On the Fly…

Nun geht es ja schon bald wieder auf Reisen! Aber vorher ist noch Einiges zu erleben und zu erledigen: zu meinem / unserem Erstaunen haben wir Ende des Monats Silberhochzeit, und das feiern wir mit Neffen, Nichte, Freunden bei Erich im Atelier Pamitz, mit Musik, Leckereien, Performance und Lesungen… es wird sicherlich aufregend und schön.

Kurz danach geht es dann nach Berlin, weiter nach Riga und nach einer Stippvisite bei Sena Klets nehme ich einen Bus nach Estland, wo ich in Männiku südlich von Viljandi am Winter-Camp der Cultural Academy teilnehmen werde.

Und zu meiner Freude habe ich erfahren, daß Annemor Sundbø in Berlin auf der Grünen Woche anzutreffen sein wird. Also fahre ich einen Tag früher nach Berlin und mische mich unter die Menge. Ich möchte sie sehr gerne kennenlernen…

Auf unseren Flughäfen werden die Sicherheitskontrollen immer schärfer und wir Strickerinnen fürchten da oft um unsere Stricknadeln (in Tallinn habe ich ja auch neulich eine Rundstricknadel eingebüßt… ).

Knitting on the fly?

Knitting on the fly? Foto: agoodyarn.net

So kann man heute nicht mehr reisen, das ist mir klar.
Aber je mehr ich über die Sicherheit an Bord nachdenke, desto mehr ärgere ich mich.
Den größten Druck üben ja die USA aus,  verlangen immer schärfere Gepäck- und Fluggast-Kontrollen und immer mehr Passagierdaten und dann erfährt man, dass es in den USA vollkommen selbstverständlich ist, Waffen und Munition im Gepäck einzuchecken. Da wird dann auch schon mal ein ganzes Terminal unter Feuer genommen…

Aber was ist schon eine Handfeuerwaffe gegen eine gefährliche  Rundstricknadel?

Bevor ich losfahre…

Ja, in 2 Tagen geht es los, erst nach Berlin, treffe mich mit meinen Neffen und der Strickfreundin Regina, und dann von dort aus ein kurzer Hopser nach Riga. Nach zwei Tagen in Riga dann nach Strazde in Kurzeme (Kurland), wo ich an einem dreitätigen Strick-Workshop teilnehmen werde. Strazde ist ein kleiner Ort mit einem renovierten Gutshaus, vielen Feldsteinhäusern, flacher weiter Landschaft -kein großer Kulissenwechsel von Vorpommern nach Kurzeme also.

In Riga gibt es dann noch ein Ravelry-Familien-Treffen: In Sena Klets (inzwischen auch ein bekannter Ort hier) treffen sich baltisch-infizierte Strickerinnen aus den USA und Deutschland mit Maruta und Monta Grasmane und alle gehen gemeinsam schmausen. So rückt die Welt zusammen!

Wwie es aussieht, werden es wohl rund Teilnehmer(innen) werden, aus Deutschland, USA, Estland und den Niederlanden. Ich bin gespannt und werde berichten.

Aber vorher habe ich noch einen Lesetipp:
Dass ich Annemor Sundbø sehr schätze und viel von ihr gelernt habe, ist kein Geheimnis. Ich habe sie schon einige Male in meinen Beiträgen auf der Wockensolle vorgegestellt und erwähnt. Jetzt habe ich durch einen Hinweis bei Ravelry ein Interview im Norwegian Textile Letter mit ihr gefunden, das ich hier gerne verlinken möchte: A Rag Pile, my Lot in Life, ein Exkurs über Schicksalsgöttinen, Mythologie, Textiltechnik und weitergeben von Traditionen.

 

Annemor Sundbø, ein Screenshot von http://lokalkulturen.fvn.no

Annemor Sundbø, ein Screenshot von http://lokalkulturen.fvn.no

Und wie es so geht, habe ich mich auf der Webseite des Norwegian Textile Letters umgeschaut und eine interessante Diskussion entdeckt, den norwegischen Strick-Krieg. Aber das ist eine andere Geschichte, für nach dem Strick-Camp..

Kurzer Zwischenbericht

Ich war die Tage damit beschäftigt, ein eBook für einen kanadischen Autor fertigzustellen.
David Seven Deers: Travelling MotherDas Buch von David Seven Deers, Travelling Mother: A First Nations‘ Journey  ist gestern erschienen.

