Haben Sie noch etwas Obst im Schrank?

Schauen Sie mal in Ihrem Schrank nach, vielleicht finden Sie ja edles, eingepacktes Obst.

Bevor Sie nun eine solche Papaya oder Pampelmuse achtlos aus der Hülle nehmen und die Hülle im Sonder-Plastik-Müll entsorgen, sollten Sie innehalten. Vielleicht können Sie diese Hülle ja gebrauchen?

Denn wenn Sie zu den StrickerInnen gehören, die den Faden aus der Knäuelmitte herauspulen und deshalb gegen Knäuel-Ende immer mit dem Garn-Chaos zu kämpfen haben, und das Knäuel dann gegen Knäuel-Ende aussieht wie nach einer Katzenbehandlung oder  wie vor dem Wickeln,

january 4th, 2010: this is what a skein left around a house with 2 cats looks like

dann könnte die Obst-Hülle Ihnen nützlich sein.

Yarn Bras

Yarn Bras

J. D. Wolfe zeigt Ihnen in ihrem Blog wie es geht. Da fällt dann auch zum ersten Mal der Begriff „Yarn Bra„, also Garn-Büstenhalter, ein Begriff, der nicht nur mich verwirrte, sondern auch den famosen Franklin Habit. Falls Sie sein Büchlein noch nicht besitzen, dann schauen Sie mal auf diese Blog-Seite.

Bevor Sie jetzt also in den Google-Schlitz „Yarn Bra“ eingeben und teures Geld ausgeben, nehmen Sie einfach die Obsthülle, schneiden das noch geschlossene Ende auf und schwupps, passt der Wollstrang in diese Hülle und wird sich nie wieder verknäulen! Knoblauch-Verpackungen sollte man vielleicht vor weiterem Gebrauch waschen…

yarn bra 001

Falls Sie jedoch ein paar Pence übrig haben, dann können Sie sich gleich einen ganzen Vorrat zulegen. Sowas gibts bei Etsy.com zu kaufen oder bei einschlägigen chinesischen Großhändlern für Gemüsebedarf…

Für Vielstrickerinnen habe ich noch einen Link zum Schluß:  kartoffelsäcke.de, hihi…
Ach ja, nun hab ich mich wieder treiben und ablenken lassen, Anstoß zu diesem Beitrag war eigentlich mein Verwundern, was diese Beutel mit Büstenhaltern zu tun haben?
Bra ist die Abkürzung von brassiere, und brassiere kommt aus dem Französischen. Dort bedeutet brassière  Hemdchen, Flügelhemdchen, Schlupfhemdchen.. Dann kann man sich das schon ein bißchen besser vorstellen…

Der viele Schnee im März

hier im Nordosten ist schon was Besonderes. Alle 20 Jahre wieder soll so eine Winter-Retoure vorkommen. Na, dann ist das jetzt wohl der dritte verschneite März für mich und vielleicht habe ich noch einen vor mir!

Auch wenn heute die Sonne schien und der Himmel strahlend blau war (jedenfalls am Morgen), so wie ich das in Russland im Februar desöfteren genossen habe (seitdem bin ich meinem Mann ein vollständiges Rätsel), nun auch wenn die Sonne schien, wird das Wetter doch als ungemütlich wahrgenommen. Vereinsmitgliederversammlungen werden abgesagt, Webseiten-Teams verschieben ihre Arbeitssitzungen und ich habe die neidvollen Bemerkungen von Freundinnen, Freunden und anderen Menschen im Ohr:

„Na, wenn der Kamin an ist, der Kater schnurrt, Tee mit Rum zur Hand und das Strickzeug am Wickel, das ist doch so super-gemütlich!!

Ist es aber nicht. Die Milch ist alle, der Arm tut weh, ich darf nicht stricken und die Katze pooft woanders… Da fällt mir ein Artikel ein, den mein neuer Strick-Lieblings-Blogger Franklin Habit  im Lionbrand-Blog geschrieben hat: The Iceman Groucheth. Dort geht er auf eben diese gemütlichen Vorurteile ein und zerrupft sie. Ich erlaube mir aus diesem Abschnitt frei übersetzt zu zitieren:

Ich bin mir nicht sicher wo solche Leute leben. Ich stelle mir vor in Farmhäusern auf Hügeln in Vermont oder vielleicht in einer Hütte, hingeschmiegt in die makellosen Wälder von Wisconsin. Sie haben, so stelle ich mir das weiter vor, ein Einkommen, das sie unabhängig macht, Haushaltshilfen und geheizte Garagen, was Ihnen erlaubt, nur wenn sie es wirklich wollen, einen Ausflug in die klirrende Kälte zu unternehmen.  Die muntere Winter-Strickerin muß nur dann  nach draußen, wenn sie fröhlich auf dem Teich eislaufen möchte oder kokett ihren hübschen starken Mann mit Schneebällen bewerfen will, bis der sie huckepack ins Haus zurückträgt und ihr neckisch einen heißen Grog serviert, vielleicht sogar noch die Tasse an ihre Lippen hält damit sie weiterhin gemütlich  am Kamin stricken kann. … Ich habe jedenfalls keine Milch mehr und der nächste Laden ist 5 Blocks weiter und es ist höllisch kalt in Chicago. … Ich muß den Pullover fertig stricken damit ich nicht erfriere… Das ist  jedenfalls was Anderes als Erholung.

