An der Ostküste Kurlands

Kurzentschlossen verließen wir Riga für einen Ausflug an die Küste. Ein bekannter Küstenort ist ja Jurmala,  das 1783 zum russischen Zarenreich kam und seit langem ein beliebter Urlaubs- und Kurort / курорт  für ältere, begüterte Russen ist. Ich kann dem Ort nicht viel abgewinnen, wunderschöne alte Holzhäuser werden entweder gentrifiziert oder verfallen vor sich hin und dazwischen wächst eine Investmentruine oder Apartmenthaus nach der anderen aus dem Boden. Kein Wunder, macht Lettland es doch ausländischen Investoren leicht. Wer eine Immobilie für eine bestimmte Summe erwirbt, erhält eine temporäre zweite Staatsbürgerschaft, kann sich dadurch visa-frei im EU-Raum bewegen und kann nach einiger Zeit sogar die uneingeschränkte lettische Staatsbürgerschaft erhalten.

Dies erklärt die vielen nur zeitweise belebten Apartmenthäuser und die Neubauten, aber dies macht den Ort nicht schöner und den Aufenthalt nicht reizvoller. Deshalb beließen wir es bei einem kurzen Blick auf den Strand und fuhren weiter nach Nordwesten.

Es hat seinen Reiz, an einem Wintertag über Land zu fahren.

Ein schmaler Landstreifen trennt die Bucht von Riga von einigen langgestreckten Binnenseen und immer wieder blitzt die Ostsee zwischen den Kiefern durch, das Licht wechselt viertelstündlich, mal grauer Himmel, mal strahlender Sonnenschein.

Wir fuhren bis zu dem kleinen Hafenort Engure, etwa 70km nordwestlich von Riga. Ein kleines verschlafenes Städtchen mit einer hochmodernen Bootswerft und einem wohl aufgegebenem Hafen. Blauer Himmel, die strahlende Sonne und ein Regenbogen machten unseren Auftenthalt dort zu etwas ganz Besonderem.

Wie immer: auf die Vorschaubilder klicken!

Ein eigenartiges Gebäude steht da am Hafen, könnte aus einem Tarkovsky-Film stammen, ziemlich unheimlich.

In Riga, im Zentrum „Ritums“

Ganz in der Nähe von Sena Klets, nur wenige Schritte weiter, findet sich der Ausstellungssaal des Kulturellen Zentrums "RItums". Ritums (Rhythmus) ist eine Dachorganisation verschiedener Kulturvereine. Schon bei einem ersten Rundgang am Sonnabend sahen wir eine Adventsfeier in den festlichen Räumen, und vom 16.11. bis zum 10.12. lud die Vereinigung Draudzība (Freundschaft) in ihre Ausstellung. Schon bei einem Aufenthalt vor 2 Jahren hatte ich eine Ausstellung dieser Gruppe im Zentrum Ritums besucht und die wunderbaren Exponate bestaunt.

Aber vor dem Ausstellungsbesuch erst noch ein Spaziergang durch das etwas angeschneite Riga... viel blieb ja nicht liegen..

Bei jedem Besuch in „Sena Klets″, dem „Alten Speicher, schaue ich genauer hin, entdecke immer mehr Besonderheiten und erfreue mich immer wieder an den schönen Trachten, eine unendliche Fülle.

Das rechte Bild zeigt eine Brosche, ein Schmuckstück, das vom banalen Zweck, ein Tuch zusammenzuhalten, zu einem der wichtigsten Accessoires der lettischen (und auch der estnischen) Trachten wurde. Diese Broschen gibt es in allen Ausführungen, von einfach bis prachtvoll.

Aber jetzt zur Ausstellung im Ritums-Zentrum. Schon ein Blick durchs Fenster zeigt den Reichtum der Ausstellung.
Gewebte Tücher und dazu passende Handschuhe, Perlenarbeiten, Web-Gürtel, die ganze Bandbreite der traditionellen Textilien wird gezeigt.

Jede Arbeit ist mit einer Nummer versehen und aus ausliegenden Listen erfährt man die Namen der Künstlerinnen. Dabei habe ich allerdings eine Information übersehen: die wunderbaren Handschuhe mit 5 Farben in einer Reihe...

Beim Knitting Camp im Frühjahr bekamen wir während des Aufenthaltes in Rucava die Wolle und die Vorlage für diese Handschuhe, die uns aus zweierlei Gründen erstaunten: zum Einen die Dollarzeichen im Bündchen und dann Runden mit 5 Farben gleichzeitig!
Ich komme geradeso mit drei Fäden in einer Reihe zurecht, aber fünf? Das habe ich gar nicht erst probiert.

