Saaremaa – Intermezzo

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Nun fahre ich mit dem Reisebericht fort... Nach dem Nordic Knitting Symposium, über das ich ja ausführlich, wenn auch recht langsam, berichtet habe, hatten wir eine freie Woche, bevor am 8. Juli das 5. Craft Camp der Culture Academy Viljandi in Olustvere startete.Und geplant war "Ausruhen auf Ruhnu", einer kleinen Insel, die wir bisher noch nicht bereist hatten.

Ausruhen bedeutet nun aber nicht faul auf der Haut liegen, mit Ohrhörern eingestöpselt und Sonnencreme auf der Haut, nein, echte Strickerinnen stricken! Und lernen die verschiedenen Stricktechniken und Stile, am liebsten vor Ort!
Deshalb hatte ich für die ersten Tage einen Workshop dort organisiert: Külli, eine Studentin von Riina Tomberg, lebt und arbeitet auf der Insel und kennt sich mit den Stricktraditionen dort bestens aus. Geplant war ein ausführlicher Besuch im Ruhnu Museum und dann 1,5 Tage Workshop - eine Gelegenheit für uns, die Travelling Stitches zu üben!

Ruhnu liegt etwas abgeschieden in der Bucht von Riga, näher zu Lettland denn zu Estland, nur 160 Menschen leben dort, aber sie haben ihre eigenen Traditionen und Muster: wenig Farben, dafür intensive Muster!

Anu Pink hat einige Anleitungen für Ruhnu-Handschuhe und Ruhnu-Socken veröffentlicht, Riina Tomberg führte einen Workshop dazu beim Nordic Knitting Symposium durch und wird dies auch beim kommenden Craft Camp unterrichten, Deshalb habe ich mich ja auch ganz besonders auf diesen Workshop auf Ruhnu gefreut.

 

© Anu Pink, Saara Kirjastus

Alle diese Pläne scheiterten. Denn die Fähre war kaputt - Motorschaden. Ein Deseaster, nicht unbedingt für uns, aber für die Bewohner der Insel, die Versorgung war gefährdet, die Sommersaison fiel ins Wasser - denn die Reederei war nicht in der Lage, ein Ersatzboot zu beschaffen oder ein Flugzeug zu chartern...

Für uns hieß das: gebuchtes Ferienhaus stornieren, die Tickets stornieren, den Workshop absagen und frustriert sein!
Und, mitten in der Sommersaison, eine Unterkunft für 5 Personen für eine Woche zu finden; was dann auch gelang, denn Riina regte an auf die Insel Saaremaa zu reisen stattdessen.

Und tatsächlich fand ich das Ovelia Bed & Breakfast in Kuressaare, dem Hauptort der Insel, und wir waren erleichtert. Auch wenn es diesmal also keine neuen Gebiete zu erkunden gab, Kuressaare bietet Abwechslung: Strand, Cafés, Buchgeschäft, Handarbeitsgeschäfte, gute Verkehrsanbindungen.

Und das Reisen mit den estnischen Fernbussen ist ein Genuß: die Tickets sind preiswert, die Busse pünktlich, auf vielen Linien gibt es Kaffee oder Tee kostenlos, man spart sich den gesonderten Kauf von Fährtickets auf der Strecke nach Muhu / Saaremaa, sehr entspannend.

 

Das Wetter meinte es nicht so gut mit uns während dieser Woche, es war frisch und regnete auch manchmal ein wenig, aber soetwas verdirbt nicht die Laune. Stricken kann man bei jedem Wetter und in Handarbeitsgeschäften stöbern ebenfalls.

Ich versuchte mich an der Anleitung für die "Old Ruhnu Gloves" von Anu Pink, und übte ersteinmal vor mich hin.

und erfahrene Stricken sehen jetzt schon, daß ich den zweifarbigen Anschlag vergeigt habe: ich habe, wie ich später lernte, die Fäden in der falschen Richtung verkreuzt. Dieses Projekt, von mir "Ruhnu Ferryboat Victim Gloves" benannt, habe ich auch nicht beendet, ich habe noch die zweifarbige Blumenborte gestrickt und seitdem ruhen die Nadeln.