Deshalb habe ich hier wenig geschrieben.

Ich lass mich gerne verführen, von einer Lektüre zur nächsten, und von einem Link zum nächsten. Und dann stelle ich verblüffende Querverbindungen fest, denn wenn ich mich mit einem Thema beschäftige, ist die Aufmerksamkeit geschärft und die unsichtbaren Fäden zwischen den Themen werden spürbar… (Annemor Sundbø schreibt ja auch von invisible threads..)

Knitting Traditions Spring 2014

Knitting Traditions Spring 2014

Und gestern dann die Ankündigung der neuen Ausgabe von Knitting Traditions.  

Ich lese dieses Heft gerne, habe schon manche Anregung daraus umgesetzt oder mich in darin behandelte Themen weiter eingelesen.

Deshalb studierte ich das Inhaltsverzeichnis des Heftes und sah dieses:

 

Inhaltsverzeichnis

Die Jacke fing meinen Blick, sieht sie doch „meiner“ Nordmark-Jakka sehr ähnlich, Und dann sehe ich, daß der Artikel über die Coast Salish und ihre Strick-Traditionen berichtet.

David Seven Deers gehört zu den Coast Salish. 

Ich werde also in der nächsten Zeit berichten können, was ich aus erster Hand über die Coast Salish und ihre Strickkünste in Erfahrung bringen kann.

Nordmark-Jakka: Schwiegervaters Jacke

1971: DIe Schwiegervater-Jacke

1971: DIe Schwiegervater-Jacke

Ich habe ja vor kurzem die schöne norwegische Strickjacke vorgestellt, die ich als junges Mädchen tragen konnte. Niemand weiß wo diese Jacke geblieben ist, mein erster Mann kann sich leider nicht erinnern.

Ich habe die Nachforschung nicht aufgegeben und Annemor Sundbø angeschrieben, das Foto und den Link zu dem Video beigefügt. Vielleicht kann sie etwas zu der Jacke sagen?

Ganz schnell bekam ich von ihr Antwort. SIe schrieb mir, daß die Jacke „Nordmark-jacka“ hieße und die Anleitung aus einer Wochenzeitung, wohl aus den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts, stamme. SIe habe einen solchen Sweater in ihrer Sammlung, im Fundus / ragpile der Lumpenmühle und dieser sei auch dokumentiert. Zu meiner Freude sandte sie mir dann ein Foto aus ihrem Archiv:

Aus Annemor Sundbøs Archiv

Aus Annemor Sundbøs Archiv

In ihrem Flickr-Photostream ist dieser Sweater auch zu finden. Wie ich ja aus dem Buch „Everyday Knitting: Treasures from a Rag Pile“ gelernt habe, wurden die Pullover und Jacken nicht strikt nach Anleitung gestrickt, vielmehr wurde mit den Mustern experimentiert und so entspricht „meine“ Jacke auch nicht in Allem dem Exemplar aus Annemor Sundbøs Fundus.

  • JackendetailMeine Jacke hat an den Ärmeln und am Körper insgesamt 3 Musterstreifen / Bordüren / border, der Pullover nur unterhalb des „Bild-Streifens“ und oberhalb des Bündchens.
  • Die Jacke hat keine „Läuse“ im Flächenmuster, der Pullover zeigt helle Dreiecke auf dunklem Grund.
  • Die Jacke zeigt dunkles Muster auf hellem Grund, beim Pullover ist es umgekehrt
  • Der Pullover hat einen andersfarbigen Bund, wahrscheinlich reichte das Dunkelblau nicht mehr.

K002-4-1Der blaue Sweater K002-4-1,  in Annemor Sundbøs Mappe rechts neben „meinem“ Modell, zeigt die gleiche Struktur, hier  ist aber ein anderes Tiermotiv, ein Hund und kein Rentier,  von der Passe auf die Ärmel gewandert. Auch dies ein Zeichen, wie gekonnt aus dem großen Muster-Vorrat geschöpft wurde.

Was bedeutet das alles für mich?

