1 zu 3: 3 Tage stricken, 1 Tag weniger im Gefängnis

Das ist doch mal ein Deal, wenn auch nur für eine kleine Zielgruppe:

für drei Tage Stricken oder Häkeln erhalten die Gefangenen im Hochsicherheits-Zuchthaus von Arisvaldo de Campos Pires in Brasilien.

Eine brasilianische Designerin, Raquel Guimaraes,  lässt seit 2009 ihre Modelle von speziella usgebildeten Häftlingen anfertigen, weil sie keine Auftragsstricker für ihre Kreationen fand. Mehr als 100 Häftlinge nehmen inzwischen an dem Projekt Flor de Lotus (‚Lotus Flower‘) teil und erhalten für ihre Arbeit 75% des brasilianischen Mindestlohns.

Selbstbewußtsein, Kenntnisse und Selbstvertrauen erwerben die Häftlinge laut der Projektleitung, und das hilft ihnen sicherlich bei dem Neu-Start in das zivile Leben nach der Haftenlassung.

Unter dem Bericht finden sich natürlich auch kritische Kommentare, u.a. zur Ausnutzung von Gefangenen in kommerziell betriebenen Gefängnissen.

Link zum Bericht: Knitting their way to freedom, the maximum security prisoners who get a day off their sentence for every three days they work for luxury fashion label

Ein wenig Kabarett zum Thema ;=)

Willkommenskultur durch Strickkultur… nun ich habe den Aldi-Katalog nicht studiert und deshalb bin ich erst durch die aktuelle  Quer-Sendung aufmerksam geworden, und so kommt das Sonntagsvideo halt einen Tag später… den Sonntag habe ich strickend verbracht, da saß ich fast nicht am Rechner.

Franklin Habit antwortet dummen Journalisten

Vor drei Jahren im März war es fürchterlich kalt, ich konnte nicht stricken, da der Arm schmerztem,  und so stöberte ich im Netz herum und fand strickende Männer.

Heute ist es hier in Ostvorpommern auch bärisch kalt, kein Schnee aber viel Rauhreif überall, und ich habe wieder einen wunderbaren Text von Franklin Habit gefunden, wo er mir so richtig aus der Seele spricht.

In Form eines Briefes an einen Journalisten listet er so ziemlich die üblen Klischees auf, die den Schreiberlingen so einfallen wenn sie „unser“ Thema recherchieren sollen.

  • Stricken ist nicht Häkeln …
  • Shut up about my grandmother
  • Es interessiert niemanden, ob Männer stricken

Ja, da hat er Recht. Die immer wieder zitierte Großmutter und das Verwundern, daß Männer in der Lage sein können, ein paar Nadeln und einen Faden zu halten und daran Vergnügen zu finden, gepaart mit absoluter Unkenntnis (ich erinnere nur an den Nordkurier, wo die dusselige Praktikantin als Maschenprobe für einen dusseligen Schal 300 Maschen / 10cm aufführte!), diese Punkte, die anscheinend weltweit nicht zu überwinden sind, die listet er wunderbar und wonniglich auf und entgegnet ihnen auf eine Weise, die jedem Stricker (männlich oder nicht) Genugtuung gibt und jedem Journalisten den dringenden Wunsch vermittelt, entweder die Klappe zu halten oder sich in eine Ecke zu verkriechen….

Lange Sätze, lest selbst! Hier der Link: Franklin Habit’s Friendly Three-Point Message to Journalists Who Seek to Write About Knitting and Crochet 

Viel Spaß dabei!

 

Warum stricken?

Das ist eine Frage, die sich vor ein paar Jahren ein paar junge Amerikaner gestellt haben und sie haben Knitted Productions, eine Initiative gegen das Strick-Verschwinden gegründet. Die Webseite ist leider nicht mehr vorhanden, einzig ein paar Videos sind bei Youtube erhalten geblieben. Am amüsantesten finde ich die battle:

Strickende Männer – immer wieder ein Thema ;=)

Testosteron-Gehäkel

Wenn Kunst zu sehr auf Effekt zielt, wird sie sehr schnell bedeutungslos.
Wenn Kunst zu sehr bestimmte sexuelle Präferenzen bedient, wird die Zielgruppe deutlich eingeschränkt.
Wenn Kunst dann noch Techniken verwendet, die Menschen mit anderer sexueller Präferenz zugeschrieben wird (also z.B. Menschen mit Menstruationshintergrund), wird sie zu kokett.

Jürg Benningers Arbeiten

Jürg Benningers Arbeiten / Screenshot (Klick vergrößert)

juergbenningerhimselfIch habe da eine Ausstellungsankündigung von Jürg Benninger erhalten und mir die Arbeiten angeschaut. Und finde sie belanglos und affektiert.

Einordnen würde ich die Arbeiten als Rosemarie-Trockel-epigonal, mit etwas Schwulenzauber garniert.
Aber schon mit den Arbeiten von Rosemarie Trockel kann ich wenig anfangen.

Ich finde, auf seine Arbeiten passen meine drei oben genannten Aussagen. Erscheint mir alles zu kalkuliert.

Und wenn ich jetzt etwas polemisch werde, so meine ich doch, daß, wenn Frauen in sog. Männer-Domänen eindringen, gelingt dies meistens weniger oberflächlich, affektiert und aufgesetzt.

Und nun genug der Kunst-Polemik, die Woche hat begonnen und viel Garn erwartet mich ;=)