Am Wochenende besuchte uns dann noch Kaidi aus Tallinn, eine liebe junge Freundin, da wurde auch das Wetter wieder besser.

Dieses Warnschild gab uns immer wieder Rätsel auf und ich konnte auch mit meinern Russischkenntnissen nicht alles übersetzen. Auf jeden Fall macht der Hund Klatz-Klatz mit den Eiern; die Warnung richtet sich wohl an männliche Passanten ;=)

bei bestem Wetter ging es dann am Sonntag mit dem Bus zurück aufs Festland und nach Viljandi zum Craft Camp.

Nordic Knitting Symposium IX

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Der Samstag, der letzte Tag des Symposiums, der Tag vor der Abreise.

Eigenartig - mir ist bewußt daß jede Veranstaltung zu Ende geht, meistens schneller als erhofft, daß ich es gar nicht vertrage immer  zwischen so viel Menschen zu sein und seien sie noch so sympathisch, anregend, fröhlich - es braucht ja auch Zeit das Erlebte, Gesehene und Gelernte zu verarbeiten und zu verfestigen.

Der Webstuhlraum im Werkgebäude

Ich nutzte diesen Samstag auf meine Weise; auf dem Programm standen Ausstellungen an verschiedenen Orten und Besichtigungen des Vilma-Gebäudes und der Vilma-Wollmühle. DIe Ausstellung "WHITE" im Kondas-Center habe ich schon in Tallinn gesehen, dort war sie in Pikk 22 ausgestellt, Eesti Valge, und ich habe sie hier auf der Wockensolle auch schon vorgestellt. Kristi Jõestes Handschuhe habe ich schon während der ganzen Woche im Sakkala-Zentrum gesehen, man konnte sie gar nicht übersehen, und Riina Tombergs Ausstellung "Ohne Rot" hatte ich gleich zu Beginn der Woche aufgesucht und mich daran erfreut.

Im Februar 2017 nahm ich an der Winter-Akademie der Viljandi Kulturakademie teil und dabei konnte ich schon die Werk- und Wirk-Räume der Akademie und die neue Wollmühle besichtigen. Ich habe allerdings damals nicht darüber berichtet, das wollte ich mir für einen Beitrag in einer Serie über Wollmühlen aufheben, und den habe ich, muss ich gestehen, noch nicht geschrieben. Deshalb zeige ich jetzt hier jetzt doch schon einige Photos der Mühle.

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Hauptereignisse des Tages? Die Präsentation der Workshop-Arbeiten und das festliche Abschluß-Essen im Nationalen Zentrum für Volksmusik auf dem Burgberg.

Lange Tische waren vorbereitet, damit jeder Teilnehmer seine Prachtstücke präsentieren konnte, und selbstverständlich wurden wir auch zu einem Schlußwort aufgefordert.

  • Wunderbare Organisation, tolles Engagement
  • DIe baltischen Besonderheiten wurden hervorragend vermittelt
  • Hoffentlich kommen bald nicht nur russische Lehrerinnen, sondern auch Interessierte Teilnehmer aus Russland zu solchen Veranstaltungen (z.B. zum Craft Camp)
  • Es ist immer wieder faszinierend wie unkompliziert und fröhlich der Kontakt so vieler gleichgesinnter Frauen ist!
  • "Ich habe keine Angst mehr vor feinen Stricknadeln!"
  • Danke für Alles!

Das waren so einige Schluss-Bemerkungen. Und ich glaube, alle hatten recht.

Da aber Bilder immer mehr als 1000 Worte vermitteln, jetzt noch eine Bilderauswahl von der Schlussveranstaltung.