Ich habe, seit ich mich in letzter Zeit mit der Stricktradition beschäftige, viel gelernt und erfahren. Ich habe mir die Bücher von Annemor Sundbø besorgt und diese mit viel Freude durchstöbert. Dadurch erinnerte ich mich an die Jacke aus alter Zeit und begab mich auf die Suche. Wenn ich etwas wirklich wissen möchte, dann wende ich mich oft direkt an die Autoren, von denen ich annehme, daß sie mir weiterhelfen können. Und das hat mich auch dieses Mal weitergebracht.

Ich habe nun eine direkte Verbindung zu der Jacke meines Schwiegervaters, sie spielte eine Rolle in meinem Leben. Und jetzt auch eine Verbindung zu einem Pullover aus dem Fundus / RagPile von Annemor Sundbø. Aus dem allgemeinen Interesse an diesen Pullovern und Jacken ist ein persönliches Interesse geworden. Sundbøs Leistung und Beharrlichkeit hat auch für mich  ganz persönlich Bedeutung.

Nun sollte ich eigentlich beginnen und meine ganz persönliche Jacke stricken. Vorlagen und Anleitungen habe ich ja jetzt.

Nocheinmal die Links:

Vielen Dank, daß dieses Wissen nicht vergessen ist. VIelen Dank für den Fleiß und die Beharrlichkeit, Annemor Sundbø!

Lusekofta – Lausiger Pullover ?

Irish Dream by DROPS Design

Und gleich ein neues Paar Socken in Arbeit, auch wieder in klassichen Farben

Ein klassisches norwegisches Pullovermuster ist das Lausmuster… einzelne kleine Maschen in einer anderen Farbe als die Grundfarbe, meistens hell auf einem dunklen Pullover. Annemor Sundbø hat dieses Muster Lusekofta  ja beschrieben und benannt. 

Mein graudunkelblauer Socken nach der Anleitung von Drops Design wächst,  und ich habe mich einige Zeit gewundert weshalb mir die Farbkombination so vertraut ist. Und dann kam mir die Erinnerung wieder.

In den 70er Jahren gab es eine interessante Zeitschrift: „100 Ideen“, wohl das erste alternative Handarbeits- und Hobbymagazin überhaupt. Zwei Jahre lang erschien die Zeitschrift in Deutschland, dann verschwand sie wieder. Ich erinnere mich, daß ich 1976 einen Pullover aus dem Heft gestrickt habe. Einen dunkelblauen Norwegerpullover mit hellgrauen „Läusen“…. Das Heft habe ich noch, den Pullover nicht mehr.

100 Ideen, November 1976

Dieses Heft enthielt die Anleitungen für mehrere Folklore-Pullover, damals geometrische JacquardPullover genannt,  und einer davon wurde dann auch „meiner“:

100 Ideen, November 1976Der Pullover oben rechts mit dem schönen dreieckigen Mustersatz.

Ich habe mich dann durch die Anleitung gekämpft und diesen Pullover gerne getragen. Leider gibt es kein Foto davon.

In den 80ern dann ging mir dieser wunderschöne Pullover verlustig: mein Freund Jim Menesses, ein amerikanischer Schlagzeuger ging mit der seligen Band „KIXX“ auf Tour in die DDR und es sollte kalt werden und er hatte keinen warmen Pulli. Also nahm er meinen mit, und irgendwo hat er ihn wohl im Liebeswahn verschenkt. Er kam auf jeden Fall ohne meinen Pullover von der Tour zurück und ich war ziemlich sauer.

Ich habe mal die Anleitung und die Bilder rausgesucht und dabei festgestellt, daß diese „100 Ideen“ , welche ursprünglich aus Frankreich kam, auch dort noch eine Fan-Gemeinde hat, es gibt sogar einen Blog / ein Forum dazu, wo man alte Hefte tauschen oder kaufen kann. Und da forschte vor 2 Jahren Joëlle nach der Anleitung. Und zeigte auch ein Photo.mein Pulli auf französisch

Heute habe ich dann  mal die Seiten aus meinem uralten Heft eingescannt und daraus eine kleine Galerie gemacht.  War schon eine wunderschöne Anleitung.

Und hier die Strick-Anleitung im PDF-Format zum Herunterladen:

Download

 Und noch der Link zum blog des centidealistes, und die gezeigte Seite startet gleich mit einer Photographie des schönen Pullovers.

Die französisch-sprachige Anleitung ist dann hier auch zu finden: Pull jacquard du numéro 36

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