Und jetzt noch was Kaltes zum Schluß:

Verschneites OVP

Verschneite Allee im Februar 2013 in Ostvorpommern

Franklin Habit

air Post-Quinn

Alasdair Post-Quinn

Tina hat letzte Woche bei Tichiro . knits and cats die neue Kollektion der knitty vorgestellt. Knitty ist ein amerikanisches, vierteljährlich online erscheinendes Strick-Magazin mit vielen Anleitungen und Themen. Ich hab mir natürlich gleich die Frühlingskollektion angeschaut, fand sie wie etliche andere auch, reichlich abturnend, aber  dann sah ich die Werbung für die Webseite www.double-knitting.com eingeblendet. Dort fand ich heraus, daß es sich um die Seite zu dem Buch Extreme Double-Knitting: New Adventures in Reversible Colorwork handelt. Der Autor mit dem wunderschönen Namen Alasdair Post-Quinn ist ein Meister des Doppelstrickens und seine Anleitungen sind, wenn nicht im Buch dann auf ravelry.com zu finden. Wer sich in diesen Karten-Schal verguckt, kann entweder nur die Anleitung als PDF, als Buch oder als Komplett-Paket (PDF-Download, Buch, Wolle und ein Kartenspiel) erwerben. Hut ab vor diesem fröhlichen Geschäftssinn.

Parallax v0.5 Photo 1Das „Produkt-Photo“ zum Schal Parallax Version 0.5 ist wieder ein Beweis für die enge Verbindung zwischen bildender Kunst  und Strick-Kunst.

Bevor ich zu weit abschweife, noch ein Link zu Alasdairs Photo-Stream bei Flickr. Jetzt aber zurück zur knitty.

In den Kommentaren zu Tinas Knitty-Vorstellung wurde desöfteren auf die eigenartigen historischen Kindersocken hingewiesen, Waltraudt schreibt da zum Beispiel: „Cool find ich die Kindersocken von anno duzimal. Manchmal haben Kleinkinder dicke Füßchen und normale Strümpfe bilden Furchen in die zarten Fußhäutchen wie bei älteren Personen die Gummiränder. So als Haussocke sind die dann sicherlich praktisch.“ Also habe ich mir die historischen Socken angeschaut und den ganzen Artikel auch durchgelesen. Und dabei bemerkte ich, daß der Autor und „Übersetzer“ dieses Beitrags ein gewisser Franklin Habit war, den ich schon bei Alasdair Post-Quinn zitiert fand.

Franklin HabitIch folgte dem Link zu Franklin Habits Seite und war entzückt. Franklin ist wohl einer der prominentesten amerikanischen Stricker, „the cutest knitter on earth“ zu sein wird ihm auch attestiert. In seinem Blog The Panopticon schreibt er vergnügt und humorvoll über Stricken, über das imaginäre Schaf Dolly, das er ebenso wie Harry Bollasockyarn (wer immer das auch wieder ist)  auch heftig twittern läßt, über die schlechten Erfahrungen mit Woll-Läden (es werden weniger, Erfahrungen jedenfalls) und das Eine und das Andere, was ihm so unter die Tasten kommt. Er strickt seit seiner College-Zeit und ist seit dem Strick-Hype endlich glücklich, hat seine Berufung gefunden.

Das ist gut für die Leserinnen und Leser. Für die Stricker und Strickerinnen. Es ist eine Freude, im Blog herumzustöbern, so zum Beispiel wenn er alte englische Strickhefte ausgräbt, ach ich könnte hier viel vorstellen. Ich amüsiere mich königlich über seine Texte, die kurzen politisch-sicherlich-inkorrekten Anmerkungen, das muß jeder selbst lesen.

Mir fällt dabei auf, mit welcher Selbstverständlichkeit Männer stricken, jedenfalls in USA. Und auch mit welcher Raffinesse, welcher Technik. Bei uns in Zentral-Europa (ich behaupte das mal) ist das Stricken ja doch noch eine recht weibliche Angelegenheit. Wer kennt strickende Männer? Ich meine jetzt nicht die Guerilla-Knitters, die mit extra-dicken Nadeln extra dickes Garn um wehrlose Bäume schlingen.

Ganz zaghafte strickende Männer findet man schon, siehe maleknitting.de, aber die stricken noch in einer anderen Liga. Sowas wie einen MFKR (Men’s Fall Knitting Retreat, also „Herbst-StrickendeMänner-Klausur“) gibts bei uns wohl noch  nicht. Ich lasse mich aber gerne vom Gegenteil überzeugen.

So jetzt ist Schluß. Seit Stunden stöbere ich rum, lese mich fest, lache mich scheckig, pflege meinen Strick-Arm, schaue zum Fenster hinaus in den Schnee. Nur ein paar unverzagte Katerspuren vom und zum Haus sind zu sehen, niemand traut sich vor die Tür, es stürmt und schneit und stürmt. Im März! Deshalb noch zum Schluß zwei Männer im ostvorpommerschen Schnee und gut ist für heute.

Schneemänner in Gribow

Schneemänner in Gribow

Eins aber doch noch: Franklin Habit hat ein wunderbares Buch geschrieben und gezeichnet:
It itches! Es kratzt!