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Angesichts der Präsentationen konnte ich nur staunen, einige der Teilnehmerinnen müssen auch die Nächte durchgestrickt haben!
Ich glaube die Fröhlichkeit "kommt rüber" auf diesen Bildern.

Mit diesen Eindrücken beende ich meinen Bericht über das Nordic Knitting Symposium 2018 in Viljandi / Estland und ich bedanke mich bei den Organisatorinnen für dieses einmalige Erlebnis.
Da aber meine Reise noch nicht zu Ende ist, geht es hier auf der Wockensolle noch eine Weile weiter mit Berichten aus Estland, von Wolle und Menschen!

Nordic Knitting Symposium VIII

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Den Freitagnachmtittag verbrachten wir in Heimtali im dortigen Museum, von Anu Raud aufgebaut und gehütet. Einer meiner LIeblingsplätze in Estland, das Museum in der ehemaligen Schule, die Storchenfamilie auf dem Telegrafenmast, der Zaun mt den Handschuh-Malereien, und natürlich die Schätze im Museum.

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In den letzten Jahren wurde die Präsentation der Sammlung im Museum verbessert, nun gibt es viele Schaukästen, viele Exponate sind hinter Glas und damit für alle Besucher sichtbar.

Natürlich ist das Museum nicht für solch eine große Besuchergruppe eingerichtet und so wurden wir in 4 Gruppen auf unterschieldlichen Wegen herumgeführt: Anu Raud stellte die Sammlung im Museum vor, in anderen Gebäuden präsentierten Strickerinnen von der Insel Kihnu, von Saaremaa und von Töstamaa ihre Fertigkeiten.

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Alle Photos in dieser Galerie: © 2018 Sandra Urvak

Und dann das Highlight: Knit and Walk - auf estnisch: Kai ja Koo!
Ein Wettkampf, ein Strick-Staffel-Lauf, bei dem es nicht nur auf die Schnelligkeit sondern auch auf die Qualität des Gestrickten ankommt. Der diesjährige Wettbewerb war extra in den Juni gelegt worden, damit die Gäste des Symposiums daran teilnehmen konnten.
14 Mannschaften, na eigentlich Frauschaften, gingen an den Start, skandinavische, britische, baltische und auch ein asiatisches Team machte mit und gewonnen hat die norwegische Mannschaft!

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Alle Photos in dieser Galerie: © 2018 Sandra Urvak

Claudia hat ein kleines Filmchen von diesem sportlichen Highlight gedreht und auf Facebook und ihrer Webseite wollwaerts.eu veröffentlicht und damit die Aufmerksamkeit der Welt auf diese Veranstaltung gezogen: Ihr  Video ist inzwischen 637.858 mal geklickt worden (am 01.08.18, 12:42 MEZ) ;=)

Der dritte Platz: Baiba, Maija und Solvita

Drei strahlende Siegerinnen aus Lettland und Litauen,

herzlichen Glückwunsch!

In einer feierlichen Zeremonie wurden dann die Preise an die Siegerteams und an das Organisatoren-Team, das außer Konkurrenz lief, vergeben.

Nordic Knitting Symposium VII

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Nicht alle guten Vorsätze werden auch umgesetzt - und so bin ich mit meinen Berichten immer noch in Verzug. Aber es war auch zu heiß, wie soll man einen klarenGedanken fassen können bei 34° im Schatten? 

Heinz veranstaltete zwei Jazz-Abende im und mit dem Kunstverein Heringsdorf und so hatten wir auch Übernachtungsgäste; lange Abende auf der Terrasse und morgens schlecht aus den Federn kommen - Gespräche, Ausflüge, Katzenfreude - es war schön, aber wie gesagt, manche Vorhaben rücken dann in die zweite Reihe.

Willi Kellers, Heinz-Erich Gödecke, Christoph Winckel und Alan Tomlinson - Konzert in Heringsdorf

Nun also der Freitag, der 29. Juni, der vorletzte Tag des Symposiums. Morgens kurze Workshops und nach dem Mittagessen Fahrt nach Heimtali, in das dortige Museum und zu weiteren Vergnügen. 

