Kleines Intermezzo auf Muhu…

Seit ich im letzten November das leckere Brot der Muhu-Bäckerei (Muhu Pagarid) entdeckt hatte und von der Banderole so begeistert war, hat sich die Begeisterung nicht gelegt.

muhuleibMeine Freundin LizzyMaile hat sich sofort inspirieren lassen und  etliche Projekte gestrickt, einen Kannenwärmer, Pulswärmer und ein Täschchen.

wie immer: für die Anzeige auf die Vorschaubilder klicken!

Da aber die Banderole recht verknittert war, wollte ich neue besorgen, die Bäckerei in Liiva stand ja sowieso auf meinem Reiseplan. Was aber tun mit zwei Leib Brot, wenn man im Hotel untergebracht ist und dort auch so leckeres Brot auf dem Frühstückstisch steht? Mir ist eine Lösung eingefallen:

In der Muhu-Bäckerei

Als ich am Brotschalter ankam, wurde mir bedeutet, daß erst in 20 Minuten wieder Brot fertig sei… und da hatte ich den Geistesblitz: ich fragte den jungen Mann ob ich nicht zwei Banderolen ohne Brot bekommen könne? Das hat ihn überrascht und überrumpelt und er schenkte mir die zwei Kartons;=)

Moekad Muhu silikudBeim Kaffeetrinken dann sah ich die Ankündigung der Buchpräsentation des neuen Buches aus dem Saara-Verlag,  Moekad Muhu silikud, ein Buch, das sich mit der Weberei der Insel Muhu beschäftigt.

Ich konnte Anu Pink begrüßen und mich an den Körben mit der schönen Wolle erfreuen.

Am gleichen Tag haben wir natürlich noch das Muhu-Museum in Koguva aufgesucht, ich habe die Vermieterin unserer schönen Unterkunft vom Juli getroffen und nun sind wir in Kuressaare auf der Insel Saaremaa. Aber von den Tagen in Tartu und nun hier schreibe ich morgen, jetzt stricke ich ersteinmal ein paar Reihen mit dem neuen Hea Lace-Garn.

Thick Yarn for the Haapsalu Shawl 15/2

 

After Camp: ausruhen und Abschied, 23. 07. / 24.07. 2016

So, nun komme ich zum letzten Abschnitt der wunderbaren Reise: ein letzter Tag auf Muhu und die Rückkehr nach Tallinn.

Ausruhen, spazierengehen, fotografieren, stricken, plaudern – ein wunderschöner Sommertag, der mit einem letzten Abendessen am kleinen Hafen von Korguva seinen Ausklang fand. Ob man diese kleine Bucht einen Hafen nennen kann oder will, darüber mögen sich andere streiten. Wir haben das kleine Fischereimuseum besichtigt und gerne einen Euro Eintritt bezahlt, wenn man dafür eine hölzerne Eintrittskarte bekommt;=) (Bild wird nachgeliefert)

Sehr relaxt geht es hier zu, Kinder spielen, Freunde plaudern, die Fischer kommen zurück an den Anleger – ich werde gerne hierhin wiederkommen.

Und über Allem wacht Juhan Smuul, der Dichter aus Muhu.

Dann der Abschied, wir wollen auf die erste Fähre und werden beim Frühstück von den Katzen beäugt. Claudia zeigte mir, wie weit sie mit der Seascape-Stole gekommen ist, Respekt!

In Tallinn dann noch ein letzter Rundgang über den Ratshausplatz, es fand wieder eine Craft Fair statt und ein letzter Schwatz mit der unermüdlichen Külli Jacobson.

Ich habe diese letzten Tage genossen und weiß ja auch, daß ich recht bald wieder komme. Schon im November.

Ich möchte mich bei meinen Mitreisenden Claudia, Ewa und Sue bedanken, es war sehr sehr schön mit Euch!

After Camp: Ein Tag auf Saaremaa / 22.07.16

Saaremaa ist die grösste estnische Insel, hieß früher Ösel und gehört zur Moonsund-Inselgruppe. Das klingt recht exotisch, und ist wunderschön. Man muss sich mehr als einen Tag Zeit nehmen, also komme ich wieder!

Saaremaa sollte die letzte große Unternehmung auf unserer Reise sein, den Samstag dann wollten wir nur faulenzen, bevor es nach Tallinn zurückgehen sollte. Nun, viel gibt es zu sehen und so biegen wir gleich zu Beginn unseres Inseltages nach Pöide  ab, ein kleiner ruhiger Ort mit einer riesigen Kirche, mit neugierigen Schafen im Pfarrgarten und netten Katzen, die in der Sonne dösen.

Danach suchten wir als Erstes dann Riina Tombergs Werkstatt in Kuressare auf, denn ich wollte ja meine Jacke abholen (und leider ist es immer noch zu warm um diese schöne Jacke zu tragen…)

In Riina Wombergs Werkstatt

In Riina Wombergs Werkstatt

Meine Riina-Tomberg-JackeMeine Jacke!

