Our Arctic Future – eine Ausstellung in Berlin

Wie ich ja schon hier kurz vorgestellt habe, findet zur Zeit „Our Arctic Future – Eine Ausstellung über die Welt im Wandel“ im Felleshus der Nordischen Botschaften in Berlin statt.  In sehenswerter Architektur gibt es hier verschiedenste Veranstaltungen und Kaffee trinken kann man auch.

Nun also die Arctic Future. Informationen zu den Themenpunkten Gesellschaft, Klimawandel, Rohstoffe, Energie werden ergänzt durch Textilinstallationen von Randi Samsonen und Designer-Stücke von den Faröern und aus Grönland. 

Guðrun & Guðrun sind bei uns vielleicht bekannt, die anderen Designer sollten es auf jeden Fall werden! Wie immer verlocken solche Creationen zum Staunen, aber nicht alles ist in unserem Alltag tragbar;=)

wie immer: für die Anzeige auf die Vorschaubilder klicken!

Das Wockensolle-Sonntagsvideo: Gudrun & Gudrun Knitwear

Ich möchte unbedingt einmal auf die Schafsinseln, wie die Faroer auch heißen, die Landschaft, die Menschen, die Schafe, die Wolle… es zieht mich dort hin.

Und zum Abschluß eine Fashionshow von BARBARA I GONGINI, wenig Wolle, aber viel gewagt!

OUR ARCTIC FUTURE – Eine Ausstellung über eine Welt im Wandel
7. Oktober 2015 – 6. Januar 2016 / Nordische Botschaften Berlin
Rauchstrasse 1, 10787 Berlin

 

Warren Hastings Handschuhe

Das ging blitzschnell: gestern füllte ich das Antrags-Formular aus, um die Erlaubnis zur Veröffentlichung der Bilder vom Ashmolean-Museum in Oxford zu erhalten und fast mailwendend erhielt ich die Erlaubnis. Das finde ich großartig, danke dafür!

Und hier nun das Prunkstück:

Warren Hastings, Lange, gestrickte Handschuhe

EAX.2479.a Long knitted glove; pashmina wool, dyed and knitted, India, late 18th century © Ashmolean Museum, University of Oxford. [Aufs Bild klicken für größere Ansicht!]

 

Ist das nicht ein wunderschönes Exemplar?

Warren Hastings by Joshua ReynoldsDie Handschuhe stammen aus dem Besitz von Warren Hastings, dem ersten Generalgouverneur von Ostindien. Über ihn mag ich hier nicht weiter berichten; wie in der Kolonialgeschichte üblich, war er tyrannisch, herrschsüchtig und raffgierig. Mehr dazu in der Wikipedia.

Die Handschuhe sind aus gefärbter Pashmina-Wolle gestrickt, mit einer Fadenstärke von 240 Maschen / 10cm, wie siouxian herausgefunden hat und ich im vorhergehenden Beitrag beschrieb.

Diese Handschuhe aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurden vermutlich in Kaschmir gefertigt, und ich vermute fast, daß sie von Kindern oder Jugendlichen gestrickt wurden, welcher Erwachsene  hat so feine Finger?

Detail der Warren Hastings Handschuhe

EAX.2479.a  © Ashmolean Museum, University of Oxford.

© Victoria and Albert Museum, London.

© Victoria and Albert Museum, London.

© Victoria and Albert Museum, London.

© Victoria and Albert Museum, London.

Solche Muster findet man nicht nur auf diesen Handschuhen, sondern sehr viel öfter auf Teppichen oder Keramik oder gewebten Stoffen.

EAX.2479.a Long knitted glove; pashmina wool, dyed and knitted, India, late 18th century
© Ashmolean Museum, University of Oxford.

 

Ich bin sehr erfüllt von der Schönheit dieser Handschuhe und habe nun etliche Stunden mit dem Studium der islamisch-indischen Kunst verbracht, einige Bücher aus meiner Studienzeit (ja, ich habe mal islamische Kunstgeschichte studiert, vor langer langer Zeit) hervorgekramt und im Web gestöbert.  Ich liebe es, mich einem Thema hinzugeben und zu stöbern…

Knitting and Animation = Knitimation

 Wie das so geht beim Stricken lernen: der eine lernts eben schneller als der andere

Max Alexander strickt die ausgefallensten Dinge, kleine gestrickte Schmuckstücke wie z.B. die Yarn-Stash-Brosche, die mit 12 £ sicherlich nicht zu teuer bezahlt ist oder angsteinflössende Skulpturen. Aber am besten gefallen mir ihre Videos. Knitimation ist ein schöner Begriff, finde ich.