Ich hatte großes Glück, denn ich hatte einen Platz in Anu Randmaas Workshop Inlay and knitted fringes ergattert, Was hier im Englischen als Inlay benannt wird, ist die estnische Technik Roosituud: man strickt das kontrastfarbene Garn nicht ein, sondern legt es vor die Maschen.... eine leichte Technik, wunderschön und farbenfroh. Die Technik ist so einfach, daß sie beim Craft Camp nie ins Curriculum aufgenommen wurde (das kann doch eh jeder...); nun, die Esten vielleicht, wir Nicht-Esten müssen das erst noch lernen.

Und ich wollte das immer schon lernen, und ich habe noch die Hoffnung, daß es bei einem der nächsten Craft Camps doch angeboten wird.

Im Netz habe ich eine kurze Beschreibung, ein Kurz-Tutorial,  dieser Technik gefunden, in Spillyjane's Blog:

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Roositud

A quick note on the technique: Roositud is an Estonian inlay technique where stitches are wrapped (not knit) with contrasting yarn to create a patterned effect. The result looks like embroidery, but it done as the object (usually a mitten or a sock) is being worked. In this respect it’s preferable to embroidery since one doesn’t have to worry about sewing in tight places (say, a mitten tip or the end of a thumb.) It’s also one of the best instant-gratification techniques I’ve come across, since one can watch the pattern grow as the object does.

Nicht nur Roositud, auch das EInarbeiten von Schlaufen, nicht nachträglich eingenäht, sondern gleich mitgestrickt, lernten wir.

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Das Einarbeiten der Fäden vor der Nadel ist nicht schwierig und manchmal machen wir es uns auch viel zu schwer. Ich habe mir den Kopf zerbrochen, wie ich denn den Faden, nachdem ich ihn von rechts nach links vor die Maschen gelegt und nach hinten gebracht habe, in der nächsten Runde wieder nach rechts bekomme (bekanntlich strickt man ja meistens von rechts nach links...).

Das ist unglaublich einfach: in der nächsten Runde legt man den Faden einfach wieder vor die zu strickenden Maschen, aber diesmal von links nach rechts, bringt den Faden nach hinten und strickt weiter.

Zu beachten ist nur, daß fast jedes Muster-Element mit einem eigenen Faden gestrickt wird, es gibt also nachher viele Fadenenden, die eingewebt werden müssen.

So ordentlich sieht es in meinem Strickstück (noch) nicht aus... dazu braucht es Übung

Die kleine rote Linie zeigt, wo die Schlaufen eingestrickt wurden, wichtig ist, daß die Spannung gleichmässig ist!

Und das ist das Ergebnis des Workshops: ein kleines Nadelkissen, ganz konventionell mit hell- und dunkelroten Schlaufen gestrickt.

Maija war da mutiger, ihre Arbeit ist schön bunt!

Der Workshop wurde geleitet von Anu Randmaa, Leiterin der Volkstrachten-Abteilung der Estnischen Volkskunst- und Kunsthandwerks-Union und Trachten-Meisterin aus Töstamaa.

Letztes Jahr habe ich mir das schöne, von ihr mitverfasste Buch über die Trachten aus der Pärnu-Region gekauft, nun konnte ich sie kennenlernen und von ihr lernen.

Das Buch gibt es u.a. bei Saara.ee

Ich habe ja schon mehrfach über das schöne Museum in  Heimtali berichtet, denn das Craft Camp veranstaltet jedes Jahr ebenfalls Ausflüge dorthin, in das Museum und auf Anu Rauds Hof, in ihr Atelier. Anu Raud ist Textilkünstlerin, Lehrerin, Sammlerin - eine starke Frau mit einem großen Lebenswerk (das auch gerade im Estnischen Nationalmuseum mit einer Personal-Ausstellung gewürdigt wird).