In wunderschönem Rot mit Stickerei in der Kellerfalte und farbig abgesetzten Ärmeln, mit Samt und buntem Blumenstoff und die Stickerei ist schon etwas ganz Besonderes, eben Muhu!

Kuressare ist ein recht lebhafter Ort, touristisch geprägt seit langer Zeit,  mit schmucken Häusern, Kirchen, einer Deutschordensburg von 1380 und natürlich Cafés, Handarbeitsgeschäften und einem interessanten Markt. Nach einem Streifgang durch die Buchhandlung und einem Blick in ein Handarbeitsgeschäft zog es uns zu diesem Markt. Im Angebot: Gemüse, Obst, Pilze, Beeren, Wolle und Handarbeiten.

Diese drei Grazien bewachen einen sehr schönen Strick-Projektbeutel (links, gehört jetzt mir!) und kokettieren mit der prachtvoll bestickten Decke…

Auf dem Markt von Kuressare

Auf dem Markt von Kuressare

Muhu-Mützen

Muhu-Mützen

Mit solch einer Mütze auf dem Kopf geht man bestimmt nicht verloren ;=) Da ich diese drei Exemplare aber nicht gekauft habe, muss ich jetzt selbst 3 Mützen für meine Begleiter auf der November-Reise stricken.

Die Hauptattraktion für jeden Woll-Interessierten ist sicherlich das KnowSheep-Zentrum direkt am Markt. Ein dunkles Treppenhaus und dann wird es hochinteressant:

KnowSheep-Zentrum

KnowSheep-Zentrum

Über dieses Projekt, KnowSheep.eu,  habe ich hier auf der Wockensolle schon berichtet und bei Mary Germain gibt es auch einen Bericht über ihren Besuch in dem Zentrum. Ich wollte mir das immer schon ansehen und war beeindruckt.

Eine liebevoll und umfassend zusammengestellte Ausstellung zeigt alles Betrachtenswerte und informiert über alles Wissenswerte zum Thema „Schafe auf den estnischen und finnischen Inseln.“ Und zudem gibt es auch das interessante Buch „Woolen Handicrafts on the Baltic Islands“ als Hardcover, herunterladen kann man es in PDF-Form hier: Woolen Handicrafts on the Baltic Islands. Um die Miete für die grossen Räume hereinzubekommen, haben die Initiatoren die Aktivitäten des Zentrums ausgeweitet, neben Seminaren  vertreiben sie Bio-Produkte von der Insel und bieten  auch Touren an.

Selbstverständlich ist auch wieder etwas Wolle in unsere Einkaufsbeutel gewandert ;=)

Wir konnten uns intensiv mit Martha Hubbard und Alar Allas unterhalten und uns über die Arbeit des Zentrums informieren. Beide sind sehr engagiert und halten das Zentrum seit Jahren am Laufen. Es braucht Enthusiasten! 

Wir waren so angetan, dass wir sofort anfingen Pläne zu schmieden und so entstand die Idee eines AfterCraftCamp-Workshops auf Saaremaa, ein Thema könnte sein: „Schafzucht und Rekultivierung auf den estnischen Inseln / Lokale Entwicklung contra Globalisierung

Wie gut ist es, zu wissen daß es Menschen gibt, die die Entwicklung vorantreiben, danke dafür!

Ja, was gab es noch?

Einen Jahrmarkt auf dem Gelände vor der Ordensburg

Ich fand interessant, wie die traditionellen Stoffmuster hier auf synthetischem Stoff angeboten werden.

Und dann haben wir uns noch den Meteoritenkrater von Kaali (Näheres in der Wikipedia) und die Windmühlen von Valjala angesehen, viel gibt es zu sehen auf dieser großen Insel, viel zu erkunden, müde und zufrieden wird man hier.

After Camp: Muhu Juhu again!

Das ist schon sehr  eigenartig: morgen gehts nach Berlin und übermorgen nach Riga, und ich habe meinen Reisebericht von der Juli-Reise immer noch nicht fertiggestellt. 

Bevor ich mich aber wieder in Riga verlustiere, möchte ich heute noch den Bericht über unsere Zeit auf der Insel Muhu zusammenstellen. Muhu ist eine kleine Welt für sich und es gibt soviel zu sehen! Natürlich ist das Museumdorf Koguva die Hauptattraktion mit dem Muhu-Museum, in dem die berühmte Textilsammlung ausgestellt wird. Und ich hatte es fertiggebracht, direkt in diesem Museumsdorf in einem Bauernhof Zimemr für uns zu buchen: ein Doppelzimmer im Haupthaus und ein kleines Apartment in der ehemaligen Sommerküche. Ganz verwunschen und still..