Inta Jansone aber hat sich daran gesetzt und dieses Paar gestrickt und nach Tallinn mitgenommen. Ich konnte die Handschuhe bei unserem Treffen am Mardilaat bewundern.
Deshalb schrieb ich ihr auch gleich, nachdem ich dieses hier im Ritums sah, daß sie ja jetzt eine museumswürdige Strickerin sei! Und hier zeigte sich, wozu Facebook gut ist: schnell kam die Korrektur, daß dieses Prachtpaar von Anda Mazvērsīte gearbeitet sei.

Anda war auch bei unserem Knitting Camp dabei und sie ist wirklich eine Meisterin!

Mit welcher Phantasie und Meisterschaft die Kunsthandwerkerinnen hier fähig sind, ist erstaunlich.

Immer wieder setzen sie neue Akzente, wie hier mit diesem Bündchen, das mit seinen bunten Tannennadel-Mustern dem schwarz-violetten Fingerhandschuh einen bunten Abschluß verleiht.

Vielleicht ein Einzelstück, ich habe diese Variation hier zum ersten Mal gesehen.

Nun aber zum Abschluß dieses Berichtes eine bunte Galerie. Handschuhe, Tücher, Perlen, und auch ungewohnte Variationen: statt mit einer Kontrastfarbe wurde bei manchen Arbeiten das Muster mit Perlen gearbeitet, sehr exquisit!

Wie immer: Auf die Vorschaubilder klicken!

Und noch ein paar Informationen für Riga-Reisende:

Kultūras un tautas mākslas centrs "Ritums"
Jauniela 29a, Rīga (Altstadt)
Telefon: 67105667
Webseite: https://www.ritums.lv/lv

50 m von Sena Klets entfernt, eine ideale Lage!

Loading
Karte zentrieren
Verkehr
per Fahrrad
Transit
Google MapsRoutenplanung starten

Zurück aus Tallinn, glücklich, müde

Ausgefüllte Tage waren das, donnerstag nach Tallinn geflogen, am Freitag auf dem Mardilaat und im Rahva Raamat - Buchladen, am Samstag bei Karnaluks und wieder auf dem Mardilaat und am Sonntag gemächlich zurückgeflogen - aber müde macht es schon! Wir haben viele Freunde getroffen, und viel erlebt.

Das fing gleich mit einem Komplett-Stromausfall bei unserer Ankunft im Hotel an, mit einem Abendessen im Dunkeln, naja, es gab nur kalte Küche - Schinken-Käse- und Zimtschnecken... aber da Simone auch im Economy-Hotel abgestiegen war, ging uns der Gesprächsstoff und Spaß nicht aus. Am Morgen dann trafen wir Maja und ihren Mann beim Frühstück, und auf der Messe war es nur noch ein einziges Hallo! Aus Lettland, aus Litauen, aus der Schweiz, aus Estland, Teilnehmerinnen und Lehrerinnen der Knitting Camps in Lettland und dem Craft Camp...  diese Kunsthandwerksmesse ist schon etwas ganz Besonderes.

 

Ich habe mich schon vor der Reise auf den Seiten der estnischen Buchhandlungen umgeschaut und eine Bestellung bei Rahva Raamat aufgegeben, die Filiale dieser größten Buchhandelskette Estlands im EInkaufszentrum Rocca al Mare hatte dann auch alle meine bestellten Bücher für mich bereitgelegt. Ich will noch nicht zuviel verraten, aber ich hatte nicht nur für mich Bücher bestellt...

Ganz besonders ersehnt und erwartet und deshalb habe ich es auch für eine Freundin mitgebracht: die Neuauflage des Klassikers "Kihnu Roosi Kindakirjad. Mitten Patterns From Kihnu Island",  dieses Buch war ja nicht mehr zu bekommen.

Und noch ein tolles neues Buch: Das grosse Buch der estnischen Kopfbedeckungen,  "Suur Mütsiraamat. Eesti Kihelkondade Peakatted", Lustigerweise übersetzt der Google-Translator diesen Titel mit "Großes Jagdbuch. Sitz der estnischen Pfarreien"

Ein gemeinsames Abendessen mit lieben Freunden ist inzwischen eine von mir gepflegte Tradition bei solchen Ereignissen und in Tallinn lade ich dann gerne in das Restaurant "F-Hoone" ein. So auch diesmal. Ein langer Tisch war nötig, und es wurde auf englisch, lettisch und estnisch parliert.

Eine ganz besondere Freude war, daß Kaidi-Kätlyn und Nele Laos dabei waren, Nele, die die ersten Craft Camps der Cultural Academy organisiert hatte und Kaidi-Kätlyn, die beim Kurzeme-Knitting-Camp dabei war und mich immer wieder mit Geschenken überrascht. Lieben Dank, Kaidi!

