Suiti Socken

Ein wenig Kabarett zum Thema ;=)

Willkommenskultur durch Strickkultur… nun ich habe den Aldi-Katalog nicht studiert und deshalb bin ich erst durch die aktuelle  Quer-Sendung aufmerksam geworden, und so kommt das Sonntagsvideo halt einen Tag später… den Sonntag habe ich strickend verbracht, da saß ich fast nicht am Rechner.

Franklin Habit antwortet dummen Journalisten

Vor drei Jahren im März war es fürchterlich kalt, ich konnte nicht stricken, da der Arm schmerztem,  und so stöberte ich im Netz herum und fand strickende Männer.

Heute ist es hier in Ostvorpommern auch bärisch kalt, kein Schnee aber viel Rauhreif überall, und ich habe wieder einen wunderbaren Text von Franklin Habit gefunden, wo er mir so richtig aus der Seele spricht.

In Form eines Briefes an einen Journalisten listet er so ziemlich die üblen Klischees auf, die den Schreiberlingen so einfallen wenn sie „unser“ Thema recherchieren sollen.

  • Stricken ist nicht Häkeln …
  • Shut up about my grandmother
  • Es interessiert niemanden, ob Männer stricken

Ja, da hat er Recht. Die immer wieder zitierte Großmutter und das Verwundern, daß Männer in der Lage sein können, ein paar Nadeln und einen Faden zu halten und daran Vergnügen zu finden, gepaart mit absoluter Unkenntnis (ich erinnere nur an den Nordkurier, wo die dusselige Praktikantin als Maschenprobe für einen dusseligen Schal 300 Maschen / 10cm aufführte!), diese Punkte, die anscheinend weltweit nicht zu überwinden sind, die listet er wunderbar und wonniglich auf und entgegnet ihnen auf eine Weise, die jedem Stricker (männlich oder nicht) Genugtuung gibt und jedem Journalisten den dringenden Wunsch vermittelt, entweder die Klappe zu halten oder sich in eine Ecke zu verkriechen….

Lange Sätze, lest selbst! Hier der Link: Franklin Habit’s Friendly Three-Point Message to Journalists Who Seek to Write About Knitting and Crochet 

Viel Spaß dabei!

 

Warum stricken?

Das ist eine Frage, die sich vor ein paar Jahren ein paar junge Amerikaner gestellt haben und sie haben Knitted Productions, eine Initiative gegen das Strick-Verschwinden gegründet. Die Webseite ist leider nicht mehr vorhanden, einzig ein paar Videos sind bei Youtube erhalten geblieben. Am amüsantesten finde ich die battle:

Strickende Männer – immer wieder ein Thema ;=)

Testosteron-Gehäkel

Wenn Kunst zu sehr auf Effekt zielt, wird sie sehr schnell bedeutungslos.
Wenn Kunst zu sehr bestimmte sexuelle Präferenzen bedient, wird die Zielgruppe deutlich eingeschränkt.
Wenn Kunst dann noch Techniken verwendet, die Menschen mit anderer sexueller Präferenz zugeschrieben wird (also z.B. Menschen mit Menstruationshintergrund), wird sie zu kokett.

Jürg Benningers Arbeiten

Jürg Benningers Arbeiten / Screenshot (Klick vergrößert)

juergbenningerhimselfIch habe da eine Ausstellungsankündigung von Jürg Benninger erhalten und mir die Arbeiten angeschaut. Und finde sie belanglos und affektiert.

Einordnen würde ich die Arbeiten als Rosemarie-Trockel-epigonal, mit etwas Schwulenzauber garniert.
Aber schon mit den Arbeiten von Rosemarie Trockel kann ich wenig anfangen.

Ich finde, auf seine Arbeiten passen meine drei oben genannten Aussagen. Erscheint mir alles zu kalkuliert.

Und wenn ich jetzt etwas polemisch werde, so meine ich doch, daß, wenn Frauen in sog. Männer-Domänen eindringen, gelingt dies meistens weniger oberflächlich, affektiert und aufgesetzt.

