Vorbei – die WinterAcademy ist jetzt schon Vergangenheit

Intensive Tage gingen gestern zu Ende, Tage voller Vorträge, Aktivitäten, gutem Essen, guter Luft.. 15km außerhalb von Viljandi waren wir in Männiku Metsatalu untergebracht, mitten im Wald, an einem kleinen See, mit Wohnhaus, Seminarhaus, Rauchsaune und und und…

Männiku Metsatalu

Wir waren eine kleine Gruppe: 15 Teilnehmer, bunt gemischt, aus Estland, Finnland, USA, Deutschland, vom indischen Subkontinent, aus Südafrika, aus Zypern  – auch altersmässig: rund 55 Jahre betrug wohl der größte Altersunterschied,  die meisten Teilnehmer waren Studierende der Universität Tartu, aber auch Neugierig-Interessierte wie ich oder Stelios aus Zypern. Fröhlichkeit, Neugierde und gegenseitiger Respekt – auf diesen Nenner kann ich unser Zusammensein wohl bringen.

Das Seminarzentrum Männiku, ruhig im Wald gelegen, bot alle Annehmlichkeiten

Wir haben einen Überblick über Estlands Geschichte erhalten, Einblicke in die estnischen musikalischen Traditionen, lernten die estnischen heritage landscapes kennen, die Tänze von der Insel Vormsi, die Geheimnisse der Sauerkrautsuppe und der Nachspeise (viel viel Sahne!) lernten wir und nach einem Vortrag über das Programm und die Aktivitäten der Kulturakademie Viljandi durften wir in Handschuhen schwelgen, Blockprinting und Zopfflechten üben. Abends ging es in die estnische Rauchsauna und ganz Mutige tauchten auch im See in das Eisloch…

Nach der Sauna: einmal untertauchen!

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Zurück in Viljandi besichtigten wir noch die Einrichtungen der Kulturakademie und es ist ja wohl klar, dass mich neben dem Raum mit den wunderbaren Webstühlen die neue Wollfabrik ganz besonders interessierte: hier wird gelernt, geforscht, experimentiert, Wolle von verschiedenen Züchtern wird verarbeitet, Techniken werden erprobt.
14 Webstühle habe ich gezählt, alte und topaktuelle, computer-gesteuerte Webstühle..

Wie man sieht, wird auch die Wolle von Anu Raud verarbeitet:

frisch gesponnene Wolle

2fädig, in verlockenden Naturfarben

Das Programm der Winterakademie war vielfältig, ich habe viele Anreize für weitere Studien erhalten und vor allem: Ich reise ab, müde aber sehr glücklich, erfüllt von den intensiven Kontakten, der gegenseitigen Freude und vor auch: einige der Kontakte werden sicherlich bleiben.

Vielen Dank an alle, die diese Winteracademy ermöglicht haben und vielen Dank an uns, die Teilnehmer!

Eine lange Anreise

Man kann auch ganz schnell nach Estland reisen, aber ich habe drei Tage gebraucht.
Der erste Tag? Eine Stippvisite auf der Grünen Woche in Berlin, wo ich Annemor Sundbö traf uund mit ihr und Claudia, der Sommer-Estland-Reisegefährtin, die Mittagspause verplauderte.
Annemor stellte die Wolle des Spelsau-Schafs aus Südnorwegen vor, zeigte ihre Bücher und spann an einem wunderschönen Spinnrad.

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Messen machen mich immer müde, ich war zu oft auf Messen, der Lärm, die vielen Menschen, da wächst die Vorfreude auf das stille Estland!

Am zweiten Tag flog ich nach Riga, hatte einen Brunch mit Monta und Ansis Grasmane und zweien ihrer bezaubernden Töchter. Brunch oder Projektbesprechung? Beides! Es ist so einiges in der Pipeline, laßt Euch überraschen!

Ja, und dann per Bus von Riga über Pernu nach Viljandi. Ich hatte mich sehr auf den Schnee gefreut, aber alles war weggeschmolzen, das Land sah naß aus… aber wie das so ist wenn Engel reisen, heute morgen schneit es!

Und jetzt mache ich ich auf den Weg zur Kulturakademie, das WinterCamp startet!

Morgenstimmung in Viljandi

Dr. Hubers Polnische Mütze

Sucht man etwas, dann findet man auch etwas. Das ist jedenfalls meine Erfahrung.
Ich möchte ja so gerne etwas über die Polnische Stricktraditionen herausfinden, und das ist so zäh, bis jetzt habe ich noch keinen Erfolg zu vermelden, habe aber einige Meinungen dazu gehört, daß es eben keine polnische Stricktradition gäbe… Auch wenn es keine großartigen Trachten geben mag, ich kann mir nicht vorstellen daß nie gestrickt oder gehäkelt wurde, Schafe oder Ziegen wurden doch überall als Haustiere gehalten. Ich halte weiter die Augen offen.

Tja, und da sitze ich auf der Couch und zappe durch die Sender, will schon NDR3 wegzappen, weil DAS! meiner Meinung nach den Seichtigkeits-Rekord aller Vorabend-Dritte-Programme-Sendungen hält; eine Sendung, in der Eitle B- oder C-Promis sich mit zickigen Moderatorinnen unterhalten müssen und diesmal sitzt ein schnellsprechender junger Mann auf dem Sofa und läßt seine Tattoos blitzen… redet und redet und holt dann tatsächlich eine eigenartige Strickmütze hervor…

Dr. Florian Huber ist Unterwasser-Archäologe und Forschungstaucher und hat diese Mütze geborgen. Sie sei in einem polnischen Segelschiff gefunden worden, das vor 200 Jahren untergegangen ist. Und er habe sie nachstricken lassen.