Die Yarn-Stash-Brosche von Max Alexander

Screenshot: Die Yarn-Stash-Brosche von Max Alexander.
Na Frau Wollfrosch, wäre das was für Sie?

 

Links: Max Alexander’s Webseite | Ihre Videos bei Vimeo | Und wer noch ein Weihnachtsgeschenk sucht: Ihr Online-Shop

Jede Intelligenz braucht ein Hirn…

und wenn ich diesen Blog mit „Knitting Intelligence“ untertitele, dann sollte ich auch die Strick-Hirne nicht übergehen.

Strick-Hirne im wahrsten Sinne des Wortes gibt es hier auf der Seite des Museums der wissenschaftlich akkuraten Stoff-Hirn-Kunst

Strick Hirn - gestricktes Hirn

Screenshot von der Webseite harbaugh.uoregon.edu/Brain/index.htm

Da kann man sich gestrickte Hirn-Schnitte anschauen, in das gestrickte Hirn hineinzoomen und ein ikonenhaft-samtiges Hirn bewundern. Wer sich dann noch für neuroneuroscience, dissection und neuroeconomics, interessiert, findet auf der Seite auch noch ausreichend wissenschaftliche Links.
Die Arbeiten stammen von Marjorie Taylor und Karen Norberg

„Last Season“ von Lernert & Sander

Wenn der Schrank voll ist … mit jeder Saison füllt sich der Schrank der Fashion-Opfer immer mehr. Da haben die zwei Künstler Lernert und Sander eine Idee:

This spring we made space for the arrival of new collections at Kiki Niesten by reducing last season knitted garments from Fall/Winter ‘13 by Céline, Chloé, Jil Sander and Prada to balls of yarn: symbols of hope and aspiration.
From 14 till 23 march 2014, the result will be showcased in the windows of clothing store Kiki Niesten. Every year during TEFAF, the renowned art fair, this prestigious shop in the heart of Maastricht takes pride in participating artistically to the TEFAF experience.

Die Webseite der Künstler: Lernert & Sander, Amsterdam

„Audžiu“ / „Weaves“

Module-based shelf „Audžiu“ / „Weaves“ is designed using Lithuanian ethnic textile ornaments. The user can, depending on his needs, easily change combinations of segments and function zones of the shelf, allowing him to weave his desired composition.

Das schreibt der litauische Designer Rapolas Gražys auf seiner Webseite über das von ihm entwickelte modulare Regal „Audžiu“ / „Weaves. Die einzelnen Module, die in ihrer reduzierten Maschenform einer Musterzeichnung entsprungen sind, können nach Lust und Nutzen unterschiedlich zusammengesetzt werden. 

Nur zu Recht hat er für diese Arbeit 2013 einen Design-Preis bekommen.

Ich kann mir noch viele andere Kombinationen vorstellen. Meine farbgestrickten Handschuhe und Tams könnte ich so präsentieren. Aber leider habe ich in unserem alten Landarbeiterhäuschen nicht mal Platz für alle meine Bücher…

Rapolas Gražys hat diese wollige Inspiration auch noch auf eine andere Weise umgesetzt, als Installation in einer litauischen Landschaft. Eine ungewohnte Weise, Strick zu präsentieren.

Interessant wie eine auf ihre klare Form reduzierte Masche nicht nur Stricker sondern auch Designer inspirieren kann, ohne in Kitsch abzugleiten -> kleiner Seitenhieb gegen die unsägliche Seite stricken.de ;=)

Selbstverständlich habe ich Rapolas Gražys gefragt, ob ich die Bilder von seiner Seite auf der Wockensolle nutze darf, und mailwendend habe ich die Erlaubnis bekommen. Dėkojame!
Der Fotograf: Kęstutis Kurienius