Am Samstagmorgen stand der Besuch bei Karnaluks, dem riesigen Kurzwarenmagazin, auf dem Programm und ich war baff. Ein Reisebus stand vor dem Haus und geschätzte hundert Finninnen standen Schlange an der Kasse! Wieder einmal die Bestätigung, daß schon allein dieses Geschäft eine Reise nach Tallinn lohnt. Aber ich habe mich diesmal zurückgehalten, kein Kaufrausch, nur ein paar Stricknadeln..

Zum Schluß dieses Beitrags noch einige Bilder, mehr von meiner Reise in den nächsten Beiträgen!

Sommerreise 2017 – zu guter Letzt und dann gehts weiter…

Am 10. Juli ging es nach Olustvere zum Craft Camp, aber davor kamen wir noch einmal zu einem gemeinsamen Abend zusammen.
Auf solch einer Reise vergißt man leicht Datum und Zeit und so kam es, daß ich Külli schon für den Abend vorher eingeladen hatte... "Connie, I don't see you and nobody is knitting here"  , war ihre Mitteilung an mich...

Aber am Samstagabend trafen wir uns dann doch noch im Restaurant F-Hoone.

Im Restaurant F-Hoone, Tallinn

Kaidi-Kätlyn kennen wir aus Lettland, sie hatte dort am Knitting Camp teilgenommen und uns sehr beeindruckt,. Sie strickt mit atemberaubender Geschwindigkeit wunderschöne Dinge. Hier trägt sie das Kleid, das sie als Abschlußarbeit für den Kunstunterricht entworfen und umgesetzt hat. Inzwischen hat sie ja auch noch zum 3. Mal den 3. Preis beim Haapsalu Lace Day gewonnen. Sie beeindruckt mich sehr.

Kaidi-Kätlyn schenkte mir ein wunderschönes, von ihr gestricktes Tuch, mit kleinem Streumuster und schöner Spitzenkante. Ich war (und bin) immer noch sehr gerührt. Solch eine unerwartete Freude.

Ja, damit ging die von mir organisierte Reise von Riga nach Tallinn zu  Ende, Christiane und Ewa reisten am Sonntag zurück nach Deutschland und wir Übriggebliebenen (Sue, Simone, ich) starteten am Sonntag zum Craft Camp 2017 der Cultural Academy Viljandi. Wir waren sehr gespannt, denn für diesmal hatten sich 71 Teilnehmer angemeldet... wie wird das werden?

Nun, ich kann schon mal sagen, daß es gut war. Ich habe viel gelernt, viel Freude gehabt, viele Teilnehmerinnen wieder gesehen, aber davon im nächsten Beitrag!

Und auf den Storch von Olustvere freute ich mich ganz besonders, wann sieht man schon mal einen Storch auf dem Dach sitzen oder in einem Fußballtor spazierengehen?

Der Storch im Fussbaltor

Sommerreise 2017 – Haapsalu und Tallinn

Unsere Reise nach Tallinn nähert sich dem Ziel, am 7. Juli verlassen wir die Insel Saaremaa und fahren nach Tallinn, mit einem Stopp in Haapsalu.

An der Fähre zum Festland ein letzter visueller Gruß: selbst am Fähranleger gibt es hier ein Handarbeitsgeschäft... wir sind aber zu früh und so bleibt uns nur der Blick durch die Fenster.

An der Fähre

In Haapsalu sind wir mit unseren Bekannten Anne und Embi zum Kaffee im Café Hugo verabredet, und selbstverständlich werden wir auch das Lace Center / Pitsikeskus besuchen und durch die Geschäfte bummeln.

Vor 2 Jahren war ich das erste Mal in dieser hübschen Stadt am Meer, habe das Spitzenzentrum kennengelernt und Freundschaften geschlossen.

Seitdem versuche ich bei jeder Reise nach Estland hier vorbeizukommen.

Der erste Weg führt uns ins Lace Center, und zu unserer Freude wird hier gerade die Ausstellung "Eesti Valge -Estnisches Weiß" gezeigt, die ich schon im letzten Winter in Tallinn bewundern konnte.

Nicht nur Spitze, auch Handschuhe, Strümpfe, Kleider werden ausgestellt, jedes Exemplar schöner als das andere.

Natürlich verlockt das bunte Garn zum Kauf, und Mirja, die Leiterin des Zentrums, tut ihr Bestes, aber ich bleibe standhaft, ich habe genug Garn für ziemlich viele Tücher und Schals zuhause. Mich freut, mit wie vielen Farben heutzutage gestrickt wird, zum klassischen Weiß kommen jetzt noch viele andere schöne Farben, aber es wird auch mit anderen Wollqualitäten gestrickt, sogar mit Mohair-Garn, wie ich erfahre. Das kann ich mir aber nun nicht mehr vorstellen, die schönen Muster verschwinden doch wohl alle im Flausch...