Ich hätte wetten können, daß der Moderatorin nichts einfällt außer „myBoshi“ und die Wette hätte ich glatt gewonnen!

Ist das wirklich eine polnische Mütze? Oder hat sie der Seemann irgendwo getauscht, erstanden, mitgenommen? Ob diese Mütze segeltauglich ist, den Wind nicht durchläßt und auch nicht davonfliegt?
Fragen bleiben offen.

Hier noch der Link zur Webseite von Dr. Florian Huber: http://florian-huber.info

Ich gehe jetzt erst einmal wieder auf Reisen. Und nehme eine Mütze mit, denn in Riga und in VIljandi ist es kalt.

So viel geschieht gerade und bald gehts schon wieder los

Kategorie: Wockensolle -

Die letzte Zeit war nicht gerade geruhsam, Webseiten gestalten, Schulung vorbereiten, Schulung halten, Webwünsche der Freunde erfüllen (aber nicht immer!), die Silberhochzeit am Samstag wird geplant und vorbereitet und am nächsten Donnerstag gehe ich schon wieder auf Reisen.

Erst nach Berlin, zu den Neffen, treffe mich vielleicht mit Freundinnen, auf jeden Fall aber auf der Grünen Woche mit Annemor Sundbø, dann nach Riga, Stippvisite bei Sena Klets und ab nach Estland.

Schon wieder Estland, wo ich doch meine Berichte über die schöne Reise im November noch nicht fertiggestellt habe … Estland, das Land der Wunder… oder Estland, das Land in dem ich mich immer wieder wundere?

Hier können die Menschen über Wasser laufen!

Zum Wundern: am Nordufer von Saaremaa laufen die Menschen auf dem Wasser!

Nochwas zum Wundern: eine multifunktionale Bushaltestelle!

Multifunktionale Bushaltestelle

Also: hier kann man auf der Bank sitzen und auf den Bus warten, man kann den Briefkasten leeren, die Milch zum Abholen bereit stellen und sich vor Bären auf die „Terrasse“ flüchten.. oder ist das ein Hochsitz für Elchjäger?

Ganz wunderbar finde ich die Dorfschaukeln, diese hier allerdings ist schon etwas ramponiert.

Belustigung für Jung und Alt

Und eigentlich wollte ich das Schaukelabenteuer als Filmchen auf die Webseite setzen, dazu komme ich jetzt gerade nicht… aber die Schaukeln laufen mir nicht davon, die sind gerade wieder groß im Schwunge in Estland, im wahrsten Sinne des Wortes.

Also, erst feiere ich, dann verreise ich, dabei lerne ich wieder was und treffe nette Menschen, und komme vielleicht mit noch mehr Wolle nach Hause? Möglich wärs…

Peasants make Gloves (1948)

Ich wundere mich ja schon eine lange Zeit und frage, ob es denn eine polnische Stricktradition gäbe, traditionelle Muster oder Kleidungsstücke? Es kann doch nicht sein, daß ein solch großes Land mit einer solch langen Geschichte keine Strick-Tradition hat?

Diese Frage habe ich nicht nur mir gestellt, auf der Nowa Amerika Konferenz im letzten Herbst zum Beispiel,  beim Hamburger Wollfest  während Letes (Justyna Lorkowska) Workshop, aber auch sie wußte keine Antwort.

Nun wurde ich auf diesen Film der British Pathé – Wochenschau aufmerksam gemacht, der auch bei Youtube zu finden ist:

Es ist unbekannt, wann dieser Film und wo aufgenommen wurde, er sollen aber polnische Bauernsleut zu sehen sein. Nun wurde dieser Film  1948, in unruhigen Zeiten, aufgenommern, denn gerade erst 1947 war Polen aufgeteilt worden und hatte so einen großen Landstrich an die UdSSR, an die Sowjetrepubliken Litauen und Weißrußland, verloren.

Curzon-Linie.svg
Von Curzon linia.svg: Willtron derivative work: NNW (talk) – Curzon linia.svg, CC BY-SA 3.0, Link

Ich habe mir das Video inzwischen mehrfach angeschaut und ich meine, daß es sich eher um litauische Handschuhe handelt. Die dicke Wolle, die Zweifarbigkeit, die gestreiften gerippten Bündchen, die Sterne…

Handschuhe auf der Leine

Interessant ist die Stricktechnik: es wird wohl mit drei sehr langen Nadeln gestrickt, die Maschen der Vorderseite und die der Innenseite je auf einer Nadel:

Stricken mit drei Nadeln?

Die Farben: auch wenn es ein schwarzweißer und kein farbiger Film ist, es ist doch anzunehmen daß die gezeigten Handschuhe durchgängig mit dunklen Mustern auf hellem Hintergrund gearbeitet sind. Und auch die Streifen im Bündchen und diagonal auf der Handinnenseite habe ich sehr oft bei litauischen Handschuhen gesehen…

Was kann es also mit diesen Handschuhen auf sich haben? Werden sie inPolen gestrickt oder in ehemaligen polnischen aber auch litauischen Dörfern? Die Grenzen zwischen Polen und Litauen haben sich in der Geschichte ja immer wieder verschoben, man denke nur an die polnischen Teilungen im 18. Jahrhundert… da sind entweder die Traditionen mitgewandert oder auch umetikettiert worden.

Ich kann die Fragen nicht beantworten. Aber ich werde den Film noch genauer studieren, viele interessante Details sind zu erkennen bei genauem Hinschauen.

Pathé British: Polish Knitters 1948

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