Aber über den Nachmittag in Heimtali berichte ich im nächsten Beitrag.

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Nordic Knitting Symposium VI

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Was macht man an einem Tag ohne Workshops? Nun, am Donnerstag stand ein Ausflug in das neue Nationalmuseum Estlands in Tartu auf dem Plan und ich nahm mir einen Tag Auszeit. Im Museum war ich schon und wenn ich wieder hinführe, dann nicht mit einer Gruppe sondern alleine oder mit wenigen Freunden, um in Ruhe meinen Interessen nachzuspüren.

Es tut gut, auch mal einen Tag ohne Programm zu haben, zum Schlendern in der Stadt, zum Wolle-Kaufen (ja, ich wurde wieder schwach!) und zum Caféhaus-Genießen.

Routenplanung starten

Auf der Karte habe ich das Viljandi Käsitöökoda, das Kunsthandwerkshaus Viljandi in der Strasse Lossi 14 und die Sakkala Halle, in der die Veranstaltungen stattfinden, markiert.

Im grünen Haus neben dem Museum ist das liebenswerte Handarbeitszentrum zu finden, und es gibt eine verführerische Auswahl an Wolle, Gestricktem, Gewebtem, an Keramik und noch viel mehr. Ich habe mir violette und graue Wolle für ein Tuch gegönnt, ein Ausrutscher - eigentlich bin ich ja auf "Garn-Diät" ;=)

Endlich fand sich auch Zeit um mal im Café zu sitzen, in Ruhe das bisher Erlebte an sich vorbeiziehen zu lassen und sich einfach nur zu freuen.

Die abendlichen Vorträge waren dem Thema "Stricken in Russland" gewidmet und auf diese Vorträge habe ich mich ganz besonders gefreut. So  war Ludmilla Korolkova, Chief Researcher in the Department of the Ethnography of the Peoples of the North-West of Russia and Baltics, angekündigt.

Ihr Vortrag enttäuschte mich allerdings: Traditional clothing and home decorations of the Baltic-Finnish people of Russia, made in nalbinding, knitting, or crocheting techniques in the end of 19th – the beginning of the 20th century. Uninspiriert haspelte sie den Text herunter und ließ der Zuhörerschaft keine Zeit zum Betrachten der Bilder. Nicht einmal die Fachbegriffe "needle binding, crochet, knitting" waren ihr geläufig, alles "knitting". Nicht nur ich war sauer.

agsdi-bulb

Etre fidèle à la tradition, c'est être fidèle à la flamme et non à la cendre.

Einer Tradition treu zu sein bedeutet der Flamme treu zu sein und nicht der Asche.  - Jean Jaurès

Danke, Uschi, für dieses Zitat!

Olga Konkova referierte über Revival of the traditional knitting of indigenous peoples of the Leningrad Region: the project "VILLAVÄKI - The Woolen People". Die Gruppe stattet die lokalen Museen mit den rekonstruierten Strickstücken und Trachten aus und konzentriert sich nur darauf. Das ist Verwahren der Asche und kein Weitergeben des Feuers!

Die Webseite des Villaväki-Projekts: http://kmn-lo.ru/proekty/villavaki

Der dritte Vortrag am Abend allerdings gefiel mir außerordentlich und machte mich froh: Albina Lebedeva ist von der Stadt aufs Land gezogen, hat Frauen gesucht, die (noch) stricken und vertreibt deren Handschuhe auf Märkten und Ausstellungen, sichert den Frauen auf diese Weise ein EInkommen. Sogar auf Design-Messen in Moskau stellt sie die Strickwaren vor. Ein wunderbares Unterfangen und ein Schwimmen gegen den "Mode-Strom", denn gestrickt wird in Russland - präferiert werden teure Garne und internationale Strickmagazine ...