Keine zwei Steinwürfe von unserem verwunschenen Garten geht es in das Museum, dieses Mal verkauft der Herr Museumsdirektor persönlich die Eintrittskarten und erzählt voller Stolz von dem diesjährigen Sommerhighlight: er hatte zu einem Muhu-Stickerei-Bademoden-Wettbewerb aufgerufen und tatsächlich wurden 15 verschiedene Entwürfe präsentiert: von der Badehose bis zum Bikini… gelebte Tradition!

Das Museum in einer ehemaligen Schule

Das Museum in einer ehemaligen Schule

Fingerhandschuhe mit Travelling Stitches

Fingerhandschuhe mit Travelling Stitches im Museum

Stickereien von Floriida Tüüri

Eine Sonderausstellung mit Stickereien von Floriida Tüüri zu Ehren ihres 90.ten Geburtstages

Das Museumsdorf ist nicht nur für uns Strickerinnen interessant, und so haben diese Kids eine Marktlücke entdeckt: Wanderer und Museumsbesucher sind hungrig und kaufen gerne ein Sandwich..

Imbiß am Wegesrand

Imbiß am Wegesrand

und die Jungs, die das Stelzenlaufen übten, haben sicherlich auch Appetit:

Stelzenspaß im Museum

Stelzenspaß im Museum

Wir haben uns dann auf eine Inselrundfahrt begeben. In Liiva gibt es eine wunderschöne Kirche miteinem verwunschenen Friedhof zu besichtigen, Straßenhändler verkaufen allerlei Krimskrams, im Souvenirgeschäft überwältigt das Angebot nicht nur handgestrickter (!) Muhu-Strümpfe und ich freue mich, als ich auch die wunderschönen Jacken aus Riina Tombergs Kollektion sehe. (Meine Jacke habe ich ja noch nicht bekommen…)

Riina Tombergs Jacken

Aus Riina Tombergs Jackenkollektion

Von Liiva aus geht es nach Norden an die Küste, wo eine spezielle Heidelandschaft mit nicht gerade sehr hohen Klippen zu sehen ist und wir suchen die einsame orthodoxe jungfrauen-Kirche in Rinsi auf. Verlassen ist die Kirche und verlassen wirken auch die wenigen Häuser, trotzdem wird hier wohl Post zugestellt, warum sonst gäbe es einen so wunderhübschen Briefkasten?

So ausgefüllte Tage machen hungrig und müde und Claudia und Ewa zaubern uns noch ein leckeres Abendbrot. Danach wird gestrickt. Und die nächsten Pläne geschmiedet, denn für den nächsten Tag steht die Insel Saaremaa auf dem Programm und ich möchte mir meine Jacke in Kuressare in Riina Tombergs Atelier abholen..,

Craft Camp Workshop: Wristlets in Muhu style

An diesem Workshop habe ich schon letztes Jahr teilgenommen, weil aber Kristi Jõeste eine gute Lehrerin ist und ich beim Fertigstellen der Pulswärmer zuhause gemerkt hatte, daß mir doch weitere Übung gut täte, habe ich diesen Workshop noch einmal belegt.

Die Muhu-Pulswärmer

Die Muhu-Pulswärmer

Solche Muster wurden nicht nur gestrickt, es gibt auch gehäkelte Vorbilder, wie dieses Beispiel aus dem Eesti Rahva Muuseum zeigt. Ich kann mir leicht vorstellen, daß dieses gehäkelte Bündchen „unsere“ Pulswärmer inspiriert hat.

kindapära, ERM HM E 618, Eesti Rahva Muuseum, http://muis.ee/en_GB/museaalview/1211447

kindapära, ERM HM E 618, Eesti Rahva Muuseum, http://muis.ee/en_GB/museaalview/1211447

Am Ende dieses Workshop-Tages hatte ich doch einiges geschafft, im Vergleich zu letztem Jahr sogar eine ganze Menge ;=)

Viel und wenig

Viel und wenig (auf den Nadeln mein letztjähriges Resultat…)

Nun, ich habe mir auch ein paar Freiheiten herausgenommen und den Anschlag zweifarbig gestrickt.

Estnischer zweifarbiger Anschlag

Estnischer zweifarbiger Anschlag

Ich denke, wenn ich dieses Paar fertiggestellt habe, kann ich das erste Paar vergessen… beiseite legen…

Bei jedem Craft Camp hat Kristi Jõeste diesen Workshop nun durchgeführt und am Ende der Veranstaltung stellte sie die Frage nach einem neuen Thema für das nächste Jahr. Da fällt mir auf jeden Fall was ein, ich denke da an Roositud oder eine solche Mütze, wie ich sie auf der Insel Saaremaa gesehen habe:

Mützen aus Saaremaa

Mützen aus Saaremaa

Nicht nur die Strickereien sind farbenfroh in Olustvere, auch die Sport-Trikots leuchten in der Sonne.

Sportfarben

Sportfarben

Der Abend klang mit einem gemeinsamen Abendessen im Gutshaus und einem Konzert samt Reigentanz aus.

AbendkonzertReigentanz

Seite 1 von 3123