 69 Maschen / 10 cm. Ein kleiner Schritt für die Menschheit, aber für mich ein Rekord!

Siiri Reimann und Anu Pink hielten die ersten Vorträge;  AnuPink gab eine Einführung in estnisches  Stricken und stellte ihre Doktorarbeit über die 30 verschiedenen Sockenkonstruktionen, die in Estland vorkamen, vor,  Siiri Reimann refererierte über  Haapsalu Spitze.

Wer dann noch nicht genug hatte, nahm einen letzten Trunk in der  "Knitting Lounge" im Café Layk. Ich habe das nicht immer geschafft...

In den nächsten Beiträgen gehe ich dann intensiver auf die Vorträge und Workshops ein; wir verbringen zwar gerade ruhige Tage in Kuressaare auf der Insel Saaremaa, aber die Tage sind trotzdem ausgefüllt. Ich beschäftige mich mit den Besonderheiten der Ruhnu-Handschuhe und habe einige Zeit gebraucht, die vor dem Strickstück liegende horizontale Borte zu üben. Und dann musste ich auch das Bündchen neu beginnen, 96 Maschen mit Nadelstärke 1.25 - das ist zu knapp für meine schmalen Gelenke.

Heute, am 3 Juli, habe ich noch eine Verabredung in Riina Tombergs Werkstatt, ich bekomme ein neues Kleid!

Nordic Knitting Symposium II

Ich habe ja schon im vorigen Beitrag auf den Fernseh-Bericht hingewiesen. Nun kann ich ihn auch einbinden.

Es ist ein Bericht in estnischer Sprache, aber man sieht die verschiedenen Workshops und die Teilnehmer, bekommt einen Eindruck, was wir hier alle so erleben und lernen. Traurig aber ist, daß das hinter dem jugendlichen Moderator mit dem zu engen Jäckchen eingeblendete Hintergrundbild dickes Garn mit dicker Nadel zeigt, also keinen Bezug zum nachfolgenden Inhalt hat, nur der eingeschränkten Vorstellungskraft des Bildredakteurs entspringt.

Nordic Knitting Symposium 2018 – in Viljandi / Estland

Am Samstag begann meine Reise mit dem Flug nach Riga.

Und seitdem erlebe ich nur noch Schönes (und auch ein wenig Bitterkeit..)

Aber das kann ich jetzt gar nicht alles schildern, dazu bin ich zu erfüllt und zufrieden von den letzten Tagen. Ausführlicher werde ich nächste Woche berichten, wenn ich eine Woche Pause habe nach dem Symposium und vor dem Craft Camp.

Mittsommer mit Maruta Grasmane in Daugmala  / Lettland

Nur ein paar Stichworte:

  • in Riga war ich Gast auf der Mittsommer-Party der Familie Grasmane, ein wunderbares lettisches Fest
  • in Viljandi begann die Nordic Knitting Conference, eine Veranstaltung vollgepackt mit Workshops, Vorträgen, Begegnungen
  • dann kam die Meldung, daß die Fähre zur Insel Ruhnu, auf der wir ein Ferienhaus gebucht haben und einen Workshop zum Thema "Ruhnu Stricktraditionen" vorbereitet hatten, kaputt ist. Alle Alternativen, auf die Insel zu gelangen, passten nicht zu unserem Zeitplan und die Abreise von der Insel war auch ungewiss.
    Also mussten wir das Haus absagen, die Tickets zurückgeben, und vor allem: eine neue Unterkunft finden für 5 Personen, eine Woche und das in der Hauptsaison! Aber nun haben wir eine Unterkunft auf Saaremaa gefunden. Das ist zwar nicht das was wir vorhatten und worauf wir uns so gefreut haben, aber trotzdem
  • Ich habe im Workshop von Vera Maksimovskaya eine ganz neue Technik für Handschuhspitzen gelernt
  • Zlata Ushakova aus Arkhangelsk hat mich wiedererkannt, wir waren in den 90ern in Russland gemeinsam auf Konzerten, sie gehört zum Freundeskreis der Jazz Group Arkhangelsk, mit der mich viele Erlebnisse verbinden. Es spielt sich eben alles unter 200 Leuten ab, das hat schon Tucholsky gewusst.
  • Es gibt schon einen ersten TV-Bericht auf der Seite www.err.ee, mit dem Google-Chrome-Browser kann man einigermassen verstehen was da berichtet wird.
  • Und noch einen Zeitungsbericht: auf der Seite von Estonian World

Wenn ich morgen die Bilder von der Kamera auf den Rechner übertragen habe, gibt es mehr zu sehen!