Und nun genug der Kunst-Polemik, die Woche hat begonnen und viel Garn erwartet mich ;=)

Vom Faden zum Kunstwerk

Riho Toomra: Ausstellung zu Herbert Nieblings 110. GeburtstagDen letzte Sonntag in Tallinn habe ich ruhig angegangen, gelesen, Kaffee genossen und dann ein Treffen mit Lizzy. Ich kannte sie bisher nur aus Ravelry, denn sie strickt wunderschöne Dinge, reist viel im Baltikum und lebt in meiner ehemaligen Heimatstadt Hamburg… genug der Gemeinsamkeiten! Wir hatten ein angeregtes Gespräch und stellten noch viele weitere Gemeinsamkeiten fest. Und dann die Überraschung:

Lizzy schenkte mir den Katalog der Ausstellung „From Thread to Art“ zum 110. Geburtstag von Herbert Niebling, dem deutschen Meister-Kunst-Stricker. In Riga hatte ich das Plakat der Ausstellung gesehen und es bedauert, daß ich wieder einmal zu spät gekommen war!

Riho ToomraDie Decken wurden alle von Riho Toomra gestrickt, einem wahren Zauberstricker aus Estland. Solch ein Geschenk eine  Woche vor dem Geburtstag, das habe ich gleich weggepackt und für den Gabentisch aufgehoben. 

Riho Toomra, 50 Jahre, hat ein Reisebüro, Metal Travel Agency,  und organisiert Reisen zu HeavyMetal-Festivals, so z.B. nach Wacken, ein martialischer Kerl, den man sich eher mit ölverschmierten Händen denn mit einem Strickstück in der Hand vorstellt. Noch mehr erfährt man hier auf dieser Seite des Menzendorf-Museums in Riga.

Lizzy hat mir dann noch einen Link zu einem Video über ihn geschickt, das ich hier gerne einbette.


Piret Järvis story about Riho Toomra @ Pealtnägija von bigproblem11

Selbstverständlich ist Riho auch bei Ravelry und Facebook und 20 seiner Werke sind bei Ravelry zu bewundern. Und in dem Video, welches in estnischer Sprache ist, kommt dann auch Ulve Kangro, deren Atelier ich hier schon vorgestellt habe, zu Wort.

Wieder einmal durfte ich erleben, welche Verbindungen gemeinsames Interesse schaffen kann, welche Fäden sich zwischen Strickern, Designern, Liebhabern knüpfen.  Und wie bereichernd das ist!

Das Nachhausekommen nach einer solch intensiven Reise, nach so vielen Eindrücken, ist nicht so einfach, da ist das Zuhause-Sein erstmal schwierig. Mir blieb nur wenig Zeit zum Ruhen, denn Feiertage standen an. Zu meinem Geburtstag hatten sich meine Nichte samt Mann, Neffe samt Mann und Schwager und Schwiegermutter aus Madrid angekündigt. Also aufräumen, vorbereiten, hoffen, daß das Wetter hält.

Es hat gehalten. Und der Geburtstag war wunderbar. Ich war von lieben Menschen umgeben und wurde reich beschenkt:

Geburtstagstisch

Mein Geburtstagstisch

Ein Hocker, dessen Bezug an Strickmuster erinnert (obwohl er geflochtene Bänder zeigt), großartige Photo-Bände von William Eggleston, von Lizzy der Katalog zur Ausstellung von Riho Toomra (links oben) und von Frau Wollfrosch ein wunderschönes Nadelspiel-Etui mit Snoopies und Polka-Dots samt kleiner Tasche für Maschenmarkierer und weiteres Kleinteiliges. Und weitere schöne Dinge… Nun bin ich 9×7 Jahre alt und freue mich.

Danke!

Und Herbert Niebling werde ich demnächst hier auf der Wockensolle auch mal einen Beitrag widmen, einige seiner Muster sind wieder aufgelegt worden und können bestellt werden.

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