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Das Vorwort der wackeren Mizzi Donner im Buch "Ich kann handarbeiten" ( "Alles fließt. Nichts bleibt" ) von 1914 zeigt den Wandel der Strickkultur seit Beginn des 20. Jahrhunderts deutlich auf: nicht mehr das Notwendige wie damals steht heute im Vordergrund, sondern das, was Spaß macht, die Individualität betont oder der neuesten Mode folgt. 

Do I fit in? Freddie Robbins

Paßt es mir? Do I fit in? Freddie Robbins

Genau dieser Paradigmenwechsel war bereits vor fünf Jahren Motto des Projektes KNIT 7 / naughty knitting, das 2007 in West-Norwegen von verschiedensten Institutionen (Museen, Schulen ....) durchgeführt wurde.

Was geschieht mit traditionellen Handwerkstechniken wenn Verlangen und Wunsch und nicht mehr Notwendigkeit und Moral die Entwicklung bestimmen?

Die Ausgangsposition (in meiner etwas unbeholfenen Übersetzung):

- Kenntnis und öffentliche Aufmerksamkeit verleihen dem Stricken einen höheren Status
- Stricken ist ein gutes Beispiel für logische Zusammenhänge: Der Wunsch etwas zu ändern,   Kreativität, Anpassungen und Nachhaltigkeit
- Neben dem Material ist auch der soziale Aspekt des Strickens wichtig
- Stricken ist eine universelle Sprache
- Stricken kann einen sozialen Aspekt für eine multikulturelle Zusammenarbeit bilden
- Stricken vermittelt Kultur und Tradition
- Stricken vermittelt Kunst und Design
- Stricken befördert die industrielle Entwicklung
- Stricken hat gesundheitliche, medizinische und informative Aspekte

norwegisches UFO

norwegisches UFO

So hieß eine Lehrer-Fortbildungsveranstaltung in Sogndal "New Roads to Knitting" , die Sammlung Heiberg veranstaltete regelmässige Stricktreffs und lud dazu Gäste ein, gestrickte Erinnerungsstücke / Knitting Memories  vorzustellen und deren Geschichte zu erzählen und das Hordamuseum widmete sich neben der Hauptausstellung "Alltags-Stricken in Norwegen" einem Thema, das vielen Strickerinnen sicherlich nicht unbekannt ist: The Uncompleted / Das Unvollendete.  Anhand eines nicht fertiggestrickten Pullover lernen Schüler kulturelle Techniken: Informationen sammeln, sichten und präsentieren. 

Leider ist der norwegische Museums-Server www.museumsnett.no nicht erreichbar und so ist es schwierig, den vielen interessanten Links auf der Projekt-Seite zu folgen.

Ich hätte sehr gerne die Ausstellung "Stricknikk" im West Norway Museum of Decorative Arts angesehen, allein der Name der Ausstellung ist schon wunderbar.

StrickNikk, eine Arbeit von Anu Tuominen

StrickNikk, eine Arbeit von Anu Tuominen

Warum ich dieses Projekt hier so ausgiebig vorstelle, obwohl es doch schon fünf Jahre vorbei ist? Ganz einfach: weil es solch ein Unternehmen, Vorhaben meines Wissens nicht in Deutschland gibt.

Oder doch?