Mehr Infos:

Nordic Knitting Symposium V

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Ich habe mir fest vorgenommen, von jetzt an jeden Tag mindestens einen Bericht über das Symposium, das Craft Camp oder die Woche dawischen hier auf der Wockensolle zu verfassen, und deshalb folgt hier jetzt der Bericht über den 3. Tag, den Mittwoch, in Viljandi.

Jeden Abend nach dem Essen gab es noch Vorträge, Vorträge die jeweils einem Thema / Land gewidmet waren.

Am Abend des zweiten Tages wurden weitere Aspekte des estnischen Strickens vorgestellt:

  • Riina Tomberg referierte über die traditionelle Strickkleidung der estnischen Schweden, den Elbofolke
  • Anu Pink beantwortete die Frage, ob wirklich 30 verschiedene Sockenfersen-Typen in Estland gestrickt wurden in ihrem Vortrag "Local Variations on the Construction of Socks in Estonia in the 19th Century" und es gab wahrscheinlich noch mehr Sockenfersen-Varianten.
  • Kristi Jõeste referierte über den Stellenwert des traditionellen Strickens im heutigen Estland.

Vera Maksimovskaya, Spezialistin für die Strickweisen der nördlichen Region im Arkhangelsker Bezirk

Aber der Reihe nach. An diesem, dem dritten Tag nahm ich am Workshop der bezaubernden Vera Maksimovskaya teil; sie vermittelte uns die Muster und Farben der Mezen-Region am Nordmeer, nordöstlich von Arkhangelsk.
Das Werkstück für dieses Thema: Kinderhandschuhe.

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Vera sprach etwas Englisch (das im Verlauf der Konferenz immer besser wurde), die Dolmetscherin ein ausgezeichnetes Englisch, aber manchmal musste doch noch online in einem Wörterbuch nachgeschlagen werden...

Was ist nun das Besondere an diesen Handschuhen?

  • Die großen Muster ähneln den Mustern vieler finno-ugrischen Volksgruppen, z.B. der Komi
  • Das Daumenmuster wird nur auf der Vorderseite gestrickt und fügt sich fast unsichtbar in das Hauptmuster ein
  • An der Handschuhspitze wird darauf geachtet, daß die Musterfarben bis zur Spitze hin ungestört weiterlaufen
  • Für die Spitze wird solange abgenommen, bis nur noch 9 Maschen übrig bleiben, dann werden die mittleren 3 Maschen so zusammengestrickt, daß die mittlerste Masche sichtbar bleibt und die restlichen Außenmaschen werden abwechselnd von rechts und links über diese Masche gezogen.

Eine verblüffend einfache Spitzenvariante, die die meisten von uns noch nicht kannten.

Die Handschuhspitze in Großaufnahme

Seitliche Aufnahme der Spitze

Aber natürlich strickt man in solch nördlicher Gegend nicht nur Handschuhe, Vera zeigte uns auch interessante Strümpfe mit reizvollen Fersenlösungen.

Lettland bildete den Schwerpunkt der abendlichen Vorträge und dies waren die Themen:

  • Irita Žeiere referierte über Knitted Items in the Latvian Archaeological Materials, sie arbeitet in der archäologischen Abteilung des Lettischen Historischen Museums
  • Inita Heinola stellte Knitted gloves, mittens, socks and stockings in Latvia vor, sie ist Chef-Kuratorin der Textil- und Bekleidungssammlungen des Lettischen Historischen Museums
  • und Ziedite Muze stellte unser Buch ""Mittens of Latvia"  ̶  an inspiration book for knitters" vor. Das war ein gelungener Vortrag, mit den beiden anderen Vorträgen waren wir Zuhörer wohl alle nicht so zufrieden, die beiden Damen trugen uninspiriert und in schlechtem Englisch vor (obwohl Dolmetscherinnen bereit standen) und beherrschten nicht einmal die Aussprache der grundsätzlichsten Begriffe.

Ziedite lud zum Schluß Ihres Vortrags dann noch zur Teilnahme am Handschuh-Flashmob (meine Bezeichnung) am 18. November in Riga ein.

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