Das Zentrum wird von Touristen besucht, aber nicht nur.

Diese kleinen Besucher warten auf ihre Mutter, die gerade neues Garn besorgt.

Cool!

Das Lace-Center ist recht rührig, es werden immer neue Ausstellungen gezeigt, die Mitglieder treffen sich zu gemeinsamen Stricken oder zu Kursen und Vorträgen und unternehmen Ausflüge, so zum Beispiel zum "Mardilaat"-Markt in Tallin oder weißgekleidet am "Weiße-Dame-Tag" in Haapsalu. 

Zu den Mitgliedern zählen auch die Verfasserinnen der inzwischen doch recht zahlreichen Haapsalu-Schal-Bücher und immer wieder entwerfen sie neue Muster. So bekam die estnische Präsidentin, Kersti Kaljulaid, bei ihrem Besuch im Lace Center auch einen eigens von Sirii Reimann entworfenen Schal überreicht. Ein ausführlicher Bildbericht über diesen Besuch findet man auf der Seite der Zeitung Lääne Elu.

Jedes Jahr im August veranstaltet das Lace-Center auch den Lace-Day (Pitsipäev) mit Vorträgen, Freiluft-Stricken, Verkaufsständen, einer Modenschau und einem Strickwettbewerb.

Und dieses Jahr vergab die exzellent besetzte Jury (Linda Elgas, Aime Edasi, Siiri Reimann, Aasa Jõelaid und Anu Pink) den dritten Preis an Kaidi Kätlyn Reimann, die bereits 6 Mal an diesem Wettbewerb teilnahm und nun zum dritten Mal einen Preis gewann. Kaidi Kätlyn hat uns alle schon beim Knitting Camp "let's Knit in Kurzeme" im Mai in Lettland beeindruckt. Um so schön stricken zu können muß man wohl in Estland geboren und/oder aufgewachsen sein. Herzlichen Grlückwunsch!

Hier der Link zu einer Bildergalerie mit Eindrücken vom 6. Pitsipäev in Haapsalu im August! Ich war leider nicht dabei ;=(

Sirii Reimann und der Präsidentinnenschal

Der 3. Preis ging an Kaidi-Kätlyn!

Die Preisträgerinnen 2017

Die Preisträgerinnen 2017

Dieses Video zeigt einen Ausschnitt von der Modenschau des diesjährigen Spitzentages und gleich zu Beginn bei Minute 0:38 zeigt Embi den schönen dunkelroten Schal, bei Minute 2:09 präsentier Anne in ihrer ostpreußischen Tracht einen weißen Schal.

Nun aber wieder zurück zu unserem Aufenthalt in Haapsalu. WIr stromerten noch durch einige Geschäfte und dabei machte ich noch einige interessante Entdeckungen.

Eigenartige Sockenform

Ob diese Socken eine lokale Spezialität sind? Ich weiß es nicht, ich habe aber eine solche Form bisher noch nicht gesehen.

oÜ Rewool

Dieses Etikett habe ich fotografiert, um mir diese estnische Wollmarke zu merken. Leider findet man, wenn man nach dieser Marke googelt, nur recht alte Hinweise auf die schlechte wirtschaftliche Lage oder den Bankrott der Firma. Ob die Firma überhaupt noch existiert, weiß ich nicht.

Wir waren ja zum Kaffee verabredet und das Café Hugo an der Promenade zeigte sich diesmal von seiner besten Seite, die Bedienung war freundlich und schien ausgeschlafen, letztes Jahr waren unsere Erfahrungen nicht so gut...

Bei Kaffee und Kuchen erzählten wir Anne und Embi von unserer bisherigen Reise und den weiteren Vorhaben und tauschten uns aus. Mich freut, daß wir die Bekanntschaften pflegen können, wir uns bei jedem meiner Besuche in Haapsalu treffen und ich Anne (und vielleicht auch Embi)  auf jeden Fall beim nächsten Mardilaat in Tallinn im November wiedersehen werde.

Am frühen Abend brachen wir dann nach Tallinn auf, wo wir diesmal eine Ferienwohnung und kein Unterkommen im Hotel Economy hatten, ich sollte nicht soviel Werbung machen, daß hinterher für uns keine Zimmer mehr frei sind! Unsere Unterkunft im Kalamaja-Viertel war auf jeden Fall ein Glückstreffer und ich werde diesen Geheimtipp nicht herausposaunen!

Zum Schluß ein Gruppenbild mit Damen aus Haapsalu: von links nach rechts:

Anne, Sue, Christiane, Embi und rechts von mir Ewa. Man sieht uns an wie gut es uns geht!

 

Gruppenbild in Haapsalu